Tagesdosis 1.8.2018 – Deutschland, willst du die Bombe?

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Herrlich, dieses Wochenende. Da gab es in Friesack ein Friedensfest, Pax Terra Musica. Drei Tage traf man sich dort und tauschte seine Gedanken mit anderen Friedensfreunden aus. Zusammen mit meiner Frau fuhren wir von Berlin aus dort hin. Am Samstag hielt ich dort einen Vortrag. Danach lauschte ich Morgains Musik und erfreute mich an dem wirklich guten Truth-Rapper Kilez More. Dann aßen wir vegane Burger, trafen noch weitere sehr interessante Leute und fuhren gegen 23.30 Uhr wieder nach Berlin, in unser Hotel. Am nächsten Morgen, noch völlig vom Pax Terra Musica-Friedensfestival gedanklich eingenommen, frühstückten wir. Dann holte ich meinen zweiten Kaffee und sah aus dem Augenwinkel eine Zeitung liegen. Ich vernahm die Worte „wir die Bombe“ und dachte, die Zeitung musst du dir ansehen. Ich schlug sie weiter auf und erschrak förmlich. Dort stand als Titelbild auf der ersten Seite: Brauchen wir die Bombe? Darunter in den Farben Schwarz Rot Gold war eine Atombombe abgebildet, genau wie sie in Hiroshima und Nagasaki zum Einsatz kamen. Die Welt am Sonntag ließ einen renommierten Politikwissenschaftler, Christian Hacke, einen vollkommen geschichtsvergessenen Artikel schreiben. Hackedicht könnte dieser Mann gewesen sein, als er die Idee dazu bekam.

Worum ging es im Artikel?

Kurzum, weil der US-Präsident Donald Trump nun seinen America-first-Spleen durchsetzt, kann Deutschland sich nicht mehr auf den Schutz des US-Militärs verlassen und muss nun selbst für seinen Schutz sorgen. Dafür aber benötigt Deutschland die Herstellung eigener Atombomben, um als Abschreckungsmacht seine Weltposition und seine Zukunft zu sichern. Welt am Sonntag schreibt, Zitat Anfang: Deutschlands Rolle als Feind Nummer eins des amerikanischen Präsidenten zwingt Deutschland zu radikalen Neuüberlegungen in seiner Sicherheitspolitik, Zitat Ende. Weiter heißt es dort an anderer Stelle, Zitat Anfang: Damit richtet sich der Blick auf den weißen Elefant im Raum, über den keiner in Deutschland sprechen möchte: Wie halten wir es mit einer potenziellen Atommacht Deutschland?, Zitat Ende.

Fragen wir uns einmal, worauf eine Atommacht ihre Macht überhaupt begründet, so ist die Antwort leicht zu fassen. Auf Kolonialismus, auf Rohstoffklau, auf den Anspruch, zu nehmen was einem nicht unmittelbar gehört, auf einen sehr großen Faustkeil. Fragen wir weiter, welche Nation oder Macht würde Deutschland in den nächsten Jahrzehnten überfallen wollen, es militärisch herausfordern, so ist die Antwort klar: niemand, keine. Was aber ist der Sinn einer Atommacht? Schauen wir einmal auf den Iran. Denn dieser wird ja permanent daran gehindert, eine Atommacht sein zu können. Dem Iran wird andauernd mit Krieg gedroht, weil er vielleicht eine Atombombe bauen könnte. Warum diese Angst vor dem Iran als Atommacht und warum diese Laissez faire-Haltung auf der ganzen Welt, wenn Deutschland nun über die Welt am Sonntag darüber den Stein ins Rollen bringt? Warum kein Aufschrei? Warum laufen die Medien nicht über dieses Thema heiß? Kein Brennpunkt, keine Diskussion, nichts in den Radio-Anstalten, gar nichts, und zwar überall.

Cui bono?

