Tagesdosis 1.5.2020 – Israel in der Corona-Krise (Podcast)

Mossad prahlt, medizinische Geräte, die für andere Länder bestimmt waren, gestohlen zu haben.

Ein Kommentar von Rainer Rupp.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich der israelische Auslandsgeheimdienst den zweifelhaften Ruf von extremer Rücksichtslosigkeit und gewagten Undercover-Missionen erworben, die Morde und Entführungen beinhalteten. Aber in den letzten Monaten hat der Mossad eine Hauptaufgabe bekommen. Laut der Jerusalem Post vom 30. März hatte der rechtsradikale Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schon seit einiger Zeit den Mossad Chef Yossi Cohen, der ihm politisch sehr nahesteht, zum Chefbeschaffer von ausländischen medizinischen Geräten und Hilfsmitteln gegen Covid 19 gemacht. Letzteres ist natürlich nur ein Beweis für das totale Versagen des rassistischen Ministerpräsidenten in der Krise.

Warum ausgerechnet der Geheimdienst mit dieser Aufgabe betraut wurde, hat damit zu tun, dass ähnlich wie in Deutschland und vielen anderen Länder auch die politisch Verantwortlichen in Israel viel zu spät auf die Pandemie reagiert haben, um die notwendigen medizinischen Geräte und Mittel zur Versorgung der an Covid-19 Erkrankten regulär auf dem Weltmarkt einzukaufen. Als sie endlich begriffen hatten, was los war, waren die Märkte leergefegt und die Lieferzeiten für neue Produkte lang. Im Unterschied zu anderen Ländern wollten sich jedoch die Führer des „Auserwählten Volkes“ nicht auf lange Wartezeiten einlassen und deshalb musste der Mossad ran zur illegalen Beschaffung der Waren.

Bereits Ende März waren in israelischen Zeitungen erste Berichte über die Rolle des Mossad in der Corona-Krise zu finden, vor allem, dass Mossad-Chef Cohen eine spezielle Kommandozentrale eingerichtet habe, die in Verbindung mit dem israelischen Gesundheitsministerium arbeite.

Israel sei das „einzige westliche Land, das auf diese Weise handelt. Weder die CIA noch der MI6, noch die französischen oder deutschen Sicherheitsdienste sind in diesem Bereich tätig. Sie überlassen die Auftragsvergabe den zivilen Behörden“, hieß es damals in einem kritischen Bericht der linksliberalen, israelischen Tageszeitung Haaretz.

In dem bereits erwähnten Bericht der Jerusalem Post vom 30. März 2020 wird es dann konkreter. Unter dem Titel: „Mossad erhält 10 Millionen weitere Schutzmasken für Israel“ erfährt der Leser dann, dass die Mossad Agenten in verdeckten Operationen auch „etliche Dutzend Beatmungsgeräte, Zehntausende von Test-Kits, etwa 25.000 (der extrem gesuchten) N95 chirurgischen Masken und weitere medizinische Ausrüstung“ nach Israel gebracht hatten. Und weitere, umfangreiche Neuanschaffungen seien auf dem Weg, so die Post. So sei es dem Mossad bereits vor zwei Wochen gelungen, 100.000 Corona Test-Einheiten nach Israel zu bringen und schätzungsweise weitere vier Millionen seien unterwegs.

Auch ein vager Hinweis, woher das ganze medizinische Zeug stammt, ist in der Post zu finden, nämlich „aus Ländern, zu denen Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhält.“ Ein Haaretz Bericht gibt allerdings genauere Auskunft und nennt Saudi Arabien und die arabischen Staaten am Persischen Golf als Herkunftsländer. Mit denen hat Israel zwar keine diplomatischen Beziehungen, aber der Mossad verfügt dort traditionell über viele verdeckte Kontakte, die ihm offensichtlich aus diesmal von Nutzen waren

In Israel wurde der Erfolg der Mossad-Operation als Heldentat gefeiert. Entweder aus Eitelkeit oder aus parteipolitischem Kalkül zur Unterstützung des wegen Korruption angeklagten Ministerpräsidenten Netanjahu bekannte sich die Mossad-Führung zu der Tat, anstatt sie – wie in solchen Fällen üblich – zu dementieren oder gar nicht zu kommentieren.

In einem TV-Interview mit dem israelischen Sender Channel 12 wurde ein Herr „H“, der mit einer – wohl gestohlenen – Atemschutzmaske unkenntlich gemacht war, als angeblicher Chef der Technologieabteilung des Mossad vorgestellt. „Jeden Tag arbeiten Sie (der Mossad) hart, um manchmal auch Menschenleben zu nehmen, — und jetzt arbeiten Sie, um Menschenleben zu retten“, schwärmt Interviewerin Ilana Dayan.

