Tagesdosis 12.8.2019 – Taumelndes Finanzsystem: Die Manipulation zeigt Folgen

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

Betrachtet man die Entwicklung der globalen Finanzmärkte in den vergangenen zehn Jahren aus der Sicht der Mainstream-Medien, so könnte man meinen, die Welt sei in bester Ordnung. Die Zahlen und Fakten, mit denen sie ihre Einschätzung belegen, scheinen ihnen sogar Recht zu geben:

Seit der Krise von 2007/08 hat die Welt den längsten Börsenboom aller Zeiten erlebt, die Beschäftigungszahlen sind hoch, die Inflation ist niedrig und der Konsum ganz offenbar ungebrochen.

Trotzdem mehren sich zurzeit die Anzeichen, dass es im System brodelt. Daher lohnt es sich, die Angaben der Mainstream-Medien zu hinterfragen. Wer das tut, wird sich wundern, denn bei näherem Hinsehen erscheinen sie in einem ganz anderen Licht – und lassen vor allem nichts Gutes für die Zukunft erwarten.

So handelt es sich beim längsten Börsenboom in der Wirtschaftsgeschichte keinesfalls um ein Zeichen der Stärke des Systems, sondern eher um das Gegenteil: Der Boom ist nämlich mit der schwächsten Wirtschaftserholung aller Zeiten einhergegangen und wäre ohne die Manipulation durch die Zentralbanken nicht möglich gewesen.

Wären nicht Unmengen an Geld aus dem Nichts geschaffen und zu immer niedrigeren Zinsen an Großinvestoren vergeben worden, hätten diese das Geld nicht in die Finanzmärkte pumpen und so für das größte Missverhältnis sorgen können, das es jemals zwischen Realwirtschaft und Finanzsektor gegeben hat.

Dieses Missverhältnis aber zeigt jetzt seine Wirkung, denn die Welt rutscht seit Jahresanfang in eine Rezession, deren Auswirkungen nur durch genau die Maßnahmen gemildert werden könnten, die die Zentralbanken in den letzten zehn Jahren im Übermaß angewandt haben: Gelddrucken und Zinssenkungen.

Die EZB zum Beispiel hat zwischen März 2015 und Dezember 2018 mehr als drei Billionen Euro geschaffen und die Zinsen bis auf Null gedrückt. Um sich der Rezession entgegenzustemmen, müsste sie jetzt noch mehr Geld erzeugen und die Zinsen deutlich in den Minusbereich absenken. Das aber würde einerseits das Vertrauen in den Euro untergraben und andererseits das klassische Bankgeschäft, die Kreditvergabe, endgültig zerstören und die Banken so noch stärker in die Finanzspekulation treiben.

Aber selbst wenn die EZB aus purer Verzweiflung zu diesen Maßnahmen greifen würde – der gewünschte Effekt, nämlich das Abmildern der Rezession durch ein erneutes Wirtschaftswachstum, würde mit Sicherheit nicht eintreten. Eine Rezession geht nämlich mit einer Entlassungswelle einher, die die ohnehin stagnierende Massenkaufkraft weiter schwächt und so die Nachfrage und damit den Absatz von Industrieprodukten weiter sinken lässt.

Der einzige Effekt von Zinssenkung und /oder Gelddrucken durch die EZB wäre also ein weiteres Aufblähen der Finanzmärkte, ein noch größeres Ungleichgewicht im System und damit eine weitere Erhöhung der in ihm steckenden Risiken.

Noch auswegloser als die Situation der EZB erscheint momentan die Lage der US-Zentralbank FED. Sie verfügt zwar über etwas mehr Spielraum für eine Zinssenkung, hat aber ein anderes, viel größeres Problem: Wenn sie noch mehr Geld druckt und die Zinsen senkt, wird das einen weiteren Wertverlust des Dollars zur Folge haben, viele Anleger in andere Währungen oder in Festwerte treiben und die Stellung des Dollars als weltweit wichtigste Währung gefährden.

Ein Vorbote dieser drohenden Entwicklung könnte der Anstieg des Goldpreises in den vergangenen Wochen sein. Der Goldpreis ist der beste Gradmesser für den Wertverfall des Dollars, denn Gold – seit Jahrtausenden global anerkannte Universalwährung – besitzt einen realen, physischen Wert. Der Dollar wie auch alle anderen Währungen der Welt sind dagegen an keinen solchen Wert gebunden und leben einzig und allein vom Vertrauen der Menschen in ihre Kaufkraft.

Da dieses Vertrauen seit der Krise von 2007/08 erheblich gelitten hat, ist der Finanzindustrie gar nichts anderes übrig geblieben als den Goldpreis in den vergangenen zehn Jahren immer wieder kräftig nach unten zu drücken, was sie bis vor kurzem auch mit Erfolg getan hat.

