Tagesdosis 1.6.2019 – Im Würgegriff des Kapitals

Ein Kommentar von Susan Bonath

Wieder einmal tagen die Bilderberger. Bei dieser Geheimkonferenz der Mächtigen aus Nordamerika und Europa in der Schweiz, nur eine von vielen verschiedenen, geht es laut Pressemitteilung (1) nicht nur um Themen wie „Klima“,  „Künstliche Intelligenz“, „China und Russland“ sowie „die Waffe der sozialen Medien“. Auf dem Programm steht nichts weniger als die „Zukunft des Kapitalismus“. Was auch immer sie beraten, sagen sie uns nicht. Auch die deutschen Teilnehmer, darunter Axel-Springer-Chef Döpfner, Kriegsministerin von der Leyen und die CDU-Vorsitzende AKK, werden schweigen. Nur eins ist klar: Sie haben Muffensausen. Sie wollen um jeden Preis ihre Herrschaft über die Vielen erhalten. Komme, was da wolle.

Um den Kapitalismus ranken sich mindestens so viele Mythen wie um diese Konferenz. Von oben werden sie eifrig befeuert. Eine davon ist die Mär von der „sozialen Marktwirtschaft“. Angeblich haben wir die ja in Deutschland. Und die ist alternativlos. So tönt es jedenfalls von oben und unten, aus den Reihen von CDU,  FDP, AfD und SPD. Die Grünen propagieren „grünen Kapitalismus“; auch die Linkspartei schwafelt gerne von „sozialer Marktwirtschaft“. Klar doch: Sozial klingt toll und Markt nach schnuckeligem Gemüsemarkt. Nur eins wird vergessen: Wer kein Tauschäquivalent namens Geld besitzt, bleibt auch auf dem Gemüsemarkt hungrig. Selbst bei den Armentafeln müssen die Leute für eine Tüte Essensreste zwei, drei Euro löhnen. An dieses Geld muss man im Kapitalismus erst kommen. Die Fragen ist: Wie? Und warum?

Für das Wie sieht der Kapitalismus zwei Möglichkeiten vor: Entweder erwerbe ich – für Geld! – rentable Produktionsmittel und vermehre mein Geld mittels fremder Arbeitskraft. Oder ich besitze kein Geld für solche  Produktionsmittel. Dann bin ich gezwungen, meine Arbeitskraft an einen Kapitalisten oder dessen Manager, den Staat, zu verkaufen. Dafür erhalte ich einen kleinen Teil des Profits, den ich erwirtschafte, mit dem Lohn zurück. Davon kann ich dann leben – manchmal mehr schlecht als recht.

Das Warum ist schnell erklärt: Der Kapitalismus macht alle Bedarfs- und Gebrauchsgüter zu Waren. Und die gehören dem, der die entsprechenden Produktionsmittel besitzt und über den Zugriff auf notwendige Ressourcen – dank Geld – verfügt. Ein Beispiel: Max Müller braucht neue Schuhe. Er muss sie für Geld demjenigen abkaufen, dem sie gehören: Der Besitzer oder die Aktionäre der Schuhfabrik. Davon profitieren weitere Kapitalisten, und zwar die, die diesen Profit realisiert haben: Das Unternehmen, das die Schuhe verpackt hat. Jene Firma, die sie transportiert hat. Die Handelskette, die sie vermarktet hat. Und falls sie mittels Kredit produziert wurden, auch die Bank, die ihren Zins einfordert. Kurzum: Jede Ware gehört jemandem. Wer sie braucht, muss sie ihm abkaufen. Es geht um Privateigentum an Produktionsmitteln.

Genau darauf basiert die viel gepriesene Marktwirtschaft. Mit „sozial“ hat diese nichts am Hut. Wer kein Geld hat, bleibt auf der Strecke. Was als „sozial“ verkauft wird, dient dem Erhalt der Arbeitskraft der vielen. Ohne die gibt’s keinen Profit. Braucht das Kapital weniger Arbeitskräfte und werden mehr und mehr von ihnen überflüssig für den Markt, geht’s an Eingemachte. Der Sozialstaat wird geschrumpft. Dafür sorgt der Manager des Kapitals, der Staat. Wir erleben es: Hartz IV mit Sanktionsregime, Rentenkürzungen, verbotenes Retten ertrinkender Flüchtlinge und mangelnder Wohnungsbau. Zum Beispiel.

Nun kursiert auch das Gerücht, wir lebten gar nicht mehr im Kapitalismus, weil der doch eigentlich ganz schön sei. Und weil der Staat inzwischen so mächtig sei. Nun, dann bräuchten die Bilderberger nicht über dessen Zukunft beraten. Hinzu kommt: Der Begriff Kapital wird meistens falsch interpretiert. Keineswegs sind Ressourcen, Produktionsmittel, Geld und Arbeitskraft gleich Kapital. Zu Kapital wird all das erst, wenn es entsprechend verwertet wird. Und zwar mit einem einzigen Ziel: Die Eigentümer müssen ihre Profite maximieren. Das gebietet die Konkurrenz des Marktes. Wer nicht mitspielt, geht pleite. Der einzelne Kapitalist ist also gar nicht Schuld daran. Er muss Kapital akkumulieren. Logisch, dass sich die Vermögen im Laufe der Zeit oben konzentrieren und dies zur Bildung riesiger Monopole führt.

Es ist das System, das sich alle unterjocht. Marx nannte die gigantische, globale Verwertungsmaschine namens Kapital ein „automatisches Subjekt“. Unsere Propagandisten sprechen vom Markt. Und das ewige Wirtschaftswachstum, zu dem die Verwertungskonkurrenz zwingt, nennen sie „Wettbewerb“. Markt, Wachstum und Wettbewerb sind quasi heilig. Und doch kann schon ein Grundschüler verstehen: Ewiges Wirtschaftswachstum ist auf einem begrenzten Planeten nicht möglich.

Hier kommen wir zum zweiten Problem: Die Zerstörung der Umwelt und des Klimas, wenn das Wachstum, wie aktuell, an die natürlichen Grenzen stößt. Blöderweise basiert der Kapitalismus gerade darauf. Denn

in diesem erfolgt jede Produktion von irgendwas nur aus dem genannten Grund: Profitmaximierung. Ein Kapitalist, der das nicht befolgt, geht dank der Konkurrenz schnell unter. Fazit: Der Kapitalismus selbst ist der Umweltzerstörer. Die Story der Grünen vom grünen Kapitalismus ist pure Demagogie.

Und jetzt mögen die ersten schreien: Aber Planwirtschaft hat doch nie funktioniert! Nun ja, erstens: Auch im Kapitalismus herrscht Planwirtschaft. Jeder Eigentümer von Produktionsmitteln plant seine Produktion. Dabei orientiert er sich blöderweise nicht am Bedarf der Gesellschaft. Und schon gar an irgendwelchen friedenspolitischen oder ökologischen Kriterien. Ihm geht es schlicht darum, wie hoch am Ende die Rendite ist, wie viel Geld auf sein Konto sprudelt. Das ist die Krux.

Kommen wir zu den missglückten Versuchen sozialistischer Planwirtschaft: All die Staaten, die das versucht haben oder noch versuchen, befinden sich nicht im luftleeren Raum, sondern inmitten des kapitalistischen Marktes. Um mitzuhalten mit der wirtschaftlichen Entwicklung, waren oder sind sie auf Rohstoffe aus aller Welt angewiesen. Die lagern nämlich meist nicht vor der Haustür. Man kann es auch anders sagen: Ohne Globalisierung der Wirtschaft gäbe es das Internetportal KenFM und vieles andere nicht. Die technologische Entwicklung hätte irgendwo im 18. Jahrhundert stecken bleiben müssen.

Das Problem an dieser Globalisierung ist, und da kommen wir zurück zum Kernproblem, dass die Wirtschaft in Privatbesitz ist. Und dass diese Privateigentümer eben Profite maximieren müssen, wie auch immer. Und zu glauben, ein Staat, ob Deutschland, die USA oder sonst einer, könnte und würde das stoppen, ist naiv. Dazu ist er gar nicht da. Er ist und war, seit es den Industriekapitalismus gibt, nur ein schnöder territorialer Manager des Großkapitals. Staaten waren immer die Herrschaftsinstrumente der jeweils herrschenden Klasse. Wir erleben das ja, das ist doch nicht zu leugnen.

Dass es so ist, und dass die Herrschenden nichts so sehr fürchten, wie einen Aufstand der unterdrückten Klasse, zeigen die täglichen Schlagzeilen: Die brutalen Angriffe auf die Gelbwesten in Frankreich. Das Elend produzierende und den Niedriglohnsektor personell fütternde Hartz-IV-Regime. Das aktuell im Bundestag beratene Einwanderungsgesetz, das für den Markt nützliche Migranten reinlassen und unbrauchbare bestenfalls der Verelendung preisgeben will. Übrigens: Auch die AfD ist laut EU-Programm dafür.

Davon zeugen auch die seit Jahrzehnten verfehlten Klimaschutzziele. Und ständig neue Umweltskandale, dem Profitstreben sei dank. Die aktuellen Forderungen von AKK und ihrer CDU, die Meinungsfreiheit vor Wahlen drastisch einzuschränken. Der kürzlich geleakte Gesetzentwurf von Bundesinnenminister Seehofer, der dem Verfassungsschutz das Überwachen von Medien und Journalisten offiziell erlauben soll. Das Großkapital hat seinen Grund, ihm dienende Parteien zu mästen. Ja, auch die AfD.

All das lernt man aber nicht in der Schule oder im Studium. Ist doch klar. Der Staat als Manager des ganzen Spiels ist natürlich bestrebt, gutes und dienstbares Humankapital heran zu züchten. Die Profiteure wollen ja ihr System erhalten. Dafür schöpfen sie auch ihr gesamtes Propaganda-Potenzial aus. Wir sind von Geburt an mit Triggern konditioniert, die immer wieder zu einem Fehlschluss führen: Kapitalismus sei das einzig Wahre und völlig alternativlos. Und man könne ihn ja auch sozialer machen. Das ist Blödsinn, denn er basiert immer auf Ausbeutung von vielen, die einen leiden halt mehr darunter, die anderen weniger.

Und weil die Jugend das nicht gelernt hat – und zwar von den Alten – dann kann man ihr nicht vorwerfen, zur EU-Wahl in großer Anzahl die Grünen gewählt zu haben. So manch Erwachsener glaubt ja auch, die AfD sei eine Alternative, weil das in ihrem Namen steht. Aber vielleicht ist sie doch schon weiter als viele Alte. So distanzierte sich „Fridays for Future“ bereits am Mittwoch von der Aussage des Grünen-Spitzenkandidaten Sven Giegold, der Wahlsonntag sei „ein Sunday for Future“ gewesen. Man habe keinen Wahlkampf für eine Partei gemacht, „die Abschiebungen mitorganisiert, Hartz IV auferlegt und vielfach klimaschädliche Politik mitgetragen hat, weil sie nicht bereit ist, sich mit Kapitalinteressen anzulegen“, so die Bewegung.

Es muss verstanden werden, dass Kapitalismus eben keine Verschwörung geheimer Mächte, sondern ein Herrschaftssystem der beschriebenen Art ist, das nach ebenso beschriebenen Mechanismen funktioniert, die automatisch und zwangsläufig zu Vermögenskonzentration, sozialer Spaltung, Verarmung breiter Massen und Umweltzerstörung führen. Der Kapitalismus muss weg. Eine Lösung im System gibt es nicht.

Mehr noch: Solange sich die Welt im Würgegriff des Kapitals befindet, wird es für eine wachsende Masse schlimmer werden. Zu dieser dürften am Ende viele, sehr viele gehören. Die meisten werden dann wohl feststellen: Sie waren es, die ihre Peiniger und Umweltzerstörer über Jahrzehnte widerstandslos gewähren ließen. Ja, die sie regelrecht feierten. Die sich ewig mit dem plumpen AfD-Slogan „Merkel muss weg“ begnügten, um dann gemeinsam mit dieser, wie Union, SPD, FDP und Grüne ebenfalls vom Großkapital gepamperten Partei um 180 Grad umzuschwenken. Hin zum Bashing eines unter den Kids wie ein bunter Hund bekannten Youtubers, schizophrener Weise, weil der die Merkel-Partei kritisiert hatte.

Dass es so kommen wird, wissen auch die Bilderberger. Ihnen dürfte es nur darum gehen, ihren eigenen Arsch zu retten. Das heute noch willig für sie strampelnde Humankapital bekommt keinen Platz im Rettungsboot. Es hat ihnen nur bis zum jüngsten Tag die Macht zu sichern. Nicht mehr, nicht weniger.

Quelle:

  1. https://www.bilderbergmeetings.org/meetings/meeting-2019/press-release-2019

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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67 Kommentare zu: “Tagesdosis 1.6.2019 – Im Würgegriff des Kapitals

  1. Der Unterschied der Systeme besteht doch darin, dass im Kapitalismus erst alles kaputt gemacht wird, um es dann zu verstaatlichen, während im Sozialismus alles verstaatlicht und erst hernach zerdeppert wird.

    Im Kapitalismus kriegen diejenigen, die aufgrund der Effizienzsteigerung keine Arbeit mehr finden Stütze. Gilt auch für diejenigen, die aussteigen wollen. Die halbe Antifa wird vom Staat durchgefüttert.

    Im Osten gab es die Verfassung (Art. 24/2 „Das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit bilden eine Einheit.“) und den § 249 StGB („Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten“), in welchen diejenigen, welche sich „aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit“ einziehen mit allerlei Freundlichkeiten konfrontiert sahen:

    – Verurteilung auf Bewährung, Haftstrafe oder mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder „nur“
    – staatliche Kontroll- und Erziehungsaufsicht
    – Aufenthaltsbeschränkung

    Bis 1977 gab es auch noch die Arbeitserziehung.

    Ein System ist ein System ist ein System und wird es immer bleiben.

    Die Wessis lieber eher den Westen, die Ossis halt den Osten. So fucking what?

    Ich schmeiß mal den Kreisler rein:

    In der Bundeshauptstadt Bonn am Rhein
    Fürchtet sich der Kommunist
    Sollt‘ man etwas weiter östlich sein
    Fürchtet sich, wer keiner ist.

  2. Dazu meinte Goethe:

    „Wenn wir, sagtest du, die Menschen nur nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter. Wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.“

    „Sage, tun wir nicht recht? Wir müssen den Pöbel betrügen. / Sieh nur, wie ungeschickt, wild, sieh nur, wie dumm er sich zeigt!“ / Ungeschickt scheint er und dumm, weil ihr ihn eben betrüget. / Seid nur redlich, und er, glaubt mir, ist redlich und klug.“

    Und zum Thema Revolution meinte er:

    „Auch war ich vollkommen überzeugt, daß irgendeine große Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmöglich, sobald die Regierungen fortwährend gerecht und fortwährend wach sind, so daß sie ihnen durch zeitgemäße Verbesserungen entgegenkommen.“

    Nicht alle heutigen Regierungen kennen ihren Goethe. Und wenn es so ist, dann muss man sie daran erinnern.

  3. @ Peter Wuttig
    Eine wahnsinnig idealistische Vorstellung, das der Charakter der Einzelnen die Systemstruktur der Gesellschaft bestimmt. (Das wäre meiner Meinung nach höchstens in einer anarchischen Gesellschaft möglich, in der Regeln beständig und bis in die letzte Konsequenz immer wieder von der gesamten Gruppe/Gesellschaft ausgehandelt werden.)

    Einen Kapitalisten „böse“ oder schlecht zu schelten, tut hier niemand. Bitte einmal konkret vorstellen – ein Mittelständler möchte seinen Betrieb an seine Enkel weitergeben – seine Schwierigkeit besteht nicht darin, sich gegenüber Arbeitslotsen oder Angestellten zu behaupten. Er muß sich zunächst der Konkurrenz seiner Größe erwehren – durch Wachstum, Ausnutzung der steuerlichen Möglichkeiten, Effizienz der Strukturen und er muß sich gegen Größere behaupten – durch Innovation, durch Nutzung strukturfördernder Programme usw. wenn er langfristig seine Größe relativ behalten will.
    Er hat also keine Möglichkeit, sich wünschenswerten Verhaltensweisen wie bspw. Begrenzung des Wachsens (zur Schonung der Ressourcen), Auslassen von Steuerschlupflöchern usw. dauerhaft hinzugeben will er seinen Besitz langfristig erhalten und sich nicht absichtlich durch Regelverletzung schaden.

    Gegen einen Kapitalisten zu sein ist also unsinnig, gegen den neoliberalen Finanzkapitalsimus zu sein nicht. (Außer man gehört zufälligerweise zu den Milliardären, dann hat man da die Wahl.) Der Kapitalsmus mit seiner Erzählung von freien Märkten und dem Ausgleich durch eine „unsichtbare Hand“ ist ewiglich eine Mär.

