Tagesdosis 12.10.2017 – Wut-Rap (Podcast)

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Parlamentswahlen spielen offenkundig in kapitalistischen Demokratien für alle grundlegenden politischen Entscheidungen keine Rolle mehr. Die großen politischen Entscheidungen werden zunehmend von Instanzen und Akteuren bestimmt, die nicht der Kontrolle der Wähler unterliegen. Während also die Hülse einer repräsentativen Demokratie weitgehend formal intakt erscheint, wurde sie ihres demokratischen Kerns nahezu vollständig beraubt. Demokratie birgt also für die eigentlichen Zentren der Macht keine Risiken mehr[1].

So brachte es Rainer Mausfeld, in einem Beitrag für das Buch „Fassadendemokratie und Tiefer Staat“[2], wieder mal wunderbar kurz und knapp auf den Punkt.

Jeden Tag fühlen viele Menschen diese Wut. Diese Ohnmacht gegenüber den Verhältnissen, den Zeiten in denen wir momentan leben. Manch Bürger schüttelt resigniert den Kopf, andere möchten am Liebsten ihre Verachtung rausbrüllen. Die Verachtung gegenüber den ausführenden Kräften, dieser Zentren der Macht. Den Politikern.

Der kleine Bürger kann sich nicht wirklich bemerkbar machen. Wer sollte dies schon mitbekommen, bzw. interessieren. Anders schaut es da bei Künstlern aus, die aufgrund ihres Bekanntheitsgrades eine breitere Öffentlichkeit erreichen. Man hört momentan sehr wenig von den Künstlern. In Europa, in den USA. Nach der Amtseinführung von Donald Trump, schwadronierte die US Künstler Szene von einer neuen musikalischen Protestbewegung, in der Tradition von Pete Seeger, oder Joan Baez. Haben sie schon etwas vernommen?

Nun ist einem US Künstler die berühmte Hutschnur geplatzt. Rap, oder Hiphop ist nicht jedermanns Sache. Geschmackssache. Wie in allen Musikrichtungen, gibt es hier triviale, aber sehr wohl auch politische Veröffentlichungen. Der US Künstler Eminem hat nun in einem knapp 5 minütigen Video, seine Wut, seine Verachtung gegenüber seinem Präsidenten verbal ausgespuckt[3]. Er kritisiert Trumps restriktive und wahllose Einwanderungspolitik, Korruption, sein Rassismus, den Umgang mit NFL-Spielern, die Waffenlobby und Umweltkatastrophen, nichts wird ausgelassen.

Im HipHop nennt man diese Darstellung, einen sog. Freestyle Rap. Beim Freestyle werden die Reimtexte direkt ausgedacht, also frei improvisiert. Ein besonderes Merkmal ist, dass jeder Freestyle einmalig ist, da die Texte nicht aufgeschrieben werden. Eminem macht den Rundumschlag gegen Trumps bisherige Regierungszeit.

Nein, das ist jetzt wahrlich nicht die große Politik, aber es ist ein wütendes Statement. Vielleicht spricht, bzw. rapt ihnen der Künstler ja aus der Seele. Vielleicht animiert Eminem hiesige Künstler, mal ein klares Wort zu formulieren. Es sind schlicht 4.34 Minuten geäußerte Wut und Verachtung. Bis dato, schweigt das weiße Haus. Bis jetzt noch keine Twitter Antwort von Trump. Ungewöhnlich, aber anscheinend hat Eminem Mr. Spontaneous Trump, für einen Moment sprachlos gemacht. Immerhin.

Quellen

[1] – https://www.rubikon.news/artikel/die-wahrheit-uber-die-demokratie

[2] – https://kenfm.de/glossary/f/

[3] – https://www.youtube.com/watch?time_continue=10&v=LunHybOKIjU

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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