Deutschland spielt mit der Europäischen Union das Spiel des alten Europa im Schutzschild der USA, des Euro und der NATO. Würde Deutschland tatsächlich Nuklearmacht werden, dann würde dadurch auch das westliche Bündnis gestärkt. Und damit das Hegemonialgebiet der westlichen Politik. Die Trennung der deutschen Politik mittels freundschaftlicher Annäherung gen Osten bis nach China wäre dann ebenfalls Geschichte. Denn Deutschland als Nuklearmacht würde sein Atommachtpotenzial einerseits als Abschreckung gegen den Osten und China platzieren und gegen den Halbmond. Deutschlands Gesprächsführung in Richtung KSZE (Schlussakte von Helsinki), neu in Richtung OSZE wäre Geschichte. Denn eine Nuklearmacht stellt Forderungen, sie muss nicht klein beigeben und kann auf Friedensbemühungen verzichten. Oder kennt hier irgendwer irgendjemanden, der einen Porsche besitzt und nie schneller ist als 100 Km/h fährt? Man wächst ja schließlich mit seinen Aufgaben oder reizt aus, was man besitzt.

Völkerrechtlich hingegen wäre es ein Bruch, würde Deutschland zur Nuklearmacht aufsteigen und eigene deutsche Atombomben herstellen und stationieren. Zitat Anfang: Es wäre ein Bruch des nuklearen Nichtverbreitungsvertrages und des Zwei-plus Vier-Vertrages. Zudem würde dadurch die multilaterale Weltordnung beschädigt, Zitat Ende, meint FDP-Fraktionsvize, Alexander Graf von Lambsdorff.

Nach 1945 waren Nationalstaaten mächtiger als die meisten Konzerne. Das ist heute keineswegs der Fall. Konzerne sind mächtiger geworden als Staaten. Zocker an den Börsen sind mächtiger geworden als Staatenverbände. Der Irrsinn des Machbaren über das Kapital hat Grenzen längst gesprengt, von denen selbst ein Karl Marx keinerlei Schimmer hatte. Heute leben wir in Zeiten einer immer größer werdenden Ohnmacht von Staaten und auch deswegen von Alleingängen selbst mächtigster Staaten. Völker und deren Führer besitzen immer häufiger keine Macht mehr über ihre Staaten, denen sie vorstehen. Die Exekutiven westlicher Staaten haben längst große Teile der Medien übernommen. Multimilliardärs-Clans besitzen diese Welt und teilen sie unter sich in harten Kämpfen gegeneinander auf. Es warten schon die ersten Firmen auf weiteres Vermögen, um als erste die Wandlung von den Multimilliarden zu der ersten Billion zu knacken. Und es werden Informationsmärkte werden.

Das Informationszeitalter löst das industrielle Zeitalter ab und wir sind mitten drin. Und wer davon auf dieser Plattform gar keine oder nur wenige Kenntnisse besitzt, dem empfehle ich einmal ein kostenloses Probeabo bei Netflix einzugehen und sich die Serie Black Mirror anzuschauen, als Appetizer für mögliche Zukunftszenarien. Und in dieser werden Nuklearmächte nur Nuklearmächte bleiben, wenn es ihnen gelingt, absolut ausnahmslos über die digitale Welt ebenfalls zu verfügen. Dieser digitalen Welt in der nahen Zukunft werden Länder, Kontinente oder Bünde untergeordnet sein, da Großaktionäre und Spekulantenkartelle diese digitale Zukunft längst untereinander aufgeteilt haben. Nationen oder Unionen können dort als Bittsteller fungieren, nicht aber als Eigentümer oder Besitzer. Und nukleare Sprengköpfe unterliegen digitalen Zündern. Diese werden zwar ständig erneuert und überholt. Doch bilden längst Unternehmen Schlüsselpositionen solcher Codes und Programmierungen, deren Hard- und Software. Schlüsselpositionen erzeugen Dealer. Ab hier sollte jeder einmal selbst weiterdenken. Geheimdienste, organisierte Kriminalität, Verteidigungshaushalte, Großkonzerne und Informationsdienste werden sich den Staat als großen Kuchen einverleiben und bestimmen, was deren Völker und Präsidenten zu tun und zu lassen haben.

