Tagesdosis 1.8.2017 – Gipfel der Diesel-Dinosaurier

Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

Morgen ist Diesel-Gipfel. Die Bundesregierung hat die Konzernchefs von VW, Daimler, BMW und Audi vorgeladen, um Wege aus der Krise zu besprechen, die schon jetzt als größter Kartell-Skandal der deutschen Industriegeschichte bezeichnet wird. Dass die Verbraucherschutz,- und Umweltverbände nicht geladen sind, denen es ja zu verdanken ist, dass der flächendeckende Großbetrug mit Dieselabgasen überhaupt aufflog, verspricht nichts Gutes.  Die im Autoland Deustchland  überaus enge Verquickung von Regierung und Industrie, Politik und Lobbyismus lässt erwarten, dass es bei diesem Gipfel weniger um die Interessen der Verbraucher und der Umwelt geht als um die der großen Konzerne – nicht um die Opfer von Stickoxiden und Feinstaub, sondern um die Täter.

Was haben diese getan? Sie haben eine Schlüsseltechnologie der Schlüsselindustrie, den Dieselmotor, aus niederen Beweggründen und kurzsichtigem Profitstreben weltweit auf die Anklagebank gebracht – auf die er eigentlich gar nicht gehört. Denn schon lange ist es den Ingenieuren gelungen, dem Diesel sein schädliches Abgas weitgehend abzugewöhnen. Doch die Herren von VW, Daimler & Co. haben das Gegenteil getan. Sie haben ihren Diesel-Pkw die optimale Senkung von Stickoxid-Emissionen verwehrt, sie haben sich abgesprochen nur Mini-Tanks für die “Ad Blue” genannte Reinigung mit Harnstoff einzubauen und die Motoren so einzustellen, dass sie mit dieser kleinen Menge bis zur nächsten Inspektion kommen. Um den Kunden dann für teures Geld  intervallmäßig billige “Pisse” nachfüllen zu können – und dafür bewusst in Kauf genommen, dass die so eingestellten Motoren die Umwelt weiter verpesten. So kam es dann, dass ein kleiner Mercedes Pkw-Motor ein Vielfaches an Stickoxiden ausspuckt wie ein schwerer LKW, der mit ausreichenden “Ad Blue” gereinigt wird.

Auch wenn die Sachlage dieser Kartell-Absprache noch nicht vollständig geklärt ist, liegt der Betrug auf der Hand. Doch ob die deutsche Regierung und die Gerichte dafür sorgen, dass der großmafiösen Betrügerbande namens “Autoindustrie” ähnliche Strafen aufgebrummt werden wie die kundenfreundlichen Gerichte in den USA  dies schon getan haben,  ist nicht zu erwarten. Dabei wäre ein reinigendes Gewitter, die Umstellung auf emissionsfreie Elektro-Motoren und die Abschaltung von Kohlekraftwerken, mehr als notwendig.

Mit betoniertem Beharren, wie es der stickstoff-grüne Präsident  Kretschmann demonstriert hat –  “Ja wo sollet die den tanken?” – wird die technologische Zukunft des Autoländles nicht gesichert, sondern ruiniert.  Der Staat Kalifornien hat dagegen gerade vorgemacht wie es geht und VW wegen 600.000 verkaufter Diesel-Pkw mit Schummelsoftware verdonnert: zum Bau von Ladestationen für Elektroautos im Wert von einer Milliarde Dollar. Nur so – und nicht nur mit ein paar veränderten Softwareeinstellungen an ihren Motoren oder Geldstrafen, die irgendwo im Staatshaushalt versickern – lässt sich der Umschwung auf einen umweltverträglichen Verkehr erreichen. Was aber unsere Regierung im Verbund mit der Autolobby vorhat scheint nichts anderes als der Versuch, ihre Dinosaurier-Technik noch bis ins nächste Jahrhundert zu retten….

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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18 Kommentare zu: “Tagesdosis 1.8.2017 – Gipfel der Diesel-Dinosaurier

  1. Hallo! Während wir hier die Diesel stigmatisieren, werden Millarden an Tonnen von Dreck vom Militär, der Industrie, der Raumfahrt, der Renterkreuzfahrtshipperei, der „Landwirtschaft“ und nicht zu vergessen unseren Schranzen in Berlin und Brüssel in die Welt geblasen. Wieder einmal Spalterei auf allerbilligstem Niveau dieser unsäglichen Debatten über Dreck und Dreck!
    Für die Fahrzeughersteller sollte davon unabhängig Schadensersatz für die Käufer gefordert werden. Den Schaden sollten ihnen dann die Politiker aus ihrem persönlichem Vermögen ausgleichen!

  2. Ich muss schon sagen:
    Wir -, von Diesel-Russ Geschwärzten -, sollten doch Verständnis aufbringen für die Politik. Sie ist in einer wirklichen Zwangslage.
    Denn sie musste nicht nur die Interessen des Kartells der Auto-Mobil-Industrie bedienen, sondern auch die Interessen des Kartells der Erdöl-Industrie.
    Dienen ist immerhin die Kernaufgabe der Politik als Dienstleister der Wirtschaft. Wer das nicht versteht, hat den Sozialstaat nicht verstanden, so unser Dob rindt.