    Die „Gier“ bei Langzeitarbeitslosen, die dann auch zumeist HartzIV Empfänger sind, zu bemängeln finde ich unschön. Man beobachte bei sich selbst, wie oft man sich schlagen lässt, bevor man einmal zurückschlägt. Dazu sei „die Anstalt“ zum Thema empfohlen, die zeigt, das die Leute tatsächlich unterhalb des gesellschaftlichen Existenzminimums leben müssen. Zum Ausgleich empfiehlt man ihnen die Tafeln – also als Hausschwein der Gesellschaft zu fungieren. Es ist jedoch in der gegenwärtigen Wirtschaftslage schwer vorstellbar keine Stelle zu finden, in so vielen Fenstern hängen Zettel.. Mitarbeiter gesucht.

    Aber um nicht ganz so trostlos zu enden – ich kenn auch nichtgierige und neidfreie Menschen die verzichten – etwas zurückstecken indem sie beispielsweise einen Job annehmen den sie für sinnvoll halten und dafür deutlich weniger verdienen.

    @schwarz ist weiß
    Sehe ich auch so. Werde demnächst auf die Wortwahl achten.

    • guter Text !

      „Sehe ich auch so. Werde demnächst auf die Wortwahl achten.“ ??? Hab ich was verpasst?

    • Teilchen

      Ihr Kommentar ist ja insgesamt ganz gut, folgendes hat mich aber ziemlich irritiert:

      „Es ist jedoch in der gegenwärtigen Wirtschaftslage schwer vorstellbar keine Stelle zu finden, in so vielen Fenstern hängen Zettel.. Mitarbeiter gesucht.“

      -> War das ernst gemeint? Was glauben Sie, was das für Jobs sind…?

      Außerdem würde mich mal interessieren, wo Sie die Grenze ziehen würden zwischen einem Großkapitalisten und einem „Mittelständler“, den Sie akzeptabel finden?

      Meine Meinung dazu:
      – Kapitalgesellschaften müssen verboten werden (also auch GmbH’s, AG’s sowieso) – und abgewickelt bzw. verstaatlicht.
      – Neben Staatsunternehmen sollten Genossenschaften in Mitarbeiterhand zukünftig den Normalfall darstellen.
      – Unternehmen mit persönlich* haftenden Eigentümern, die natürlich auch steuerlich voll belangt werden, sind akzeptabel. (Gemeint sind Menschen, keine „juristischen Personen“.) Wenn das Bildungs- und Bewusstseinsniveau insgesamt steigt, wird es sicher schwer werden, Mitarbeiter für solche hierarchisch organisierten Unternehmen zu finden.

    • „Eine wahnsinnig idealistische Vorstellung, das der Charakter der Einzelnen die Systemstruktur der Gesellschaft bestimmt. “
      die gesellschaft besteht aus individuen – sind wir uns darüber einig?
      natürlich bestimmt nicht ein einzelner über die gesellschaftsstruktur das habe ich so auch nicht geschrieben. aber mit dem einzelnen fängt es an – so wie mit ken jebsen dieses forum begann – soweit einleuchtend? und nebenbei bemerkt, jemand der nur rumnörgelt und permanant schlecht gelaut ist, der wird sich in keiner gesellschaftsstruktur zurechtfinden.
      ja natürlich ist das nicht schön, dass langzeitarbeitslose unterm existenzminimum leben aber damit sich an ihrer lebenssituation etwas ändert müssen sie sich bewegen – sicherlich bedarf es dabei der unterstützung der gesellschaft selbst der beste coach kann nur begleitend und unterstützend wirken – die hauptarbeit hat der langzeitarbeitslose. man kann das verurteilen, beschimpfen was auch immer – es wird sich daran nix ändern. im übrigen hatte ich auch bei der tafel ehrenamtlich gearbeitet und die erfahrung gemacht, dass sich so mancher viel zu fein für so eine arbeit waren – ok – muss man nicht machen aber es zeigt was los ist und die tafel als eine institution für „hausschweine“ zu bezeichnen ist aus meiner sicht unterirdisch und zeigt eigentlich nur in welchen egobereichen da gedacht und geschrieben wird. und das ist auch so der tenor, dem viele erliegen indem sie meinen „für mich nur das beste“ und das ohne etwas dafür geben zu wollen und das funktioniert in keiner gesellschaft auch nicht in er idealistischsten, denn so eine würde solche personen die nur an sich selbst denken, ausspeien.

    • man kann über kapitalisten, eliten, neoliberale wie man die nun bezeichnen will denken wie man will aber sie aggieren, sie drehen sich, sie kümmern sich um ihren teich, sie sind aktiv und das ist auch z.t. das geheimnis ihres erfolgs. wer nur passiv ist und meckert und darüber philosophiert was im system nicht stimmt und wie es sein müsste, damit es mir gefällt – da wird nix werden.

  4. kapitalismus ist aus meiner sicht derzeitig das adequate gesellschaftssystem. obgleich ich wie angesprochen auch sehe, dass es nicht zukunftsfähig ist. es wird erst eine bessere gesellschaftsordnung geben, wenn die menschen dazu bereit sind. das sehe ich derzetig noch nicht, denn die menschen angefangen vom obdachlosen über harz4 empfänger über die mittelschicht bis zum großverdiener sind durch begierde, gier, geiz, neid und zorn und abneigung getrieben. es nützt nix auf den kapitalisten zu schimpfen er unterscheidet sich vom harz 4 empfänger nur dadurch, dass er wesentlich bessere bedingungen (bedingungen die, die eigene person betreffen wie intelligenz etc und äußere rahmenbedingungen) hat um das zu bekommen wonach er giert. für ein neues gesellschaftsmodel bräuchten wir idealistische menschen, die sich freiwillig dem gemeinwohl verpflichtet fühlen und die nicht mehr auf grundlage von gier, hass, neid, unwissenheit etc. handeln. ich wünsche dies aber ich denke, dass dies kein thema dieses jahrhunderts sein wird. die menschheit müsste ein sinneswandel sonders gleichen vollziehen was vermutlich nur erreicht werden kann, wenn wir kurz vor einer globalen katastrophe stünden und jedem erdenbewohner schlagartig was klar werden würde. aber eine gewissheit das dadurch ein sinneswandel eintritt gibt es nicht, vllt stürzen wir auch mit wehenden fahnen in den abgrund. eins ist fakt, wenn die mehrheit der menschen idealistisch geprägt wären, gäbe es keine kaptialisten – sie hätten überhaupt keine chance. es gibt sie nur, weil die mehrheit der menschen nach dem streben, was die kaptialisten besitzen und sich ein stück vom kuchen versprechen solange sie das spiel mitspielen. es bringt daher absolut nix auf kapitalisten zu schimpfen. der kaptialismus wird in der mehrheit von den ganz normalen menschen – sprich volk am laufen gehalten – weil es das volk will.
    als coach für langzeitarbeitlose weiß ich wovon ich rede – die gier, neid, hass, unwissenheit ist dort genauso ausgeprägt, wie schon erwähnt fehlt es nur an den bedingungen. es sind nun nicht die heiligen kühe um die wir uns besonders bemühen müssten und die kapitalisten abstrafen. es sind allerdings menschen die unser mitgefühl brauchen genauso wie die kapitalisten um ihnen zu zeigen, dass es anders geht. um das allerdings zeigen zu können, müssen wir, und da schließe ich mich selbst ein, erstmal uns selbst ändern.

    • ich finde es auch insofern schade, wenn wir immer nur den fehler bei anderen sehen, in dem falle bei den kapitalisten und politikern und die dafür verantwortlich machen, dass die welt schlecht und ungerecht ist, dann geben wir ihnen auch noch uneingeschränkte macht und können uns bestenfalls darüber beklagen, dass wir so unfähig sind etwas zu ändern. für unser leben sind einzig und allein wir selbst verantwortlich, weder eltern, noch lehrer, noch politiker noch kapitalisten noch sonst irgendwer. wer das nicht versteht kann eben nicht selbstverantwortlich handeln und sucht immer einen schuldigen für sein unglück

    • Zu Zitat: … „kapitalismus ist aus meiner sicht derzeitig das adequate gesellschaftssystem. obgleich ich wie angesprochen auch sehe, dass es nicht zukunftsfähig ist. es wird erst eine bessere gesellschaftsordnung geben, wenn die menschen dazu bereit sind. das sehe ich derzetig noch nicht, denn die menschen angefangen vom obdachlosen über harz4 empfänger über die mittelschicht bis zum großverdiener sind durch begierde, gier, geiz, neid und zorn und abneigung getrieben.“

      Hier liegt ein kapitaler Irrtum vor, nämlich jener, daß sie bessere Menschen brauchen, um ein besseres System zu schaffen. Dabei ist es das System, das den Menschen am Wesentlichsten formt. Dafür haben die Machteliten auch einiges aufgewendet. In Summe ist es ein Zusammenspiel von Beidem, zu unterschiedlichem Anteilen und hängt auch vom Individuum ab.

      Und darüber hinaus, zum zweiten Kommentar. Die Menschen für ihr Unglück allein verantwortlich zu machen, blendet den Machtkontext aus und ist eine Verhöhnung der Opfer.

    • Moin, Peter Wuttig, seit mehr als 2000 Jahren wird den Menschen von kirchlichen Wuerdenträgern gepredigt, sie muessten „besser“ werden, dann kämem sie ins Himmelreich. Also nichts Neues bei Peter Wuttig?!
      Ansonsten hat *Box* alles andere gesagt.

      mfG

    • @ Box

      Hmmm… „KAPITALER Irrtum“. Es irrt der Mensch, nicht das Kapital.
      Und wer erzeugt das System?
      System vs. Mensch? Vielleicht gibt es zwei Wahrheiten, die Peter Wuttig durchaus sieht. Dieses uralte SCHEINBARE
      Problem der „Gegensätze“ 80% vs. 20%/ Mensch vs. System? Diese Mathematiker! Einstein meinte, dass er seine eigene Relativitätstheorie nicht mehr verstehe, seit die Mathematiker übernommen hätten. „In Summe ist es ein Zusammenspiel von Beidem, zu unterschiedlichem Anteilen und hängt auch vom Individuum ab.“ Ist das nicht dieselbe Aussage, wie die von Peter Wuttig? Weshalb dann die Kritik?
      System-Erzeuger vs. System-Opfer? Sind diejenigen, die das System erzeugen keine Menschen; und diejenigen, die es dulden sind solche Menschen? Zudem: Jeder Erzeuger ist auch Konsument!
      Bessere Menschen erzeugen ein besseres System und ein besseres System erzeugt wiederum bessere Menschen – vielleicht sind das die zwei Wahrheiten?
      Vor allem: Ich kann nicht erkennen, dass Peter Wuttig die Menschen für ihr Unglück allein verantwortlich macht oder die Opfer gar verhöhnt. Ganz im Gegenteil, wenn man den ganzen Wuttig liest und nicht nur Sätze, (die isoliert auch bei mir zunächst einen ähnlichen Reflex auslösten.)

    • @PeterWuttig
      Gerade als Coach von Langzeitarbeitslosen sollte man wissen, dass die Einstellung zum Kapitalismus nicht durch freie Willensäußerung, sondern durch Zwang und Nötigung bestimmt wird. Natürlich heucheln viele (nicht alle) ihre Zustimmung allein aus Selbsterhaltungstrieb. Daraus abzuleiten, dass die Menschen für eine andere Gesellschaftsordnung nicht bereit sind, weil sie sich nicht ändern wollen ist die Kapitulation vor der herrschenden Klasse, der es gelungen ist diesen Eindruck der Alternativlosigkeit zu erzeugen. Gier, Neid, Hass usw. gehören zum natürlichen Verhaltensrepertoire jedes Menschen. Es hängt davon ab, welchen Stellenwert diese Verhaltensweisen in einer Gesellschaftsordnung erhalten.

    • Moin, Peter Wuttig, Tony,
      „kapitalismus ist aus meiner sicht derzeitig das adequate gesellschaftssystem. obgleich ich wie angesprochen auch sehe, dass es nicht zukunftsfähig ist.“
      Ich kann mir nicht denken, dass der Begriff *Kapitalismus* von Ihnen gruendlich erfasst worden ist?! Es geht doch hier nicht darum, neidisch zu sein auf den Kapitalisten als Person, sondern zu erfassen, dass es sich um ein System handelt, das sowohl die Besitzenden (an Produktionsmitteln) als auch die Nichtbesitzenden (an Produktionsmitteln) korrumpiert.
      Davon abgesehen, haben wir es heute nicht so sehr mit dem klassischen Kapitalismus zu tun, sondern mehr mit seiner Form des Monopolismus und seiner Beherrschung durch die Finanzoligarchie.
      Aber um was geht es wirklich? Die Umwelt beispielsweise wird in einem nie dagewesenen Masse gepluendert und verdreckt, so dass wir heute schon an einen Punkt angelangt sind, der wahrscheinlich nicht wieder zurueckgedreht werden kann. Wer trägt dafuer die Verantwortung?
      Nun, das Kapital muss wachsen, ansonsten geht es unter. Das hat S. Bonath wiederholt in ihren Kommentaren hergeleitet. Der andere Teil der Gesellschaft, also diejenigen, die keine Produktionsmittel besitzen haben die Wahl, auf die vom System bereitgestellten Alternativen auszuweichen, als da wären z.B. *Jute statt Plastik*, *vegane Lebensweise*, sich fuer *Randgruppen* stark machen; es gibt so manches, was systemimmanent zur Verfuegung gestellt wird.
      Doch die Beschallung erfolgt von den Systemmedien inkl. Glotze mit den Filmen und Serien, die eine fantastische Welt im Kapitalismus widerspiegeln. Wie Sie (P.W.) ja auch anmerken.
      Welchen Anteil an diesen Auswuechsen hat der Normalmensch? Oder sind es eher die imperialistischen Verteilungskämpfe und Uebernahmen.
      Hat der Hartz4 Empfänger Möglichkeiten sich der Uebernahme von Monsanto durch Bayer zu entziehen? Nein, hat er nicht! Er ist, wenn er nicht verhungern will, gezwungen den Glyphosatsch..ss zu essen.
      Und da kommen wir zu dem entscheidenden Punkt. Wir, die wir im K. leben, in einer sog. Demokratie, sind eben nicht Gleiche unter Gleichen, sondern wir werden sorgsam unterschieden in Besitzende (an Produktionsmitteln) und Nichtbesitzende (an Produktionsmitteln). Und wollen wir (die Nichtbesitzenden an Produktionsmitteln) nicht verhungern, so muessen wir uns dem K. andienen und fuer ihn arbeiten. So einfach ist die Welt und hat nichts damit zu tun, dass wir schlechte Menschen sind und angeblich besser werden muessen. Dafuer ist die Religion verantwortlich!

      PS. Es genuegt ein Hinweis auf ein Buch! Es muss nicht unbedingt das ganze Buch hier veröffentlicht werden!

      mfG

    • Interessante Diskussion hier!

      Box, ich sehe das wie Sie. Gut formuliert.

      Die Position von Peter Wuttig ist auch zu deprimierend, denn dann gäbe es ja keinerlei Hoffnung mehr mit uns Menschen, es sei denn Gott griffe ein. 🙂

      Im Übrigen wird niemand zweifelsfrei das Gegenteil beweisen können, da es bislang noch nie (für längere Zeit) ein wirklich tragfähiges Gesellschaftsmodell gab auf dieser Welt.
      Jedenfalls nicht unter Beteiligung von Menschen mit mehrheitlich weißer Hautfarbe in den letzten paar tausend Jahren, muss man wohl eingestehen…

    • an box – vorab möchte ich die begriffe „besser“ oder „schlechter“ relativieren, weil diese nur subjektives empfinden wiedergeben aber keine objektiv messbare größe darstellen. im prinzip ist es reine logik. wir können in den spiegel schauen und uns darüber beschweren, dass wir nicht das sehen, was wir gerne möchten. zu dick – zu dünn es ist egal der spiegel zeigt uns eben nur nüchtern und bewertungsfrei das was es zu reflektieren gibt. so ähnlich ist es mit all dem was uns bzw jedem einzelnen im leben begegnet. es ist alles nur eine projektion von dem was wir ausstrahlen. wenn man etwas ändern möchte, muss man sich selbst ändern. komplexer wird es eben beim thema gesellschaftordnung – um diese zu ändern bedarf es einer änderung der mehrheit der einzelnen personen in der gesellschaft. über die jahrtausende hinweg gab es ja große gesellschaftliche veränderungen, und jede bisherige gesellschaftordnung, ob feudalismus, kommunismus, monarchie etc. entsprach dem jeweiligen zeitgeist der individuen. auch diese heutige gesellschaftsordnung entspricht dem heutigen zeitgeist und wird irgendwann in zukunft von einer neuen ersetzt werden. das hat nix mit „besser“ oder „schlechter“ zu tun sondern mit dem was gerade passt bzw. zur mehrheit der menschen in einer gesellschaft passt.

      zum 2 kommentar: wenn man in begriffen wie schuld denkt, dann schwingt der begriff rache gleich mit. man hat dann den trieb sich für erfahrenes unrecht irgendwie revangieren zu wollen. ich denken alle wissen wohin so etwas führen kann – hitler hatte seine juden – die hutus hatten die tutsis die israelis – die palästinenser usw. – bringt die menschheit nicht wirklich voran sondern ist nur ursache für neue leid und neues unrecht. um diesen kreislauf zu durchbrechen sollte man gerade wenn man opfer geworden ist sehr sehr achtsam sein um nicht zum täter zu werden und das geht einher mit eigenverantwortlichem handeln.