Hoffnung ist eine schlechte Strategie

In diese Welt will Deutschland also möglicherweise Nuklearmacht werden. In dieser Welt! Das macht den Unterschied zu den Atommächten aus, die es schon seit sehr langer Zeit sind. In einer Welt, die in der Zukunft von Biotechnologie, von Informationstechnologie und von Nanotechnologie beherrscht wird. In ihr werden Atombomben wie alte, nicht strategisch zu gebrauchende Dampfmaschinen aussehen. Nicht, dass sie nicht zur Abschreckung noch immer tauglich sind. Das sind sie sehr wohl. Aber der Krieg, also die Weiteranhäufung des Kapitals mit anderen Mitteln, wird auf einer ganz anderen, eher unscheinbaren Weise, geführt werden. Hacken und Umprogrammieren, das sind die Waffen der Zukunft. Denn wer Waffen besitzt, die auf Informationstechnologien aufbauen, der besitzt für seine Gegner allein dadurch ein trojanisches Pferd. So ist das heute.

Mit biologisch-chemischen winzig kleinen Nano-Bakterien-Erregern, die als Großereignis a la nine eleven eingesetzt werden könnten, könnten als Ereignisse stattfinden, die nicht dem anderen etwas androhen. Das ist old school aus heutiger Sicht. Sondern, Ereignisse, die einfach geschehen und dann eine globale (nicht bloß nationale!) Realität erzwingen. Kriege also, in denen der Faktor der Ohnmacht des Gegners eine wesentliche Rolle spielen wird. Atombomben hingegen nur denen dienen werden, die im ganz großen Spiel um die mächtigen Mittel ihre Positionen ausbalancieren können. Und diese mächtigen Mittel sind in Deutschland komplett unterentwickelt. Diese mächtigen Mittel der Lenkung der Welt sind heute in der Lebensmittel-, der Pharma-, der Biotech-, der Gentech- und der Big-Data-Industrie zu finden. Die militärischen Strategien zur Anwendung von Atombomben sind heute eher sekundärer Natur. Das war mal anders. Aber heute, das ist jetzt!

Braucht Deutschland also die Bombe? Die Frage wird bleiben und sie wird weiterhin in den kranken Hirnen deutscher Eliten schweben. Der Elefant ist aus dem Käfig. Und der Frieden kann ihn nicht mehr einfangen. Zu weit ist die Entfernung zwischen Sein und Haben, von der Erich Fromm schrieb, und zu überzählig sind wir derer, die die Welt einzig als Haben deuten können.

Wer setzt sich heute noch für mehr Engagement für Abrüstung und Rüstungskontrolle ein? All dies ist von der internationalen Agenda verschwunden. Und wer sich lautstark dafür einsetzt, der wird mit medialen Kugeln dauerhaft befeuert.

Der Frieden, einst die Hoffnung aller Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg, ist längst im Morast alter Gewohnheiten versandet, sodass wir sagen können: Hoffnung ist eine schlechte Strategie. Die Diskussion darüber, ob Deutschland nicht zur Atommacht hinabsinkt, ist also eröffnet. Und ich denke, das ist der Sinn des Textes des Politikwissenschaftlers Christian Hacke in der Welt am Sonntag. Und wird er überhaupt von der Masse wahrgenommen? Nein.

Psychologisch betrachtet ergibt sich folgendes Bild. Führung und Sicherheit sind in Deutschland seit Donald Trump nicht mehr da. Doch sollen diese nun von Nuklearsprengköpfen übernommen werden? Wenn das nicht der absolute Wahnsinn ist, was ist es dann?