Auf die Frage nach den Mitteln, mit denen die Mossad-Agenten die Corona- Schutzausrüstung beschafft haben, zierte sich Herr „H“ zuerst, Details zu nennen. Als Interviewerin Dayan bewundernd nachhackte, ob die Mittel auch den Diebstahl von Lieferungen, die für andere Länder bestimmt waren, umfassten, kokettierte Herr „H“ mit der Aussage:

„Wir haben gestohlen, aber nur ein wenig.“ Dann präzisierte Herr „H“ und sagte: „Wir stehlen nicht auf die übliche Weise … wir haben nur unsere Hand auf die Beatmungsgeräte gelegt, die jemand anderes bestellt hat.“ 

Pathetisch deklamierte Herr H zum Schluss:

„In der Welt im Allgemeinen wird es einen großen Mangel geben. Menschen sterben aufgrund fehlender Ausrüstung. Aber in Israel wird das Volk nicht ohne gehen“, — wobei er ausschließlich an die jüdischen und nicht arabischen Bewohner Israels gedacht haben dürfte.

Minuten lang konnte Herr „H“, ohne von kritischen Fragen unterbrochen zu werden, von der erfolgreichen Corona-Operation des Mossad schwadronieren. Allerdings empfanden auch israelische Medien den von Herrn „H“ benutzten, nationalen Pathos zur Rechtfertigung krimineller Handlungen widerlich, was sich in zahlreichen Kommentaren zur Sendung ausdrückte. Kritisiert wurde auch die Tatsache, das wenn der Mossad schon sowas Unmoralisches tut, er anschließend nicht zur besten Sendezeit darüber prahlen sollte.

Kritisch wurde in den Reaktionen auf das Interview auch darauf verwiesen, dass Teile der hoch bejubelten Mossad Operation ein Flop waren. Denn die Geheimdienstler waren offensichtlich auf Grund ihrer unzureichenden medizin-technischen Kenntnisse von ebenso betrügerischen Verkäufern übertölpelt worden.

Unter dem Titel: Gesundheitsministerium sagt Mossad hat falsche Test-Kits gebracht“, berichtete Haaretz am 19. März von dem Flop und zitierte den stellvertretenden Direktor des Ministeriums: „Das, was wir gerade erhalten haben, ist nicht genau das, was wir brauchen“. Dabei handelt es sich um die bereits oben erwähnten 100.000 Corona Test-Kits, von denen angeblich weitere 4 Millionen bereits unterwegs sind und damit höchstwahrscheinlich auch schon bezahlt sind. Denn bei dieser Art von verdeckten Geschäften wird die Rechnung nicht erst nach Zustellung des Lieferscheins beglichen.

Den Tests fehlt anscheinend eine für ihre Wirksamkeit essentielle, patentierte Flüssigkeit, in der die Testtupfer vor dem Screening auf COVID-19 eingetaucht werden müssen, berichtete der Sprecher des Gesundheitsministerium Magon David Adom der Jerusalem Post. Adom fügte hinzu, Ministerpräsident Netanjahu werde „jetzt seine Verbindungen auf der ganzen Welt“ nutzen, um zu versuchen, die benötigte Flüssigkeit möglichst bald zu erhalten.

No doubt these operations to intervene in the global medical supply chain go the other way too – as in likely Mossad is simultaneously attempting to intercept and sabotage much needed supplies going to enemies like Iran or Syria.

(Übersetzung: Zweifellos gehen diese Operationen, die in die globale medizinische Versorgungskette eingreifen sollen, auch in die andere Richtung – denn wahrscheinlich versucht der Mossad gleichzeitig, dringend benötigte Lieferungen, die an Feinde wie den Iran oder Syrien gehen, abzufangen und zu sabotieren).

Unter Verweis darauf, dass die kleinen arabischen Staaten am Persischen Golf sehr wichtige Umschlagplätze für den internationalen Handel vor allem mit Iran aber auch mit Syrien sind, wollte der Mossad mit seiner Corona-Beschaffungsoperation in diesen Ländern womöglich zwei Fliegen mit einen Klappe schlagen. Daher ist die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen, dass der israelische Geheimdienst mit seiner Operation wahrscheinlich für Iran und Syrien bestimmte Lieferungen, die dort dringend benötigt werden, sabotiert und nach Israel umgeleitet hat.

Hier sei darauf hingewiesen, dass diese Ereignisse von westlichen Medien überhaupt nicht, oder nur vereinzelt erwähnt wurden, wie im Fall der zionistisch orientierten New York Times, die den „Erfolg“ des Mossad mit bewunderndem Unterton geschildert hat.