    • An Hog1951.
      kapitalismus korrumpiert in dem sinne nicht aber es bietet den nährboden dafür. wir können uns alle für etwas anderes entscheiden. Kapitalismus ist ja nix was uns menschen von außerirdischen übergestülpt wurde. kaptialimus ist aus der menschheit entstanden. vor dem kapitalismus war da nix da was korrumpiert hätte.
      und wie schon erwähnt, wenn man die bälle immer wegspielt und den schuldigen immer im äußeren sucht, macht man sich unfähig was zu ändern. kapitalismus hat etwas mit uns selbst zu tun.

    • An Hog 1951
      „Aber um was geht es wirklich? Die Umwelt beispielsweise wird in einem nie dagewesenen Masse gepluendert und verdreckt, so dass wir heute schon an einen Punkt angelangt sind, der wahrscheinlich nicht wieder zurueckgedreht werden kann. Wer trägt dafuer die Verantwortung?“

      ja wer trägt denn die verantwortung für unsere umwelt?

    • “ unsere Umwelt“ – das klingt schon wieder so, wie schmückendes Beiwerk, dass uns zur Seite gestellt wurde.
      Etwas , was wir benutzen.
      „Mitwelt“ würde es wohl eher treffen. Wir sind unmittelbarer Teil dieser vermeintlichen „Umwelt“.
      Eine „neue Umwelt“ wird es nicht geben.
      Umweltzerstörung ist Mitwelt-Zerstörung, ein Angriff auf jeden Einzelnen.
      Wenn man diese Haltung sich zu eigen macht, kann jeder Einzelne Ross und Reiter nennen.

    • an passant
      „Gerade als Coach von Langzeitarbeitslosen sollte man wissen, dass die Einstellung zum Kapitalismus nicht durch freie Willensäußerung, sondern durch Zwang und Nötigung bestimmt wird.“
      ja und nein, natürlich gibt es seitens des jobcenters zwänge. was ich auch nicht unbedingt gut finde. andererseits gibt es seitens der langzeitarbeitslosen ansich wenig bis gar keine impulse. ich verstehe mich als coach in sofern, dass ich versuche, die stärken der teilnehmer hervorzuheben, ihnen eine neue perspektive auzuzeigen und mir ist es wurscht ob daraus ein soz. pflicht. arbeitsverhältnis entsteht oder eine ehrenamt oder ob jemand nach tibet zum meditieren auswandert. mir ist wichtig, dass der teilnehmer seine berufung findet. aber ich muss sagen was eben solche sachen wie zorn gier neid etc. betrifft sind sie eben keine heiligen. das ist als coach schon erstmal ne harte nummer. ich selbst war auch schon harz 4 empfänger daher weiß ich, wenn man sich einigermaßen zu benehmen weiß, kommt man mit dem jc ganz gut hin, wer allerdings von vornherein auf krawall gebürstet ist………das kommt vor allem daher, dass viele meinen das jc müsse jetzt was für mich tun, damit es mir gut geht – ich selber muss nix tun. und das funktioniert eben nicht. hilfe zur selbsthilfe ja aber laufen muss jeder dann irgendwann selbst.

    • an schwarz ist weiß

      „“ unsere Umwelt“ – das klingt schon wieder so, wie schmückendes Beiwerk, dass uns zur Seite gestellt wurde.
      Etwas , was wir benutzen.
      „Mitwelt“ würde es wohl eher treffen. Wir sind unmittelbarer Teil dieser vermeintlichen „Umwelt“.
      Eine „neue Umwelt“ wird es nicht geben.
      Umweltzerstörung ist Mitwelt-Zerstörung, ein Angriff auf jeden Einzelnen.
      Wenn man diese Haltung sich zu eigen macht, kann jeder Einzelne Ross und Reiter nennen.“

      ok, ich merke du hast einen vortrag von harald lesch gesehen 😀

      von mir aus mitwelt – nenne es wie du willst, ich denke jeder versteht was gemeint ist

    • „Hier liegt ein kapitaler Irrtum vor, nämlich jener, daß sie bessere Menschen brauchen, um ein besseres System zu schaffen.“

      Hier liegt kein kapitaler Irrtum, sondern eine ganz wesentliche Einsicht vor.

      Man kann jedes System durch die richtigen Menschen in den Führungspositionen
      zu etwas Gutem und Liebevollen machen.
      Wir brauchen die Erleuchteten an der Macht. Und wir brauchen eine erleuchtete
      Gesellschaft.
      Sonst geht gar nichts und es wird immer nur das Alte wiederholt, so wie ich es hier
      bei Box immer wieder durch Tausend Zettel aus dem Kasten vorgesetzt bekomme.
      Keine Einsicht.
      Keine Spur eines Gesinnungswandels,
      obwohl er sich hier mindestens seit drei Jahren mit Wahrheiten wie z.B. der hier durch Wuttig niedergeschriebenen konfrontiert sieht. Und immer wieder durch Herrn Lenz.

      Aber einem gewissen Ideologiesierungsgrad geht einfach nichts mehr rein in die Box.
      No Chance.

      Wie sollte man aus dem äußeren System und der versteinerten Schuldzuweisung an die anderen aussteigen, wenn man dieses System nicht mal ansatzweise
      in sich selbst erkannt hat und nie versucht hat, es mit den Wurzeln auszureißen?

    • an Benjamin Reloaded

      „Die Position von Peter Wuttig ist auch zu deprimierend, denn dann gäbe es ja keinerlei Hoffnung mehr mit uns Menschen, es sei denn Gott griffe ein. 🙂“
      ja das ist so – wir warten bis sich auf mysteriöse weise irgendwie etwas ändert aber nur ganz wenige sind bereit den ersten schritt zu machen uns sich erstmal selbst zu reflektieren – welchen anteil habe ich den persönlich an den zuständen die mir so missfallen und wie kann ich es ändern? damit fängt es an. auf gott warten – da wartet man vergebens, wir brauchen auch nicht auf die politik zu warten da warten wir auch vergebens oder auf die kapitialisten bis die irgendwann ein einsehen haben – da ist warten auch vergebens.
      depressiv muss man nicht werden, man hat genügend spielraum im gegenwärtigen system, sein leben zu leben. man muss nicht alles mitmachen – man sollte allerdings auch nichts erwarten. um eigenverantwortung kommen wir in keinem system drumrum auch nicht im gerechtesten system – gerade da nicht.

      „Im Übrigen wird niemand zweifelsfrei das Gegenteil beweisen können, da es bislang noch nie (für längere Zeit) ein wirklich tragfähiges Gesellschaftsmodell gab auf dieser Welt.“
      wir hatten mehrere gesellschaftsmodelle die für eine bestimmte zeit tragfähig waren. alle die theoretischen modelle, die wir nicht hatten, waren bislang nicht tragfähig – sonst hätten sie getragen. 🙂 tragfähig ist nur das was von der masse beführwortet wird

    • An Peter Wuttig und seine Sympatisanten!

      Ganz gemuetlich im Sessel zuruecklehnen und den Kapitalismus geniessen!

      Gibt keinen Grund sich hier einzubringen?!

    • Kann sein, das ich das bei H.Lesch gesehen habe. War mir nicht bewusst.
      Ich will das auch nicht für mich deklarieren. Find es halt Richtig.

      Ansonsten viel Spaß beim modellieren einer erleuchteten Gesellschaft und dem Hoffen auf die erfolgreiche Suche nach Persönlichkeiten die unsere Gesellschaft in eine strahlende Zukunft führen.
      Wir schaffen es ja nicht mal, destruktive Kräfte zu verhindern, geschweige denn die Mehrheit über deren Machenschaften aufzuklären.
      Und wenn es jemand relativ erfolgreich macht, dann steckt dahinter eine Verschwörung. (siehe Rezo)
      Die ganze Gesellschaft ist fragmentiert.
      Nur wenn es gar nicht anders mehr geht, ist Veränderung möglich und das passiert womöglich, ohne das Einzelne eine Führungsrolle übernehmen.

    • Hog1951 sagt:

      An Peter Wuttig und seine Sympatisanten!

      Ganz gemuetlich im Sessel zuruecklehnen und den Kapitalismus geniessen!

      Gibt keinen Grund sich hier einzubringen?!

      Das finde ich schade, das du so denkst. Ich hatte meine Tiefpunkte im Leben und ich habe etwas draus gelernt – dass eben ich alleine für mein glück verantwortlich bin, dass es nichts bringt Gott und die Welt für mein unglück verantwortlich zu machen. ich bin nicht reich aber mir geht es gut und ich bin zufrieden. und diese erfahrung ist es, was ich weiter gebe. eine gesellschaft in der milch und honig fließt und man dafür nix tun muss, wird es nicht geben und wenn man mit der gesellschaft momentan unzufrieden ist und nicht bereit ist, etwas dafür zu tun, dass wir morgen in einer gerechteren welt leben, dann wird es diese auch nicht geben.ich für meinen teil arbeite da schon dran.

    • Peter Wuttig

      Ehrlich gesagt: Ich halte Ihren Job für absoluten Quatsch. Langzeitarbeitslose benötigen keinen Coach, sondern mehr Geld, Anerkennung und das Gefühl, gebraucht zu werden.

      Ist nicht persönlich gemeint, ich kann mir durchaus vorstellen, dass Sie es gut meinen. Außerdem fröne auch ich – wie Millionen anderer – einer bescheuerten Tätigkeit, um über die Runden zu kommen.

    • Guanyin sagt:
      3. Juni 2019 at 14:51
      „Hier liegt ein kapitaler Irrtum vor, nämlich jener, daß sie bessere Menschen brauchen, um ein besseres System zu schaffen.“

      Hier liegt kein kapitaler Irrtum, sondern eine ganz wesentliche Einsicht vor.

      Man kann jedes System durch die richtigen Menschen in den Führungspositionen
      zu etwas Gutem und Liebevollen machen.
      Wir brauchen die Erleuchteten an der Macht. Und wir brauchen eine erleuchtete
      Gesellschaft.
      Sonst geht gar nichts und es wird immer nur das Alte wiederholt, so wie ich es hier
      bei Box immer wieder durch Tausend Zettel aus dem Kasten vorgesetzt bekomme.
      Keine Einsicht.
      Keine Spur eines Gesinnungswandels,
      obwohl er sich hier mindestens seit drei Jahren mit Wahrheiten wie z.B. der hier durch Wuttig niedergeschriebenen konfrontiert sieht. Und immer wieder durch Herrn Lenz.

      Aber einem gewissen Ideologiesierungsgrad geht einfach nichts mehr rein in die Box.
      No Chance.

      Wie sollte man aus dem äußeren System und der versteinerten Schuldzuweisung an die anderen aussteigen, wenn man dieses System nicht mal ansatzweise
      in sich selbst erkannt hat und nie versucht hat, es mit den Wurzeln auszureißen?

      ganz einfach hinsetzen und meditieren 😀 mach ich seit 11 jahren. es ist eine spannende reise durch den eigenen geist und man entdeckt sich selbst, kultiviert stück für stück mitgefühl für andere 🙂

    • Dieser Esoterik-Quark, wie er hier von Guanyin, Peter Wuttig und häufig auch Herrn Lenz verbreitet wird, hilft einfach nicht weiter. Oder diese „Wahrheiten“, wie Guanyin es nennt – bei dem Begriff werd ich ja immer ganz besonders hellhörig… Das ist für mich alles spirituelle Selbstbefriedigung, möchte ich es mal nennen.

      Ich lebe recht bescheiden und natürlich ist Geld im Leben nicht das Wichtigste. Aber das hat Grenzen – und es sollte klar sein, dass man von Hartz IV in diesem System kaum ein menschenwürdiges Leben führen kann. Wer das nicht sehen will, weil es seiner Ideologie der Eigenverantwortung, der Sinnsuche in sich selbst, usw. widerspricht, ist ein Zyniker und kein Erleuchteter!

      Ihr könnt absolut sicher sein, dass wirkliche spirituelle Meister in diesem Punkt nicht bei Euch sind. Das Ziel von Meditation ist es sicher nicht, dass der eigene Horizont an der Yogamatte endet und man sich tagein, tagaus in seinem Wellness-Lebensgefühl badet. Sondern dass man die gewonnene eigene Kraft auch dazu nutzt, um gegen weltliche Ungerechtigkeiten zu kämpfen!

    • Moin, Peter Wuttig (at 15.55)

      Ja, fuer gewisse Bereiche des persönlichen Lebens gilt sicher der Grundsatz, dass man seines eignen Glueckes Schmied ist. Ich kann all mein Streben auf das Besitzen von Statussymbolen richten und dennoch ein armer Knopf bleiben.
      Das war aber weder der Tenor des Artikels von S. Bonath, noch ist das hier im Forum der vornehmliche Diskussionsgegenstand.
      Ich glaube wirklich, dass Du Dich eingehender mit Systemfragen beschäftigen solltest, um zu begreifen, dass sich keiner beim Kapitalisten beschwert.

      „für unser leben sind einzig und allein wir selbst verantwortlich, weder eltern, noch lehrer, noch politiker noch kapitalisten noch sonst irgendwer. wer das nicht versteht kann eben nicht selbstverantwortlich handeln und sucht immer einen schuldigen für sein unglück.“

      Ich hatte an anderer Stelle angefuhrt, dass Bayer/Monsanto das Glyphosat (ueber die Landwirtschaft) auf die Böden bringt. Welche Möglichkeit siehst Du, das zu unterbinden. Nun meine ich nicht, *Bio* kaufen, weil das verhindert (wenn ueberhaupt) nur die äusserste Schale des Problems. Die machen solange weiter, bis man ihnen in den Arm fällt. Wo bleibt das Recht auf gesunde Lebensmittel? Ich kann strampeln so viel ich will,dennoch kann ich Glyphosat nicht verhindern als einzelner.
      Schauen wir uns andere Beriche an, wie z.B. die Aussenpolitik, so sehe ich ein Abhängigkeitsverhältnis (mal gaaanz vorsichtig gesagt) vom Us-Imperialismus. Der hat seine Atomgestuetzten Raketen in DE stationiert und zuendelt mit dem Feuer. Wir brauchen nicht erörtern wohin die Russen ihre ersten Raketen abfeuern werden im Ernstfall. Aber, habe ich irgendeine Chance durch eine andere innere Einstellung dieser Gefahr zu entkommen?
      Das, Peter Wuttig, sind Fragen die wir uns stellen, und auch beantworten sollten!

      mfG

    • Benjamin Reloaded sagt:
      3. Juni 2019 at 15:56

      Peter Wuttig

      Ehrlich gesagt: Ich halte Ihren Job für absoluten Quatsch. Langzeitarbeitslose benötigen keinen Coach, sondern mehr Geld, Anerkennung und das Gefühl, gebraucht zu werden.

      Ist nicht persönlich gemeint, ich kann mir durchaus vorstellen, dass Sie es gut meinen. Außerdem fröne auch ich – wie Millionen anderer – einer bescheuerten Tätigkeit, um über die Runden zu kommen.

      heute ist bei uns eine 1-jahrige maßnahme mit langzeitarbeitslosen zuende gegangen. zum abschluss gab es noch eine feedback runde. es gab durchaus kritik aber auch viel positives feedback über das was wir geleistet haben. letzendlich haben die meisten davon profitiert, nicht alle aber die mehrheit hat ihren weg gefunden, fangen neu an mit neuen umschulungen oder neuen jobs – haben für sich eine neue perspektive gefunden, wieder einen sinn gefunden und die dankbarkeit war spürbar.
      ob du nun meinst ob das sinn macht oder nicht, ist mir nicht wichtig 🙂

    • Peter Wuttig

      Wie ist denn so Eure Erfolgsquote? Wieviele Langzeitarbeitslose sind ein Jahr nach so einer Maßnahme wieder in Lohn und Brot? Und wieviele von Ihnen geben an, mit ihrer beruflichen Situation zufrieden zu sein?

      Da gibt es doch hoffentlich Zahlen dazu. Schön wäre es natürlich, wenn Ihr auch den persönlichen Kontakt noch hättet.

    • Benjamin Reloaded sagt:
      3. Juni 2019 at 18:36

      Peter Wuttig

      Wie ist denn so Eure Erfolgsquote? Wieviele Langzeitarbeitslose sind ein Jahr nach so einer Maßnahme wieder in Lohn und Brot? Und wieviele von Ihnen geben an, mit ihrer beruflichen Situation zufrieden zu sein?