Christian Hacke, ehemals Universitätsprofessor und einer der renommiertesten Politikwissenschaftler dieses Landes, schlägt dies nun vor. Ich will es höflich kritisieren: Gerald Hüther sagte in der Bildungsdoku Alphabet, von Erwin Wagenhofer, dass 98 Prozent von uns allen hochbegabt zur Welt kommen. Verlassen wir unseren Bildungsweg irgendwann nach einem Abschluss, so sind es nur noch 2 Prozent. Und jetzt denkt einmal darüber nach, von welchen Abschlüssen und welcher Bildungsdauer die Elite durchdrungen ist. Je länger der Bildungsweg, desto ganzheitlich schwach und weniger menschlich sinnig wird anscheinend der Mensch. Nur schwach Sinnige brauchen die Bombe, dessen Abwurf sich in den kommenden Tagen in Hiroshima und Nagasaki zum dreiundsiebzigsten Mal jährt. Ein Schelm der jetzt denkt, das die Welt am Sonntag ihren Artikel zeitlich sehr präzise, dennoch sehr schäbig und völlig taktlos gewählt hat. Deutschland braucht keine Atombombe. Was wir brauchen, das ist ein Zugang zu einem höheren Bewusstsein. Ganz besonders bei der Elite.

Quellen:

https://www.welt.de/politik/deutschland/plus180136274/Eine-Nuklearmacht-Deutschland-staerkt-die-Sicherheit-des-Westens.html

https://www.humanrights.ch/de/internationale-menschenrechte/europa/osze/helsinki/?gclid=CjwKCAjw7vraBRBbEiwA4WBOn4_wc5yi6cLISBAAB75QVVT9CVt4_RtZraANLRuRYPzxIIGrXCuSAxoCoSIQAvD_BwE

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10 Kommentare zu: “Tagesdosis 1.8.2018 – Deutschland, willst du die Bombe?

  1. Deutschland ist schon Besitzer von 20 Atomwaffen, aber nicht deren Eigentümer:

    Diese 20 US-Atom-Antiquitäten liegen seit 60 Jahren beim taktischen Luftwaffengeschwader 33 in Büchel in der Eifel und sollten bei Horst Lichter in der TV-Sendung BARES für RARES als der „Kracher“ verkauft werden. Danach wurde aber im Koalitionsvertrag festgehalten, dass sie in Büchel bleiben und modernisiert werden sollen. Die bisherige B-61-4-Bombe bekommt neue Fähigkeiten. Sie bekommt, jetzt als B-61-12, erstmals eine lenkbare Schwanzflosse, ihre Zielgenauigkeit verbessert sich von 100 auf nur noch 30 Meter. Ihre Sprengkraft ist regelbar: Von gewaltigen 50 Kilotonnen (das gut Dreieinhalb-fache der Hiroshima-Bombe) auf nur schmale 0,3 Kilotonnen – je nach Einsatz. Will heißen: Es können damit sehr große, aber auch sehr kleine Ziele angegriffen werden. Im Urteil der Kritiker steigt damit die Wahrscheinlichkeit und die Wirtschaftlichkeit für Militärs, dass sie auch eingesetzt werden könnte. Oder sie landet doch noch bei Horst Lichter? Unsere einzige Trägerwaffe ist eine deutsche Atombomber-Antiquität, der 45 Jahre alte Jagdbomber Tornado, wo schon viele Museen auf der Welt warten. Schon seit 1974 fliegt der TORNADO und es gibt bald keine Ersatzteile mehr. Deswegen muss er dann 2025 endgültig aus dem Verkehr gezogen werden. Keine TÜV-Plakette mehr möglich, für Flinten-Uschi´s rostenden Antik-Flieger.

    Welche Reichweite und welches Schadenausmaß haben Atombomben von 2018 ?

