Tagesdosis 1.10.2018 – Wer den Kapitalismus behalten will, bekommt Imperialismus

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Lohndumping, Rentenklau, Mieten-Explosion, Flüchtlingskrise, Armut, Umweltzerstörung: Die Symptome des Spätkapitalismus sind unübersehbar. In vielen alternativen Medien werden sie – und das ist gut so – kräftig angeprangert. Doch die Kritik greift meist zu kurz. Abgelegt unter Schlagworten, wie »Globalisierung«, »Staatsversagen«, »Finanzfaschismus«, etc., folgen ihr schlichte Schlussfolgerungen: Wer kein Nationalist sei, besorge das Werk der »Globalisierer« und »Politmarionetten«, gehöre wohl zu den »Antideutschen«, ja, der fördere gar Lohndumping und Sozialabbau, so heißt es gerne. Dies aber beruht mehr auf ideologischen Kurzschlüssen als auf rationaler Systemanalyse.

»Globalisierung« meint, zusammengefasst, die zügellose Ausbreitung des Kapitals auf Kosten der lohnabhängigen Mehrheit, verbunden mit dem Abbau bislang staatlich geregelter sozialer Rechte. Ein Begriff dafür wurde schon vor über 100 Jahren geprägt: Imperialismus. Kritiker schieben das gerne einem ominösen Politikversagen zu. Das ist Quatsch.

Imperialismus ist schlicht eine Folge der Entwicklung der kapitalistischen Profitmaschine. So findet jede Produktion in diesem Wirtschaftssystem nur aus einem Grund statt: Profit für die Konzernherren. Das war noch nie anders, auch nicht in den 1960er Jahren. Bei dem Spiel gewinnt der Stärkste. So konzentriert sich das Kapital zunehmend in immer weniger Händen. Industrie- und Geldkapital verschmelzen zu Monopolen. Dieses Finanzkapital dirigiert den Gesamtkapitalisten namens Staat. Und der tut, was seine Aufgabe ist. Er managt für seine Auftraggeber die Ausbeutung der lohnabhängigen Massen. Er sorgt dafür, dass Profite in die Taschen der Eigner fließen, um möglichst viel über Steuern davon abzugreifen.

Mit diesem Geld sorgt der Staat folglich dafür, dass Konzerne wachsen können. Das müssen sie, um gegen Konkurrenten zu bestehen. Um billig zu produzieren, exportieren sie ihr Kapital. Das heißt: Unternehmen gehen dahin, wo Rohstoffe lagern und Arbeitskraft am billigsten ist: In die militärisch unterjochte Peripherie, die sogenannte »dritte Welt«. Der Staat rüstet auf, um andere Länder zu unterdrücken und genau diesen Kapitalexport zu ermöglichen und die an ihn Steuern abführenden Konzerne oben zu halten. Dieses Stadium des Kapitalismus nennt sich Imperialismus.

Zusammengefasst: Finanzmonopole entstehen durch systemimmanente zunehmende Konzentration von Kapital in wenigen Händen. Der Nationalstaat ist dabei ein Instrument des Finanzkapitals. Um dessen ökonomische Macht zu erhalten, meißelt er bürgerliches Eigentumsrecht in Stein und zwingt mit repressiven Gesetzen wie Hartz IV Lohnabhängige in die Ausbeutungsmaschine. Um das durchzusetzen, beansprucht er das Gewaltmonopol mittels Polizei und Militär. Letztlich bestimmt die Entwicklung des Kapitalismus das Vorgehen des Staats, nicht umgekehrt. Der Staat war schon immer der Manager des Großkapitals.

Das Industriekapital war schon immer eng mit dem Geldkapital verbunden: Banken versorgen die Industrie mit dem Tauschäquivalent Geld. Die Industrie legt es im Produktionsprozess an. Mittels fremder Arbeitskraft schafft sie neue Waren. Von der Arbeitskraft schöpft sie Mehrwert ab, indem sie den Arbeitern viel weniger gibt, als sie an Wert produzieren. Von diesem Profit gibt sie der Bank über den Zins einen Teil ab – als Preis für die Kapitalanleihe. Oder der Kredit nehmende Lohnarbeiter arbeitet über die Jahre der Zinszahlung für die Bank. Die Bank wird zum »Dirigenten über die Arbeit«. So entstammt auch der Zinsprofit der Banken letztlich immer menschlicher Arbeit. Geld selbst kann nun einmal nicht arbeiten. Das heißt: Von der Wirtschaft scheinbar entkoppelte Geldgeschäfte, wie Spekulationen, sind so etwas wie Anleihen auf zukünftige Arbeit. Kann diese nicht realisiert werden – was mit dem technologischen Fortschritt die Regel werden wird – entstehen die Blasen, die irgendwann platzen und Wirtschaftskrisen auslösen.

Warum nun erzeugt rein maschinelle Arbeit, gesamtwirtschaftlich betrachtet, keinen neuen Profit? Weil Maschinen lediglich ihren bereits bezahlten Kaufwert in die Waren abgeben. Bringen sie eine gute Leistung im Laufe ihrer Lebensdauer, wird die Produktion billiger, was sich, dank der Konkurrenz, auf die Preise früher oder später niederschlägt. Wirklich ausgebeutet werden kann nur menschliche Arbeit, etwa über Lohndumping, unbezahlte Mehrarbeit, schlechte Arbeitsbedingungen und so weiter.

Ein Blick auf die globale Profitmaschine offenbart noch etwas anderes: Laut Statistischem Bundesamt wächst in Deutschland – wie in anderen imperialistischen Zentren – der Dienstleistungssektor. Dazu gehören zum Beispiel soziale Unternehmen, das Transportwesen, der Handel, die Finanzbranche. Drei Viertel der deutschen Unternehmen gehörten 2017 zum Dienstleistungssektor – Tendenz steigend.

Der produktive Sektor, namentlich Rohstoffgewinnung, Landwirtschaft, Industrie und Baugewerbe, ist indes auf 25 Prozent geschrumpft. Im Jahr 1950 war das noch umgekehrt. In den Peripheriestaaten – zu denen auch die meisten Heimatländer der Flüchtlinge gehören – ist das heute noch so.

Nun schafft die Dienstleistungsbranche keinen eigenen Mehrwert. Sie profitiert vielmehr mit am woanders abgeschöpften Profit. Und der wird, wie die beschriebene Entwicklung zeigt, vor allem in der Peripherie erzeugt, fließt aber großteils in die imperialistischen Zentren. Ein Beispiel: Der Großhändler H&M profitiert – neben Fabrikbetreibern und Transportunternehmern – von Textilien aus Baumwolle, die in Indien unter elenden Bedingungen angebaut und verarbeitet wird. All das Geld, was sich Kapitalbesitzer auf dem Weg bis zum Verkauf einstecken, haben primär die Baumwollpflückerin und die Textilarbeiterin in Indien erzeugt.

So kann man konstatieren: Profite deutscher Unternehmen basieren vor allem auf Ausbeutung der »dritten Welt« – also der Heimat der meisten Flüchtlinge. Der deutsche Staat forciert das profitable Geschäft, um davon möglichst viel abzugreifen, was es ihm wiederum ermöglicht, weiter militärisch aufzurüsten. Freilich steckt der Staat auch Geld in Soziales. Doch der einzige Grund dafür ist: Er will keine Revolten provozieren.

Doch warum kürzt der Staat seit Jahren Sozialausgaben und privatisiert Krankenhäuser, Immobilien, Autobahnen und sonstige Unternehmen der öffentlichen Daseinsvorsorge? Viele Kritiker meinen, es seien einfach die falschen Politiker am Werk. Sogar Linke suggerieren das. Dabei tut der Staat schlicht das, was ihm die kapitalistische Entwicklung im 21. Jahrhundert gebietet: Die fortschreitende Kapitalkonzentration, verbunden mit endlosem Wachstumszwang auf einem begrenzten Planeten, lässt neue Anlagemöglichkeiten für das Großkapital schwinden. Fehlen diese, stagniert das Wachstum. Es drohen Rezession und Krise. So gibt der Staat schließlich alles, was geht, der Kapitalverwertung preis. Zugleich steckt er immer mehr Geld in Aufrüstung, um den Kapitalexport notfalls militärisch zu beschleunigen. Das Geld fehlt im Sozialetat.

Das Großkapital strebt stets nach Maximalprofit. Daher wird es immer das größtmögliche Lohndumping anstreben. Wer da nicht mitspielt, geht früher oder später unter. Die Politik lobt dies als Wettbewerb und managt das Spiel. Selbstverständlich wird das Großkapital auch versuchen, aus Flüchtlingen und Arbeitsmigranten größtmöglichen Profit zu schlagen, also die Löhne zu drücken.

Doch dies forcierte der Staat für das Großkapital auch schon vorher, etwa durch Hartz IV. Je mehr der Kapitalismus an seine natürlichen Grenzen stößt, je schneller neue Anlagemöglichkeiten schwinden und Arbeitskraft unnötig wird, desto mehr muss das Kapital nach systemischer Logik die Mehrwert schaffenden produktiv Tätigen ausnehmen – unabhängig von Flüchtlingen und Arbeitsmigration.

Der Exportweltmeister und Gesamtkapitalist Deutschland ist ein imperialistischer Player im großen Spiel. Es ist ziemlich dumm, sich auf die Seite genau dieses Staats zu stellen, sich mit ihm gemein zu machen. Dem Imperialismus kann wohl kaum Einhalt geboten werden durch Unterstützung eines imperialistischen Players. Nationalismus führt definitiv nicht zu weniger, sondern zu mehr Imperialismus. Dieser kann, als Entwicklungsstufe des Kapitalismus, letztlich nur von unten – und das unabhängig von Nationalität und Ethnie – bekämpft werden. Das heißt im ersten Schritt: Man muss gleiche Rechte für alle fordern. Jede Spaltung entsolidarisiert die lohnabhängige Klasse und spielt den Imperialisten in die Hände.

Derselben Schimäre – Nationalismus versus Imperialismus – sind die sogenannten Antideutschen aufgesessen. Sie stellen sich zwar – in der Regel – nicht auf die Seite des deutschen Gesamtkapitalisten, dafür auf die der USA und Israels. Darum sind sie keineswegs anti-nationalistisch. Sie beantworten es nur spiegelverkehrt und sagen: Wer keinen deutschen Nationalismus wolle, müsse den Imperialismus fördern.  So stellen sie sich, paradoxerweise, doch auf die Seite des deutschen Gesamtkapitalisten. Da reicht ein Blick auf den Vorstand der viel zitierten Amadeu-Antonio-Stiftung unter Anetta Kahane. Denn dort ist der Staat sogar mit einem Mann vom Verfassungsschutz vertreten.

Und letztendlich bleibt festzustellen: Faschismus, den die »Antideutschen zu bekämpfen vorgeben«, wird zwar durch einen Nationalstaat umgesetzt. Letztlich aber wird er forciert durch Teile des nach Imperialismus strebenden Großkapitals, das seine Felle wegschwimmen sieht. Faschismus ist lediglich eine Form des kapitalistischen Managements. Darum will ich mit den Worten von Max Horkheimer schließen, den »Antideutsche« so gern zitieren, aber offenbar nie verstanden haben: »Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte vom Faschismus schweigen.« Ich ergänze: Wer den Kapitalismus behalten will, bekommt am Ende notgedrungen den Imperialismus.

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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63 Kommentare zu: “Tagesdosis 1.10.2018 – Wer den Kapitalismus behalten will, bekommt Imperialismus

  1. Frau Bonath,

    ich möchte nochmal nachhaken zum Thema „Mehrwert kann nur von menschlicher Arbeitskraft abgeschöpft werden“:

    Stellen wir uns doch mal folgende Utopie (oder Dystopie?) vor:

    1. Annahme: Alle menschliche Arbeit wurde automatisiert. Die bestehenden Maschinen warten sich selbst und optimieren die logistischen Prozesse. (Darüber hinausgehend sind sie meinetwegen nicht innovativ.)

    2. Annahme: Menschen werden ökonomisch nur noch als Konsumenten benötigt. Das wird durch ein üppiges (bzw. optimal austariertes) Grundeinkommen ermöglicht.

    3. Annahme: Es gibt weiterhin Kapitalismus mit privatwirtschaftlich organisierten, konkurrierenden Unternehmern (und Eigentümern) sowie einem effizienten Markt.

    -> Die (gut wirtschaftenden) Unternehmer würden doch in diesem Szenario weiterhin Gewinne machen. Woher stammen die nun, da ja die menschliche Arbeitskraft quasi komplett „ausgemerzt“ ist?

    -> Wollen Sie das nun alles dadurch erklären, dass das technisch nicht möglich sei, oder dass die Unternehmer möglicherweise selbst noch ein wenig Arbeit verrichten bei der Organisation ihres Unternehmens, oder dass die Erfinder der Maschinen damals Arbeit verrichtet haben für deren Herstellung? Mag ja sein – aber werden die sehr, sehr wenigen Erfinder (oder gar die Unternehmer selbst) dann „ausgebeutet“?