      Da gibt es doch hoffentlich Zahlen dazu. Schön wäre es natürlich, wenn Ihr auch den persönlichen Kontakt noch hättet.

      na bei der maßnahme jetzt.
      16 tn waren es

      einen habe ich hausverbot ersteilt weil er eine teilnehmerin bedroht hatte 😀 – ja die armen, armen langzeitabreitslosen 😀
      eine andere mussten wir wegen schlechten benehmens auch rausnehmen
      2 haben abgebrochen
      1 person hatte ich schon das 2. mal dabei – ihm konnte ich/wir nicht helfen
      der rest hat seinen weg gefunden

    • ich bin coach und standortleiter zugleich und eins möchte ich betonen.

      ich habe begriffen wie wichtig es ist, mitgefühl zu entwickeln zu meinen mitarbeitern und zu meinen teilnehmern.
      wir haben es geschafft eine sehr herzliche und liebevolle atmosphäre zu schaffen, die auf wertschätzung beruht und das ist das geheimnis unseres erfolgs. aber eins ist auch fakt wer gewissen rote linien überschreitet – fliegt.
      die arbeit, die wir mit langgzeitarbeitslosen leisten ist ne harte nummer für uns, was uns oft an unsere eigenen grenzen bringt, weil wir den ganzen frust abfangen für den wir nix können und für den nur sie selbst verantworlich sind.
      aber wir sind gut indem was wir tun

    • ist dir eigentlich aufgefallen, dass deine nachfrage nach der erfolgsquote zu tiefst ausdruck des kapitalistischen systems ist? 😀 da geht es nur um erfolgsquoten.

      weißt du mir ist das sowas von egal was wir für quoten haben – selbst wenn es nur einer von 16 gewesen wäre, wäre es für mich ein erfolg gewesen.
      aber deine nachfrage alleine zeigt mir, dass der kapitalismus nicht das problem ist, denn ich gehe davon aus, dass du eher kapitalismuskritisch bist, sondern das denken der menschen – DEIN denken

      denk mal drüber nach

    • Peter Wuttig

      Sie haben also keine Zahlen, noch nicht einmal schöngefärbte?!? Das ist ja noch schlimmer, als ich befürchtet habe. Ist aber auch besser so, sonst könnten diese Zahlen evtl. Ihr gutes Gefühl erschüttern. Obwohl, falls die Zahlen schlecht sind, steht der Schuldige ja sowieso schon fest: Der Langzeitarbeitslose.

    • Mir als Steuerzahler – Du merkst, ich bin in der kapitalistischen Logik gefangen, muss an mir liegen… – wäre es ganz und gar nicht egal, wenn es nur bei einem von 16 Kandidaten Erfolg hätte. Dann wäre es nämlich nutzlos oder schädlich und gehört sofort eingestellt!

      Interessant. Ihr wollt von den Arbeitslosen genau x Bewerbungen sehen pro Monat. Aber bei Euren Maßnahmen sind Zahlen dann egal?!? Wenn das mal keine Ideologie in Reinstform ist. Quod erat demonstrandum.

    • „Ihr könnt absolut sicher sein, dass wirkliche spirituelle Meister in diesem Punkt nicht bei Euch sind.“

      Was mehr bräuchte es noch, um den Absolutismus Ihres Geistes offenzulegen?
      Man muß ihm/Ihnen ja nur zuhören.

      Und diejenigen, die nie auch nur 10 Minuten still auf ihrem Stuhl sitzen konnten, ohne daß sie ihr Geist überall durch die Welt hinter sich hergeschleppt hat, jene, die noch nie wirklich meditiert haben und nie in Gesellschaft von jemandem waren, der alles Persönliche hinter sich zurückgelassen hat – jene
      entblöden sich nicht, dann auch noch über den Sinn von Meditation zu phantasieren.
      Sorry, das ist ein Niveau, das nur noch weh tut.

      Abschließend – da völlig verschwendete Liebesmüh an dieser Stelle – nur noch der Satz, daß
      jeder Meditierende mit allem, was existiert in einer Intensität in Kontakt kommt – auch mit der Gewalt, die sich die materialistischen, blutleeren Besserwisser an dieser Stelle antun – daß er gar nicht anders kann, als immer wieder weit über das persönliche Menschliche hinaus zu wirken und sich für diese Welt in einem Ausmaß verantwortlich zu fühlen, daß der mit seinem Körper als Ich identifizierte Materialist, würde er für wenige Sekunden mit diesem Meditierenden tauschen müssen, das Gefühl hätte, er würde verbrennen und vernichtet werden.

      Sie wissen nicht, was sie tun.

    • Benjamin Reloaded sagt:
      3. Juni 2019 at 19:46

      Peter Wuttig

      Sie haben also keine Zahlen, noch nicht einmal schöngefärbte?!? Das ist ja noch schlimmer, als ich befürchtet habe. Ist aber auch besser so, sonst könnten diese Zahlen evtl. Ihr gutes Gefühl erschüttern. Obwohl, falls die Zahlen schlecht sind, steht der Schuldige ja sowieso schon fest: Der Langzeitarbeitslose.

      zahlen habe ich geliefert aber wie gesagt nur kapitalisten verlangen nach zahlen. es reicht nicht wenn es gut ist, es muss immer besser sein. du kannst auf alles schimpfen, dir kann alles nicht genug sein, erfolge die andere haben willst du madig machen auch wenn man 11 von 16 helfen konnte aber im endeffekt fährst du mit deiner einstellung nur dein lebensschiff an die wand.
      du vertrittst das system, was du kritisierst

      das habe ich mit keiner silbe gesagt – ich habe daraufhingewiesen, dass es zwischen kapitalisten und langzeitarbeitlosen im wesen keinen großen unterschied gibt. die einen haben nur die bedingungen, die sich andere gerne wünschen aber getrieben sind beide seiten durch gier, neid, zorn, stolz usw.

      viel spaß noch in deinem leben

    • was hast du denn eigentlich so an erfolgen in deinem leben vorzuweisen? – erzähle doch mal.

      werden wir doch mal sehen, ob das den maßstäben anderer gerecht wird 😀

    • Guanyin

      Halten Sie es für möglich, dass ein Großteil der Menschen „erleuchtet“ wird? Ich nicht. Solche Menschen gibt es nur sehr selten. Sie zählen genau so wenig dazu wie ich, sonst würden Sie hier nicht so oft Unsinn schreiben.

      Daher müssen wir wohl mit den real existierenden, mehr oder weniger bewussten und intelligenten Menschen auskommen. Natürlich müsste es gelingen, sie von notwendigen Änderungen zu überzeugen. Aber „Erleuchtung für alle“ wird wohl für immer eine Utopie bleiben.

    • Peter Wuttig

      Ich bin hier also der Kapitalist von uns beiden und vertrete das System? Ja, genau, so muss es sein. 🙂

      Warum sollte ich hier von meinen persönlichen Erfolgen erzählen? Warum sollte es mich kümmern, was andere davon halten, was ich unter dieser Rubrik aufführen würde?

  5. Erstens: Lassen wir doch die diversen Kapitalbegriffe in Soziologie, VWL, VGR, BWL (klassisch, monetär). Ja, auch die Definition von Marx! Legen wir die Ismen beiseite und sprechen einfach von Geld, von Reichtum und Armut, von Ware – und vom Menschen.
    Genauer, ich lasse andere sprechen: Zu Geld z.B. KenFm im Gespräch mit Horst Seiffert, Geldschöpfung, die verborgene Macht der Banken.
    Im Würgegriff der Banken! Das ist doch konkreter als „Im Würgegriff des Kapitals“. Und auch meine Meinung (historisch del Banco/Venedig bis FED /Warburg; Wanderung des Geldes vom Mittelmeerraum nach Norden, dann über den Kanal; dann nach Amerika; frei nach Heine haben Pfaffen und Geld keine Heimat; jedoch ein großer Teil verblieb in Rom).

    Zweitens: Lassen wir doch den Glauben und die Religion beiseite. Ob „Das Kapital“, die Bibel oder die Mao-Bibel. Und sprechen wir von Menschen. Hier lasse ich Alberto Moravia sprechen. Aus seinem Buch „Die Kulturrevolution in China“, Rowohlt, 1972: Auszug Kapitel „Das Buch“: „Hier im China Maos bilden die Gesten des Menschen, der mit einem Buch in der Hand herumläuft, den sichtbarsten und verblüffendsten Aspekt der Kulturrevolution. Der Mensch – das ist in diesem Fall jeder Chinese, der sich in erster Linie als Staatsbürger und erst danach als Individuum fühlt. Und das bezieht sich auf alle. Das Buch ist das kleine rote Büchlein mit den Mao-Zitaten. Es ist wohl nicht fehl am Platz, wenn ich zum Vergleich Don Abbondio anführe: der Intellektuelle begnügt sich damit, ein Buch zu lesen, aber der Gläubige trägt es mit sich. Das Buch der Mao-Zitate hat die Chinesen innerhalb kürzester Zeit in eine Masse von Schülern verwandelt, die sich der rechten Lehre, dem ipse dixit widmen. Mit einem solchen Buch kann man folgende Gesten ausführen: Man trägt das Buch mit sich herum, um zu zeigen, daß man es hat, und durch die Zurschaustellung dieser Tatsache entsteht eine Art Signalisieren der Gemeinsamkeit. Man schwenkt das Buch in der Luft bei Versammlungen, bei Demonstrationen und Zusammenkünften, und so entsteht die Verherrlichung des Buches oder die Drohung und die Bedrohung mittels des Buches. Man öffnet es und läßt den Blick darüber schweifen, und damit zieht man es zu Rate. Man liest aus dem Buch mit lauter Stimme, um jemandem eine Antwort zu geben, und so entstehen Zitat und Mitteilung. Man streichelt das geschlossene Buch mit der Hand…“
    (Anmerkung von mir: Das i-Phone scheint mir eine ganz ähnliche Funktion zu erfüllen – und ähnliche Verhaltensweisen zu erzeugen).

    Das war das Wort: „Erzeugen“.

    Drittens: Sprechen wir also vom Menschen als Erzeuger und Verbraucher von Waren – und Erzeuger und Verbraucher von Menschen. Im obigen Artikel stand: „Jede Ware gehört jemandem.“ (Das stimmt zwar nicht ganz, z.B. wenn man daran denkt, wie Banken in kommunizierenden Röhren abgestimmt Inter-Banken-Transaktionen tätigen und so z.B. ihre Immobilien hinstellen.) Jede Ware gehört also jemandem. Und wem gehört der Mensch als Erzeuger und Verbraucher von Waren und Menschen?
    Sprechen wir also vom Menschen als Erzeuger und Verbraucher und von Reichtum und Armut, bzw. lassen wir Alberto Moravia zu Wort kommen in seiner Einleitung zum o.g. Buch:

