Tagesdosis 10.05.2018 – Summ, summ, summ. US2018/0065749 flieg herum (Podcast)

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Was erlauben Lenz? Bei dieser weltpolitischen Lage, solch’ triviale Gedanken bei der gestrigen Tagesdosis. Über die Vorzüge des kleinstädtischen Daseins schwadronieren. Eine digitale Auszeit nehmen und schlicht der Natur lauschen. Groteske Gedanken für manch Hörer und Leser.

Die Natur rückt meist nur dann in den Fokus der Massen, sollte sie bedroht, schlimmstenfalls endgültig zerstört sein. Der Mensch treibt Schindluder mit dem, was so wichtig ist für ihn. Lebenswichtig. Anstatt dem Raubbau, der Zerstörung entgegen zu wirken, bedient er sich bei den unerschöpflichen Möglichkeiten und entreißt ihnen, den Pflanzen und Tieren, ihre individuelle Genialität. Die Natur kennt kein Copyright, kein Patentrecht. Man arrangiert sich untereinander. Der Mensch, in seiner unhöflichen Art, bedient sich. Er klaut, er raubt, er kopiert.

Die US Einzelhandelskette Walmart und der Internetgigant Amazon bekriegen sich im Kampf um Milliardenumsätze. Beide haben nun die Lebensmittelbranche im Visier. Störend, die notwendige Rücksichtnahme auf die Natur. Vermeintlich innovative Ideen dienen nur dem einzigen Ziel. Gewinnmaximierung. Walmart plant voraus.

Seit knapp zehn Jahren erkennt die Wissenschaft ein globales Massensterben von Bienen. Worin liegen die Gründe? An erster Stelle sicherlich die weltweite Nutzung von Pestiziden. Es ist aber die Mischung, die diesen wichtigen Tieren den Lebensraum nimmt. Schon 2011 war bekannt: Die Kombination von eingeschleppten Parasiten, neue Pestizide, zerstörte Lebensräume und der Klimawandel – sie alle stehen im Verdacht, dem Leben der Honigbienen ein vorzeitiges Ende zu bereiten. In den vergangenen Jahren ist die Bienenpopulation in Europa um zehn bis 30 Prozent zurückgegangen, in den USA um 30 Prozent und im Nahen Osten sogar um 85 Prozent.Demnach haben nicht nur Nordamerika und Europa mit einem mitunter massiven Bienensterben zu kämpfen, auch in Ägypten, Japan und China melden Imker teils hohe Verluste.(1)

Nur langsam reagiert die Politik. Ende April kam etwas Sonne in das Dasein der verbliebenen Bienen: Die EU-Staaten haben einem Freilandverbot für drei bienenschädliche Insektengifte zugestimmt. In dem zuständigen EU-Ausschuss in Brüssel sprach sich eine Mehrheit der 28 Mitgliedstaaten für den Vorschlag der Kommission aus, den Einsatz von sogenannten Neonikotinoiden auf Äckern zu verbieten und auf Gewächshäuser zu beschränken.(2)

Die Wissenschaft bestätigte schon 2016 die Hauptschuldlast: Britische Forscher erhärten den Pestizidverdacht mit einer Studie, die in der Zeitschrift „Nature“ erschien. Ein Team vom Centre for Ecology and Hydrology im britischen Oxfordshire analysierte Zahlen zum Vorkommen vieler Wildbienenarten aus der Zeit zwischen 1994 und 2011. 2002 begannen Bauern in Großbritannien, Raps mit Neonikotinoiden zu behandeln, das dortige Hauptanwendungsgebiet. Exakt ab diesem Zeitpunkt schwanden die Wildbienenarten um 13 Prozent. Bei einigen Spezies sank der Bestand gar um ein knappes Drittel.(3)

Rein profitorientierte Unternehmen möchten aber nicht Rücksicht nehmen müssen. Walmart hat nun aktuell ein Patent in den USA angemeldet, mit oben genannter Nummer(4). Entwickelt wurde – die Bienen Drone. Völlig neu ist die Idee nicht. Schon 2011 entwickelten japanische Forscher ähnliche Modelle (5). Diese neuen pollination drones haben es aber in sich. RoboBee, so der Projektname, ist die multifunktionale Superbiene. Der Robocop der Zukunft auf allen Blumenwiesen und Feldern. Geplant sind unterschiedliche Modelle, mit jeweiligen Aufgabenfeldern. Die RoboBee kann nicht nur künstlich bestäuben, nein sie kann zudem Schädlinge lokalisieren und zerstören. Sie kann generell über Sensoren und Kameras erkennen und zuordnen (6).

Es stellen sich wiedermal Fragen. Dient diese künstliche Naturforschung alleinig dem Wohle der Menschheit? Dient sie alleine der Unterstützung, der von Menschen zerstörten Natur? Wer profitiert wirklich von diesen Visionen? Die Englischsprachige Seite Science Alert informiert: Today, the RoboBees can also stick to surfaces, swim underwater and dive in and out of water(6).

Geht es vielleicht gar nicht mehr nur um Blütenstaub und Honig, sondern auch um den militärisch-industriellen Komplex? Stichwort Slaughterbots. Schauen sie sich das verlinkte Video an (7). Danach empfehle ich ihnen einen reinigenden langen Spaziergang durch den Wald. Sie können gerne auch mal laut schreien. Die Enttäuschung, den Frust schön rausbrüllen, oder umarmen sie einfach mal einen Baum. Schönes Gefühl.

Quellen:

(1)  –http://www.sueddeutsche.de/wissen/geheimnisvolles-bienensterben-der-leise-tod-1.1072108

(2) –http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/bienensterben-eu-verbietet-drei-neonikotinoide-im-freiland-a-1205077.html

(3) – https://www.heise.de/tr/artikel/Bedrohte-Bienen-3317984.html

(4) –https://pitiptechblog.com/2018/03/17/walmart-uspto-application-for-drone-pollinators-published/

(5) –https://www.heise.de/tr/artikel/Drohne-statt-Biene-3622508.html

(6) –https://www.sciencealert.com/walmart-has-filed-a-patent-for-robot-bees-pollination-drones

(7) –https://www.youtube.com/watch?time_continue=4&v=9CO6M2HsoIA

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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