    Die Antwort auf die Frage gehört bald zur Allgemeinbildung und ist nicht nur für TRUMP oder Friedensaktivisten aktuell. Seit 1945 haben Militärs Kernwaffen ständig weiterentwickelt und an ihrer Sprengkraft gearbeitet. Generell unterscheiden Nuklear-Experten zwischen schwächeren taktischen Bomben und strategischen Waffen. Wenn eine leichte 10-Kilotonnen-Atombombe in einer »idealen« Luftdetonation zündet, also wenn der Feuerball die Erde nicht berührt, richtet sie vom Epizentrum aus in einem verhältnismäßig kleinen Radius von 1,6 Kilometern am Boden erhebliche Schäden an. Überlebenschancen sind äußerst gering. In einem Radius von weiteren 2,4 Kilometern verwüstet die Explosion durch die Druckwelle die Region nur mäßig. Logischerweise steigt der Zerstörungsradius mit der Sprengkraft der Bombe. Mathematisch errechnet sich das Ergebnis im Verhältnis zur Kubikwurzel aus der Sprengkraft. Wenn also eine 10-Megatonnen-Bombe explodiert, zerstört sie einen zehnmal so großen Umkreis, d. h. etwa 17,7 Kilometer. Militärs sprechen auch noch von einer normale Boden-, einer Unterwasser- und einer Untergrunddetonation.

    Wir gehen jetzt mal vom alten bekannten Wissen über die Druckwelle, Hitzewelle, Sofortstrahlung, radioaktiven Fall-Out, Langzeitwirkung weg und sprechen hier nur mal über die andere Wirkung, den Nuklearer elektromagnetischer Puls, kurz NEMP. Das ist eine Nebenwirkung einer Atombombe, welche erst seit Mitte/Ende der 60er Jahren bekannt geworden ist, als die ersten Halbleiter beim Militär eingesetzt worden sind und während der Atombombentests kaputt gingen.

    Dieser NEMP-Effekt hat eigentlich einen Atomkrieg bisher verhindert,
    und nur dieser Effekt:

    Zündet man in etwa 60 km Höhe im Weltraum eine Atombombe passiert nichts, es gibt keine Atmosphäre, daher gibt es auch keine Druck- oder Hitzewelle und die auf der Erde üblichen Wirkungen einer Atombombe. Der Elektromagnetische Puls (EMP), im Besonderen NEMP (Nuklearer elektro-magnetischer Puls), ist ein kurzzeitiges, sehr starkes elektromagnetisches Feld, welches auftritt, wenn Röntgen- oder Gammastrahlung mit Elektronen der Luftmoleküle wechselwirkt (Compton-Effekt). Somit besitzt der EMP Ähnlichkeit mit einem Blitzschlag was die Auswirkungen auf elektrische Leitungen betrifft, jedoch ist der Spannungsanstieg erheblich steiler als bei natürlichen Blitzen (Darum sprechen Blitzschutzsysteme aufgrund ihrer Trägheit nicht an).

    Dadurch kann ein ganzer Kontinent von den Auswirkungen betroffen sein:

    Alle elektrischen oder elektronischen Geräte und Anlagen mit langen Leitungen oder Antennen und empfindlichen Bauteilen wie Halbleitern und Kondensatoren werden durch den EMP geschädigt. Dazu gehören unter anderem die Stromversorgung (Freileitungsnetz), Telefonnetze, Haushaltsgeräte, Radio- und Fernsehsender. In der Schweiz schützte man seit 1985 alle öffentlichen Schutzräume und wichtige Einrichtungen, wie z.B. die Züricher Wasserversorgung gegen einen NEMP-Schlag.

    Washington und Berlin fürchten einen NEMP, einen elektrischen Alptraum,

    ausgelöst durch Nordkorea oder den IRAN. Einen klassischen Atombombenabwurf wie 1945, dass ein Riesen-Bomber in feindliches Gebiet eindringt und dann eine A-Bombe abwirft, daran glaubt wohl kein Militär mehr. Den kann man jetzt abschießen. Ebenso sind Einsätze der völlig veralteten Atomraketen im Sinne der Militärs nicht mehr zu erwarten. Mit seinen einfachen selbstgebauten Raketen kann KIM oder der IRAN aber in der Lage sein, mittels der Detonation einer A-Bombe in etwa 60km Höhe über den Weltraum der USA einen NEMP-Effekt in weiten Teilen der US-Staaten auszulösen. Das geht übrigens mit jeder Atombombe, welche im Weltraum ab 30km Höhe gezündet wird. Auf die USA und Europa wartet hier eine der größten Katastrophen in seiner Geschichte. Klingelnde Handys, Computer, kurzum die gesamte ungeschützte Elektronik wird durch diesen elektrischen Impuls aus dem Weltraum zerstört und sonst nichts, das ist das Gute. Der Mensch lebt ohne Schaden weiter, aber die Wirtschaft ist komplett ruiniert.