    Alberto Moravia, Die Kulturrevolution in China, Rowohlt 1972

    Einleitung

    B: Du warst in China.
    B: Ja, ich war in China.
    B: Was hat dich in China am stärksten beeindruckt?
    A: Die Armut.
    B: Die Chinesen sind also arm
    A: Nach dem westlichen Begriff vom Wohlstand sind sie sehr arm.
    B: Was hat ihre Armut in dir ausgelöst?
    A: Erleichterung.
    B: Wieso? Soviel ich weiß, bedeutet Armut Herabwürdigung. Du dagegen hast dich erleichtert gefühlt. Wie ist das möglich?
    A: ich habe es so empfunden. Dessen bin ich sicher. Diese Gefühle trügen nicht. Ich habe das während meines ganzen Aufenthalts in China gefühlt….
    B: Im Westen löst Armut keine Erleichterung aus. Im Gegenteil. Sie bedrückt, und man lehnt sich dagegen auf. Nimm zum Beispiel die Neger in Amerika, die ihre Ghettos anzünden.
    A: in den Vereinigten Staaten gibt es Arme und Reiche. Die Armen sind arm, weil es Reiche gibt; und die Reichen sind reich, weil es Arme gibt. In China aber gibt es nur Arme.
    B: Ich verstehe: In China sind alle arm. Das hätte ich mir denken können.
    A: Ja, alle. Aber es ist nicht richtig, sie arm zu nennen. Man müßte es anders ausdrücken.
    B: Wie denn?
    A: ich weiß es nicht. Es gibt noch keine Wort, das einen Armen an und für sich bezeichnet, ohne Vergleich mit dem Reichen.
    B: Worin besteht also die chinesische Armut?
    A: ich würde sagen, daß es eine Armut ohne Reichtum, oder genauer betrachtet, der normale Zustand des Menschen ist.
    B: Erkläre das etwas deutlicher.
    A: Das ist doch ganz einfach. Der Mensch kommt ohne alles auf die Wetl, nackt wie die Tiere im Wald. Wenn er geboren wird, ist der Mensch noch kein Mensch. Um Mensch zu werden, muß er sich mit den Dingen versehen, die aus ihm einen Menschen machen. Anders gesagt, mit dem Nötigen, das den Menschen vom Tier unterscheidet. Und das nur, weil der Mensch fast in allem ein Tier geblieben ist – weshalb man sich oft fragt, ob es der Mühe wert war, daß er Mensch wurde. Aber so ist es nun einmal: der Mensch wollte Mensch werden. Das Notwendige, um Mensch zu werden, bleibt innerhalb der Grenzen der Armut: nicht mehr, nicht weniger. Jenseits dieser Grenze beginnt der Reichtum, das heißt das Überflüssige. Aber die Armut ist der normale Zustand des Menschen, denn durch den Reichtum, der Überfluß ist, wird er nicht menschlicher als durch die Armut.
    B: Reich sein wäre also deiner Meinung nach eine unnatürliche Lebensbedingung für den Menschen?
    A: Unnatürlich und deshalb unmenschlich.
    B: Worin besteht diese Unmenschlichkeit?
    A: Sie besteht darin, daß sie allem Überflüssigen eine wichtige Funktion zuschreibt.
    B: Und hat das Überflüssige keine solche Funktion?
    A: Offensichtlich nicht. Sonst wäre es nicht überflüssig.
    B: Sag mir, wann überschreitet der Mensch die Grenze vom Notwendigen zum Überflüssigen und deshalb Unmenschlichen?
    A: Kehren wir nach China zurück. Nach dem zu urteilen, was man auf den Straßen sieht, haben die Chinesen das Notwendigste, aber nicht das Überflüssige, wenigstens bis jetzt nicht. Sie sind arm, das habe ich bereits gesagt; aber niemand könnte daran zweifeln, daß sie sich in einem ganz und gar menschlichen Zustand befinden, das heißt, es fehlt ihrem Menschsein nichts, was erst durch den Reichtum, den Überfluß erworben werden könnte. Vor dreißig Jahren war ich schon einmal in China. Damals gab es arme Chinesen, die nur das Notwendigste hatten, und reiche Chinesen, die im Überfluß lebten. Die ersten waren herabgewürdigt, die zweiten unmenschlich. Seitdem die Reichen mit ihrem Überfluß verschwunden sind, sind die Armen sofort wieder menschlich geworden, obwohl sie auch heute nur das Notwendigste besitzen.
    B: Und doch hat die Fülle etwas Festliches, Frohes, Lebendiges. Dein Notwendiges mag menschlich sein, das bestreite ich nicht, aber es ist trist.
    A: In der modernen Welt gibt es keine Fülle; es gibt Produktion, die weder festlich noch froh noch lebendig ist.
    B: Wo liegt der Unterschied zwischen Fülle und Produktion?
    A: Fülle ist ein Geschenk der Natur. Sie kostet weder Mühe noch Geld noch Zeit. Sie dient nicht dem Verbrauch, sondern der Phantasie. Die Produktion dagegen kostet Mühe, Zeit und Geld, und deshalb ist sie niemals Fülle. Sie ist ein Ablauf, das heißt, sie besteht in der Vervielfältigung eines einzelnen Produkts mit dem Ziel größeren Verbrauchs.
    B: Das mag sein. Du wirst aber zugeben müssen, daß die Chinesen auch protestieren könnten, wenn ich zu ihnen ginge, um ihnen zu sagen, daß die Armut der normale Zustand des Menschen sei. Wahrscheinlich möchte die Mehrheit der Chinesen weniger arm, oder – mit den Mitteln und in den Grenzen des Kommunismus – sogar reich sein.
    A: Vielleicht hast du recht. Ich aber spreche von China, wie es heute ist, und setze dabei voraus – was sicherlich gewagt sein mag -, daß es sich nicht ändern wird. Mit anderen Worten: China ist für mich eine verwirklichte Utopie, vielleicht ungewollt, vielleicht zufällig, das ist nicht wichtig. Sie ist verwirklicht, und ich nehme sie als Beispiel für meine Überlegungen. In der Folge wird sich vielleicht auch China in ein Land wie alle anderen verwandeln (eingeschlossen die kommunistischen Länder, deren Vorbild die Sowjetunion ist, und in denen es Arme gibt, weil es Reiche gibt, und umgekehrt.) Bis jetzt aber ist China ein armes Land ohne Reiche, ein Land, in dem die Armut normal ist.
    B: Nun gut. Produktion und Verbrauch über das Notwendige hinaus sind also unmenschlich. Aber wer entscheidet darüber, was der Mensch braucht und was nicht?
    A: Der Mensch selbst oder der Gemeinsinn.
    B: Es gab geschichtliche Epochen, in denen man, um ein Mensch zu sein, vor allem besitzen mußte und das Überflüssige zur Schau trug. Die Renaissance beispielsweise. Was sagst du dazu?
    A: Ich sage, geschichtliche Epochen interessieren mich nicht, wie mich die Geschichte, ganz allgemein, nicht interessiert. Das, was mich interessiert, ist die Gegenwart.
    B: Sprechen wir also von der Gegenwart. Ich wiederhole: Wer entscheidet darüber, wo das Notwendige oder das Menschliche und Normale aufhört und das Überflüssige oder Unmenschliche und Anomale beginnt?
    A: Ich sage es doch: der Gemeinsinn.
    B: Du setzt großes Vertrauen in den Gemeinsinn.
    A: Ja, ich traue dem Gemeinsinn der einfachen Leute: für das, was die weltlichen Dinge angeht, resultiert er nicht so sehr aus der Intelligenz, als vielmehr – wie kann man es sagen? – aus Hunger und Sättigung, aus Vergnügen und Langeweile, aus Verlangen und Befriedigung und so weiter. Der einfache Mensch mit Gemeinsinn wird eines Tages genug davon haben, unmenschlich zu sein oder dauernd vom Reichtum entmenschlicht zu werden. Dann wird er sich frei machen, auch wenn die Philosphen und die Hersteller des Überflüssigen ihn beschwören, daß er unrecht habe.
    B: Wie wird der Gemeinsinn gegenüber dem Reichtum funktionieren? Wie wird er es fertigbringen, sich vom Reichtum zu befreien?
    A: Der Gemeinsinn wird dem Reichtum gegenüber in gewisser Weise automatisch reagieren: wenn der Mensch auf dem Gipfel der Unmenschlichkeit angekommen ist, wird er verlangen, arm zu werden, und sein Verlangen wird erfüllt.
    B: Automatisch? Die Automatismen der Menscheit sind in Wirklichkeit lange, verschlungene, schwere und kostspieleige Vorgänge.
    A: Es wird ein menschlicher Vorgang sein. Der Mensch ist langsam.
    B: Und was wird die Menschheit tun, um zur Armut zurückzukehren, nachdem sie reich war?
    A: Sie wird nichts tun.
    B: Was soll das heißen?
    A: Das soll heißen, daß sie nur das Notwendigste verbrauchen wird, und deshalb wird sie nur das Notwendigste herstellen.
    B: Aber der Mensch liebt es, herzustellen und zu verbrauchen.
    A: Welcher Mensch?
    B: Der Mensch im allgemeinen.
    A: Vom Menschen im allgemeinen weiß ich nichts. Der heutige Mensch liebt es, wie du sagst, herzustellen und zu verbrauchen. Aber der Mensch von morgen könnte vollkommen anders sein.
    B: Werden wir konkret. Sprechen wir von wirklicher Armut und wirklichem Reichtum , wie man sie heute in der Welt sieht. Wo besteht heute die menschlichste Armut?
    A: Nach meiner Meinung in China. Aber verstehen wir uns recht: im heutigen China, in diesem Augenblick. Es ist nicht sicher, ob China die Utopie, die es heute provisorisch verkörpert und darstellt, in eine dauerhafte Wirklichkeit verwandeln will oder kann. Es ist also nicht sicher, daß die chinesischen Lebensbedingungen von morgen den heutigen gleichen. Die Utopien müssen Dauer gewinnen, wenn sie aufhören wollen, Utopien zu sein.
    B: Und nun sag mir, wo heute der unmenschlichste Reichtum ist.
    A: Meiner Meinung nach, heute, im Westen.
    B: Gehen wir der Reihe nach vor. Sprechen wir zuerst von China. Nehmen wir an, daß sich die Utopie der Armut, deinen Worten nach, in eine dauerhafte Wirklichkeit verwandelt. Was werden die Chinesen tun, um dieses Ergebnis beizubehalten?
    A: Sie müßten einfach fortfahren das zu tun, was sie heute tun.
    B: Du weißt doch sehr gut, daß sie das Agrarland China in ein Industrieland umwandeln müssen. Ihre Armut ist deshalb nur die normale Folge der Kapitalinvestierung, die notwendig ist, um die industrielle Revolution durchzuführen.
    A: Das weiß ich. Die Chinesen tun heute das, was die Russen vor vierzig Jahren und was der Westen vor einem Jahrhundert getan haben.
    B: Nehmen wir an, daß die industrielle Revolution verwirklicht wurde; daß immer größere Erträge sich anhäufen, daß die Notwendigkeit der Geldinvestierung immer mehr abnimmt. Was werden die Chinesen mit diesem Kapital anfangen, das fortlaufend anwächst? Sie werden die Gehälter erhöhen und eine Leichtindustrie für den Verbrauch schaffen müssen, damit die Gelder umgesetzt werden können. Und dadurch wird China ein Land wie alle anderen, nämlich reich werden.
    A: Ja, das ist wahr, aber vergiß nicht, daß wir von Utopie gesprochen haben. In China herrscht eine Utopie, oder richtiger, es gibt dort den Versuch, die Utopie in geschichtliche Wirklichkeit umzusetzen. Die Utopie führt zwangsweise zu utopischen Lösungen.
    B: Ich bin wirklich sehr neugierig zu erfahren, welche utopischen Lösungen China finden könnte, um arm zu bleiben, oder den Reichtum wieder loszuwerden, falls es inzwischen reich wäre.
    A: Die Utopie muß vor allem erst einmal bewußt werden. Wenn dieses Bewußtsein geschaffen ist, wird die Lösung darin bestehen, den Reichtum als eine Schuld, eine Sühne, als ein Unrecht zu empfinden.
    B: Das hat man mit Hilfe des Christentums versucht, jedoch ohne viel Erfolg.
    A: Dem Christentum ist es gelungen, einige Jahrhunderte hindurch, die Armut als ideale Lebensbedingung hinzustellen. Das wäre, auch heute noch, ein nennenswertes Resultat. Du mußt nämlich daran denken, daß ich von diesen Dingen nicht absolut, sondern relativ spreche, nicht außerhalb der Zeit und des Raumes, sondern in Beziehung zur Zeit und zur Welt, in der wir leben. Allerdings muß ich zugeben, daß die vom Christentum vorgeschlagene Lebensbedingung allein durch das Beiwort „ideal“ von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Nein, diesmal darf man sich nicht mehr darauf beschränken, die Armut als „idealen Zustand“ zu preisen. Sie müßte vielmehr der einzige, der wirkliche, der normale Zustand des Menschen sein.
    B: Und wie kann das geschehen?
    A: Zum erstenmal in ihrer eigentlich zu kurzen Geschichte wird die Menschheit die Möglichkeit haben, daß alle wohlhabend sein und alle sich des Überflusses erfreuen könnten. Nicht nur ein Teil, sondern alle Menschen werden diesmal wissen, was es heißt, reich zu sein. Wenn also die gesamte Menscheit die Unmenschlichkeit des Reichtums erfahren hat, wird sie wünschen, arm zu sein.
    B: Nehmen wir das einen Moment lang an. Obwohl, wenigstens bis heute, zwei Drittel der Menschheit nicht nur weit vom Reichtum entfernt, sondern so arm sind, daß sie sich nicht einmal satt essen können. Nehmen wir es also an. Der Reichtum wird als eine Sünde, eine Schuld, ein Unrecht betrachtet. Aber der Reichtum ist dann doch vorhanden, wenn auch hauptsächlich in den Staatskassen. Was tut man mit diesem Reichtum?
    A: Das habe ich erwogen. Hast du niemals von den Pharaonen gehört?

