Tagesdosis 12.1.2018 – US-gesteuerte Proteste im Iran

Über Propaganda, instrumentalisierte Proteste und eine Blaupause für den „Regime Change“.

Ein Kommentar von Jens Bernert.

Die meisten Bilder in den deutschen Medien zu den Protesten und Demonstrationen im Iran stammen von der Extremistengruppe MEK, wie sich alleine schon aus vielen Quellenangaben der Fotos und Videos ersehen lässt. Die MEK strebt ganz offiziell den gewaltsamen Sturz der aktuellen Regierung Irans an. Sie wurde lange Jahre selbst von den USA und der EU als Terrorgruppe geführt, doch das hat sich schon seit Längerem geändert und der offizielle Umgang des Westens mit den Terroristen hat sich ins Gegenteil gewandelt.

Nach Angaben der israelischen Tageszeitung „Haaretz“ vom Februar 2012 soll die MEK — auch als Volksmodschahedin, People’s Mojahedin Organization of Iran oder Mojahedin-e Khalq bekannt — gemeinsam mit dem israelischen Geheimdienst an dem Programm zur Ermordung iranischer, auf Atomforschung spezialisierter Wissenschaftler mitgewirkt haben. Ein anderer Haaretz-Bericht vom April 2012 spricht von US-amerikanischem und israelischem Training der Volksmodschahedin gegen die iranische Regierung.

Während des gesammten Jahres 2017 erhielt die MEK immer wieder Besuch von US-amerikanischen Offiziellen. US-Senator John McCain, Chairman of the Senate Armed Services Committee, traf sich beispielsweise im April 2017 mit der MEK-Führungsspitze in deren Exil in Albanien, wie die englischsprachige albanische Zeitung „exit“ berichtet: „Senator McCain Meets MEK in Albania“. Ausserdem trafen sich unter anderem im August 2017 die US-Senatoren John Cornyn (R-TX), Roy Blunt (R-MO), Thom Tillis (R-NC) mit MEK-Chefin Maryam Rajavi: „US Senators Meet MEK Leader in Tirana“.

Zu den Protesten im Iran um den Jahreswechsel 2017/2018 kamen in den Medien im wesentlichen drei Kategorien von Bildern vor: Falschbilder, Bilder mit Quellenangabe „MEK“ und Bilder unbekannter Herkunft. Letztere, darunter die Bilder „Wütender Mann“ und „Halbvermummte Frau im Tränengas“, wurden meist mit der Quellenangabe „AP/unbekannt“ versehen. Die Falschbilder und Fehlinformationen gab es beispielsweise bei ARD und ZDF, aber auch bei FAZ, Spiegel, BILD-Politikchef Julian Reichelt, Human-Rights-Watch-Chef Kenneth Roth sowie dem von Iran-Erzfeind Saudi-Arabien finanzierten Gulf Institute aus Washington, USA.

Behalten wir die Sache mit den MEK-Bildern im Hinterkopf und schauen uns den folgenden Gedanken zu den Ausschreitungen aus Peds Ansichten an, beginnend mit einem Zitat aus einer Tagesschau-Meldung zu dem Iran-Thema:

„’Die Proteste im Iran haben weitere Todesopfer gefordert: In der vergangenen Nacht kamen bei den gewaltsamen, landesweiten Unruhen weitere neun Menschen ums Leben, wie das staatliche Fernsehen berichtete. Sechs Demonstranten seien getötet worden, als sie in der Provinz Isfahan rund 350 Kilometer von Teheran entfernt eine Polizeistation attackierten’.

Das sind reichlich Informationen! ‚Proteste‘ ganz am Anfang ist Propaganda, denn die Proteste haben eben KEINE Todesopfer gefordert. Und es waren sicher nicht Unruhen, durch die gewissermaßen, im allgemeinen Aufruhr, Menschen versehentlich getötet wurden. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen fanden nachts statt, eine sehr gute Tarnung für die Täter. Sechs der Toten griffen vor ihrem Ableben eine Polizeistation an. Die Unruhen wurden außerdem landesweit gemeldet. Spontane landesweite nächtliche Gewalt im Iran; wenn ich das höre, werde ich stutzig.“

In der Tat werden hier Parallelen zu beispielsweise den Ereignissen in Syrien im Frühjahr 2011 deutlich, wie sie die schwedische Archäologieprofessorin Eva Myrdal, die vor Ort war, schilderte:

Wer ist es also, der Polizisten und Soldaten erschießt? Bekannte aus Baniyas sagen über Telefon über das, was in der kleinen Industriestadt an der Küste passiert: ‚Wir wissen nicht, wer sie sind. Die kommen auf Motorrädern hierher und sind schwarz maskiert‘“.

Mit der MEK gibt es auch im Iran – die MEK hat ja die Bilder aus dem Iran geliefert, wie uns die deutschen Medien unaufdringlich in den Quellenangaben mitteilen – solche Kämpfer, die mutmaßlich für Angriffe auf Sicherheitsbehörden verantwortlich sind, möglicherweise auch unter Ausnutzung von Demonstrationen zur wirtschaftlichen Lage. Bezüglich Syrien hat sich schon längst herausgestellt, dass die extremistischen Kämpfer dort von USA, Saudis und Cco. eingesetzt wurden. Die MEK-USA-Connection lässt sich nicht bestreiten.