    • Auch wenn ich nicht Frau Bonath bin und Ausbeutung nicht für den wesentlichen Webfehler (im Sinne anstehender Krisen und Klassenkampf) dieser Formation halte:
      Wir können seit Beginn der 1970-er Jahre eine Profitkrise verzeichnen. Bretton-Woods und „Finanzprodukte“ (Derivate, Wetten usw.) sind Ausdruck davon. Da Kapital als zwingendes gesellschaftliches Verhältnis nicht mehr in produktive Arbeit investiert werden kann, führt es im Vorgriff auf zukünftige Wertproduktion ein Chimären-Dasein im wachsenden und ungedeckten Finanzkapital. Die Ursache liegt in der steigenden Produktivität, also – um bei der Marxschen Terminologie zu bleiben – dem Ersatz lebendiger Arbeit durch tote Arbeit.
      Steigende Produktivität bedeutet, dass weniger menschliche Energie mehr stoffliche Produkte erzeugt, denen die aufgewendete Energie als Wert anhaftet. Deshalb steigert die Produktivität niemals den Wert, sondern vermindert ihn stets. Wer, wie die sogenannte Wirtschaftswissenschaft, das Gegenteil behauptet, verwechselt die gesellschaftliche Ebene mit der betriebswirtschaftlichen oder das Gesamtkapital mit dem Einzelkapital. Das einzelne Kapital, das in der Produktion zunächst isoliert seine eigene Produktivität steigert, erlangt einen Vorteil in der Konkurrenz. Es bietet die einzelne Ware billiger an, kann auf diese Weise mehr Waren absetzen und gerade dadurch einen größeren Teil der (gesamt)-gesellschaftlichen Wertmasse für sich realisieren. Was betriebswirtschaftlich als steigender Profit und damit als steigende „Wertschöpfung“ erscheint, trägt jedoch gesellschaftlich zur Verminderung des Werts bei, und zwar auf Kosten anderer Einzelkapitale. Wenn sich die höhere Produktivität verallgemeinert, die Nähmaschine oder der Nähroboter die Näherin verdrängt, verliert das innovative Einzelkapital seinen Vorteil in der Konkurrenz. Das ist aber keineswegs die Rückkehr zu einem Nullpunkt oder einem früheren Ausgangspunkt. Vielmehr wird die gesteigerte Produktivität nun zum neuen allgemeinen Standard. Die Arbeitsstunde als Grundeinheit der abstrakten Arbeit ist immer dieselbe, sie kann als solche überhaupt nicht verschiedene „Niveaus“ haben. Der neue, höhere Standard der Produktivität erzwingt aber, dass weniger dieser immergleichen Stunden abstrakter Arbeit für eine wachsende Masse von Produkten (mit je weniger Wert) benötigt werden. Wenn in der Krise, also beim Crash oder beim sattsam bekannten Krieg größerer Ordnung, Kapital entwertet und vernichtet wird, bleibt trotzdem der einmal erreichte Standard der Produktivität erhalten, weil dieser in das Aggregat des Wissens, des know how eingeschrieben ist. Um es deutlich zu sagen: Der Kapitalismus kann nicht vom Niveau der Mikroelektronik zum Niveau der Dampfmaschine zurückkehren. Eine neue Steigerung des Werts wird immer schwieriger, wenn sie auf immer höherem Niveau der Produktivität und damit der verminderten Substanz abstrakter Arbeit stattfinden muss. In den Blütejahren des Kapitalverhältnisses bis in die 1920-er Jahre war diese stetige Verminderung des Werts nur relativ. Bei steigendem Standard der Produktivität konnte das einzelne Produkt zwar immer weniger abstrakte Arbeit und damit Wert repräsentieren. Durch die entsprechende Verbilligung gingen jedoch immer mehr frühere Luxuswaren in den Massenkonsum ein, Produktion und Märkte erweiterten sich. Die relative Verminderung der gesellschaftlichen Wertsubstanz pro einzelnem Produkt konnte daher trotzdem zu einer absoluten Vergrößerung der gesamtgesellschaftlichen Wertmasse führen, weil die erweiterte gesellschaftliche Produktion insgesamt mehr abstrakte Arbeit mobilisierte, als bei der Herstellung der einzelnen Produkte überflüssig gemacht wurde. Damit verbunden ist der Mechanismus, den Marx als Produktion des „relativen Mehrwerts“ bezeichnet hat. Derselbe Prozess, der den relativen Anteil der allein Wert produzierenden Arbeitskraft am Gesamtkapital stetig vermindert, senkt zusammen mit dem Wert der Lebensmittel für die Reproduktion dieser Arbeitskraft auch deren eigenen Wert und erhöht damit den relativen Anteil des Mehrwerts an der gesamten Produktion von Wert. Das gilt jedoch nur pro einzelne Arbeitskraft. Für die gesellschaftliche Quantität von Wert und Mehrwert ist aber entscheidend, in welchem Verhältnis die Steigerung des relativen Mehrwerts pro einzelne Arbeitskraft zur Zahl der Arbeitskräfte steht, die gemäß dem Standard der Produktivität gesellschaftlich angewendet werden können. Im Maschinenfragment der „Grundrisse“ und auch im 3. Band des „Kapital“ deutet Marx an, dass die Steigerung der Produktivität logisch einen Punkt erreichen muss, an dem sie mehr abstrakte Arbeit überflüssig macht, als durch die Erweiterung der Märkte und der Produktion zusätzlich mobilisiert werden kann. Dann nützt auch die Erhöhung des relativen Mehrwerts pro einzelne Arbeitskraft nichts mehr, weil die Zahl der insgesamt anwendbaren Arbeitskräfte zu stark sinkt; das Heer der Überflüssigen Reservearbeiter steigt und muss auch noch gefüttert werden. Es lässt sich zeigen, dass dieser von Marx abstrakt antizipierte Punkt mit der 3. industriellen Revolution konkret-historisch erreicht wird, erst recht mit der anstehenden 4. industriellen Revolution der Robotik. Sonst hätte das Kapital auf seinen eigenen produktiven Grundlagen genügend abstrakte Arbeit mobilisieren und die reale Produktion von Wert steigern können (Industrieanlagen, Gewerbebetriebe usw.), statt diese in einer beispiellosen Größenordnung durch Verschuldung, Finanzblasen und Staatskredit subventionieren zu müssen. Die Schocks der Entwertung auf allen Ebenen des Kapitals vollziehen sich unter unseren Augen. Aber es wird keine Rückkehr zu einem Nullpunkt geben, von dem aus das ganze Theater von neuem beginnen könnte. Vielmehr bleibt die Ursache des Desasters bestehen, nämlich der von der 3. und kommenden 4. industriellen Revolution gesetzte neue und irreversible Standard der Produktivität. Deshalb kann heutzutage nur noch immer neues substanzloses Geldkapital von Staaten und Banken kreiert werden, das dann in Blasen investiert schließlich in immer kürzeren Abständen kollabieren wird.
      Punkt 1. führt unter den gegebenen Verhältnissen vermutlich zur Massentötung der Überflüssigen, die aus der sinkenden Wertmasse nicht gefüttert werden können. Die Barbarei hat hier bereits begonnen.
      Punkt 2. ist unter den gegebenen Verhältnissen frommes Wunschdenken. Reale Konsumenten sind im Modus der Simulation von Wertproduktion nicht wirklich erforderlich. Die „Verwertung des Werts“ findet längst nur noch im finanzkapitalistischen Sphären statt. Inwieweit Realwirtschaft und reale Menschen hier zukünftig in nennenswertem Ausmaß erforderlich sind, ist umstritten … wird sich uns zeigen. Die Barbarei hat bereits begonnen.
      Punkt 3. der Markt ist nie effizient, dass gehört zu den Marktmärchen der Wirtschaftswissenschaften. In der Zirkulation (Markt) geht es schlicht darum, den an den Waren „klebenden“ Wert zu realisieren, ein Wert der zuvor jenseits des Marktes in der kapitalistischen Produktion (siehe einleitende Erklärung) als gesellschaftliches Zwangsverhältnis geschaffen wurde. Der Markt dient nicht zur Allokation von Gütern nach Bedarf, sondern zur Realisierung von vorgeschossenem Kapital plus Profit. Die „gut wirtschaftenden Unternehmer“ wären dann die, die bei der „Reise nach Jerusalem“ (das Kinderspiel) um den letzten Stuhl kämpfen, also die, die das letzte bisschen relativen Mehrwerts an sich ziehen. Bleiben wir bei Ihren Annahmen, werden dieses Endstadium aber nur die wenigsten erleben, wobei es zweifelhaft ist, ob solches Erleben zu wünschen sein dürfte.
      Immerhin haben die Leute bisher – soweit man das sehen kann – zwei Formationen, die nicht mehr praktikabel waren, kassiert und eine neue Welterklärung geschaffen. Vielleicht klappt es ja auch dieses Mal.

    • @ Petra

      „Der Kapitalismus kann nicht vom Niveau der Mikroelektronik zum Niveau der Dampfmaschine zurückkehren.“

      Es geht nicht darum, zur Dampfmaschine zurückzukehren. Ist auch gar nicht nötig. Neues Bretton Woods; Trennbankensystem, direkte Demokratie, Dezentralisierung, etc., etc., etc. Wenn wir (noch) Demokratie haben, dann ist das möglich.

      „Durch die entsprechende Verbilligung gingen jedoch immer mehr frühere Luxuswaren in den Massenkonsum ein, Produktion und Märkte erweiterten sich. Die relative Verminderung der gesellschaftlichen Wertsubstanz pro einzelnem Produkt konnte daher trotzdem zu einer absoluten Vergrößerung der gesamtgesellschaftlichen Wertmasse führen.“

      Absolute Vergrößerung der gesamtgesellschaftlichen Wertmasse? Absoluter Trickle-Down? Sind jetzt alle absolut reicher geworden? Wer ist diese Gesamtgesellschaft? Gesamtgesellschaftliche Wertmasse? Ich sehe das gesamtgesellschaftlich schlechtestmögliche Wert-Ergebnis.

      All das hat weniger mit Kapitalismus zu tun (empfehle Andre Vltcheks Artikel zu Singapore: “Singapore is frightened, but it defends its own crypto-communist path”; new eastern outlook) , sondern viel mehr mit unserer Entscheidung für oder gegen den „Race To The Bottom“, also vor allem mit der Frage, ob wir konkurrieren oder kooporieren, sowie dem Phänomen der radikalen Vermassung (von Luxusgütern wie Luxusmenschen (sog. Eliten, Influencer, Ortega y Gasset).

      Dieser „Race to the bottom“ lässt führt zu einem Eisberg, von dem 99% sich unter dem Wasser befindet.

      Wikipedia: Anders formuliert stellt sich das Dilemma so dar: Die individuell vorteilhafter erscheinende Handlungsoption – nicht kooperieren – erzeugt am Ende ein für alle Handelnden unvorteilhafteres Ergebnis: Man trifft sich am Ende am „bottom“, beim kollektiv schlechtestmöglichen Ergebnis.

      Kollektiv schlechtestmögliches Ergebnis auch für das 1 Prozent.

      Wikipedia: Grundvoraussetzung des Modells sind, dass Standards (etwa das Niveau des Kündigungsschutzes) nur für begrenzte Räume (z.B. Nationen) festgelegt werden und die zugehörigen Wirtschaftsakteure (etwa Finanzinvestoren) sich weit über diese begrenzten Räume hinaus frei bewegen können.

      Am Ende Ihres Kommentars kommen Sie zum entscheidenden Punkt: Die „Reise nach Jerusalem“ ist der Race to the
      bottom, aber das ist kein Kinderspiel. Wir haben die Wahl zwischen Konkurrenz oder Kooperation. Wenn wir (noch) Demokratie haben, dann ist das möglich. Nachdenken über das westliche Konzept und das östliche Modell der Demokratie scheint mir auch erforderlich (auch dazu interessant der erwähnte Artikel von Andre Vltchek).

    • @ Petra:

      Ergänzung:

      “Da Kapital als zwingendes gesellschaftliches Verhältnis nicht mehr in produktive Arbeit investiert werden kann, führt es im Vorgriff auf zukünftige Wertproduktion ein Chimären-Dasein im wachsenden und ungedeckten Finanzkapital. Die Ursache liegt in der steigenden Produktivität, also – um bei der Marxschen Terminologie zu bleiben – dem Ersatz lebendiger Arbeit durch tote Arbeit.”

      “Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande.” Goethe

      Das erste Knopfloch:
      Das Chimären-Dasein entsteht bereits beim ersten Knopfloch, wenn in einem mystischen Akt Geld aus dem Nichts (ungedeckt) geschöpft wird, also hier bereits im Vorgriff (=betrügerisch) zukünftige Wertproduktion geschöpft wird – und dieses Chimären-Dasein wird fortgesetzt im wachsenden und (wie schon gesagt) ungedeckten Finanzkapital. Die Ursache liegt im ersten Knopfloch. Zu lebendiger und toter Arbeit: Sklaven nannte man „lebende Ware“. Wer nicht Grundeigentümer ist und/oder von Zinsen leben kann, der ist heute auch immer noch „lebende Ware“. Was soll der Mythos der „lebendigen Arbeit“. Schaffen wir ihn ab, meinetwegen auch mit Robotern.

    • @ Petra:

      Fällt mir jetzt erst auf. Sie nannten ES „Vorgriff“. An anderer Stelle wurde ES „Vorschuss“ genannt.
      Meine Antwort ist wie gehabt:
      Dem Nichts einen Namen (Vorschuss) geben, das ist Mystik. Vorschuss dient als Metapher, deren man sich bedient, um das Nichtbenennbare ES zu benennen, so wie ER den Namen Gott für die Schöpfung erhielt. Wann der Mensch dieses Schöpferspiel treibt, gehen die Dinge meist furchtbar schief. Und dann fällt ihm die Sache mit der kreativen Destruktion ein. Von der Natur lernen wird da falsch verstanden.

    • @ Petra:

      Zu Animismus und religiösen Formationen:

      Schließlich, in Ermangelung Ihrer weiterer Ausführung ihrer insinuierten Unterstellung an anderer Stelle, hier meine Erklärung zu Ihrer Anmerkung weiter unten bezüglich „Animismus und religiösen Formationen“. Schade, dass Sie diese Unterstellung nicht weiter ausgeführt haben. Ich vermute, Sie beziehen sich auf meinen Begriff „Dämonen“.

      Es sind die Dämonen, die u. a. Goethe in Faust meint. So meinte er auch: “ Je höher ein Mensch, desto mehr steht er unter dem Einfluß der Dämonen, und er muß nur immer aufpassen, daß sein leitender Wille nicht auf Abwege gerate.“

    • Moin, Tony!
      „Es geht nicht darum, zur Dampfmaschine zurückzukehren. Ist auch gar nicht nötig. Neues Bretton Woods; Trennbankensystem, direkte Demokratie, Dezentralisierung, etc., etc., etc. Wenn wir (noch) Demokratie haben, dann ist das möglich.“
      Glauben Sie wirklich, dass irgendetwas in dem zit. Sinne geschieht, das den Menschen (Nichtbesitzenden) zum Vorteil gereicht, ohne dass man/wir uns das gewaltsam holen muessen? Ich denke wir muessen hier nicht ins Detail gehen, um die Mechanismen des Kapitalismus/Imperialismus zu bestimmen. Aber so viel steht doch wohl fest: die „Demokratie“ hier auf Erden unter kapitalistischer Herrschaft wird nichts aber rein gar nichts tun/zulassen, was nur irgendwie die Profite des Kapitals schmälern wuerde.
      Nach meiner Einschätzung wird es eher Krieg geben (Kapitalvernichtung! Man uebt ja schon fleissig an „kleineren“ Scharmuetzeln) als eine demokratische Umorientierung wie Sie es fordern.
      Im Uebrigen halte ich Ihre Vorstellung, dass „Wir (…) die Wahl haben zwischen Konkurrenz oder Kooperation. Wenn wir (noch) Demokratie haben, dann ist das möglich.“
      Wir können in unserem System nicht per Akklamation entscheiden ob wir so oder so wollen, sondern sind den Zwängen des kapitalistischen Wirtschaftens unterworfen. Nur eine gewaltsame Eroberung der Macht im Staate wird uns die von ihnen gewuenschte Entscheidungsmöglichkeit bringen.
      mfG

    • 1. Wenn Maschinen sich selbst reproduzieren und ohne menschliches Zutun Waren produzieren, brauchen deren Eigentümer keine Lohnarbeiter mehr, die mittels Lohn ernährt werden müssen. Das ökonomische (Spannungs)Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit – also die Ausbeutung von Arbeitskraft zum Zweck des Profitabschöpfens – wäre obsolet. Lohnarbeiter würden überflüssig, keiner muss aus kapitalistischer Sicht mehr ernährt werden – also würde auch das Kapital überflüssig.