    B: Was haben die Pharaonen damit zu tun?
    A: Hast du dich niemals gefragt, warum die Pyramiden so groß sind und soviel Zeit, Arbeit und Geld gekostet haben?
    B: Sag also, warum.
    A: Weil man etwas tun mußte, damit der Mensch nur das Notwendigste besaß: Der Rest mußte vernichtet werden. Die Pyramide ist in Friedenszeiten das, was der Krieg in Kriegszeiten ist. Eine Sache, durch die man den Reichtum vernichten kann und den Menschen dazu zwingt, arm zu bleiben.
    B: Aber wo sind unsere Pyramiden?
    A: Unsere Pyramiden sind die wissenschaftlichen Projekte, um den Mars oder die Venus oder den Mond zu erobern; um durch den Weltraum zu fahren. Diese wissenschafltichen Projekte sind, auf Grund ihrer unmäßigen Kosten, der riesigen Menge von Menschen, die sie beschäftigen, und der ungeheuren Mühe, die sie erfordern, das genaue Äquivalent der Pyramiden. Übrigens war die Pyramide nicht eine absurde Laune einer despotischen Priesterschaft. Sie war der Angelpunkt, das Zentrum einer vollkommnen Gesellschaft. So wie es heute unsere interplanetarischen Flüge sind.
    B: Aber die Vereinigten Staaten, um nur ein Beispiel anzuführen, machen Krieg und haben gleichzeitig ihre Pyramiden, das heißt, ihre Projekte zur Eroberung des Weltraums – und sie sind trotzdem reich.
    A: Die Vereinigten Staaten sind „provisorisch“ reich, wie China „provisorisch“ arm ist. Und wie mir China, in seiner heutigen Lage, als Beispiel für die arme, das heißt die normale und menschliche Menschheit gedient hat, so sind für mich die Vereinigten Staaten ein Beispiel für die reiche, als die anomale und unmenschliche Menschheit.
    B: Die Vereinigten Staaten oder der Westen allgemein?
    A: Die Vereinigten Staaten als ein typisches westliches Land. In Wirklichkeit der Westen selbst.
    B: Du glaubst also, daß der Westen nicht immer reich bleiben wird?
    A: Gewiß nicht. Er tut im Gegenteil alles, um arm zu werden. Aber lassen wir die Zukunft beiseite. Halten wir uns an die Gegenwart. Wir wollen sehen, warum der Reichtum unmenschlich und anomal ist.
    B: Warum also?
    A: Nehmen wir irgendein Individuum, das durch die Erfindung eines neuen und absolut überflüssigen Gegenstandes reich werden will. Zum Beispiel durch einen Schuh, der bei jedem Tritt Musik ertönen läßt. Was wird der Erfinder mit einem solchen Schuh tun, um ihn in Serie herzustellen und ihn dem Großhandel zum Verkauf anzubieten?
    B: Wahrscheinlich Reklame machen.
    A: Richtig! Reklame. Er muß das Bedürfnis für den Musikschuh erzeugen; ein Bedürfnis, das – versteh mich recht – absolut nicht bestanden hat, bevor der genannte Schuh zum Verkauf kam. Kein Hersteller wird aber jemals sagen: „Ich verkaufe euch etwas, das ihr nicht braucht.“ Er wird immmer sagen: „Ich verkaufe euch ein Ding, ohne das ihr nicht auskommen könnt.“ Diese Verwandlung des Überflüssigen in Notwendiges schafft den sogenannten Konsumenten.
    B: Es gibt überall Konsumenten. Auch der Chinese, wenn er sich eine Hose kauft, ist ein Konsument.
    A: Nein, er ist kein Konsument; er ist ein Mann, der ein Kleidungsstück kauft, das nach der Vorstellung, die er sich vom Menschen macht, notwendig ist. Ein Kleidungssütck, um die Beine, den Bauch, das Gesäß zu bedecken und so weiter. Der Konsument dagegen ist eine Art Gedärm.
    B: Was behauptest du da?
    A: Ich meine, der Konsument ist insofern eine Art Gedärm, als er den einfachen Urorganismen ähnelt, die fast nur aus Darm und im übrigen aus Mund und After bestehen. Diese Organismen tun nichts weiter als schlingen, verdauen und ausscheiden.
    B: Aber dann ist auch der chinesische Käufer der Hose nicht anders, wenigstens im Hinblick auf die Herstellung von Hosen.
    A: Da ist ein Unterschied. Der Konsument ist nicht so sehr eine Art Gedärm, weil er konsumiert, als viielmehr, weil er überzeugt ist, daß es seine Pflicht sei, zu konsumieren. Der Chinese, der arme, kauft dagegen die Hose, um nicht nackt zu bleiben. Der Konsument ist für jegliche Art Konsum verfügbar, so wie der Regenwurm bereit ist, jegliche Art Erde durch seinen Darmschlauch gehen zu lassen.
    B: Da wäre der Konsument also auch noch ein Wurm.
    A: Wenn dir Worte wie Gedärm und Regenwurm zuwider sind, weil sie zu herabsetzend klingen, dann sagen wir eben, daß der Konsument nichts weiter ist als das Bindeglied zwische Produktion und Konsum. Produzent und Konsument – der eine ist dann das Vorderteil, der andere das Hinterteil des genannten Wurms.
    B: Produzent und Konsument – und nichts anderes? Und wo bleibt der Arzt, der Künsteler, der Arbeiter oder der Bauer? Gibt es nichts weiter als Produzenten und Konsumenten?
    A:Unter den Begriff Produktion und unter den Begriff Konsum fallen alle Produkte, auch die feinsten und ungewöhnlichsten, und ihr Umsatz.
    B: Der westliche Mensch denkt demnach nur daran, zu produzieren und zu konsumieren?
    A: So ist es. Der Konsum stempelt den Menschen zum Konsumenten (es gibt keinen Produzenten, der nicht konsumiert, sonst würde er Hungers sterben, aber es gibt sehr wohl Konsumenten, die nchts produzieren, in allen kapitalisteischen und kommunistischen Ländern). Wir können ruhig sagen, daß der Zweck der modernen Gesellschaft der Konsum ist – also das Exkrement.
    B: Exkrement – ?
    A: Ja, das Exkrement. Das Ausscheiden alles dessen aus dem Körper, was nach der Verdauung übriggeblieben ist. Man verbraucht so viel wie möglich und so viele verschiedene Dinge wie möglich: Der Verbraucher sieht sein Ideal im Vebrauch, er sieht sich gezwungen, dieses Ideal anzustreben. Das letzte Ergebnis aber ist das Exkrement: Die Konsumgesellschaft manisfestiert sich in einem Haufen Kot. Die vom Konsumenten ausgeschiedene Kotmenge ist in der Tat der beste Beweis dafür, daß der Konsument konsumiert.
    B: Gut, das ist eine Metapher und im übrigen keine sehr geschmackvolle. Bleibt zu beweisen, daß sie nicht nur einen Buchstabensinn hat. Daß man sie anwenden kann. Es gibt nicht allein Nahrungsmittel in dieser Welt.
    A: Die Metapher gilt auch für alles, was nicht unbedingt mit der Nahrung zusammenhängt, aber ebenfalls konsumiert wird. Sie gilt vor allem für die Industrieproduktion im allgemeinen.
    B: Und das wäre?
    A: In den modernen Städten sind Produktion und Konsum, das, was den Industrieprozeß in Gang hält, und das Exkrement, das davon übrigbleibt, immer dicht beieinander, wie in modernen Wohnungen Küche und Abort oft nebeneinander liegen. Geh in die Vorstädte, fern vom Zentrum: Du wirst die Fabriken mit ihren Hallen und Schornsteinen finden, wo produziert wird, und nicht weit von den Fabriken das kahle Gelände, wo der Müll, der Schutt, die Scherben abgeladen werden. Die Stadt hat das Produkt verbraucht, sie hat es verschlungen und die Überbleibsel ausgeschieden.
    B: In einer modernen Großstadt gibt es nicht nur die industrielle Produktion. Es gibt viele andere Dinge, beispielsweise die Kultur.
    A: Ja, es gibt die Kultur. Büchereinen, Zeitungskioske, Filme, Fernsehen, Radio. Bücher in Kurzfassungen, Volksausgaben, Taschenbücher, Lexika, Übersetzungen. Aber diese Kultur wird in der gleichen Weise konsumiert wie die industriellen Produkte. Sie wird verschlungen, verdaut und in Form eines riesigen Haufens von Gemeinplätzen ausgeschieden. Die alles fressenden Kulturkonsumenten nähren sich nicht von der Kultur, sondern sie konsumieren die Kultur und bleiben, im kulturellen Sinn, ewig unterernährt. Der Kulturkonsum hat nur kulturellen Kot zur Folge – nichts weiter.
    B: Kommt dir das alles nicht etwas – wie soll ich sagen – schematisch vor?
    A: Gewiß. Aber so ist die moderne Wetl der Herstellung und des Verbrauchs. Hinter einer scheinbaren Vielfalt verbirgt sich ein einziger Gedanke, oder besser, ein einziger Beweggrund.
    B: Und der wäre? Die Idee des Profits?
    A: Nein, nicht die Idee des Profits. Es ist etwas anderes. Ein neuer Gedanke, ein neuer Beweggrund, den es vorher nicht gab.
    B: Du machst mich neugierig. Was ist das?
    A: Bei einem so schnellen Geldumlauf wie dem, welcher den Zyklus Herstellung-Verbrauch begleitet, ist der Profit zweitrangig, er ist nicht mehr ein Zweck, sondern nur ein Mittel, um den Fortlauf des Zyklus zu sichern. Nein, der Profit ist nicht der Ursprung der großen, Kot erzeugenden Maschinerie, sondern etwas anderes.
    B: Was ist es dann?
    A: Es ist schwer zu sagen. Man könnte es Machtwillen nennen; in Wirklichkeit kommt man der Sache aber näher, wenn man es Angst vor der Ohnmacht nennt. Was ist Macht in der Industriegesellschaft? Sie besteht in der Fähigkeit des Hervorbringens; das heißt im Grunde einer Nachäffung der Natur. Die Natur ist mächtig, weil sie ohne Stillstand und unbegrenzt hervorbringt; der natürliche Mensch ist mächtig, weil er sich vermehrt. Deshalb bedeutet Macht in der Produktions- und Konsumgesellschaft die Fähigkeit, so viel als möglich zu produzieren. Der Produktonsprozeß findet seine Fortsetzung im Konsum, denn es ist klar, daß es ohne den Verbrauch keine Produktion gäbe.
    B: Was willst du damit sagen? Daß die Industriegesellschaft mit der Natur wetteifert?
    A: Ja, genau das wollte ich sagen. Die Angst vor der Machtlosigkeit und die Lust an der Macht, die einen Kraftwagenerzeuger dazu bringen, eine immer größere Zahl von Fahrzeugen herzustellen, haben ursprünglich den gleichen blinden, schöpferischen Impuls, aus dem heraus eine Sardine Millionen Eier laicht, also Millionen möglicher Sardinen in die Welt setzt. Glücklicherweise werden diese Eier von anderen Fischen gefressen, die selbst wieder Millionen Eier für den Vebrauch anderer Fische laichen und so weiter. Die Industriegesellschaft ist eine genaue Kopie dieses unaufhörlichen produktiven Naturprozesses. Und wie die Natur zielt auch die Industriegesellschaft darauf hin, sich aus der Zeit hinaus zu begeben, aus dem Maß, der Dauer menschlichen Lebens, mit jenem ewigen Abwechseln von Herstellung und Verbrauch, das im Grunde das Äquivalent der natürlichen Ewigkeit ist. Aber es besteht ein Unterschied zwischen der industriellen und der natürlchen Ewigkeit.
    B: Welcher?
    A: Die Natur weiß nicht, was sie tut, und vielleicht macht sie deshalb alles richtig. Die Industriegesellschaft dagegen kennt einen einzigen Augenblick wenigstens des Bewußtseins, und das genügt, um den Wettstreit mti der Natur zu verlieren.
    B: Wo liegt dieser Augenblick des Bewußtseins?
    A: Das ist der Moment, in dem der Mensch, als unentbehrliches Glied zwischen Herstellung und Verbrauch, sich selbst sieht. Sich selbst betrachtet. Dann wird er diese Art von Ewigkeit ablehnen, die die Industrie für ihn bereithält.
    B: Der Verbraucher wäre dazu fähig?
    A: Der Vebraucher ist schließlich ein Mensch. Menschliches an ihm ist immerhin die Fähigkeit, Überlegungen anzustellen. Er sieht sich…und wird sich darüber klar, daß zwar die Natur für die Ewigkeit erzeugt und verbraucht, die Menschheit aber nicht dazu angehalten ist, unbeschränkt zu produzieren und zu konsumieren. Vielmehr muß der Mensch, innerhalb der Grenzen von Zeit und Raum, die er selbst festlegt, sich ausdrücken und verwirklichen können.
    B: Das wäre also der Unterschied zwischen Natur und Menschheit? Die eine erzeugt und verbraucht, die andere dagegen drückt sich aus?
    A: Ja, ich glaube, so ist es.
    B: Kann man sich nicht auch herstellend und verbrauchend ausdrücken?
    A: Wir haben bereits geklärt, daß die Industriegesellschaft „exkrementierend“ ist, das heißt, daß ihr Endresultat notgedrungen ein Exkrement wird. Was tut nun der Mensch, der sich entleert? Drückt er sich etwa aus?
    B: Das nicht. Er erleichtert sich wohl eher.
    A: Richtig, er erleichtert sich. Er bereitet sich darauf vor, von neuem zu verbrauchen. Diese Erleichterung ist ja der Moment der Entleerung. Es kommt aber vor, daß der Mensch zu viel herstellt und demzufolge zu viel verbraucht, davon bekommt er eine Verdauungsstörung. Dagegen gibt es das große Abführmittel: den Krieg. Im Zyklus Herstellung-Verbrauch scheint der Krieg unentbehrlich und unvermeidlich zu sein, um den periodischen Verstopfungen der produzierenden und konsumierenden Gesellschaft Erleichterung zu verschaffen. Während des Krieges wird in der Tat der normale Verbraucher der Friedenszeiten durch den Soldaten ersetzt, der ein außergewöhnlicher Verbraucher ist, was Intensität, Quantität, Vielfalt und Schnelligkeit betrifft. Man verbraucht an einem Kriegstag mehr als in Friedenszeiten in einem Jahr. Schließlich verbraucht der Soldat, der sich nicht damit begnügt, Güter und Reichtümer zu verbrauchen, auch Menschenleben, erst die seiner Feinde, dann sein eigenes. Man darf nämlich nicht vergessen, daß der wahre herstellend-verbrauchende Mensch vor allem auch fähig sein muß, sich zu vermehren und zum Mörder zu werden. Ohne Überbevölkerung gibt es keine Serienproduktion, ohne Serienproduktion gibt es keine Überschußproduktion, und ohne Überschußproduktion gibt es keinen Krieg. Der Mord ist nichts weiter als als die Kehrseite der Vermehrung.
    B: Der Krieg wäre also, mehr noch als ein Verbrauch von Gütern, ein Verbrauch von Menschen.
    A: So ist es. Man hat ihn auch einen nachgeholten Kindermord genannt. In Wirklichkeit ist der Krieg aber ein Verbrauch von Menschen, der mit verschiedenen Mitteln durchgeführt wird, vom Bajonett bis zur Atombombe. Natürlich ist das Bajonett für die Überbevölkerung der modernen Welt ungeeignet, und deshalb haben wir die Atombombe. Aber zwischen den beiden Waffen besteht kein grundsätzlicher Unterschied; nur der Grad der Verbrauchsmöglickeit ist verschieden. Die Bombe ist übrigens an die Überbevölkerung gebunden wie die Überbevölkerung an die Bombe. Ich will damit sagen: Wenn es keine Überbevölkerung gäbe, wäre die Bombe nicht da; das heißt, man hätte sie nicht erfunden, denn sie wäre nicht notwendig gewesen. Die Bombe ist erst entstanden, als Metropolen mit fünf bis zehn Millionen Einwohnern entstanden waren. Zwischen der Bombe und der Überbevölkerung besteht also – wie soll man es nennen – fast könnte man sagen: eine gegenseitige Anziehung. Die großen Metropolen der Welt bieten die größte Menschenproduktion an, die es jemals in der Geschichte gegeben hat. Und die Bombe ist die einzig mögliche Verbraucherin für eine so riesenhafte Produktion. Es scheint unvermeidlich, daß zu einem gewissen Zeitpunkt Produktion und Verbrauch sich begegnen und gemeinsam, in Liebe und Eintracht, ihre Probleme lösen. Die Bombe ist im Grunde malthusianisch. Malthus hatte Hungersnot als Ausgleich für die Überbevölkerung vorausgesehen. Man erfand aber die Bombe. Malthus stellte jedoch seine Überlegungen in den Grenzen der vorindustriellen Gesellschaft an; er konnte nicht voraussehen, daß der Mensch schon sehr bald aufhören würde, das Zentrum der Welt zu sein, daß er, wie gesagt, nichts weiter als ein Bindeglied zwischen Produktionsvorgang und dem des Verbrauchs werden sollte.
    Heute würd Malthus, glaube ich, gern anerkennen, daß die Bombe als Verbraucherin dem Hunger vorzuziehen sei.
    B: Entschuldige, aber jetzt kann ich nicht mehr ganz folgen. Der Mensch, würde ich sagen, kann sich in jedem Fall fortpflanzen, sowohl in der humanistischen Gesellschaft, die sich auf den Menschen gründet, wie in der modernen Gesellschaft, die sich auf Produktion und Verbrauch gründet. Du sagst sehr richtig, wenn es keine Vermehrung gäbe, könnte auch keine Serienproduktion und demzufolge kein unaufhörlicher und quälender Zyklus Herstellung-Verbrauch existieren. Aber der Mensch ist immer ein Erzeuger und demzufolge ein Verbraucher von Menschen gewesen. Auch als er noch kein Erzeuger und Verbraucher von Serienprodukten war.
    A: Der bevölkerungspolitische Druck in der antiken Welt war nicht so wie wie in der modernen Welt. Alles geschah auf natürlichem Weg, wie bei den Tieren. Einer außergewöhnlichen Menschenproduktion bot die Natur und nicht der Mensch Einhalt, indem sie immer wieder außergewöhnlichen Verbrauch durch Hungersnot und Epidemien hervorrief. Auch die Kriege schienen eine natürliche Folgeerscheinung des Hungers und der Epidemien. In der modernen Welt geschieht dagegen alles auf industriellem Niveau, auch die Vermehrung des Menschen. Es gibt, so scheint mir, eine sehr enge Beziehung zwischen dem bevölkerungspolitischen Druck, beziehungsweise der Tatsache, daß der Mensch nicht nur Erzeuger von Waren, sondern auch Erzeuger von Menschen ist, und der Arzneimittelindustrie und Krankenfürsorge. Der wichtigse Punkt bei der Produktion von Menschen liegt heute weniger in der dunklen und instinktiven Intimität des ehelichen Bettes, sondern erst hinterher in den Kliniken und Operationssälen mit den weißen Kitteln der Ärzte, Schwestern und Krankenpfleger. Dort, an den Orten einer mechanischen Perfektion, die etwas von leistungsfähigen Fabriken hat, wird der Mensch wahrhaft ein Hersteller von Menschen; nicht zu Hause im eigenen Bett. Denn an diesen Orten werden die zukünftigen Verbraucher und die zukünftigen Produzenten vor dem Tode bewahrt, dem die ungerechte und weitblckende Natur sie wohl sonst preisgeben würde. Die Kliniken erzeugen Menschen, wie die Fabriken Konserven und Autos erzeugen.
    B: Deiner Meinung nach ist der moderne Mensch also zwangsläufig nur ein Hersteller un Verbraucher von Gürtern und Menschen?
    A: Ja.
    B: Aus der Art, wie du dein Urteil ausdrückst, glaube ich zu ersehen, daß dir das mißfällt, nicht wahr?
    A: In der Tat.
    B: Welche Lösung schlägst du also vor?
    A: Ich sehe nur eine Lösung. Übrigens die einzige Lösung, die dirket vom Menschen abhängt.
    B: Das wäre?
    A: Keuschheit.
    B: Keuschheit? Eine etwas radikale Lösung, meinst du nicht?
    A: Ja, die Keuschheit. Die Armut und die Keuschheit sind, wenn man es genauer betrachtet, die beiden normalen Lebensbedingungen des Menschen, wenigstens müßten sie es heute in dieser Welt sein. Denn ich sehe nicht, wie der Mensch heute und in dieser Welt aufhören kann, ein Produzent-Konsument zu sein, wenn nicht durch Armut und Keuschheit.
    B: Wenn ich recht verstehe: der arme Mensch konsumiert nicht und hat es deshalb nicht nötig, zu produzieren. Der keusche Mensch, seinerseits, setzt keine Kinder in die Welt, und so nimmter er letzlich der Verbrauchergesellschaft ihren spezifischen Gehalt, das heißt, die Notwendigkeit, die Bedürfnisse der Massen zu befriedigen. Keine Kinder, keine Massen – ohne Massen keine Produktion und kein Verbrauch. Richtig, allzu richtig.
    A: Du hast mich wunderbar verstanden. Beachte bitte außerdem die Ähnlichkeit zwischen dem Vorgang, der zur Überschußproduktion führt, und dem, der zur Überbevölkerung führt. Wenn du das Funktionieren der Maschinenteile in der Werkzeughalle gleichsetzt mit der ebenso mechanischen Umarmung des menschlichen Paares in seinem Bett – was kommt dabei heraus? Das Serienprodukt. Wo liegt der Unterschied? Im Dunkeln, in der Zone des Unbewußten, zwischen Wachen und Schlafen wird ein Mensch gezeugt; im gleichen Moment werden in tausend Fabriken unter ohrenbetäubendem Lärm für den soeben gezeugten Menschen die tausend Produkte hergstellt, der er verbrauchen wird, sobald er geboren, sobald er ein Knabe, sobald er ein Erwachsener ist. Dieser Mensch wird seinerseits nicht nur Verbraucher bleiben, sondern sehr bald auch Hersteller werden. Der Kreis schließt sich. Wenn aber die Produktion der Menschen geringer ist als die Produktion von Konsumgütern, dann haben wir eine Überschußproduktion. Wenn die Gleichgewichtsstörung umgekehrt liegt, kommt es zur Überbevölkerung. Nur Enthaltsamkeit kann diesen Zyklus durchbrechen, die Überbevölkerung und die Überschußproduktion abschaffen, mit ihrer ewigen Wechselwirkung von Kriegen, Hungersnöten und Elend. Nur die Keuschheit und natürlich die Armut.
    B: Du vergißt, daß das von dir mit so viel ungerechter Antipathie beschriebene Paar, während es den Menschen zeugt – dem es beschieden ist, zu verbrauchen und herzustellen – , doch ein so erhabene und geheimnisvolle Sache wie den Liebesakt vollführt.
    A: Warum sprechen wir von Liebe, wenn es sich eigentlich nur um eine automatische Mechanik handelt? Das männliche Glied bewegt sich wie ein Kolben im weiblichen Geschlechtsorgan. In einem gewissen Erregungszustand, der durch die Reibung ausgelöst wird, tritt der Samen aus, und das Kind ist gezeugt. Was hat das mit Liebe zu tun?
    B: Die beiden haben sich geliebt. Es ist doch möglich, daß sie sich wirklich liebten! Was wissen wir denn.
    A: Die Liebe führt nicht zur sexuellen Beziehung, sie führt zur Keuschheit.
    B: Das höre ich zum erstenmal.
    A: Heute und hier, in dieser Welt, verstehen wir uns recht. Vergangenheit und Zukunft, nicht wahr, interessieren mich nicht.
    B: Erkläre das bitte. Ich verstehe dich nicht.
    A: Heute und hier, in dieser Welt, sind Liebe und sexuelle Beziehung einander fremd, ja sie sind einander entgegengesetzt und feind. Der sexuelle Akt ist nichts weiter als Produktion geworden. Liebe dagegen – Liebe ist Liebe: Erleuchtung, Erfüllung, Erkenntnis, Schöpfung, Vergöttlichung, Einklang, Identifizierung…alles, außer der Herstellung von Serienprodukten.
    B: Der sexuelle Akt ist nicht nur Hervorbringung, nicht nur Herstellung, wie du annimmst und offenbar bis zu Überdruß zu wiederholen gedenkst. Oft wird er vom Mann und von der Frau doch ausgeführt, um sich gegenseitig Freude zu verschaffen. Die Erotik ist keine Produktion; oft kann sie eine Art des Einander-Erkennens sein.
    A: Wenn sie es nur wäre! Gewiß, so war es in unserer archaischen, primitiven, magischen Vergangenheit. Aber heute ist sie meist nichts weiter als ein Produktionsvorgang ohne Produkt. Damit will ich sagen, daß heute das Vergnügen, das sich Mann und Frau gegenseitig verschaffen, keine Erkenntnis zum Ziel hat. Im Grunde unterscheidet es sich nur scheinbar von der Prostitution, die eine klare Form des Konsums ist.
    B: Schade, ich hätte gern gesehen, wenn du wenigstens für die Erotik, die auch dem Erkennen des anderen dient, eine Ausnahme gemacht hättest. Jedenfalls ist dieser arme und keusche Mann, den du glorifizierst, von einem raschen Aussterben bedroht. Nicht produzieren, nicht vebrauchen, nicht zeugen… Die Menscheit wird sehr bald verschwinden.
    A: Ich sage nicht, daß die Menscheit verschwinden soll; obwohl man heute nicht recht begreift, warum die Menschheit eigentlich fortfährt zu existieren. Ich meine, daß sie – wie kann man es sagen – daß sie zusammenschrumpfen, daß sie, statt wie heute üppig zu wuchern, sich auf ihr angemessenes Maß beschränken müßte. Überdies würde die Menschheit, wenn sie dem Aussterben nahe wäre, dank eben jener Liebe, die sie heute fast zum Erlöschen bringen würde, andere neuere triftige Beweggründe finden, um sich von neuem zu vermehren. Die menschliche Entwicklung ist wie die der Natur nicht unbedingt folgerichtig; sie bewegt sich nicht immer von Ursache zu Wirkung, sondern macht qualitative Sprünge. Ich finde nichts dabei, wenn der Gesellschaft der Überbevölkerung und der Überschußproduktion eine andere Gesellschaft mit entgegengesetzten Eigenschaften folgt.
    B: Mir scheint, daß du in Vorstellungen zurückfällst, die wir schon hinter uns haben. Vor dir haben manche ein neues Mittelalter vorgeschlagen. Dann hat man gesehen, daß das doch nur ein ästhetisierendes und romantisches Gegenbild zur Industriegesellschaft war.
    A: Warum auf die Vergangenheit zurückgreifen? Lassen wir das Mittelalter. Wir wollen eine Welt für Menschen und nicht für Fetische.
    B: Aber die Technologie, die heute von so großer Bedeutung ist, scheint nicht zu dieser Welt zu führen. Im Gegenteil.
    A: Die Technologie kommt heute den Bedürfnissen der produzierenden und verbrauchenden Massen entgegen. Aber morgen könnte sie sehr gut ihre Richtung ändern und wenigen armen und sich kaum vermehrenden Menschengruppen entgegenkommen.
    B: Was soll da? Prosperos Insel im „Sturm“ mit dem weisen, technologischen Zauberer und wenigen Frauen und Männern: schön, jung und ohne Nachwuchs, über den einsamen Strand spazierend, begleite von ätherischen Klängen, geheimnisvollen Stimmen, boshaften und unsichtbaren Geistern?
    A: Ich weiß es nicht. Es wurde bereits erwähnt: Über Dinge, von denen man nicht reden kann, ist es besser zu schweigen.
    B: Mir scheint, daß wir uns sehr weit von China entfernt haben, das doch der Ausgangspunkt unserer Diskussion war. Und diese ist schließlich nichts weiter als eine Einleitung zu einem kleinen Buch über die Kulturrevolution. Also: was hat China mit alldem zu tun? Die Chinesen sind arm, das ist wahr, aber nur provisorisch und ungewollt, wie du zugegeben hast. Was die Keuschheit betrifft – nun, keusch sind sie gewiß nicht, wenn sie wohl auch nicht mehr so erotisch sind, wie sie einmal gewesen sein sollen. Sie neigen jedenfalls ganz besonders dazu, sich zu vermehren, weshalb der Staat ihnen rät, sich nicht vor dem 30. Lebensjahr zu verheiraten. Was machen wir nun also mit China?
    A: Wir machen gar nichts damit. Ich beschränke mich darauf zu wiederholen, daß ich dir und mir den Grund für die Erleichterung erklären wollte, die ich angesichts der chinesischen Armut empfunden hatte. Das is alles. Ob nun die Utopie Chinas dauern wird, oder ob sie nur provisorisch und vorübergehend ist, das ist eine andere Frage. Mir genügt es, daß wir so einen Vorwand hatten, unser Gespräch zu führen.