Dass ihr das in den vergangenen Wochen immer weniger gelingt, kann strategisch beabsichtigt sein. Es kann aber genauso gut ein Zeichen dafür sein, dass die Finanzindustrie in Gestalt ihrer höchsten Vertreter – der Zentralbanken und der Wall Street – ganz langsam die Kontrolle über die globale Währungshoheit verliert.

Sollte das der Fall sein, dann wären wir in diesem Sommer in die Endphase des bestehenden dollardominierten Systems eingetreten.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle:  Paul Brady Photography/ Shutterstock

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7 Kommentare zu: “Tagesdosis 12.8.2019 – Taumelndes Finanzsystem: Die Manipulation zeigt Folgen

  1. Ein Schelm wer da eine zeitliche Parallele zur Verbreitung von Flugabwehrsystemen sieht, womit die Durchsetzung der Verwendung des US-Dollars (Flugzeugträgerpolitik) zunehmend nach hinten losgeht (was die Flugzeugträger-Verbände kosten, trägt genau dann nicht zur Entspannung der Situation des US-Dollar bei, wenn die wenig nutzten, aber viel kosten).

    Jedenfalls ist die Zockerei-Situation jetzt vom Feinsten:
    Alle Zentralbanken haben ihre (virtuellen;) Währungsreserven hauptsächlich in US-Dollar; deswegen haben ALLE Interesse, den US-Dollar zu stützen.
    Alle wissen, dass sie damit Zeit kaufen.
    Alle wissen, wer als erster seine US-Dollar verkauft, macht am wenigsten Verlust.
    Aber offensichtlich glauben (noch) alle, dass sie (noch) nicht verkaufen müss(t)en.
    Bin ich komisch oder erinnert das an Tulpenzwiebeln? 🙂

  2. … Gold, Muscheln, Perlen, Federn usw. habe nur den Wert, die diejenigen, die diese „Währungen“ benutzen den Objekten ihrer Begierde zuschreiben. Den „Wert“ an sich gibt es nicht. Die Festlegung eines „Wertes“ allein ist die Grundlage einer Herrschaft über die Menschen, die wenig oder nichts von diesem Wert besitzen.

    • Moin, Robert, wenn wir ueber Muscheln, Perlen u.a. als Währung reden, so ist festzustellen, dass es sich hierbei um Tauschmittel handelt, die keinen Wert an sich haben. Bei Gold ist es anders. Was den Wert von Waren angeht, so stecken in ihnen eine Menge Werte: Rohmaterial z,B. aber auch Arbeitskraft. Der Wert, zu dem die Ware auf dem Markt angeboten wird, setzt sich aus all den vielen Komponenten zusammen.
      Machte man sich die Muehe, die verschiedenen Preise (Werte) einer Ware am Markt zu vergleichen, wird man feststellen, dass sie nicht sonderlich voneinaner abweichen. Das hat seine Ursache in der ähnlichen Produktionsweise der Unternehmen und die Variationen können daher entstehen, dass das eine Unternehmen billigere Lonarbeiter anstellt als das andere.

      mfG

  3. Ich denke, dass das kontinuierliche Steigen des Goldpreises vor allem auf die Käufe der Zentralbanken in Russland, China und anderswo zurück zu führen ist. Im Gegensatz zu anderen „Anlegern“ lassen die sich das Gold nämlich physisch anliefern und entziehen es so dauerhaft dem Markt. Sie schränken damit die noch verfügbare Menge Goldes ein, die für den Betrug mit dem Edelmetall im Handel zur Verfügung steht. Es ist nämlich ein großer Unterschied, ob man ein Stück Papier kauft, auf dem steht, man sei Besitzer einer bestimmten Menge Gold oder ob man es tatsächlich in Verwahrung nimmt. Das Papier kann ich x-mal verkaufen, solange nicht alle gleichzeitig ihr Gold haben wollen.
    Manches deutet darauf hin, dass es genau so läuft: https://www.youtube.com/watch?v=8Hc8OqY3WGw
    Der Vorteil beim Goldkauf für den Privatanleger ist, dass er keine Umsatzsteuer zahlen muss. Der Nachteil: Er muss im entscheidenden Moment mit einem Goldverbot rechnen.
    Ich überlege im Moment Platin-Combibars zu kaufen. Der Platinpreis ist in den letzten Jahren erheblich gefallen.
    Dass der große Knall kommt, war mir schon 2014 bewusst. Nun wird es wohl nicht mehr allzu lange dauern. Die Kapelle auf der Titanic rückt schon die Stühle zusammen.

    • zu spät

      ausserdem sollte man sicherheitshalber in der Lage sein Gold bis lange nach einer Krise nicht anrühren zu müssen.

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