    Es ist der Politik also ausgezeichnet gelungen, beide Kartell-Interessen miteinander zu verbinden.
    Dafür – ein besonders großes Lob an die gelungene Hinterzimmer-Politik.
    Seit 2000 wurde der Opel Zafira mit Brennstoffzelle für 2004 angekündigt. Ich finde ihn aber nirgends, so wie auch kaum Ladestationen für E-Mobile.
    Ob da wieder System hinter ist?
    Oje, nein ich bin keine Verschwörungstheoretikerin – das ist doch gängige Praxis.

  3. Ich kann gar nicht verstehen wo da ein Problem sein soll?

    Es wird Geldstrafen geben, es wird nachgerüstet, umgerüstet und ausgetauscht… Ist doch keine Problem!
    Der Steuerzahler stemmt solche Summen leicht, und die Politik organsiert das schon ganz genau so.

    Und jetzt bitte keine Klagen über die Politik die das macht, ja?
    Die ist nämlich nicht angebracht. Einfach die Ergebnisse der Wahl in ein paar Wochen abwarten und ihr werdet alle sehen, dass der Bürger/Wähler/Steuerzahler an all dem nichts auszusetzen findet!

    Gottfried Benn hat einmal geschrieben: „Dumm sein und Arbeit haben, das ist Glück.“

    Das waren noch Zeiten, als es Leute gab die die banelen Wahrheiten in so wenig Worten ausdrücken konnten.

    • Ja die Leute sind dumm. Dass weiss doch jeder. Alle sagen das immer. Die dummen sagen das auch immer. oder

    • Aber auch das geht nicht über kurze Zeit…Dem PKW-Besitzer wird ein bisschen Schweiß auf die Stirn getrieben, die Presse freut sich über den steigenden Umsatz, solch ein Test-Ballon wird gern von der Regierung gestartet!
      Denkt man einmal zurück…der Wahnsinn war schon einmal, als jedes neue Auto, welches mit dem Diese-Motor ausgerüstet war, vom Staat subventioniert wurde, dann kam der Katalysator , über den die Fachleute den Kopf schüttelten.
      Wenn der Diesel abgeschafft werden soll, dann nur um die Wirtschaft am Laufen zu halten, denn auch Deutschland geht bergab, die letzten Wehen werden immer schmerzvoller!!

    • Wenn „nachgerüstet, umgerüstet und ausgetauscht“ wird, bringt das auch wirtschaftlichen Wachstum. 🙂

  4. Umwelt, oder nur Gängelung, bzw Enteignung der PkW -Besitzer, denn wenn ein Flugzeug Madamchen durch die Welt fliegt, wird die Umwelt vollkommen nebensächlich..
    Nur so eine Frage?Was geschieht mit dem Bundes-Fuhrenpark?

  5. Nur mal sone Frage, Thema reframed (nein, ich habe keinen Aluhut, ich habe den durch ein Edelstahl-Salatsieb ersetzt):
    Wäre die Friedensfahrt (druschba punkt info) mit Elektroautos überhaupt möglich?
    Nein. Wer hätte also Interesse daran, Verbrennungsmotoren zu verbieten, und damit effektiv die Reisefreiheit einzuschränken? ;o)
    Ok, diese These hab ich neulich bei Infowars mitbekommen. Das interessante daran: Ich kann dem nicht widersprechen. Mit Elektroauto kannste die Gleichung Schattauer + Rothfuß + Auto = 8500km Russland nicht lösen.

    • Achtung – hier kommt ein Offtopic.
      The Real Game of Thrones – eine Heldengeschichte, die neben der Haupthandlung stattfindet. Böse Mächte, gedungende Söldner (NGO) und Helden.
      Lauren Southern at her best:

      Challenging Your „Masters“
      https://www.youtube.com/watch?v=H-CR4jRNlZI

      Die C-Star gurkt da irgendwie etwas orientierungslos erscheinend vor Kreta rum.. Immerhin hat sie ihren Transponder wieder eingeschaltet – wurde also noch nicht versenkt ;o)
      https://www.marinetraffic.com/en/ais/home/shipid:748241/zoom:10

  6. Die „Kundenfreundlichen Gerichte“ in den USA beteiligen sich doch nur am US-Wirtschaftskrieg gegen die deutsche Autoindustrie. Anstatt die Konzerne zu bestrafen, was letzlich der deutschen Wirtschaft schadet, sollte man an die Privatvermögen der verantwortlichen Vorstände und Manager gehen. Deren gehortete Vermögen per Strafe in den Staatshaushalt und von dort in den Wirtschaftskreislauf zu überführen wäre hingegen eine doppelt sinnvolle Maßnahme.

    Und richtig traurig ist, dass man mittlerweile schon froh sein kann, wenn unsere Regierungssimulation überhaupt die Interessen der deutschen Wirtschaft vertritt, und nicht die der US-Wirtschaft (siehe unsinnige Russland-Sanktionen).

    • Die Schuld sollten Gerichte beurteilen.

      Wenn ich im Vorstand eines Unternehmens bin, das Gesetze missachtet, das betrügt und täuscht, bin ich auch verantwortlich für das was im Laden läuft.
      Wofür bekämen sie denn sonst ein weit überhöhtes Gehalt?

      Matthias Müller (VW-Vorstand) zum Vorwurf zu Kartellabsprachen der Automobilindustrie: „Das müss ma aushalten. Wir sind ja Kummer gewohnt.“

      Der Mann scheint sich sehr sicher zu sein, das Ihm Keiner was kann.

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