    • Wow, da bin ich aber froh, daß ich (ausnahmsweise) doch noch mal auf eine Tagesdosis von den Samstagen geschaut habe.
      Haben Sie das alles für uns abgetippt?
      Haben Sie vielen lieben Dank, Tony!

    • @ Guanyin

      Ja, WOW! So ging es mir auch.
      Ich lese zur Zeit einige Bücher wieder aus meiner Bibliothek. Anlass war das heutige China, dessen Entwicklung mich neugierig machte auf das Buch, das ich schon vor so langer Zeit mal gelesen hatte. Die Wirkung, die es heute auf mich hat, ist nicht vergleichbar mit damals. So ist es, wenn man AnTeil der Geschichte wird.
      Weil der Mensch bei Moravia im Vordergrund steht, daher musste ich es bei kenfm mit-teilen. Nun, da ich Teile abgetippt habe, kann ich es immer wieder mit-teilen.
      Übrigens: alle Bücher von Moravia sind lesenswert. Auch seine Romane, z.B. La Noia, Der Konformist, Der Ungehorsam, Inzest.

  6. „Es muss verstanden werden, dass Kapitalismus eben keine Verschwörung geheimer Mächte, sondern ein Herrschaftssystem der beschriebenen Art ist, das nach ebenso beschriebenen Mechanismen funktioniert, die automatisch und zwangsläufig zu Vermögenskonzentration, sozialer Spaltung, Verarmung breiter Massen und Umweltzerstörung führen. Der Kapitalismus muss weg. Eine Lösung im System gibt es nicht.“

    Es muss verstanden werden, dass menschenfeindliche Auswüchse von Kapitalismus oder Sozialismus eben keine Verschwörung geheimer Mächte, sondern ein Herrschaftssystem der psychologischen Art ist, das nach Mechanismen frühkindlicher Prägungen funktioniert, die automatisch und zwangsläufig zu Vermögenskonzentration, sozialer Spaltung, Verarmung breiter Massen und Umweltzerstörung führen. Die psychische Krankheit muss weg. Eine Lösung in der Krankheit gibt es nicht.

    • Über den Trick der Verklammerung sprach bereits Herr Mausfeld sehr ausführlich.

      Diese Methode dient zweierlei Zwecken, entweder um einem etwas Negatives zusammen mit etwas Positiven als unablehnbares Komplettangebot aufzudrängen.

      Oder wie hier, wo die Eigenschaften des Kapitalismus auf den Sozialismus übertragen werden.

      Wenn man für einen Moment inne hält und darüber nachdenkt, … im Grunde sind die Methoden der Propaganda recht banal oder wie Herr Mausfeld auch sagte, das was er weitergibt, sind eigentlich nur Binsenweisheiten. Und was klar ist, Propaganda sucht sie meist auf einer emotionalen Ebene auf, sie sollen das Gesagte nicht prüfen, sie sollen glauben.

      P.S.: Es ist wenig sachdienlich auf immer mehr Begriffe zu verzichten, allein dadurch da diese durch Propaganda kontaminiert sind. Denn dann werden sie am Ende feststellen, daß sie sich nichts mehr zu sagen haben, da sie es nicht mehr sagen können.
      Sprachbarriere … ein gewünschter Effekt. Das steht sogar in der Bibel unter Babel.


  7. und doch kann schon ein Grundschüler verstehen, ewiges Wirtschaftswachstum ist auf einen begrenzten Planeten nicht möglich.

    nein, das ist das Problem. Grundschüler wissen nichts von Wirtschaftswachstum und in der Schule wird ihnen eingeredet „Wirtschaftswachstum ist gut und notwendig und sichert unseren Wohlstand“

    Das ist die Meinung von 95% der indoktrinierten Masse.
    Keine Partei hat ein Problem mit dem Wirtschaftswachstum.
    Millionen von Wissenschaftlern lehren und propagieren das Wirtschaftswachstum als was Gutes und Notwendiges.
    (Nur mal soviel dazu wenn sich die indoktrinierte Masse immer auf 1000te Wissenschaftler beim Klimawandel beruft. Welche das sein sollen konnte mir übrigens noch nie wer sagen.)


    es muss verstanden werden dass Kapitalismus keine Verschwörung geheimer Mächte, sondern ein Herrschaftssystem der beschriebenen Art ist,

    und das zur Bilderberger Konferenz. Was anderes soll die Bilderberger Konferenz denn sein als eine Verschwörung geheimer Mächte?

    Genauso wie Frau Bonath mit keinem Wort das Geldsystem erwähnt, das tatsächlich für den Wachstumswahnsinn verantwortlich ist. Hier geht es darum ganze Staaten in die Verschuldung zu treiben. Diese Verschuldung wiederum bedingt das Wirtschaftswachstum um die Schulden bedienen zu können. Das haben die Marxisten bis heute nicht verstanden. Die glauben sie können unendlich viele Staatsschulden anhäufen und das hätte nichts mit dem Wachstumswahnsinn zu tun. Sie lassen sich gegen Unternehmer aufhetzen. Der böse Bauer, der böse Tischlerei Besitzer der eh selber als Tischler arbeitet, die sind schuld an dem Wahnsinn?
    Oder ist es nicht so dass dieses System vor allem auch die Vermehrung von Kapital ohne Besitz von Produktion ermöglicht. Alleine der Besitz von Kapital und die Verleihung gegen Zinsen zwingt alle Menschen in einem Staat dazu immer mehr zu produzieren weil die Schulden das erzwingen. Und Geld kommt nur als Kredit in Umlauf!
    Was hat die Politik der EZM, der ESM, die Griechenlandrettung, Bankenrettung usw mit Marktwirtschaft zu tun?
    Bei einer Marktwirtschaft ist die Regel so: die Nachfrage bestimmt das Angebot. Da ist kein Mechanismus eingebaut der ein Wirtschaftswachstum benötigt. In der Marktwirtschaft setzt sich der Produzent durch der den Markt bedient.
    Würde Besitz und nicht Lohn besteuert werden so könnten sich die Besitzenden auch nicht immer mehr anhäufen.
    Durch den Kapitalismus, dadurch das Geld und Reichtum automatisch vermehrt auch ohne das man die eigene Produktion steigert, sondern einzig und alleine das man damit alle anderen ausnehmen kann, dadurch entsteht immer mehr Konzentration des Kapitals und Besitz bei einigen wenigen. Natürlich wird das dann auch wieder in Produktionsstätten angelegt. Was sind Aktion anderes als Besitz von Produktionsstätten?
    Und es geht darum den Umverteilungs-Mechanismus so lange aufrecht zu erhalten bis aller Besitz in die Hände der Reichen übergegangen ist. Und das ist von langer Hand geplant. Das hat nichts mit Zufall zu tun, solche Systeme entstehen nicht zufällig.
    Gerade die Bilderbergerkonferenz sollte das jedem klar machen. Falls man nicht verstanden hat dass die Medien zusammenarbeiten gegen die Menschen. Wikipedia, eine angeblich durch die Allgemeinheit erzeugt Enzyklopädie, sogar dar sind dir finsteren Machenschaften etabliert. Geheimdienste die ganze Regierungen putschen, oder die Migration nach Europa, die entsteht nicht zufällig sondern wird durch Soros angestoßen und gelenkt und auch finanziell verwertet, das sind dann auch wieder die Grünen mit drinnen mit NGOs, Hilfsorganisationen, Betreuung, und und und alles bezahlt vom Steuerzahler.

    Es wird alles getan dass die Menschen das Geldsystem und die Börse nicht verstehen.
    Tatsächlich ist dieses System für die oberen 10% so interessant weil sie durch Nichtstun reicher werden. Im Endeffekt werden aber nur das 0,1% übrigbleiben und auch der Großteil von den 10 % verarmen. Darum geht es. Die wenigen die übrig bleiben hat man in der Hand.
    Produktionsstätten sollten meiner Meinung erst ab einer gewissen Größe verstaatlicht (der Allgemeinheit gegeben) werden oder zerschlagen werden. Aktienbesitz verboten werden und die Börse komplett aufgelöst werden. Beim Geldsystem gibt es dann auch eine der Allgemeinheit gehörenden Zentralbank die einzig und allein Kredite vergeben kann.

    • Hier noch ein Wissenschaftler zum Klimawahnsinn jetzt bei „Der fehlende Part“

      youtube.com/watch?v=B4cvuZLDr4A

      Und ich habe noch immer keinen Wissenschaftler gesehen der die These der Klimareligionsfanatiker vertritt.

    • „nein, das ist das Problem. Grundschüler wissen nichts von Wirtschaftswachstum“

      Die Voraussetzung ist ja gerade, dass es ihnen erklärt wird. Sie könnten es geistig erfassen, WENN es ihnen erklärt wird.

    • Ergänzend:

      Ohne Wachstum ist alles nichts. Vermeldet das heute journal ein „+“ vor dem Bruttoinlandsprodukt BIP, ist „gefühlt“ alles gut. Nur wissen die meisten nicht, dass das BIP Kriege, Katastrophen und Kummer als überaus positiv bewertet, während Frieden, Gesundheit und Glück es massiv herunterziehen. Das BIP „tickt“ also komplett anders als 90% von uns, und dass wir es noch immer nicht verschrottet haben, ist gemeinsames Versagen auf höchstem Niveau. Aber im Grunde fehlt uns nur eine Aha-Erkenntnis, um das fürchterliche Ding endlich vom Hof jagen zu können: Lassen wir unsere alternativen Kennzahlen Freunde werden, dann ist das BIP morgen Geschichte.
      (…)
      „Das BIP misst weder unseren Verstand noch unseren Mut, weder unsere Weisheit, noch unser Mitgefühl […]. Es misst kurz gesagt, alles außer dem, was das Leben lebenswert macht“, und Meinhard Miegel konstatierte am eigentlich längst geschlossenen Grab der teuflischen Nummer, Wohlstand und Wachstum mittels des BIP ermitteln zu wollen entspreche dem Versuch „den Blutdruck mit Hilfe eines Thermometers zu bestimmen“.
      (…)
      Jedes gesundheitsgefährdende Medikament treibt das BIP hinauf, gesunde Menschen sind komplette Wachstumsbremsen, ein Besuch beim Psychiater ist besser als ein Gespräch unter Freunden, und jeder Einsatz der Mordkommission schafft einen BIP-Zuwachs, während allgemeiner Frieden gefährliche Stagnation bedeutet.
      (…)
      Wir könnten uns auch den ganzen Tag honorarpflichtig gegenseitig blau anmalen und danach gegenseitig kärchern. Oder, besser noch für´s BIP: Konsumieren ohne Konsumenten. Denn das BIP interessiert ja nur die wirtschaftliche Aktivität, nicht der Akteur, geschweige denn dessen Befinden.

      Das BIP freut sich also, wenn Sie Ihr komplettes bedingungsloses Grundeinkommen bargeldlos für Gas, Strom, Dauerauftrag-amazon-Bestellungen und Pizzadienste ausgeben, das BIP freut sich auch, wenn die ganzen Pakete und Pizzen, die unberührt vor ihrer Tür stehen, alle 2 Wochen vom Müllroboter abgeholt und entsorgt werden. Denn dass Sie seit 2 Jahren tot in ihrer Wohnung liegen, ist dem BIP ja herzlich egal.

      Weil, eben, das BIP alles für uns Wesentliche bei seiner sinnfreien Zählerei nicht berücksichtigt – was nicht zuletzt daran liegt, dass wir allem Wesentlichen keinen Preis zugeordnet haben. Das BIP erfasst also den Abbau von Ressourcen oder Menschenleben lediglich positiv als Wirtschaftstransaktionen, nicht aber gleichzeitig (mit negativem Vorzeichen) als Verlust an Vorräten, als Vernichtung von Lebensgrundlagen oder von Leben selbst.

      Aus:

      Samstag, 06. Mai 2017, 10:49 Uhr
      ~10 Minuten Lesezeit
      Ruhe in Frieden, Bruttoinlandsprodukt!
      Eine einzelne, unschuldig aussehende Kennzahl zerstört unser aller Wohlergehen, unser Glück und unser friedliches Miteinander. Das BIP gehört verboten. Und zwar sofort.
      von Sven Böttcher
      (Quelle: Rubikon)

    • an Box:

      wenn ein Künstler oder Handwerker seine Liebe und Zeit in seine Arbeit steckt und andere Menschen sich daran erfreuen und das kaufen, so misst das BIP das auch.
      Es misst auch das vielen Menschen die Medizin hilft, Beinbrüche, usw.
      Es misst auch den reich gedeckten Frühstückstisch von Menschen die es sich leisten können beim Bioladen einzukaufen. Da stecken auch die positiven Werte drinnen die Sie beschrieben haben.
      Das BIP hat eben keine Wertung. Darum bringt es wenig das BIP abzuschaffen. Es ist falsch zu sagen dass das BIP nur negative Leistung misst.

      Auch hier hängt alles wieder am Geldsystem, dieses übt den Zwang aus, da eben die Staatsschulden bedient werden müssen. Kann man das nicht dann gibt es auch keine neuen Kredite.
      Keine neuen Kredite, kein Geld mehr für Sozialleistungen, Beamte, Politiker, Öl, Gas, keine Heizung, keinen Strom.
      Und die Politiker glauben immer noch das Märchen das sie jetzt Schulden machen können weil sie das dann in der Zukunft durch die investierten Leistungen erwirtschaften können.
      Das praktizieren sie nun seit 60 Jahren. Eigentlich müsste ihnen langsam auffallen das ihre Theorie nicht stimmt, weil die Schulden immer mehr anwachsen und die weniger werden. Sie hätten doch eigentlich schon lange den Punkt erreichen müssen wo die Investitionen zu wirken beginnen und statt Schulden müssten die Staaten längst Guthaben haben.
      Da das aber nicht so ist nehmen sie gerne auch noch das Geld von jedem Verbrechen und gestalten die Gesetze in diese Richtung das die erst möglich werden.
      Das Geldsystem darf dabei aber nie als Problem erkannt werden. Dafür werden die Beamten und Politiker und Propagandahuren ja fürstlich bezahlt. Dieser Sold stammt aber ausnahmslos von den Krediten die sie aufnehmen, also von den Banken und damit sie weiterhin ihre fürstlichen Gehälter einsacken können müssen sie eben dieses System bedienen und die Menschen unterdrücken.
      Darum täuschen und belügen Sie die Menschen.