    Sogar die Computer in den Finanzämtern und beim BND sind dann weggeschmolzen. Flugzeuge, Luxuslimousinen und U-Bahnen bleiben stehen und das Fahrrad hat Hochkonjunktur. Es dauert Jahrzehnte die Schäden wieder zu reparieren. Das betroffene Land wird mit einem NEMP-Blitz-Schlag lautlos in die Steinzeit zurückgebombt.

    Die Stromversorgung liegt lahm. Kerzen werden nachts angezündet. Fernsehen und Rundfunk schweigen. Alte Schreibmaschinen werden von KEN aus dem Keller gewuchtet und es werden wieder Briefe wie früher geschrieben. In Teheran, Washington, Tel Aviv und in Berlin gehen alle Lichter aus. Merkel und Trump kommunizieren wieder über Brieftauben. Die Elektronik meiner Heizung fällt ebenso aus, wie die meiner Klimaanlage und meine Eiswürfelmaschine ginge auch nicht mehr. Was mich jetzt sehr treffen würde.

    Aber diese unheimliche Ruhe, die wir dann wieder im Land hätten, die müsste wunderbar sein.

  2. Natürlich ist es unter den gegebenen Umständen (u.a. Verbleib in der NATO und im bestehenden unregulierten globalen Finanzmarkt) absolut widersinnig, die atomare Bewaffnung Deutschlands zu fordern.

    Aber: Ist eine Atombombe denn nicht – noch immer – die einzige wirksame Lebensversicherung gegen einen Vernichtungskrieg durch skrupellose Feinde, allen voran natürlich die NATO? Das dürfte hier jetzt nichts wirklich Neues sein.

    Daher ist meine Einschätzung folgende, auch wenn ich dafür sicher viele Prügel beziehen werde hier: Eine öko-sozialistische Revolution wäre meiner Meinung nach unsere einzige Hoffnung auf ein menschenwürdiges Überleben. Und dies wäre nach Lage der Dinge (leider) überhaupt nur vorstellbar, wenn man über die Atombombe verfügt. Ansonsten würde die Revolution sofort plattgemacht von der NATO – koste es, was es wolle. Daher wiederum denke ich, dass das für Deutschland nur – zugegebenermaßen mit extremst geringer Wahrscheinlichkeit – zu erreichen wäre, wenn die Revolution auch in Frankreich als benachbarter Atommacht gelingt.

    War das alles zu weit her geholt? Oder ist es nur moralisch zu verdammen?

  3. Seit dieser Idiot im ARD oder ZDF d vor ca. einem Jahr davon schwafelte, dass ein Krieg im Osten denkbar wäre (Beschwerde geschrieben-nie Antwort erhalten), frage ich mich warum wir diese Verrückten uns wie Pappkameraden über deren Sandkästen schubsen lassen! Allein der Gedanke, dass wir die Bombe bräuchten zeigt doch wie krank dieser Haufen ist, der sich Regierung nennt. Dem Gekläffe der Regierungspresse darf man hier keinen handbreit Boden überlassen. Die sind alle verrückt. Und wir sind bekloppt, uns das bieten zu lassen. Abos weg, ARD und ZDF weg, Wahlboykott und Generalstreik!

  4. An die Nachgeborenen

    Bertolt Brecht (1934-38)

    I
    Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
    Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
    Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
    Hat die furchtbare Nachricht
    Nur noch nicht empfangen.

    Was sind das für Zeiten, wo
    Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
    Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
    Der dort ruhig über die Straße geht
    Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
    Die in Not sind?

    Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
    Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
    Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.
    Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren.)