      2. Warum sollten Kapitalisten überflüssige Menschen ernähren, die sie nicht mehr zum Arbeiten brauchen? Würden sie nicht. Aber stellen wir uns mal vor, es wäre so: fünf Familien würden alle Produktionsmittel gehören und sie würden den Menschen ein „austariertes Grundeinkommen“ zahlen. Häh? Wie viel sollen die bekommen? Jeder 1.000 Euro? Alle gleich? Manche mehr? Aus welchem Grund die einen mehr, die anderen weniger? Merken Sie was? Das wäre kein Kapitalismus mehr. Aber ich verwette meinen Hintern darauf, dass sie eher nach und nach all das überflüssige „Humankapital“ vernichten – weil es sich nicht mehr rentiert.

      3. Es gab nie einen Kapitalismus der völligen Konkurrenz, weil Kapitalisten erstens einen Staat brauchen, um die Arbeiter zu unterdrücken und ihre Eigentumsrechte gewaltsam durchzusetzen, und zweitens weil der Stärkste immer gewinnt und die Monopole (und Kartelle) durch die stete Akkumulation wachsen. Und was bitte ist ein „effizienter Markt“? Erklären Sie das bitte mal genauer. Auch einen solchen gab es wohl nie.

      -> Wen meinen Sie mit „gut wirtschaftende Unternehmer“? BlackRock? Bayer-Monsanto? Walmart?

      Also wenn Ihre „Unternehmer“ keine Arbeiter mehr brauchen und alle Nichtkapitaleigentümer alimentieren sollen – oder wahlweise verhungern lassen – machen sie so oder so keine Gewinne mehr.

      Das letzte verstehe ich ebenfalls nicht so richtig. Ich glaube, das finden sie weiter oben in meinen Ausführungen. Nur so viel:
      1. Wozu sollen Kapitalisten noch Massen produzieren, wenn sie keine Arbeiter mehr benötigen? Das Kapital wäre aus kapitalistischer Sicht überflüssig.
      2. Wenn sie keine Massenproduktion mehr brauchen, brauchen sie auch keine „Erfinder“ mehr, die sie ausbeuten könnten.

    • @ Hog 1951

      Ich sagte doch: Wenn wir Demokratie haben…

      Das Problem ist, dass wir davon ausgehen, dass wir eine haben, daher schrieb ich: „Nachdenken über das westliche Konzept UND das östliche Modell der Demokratie scheint mir erforderlich.“ Das Modell des Crypto-Communism in Singapur soll nicht dargestellt werden, als die Verwirklichung dieses östlichen Modells. Es hat aber ein wesentliches Element davon: nämlich, dass die Gemeinschaft über dem Individuum steht, und dieses von der Gemeinschaft offensichtlich mehrheitlich akzeptiert wird. Andre Vltchek sagt selbst, daß er oft nicht sicher ist, was das System in Singapur ist, aber das einzige Problem dieses kleinen Stadtstaates scheint zu sein, daß es von Staaten umgeben ist mit enormen Bevölkerungszahlen und damit verbundenen Problemen, die zunehmend Singapur belasten. Singapur ist keine Demokratie im allg. westlichen Sinn, aber ein Beleg für Small is Beautiful ohne Demokratie.

      Ein Demokratie im radikal-demokratischen Sinne werden Sie uns nicht freiwillig geben. Eine gewaltsame Eroberung der Macht ist illusorisch. „Wenn du Deinen Feind nicht kennst, höre auf zu träumen“ trifft gerade für die zu, die das nicht für Illusion halten. Und wer an dieser Illusion festhält, der sollte sich die Geschichte nochmal ansehen. Ich halte nichts davon.

      Ich denke, wenn alles gut geht, d.h. ohne Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise, und was Europa und Russland angeht, es zwei Brücken geben könnte, eine nach Westen und eine nach Osten, dann wird es eine Annäherung der Systeme zwischen West und Ost geben. Die von der Atlantik-Brücke stellen sich das zwar anders vor; und der Trump will noch was anderes. Aber so wird`s im besten Fall wohl werden. Wohl gemerkt: im besten Fall heisst ohne Weltkrieg und ohne Weltwirtschaftskrise.
      Und im besten Fall werden wir uns mit dem östlichen System der Demokratie anfreunden müssen. Eine annähernde Beschreibung davon gibt ein Zitat von Goethe:

      „Nicht das macht frei, daß wir nichts über uns anerkennen wollen, sondern eben daß wir etwas verehren, das über uns ist. Denn indem wir es verehren, heben wir uns zu ihm hinauf und legen durch unsere Anerkennung an den Tag, daß wir selber das Höhere in uns tragen und wert sind, seinesgleichen zu sein.“

      Ja, Sie werden es uns nicht freiwillig geben. Und mit Gewalt schon gar nicht. Es gibt aber Wege der stillen, sanften Gewalt. Die Asiaten sind Meister darin. Die gilt es hier zu entwickeln, nach asiatischer Manier: still, sanft… Denn wie H. Mausfeld sagt, wenn es ausgesprochen ist, dann ist es schon sinnlos.

      Der Artikel von Andre Vltchek ist spannend.

    • Susan Bonath,

      danke für die Antwort.

      Bei aller Diskussion: Natürlich glaube ich auch nicht an den komplett „effizienten Markt“, das fand ich nur für mein hypothetisches Beispiel wichtig. Und bitte: Reden Sie nie wieder von „meinen“ Unternehmern – mit denen hab ich auch nichts zu tun. 😉

      Ihre Ausführungen sind interessant – und ich stimme Ihnen zu, dass die Groß-Kapitalisten möglicherweise alle anderen Menschen umbringen würden, falls sie diese nicht mehr als Arbeitskräfte benötigten. Allerdings war mein Beispiel ja hypothetisch, und natürlich werden weiterhin viele Menschen als Arbeitskräfte benötigt, wenn auch in Zukunft vielleicht deutlich weniger. (Auch da bin ich mir nicht sicher.) So schwarz-weiß kann man das also nicht sehen, und das Kapital ist weiterhin nicht überflüssig.

      Es wäre ja aber denkbar, dass ein Unternehmen (z.B. im Internetbereich) zu 99% alle Prozesse automatisiert hat und im Vergleich zu Unternehmen aus anderen Branchen nur minimale Arbeitsaufwände hat – trotzdem (oder auch gerade deshalb) aber große finanzielle Gewinne einfährt. Das ist ja alles andere als abwegig, z.B. wenn man an ein Unternehmen wie Google denkt.

      -> Da hakt doch die Theorie mit der Ausbeutung der Arbeitskraft als einziger Quelle für Profite gewaltig, oder etwa nicht?

    • Tony

      Leider (oder zum Glück?) wird es eine Weltwirtschaftskrise geben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, nur der genaue Zeitpunkt ist noch offen. Ernst Wolff kann das viel besser erklären als ich, oder auch Dirk Müller.

      Dann wird es sich zeigen, ob die Faschisten triumphieren – oder ob vernünftigere Alternativen (ökologischer, basisdemokratischer Sozialismus) eine Chance bekommen.

    • Hallo Benjamin R.,
      Danke auch für die Antwort. Und sorry, ich werde die nie wieder als „Ihre“ Unternehmer bezeichnen 😉

      Das Ding ist ja Folgendes: Jeden, der sich nicht in den produzierenden Lohnarbeitsprozess einbringt – und da werden ja nachweislich immer weniger Menschen benötigt – müssten die Kapitaleigentümer alimentieren. Und zwar vom Profit, den sie zuvor von realen Mehrwert produzierenden Arbeitern mittels Ausbeutung abgeschöpft haben. Davon müssen sie auch die Arbeiter finanzieren, die real unproduktive Arbeit leisten, also in der Logistik, der Werbeindustrie, im Finanzwesen/Finanztransfer, in sozialen Bereichen (wobei man den Staat immer als Manager des Kapitalismus, also den Gesamtkapitalisten betrachten muss, den er ist ja auch Kapitalist).

      Heißt: Der Kapitalismus basiert primär auf Abschöpfung von Mehrwert aus produktiver Lohnarbeit. Wenn wir ins 18./19. Jh., also in die Zeit der Industrialisierung, zurückblicken, war das aus Sicht der Kapitalisten nötig. Sie brauchten ja massenhaft Lohnarbeiter. Diese konnte der Staat, z.’B. im damaligen England, nur mittels brulalen Zwangs generieren, den Rest besorgte die Technik. Denn wer die neueste Technik besaß, konnte mehr und billiger produzieren. Kleine Handwerker und Bauern konnten da nicht mithalten. Und wenn der Staat noch kam und immer mehr Steuern einforderte, wurden die noch schneller mittellos. Es gab durchaus harte Kämpfe gegen die sog. Proletarisierung, also den Zwang von Massen in die Lohnarbeit.

      Also: Technik > Massenproduktion = Produktion wird billiger. Waren können billiger abgesetzt werden, dafür in Massen. So wird Konkurrenz ausgeschaltet. Das führt zur Kapitalkonzentration > auf längere Sicht zu Monopolbildung > Verschmelzung Bank- und Industriekapital > völlige Unterwerfung des Staats durch das dann präsente Finanzkapital > Imperialismus.

      Die Lohnarbeiter müssen die Waren, an deren Produktion sie beteiligt waren, kaufen, um zu überleben. Zugleich brauchen die Kapitaleigentümer die Lohnarbeiter = in deren Augen Humankapital.

      Daraus folgt zweierlei:

      1. Technologie > Massenproduktion mit zugleich sinkenden Lohnkosten > Produktion wird billiger > Waren können massenhafter und billiger abgesetzt werden > Konkurrenz wird ausgeschaltet. Beteutet: Maschinen wurden bereits produziert und vom Eigentümer gekauft, was dem Produzenten Profit beschert hat. Dann geben sie ihren Kaufwert in die Produkte, die sie herstellen, ab. Je mehr sie produzieren, desto billiger wird die Ware. Dank der Konkurrenz läuft das dann auch so. Die Unternehmer versuchen ganz gewaltig dagegen zu halten, siehe Kartellbildung.

      2. Wenn nun die Kapitaleigentümer immer weniger Lohnarbeiter (Humankapital) benötigen, werden diese aus Sicht der Kapitalisten überflüssig. (Darum auch die gern von der Politik bedienten Begriffe wie „Schmarotzer.) Der Gesamtkapitalist, der ja fleißig über Steuern (auch Unternehmensteuern stammen letzlich aus abgeschöpftem Mehrwert), müsste sie aus diesem Mehrwert alimentieren. Wie es so schön heißt: „fürs Nichtstun“ 😉

      Wieviel bekommt dann jeder „Unproduktive“? 800 Euro/Monat? 1.000 Euro? Damit würde er/sie sich eine bestimmte Menge an Gütern leisten können, aber eben nur eine bestimmte Menge. Alle gleich arm? Wir sehen: Damit würde der kapitalistische „heilige Markt“ aufgehoben. Er würde sinnlos.

      Nun kann man sagen: Die Kapitalisten würden ganz sicher ihre Macht behalten wollen.

      Knackpunkt: Sie brauchen keine bzw. immer weniger Menschen, die Lohnarbeit verrichten. Derzeit sieht alles danach aus, dass sie bereits dabei sind, „überflüssiges Humankapital“ zu vernichten. Dazu gibt es ja auch ne Menge Aussagen (Thema „Überbevölkerung“).

      Immer weniger Menschen werden also zum Lohnarbeiten gebraucht, und die fallen als Konsumenten großteils weg. (Parole: „Faulpelze nicht noch alimentieren“ – kapitalistische Logik.) Fallen Konsumenten weg, sinkt der Absatz. Erleben wir auch schon > Überproduktion, die in immer größeren Massen vernichtet wird, während anderswo „überflüssige“ Menschen im Elend verrecken. Dadurch und durch die Monopolbildung schwinden neue Anlagemöglichkeiten – deshalb ja die ganze Spekulation (auf zukünftige Arbeit, die teils nie mehr realisiert werden kann und zum immer schnelleren Platzen der Blasen (Krise) führt. Folge: Kleine Unternehmen gehen pleite, neue kommen nicht mehr hoch, Arbeitslosigkeit steigt > Armut verschärft sich, Nachfrage sinkt, Absatz geht zurück. Heißt: Neue Anlagemöglichkeiten schwinden = Kapitalanlagen lohnen sich nicht mehr > Kapital wird zunehmend überflüssig.

      Lösung? Entweder die Kapitalisten werden gute Menschen (was ich nicht glaube) und beginnen, die Produktion nach tatsächlichem Bedarf aus humanitären Gründen einzuführen. Das wäre dann quasi die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und das Ende des Kapitalismus. Oder aber sie vernichten überflüssiges Kapital und Humankapital, so sie am kapitalistischen Prinzip bis zum Crash festzuhalten gedenken (sehr wahrscheinlich).

      Keine rosigen Aussichten, sag ich mal. Und mit Blick auf meine Kinder und Enkel wäre mir da schon eine Revolution lieber.

      Apros noch einmal zum Erfinder: Natürlich gehört dieser, wie bspw. der Konstrukteur am Reißbrett, in den produktiven Prozess hinein. Ohne Denkarbeit kein neuer Computer, keine neue Maschine, kein technologischer Fortschritt. Aber die künstliche Intelligenz ist ja auch auf dem Vormarsch. Passt irgendwie zur irren, humanoiden Lebensform auf diesem Planeten.

    • Hallo Susan Bonath!

      „Und mit Blick auf meine Kinder und Enkel wäre mir da schon eine Revolution lieber.“

      -> Das geht mir genau so, in den wichtigsten Punkten sind wir uns da absolut einig. Ihrem letzten Kommentar kann ich auch voll und ganz zustimmen.

      Die Vernichtung von „Humankapital“ macht aber doch auch nur wirklich „Sinn“, wenn sie plötzlich von Statten geht, aus meiner Sicht. Mit einem Atomkrieg, zum Beispiel. So eine schleichende, sich quälend lange Jahre hinziehende Dezimierung der Menschen (= ehemaligen Konsumenten) würden doch die geheiligten Finanzmärkte sicher nicht goutieren…

      So lange aber auch die Reichsten noch etwas auf unseren Planeten als Heimat angewiesen sind, erkennen sie hoffentlich, dass sie z.B. einen Atomkrieg auch nicht überleben würden. Dann läuft es eben auf eine handelsübliche Weltwirtschaftskrise von nie dagewesenen Ausmaßen hinaus. Das halte ich für das wahrscheinlichste Szenario. Interessant dazu finde ich die Ausführungen z.B. von Dirk Müller, der für mich schlüssig darlegt, dass maßgebliche Kräfte der US-„Eliten“ dies bewusst herbeiführen wollen. Weil es ihr Kalkül ist, dass sie von einer Weltwirtschaftskrise relativ weniger getroffen würden als ihre v.a. chinesischen Konkurrenten. Und somit also insgesamt an Macht gewinnen würden.