      Übrigens können wir von einem Idealzustand träumen oder tatsächlich lösbare Probleme angehen. Und das Geldsystem ist eben ein Problem das sich lösen lässt ohne das alle Menschen enteignet werden.
      Glauben Sie das sie halle Haus Besitzer, Gewerbetreibenden, oder Unternehmer enteignen können und das es dann besser wird. Möglicherweise könnte man Aktien verstaatlichen. So würde der Staat dann Aktien an Unternehmen haben und die Börse wird geschlossen. Große Unternehmen könnte man so verstaatlichen. Bringt aber erst was wenn der Staat tatsächlich die legitimierte Verwaltung der Allgemeinheit ist. Das ist ja zur Zeit nicht so, in großen Teilen jedenfalls.
      Ich bin zB der Meinung das es keine private Waffenproduktion geben darf und Waffen auch nicht ins Ausland geliefert werden dürfen.
      Bei direkter Demokratie könnte über solche Themen direkt abgestimmt werden.
      Eine direkte Demokratie könnte auch ohne Probleme eingeführt werden. Also Geldsystem, direkte Demokratie.
      Ist noch die Frage wie man zu einer freien Presse kommt? Hier sollte jede Staatliche Propagandainstitution abgeschafft werden. Meine Meinung. Wer sich von denen nicht belügen lassen will sollte auch nicht mehr bezahlen müssen. Dafür muss aber die Meinungsfreiheit im Internet wieder hergestellt werden damit nicht nur das Großkapital seine Propaganda betreiben kann sondern eben viele Portale. Die Menschen gehen eh immer mehr weg von der Propaganda wie Fernsehen und Zeitungen hin zur eigenen Auswahl im Internet.
      Das wären so Punkte wo man anfangen könnte anstatt das ganze System auf einmal zu ändern. Das ist ungefähr so wie wenn ich sage ich will auf den Berg gehen aber ich will mit dem ersten Schritt schon auf den Gipfel stehen.
      Da wird man sie nur blöd ansehen und fragen ob sie noch alle Tassen im Schrank haben, mögen ihre Visionen noch so erhaben sein.

  8. Also, ich denke, dass der Kommentar von Frau Bonath mit ’ner heissen Nadel ‚genäht‘ wurde:

    “ Nur eins ist klar: Sie (die Bilderberger) haben Muffensausen. Sie wollen um jeden Preis ihre Herrschaft über die Vielen erhalten. Komme, was da wolle.“
    Steht die Frage so? Ausser in Frankreich gibt es keine nennenswerten Proteste un der EU und der Brexit ist ein systemimmanentes Problem. Was ändert sich grossartig fuer die Herrschenden, wenn die Briten die EU verlassen?
    Ansonsten ist es ruhig in den Ländern. Und auch wenn die Bilderberger ueber ‚Kapitalismus‘ diskutieren wollen, hat das nicht den Grund, dass sie um ihre Herrschaft fuerchten muessten. Mit den Suggestionsmöglichkeiten die sie sich mit der Glotze und den Maistreammedien geschaffen haben, läuft ihre Herrschaft doch wie geschmiert!

    „Kommen wir zu den missglückten Versuchen sozialistischer Planwirtschaft.“
    Hier könnte man denken, dass sie eingehen auf die Versuche der Imperialisten die damalige SU oder die eh. DDR zu bekämpfen mit z.T. fragwuerdigen Mitteln. Den Aufbau von CIA gestuetzten „linken“ Kuenstlern und Kulturschaffenden. Aber weit gefehlt, es folgt ein Hinweis auf die Globalisierung, die ja erst Kenfm möglich mache. Hör ich da die Nachtigall trapsen? Sind Sie selber etwa eine Globalistin?

    „Hier kommen wir zum zweiten Problem: Die Zerstörung der Umwelt und des Klimas, wenn das Wachstum, wie aktuell, an die natürlichen Grenzen stößt.“
    Dass der Kapitalismus eine gigantische Umweltzerstörung nach sich zieht, ist glaube ich unter den Lesern unumstritten. Dass aber das Klima durch eine menschenverursachte Erhöhung des CO2 zu einem Wandel fuehrt, dazu gibt es keine glaubwuerdigen Untersuchungen. Das einzige, was Sie voreisen können ist Greta Thunberg mit ihren Kindern und Jugendlichen und 97% der Wissenschaftler, die sich so positioniert haben. Wahrheit lässt sich zum Glueck nicht per Acklamation herbeifuehren. Selbst vor 1850 (Beginn der Industrialisierung) hat es mehrere Klimawandel gegeben.

    „Hin zum Bashing eines unter den Kids wie ein bunter Hund bekannten Youtubers, schizophrener Weise, weil der die Merkel-Partei kritisiert hatte.“
    In den mir bekannten alternativen Medien wurde das Rezo-Video kritisiert, weil es zur Wahl der Gruenen animierte und weil es sich nicht zum Wahlboykott entschliessen konnte. Dass es die Merkelpartei und deren Gefolgschaft zertruemmern wollte hatte eher Wohlwollen ausgelöst.

    • Moin Hog 1951,
      dass die Bilderberger haben Muffensausen haben, glaub ich auch nicht.
      Das man sich dort Gedanken macht, um auf neue Situationen mit Strategien zu antworten, glaube ich schon.
      Eine Vorstufe des Brainstormings – so stell ich mir das vor.

    • Das Überleben der Reichsten
      von Douglas Rushkoff

      Letztes Jahr wurde ich auf ein exklusives Luxus-Privatanwesen eingeladen, um einen Grundsatzvortrag zu halten. Ich nahm an, mein Publikum werde aus etwa einhundert Investment-Bankern bestehen. Für diese Rede hatte man mir mein bisher höchstes Honorar angeboten – etwa die Hälfte meines jährlichen Professorengehaltes –, nur um einen Einblick in das Thema „Die Zukunft der Technologie“ zu geben.
      (…)
      Nicht Rettung, sondern Flucht

      Sie waren nicht daran interessiert, wie eine Katastrophe zu vermeiden wäre; sie sind davon überzeugt, dass wir dafür schon zu weit gegangen sind. Trotz ihres ganzen Reichtums, trotz ihrer ganzen Macht glauben sie nicht, dass sie die Zukunft beeinflussen können. Sie gehen einfach vom dunkelsten Szenario aus und setzen dann soviel Geld und Technik wie möglich ein, um sich abzuschotten – vor allem, wenn sie keinen Platz mehr auf einer Rakete zum Mars ergattern können.

      Aus:

      Samstag, 25. August 2018, 15:30 Uhr
      ~12 Minuten Lesezeit
      Der Krieg der Reichen
      Die Reichen verschwören sich, um uns zurückzulassen.
      von Rubikons Weltredaktion

      Und hier:

      Eine Strategiediskussion hochrangiger Denkfabriken – ein Bericht

      Anfang September 2018 trafen sich Banker, Industrielle, Politiker und Wissenschaftler zum „Dialog der Kontinente“ im noblen Pariser Shangri-La-Hotel mit Blick auf den Eiffelturm. Der Einladung des Komitees Reinventing Bretton Woods und des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) waren knapp hundert ausgewählte Köpfe aus Europa, Südostasien und Lateinamerika gefolgt. Auffällig war die weitgehende Abwesenheit US-amerikanischer Führungskräfte. Der Autor verdankt seine Teilnahme einer glücklichen Fügung und der ungewöhnlichen Offenheit der Veranstaltung.

      „Drifts or Connectivity“ (auseinandertriften oder verbunden sein) lautete die Überschrift zur dreitägigen Zusammenkunft, womit die Ängste der anwesenden Kapitalvertreter und Wirtschaftsinstitute vor einem zunehmenden Auseinanderdriften ökonomischer Großräume treffend umschrieben ist. Ihre Hoffnungen setzten sie, das war nach einem Dutzend Plenarsitzungen klar, erstens in eine verstärkte chinesisch-europäische Kooperation, wenn nötig und vorhersehbar auch unter dem neuen Modell eines staatsgelenkten Kapitalismus, und zweitens auf die Entwicklung künstlicher Intelligenz mit ihren Möglichkeiten eines ungeahnten Rationalisierungsschubs, der zugleich die Arbeitswelt, wie wir sie kennen, transformieren wird. An selbstkritischen Tönen mangelte es nicht, man war ja auch weitgehend unter sich.
      (…)
      Wesentlich besorgter äußerte sich der frühere polnische Präsident Aleksander Kwasniewski. „Wir haben die Auswirkungen der großen Krise 2008 unterschätzt“, meinte er. Sie hat viele jungen Menschen arbeitslos gemacht und dieses Problem bleibt bis heute ungelöst. Beim Blick in die geopolitische Zukunft kamen ihm große Zweifel hinsichtlich einer friedlichen Entwicklung. „Wir erleben gerade eine sehr chaotische Situation“, so Kwasniewski, „die ich als äußerst gefährlich einschätze. Ich habe wirklich Angst.“
      Die Intelligenz wird unmenschlich

      Als dritten Schwerpunkt neben den Themen Protektionismus und Seidenstraße diskutierten die Mitglieder von Denkfabriken, Unternehmer und Wissenschaftler über die Zukunft der künstlichen Intelligenz, der sie grosso modo ein enormen Potenzial zuschreiben. Einer kommenden Strukturkrise des Kapitalismus, so ihre Hoffnung, könne man mit Rationalisierungsinvestitionen in künstliche Intelligenz begegnen. Gleichzeitig schwang die Sorge um die Zukunft von Millionen dann „überflüssig“ gewordener Arbeitskräfte mit.

      Auch in diesem Bereich habe China die Nase vorne, so der frühere rumänische Ministerpräsident und Professor am Bukarester Polytechnikum Petre Roman. Peking betreibe die Entwicklung von künstlicher Intelligenz als militärisch-zivile Mischforschung. In westlichen Ländern gebe es teilweise ethische Vorbehalte von zivilen Ingenieuren, sich an solchen militärisch dominierten Programmen zu beteiligen.
      (…)
      Was bei der ganzen Debatte um Künstliche Intelligenz ausgespart blieb, war die Triebkraft kapitalistischer Akkumulation, die ja bereits in unserem ausgehenden Zeitalter der Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften zu ständiger Überproduktion führt. Dass eine Roboterisierung von Gesellschaften dem nicht entgegenwirkt, sondern die gegenteilige Gefahr der Beschleunigung und der weiteren sozialen Polarisierung in sich birgt, klang zwar in den Debattenbeiträgen des „Dialogs der Kontinente“ an. Lösungsvorschläge blieben allerdings aus. Und wirklich hoffnungsfroh blickte bei diesem Thema auch niemand auf China.

      Hannes Hofbauer ist Autor, Verleger und Redaktionsmitglied von Lunapark21.

      Aus:

      Den Kapitalismus retten
      19. März 2019 Hannes Hofbauer

    • „Dass aber das Klima durch eine menschenverursachte Erhöhung des CO2 zu einem Wandel fuehrt, dazu gibt es keine glaubwuerdigen Untersuchungen.“

      Ach du lieber Gott! Und niemand hat bewiesen, dass die Erde keine Scheibe ist. Und hohl ist die Scheibe außerdem noch. Es ist nicht verboten, Naturwissenschaftlern zuzuhören. Man muss schon einige Jahre Studium diverser Naturwissenschaften investiert haben, um die so einfach abbügeln zu können. Oder aber erhebliche Ignoranz.

      Ich habe Rezo zugehört. Mit nicht CDU, nicht SPD und nicht AfD hat er einfach nur recht. Wer da die Aufforderung zur Wahl einer bestimmten der übrigen 38 angetretenen Parteien rausliest, der muss schon etwas paranoid sein. Ich habe mich z.B. dank Rezo entschlossen, die DKP zu wählen.

  9. Um die Herrschaft über die vielen zu erhalten, ja sie auch noch auszubauen, werden die schon recht bald aus einem versteckten einen offenen Sozialismus machen. Da haben die doch kein Problem mit, egal wie man den Krempel nennt: undemokratische Strukturen entscheiden über das ganze Volk, Zwangsmaßnahmen ohne Limit in jeder Art inklusive.
    Die sind schon seit etlichen Jahren voll dabei. Wenige Monopole kassieren, das Steuersubjekt berappt und entschieden wird von Kommissaren, dem Ministerrat, alles schon einmal dagewesen.
    Der Unterschied?
    Früher gab es ein einziges Monopol beim Staat, heute hat man sich der geschmeidigeren Optik wegennoch den Luxus mehrerer Monopole gegönnt. Vorerst, wer weiß.
    Heute wählen 90% plus x freiwillig die Blockparteien, früher musste noch ein Parteisekret das korrekte Wählen überwachen.
    Und die paar Abweichler wurden hier wie dort angemacht. Als asozial, rechts, radikal, revisionistisch oder kontergedingens.

    Different shell, same shit.

    • „undemokratische Strukturen entscheiden über das ganze Volk“ – das kann nur Sozialismus sein!

      Kürbis gedeihe!

    • Um von den im Artikel erwähnten Umständen abzulenken, ist jedes Ablenkziel recht und sei es noch so absurd. Den Begriff den man noch nicht versucht hat zu verbiegen, gibt es nicht.
      Sie merken auch, man versucht sie stets im System zu halten, z.B. daran, daß sie einfach die „richtige“ Partei wählen müssen. Seit einigen Jahrzehnten ein Dauerbrenner, der auch schon Jahrhundertmarken geknackt hat.

      Die BpB (ist ja nicht alles schlecht im Kapitalismus, der sorgte ja schließlich auch für die Autobahnen in der Zeit seiner extremsten Form) schreibt dazu:

      Sozialismus

      Weltbild, das sich im 19. Jahrhundert aus der Kritik am Kapitalismus entwickelt hat und eine Beseitigung dieses Wirtschaftssystems anstrebt. Wirtschaftspolitische Grundlage ist die Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und dessen Verstaatlichung sowie die zentrale Planung und Lenkung des Wirtschaftsprozesses, um negative soziale Auswirkungen des Wirtschaftens zu verhindern. Ziel ist die Überwindung sozialer Gegensätze in Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Verbesserung der Situation der arbeitenden Bevölkerung.

      Allerdings gibt es umgangssprachlich noch einen anderen Sozialismus, von Jenem die Kapitalfaschisten-Dienstboten sehr beflissen suchen abzulenken, gemeint ist der Sozialismus für Reiche:

      Rente statt Profit

      Das Subventionswesen für Konzerne, für ihre Shareholder und Manager, ist Teil einer größeren Struktur, die man bisweilen als »Sozialismus für Reiche« oder »Neofeudalismus« bezeichnet hat. Den oberen Schichten ist es gelungen, sich ein »bedingungsloses Maximaleinkommen« zu sichern, das von ihren Leistungen und Verfehlungen weitgehend entkoppelt ist. Nicht Markterfolge erhalten und vermehren die großen Vermögen und Einkommen, sondern Strategien der Privilegiensicherung, insbesondere durch Einflussnahme auf den Staat. Die staatliche Gabenökonomie für Superreiche verbindet sich mit dynastischen Strukturen, in denen Macht und Reichtum wie einst beim Adel durch die Geburt vererbt werden.

      Dazu gehört auch, dass ein immer größerer Teil des Kapitals gar nicht durch Produktion und Verkauf von Waren und Dienstleistungen vermehrt wird, sondern durch das, was man in der Ökonomik »Renten« nennt. »Rente« bedeutet hier nicht Altersversorgung, sondern ein Einkommen aus Gebühren für die Nutzung von Land, Wohneigentum oder aus »geistigen Eigentumsrechten«, zum Beispiel Patenten. Entscheidend ist, dass Kapitalbesitzer hier gar nichts produzieren und dann verkaufen, sondern allein aus dem Rechtstitel auf ein Eigentum ein Einkommen generieren.

      Tributzahlungen von diesem Typ vereinnahmen einen erheblichen Anteil der Volkseinkommen. In deutschen Großstädten wie Hamburg, Berlin oder München müssen die Menschen im Schnitt etwa die Hälfte ihres Einkommens für Miete bezahlen. Nur ein Bruchteil davon kann als Gebühr für Baukosten, Instandhaltungen und Dienstleistungen aufgefasst werden. In Berlin zum Beispiel konnten Wohnungseigentümer bei Altbauten mit einer Nettomiete von sechs Euro pro Quadratmeter bis vor Kurzem gut leben, ausreichend Rücklagen für Reparaturen bilden und sogar Gewinne machen. Dieselben Wohnungen werden nun für einen Quadratmeterpreis von zwölf Euro und mehr vermietet. Die sechs zusätzlichen Euro sind reines Tributgeld. In anderen europäischen Metropolen liegen die Preise oft noch viel höher, in Paris zum Beispiel bei bis zu 50 Euro pro Quadratmeter. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bemerkte zu Recht: »Der Pariser Wohnungsmarkt kennt keine Wirtschaftskrise.«

      Aus:

      Die Illusion der freien Märkte
      Wie der Staat hinter den Kulissen den Kapitalismus künstlich am Leben hält. Exklusivabdruck aus „Chaos: Das neue Zeitalter der Revolutionen“
      19 Dez 2017
      Von Fabian scheidler
      (Quelle: Free21)

      Sie sehen also alles völlig normal, denn:

      „Unsichtbar wird der Wahnsinn, wenn er genügend große Ausmaße angenommen hat.“
      (Bertold Brecht)

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