Interessant ist es auch, die Reaktion der Politik und Medienberichterstattung auf die Ereignisse im Iran mit den im Prinzip gleichzeitig stattfindendern Demonstrationen im Kongo zu vergleichen. Die taz schreibt zu den Protesten im Kongo:

„Die EU hat am Mittwoch den Familien der Opfer der Gewalt gegen friedliche Demonstranten in der Demokratischen Republik Kongo ihr Beileid ausgesprochen. Eine explizite Verurteilung oder Drohung mit neuen Sanktionen enthält die Erklärung nicht – und wie EU-Diplomaten in Brüssel bestätigen, wäre sie um ein Haar gar nicht erfolgt. Frankreich und Spanien verhinderten am 2. Januar einen kritischeren Entwurf, nachdem am 31. Dezember in Kinshasa und Kananga mindestens elf Menschen bei der Niederschlagung von Protesten der katholischen Kirche gegen Kongos Präsident Joseph Kabila getötet worden waren.“

Die USA riefen mit der Begründung der Proteste im Iran den UN-Sicherheitsrat an und forderten Maßnahmen im Namen der Menschenrechte der Iraner gegen den Iran. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass wenige Wochen zuvor ein Memo der US-Regierung geleakt und vom US-Magazin Politico veröffentlicht wurde, in dem als Handlungsanweisung für den US-Außenminister beschrieben wurde, wie man Menschenrechte einsetzen soll. Nämlich zum einen möglichst gar nicht, zum anderen als Waffe:

Die Verbündeten (wie Saudi-Arabien oder Kongo) werden geschont, die Gegner mit Hilfe von Menschenrechtspropaganda sturmreif geschossen. Als Gegner wurde dabei wenig überraschend auch der Iran genannt.

Dieser Beitrag erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse„.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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12 Kommentare zu: “Tagesdosis 12.1.2018 – US-gesteuerte Proteste im Iran

  1. Anbei ein Bsp. für selektive Wahrnehmung und blanken Opportunismus, dem man bisweilen auf die Sprünge hilft:

    Doppelmoral: Wenig Aufmerksamkeit in westlichen Medien für Massen-Proteste in Tunesien

    Am 10.01.2018 veröffentlicht

    Die Demonstrationen im Iran sind medial schnell zu einem globalen Ereignis geworden. Und nicht nur die Presse, auch internationale Spitzenpolitiker hatten es eilig, den iranischen Demonstranten ihre Solidarität auszudrücken.
    Ganz anders in Tunesien. Auch dort protestieren die Menschen wegen der wirtschaftlichen Verhältnisse gegen die Regierung. Jedoch halten Die Proteste in Tunesien begannen fast zeitgleich mit denen im Iran. Auch in Tunesien treibt die schlechte wirtschaftliche Lage die Menschen auf die Straßen. Aber das vom Westen gelobte Tunesien findet wenig Beachtung in den Medien, der Fokus liegt auf dem Iran.
    Die Demonstrationen im Iran sind medial schnell zu einem globalen Ereignis geworden. Und nicht nur die Presse, auch internationale Spitzenpolitiker hatten es eilig, den iranischen Demonstranten ihre Solidarität auszudrücken.
    Ganz anders in Tunesien. Auch dort protestieren die Menschen wegen der wirtschaftlichen Verhältnisse gegen die Regierung. Jedoch halten sich Politik und Medien in diesem Falle merklich zurück. Der Unterschied zum Iran? Tunesien gilt nicht als Feind des Westens und steht der US-Außenpolitik nicht im Wege. Die Solidarität mit den Demonstranten verfolgt vor allem politische Ziele.
    https://www.youtube.com/watch?v=G_lxE-25274&feature=youtu.be

    Anderer Ort, aber ebenso selektiv und hier in aller Kürze trefflich hinterfragt:

    Donnerstag, 11. Januar 2018, 18:52 Uhr
    ~4 Minuten Lesezeit
    Reise nach Jerusalem
    Der US-Präsident Trump hat zum Jahresende 2017 beschlossen, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft dorthin zu verlegen.
    von Wolf Wetzel

    (…)
    Dazu führt ergänzend der „Bibelatlas“ aus:

    „Vor dem Auftreten Israels: Vorderasien unter dem Einfluss Ägyptens (…) In Palästina ging es turbulent zu; kanaanäische Fürsten (…) erbitten verschiedentlich den Schutz Ägyptens. (…) Ägyptische Beamte hatten entscheidenden Anteil an Vorgängen in den kanaanäischen Stadtstaaten und führten dabei oft unmittelbar Befehle des Pharao aus.“ (4)

    Damit lägen wir deutlich vor den 3.000 Jahren, die Jerusalem als Hauptstadt des jüdischen Volkes ausweisen.