      Irgendetwas Erbauliches möchte ich am Ende noch schreiben.
      In diesem Sinne: Schönes Wochenende! 🙂

  2. Susan Bonath schreibt:
    Imperialismus ist schlicht eine Folge der Entwicklung der kapitalistischen Profitmaschine.

    Wie kann man nur so tief im 19. Jahrhundert stecken? Das Zeitalter, wo man die Wirtschaft als Maschine betrachtet hat, ist vorbei, Susan. Geld regiert die Welt, nicht Kapital. Geld flutet mit Lichtgeschwindigkeit durch Glasfasern und um den Globus. Das ist der Anfang der Globalisierung.

    Alles andere folgt dem globalisierten Geld, großenteils unkontrolliert. Das ist kein ausgetüfteltes System, das man mit einem Wort wie Kapitalismus erfassen und dann mit einem Zauberspruch abschaffen kann wie Gott oder den Teufel.

    Die Krise ist kein Problem, Susan,
    das man mit Worten lösen kann.

    Du sagst unter dem Tag Zusammengefasst:
    Finanzmonopole entstehen durch systemimmanente zunehmende Konzentration von Kapital in wenigen Händen.

    Ojeh, wer hätte das gedacht! Und dann weil dieser Satz so selbstverständlich war, die steile These: Der Nationalstaat ist dabei ein Instrument des Finanzkapitals. Das Wort Instrument hat eine reale Bedeutung, die hier nicht anwendbar ist. Du willst wohl sagen, dass die Finanzwelt viel Einfluss auf Staaten hat.

    Das wussten wir bereits.

    Was ich vermute, es geht hier darum, Sahra Wagenknecht ins rechte Aus abzudrängen, weil sie gesagt hat, man könne einige Probleme auf nationaler Ebene lösen. Und das kann man auch, wenn man überhaupt an Lösungen interessiert ist und nicht nur daran, Applaus von Leuten zu bekommen, die in der gleichen Ideologie von 18hundert Tobak gefangen sind. Diese Verbohrten unterstellen jedem, der national sagt, dass er oder sie ein Nazi ist. Das ist ein kindliches Sprachverständnis.

    Hier zum Beispiel eine Lösung auf nationaler Ebene, ohne auf europäische oder globale Lösungen zu warten:

    Gegen Steuertricks der globalisierten Finanzwelt helfen nationale Quellensteuern, weil zum Beispiel eine globale Vermögenssteuer nicht möglich ist. Das sieht auch Thomas Piketty ein.

    Schaut mal an, was man mit Quellensteuern bewirken kann, anstatt solche Weisheiten durchzukauen, wie:
    Das Industriekapital war schon immer eng mit dem Geldkapital verbunden.
    Oje, wär hätte das gedacht. Warum heißt es nicht einfach: Die Industrie ist mit dem Geld verbunden?

    Das klingt banal und ist es auch. Aber, wenn man oder frau nur oft genug das Wörtchen Kapital einschiebt, klingt es besser, für manche klingt es sogar wissenschaftlich. Für mich klingt es antiquiert.

    Die Irrtümer und Eigensinnigkeiten von Karl Marx gewinnen nicht, wenn man sie heute und immer wieder nachbetet. Zum Beispiel, dass Gewinn nur durch menschliche Arbeit entsteht. Da sind etliche Verrenkungen erforderlich, um zu negieren, dass Gewinn auch durch Handel, Naturausbeutung, maschinelle Produktion und sogar durch Glück entstehen kann. Wer Glück hat und eine Goldader findet, passt nicht in das Gedankenkonstrukt, er muss erst Arbeiter einstellen, um die auszubeuten und dann Gewinn machen.

    Und über Dienstleistungen:
    Nun schafft die Dienstleistungsbranche keinen eigenen Mehrwert. Da kann man nur wünschen, dass man oder frau nicht einmal pflegebedürftig wird.

    Alles läuft dann darauf hinaus, dass wir eh nichts tun können, weil der Staat der Bösewicht ist, und das Schlimmste was uns passieren könnte, wäre, dass welche von uns an die Macht kommen. Leute wie Sahra Wagenknecht, die Querfrontfrau.

    Gegen solche Querlinke wird verkündet:
    Nationalismus führt definitiv nicht zu weniger, sondern zu mehr Imperialismus. Welch banaler Spruch. Hört sich aber gut an wegen definitiv.
    Und noch so ein Spruch:
    Faschismus ist lediglich eine Form des kapitalistischen Managements. Da sind der Susan wohl die Zeiten ein wenig durcheinander geraten, aber das Wörtchen lediglich macht auch diesen Satz lediglich sprechbar. Wie Unsinnig er ist, lässt sich leicht erkennen, wenn man wieder das Kapital herausstreicht:

    Faschismus ist lediglich eine Form… Vielleicht von Vogelschiss?

    Rob Kenius, „kritlit.de

    • „Das klingt banal und ist es auch. Aber, wenn man oder frau nur oft genug das Wörtchen Kapital einschiebt, klingt es besser, für manche klingt es sogar wissenschaftlich.“

      Erinnert mich an meinen Tutor in England. Wissend, dass Deutsche im Saal waren, meinte er: bei uns heisst das nicht Geschichtswissenschaft; bei uns heisst das History – His Story -.

    • @ Rob Kenius
      Das Kapital ist ein gesellschaftliches Verhältnis, eine Sozialordnung, das alle Menschen der bürgerlichen Gesellschaft betrifft, ob sie wollen oder nicht. Dabei geht es nicht, wie Sie Marx fälschlich unterstellen, nur um akkumulierten abstrakten Reichtum (Wert), sondern um Warenförmigkeit, Produktion, Zirkulation, Subjektivität als einzig zulässige Handlungsform in der Öffentlichkeit, die Sphäre von Privatheit mitsamt von Freiheiten, die gegen alles anderen „nach Belieben“ eingesetzt werden dürfen, das geschlechtlich Abspaltungsverhältnis, den Staat als Subjekt höchster Ordnung in seiner Verdopplung von Staat und Nation (auch abstrakt), um Unterwerfung in Form von Selbstunterwerfung unter antrainierte, basale Denkformen (das stillschweigend Vorausgesetzte), die automatisch wirksam sind, das Aberziehen menschlicher Eigenart durch Zurichtigungsanstalten (Schulen) u.v.a.m.

      Das Geld, das Sie als Ursache der Probleme ausmachen, ist nichts anderes als vorgeschossenes Kapital in einem Ausmaß heute allerdings, das im Rahmen der kapitalistischen Produktion nach ihren eigenen Vorgaben als abstrakter Reichtum (Wert) nicht mehr wird erarbeitet werden können. Geld ist nachdem das Kapitalverhältnis hegemonial wurde, in diesem gesellschaftlichen Verhältnis immer Wert-Geld. Ohne Kapitalverhältnis kein „gehecktes“ Geld aus Kredit, ohne Kapitalverhältnis kein Wert aus verausgabter menschlicher Arbeitskraft je abstrakter Zeiteinheit.

      Ich möchte doch höflichst bitten, dass Sie Ihre Argumente auch ausführen und nicht nur pauschal Begriffe abtuen. Mir scheint das Problem darin zu liegen, dass Sie schlicht wenig wissen und von daher dilettieren.

      P.S. Das Kapitalverhältnis kennt notwendige Kosten wie beispielsweise Verwaltung, Buchhaltung, Rechtsberatung usw. Hierunter können, müssen aber nicht!, auch Aufwendungen für nun unproduktive Arbeitskraftbesitzer wie Alte, Kranke, Mütter, Überflüssige usw. fallen. Alle diese Kosten müssen aber immer aus der produzierten Profit produktiver lebendiger Arbeit bestritten werden. Im Übrigen einer der Gründe dafür, dass jenseits ideologischen Voluntarismus „Sozialleistungen“ und Reallöhne seit Jahrzehnten abschmelzen.

    • Petra:

      Wie schon weiter unten in meiner Antwort an Frau Bonath gesagt:

      „Dem Nichts einen Namen (Vorschuss) geben, das ist Mystik. Vorschuss dient als Metapher, deren man sich bedient, um das Nichtbenennbare zu benennen. Die alte Geschichte, die Dämonen zu bannen.

      NB: Also, wenn sich hier jemand (wiederholt) in Verbalinjurien und unsachlichem Diskurs ergeht, dann ist das Frau Bonath in meinen Augen mehr als Rob Kenius.

    • @Tony
      Ja, es gibt nichts metaphysischeres als das Bürgerliche Ensemble mit abstraktem Reichtum, abstraktem Subjekt, und einer Wissensproduktion durch abstrakte Theorie, basierend auf einer „Vernunft“, die wir einer Natur abschauen, von der wir als axiomatisch-abstrakt aussagen, dass „wir“ (als Abstraktion) sie als einzige zu erkennen in der Lage sind. (Ironie aus)

      Lassen wir aber doch bitte den Animismus und die Religiöse Formation ruhen, die mit unserer Welt so wirklich gar nichts zu tun haben. Sie sind verwichen und es sind wieder einmal wir Heutigen, die sie nicht in Ruhe lassen, sondern sich bei ihnen und ihren Ruinen bedienen, damit wir weiter pfeifend im Keller uns unserer Großartigkeit versichern können.

    • Petra:
      Die Schöpfung aus dem Nichts ist die alte Menschheitsfrage – Woher kommen wir? -, mit den Dämonen, die diese Frage aufwirft, kämpft die Menschheit noch immer. Eingefangen und gebannt wurden sie von denen, die sich dann als Führer etablierten, in Form von Bildern (Wandmalerei), Dämonen, Titanen, Götter und die Geschichten über sie. Die Geschichte der Schöpfung von Geld aus dem Nichts ist eine solche religiöse Geschichte. Sie sprechen von „Marktmärchen der Wirtschaftswissenschaften“. Diese Marktmärchen sehe ich als Teil dieser religiösen Geschichte. Ich glaube nicht, dass die „religiösen Formationen“ mit unserer Welt nichts mehr zu tun haben. Im Gegenteil: Der Markt ist mehr denn je Religion und beherrscht alles.

  3. Alle mal herhören !!!
    Will einer von euch den Kapitalismus behalten ?!? NEIN !!!
    Ich auch nicht. Wir sind uns einig. Und ich mache mir tagtäglich so meine tiefschürfenden Gedanken – und analysiere: Wir sind irgendwie alle Sklaven. Stimmt‘s ? Und ich bin auch einer … Sklave meines Verstandes geworden –
    durch ständiges Analysieren und Dividieren. Allerdings: ich bin noch nicht auf den richtigen Trichter gekommen.
    Will ja auch verändern, das was mir nicht passt. Suche jemanden mit Vorbildfunktion – und meine …

    Von Fr. Bonath lernen heißt Siegen lernen ! Sie da oben – wir da unten. Aus ihrer Flughöhe hat sie des öfterren ihre hochaktuellen und intellektuelle Analysen auf mich nieder rieseln lassen.
    Ich, ein tadelloses Mitglied einer Schafherde, nehme alles begierig auf. Mehr oder weniger .
    ( ’s fehlt mir dabei meist die motivierende und inspirierende Anziehungskraft einer menschenwürdigen Zukunft in der wir respektvoll miteinander umgehen )
    Obgleich: die Massen der Herde werden vielleicht früher oder später begeistert die Faust in der Tasche ballen beim Lesen dieser Traktate mit den vielen „upps“. Und durch unsere Umsturz-Träume weht bestimmt bald ein frischer Wind.
    Denn: wo sie Recht hat hat sie Recht. Das hab‘ auch ich mittlerweile immer wieder zustimmend festgestellt.

    Und … wer auf dieser Plattform will hier etwa nicht Recht haben ? Manch einer pocht ganz stark darauf.
    Und beim heutigen Thema haben sowieso doch fast alle Recht.
    Keiner will IHN wirklich behalten – zumindest nicht so wie er sich anstellt, der Kapitalismus, der Unverschämte.
    Und den anderen -mus will auch keiner haben. Bin ich mir sicher.
    Was aber alle haben und behalten wollen … das Rechthaben. Das ist doch schon mal ne gute Grundausstattung für den Anfang auf ’nem Weg zur Besserung. Mann und Frau muss nur mit der Schärfe des Wissens, das sich im Besitz befindet, überzeugend auftreten. So kommen erfolgreiche Revolutionen zustande. Die Massen lesen zuerst Schriften mit den vielen ups, dann einigen sich darauf, dass sie IHN nicht haben wollen. Und historisch gesehen sind sie dann im Recht.
    (jedenfalls meistens).
    Wie gesagt: von Frau Bonath lernen, heißt Siegen lernen. Hab‘ ich Recht – oder etwa nicht ?

  4. Wie immer, sorgen Sie für Konfusion.

    Welchen notwendigen/empirischen Zusammenhang soll es zwischen Imperialismus und Kapitalismus geben?
    Imperialismus stammt von Imperium= Großraum
    Kapitalismus= Produktionsverhältnis (reales Kapital, Arbeit, Natur)

    Weiterhin wollen oder können Sie nicht verstehen, dass Löhne einen Doppelcharakter innehaben.

    Sich hier ständig auf Marx zu beziehen, ist natürlich auch kein Ausdruck einer vernünftigen Analyse.

    Würde Marx heute leben, würde er Hans Werner Sinn heißen. Denn Marx war genauso ein Neoklassiker wie Sinn, weil Volkswirtschaft (gesamtwirtschaftliches Denken) erst Anfang des 20`zigsten Jahrhundert entdeckt wurde. Marx`s ökonomische Ableitungen waren genau wie bei Sinn von einem Wirtschaftssubjekt bestimmt.

    Das kann nix werden!

    • Imperialismus und Kapitalismus gehören so zusammen wie Marktkonformität und Demokratie. Unter der Tarnung einer Wirtschaftsform wird Herrschaft ausgeübt. Beides, Imperialismus und Kapitalismus, sind Herrschaftsformen.

    • Moin, mir egal!
      Kein Geringerer als Lenin hat die Entwicklung des Kapitalismus in Europa und den USA hin zum Monokapitalismus untersucht. Seit 1920 liegt seine Studie vor und kann von jedem gelesen werden. Lenin nennt das Stadium des Monokapitalismus (Kapitalismus ohne nennenswerte Konkurrenz) Imperialismus.
      Die Aussage, dass Marx, lebte er heute, Sinn hiesse, ist wohl sowas von verkehr! (…)
      Es vergleicht einen Mann, der die pariser Kommune fuer etwas sehr Zukunftsweisendes betrachtete mit einem buergerlichen Ökonomen, der nicht ueber den Tellerrand blicken kann, eben nur systemimmanent denkt.
      Nein, mir egal, ruhig mal etwas subversive Literatur (Marx, Engels,Lenin) lesen!
      mfG

    • Holla Hog

      Für subversive Literatur halte ich die benannten Autoren sicher nicht, aber darf man doch den vorherrschenden Zeitgeist jener Epochen nicht vernachlässigen!