    Man sagt mir: iss und trink du! Sei froh, dass du hast!
    Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
    Ich dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
    Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
    Und doch esse und trinke ich.

    Ich wäre gerne auch weise.

    In den alten Büchern steht, was weise ist:
    Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
    Ohne Furcht verbringen.
    Auch ohne Gewalt auskommen,
    Böses mit Gutem vergelten
    Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen,
    Gilt für weise.
    Alles das kann ich nicht:
    Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!

    II
    In die Städte kam ich zur Zeit der Unordnung
    Als da Hunger herrschte.
    Unter die Menschen kam ich zur Zeit des Aufruhrs
    Und ich empörte mich mit ihnen.
    So verging meine Zeit,
    Die auf Erden mir gegeben war.

    Mein Essen aß ich zwischen den Schlachten.
    Schlafen legte ich mich unter die Mörder.
    Der Liebe pflegte ich achtlos
    Und die Natur sah ich ohne Geduld.
    So verging meine Zeit,
    Die auf Erden mir gegeben war.

    Die Straßen führten in den Sumpf zu meiner Zeit.
    Die Sprache verriet mich dem Schlächter.
    Ich vermochte nur wenig. Aber die Herrschenden
    Saßen ohne mich sicherer, das hoffte ich.
    So verging meine Zeit,
    Die auf Erden mir gegeben war.

    Die Kräfte waren gering. Das Ziel
    Lag in großer Ferne
    Es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich
    Kaum zu erreichen.
    So verging meine Zeit,
    Die auf Erden mir gegeben war.

    III
    Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
    In der wir untergegangen sind
    Gedenkt
    Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht
    Auch der finsteren Zeit
    Der ihr entronnen seid.

    Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd
    Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
    Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.
    Dabei wissen wir doch:
    Auch der Hass gegen die Niedrigkeit
    verzerrt die Züge.
    Auch der Zorn über das Unrecht
    Macht die Stimme heiser. Ach, wir
    Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
    Konnten selber nicht freundlich sein.

    Ihr aber, wenn es so weit sein wird
    Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
    Gedenkt unserer
    Mit Nachsicht.

    • Herzlichen Dank! Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dieses großartige Gedicht von Brecht noch gar nicht kannte! Was für ein Wundermensch, dieser Brecht! Das denke ich jedesmal, wenn ich etwas von ihm lese. Ich kenne keinen politischen Dichter, der so direkt ins Herz der Dinge trifft.
      Er schrieb aber auch das kürzeste und schönste Liebesgedicht, das ich kenne:
      „SCHWÄCHEN: Du hattest keine – ich hatte eine: Ich liebte“.

    • Es passt ja genauso auf unsere Zeit, bis auf eine „Kleinigkeit“: Brecht war sich noch sicher, dass es Nachkommen geben wird. Heute ist das gesamte empfindsame Leben bedroht.

    • Gerne. 🙂
      Nachkommen wird es immer geben!
      Brecht spricht hier -aus meiner Sicht – wohl auch eher von einem Ideal des „aufgeklärten“ Menschen, der („weise. . .“) sein Leben selbst bestimmt und in kooperativer Gemeinschaft lebt (sag ich jetzt mal so . .).

      . . und selbstverständlich nach wie vor erstrebenswert!, oder . .

      Die „Regierenden und Mächtigen“ wollen aber keine aufgeklärten Menschen, weil diese für sie die größte Bedrohung darstellen und das ist heute „leider“ immer noch genauso, wie schon zu vergangenen Zeiten

    • Ich erlebe dieses großartige Gedicht anders. Hier drückt jemand – Brecht selbst- seine innerste Not und seine innerste Sehnsucht aus.

    • okay,
      da habe ich mich vielleicht nicht so ganz deutlich ausgedrückt. Ich meinte, dass er mit den „Nachkommen“ wohl das Ideal des aufgeklärten Menschen meint.
      . .ansonsten sehe ich es ähnlich, dass da jemand von seiner inneren Not und Sehnsucht spricht .. .
      Gruß 🙂

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