Zunehmende gewalttätigen Überfälle kriminelle Siedler auf Palästinenser

Das ist nicht die einzige wichtige Nachricht aus Israel und Palästina, die in unseren westlichen „Qualitäts“medien unterschlagen wird. So hat z.B. die deutsche Öffentlichkeit nichts von den zahlreichen Berichten gehört, wonach jüdische „Siedler“ in den letzten Wochen die Corona-Krise und den damit verbundenen Lock Down in den von Israel besetzten Gebieten der Westbank verstärkt dazu genutzt haben, um die palästinensische Zivilbevölkerung, egal ob alt oder jung, zu schikanieren, ihr Eigentum zu rauben oder zu zerstören.

In den ersten drei Aprilwochen dokumentierte B’Tselem 23 Siedlerangriffe auf Palästinenser. Im ganzen März waren noch 23 solcher Vorfälle dokumentiert. Zum Vergleich: Im Januar wurden 11 Und im Februar 12 Angriffe registriert.

B’Tselem ist eine in Jerusalem ansässige Nicht-Gewinn-orientierte-Organisation, deren erklärtes Ziel darin besteht, Menschenrechtsverletzungen in den von Israel besetzten Gebieten zu dokumentieren, die Leugnung der Existenz solcher Verletzungen zu bekämpfen und zur Schaffung einer Menschenrechtskultur in Israel beizutragen.

Die Siedler, die sich in der Regel durch einen besonders hasserfüllten, rassistische Gewaltextremismus gegen Palästinenser jeden Alters auszeichnen, wahrscheinlich weil sie auf von Palästinensern geraubtem Grund und Boden wohnen, gehen oft grundlos – einfach so – gegen Palästinenser vor, um sie zu misshandeln, krankenhausreif zu schlagen oder gar mit Schusswaffen schwer zu verletzten oder zu töten.

In der Presseerklärung von B’Tselem heißt es bezüglich der oben angesprochen 23 Siedlerangriffen:

„Diese gewalttätigen Zwischenfälle, Siedler, von denen einige Schusswaffen trugen, griffen Palästinenser mit Hilfe von Schlägern, Äxten, Elektroschockwaffen, Steinen und Kampfhunden tätlich an und verursachten in einigen Fällen schwere Verletzungen. Siedler griffen auch Häuser an, zündeten Autos an, zerstörten und entwurzelten Olivenbäume und andere Kulturen und stahlen Vieh. Diese Vorfälle ereigneten sich im gesamten Westjordanland, mit mehreren Epizentren: das Gebiet um den kürzlich erweiterten Außenposten von Havat, Ma’on in den Hügeln von Süd Hebron und um das Gebiet der Shilo Siedlung. ….. Siedler belästigen auch fast täglich palästinensische Hirten im Jordantal. … Ebenfalls auf täglicher Basis trieben Siedler ihre Rinder und Schafe zum Weiden auf die mit Saaten bewirtschafteten Feldern der Palästinenser, meist im Jordantal. Diese routinemäßigen Belästigungen und der Vandalismus der Siedler sind nicht in der oben genannten Zahl von 23 Siedlerangriffen enthalten.“

Bei ihren kriminellen Taten können sich die Siedler durchweg auf Unterstützung und Schutz durch das israelische Militär verlassen. Die Täter sind frei von jeder Angst vor Strafverfolgung, denn ihre Verbrechen bleiben in der Regel ohne juristische Folgen, denn bei den Opfern handelt es sich ja „nur“ um Palästinenser, und deren Leben ist im Vergleich zu den Herrenmenschen nichts wert. So lehren es zumindest die erzkonservativen Rabbis immer noch.

Palästinensische Kinder in israelischen Militärgefängnissen

Ein weiterer Akt himmelschreiender Missachtung internationaler Rechtsnormen ist das massenhafte Einsperren palästinensischer Kinder aus den besetzten Gebieten in israelischen Gefängnissen hinter der Apartheidmauer im israelischen Kernland, und somit weit weg von Eltern und Verwandten. Laut einem neuen Bericht der Kinderhilfsorganisation „Defense for Children International – Palestine (DCIP)“ ist die Zahl der palästinensischen Kindergefangenen seit Beginn der Corona-Krise um sechs Prozent gestiegen.

Laut dem DCIP-Bericht ist die Zahl der inhaftierten palästinensischen Kinder seit Januar um 6 Prozent auf 194 gestiegen. Anhand der Daten der israelischen Gefängnisverwaltung (IPS) stellte DCIP fest, dass zum 31. März nur 28 Prozent der palästinensischen Kinderhäftlinge Haftstrafen verbüßten, während der große Rest, (117 von 194) in Untersuchungshaft saß.