      Und ich bleibe dabei, Marx`s Theorien/Weltbild ist neoklassisch begründet. Er hatte ja auch keine andere Möglichkeit, mitte des 19. Jahrhunderts von anderen Perspektiven auszugehen. Das erkennt man schon an seinen Geldtheoretischen Ansatz.

      Mehrwerttheorie der Goldproduktion ist keine Geldtheorie! Zu dem schon in Umlauf befindlichen Papiergeld, war schweigen angesagt.

      Desweiteren ist seine ökonomische Theorie nur auf ein Wirtschaftssubjekt bezogen, ähnlich der Argumentation, der heutigen MS-Ökonomen. Ökonomik im Kreislaufzusammenhang zu verstehen, gab es erst im beginnenden 20. Jahrhundert.

      Löhne sind(wie o. bemerkt) nicht nur als Kostenfaktor der Unternehmen, sondern auch als Nachfrage für Unternehmen zu betrachten, ist z.b. eine Betrachtung, die Marx nicht kannte.

      Stell dir folgendes vor, die Welt als eine geschlossene Volkswirtschaft. Wer soll in der Marx`schen Theorie die Produkte der Unternehmer abkaufen (da gibt es keine Antwort von Marx)? Das kann natürlich nur der, der die Produkte hergestellt hat (der Nachfrager), wer sonst!

      Weiter unten hat bonath (2. Oktober 2018 at 10:14) genauso einen Fehlschluss dagelassen, den Marx sicher auch so betrachten würde. Nur dieser ist Falsch. Denn wo ist der Kreislaufzusammenhang? Und der Staat als Emittent fehlt.

      Kurz um, es reicht nicht nur einen Autor zu favorisieren um eine Vorstellung von Zusammenhänge zu erlangen.

    • @mir egal

      sorry, aber Sie haben Marx nicht gelesen. Das geht aus Ihren Ausführungen hervor. Dann wüssen sie nämlich, dass die Finanzwirtschaft im 19. Jh. schon sehr viel weiter war, als schlicht Münzen aus Gold oder Silber zu prägen. Und dass Marx im „Kapital“ schon sehr viel weiter gedacht hatte. Ich finde es langsam erheiternd, wie Leute über Marx philosophieren und alles besser wissen wollen, ohne die leiseste Ahnung zu haben.

      Zum anderen habe ich Marx hier nicht einmal erwähnt, habe mich also auf gar niemanden bezogen. Ich denke nicht den ganzen Tag an Marx, Herr oder Frau „mir egal“… 😉

      Vielmehr prüfe ich, soweit ich es kann, Aussagen nach, die ich lese. Und ich habe auch schon viel Schwachsinn gelesen. Zum Beispiel habe ich nachgeprüft, was ich in meiner Ausbildung zur Steuerfachangestellten im Fach VWL gelernt habe. Man kann daraus durchaus etwas mitnehmen: Nämlich wie Kapitalisten denken. Und dass vieles nur schöngeredet ist und am Ende einfach nicht aufgeht. Weil der Planet begrenzt ist, beispielsweise, oder weil in der ach so tollen Marktwirtschaft nämlich nicht nach Bedarf, sondern wegen des Profits produziert wird. Ich hab mir eben so meine Gedanken gemacht, woher der Unternehmergewinn kommt. Zum Beispiel. Mein Beweggrund? Ich will verstehen, wie das irre System hier funktioniert.

      Aber schon klar, wir haben heute ja die youtube university, wo jeder Flacherdler seine Glaubenslehren als die reine Wahrheit verkaufen und Anhängerscharen generieren kann 😉 Ist halt alles etwas wirr….

    • @ bonath

      ist ja alles schön und gut, sie haben meine Aussage nicht richtig gelesen oder verstanden, denn wie sie behaupten „Finanzwirtschaft“ ausserhalb von Münzen gab es schon vorher, habe ich nie gesagt o. bestritten.

      mehr als das sie von sich überzeugt sind, kann ich nicht entnehmen. Unterstellen kann man vieles.

  5. hj_allemann1

    OK, nichts für ungut.
    Ich hatte eigentlich versucht, gut begründete Kritik am Text von Frau Bonath zu üben mit meinen Fragen.

    schwarzistweiß

    Wo „das Geld“ herkommt (für Dienstleistungen)? Ich verstehe Ihr Argument nicht. Dass das Geld in unserem System durch Kreditvergabe aus dem Nichts erschaffen wird, wissen Sie sicher genau so gut wie ich. Das meinten Sie wohl nicht. Was hat das nun mit der Unterscheidung zwischen materiellen Produkten und Dienstleistungen zu tun?

    • Na sicher kommt das Geld aus dem Nichts. Es ist ja kein Naturprodukt. 🙂
      Trotzdem sind Dienstleistungen ökonomisch gesehen Kosten.
      Wenn Sie einen Betrieb haben generieren sie einen Profit durch Ausbeutung.
      Wenn sie ein Reinigungsunternehmen beschäftigen, was die Büros, Arbeitsstätten reinigt, minimiert das ihren Profit.
      Deshalb werden ja alle Sachen ausgegliedert und an Billigfirmen vergeben.
      Natürlich kann man mit Dienstleistungen auch Profit machen, aber bezahlt wir alles, letzten Endes aus der Produktion, dem Handwerk oder der Ausbeutung der Natur.

    • Guten Morgen,

      Zitat:
      „Wo „das Geld“ herkommt (für Dienstleistungen)? Ich verstehe Ihr Argument nicht. Dass das Geld in unserem System durch Kreditvergabe aus dem Nichts erschaffen wird, wissen Sie sicher genau so gut wie ich. Das meinten Sie wohl nicht. Was hat das nun mit der Unterscheidung zwischen materiellen Produkten und Dienstleistungen zu tun?“

      Es ist zwar richtig, dass Banken bei der Kreditvergabe zunächst „Geld aus dem Nichts“ erschaffen. Aber man sollte nicht bei Mystifikationen stecken bleiben. Dröseln wir mal auf, was bei einer Kreditvergabe passiert.

      1. Fall: Ein Baunternehmer geht zur Bank, nimmt einen Kredit von 100.000 Euro für eine neue Maschine (Produktionsmittel).

      Die Bank drückt auf den Knopf und überweist ihm was genau? Einen Vorschuss – vorerst „aus dem Nichts“ geschaffen – auf noch nicht geleistete Arbeit > also noch nicht realisierten Profit. Warum? Der Unternehmer muss das Geld zurückzahlen. Wie tut er es? Indem er seine Beschäftigten arbeiten lässt, den Profit über Verkauf zum Tauschwert realisiert, davon einerseits seinen Arbeitern einen Lohn bezahlt, den Mehrwert (seinen Profit) einsteckt und davon wiederum den Kredit bedient. = plus minus Null.

      Nun muss der Unternehmer nicht nur die Kreditraten tilgen, sondern auch Zinsen draufzahlen. Wie generiert er die Zinsen? Er muss seine Arbeiter noch mehr arbeiten lassen, schöpft Mehrwert wie oben beschrieben von ihrer Arbeit ab, um dann davon die Zinsen an die Bank zu zahlen.

      Daraus folgt folgendes:

      Die Zinsen sind der Profit der Bank für ihre Geldverleihung. Sie hat damit das Tauschäquivalent „Geld“ zur Ware gemacht. Die Zinsen werden generiert durch von menschlicher Arbeit abgeschöpften Mehrwert. Die Bank wird somt beteiligt am Profit dritter für die Dienstleistung, kapitalisierbares Geld zur Verfügung zu stellen, also dem Unternehmer in diesem Fall die Möglichkeit zu geben, Profit zu erwirtschaften. Damit übernimmt die Bank, salopp gesagt, die Herrschaft über die Arbeit.

      2. Fall: Familie Müller, Vater ist Personalbüroleiter bei RWE, Mutter hat Minijob (gängiges Modell) will sich ein Haus bauen. Sie geht zur Bank, um 300.000 Euro Kredit dafür aufzunehmen.

      Was passiert? Die Bank schöpft die 300.000 Euro „aus dem Nichts“ und überweist es dem Vater aufs Konto. Der erwirbt davon ein erschlossenes Grundstück und lässt sich ein Haus drauf stellen. Anschließend zahlt er das Geld – mit Zinsen – meinetwegen in den nächsten 25 Jahren zurück.

      Damit gewährt die Bank ebenfalls einen Vorschuss auf teilweise noch nicht getätigte Arbeit, teilweise noch nicht realisierten Mehrwert aus Arbeit.

      Noch nicht realisisierter Mehrwert auf bereits getätigter Arbeit betrifft hier das erschlossene Grundstück. Das wurde also bereits für den Bau eines Hauses bearbeitet. Leitungen und Kabel wurden gelegt, entsprechende Bodenbehandlung und Entwässerungsmaßnahmen fanden bereits statt. Da wartet also ein Unternehmer auf die Realisierung seines Profits. Diesen bekommt er letztlich – dank der Bank -von Familienvater Müller.

      Die Anleihe auf noch nicht getätigte Arbeit betrifft das noch nicht existente Haus. Müller heuert also eine Baufirma an, die das Haus da von ihren Arbeitern hinstellen lässt. Dann heuert er Elektiker, Klempner und Malerfirmen an. Die bezahlt er alle von dem Geld der Bank. Heißt: Die angeheuerten Firmen kassieren den Tauschwert (nicht zu verwechseln mit Gebrauchswert), bezahlen einen Teil davon den Arbeitern, stecken den Rest als Profit ein.

      Nun muss Müller das Geld zurückzahlen. Er geht also täglich auf die Arbeit, erhält dafür Lohn. Als Büroleiter erzeugt er bei RWE selbst keinen Profit. Müller wird also beteiligt am Mehrwert, der aus der Arbeit der produktiv Arbeitenden Beschäftigten durch das Unternehmen abgeschöpft wird. Die müssen also arbeiten, damit Müller bezahlt werden und die Tilgungs- und Zinsforderungen der Bank bedienen kann. Siehe: Kredit = Anleihe auf zukünftige Arbeit.

      Und auch in dem Fall sind die Zinsen letztlich der Profit der Bank für ihre Dienstleistung der Geldverleihung, durch welche Arbeit und Profit durch irgendwen realisiert wird / werden kann. Müller muss ja arbeiten, um an dem von Arbeitern (die Kohle abbauen und daraus Strom, also Neues erzeugen) geschaffenen Mehrwert/Unternehmerprofit über sein Gehalt mitbeteiligt zu werden und davon den Profit der Bank zu finanzieren – eben durch ARBEIT.

      Und das ganze Spiel ist nicht erst neu, sondern das gabs schon im 19. Jh. in Form der Wechsel. Auch diese sind ja Anleihen auf noch nicht realisierte Arbeit oder noch nicht realisierten Profit. Damit konnte man schon damals auch bezahlen, heißt, der Wechsel wechselte den Beisitzer und wechselte ihn wieder usw. Wurde/wird die Arbeit dafür dann nicht realisiert, entstehen Blasen, die irgendwann platzen. Das war damals so, das ist heute so. Nur dass es heute noch undurchsichtiger als vor 200 Jahren ist. Klar, wir leben im Zeitalter der Digitalisierung. Das ändert aber nichts daran, dass Geldwert, der nie durch Arbeit inklusive Mehrwertabschöpfung durch irgendwen realisiert wird, letztlich – gesamtwirtschaftlich gesehen – faules Geld ist.

      Zum Profit bei Dienstleistungen: Der Dienstleistungsunternehmer kann natürlich, einzeln betrachtet, Profit machen. Was tut z.B. ein Reinigungsunternehmer? Er kauft Fahrzeuge, Gerät, Putzmittel, die irgendwo aus Rohstoffen und Arbeit hergestellt wurden. Damit realisiert er erst mal den Profit der jeweiligen Hersteller. Und nun lässt er seine Arbeiter malochen und beteiligt sie an seinem eigenen Profit, den er durch diese Dienstleistungen erzeugt. Er lässt sie bspw. eine Firma putzen. Diese Firma bezahlt seine Firma dafür – woraus? Richtig, aus ihrem Profit, den sie von ihren eigenen Arbeitern abgeschöpft hat.

      Heißt: Dienstleister werden am Profit Dritter für ihre Dienstleistung beteiligt, erzeugen aber keinen neuen Mehrwert. Gesamtwirtschaftlich betrachtet, wird so Profit umverteilt, aber eben kein neuer Mehrwert erzeugt. Denn gesamtwirtschaftlich entsteht nur neuer Mehrwert, wenn etwas Neues, also brauchbare Produkte aus Rohstoffen und Arbeit, entsteht.

      Und weil eben Maschinen gekauft werden und damit der Hersteller bereits seinen Mehrwert realisiert hat, geben diese lediglich ihren bereits vorausgabten Tauschwert in die Waren ab, die mit deren Hilfe produziert werden können. Kann mehr produziert werden, werden die Waren billiger. Und das werden sie auch, da auf dem „heiligen Markt“ umfassende Konkurrenz besteht und Preisdrückerei eine beliebte Methode ist, um technisch nicht so fitte bzw. nicht so gut betuchte Konkurrenten niederzukonkurrieren. Wer nicht so gute Maschinen hat, kann halt nicht so billig produzieren.

      Das heißt: Maschinen erzeugen keinen Mehrwert, weil sie lediglich ihren bezahlten Wert, der wiederum aus der in ihnen steckenden Arbeit besteht, in die Produkte abgeben. Menschen aber können ausgebeutet werden, indem sie etwa vom Unternehmer unter Androhung der Entlassung genötigt werden, in kürzerer Zeit mehr zu schaffen – bei gleichbleibendem Lohn, oder sogar mittels Lohnsenkungen.

      Ergo: Wenn immer mehr Arbeit von Maschinen übernommen wird, und demzufolge weniger produktive Arbeiter gebraucht werden, sinkt, gesamtwirtschaftlich betrachtet, die Profitrate, unabhängig von der Verteilung der Profite im Einzelnen unter den Kapitalisten. So versuchen letztere schlussendlich – notgedrungen und selten bewusst – die Arbeiter immer mehr auszupressen.

      Und genau das erleben wir aktuell, auch in D. – siehe Schaffung eines exorbitanten „Niedriglohnsektors“, in welchem bereits fast ein Viertel aller Beschäftigten malochen. Konkret bedeutet das: Der Niedriglohnsektor der Peripherie, also die extreme Ausbeutung der dortigen Menschen, genügt alleine nicht mehr, um den tendenziellen Fall der Profitrate zu verhindern. So beginnen die hiesigen Kapitalisten mit freundlicher Unterstützung des Gesamtkapitalisten Deutschland, die Löhne zu drücken. Der Mindestlohn – lächerlich gering in Anbetracht der Inflation und der daraus resultierenden Abwertung der Währung inklusive schleichender Teuerung – war lediglich eine Maßnahme der Politik, um die Menschen ruhig zu halten.