    Wer hat also wirklich den ersten Stein für das heutige Jerusalem gelegt?

    Lassen wir einmal den Staub der Geschichte zur Ruhe kommen und nehmen die historische Prämisse des israelischen und US-amerikanischen Präsidenten zum Ausgangspunkt.
    (…)
    Fangen wir mit den USA an.

    Sicherlich unbestritten waren die Bleichgesichter nicht zuerst auf diesem Kontinent. Wäre es folglich nicht höchste Zeit, dass die Ureinwohner Amerikas ihre Ansprüche geltend machen und wir ihnen freie Wahl dabei lassen, welche Stadt sie heute zu ihrer Hauptstadt machen werden?
    https://www.rubikon.news/artikel/reise-nach-jerusalem

    • Jedenfalls geht es der iranischen Bevölkerung nicht gut. Vor einiger Zeit hab ich mal gelesen, dass die Suicidrate dort die höchste der Welt sein soll. Die religiösen Führer sollten schnellstmöglichst Gesprächsbereitschaft und Veränderungsbereitschaft signalisieren, damit die U-Boote der feindlichen Eroberungsmächte keine Chance zum Aufwiegeln mehr bekommen. Aber so klug müssten sie ja eigentlich sein. Sie sitzen ja auch selber mit im Boot.
      Ich drücke die Daumen und bete für dieses starke, so schwer leidgeprüfte Volk! Es tut mir wirklich sehr leid!
      Und auch, wenn ich daran denke, was da an noch gesunder, urwüchsiger Natur jetzt wieder bedroht ist, verseucht und vernichtet zu werden!

  2. Klar, dass die Proteste im „Mullah-Regime“ wegen steigender Eierpreise und einer 12 Prozentigen Arbeitslosigkeit bzw. 29 Prozentigen Jugendarbeitslosigkeit – bedingt durch erfolgreiche Jahrzehntelange Iran-Sanktionen – von unserem „Christen-Regime“ für gut befunden wurden.
    Was werden wohl in Berlin für Jubelstürme losbrechen, wenn die 50 Prozent Jugendarbeitslosen in Griechenland, Italien, Spanien demnächst wegen steigender Briefmarken-Preise bewaffnet Polizeistationen attackieren?
    An der Rewe-Kasse wird bei uns sogar 2 x abkassiert. Wegen der Russlandsanktionen wurden die Landwirte vom Steuerzahler bereits entschädigt und an der Ladentheke wird die bereits bezahlte Ware dann noch mal bezahlt.

    Nur wer hat den Mut wie die US-finanzierten MEK-Iraner, sich bewaffnet aufs Motorrad zu setzen und Polizeistationen wegen steigender Eierpreisen zu stürmen ?
    Wer riskiert denn sein Leben für Eier, die doch eh Sondermüll sind ?
    Mein Tipp, ihr hab zu viel US-Drogen geraucht.
    https://www.focus.de/gesundheit/news/kolumbianische-droge-im-umlauf-devil-s-breath-strassenbanden-verwandeln-opfer-in-willenlose-zombies_id_4922440.html

    • Natürlich . und das ist nur in einem System des bedingtnen Tausches klar. in einer Welt, in der gegeben wird, und zwar BEDINGUNGSLOS; in einer Welt in der angenommen werden kann – und zwar BEDINGUNGSLOS. In so einer Welt gibt es keinen Grund für Krieg. denn jeder, der es darauf anglegt, NICHTS zu tun ist nicht in der Lage zu überleben. Nur der, der gibt, wird in der Lage sein, ein glückliches Leben zu führen. Ohne Glück verrecken die Menschen.

    • übrigens: ein Unterschied zwischen geben und nehmen ist in meinen Augen nicht vorhanden. geben macht glücklich; nehmen kann auch glücklich machen. (Punkt)

    • Na gut, ich gebe dir eine Ohrfeige und bin glücklich. Und Du bist glücklich, weil sienicht so dolle war, das dir die Zähne ausfielen.

      Du hast natürlich Recht, Geben und Nehmen macht gleichermaßen glücklich. Das glücksauslösende Geheimnis ist Freiwilligkeit. Wenn beides frei-willig geschieht, sind auch alle Beteiligten glücklich. Weil freie Menschen eben generell ob der Freiheit glücklich sind.

  3. Herzlichen Dank für Eure Mitarbeit an der SEHR zeitnahen Aufklärung der US-Machenschaften – ich denke, dass die aktuellen Aufklärungen hierüber der einzige wirkungsvolle Weg ist, den imperialen Brandstiftern wirkungsvoll das Handwerk zu legen, denn je schneller immer mehr Menschen über die immer gleichen Strickmuster des US-Regimes bezüglich eines geplanten bzw. durchgeführten Regierungs-Putsch informiert sind, umso weniger greifen die international benutzten Werkzeuge hierfür.
    Mittlerweile kosten mich solche „Nachrichten“ in unseren sogenannten Qualitätsmedien nur noch ein müdes Lächeln.

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