Die Daten zeigten auch, dass die Mehrheit der Inhaftierten im Alter von 16-17 Jahren war, während 30 zwischen 14-15 Jahren waren. Allerdings scheut das israelische Militär auch nicht davor zurück, jüngerer palästinensische Kinder von 12 Jahren in Gefängnisse zu sperren, was DCIP dokumentiert hat.

In dem DCPI-Bericht heißt es weiter: „Palästinensische Kinder, die von israelischen Behörden inhaftiert sind, leben in unmittelbarer Nähe zueinander, oft unter gefährdeten hygienischen Bedingungen. …. Die Auswirkungen von COVID-19 werden durch diese Lebensbedingungen noch verschärft und machen die palästinensischen Kinder in israelischen Gefängnissen und Haftanstalten zunehmend verwundbar.“

Laut DCIP nimmt Israel jedes Jahr zwischen 500 und 700 palästinensische Kinder fest. Vom Zeitpunkt der Verhaftung – die in der Regel mitten in der Nacht stattfindet – bis zu der Zeit, in der sie vor Gericht bearbeitet werden, müssen Kinder mit einer Reihe von Verletzungen ihrer Rechte rechnen, darunter Körperverletzung, verbale Misshandlung, Nötigung während der Vernehmung und die Verweigerung der Anwesenheit von Eltern oder Anwälten während ihrer Vernehmung.

DCIP schätzt, dass „fast drei von vier palästinensischen Kindern, die von israelischen Streitkräften festgehalten werden, irgendeine Form von physischer Gewalt erfahren“.

Palästinensische Kinder werden nicht nur in den Gefängnissen wie Erwachsene behandelt, sondern auch vor den israelischen Militärgerichten, die eine Verurteilungsquote von 99,7 Prozent für Palästinenser aufweisen.

Solche Nachrichten gehen an den deutschen „Qualitäts“journalisten unserer deutschen „Qualitäts“medien komplett vorbei. Aus Angst vor der „Antisemitismus-Keule“ haben sie große Erfahrung darin, unbequeme Nachrichten aus dem „Heiligen Land“ umgehend im medialen Gedächtnisloch spurenlos zu entsorgen. Schließlich ist die Sicherheit des Apartheit-Staates Israel von der Bundesregierung zur deutschen Staatsdoktrin erhoben worden, und Israel zu kritisieren ist politisch nicht korrekt und kann den Job kosten. Da reiht man sich lieber in den Mainstream ein und macht Hasspropaganda gegen Russland. Dabei kann man sich so richtig über die furchtbare Behandlung von Leuten wie Alexander Navalny ereifern, weil der nur wegen einiger banalen Finanztransaktionen mit westlichen NGO-Sponsoren für einige Monate in den Hausarrest musste.

Quellen:

  1. https://www.haaretz.com/israel-news/.premium-netanyahu-s-coronavirus-cover-up-mossad-s-search-for-supplies-in-saudi-arabia-1.8724342
  2. https://www.jpost.com/israel-news/mossad-bought-10-million-coronavirus-masks-last-week-62289
  3. https://timeout.co.il/המוסד-קורונה-עובדה-ביקורת-טלוויזיה/
  4. https://www.haaretz.com/israel-news/.premium-health-ministry-says-mossad-bought-wrong-testing-kits-for-coronavirus-1.8691295
  5. https://www.jpost.com/health-science/mossad-brought-100000-coronavirus-tests-to-israel-report-621532
  6. https://www.btselem.org/settler_violence_updates/during-corona-crisis
  7. https://mondoweiss.net/2020/04/the-number-of-palestinian-child-prisoners-increases-during-covid-19/

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildquelle:   Roman Yanushevsky/ shutterstock

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4 Kommentare zu: “Tagesdosis 1.5.2020 – Israel in der Corona-Krise (Podcast)

  1. tja, ich befürchte die nachbarländer israels haben durchweg bauchschmerzen,nicht nur wenn eine grippewelle aktiv ist, aufgrund israels "nettigkeiten" ihnen gegenüber….hier geht es nicht um juden, bin zu einem viertel selber einer, sondern um die machenschaften israels als staat.

  2. sorry, aber bei diesem artikel habe ich echt bauchschmerzen…..ich hab israelische freunde, die flippen grade….dass ein kampf um medizin entbrennt, ok….aber jetzt die juden so durchn kakao zu ziehen und den gazakonflikt mit einzubeziehen finde ich en bissel unfair…

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