      Ein besonders ins Auge fallendes Indiz dafür, dass Mehrwert eben tatsächlich nur von menschlicher Arbeitskraft abgeschöpft werden kann, sind die Forderungen unserer Vulgärökonomen nach Verlängerung der Lebensarbeitszeit teilweise bis zum 80. Lebensjahr. Klar reibt sich da der Michel verdutzt die Augen, weil auch er weiß, dass die Technologie immer mehr menschliche Arbeit überflüssig macht. Aber siehe oben: Es ergibt einen Sinn.

      Letztlich rutscht die auf Ausbeutung von Lohnarbeit primär basierende kapitalistische Produktionsweise immer tiefer in das Desaster rein. Nur mit massenhafter Kapitalzerstörung – also Zerstörung von Produktionsmitteln UND Menschen (Humankapital) – kann aus kap. Sicht der Prozess verlangsamt bzw. kurzzeitig aufgehalten werden. Und das bedeutet Krieg.

    • @Toni
      Mein lieber Herr Gesangsverein. Sie kennen ja noch nicht mal die einfachsten Grundlagen der Ökonomie. Ich wette, über Ihre vagen Ausführungen lachen sich sogar die Vulgärökonomen schlapp. Von denen könnten Sie ja immerhin erfahren, was z.B. ein Wechsel ist, den es übrigens schon seit über 200 Jahren gibt. So könnte es Ihnen gelingen, überhaupt erst einmal gedanklich in die Materie einzusteigen. Dann könnte man vielleicht langsam in eine halbwegs sinnvolle Anfangsdiskussion über Geld mit Ihnen führen.
      Das Lustigste ist immer, wenn so Leute ihre Hirngespinste als Wissen verkaufen und ums Verrecken versuchen, dieses wirre Zeug als „die Wahrheit“ zu verkaufen. Ja klar, ich meine, in der youtube-university kann man auch lernen, dass die Erde eine Scheibe oder wahlweise hohl ist, oder dass die Reptiloiden die Weltherrschaft übernommen haben. Zum Schlapplachen ist das, nicht aber zum ernsthaft Diskutieren. Da gibts ja nicht mal irgendeinen Ansatzpunkt für ´ne Diskussion. 🙂

    • Frau Bonath:

      „In die Irre geht, wer nur den einen hört“. (Karl Kraus)

      Ich fürchte aus „dem einen“ Karl ist geworden „ich selbst“; sie hören nur noch sich selbst. Bedenklich.

      Mit Ihren Repliken – „kleiner strampelnder, kreischender Bub“, und hier und an anderen Stellen ohne auf Argumente einzugehen zeigen mir, wie angelesen und auswendig gelernt das „Fundament“ ihrer Artikel ist; denn sobald sie frei sprechen und denken sollen, und das müssen Sie ja, wenn Sie auf andere Meinungen eingehen sollen, da verfangen Sie sich in abwertenden Tiraden in einer ganz anderen Sprache – nämlich Ihrer eigentlichen.

  6. Zu spät?
    Wir haben als Volk eine sehr große Macht. Und die heisst „Boykott“! Es ist so einfach, auf Nestle oder Bayer zu verzichten. Auf Kik,Takko, Esmerada (Lidl) oder H&M und so weiter. Auf abgepackte Wurst und Fertignahrung. Wenn man das Geld dafür hat. Die Realität sieht allerdings so aus, das hier Geringbeschäftigte oder generell unterbezahlte Arbeiter/innen keine andere Möglichkeit haben, als Konsumgüter von noch viel schlechter bezahlteren Lohndumping-Sklaven und schlechterer Qualität (Nahrung) zu erwerben. Das ist erniedrigend. Aber mittlerweile soweit konditioniert, das dieser Kreislauf kaum noch unterbrochen werden kann. Das soll jetzt nicht zur Resignation verführen. Wünschenswert ist ein Boykott, wo es möglich ist. Achtsamkeit entwickeln. Selbstverantwortung. Leider immer noch eine Minderheit, welche diese Ziele verfolgt. Den Rest zu erreichen gleicht einer Mammutaufgabe.

  7. Mal eine Frage an dieser STelle… google findet (im Informationszeitalter!?) das leider nicht:

    – Für Barack Obama gibt es diese Statistik, dass er über 26.000 Bomben auf 7 Länder hab abwerfen lassen in 2016.
    – Gibt es diese Statistik für Trump?
    Ich weiß nur, es sollen ca. 40.000 (?) Bomben sein.

    Wäre für Infos + Quelle dankbar!

  8. Moin, Frau Bonath,
    „Das Großkapital strebt stets nach Maximalprofit. Daher wird es immer das größtmögliche Lohndumping anstreben. Wer da nicht mitspielt, geht früher oder später unter. Die Politik lobt dies als Wettbewerb und managt das Spiel. Selbstverständlich wird das Großkapital auch versuchen, aus Flüchtlingen und Arbeitsmigranten größtmöglichen Profit zu schlagen, also die Löhne zu drücken.“

    „Doch dies forcierte der Staat für das Großkapital auch schon vorher, etwa durch Hartz IV. Je mehr der Kapitalismus an seine natürlichen Grenzen stößt, je schneller neue Anlagemöglichkeiten schwinden und Arbeitskraft unnötig wird, desto mehr muss das Kapital nach systemischer Logik die Mehrwert schaffenden produktiv Tätigen ausnehmen – unabhängig von Flüchtlingen und Arbeitsmigration.“

    „Nationalismus führt definitiv nicht zu weniger, sondern zu mehr Imperialismus. Dieser kann, als Entwicklungsstufe des Kapitalismus, letztlich nur von unten – und das unabhängig von Nationalität und Ethnie – bekämpft werden. Das heißt im ersten Schritt: Man muss gleiche Rechte für alle fordern. Jede Spaltung entsolidarisiert die lohnabhängige Klasse und spielt den Imperialisten in die Hände.“

    Im 1. Zitat unterstellen Sie noch, dass das Kaptial auch die Fluechtlinge und Arbeitmigranten versucht auszubeuten. Vrlautbarungen genau von dieser Seite zeigten uns, dass sie schier aus dem Häuschen waren, als die ersten Fluechtlinge in Europa ankamen. Es war nämlich möglich genau diese Menschen unter dem Mindestlohn zu beschäftigen, und somit waren die Fluechtlinge genau das, als was sie hergelockt wurden: Lohndumper!

    Im 2. Zitat ist nun die erste Annahme wieder unter den Tisch gefallen. Plötzlich spielen die Fluechtlinge und Arbeitsmigranten keine Rolle mehr. Ja, was denn nun?

    Im 3. Zitat kommen Sie plötzlich auf den Nationalismus zu sprechen, obwohl vorher nur vom Nationalstaat die Rede war.
    Ein Wort dazu: Seit der buergerlichen Revolution gibt es den Nationalstaat, der es der aufkommenden Bourgeoisie ermöglichte einen Staat zu bilden, der im Wesentlichen natuerlich ihren eigenen Vorstellungen entsprach. Dennoch partizipierten auch wir Nichtbesitzenden von den allgemeinen Rechtsgrundsätzen.
    Als diese Bedingungen sich fuer die Herrschenden in den Jahren nach der russischen Revolution und dem Stärkerwerden der Arbeiterbewegung verschlechterten, setzte das Kapital auf den Faschismus, von dem wir uns so richtig noch nicht erholt haben.

    Aber wenn es darum geht, wer sich auf die Seite dieses Staates stellt, so ist es die Argumentation, die die Fluechtlinge und Arbeitmigranten hierherlotsen will bzw, nichts gegen deren untkontrollierte Einreise unternimmt. Sie Frau Bonath, wollen dem Kapital die Lohndumper zufuehren!
    Sie fordern gleiches Recht fuer alle. „Das heißt im ersten Schritt: Man muss gleiche Rechte für alle fordern. Jede Spaltung entsolidarisiert die lohnabhängige Klasse und spielt den Imperialisten in die Hände.“

    Der Versuch der Imperialisten in Europa und speziell in DE die rueckschrittlichen Menschen mit in die Gesellschaft integrieren zu wollen, fuehrt unweigerlich zu einem weiteren Verlust an emanzipatorischen Kräften, mit denen wir diesen Nationalstaat hinwegfegen wollen, um dann nach gelungener Machtuebernahme und Beteiligung der Menschen an demokratischen Entscheidungsprozessen, endlich auch zu gleichen Rechten zu kommen mit anderen Nationen.

  9. Gemeinschaft stiften durch Ab- und Ausgrenzung. Gründen sich Nationalstaaten/Nationen also zwangsläufig auf Exklusivität? Welches Modell kann dem entgegengesetzt werden, um Barbarei zu verhindern?

    Solange wir eine kapitalistische Wirtschaftsordnung haben, wird sich Barbarei nicht verhindern lassen – weder innenpolitische Barbarei in Form psychischen und materiellen Verelendung großer Teile der Bevölkerung noch außenpolitische Barbarei in Form von Neoimperialismus, Neokolonialismus und Krieg. Der Kapitalismus benötigt Kriege zu seinem Überleben; für die Völker des Südens hat – wie Jean Ziegler bemerkte(2) – der dritte Weltkrieg bereits begonnen.

    Was Erscheinungsformen von Rassismus betrifft, so lässt sich eine Beziehung zur Idee des Nationalstaates nicht leugnen, auch wenn die historischen Beziehungen zwischen der Entwicklung europäischer Nationalstaaten, imperialem Kolonialismus und Rassismus außerordentlich komplex sind. Denn Nationalstaaten fußen ja auf der Idee – oder besser auf der Fiktion – einer weitgehend unveränderbaren ethnischen, kulturellen und sprachlichen Homogenität.(3) Insofern gründen sich Nationalstaaten ihrem Wesen nach ganz selbstverständlich auf Exklusivität. Diese Exklusivität als solche beinhaltet jedoch nicht zwangsläufig eine rassistische Exklusion.

    Wir müssen uns jedoch immer wieder klarmachen, dass die Vorstellung einer Übereinstimmung von Volk – als einer ethnischen und kulturellen Gemeinschaft -, Territorium und Staat weder natürlich noch zwangsläufig ist.(4) Im Gefolge der Aufklärung sah man zunächst in Nationalstaaten eine natürliche Basis, eine Demokratisierung voranzutreiben. Dem lag die Auffassung zugrunde, dass nur Nationalstaaten wegen ihrer ethnischen Homogenität eine natürliche Grundlage für eine Demokratie bilden könnten. Mittlerweile hat sich jedoch die Vorstellung, dass eine Demokratisierung eines weitgehend homogenen ethnischen Volkskörpers bedarf, als unzutreffend herausgestellt. Zudem haben schon im 19. Jahrhundert die Versuche, Nationalstaat und die zum Erhalt des Kapitalismus notwendige Globalisierung miteinander in Einklang zu bringen, zu Formen des Imperialismus geführt, die die Idee des Nationalstaates unterminierten. Ebenso wird in jüngerer Zeit der Nationalstaat umgebaut durch die willentlich und systematisch herbeigeführte Entbettung transnationaler Konzerne aus dem Bereich nationalstaatlicher Regulierungssysteme. All dies hat dazu beigetragen, dass sich der Nationalstaat in seiner traditionellen Form nicht mehr als brauchbares Vorbild oder Modell für die Entwicklung einer ernsthaft demokratischen Gesellschaft ansehen läßt.

    Die Frage, welches Modell einer gesellschaftlichen Organisationsform der menschlichen Natur angemessen ist und zugleich geeignet ist, Barbarei zu verhindern, bezieht sich auf das wohl größte und drängendste Problem unserer Zivilisationsgeschichte. Auch wenn wir immer noch weit davon entfernt sind, klare Vorstellungen über mögliche Lösungen dieses Problems zu haben, lässt sich zumindest vor dem Hintergrund geschichtlicher Erfahrungen eine wichtige Eingrenzung vornehmen:
    Je autoritärer eine gesellschaftliche Organisationsform ist, um so eher neigt sie dazu, zu menschenunwürdigen Zuständen und Barbarei zu führen. Das gilt auch für Organisationsformen innerhalb demokratischer Gesellschaften, etwa von Großkonzernen, die in höchstem Maße totalitär organisiert sind. Umgekehrt – und dies war nach langen blutigen Erfahrungen gerade die Einsicht der Aufklärung – verspricht eine Gesellschaftsorganisation, die auf der Anerkennung einer prinzipiellen Gleichwertigkeit aller Menschen, also auf einem universellen Humanismus, beruht, am ehesten, die Schaffung einer menschenwürdigen Gesellschaft zu ermöglichen. Diese Einsicht, die wir bisher trotz aller Lippenbekenntnisse kaum im erforderlichen Maße ernst genommen, geschweige denn politisch umgesetzt haben, stellt uns auch weiterhin die Leitideale bereit, durch die wir am ehesten hoffen können, uns gegen Rückfälle in die Barbarei zu schützen.

    Die Leitidee eines universellen Humanismus mag auf den ersten Blick als schlicht erscheinen, doch hat sie gewaltige Konsequenzen. Sie beinhaltet, dass ein jeder einen angemessenen Anteil an allen Entscheidungen hat, die das eigene gesellschaftliche Leben betreffen, und verlangt somit nach einer radikal demokratischen Gesellschaftsorganisation. Zudem beinhaltet sie, dass alle Machtstrukturen ihre Existenzberechtigung nachzuweisen und sich der Öffentlichkeit gegenüber zu rechtfertigen haben, sonst sind sie illegitim und somit zu beseitigen. Sie beinhaltet ferner, dass wir moralische Kriterien, nach denen wir Handlungen bewerten, auch zur Bewertung unserer Handlungen heranzuziehen haben und missbilligt somit moralische Doppelstandards. Vor allem aber schließt die Leitidee eines universellen Humanismus alle Ideen einer Vorrangstellung der eigenen biologischen, sozialen, kulturellen, religiösen oder nationalen Gruppe aus, und somit also Rassismus, Nationalismus und alle Formen eines Exzeptionalismus.

    Rainer Mausfeld, Warum schweigen die Lämmer? – Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören, S. 243-245
    Westendverlag, ISBN 978-3-86489-225-7

    • Was ist hier eigentlich Box und was Mausfeld?

      Barbarei braucht weder Nationalstaaten noch Kapitalismus.
      Die Idee des Nationalstaates diente zur Manipulation der Emotionen während das Geld sich mit dem Nationalstaat verbündete zur Erreichung seiner Ziele; wie zuvor mit der Aristokratie und der Kirche (daher Lämmer).
      Die Barbarei geht schon immer von den Eliten in der Welt der Finanzen, des Staates und der Kirche aus:

      Die Zivilisation ist in den Völkern, die Barbarei in den Regierungen.
      Victor Hugo

      Was die Lämmer betrifft:

      „Wenn wir, sagtest du, die Menschen nur nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter. Wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.“ (Goethe)

      Warum schweigen die Lämmer? Weil sie wie Lämmer behandelt werden:

      Mill, On Liberty, Einführung

      „Es ist kaum nötig zu sagen, daß diese Lehre nur für Menschen in der Reife ihrer Fähigkeiten gilt. Wir sprechen nicht von Kindern…Aus denselben Gründen bleibt die Betrachtung jener rückständigen Zustände der Gesellschaft außerhalb des Rahmens unserer Untersuchung, in denen sich das Menschengeschlecht im Zustand der Unreife befindet… Der Despotismus ist für die Barbaren die legitime Regierungsmethode, vorausgesetzt, der Zweck ist die Verbesserung ihres Zustandes. Freiheit als Prinzip wird erst dann anwendbar, wenn die Menschheit der Verbesserung mit Hilfe freier und gleicher Diskussion fähig geworden ist. Bis dahin gibt es für sie nur implizite Unterwerfung unter einen Akbar, einen Karl, wenn sie glücklich genug sind, einen solchen Führer zu finden.“

    • Der Text ist komplett aus Herrn Mausfelds Buch.

      An keiner Stelle des zitierten Textes wird behauptet, daß es jenseits von Kapitalismus und Nationalstaat keine Barbarei gibt.
      Ich betrachte Barbarei als ein systemisches Problem, in dem sich die Skrupellosesten an die Spitze beissen, bzw. an die Spitze gebissen haben. Ganz so wie dies in Hierarchien üblich ist.

      Dazu und auch bezüglich Victor Hugo; ich finde auch, Zitate von Personen des Zeitgeschehens klingen zwar häufig recht nett und regen zum Nachdenken an, haben oft aber einen absoluten Anspruch, der bei näherer Betrachtung der Komplexität vieler Themen nicht gerecht wird.

      Zu Mill … nun ich denke diese Verlogenheit spricht für sich, da niemand durch Nichtanwendung reift.

    • Zu Mill passt dann auch dieses:

      „Methoden und Funktionsweisen eines Dissensmanagements können wir besser verstehen, wenn wir statt auf Personen auf seine strukturellen Eigenschaften fokussieren. Zu diesen gut untersuchten und seit langem bekannten strukturellen Eigenschaften gehört es, dass in allen Machtstrukturen besonders Journalisten, Intellektuelle und Wissenschaftler, die in gesellschaftsrelevanten Bereichen arbeiten, eine Tendenz aufweisen, sich wie Eisenspäne in den Kraftfeldern der Macht auszurichten.“

      Aus:

      „Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung“
      02. Oktober 2018 Paul Schreyer

      Der Psychologe Rainer Mausfeld über die Illusion des Informiertseins, eine „Verachtung des Volkes“ und Journalisten und Intellektuelle, „die sich wie Eisenspäne in den Kraftfeldern der Macht ausrichten“
      https://www.heise.de/tp/features/Wir-leben-in-einer-Zeit-der-Gegenaufklaerung-4178715.html?seite=all

    • Box:

      Systemisch: Aus dem Griechischen: das Verbundene, Zusammengestellte, Gebilde. Als Hilfskonstruktion für die unterschiedlichsten Zusammenhänge sinngemäß verwendet für das Zusammenwirken mehrerer Komponente, deren Zusammenwirkung Sie überzeugt zu sein scheinen, dass dieses zwingend komplex sei.
      Nun, ich bin der Meinung, dass diese „Komplexität“ durch – ich bezeichne sie als – Hirngeburten entsteht, in Missachtung von Einstein: „Alles sollte so einfach wie möglich gemacht sein, aber nicht einfacher.“ Eben Hirngeburten von Systembildnern (Soziologen etc.). Allzu oft dient dies mehr der Codierung für den Eingeweihten, was am Ende nicht wirklich klug ist: „Klug ist, wer schweres einfach sagt.“ (Einstein)
      Wirklich komplex sind Vorgänge in der Natur, wie z.B. der Schmetterlingseffekt.
      Ich bin der Meinung, dass ein System als Ganzes funktioniert und dieses nicht vollständig aus dem Zusammenwirken seiner Einzelteile verstanden werden kann – und das Ganze eben nicht vollständig erklärbar ist.

      Warum zitiere ich Personen aus der Historie? Ich denke, dass oft der Eindruck herrscht, die Verhältnisse seien aussergewöhnlich und neu. Zitate von Zeitzeugen sollen aufzeigen, dass dem nicht so ist und vielleicht neugierig machen, wie diese Leute zu solchen Aussagen kamen, d.h. vielleicht mal wieder ein Geschichtsbuch in die Hand nehmen.

  10. Nationalismus vs Imperialismus – eine absurde Debatte angesichts der Geschichte (das, was geschehen ist):

    Kolonialismus und Imperialismus wurde betrieben von (allen) Europäern!, die sog. Nationalstaaten haben sich darin qualitativ nicht unterschieden, und die treibende Kraft war das Geld weit vor der „Nation“. Globalisierung im Gefolge von Kolonialismus und Imperialismus wurde und wird betrieben von den Europäern: denen die nach Amerika ausgewandert sind und seit der Kolonialisierung Amerikas als Amerikaner bezeichnet werden, sowie von den Europäern in Europa, an erster Stelle Deutschland, weil nach ´45 als Brücke und Schutzwall gegen den Kommunismus installiert von den Europäern in Amerika. Europa hat wegen seiner Brückenkopf- und Antikommunismus-Funktion bisher eine privilegierte Rolle mit der sozialen Marktwirtschaft spielen dürfen für die Europäischen Amerikaner. Damit soll nun Schluss sein: Die Folgen der Globalisierung: die Reichen werden immer reicher, die Armen immer Ärmer, – in der 1., 2. und dritten Welt! – sollen nun auch in Europa durchgesetzt werden – und danach weltweit.
    Die Entscheidung, die ansteht, betrifft atlantische „Deutsche“ in Amerika und in Europa in der Tradition von Kolonisation, Imperialismus und Globalisierung, die genau wissen, was sie wollen, und Europäer in Europa, die das nicht wollen. Wer als Europäer das nicht will, der muss ein Interesse haben, Vertrauen mit Russland und China aufzubauen: d.h. bereit sein, zu glauben, dass deren propagierte Nichteinmischungspolitik vielleicht die bessere Alternative zu Imperialismus ist, dass sie ernsthaft ist, um dann daran mitzuarbeiten, diese zu erhalten.
    Mal ehrlich: Möchten Sie, dass ihr Nachbar gegenüber auf dem Flur Ihnen vorschreibt, wie Sie leben?

  11. Hier ist es wichtig die genaue Funktionsweise des Geldes zu kennen.

    Geld entsteht als Schuld bei den Banken, die das Geld aus dem Nichts schöpfen. Sobald diese Schuld bei den Banken beglichen ist, kommt es bei diesen wieder zur Geldvernichtung.

    Dies bedeutet gleichzeitig, dass jede Person, die eine Geldeinheit besitzt, irgendwo über die exklusive Möglichkeit verfügt, dass sie eine Schuldeneinheit im Geldumlauf tilgen kann.

    Wenn also wenige große Akteure oder Unternehmen einfach nur immer reicher und mächtiger werden, dann bedeutet dies gleichzeitig, dass alle anderen Personen insofern entsprechend schlechtere Möglichkeiten haben, dass sie ein Einkommen erzielen bzw. dass sie Schulden tilgen bzw. zur Tilgung ihrer anteiligen Staatsschulden beitragen.

    Dann ist es auch noch der Fall, dass es nicht funktioniert, dass Geld dadurch entsteht, dass Banken Geld aus dem Nichts verleihen.

    Jedenfalls ermöglicht es diese Art der Geldentstehung den Banken, dass sie Geld aus dem Nichts an entsprechend kreditwürdige Personen verleihen können, weil diese doch offensichtlich in der Lage sind Schulden zu schultern.

    Wenn aber Geld als Schuld entsteht, dann bedeutet dies auch, dass das System vor allem auch privaten Konsum benötigt, damit die bei der Geldentstehung vorhandene Anfangsschuld überhaupt getilgt werden kann.

    Gleichzeitig wird die Tilgung dieser Anfangsschuld dann unmöglich, wenn Personen sparen.

    Jeder Nichtkonsum bedeutet also, dass die Politik wieder neues Geld nachlegen muss.
    Beim Schuldgeld funktioniert dies jedoch nur mit zusätzlichen Staatsausgaben (Deficit Spending) bzw. mit der EZB-Geldpolitik.

    Beide Arten der Verschuldung sind jedoch extrem gemeinwohlschädlich.

    Beim ständigen Sozialisieren von Schulden ist es jedenfalls der Fall, dass die ständig ansteigenden Staatsschulden nicht zurückgezahlt werden können, weil das viele Geld, mit dem dies allenfalls möglich sein könnte, von vergleichsweise wenigen großen Akteuren bzw. großen Unternehmen eingenommen wird, die ihr vieles Geld wohl eher nicht wieder ausgeben werden, wodurch insofern im System ständig privater Konsum fehlt.

    Die expansive Geldpolitik ist ebenfalls problematisch, weil es nicht funktionieren kann, wenn dadurch für Verschuldung gesorgt wird, dass etwa die Zentralbank für ohnehin schon reiche Personen mit ihrem Nullzins weitere Kreditaufnahmen bei den Banken fast unbegrenzt rentierlich macht, weil dadurch vor allem auch die Preise für Immobilien und Mieten immer mehr ansteigen. Normalbürger werden durch die expansive Geldpolitik enteignet.

    Bekanntlich zahlen große Konzerne zudem auch gar keine Steuern. Falls sie dies täten, könnte mehr konsumiert werden und es wäre im System wieder Verschuldung möglich. Es gäbe dann auch nicht mehr über den Umweg von immer mehr Schulden immer mehr Geld.

    Jedenfalls wird es im Schuldgeldsystem auch gar nicht funktionieren, dass man reiche Personen besteuert und dieses „schuldfreie Geld“ den ärmeren Personen gibt, weil es doch deshalb Geld gibt, weil es Schulden gibt.
    Die Umverteilung von Reich nach Arm würde aber dazu führen, dass zu viele Schulden im System getilgt werden könnten, wodurch es dann bei den Banken zur Geldvernichtung kommt. Dies würde dann dazu führen, dass die Geldmenge viel zu stark zurückgeht.

    Insgesamt ist es eben ein Problem, wenn der Konsummotor mit der Zeit immer mehr die leistungslosen Einkommen weniger reicher Personen und immer weniger die mit normaler Arbeit erzielbaren Einkommen antreibt.

    Wenn aber beim Schuldgeldsystem wegen der schuldenbasierten Geldmengenausweitung immer mehr gespart wird, dann bedeutet dies auch, dass die wegen der Geldentstehung als Schuld ständig ansteigenden Schulden auch insofern immer mehr Zinslasten verursachen. Ebenso gibt es auch den Zinseszinseffekt.

    Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte man dieses Phänomen als „Zinsknechtschaft“ bezeichnet.
    Soweit der Staat Zinsen für Bundesschatzbriefe zahlt, dann werden diese Zinsen über zusätzliche Steuern finanziert.
    Die sonstigen Zinsen werden meistens in die Einkaufspreise einkalkuliert.

    Wenn die Einkaufspreise aber dermaßen viele Zinsen enthalten, dann steht für die Bezahlung normaler Arbeit mit der Zeit immer weniger Geld zur Verfügung.

    Das fehlende Geld wird also mit der EZB-Geldpolitik nachgelegt.
    Ebenso macht man zurzeit die Zinslasten mit dem Nullzins bezahlbar.
    Aber eine solche Politik funktioniert nicht und muss früher oder später in den großen Finanzcrash münden.

    Es könnte jedoch sein, dass Geld dann funktioniert, wenn auf die Geldentstehung als Schuld verzichtet wird.
    Kreditvergaben der Banken aus dem Nichts würde es dann nicht mehr geben.

    Ebenso bräuchte man eine Guthabenbremse, damit der persönliche Reichtum nicht zu sehr zum Selbstzweck wird und die Möglichkeiten aller anderen Personen ein Einkommen zu erzielen nicht mehr beeinträchtigt werden.

    Weitere Möglichkeiten sind fließendes Geld, günstigere Einkaufspreise für Geringverdiener und ggf. eine Geldmengensteuerung nach dem Kopfgeldverfahren.

  12. Wer den Kapitalismus behalten will, bekommt Imperialismus.

    Eine Aussage die ich unterschreiben würde, jedoch würde ich die Aussage wie folgt ergänzen:
    Wer den Kapitalismus oder Sozialismus behalten will, bekommt Imperialismus.

    Sozialismus ist nicht das Gegenstück von Kapitalismus, sondern eine andere Form von Ausbeutung. Wer die „breite Masse“ sprich Arbeiter, Dienstleister etc. die Macht übergibt, wird nichts anderes erreichen. Den besseren Menschen wird es nicht geben. Der Egoismus ist überall vorhanden, nur muss dem Egoismus auf mehr Geld/Kapital der Zahn gezogen werden und in ein anderes Kreterium verlagert werden. Dafür gibt es viele unterschiedliche „Modelle“.

    Das Geldwesen ist eine Frage des Rechtes, das ist den meisten Menschen nicht bewusst, sie verbinden Geld/Kapital mit Wirtschaftsgedanken. Geld/Kapital haben eine besondere Macht, weil sie unter heutigen Verhältnissen einen Wert in sich tragen, was andere Dinge, Dienste und Arbeiten nicht haben. Sie sind nicht grenzenlos lagerungsfähig und/oder unterliegen einer Zeitnotwendigkeit. Dieses Mißverhältmis muss ausgeglichen werden.

    Auch hier gibt es unterschiedliche Gedanken, zum Beispiel könnte in abstrakter Weise dem Geld/Kapitalwesen ein Wertverfall einberechnet werden. Diese Wertverluste können aber nur dadurch reaktiviert werden, wenn sie in soziale Projekte, Bildungsprojekte, Gesundheitsprojekte etc., also in non-Profite Bereiche, gesteckt werden.
    Welche Projekte förderungsfähig sind muss demokratisch und regional geschehen.

    Wir haben heute ein absurdes Phänomen, das Geld/Kapital sich in Anlageblasen staut, also dort wo Profite erwartet werden. Letztendlich wird es immer die Quelle der Schöpfungskraft belasten und zu Zwängen führen. Alles das was für den Menschen (Über)lebensnotwendig ist, also Nahrung, Wasser, Energie, Grund und Boden etc. werden für Erpressungsverhältnisse genutzt. Der freie Mensch bleibt im kapitalistischen wie auch im sozialistischen Wertesystem auf der Strecke.

    Das heißt nicht, dass Kapitalismus und Sozialismus perse schlecht sind, aber sie erzeugen Kampfplätze wenn das Geld/Kapitalwesen im Rechtssystem nicht einer Änderung unterliegt.

  13. zu 1. Staat und Kapitalismus brauchen einander.
    Kapitalismus ohne Staat geht nicht.
    Der Staat schafft doch erst Institutionen um seine Gesetze, Verordnungen u.a. durchzusetzen.
    Wollen Sie durch die Schaffung von mehr Institutionen den Staat umgestalten?
    Für die Schaffung von Institutionen hat der Staat das Monopol. Sie setzen die Macht des Staates um, die wiederum das Kapital schützt.

    • Da haben wir aneinander vorbeigeschrieben. 🙂 Ich meinte, dass ich den Staat an sich nach wie vor für wichtig und unentbehrlich halte. Allerdings muss der Staat (und seine Institutionen) natürlich komplett umgestaltet werden, sodass er nicht mehr dem Kapital dient. Ob nun durch eine Revolution oder viele kleine Schritte, wäre eine andere Frage.

      Natürlich ist der heutige Zustand des (z.B. deutschen) Staates großteils katastrophal. Und es ist auch absolut wichtig zu verstehen, dass der Staat heute (und schon sehr lange oder meinetwegen schon immer) ein Knecht des Kapitals ist. Ich verstehe nur nicht, was dieses Abarbeiten am Staat als solchem bringen soll. Die reine Anarchie funktioniert m.E. jedenfalls nicht. Also kann es nur darum gehen, wie man die Macht im Staat erobert und ihn dann komplett umbaut.

    • Katastrophal – für wen?
      Für die Allianz aus Staat und Kapital funktioniert es doch hervorragend. 🙂
      Blos das eine große Masse auf der Strecke bleibt.
      Ich glaube, dass der Staat nur so viel tut, die Masse ruhig zu stellen – und dabei wird noch getrickst und manipuliert.
      Alles darüber hinaus muss erkämpft werden. Misstrauen ist angesagt und Aufklärung, sonst werden wir immer weiter nur verarscht.

  14. “ Imperialismus ist schlicht eine Folge der Entwicklung der kapitalistischen Profitmaschine. “
    So kann mann das Römische reich sehen, dort wurden hohe Profite gemacht.
    Aber in diesem Sinne, wo und wann gab es dan keine Kapitalistische Profitmachine ?
    Und war auch nicht Robinson Crusoë Kapitalist ?
    Er ontscheidete zwischen Konsum und Investieren wenn er ein Netz zum fischen machte.
    “ Zusammengefasst: Finanzmonopole entstehen durch systemimmanente zunehmende Konzentration von Kapital in wenigen Händen.“: Marx.
    Aber es geschah nicht.
    Volkswirtschaft ist nicht einfach.
    Warum heute Grossbetriebe viel Einfluss haben:
    – etwa 1997 wurde frei Kapitalverkehr zugelassen
    – Globalisierung.
    Politiker selber beschlossen ihre Macht aufzugeben.
    Das Diesel Sotware Skandal lässt es sehen, eine Industrie die sich selbst kontrolieren muss.
    Im Holländischen 17ten Jahrhundert waren ausländische Besucher erstaunt wieviel Kontrollen wir hatten auf unsere Märkte, dadurch war unserer Butter die Beste.
    Trump in seine Rede beim Vereinigten Nationen sagte es richtig ‚God bless the nations of this world‘.
    Leider, in Europa is das Wort Nation eine Neonazi Äusserung.

    • leude ich stimme euch zu aber, das was keiner von euch sagt ist doch das alles ein Instrument der Eliten ist um ihre macht zu vergrößern und zu festigen und zu gleich fester an zu ziehen sodass, nur noch die reichen Milliardäre die eigentliche Mittelschicht ist. die folge, sie werden nichts tun da, wer alles hat will doch nicht noch mehr haben und wenn er mehr haben will kann er es selber erlangen. und Globalisierung ist eben so ein Werkzeug ein Instrument der Eliten wie alles andere, der einzige weg ist zu entscheiden welchen weg wir gehen wollen und ich meine rechts oder links ich meine, wir müssen uns entscheiden ob wir Demokratie haben wollen oder Monaci warum, nun die Eliten sind eine Monaci nur im schatten agierende, dass ist der unterschied und ein gewaltiger denn wir können keine gezielten feinde aus machen sie bleiben im schatten versteckt. aber Monaci ist nicht gleich böse ein guter Herrscher kann auch für sein Volk da sein nur den kann man aber anprangern und seine macht auch wider leicht entziehen. bei Demokratie kann jeder Idioten wählen auch die unwissenden oder die geblendeten siehe AFD…. wir sollten uns erst entscheiden was wir wirklich wollen Wahlen oder einen der uns wirklich gut anführt. und ich glaube das was wir jetzt haben ist keines Wegs Demokratie nur die Schweiz hat im Ansatz weise so etwas was man so nennen kann. und das was Susan Bonath sagte einige seien auf die falsche Seite gegangen in dem sie die AFD gewählt haben ist eben falsch denn egal was du wählst bringt nur den Eliten was, wenn wir die Demokratie wählen so sollten wir einen mittleren weg nehmen, was ich damit meine nehmen wir Sozialismus, Kapitalismus, Nationalismus, Globalismus und einige andere sachen aber, was ich meine ist nur das gute nicht das schlechte zu nehmen. denn sozial einem Menschen zu helfen ist gut, kapital das beste heraus holen doch wohl auch und an sein Land zu hängen und zu kämpfen auch sowie doch trotz allem mit anderen Ländern eng zusammen zu arbeiten auch. also alles ein mittel ding eben das ist was ich glaube wir sollten tun von allem etwas sein und nur das beste nehmen.

    • So viel wirres Zeugs.
      Das ist halt Kapitalismus.
      Eliten? Wer ist denn das?
      Der am erfolgreichsten im Kapitalismus mitmischt –
      oder eine dunkle Macht die sich so gut verstecken kann, das Sie nicht entdeckt wird?
      Nee die Karten liegen offen – man muß nur hinschauen.

    • s=w:

      Ist ja (fast) alles gut und richtig, aber sind da auch ein paar andere Bücher im Regal ausser Marx? Kann ich mir/will ich mir nicht vorstellen.
      Warum diese Fixierung? Das ganze fing mit Händlern (schon vor römischen Zeiten) an, die sich von Schwertführern abwechselnd ausrauben oder beschützen lassen mussten auf ihren Handelsstrassen: Wegelagerer oder Staat, Mafia oder Kirche (Ritter), das war die Frage dann irgendwann. Auch heutzutage ist die Unterscheidung (für den Bürger) zwischen Wegelagerer und Staat/Kirche und Ritter nicht immer leicht. Und der Staat weiss selbst nicht immer, wo die Mafia überall mitmischt.

    • PS zu:

      „…Ist ja (fast) alles gut und richtig, aber sind da auch ein paar andere Bücher im Regal ausser Marx? “

      gemeint ist Frau Bonath

  15. Mehreren Punkten in diesem Text möchte ich widersprechen:

    1. Der Staat ist (und war womöglich immer) imperialistisch. Trotzdem benötigt es aus meiner Sicht aber unbedingt staatliche Institutionen. Also muss es darum gehen, die politische Macht über den Staat zu gewinnen und diesen komplett umzugestalten, sodass er eben nicht mehr den Kapitalinteressen dient.

    2. Wieso soll durch Maschinen kein Profit erwirtschaftet werden können? Solange genügend zahlungskräftige Konsumenten zur Verfügung stehen und eine Nachfrage nach den produzierten Gütern besteht, ist diese Aussage doch völlig widersinnig.

    3. Wieso kann durch Dienstleistungen kein Mehrwert erwirtschaftet werden? Der Mehrwert ist doch letztlich eine subjektive Wahrnehmung des Konsumenten (oder des Marktes als Summe der Konsumenten). Ob das gehandelte Gut nun materiell ist oder nicht, ist doch vollkommen unerheblich.

    Zusatzfrage: Welchen Wert haben eigentlich die auf Halde produzierten Autos, die der Markt offenbar nicht benötigt?

    4. Man kann doch gegen Globalisierung sein, ohne nationalistisch zu sein. Es ist ja – von menschlichen Belangen einmal komplett abgesehen – sicher nicht zu leugnen, dass es auch für die Umwelt ein Segen wäre, wenn weniger Waren zigfach um die ganze Welt gekarrt würden.

    • Wieso durch Maschinen kein Profit erwirtschaftet werden kann?

      Zunächst kommt es mal darauf an, was man unter Profit versteht. Wenn ich für ein altes Fahrrad für 10 Euro auf dem Schrottplatz kaufe und es nächsten Samstag auf dem Flohmarkt für 20 Euro verkaufe, so habe ich zunächst 10 Euro Profit gemacht. (Mal abgesehen davon, dass ich Kosten für die An- und Rückfahrt hatte und meine Arbeitszeit nicht als Kostenfaktor zähle).

      Gesamtgesellschaftlich ist dadurch für die Gesellschaft kein Profit gemacht worden. Es ist kein Mehrwert geschaffen worden, es ist nichts mehr geschaffen worden. Nur die Eigentumsverhältnisse haben gewechselt.

      Genauso wenig wie duch die Leistung eines Chirurgen oder einer Prostitutierten ein Mehrwert geschaffen wird, obwohl beider Leistungen in die offizielle Berechnung des Bruttoinlandsprodukts eingehen.

      Wer Profit so versteht, wie es die bürgerliche Ökonomie tut, hat ein Verständnis wie die Menschen des Mittelalters von der Position der Erde und der Sonne. Verdammt nützlich im Alltag, denn natürlich geht die Sonne im Osten auf und im Westen unter. Das ist völlig richtig. Damit kann man fest kalulieren. Besser als mit den Vorhersagen „unserer“ Wirtschafsweisen.

      Aber wer das besser verstehen will, braucht das Wissen der Astronomen und Physiker, die vom heliozentischen Weltbild zum heutigen Verständnis des Weltalls incl. Relativitätstheorie führen. Nur so kann heute ein Navi funktionieren, das „versteht“, das sich die Zeit verändert abhängig von der Geschwindigkeit eines (relativ) bewegten Objektes.

      Um das Prinzip der Schaffung von Mehrwert zu verstehen, ist es nützlich, die Kritik der politischen Ökonomie (Das Kapital) von Karl Marx zu studieren. Oder die Beiträge von Susan Bonath zu lesen. Sie beschreibt das 1000 mal besser als ich das könnte.

      Ich würde kenfm glatt mal empfehlen, neben tree.tv auch einen Kursus für Ökonomie anzubieten. Viele Kommentatoren auf kenfm würden davon profitieren.

    • hj_allemann1

      Marx war natürlich ein herausragender Denker, der bis heute aktuell ist. Nur hat er sich da – bei der Theorie des Mehrwerts, etc. – aus meiner Sicht geirrt. Wer könnte es ihm verdenken, wer von uns irrt sich nie? Wieso muss man andere, die Zweifel an diesem Dogma äußern, (zwar freundlich aber doch) als dumm hinstellen?

      In Ihrer Antwort haben sie auch verschiedene Fragen von mir vermischt.

      Wieso sollte man nur materielle Produkte als Mehrwert akzeptieren, aber keine Dienstleistungen? Selbst wenn man nur vom pekuniären Wert spricht ohne philosophische Überlegungen, was denn ein Wert an sich sei – warum sollte das so sein? Nur weil die Dienstleistung nach der Erbringung abgeschlossen ist? Was ist dann mit dem Kühlschrank – als Beispiel – der nach 2,5 Jahren kaputt geht dank geplanter Obsoleszenz? Hat er nun auch keinen Wert mehr? Wie lange muss so ein Produkt haltbar sein, damit es einen Wert hat…?

    • Im Übrigen haben manche Dienstleistungen ja auch zeitlich gesehen langfristige Effekte, also einen – auch monetär irgendwie zu schätzenden – Mehrwert für die Gesellschaft: z.B. Bildung, Gesundheitsvorsorge, Therapien, Sozialarbeit, etc.

    • Haben Sie mal überlegt wo denn das Geld herbekommt von denen Dienstleistungen bezahlt werden?
      Am Ende kommen Sie immer nur aus der Arbeitskraft die neue Waren schafft. Der Dienstleistungssektor könnte ohne diese Produktion gar nicht existieren.
      Es geht auch nicht darum, dass man Dienstleitungen nicht wertschätzen soll. Aber einen Mehrwert aus ökonomischer Sicht gibt es nicht. Das sind Kosten und keine Gewinne.

    • Hallo Benjamin Reloaded

      ich habe niemanden als dumm hingestellt. Wenn ich sage, dass jemand auf einem Sektor nicht gebildet ist, heißt das noch lange nicht, dass er dumm ist. Ich weiß natürlich nicht, ob Sie auf dem Sektor, der hier angesprochen ist, gebildet sind oder nicht.

      Aber mir fällt auf, dass Sie in Ihrer Antwort von einem Dogma sprechen. Welches Dogma? Wo gibt es das bei Marx oder Frau Bonath? Alles was ich geschrieben habe ist, dass, wenn man Ökonomie verstehen will, es nützlich sei, Das Kapital von Marx zu lesen. Marx hat keine Dogmen geschrieben. Die sind ihm immer nur bürgerlichen Wissenschaftlern fälschlich unterstellt und dann kräftig widerlegt worden.

      Seine Irrtümer sind so interessant sie die Irrtümer, die Albert Einstein begangen hatte. Einstein hatte mit seinen Relativitäststheorien Recht und Marx mit seiner Kritik der bürgerlichen Ökonomie. Dabei hat er das Wesen des Kapitalismus richtig begriffen und beschrieben.

      Wenn Sie schreiben, er habe sich bei der Theorie des Mehrwerts geirrt, so ist das Ihr gutes Recht. Aber warum schreiben Sie nicht, wo er sich genau geirrt hat. Seine Auffassungen sind eben kein Dogma. Greifen Sie „es“ doch gut argumentiert und konkret an und helfen Sie anderen, zu verstehen, wo sein Irrtum sei. Die bloße Behauptung ist da nicht sehr überzeugend.

      Was Ihre Frage zum Kühlschrank betrifft. Wenn er kaputt ist, verliert er seinen Gebrauchswert. Damit ist auch de in ihm enthaltene Wert zum größten Teil reduziert. Es bleibt nur noch der Gebrauchswert und der Wert, der in seinen Rohstoffen steckt. In wieweit von diesem Wert noch ein Tauschwert – z.B. auf dem Schrottplatz oder beim Recycling – erzielt werden kann, ist eine Frage des Marktes. Das kann heute so und morgen so sein. Gebrauchswert, Wert, Tauschwert sind Kategorien, die man kennen muß, um zu verstehen, wie Mehrwert entsteht und realisiert werden kann.

      Aber wie gesagt, ich bin kein guter Erklärer. Lesen Sie doch mal. Nicht bei mir. Bei denen, die es besser können.

      In aller Freundlichkeit, mehr Beiträge zur Ökonomie hier auf kenfm täte wirklich gut. Davon könnten nicht nur Sie und ich profitieren. Immer wieder stelle ich fest, wie in diesen Fragen hier im Forum der größte Unsinn verzapft wird von Leuten, die keine Ahnung haben. Naja, es gibt ja auch heute noch Leute, die fest behaupten, die Erde sei eine Scheibe, in Amerika und neulich auch so’n Mufti aus Saudi.

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