Tagesdosis 13.1.2018 – Immer im Dienst der Finanzelite: Die Koalitionspolitik der SPD

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

Nachdem die SPD im letzten Bundestagswahlkampf das schlechteste Ergebnis seit der Gründung der Bundesrepublik erzielt hatte, verkündete ihr Vorsitzender Martin Schulz noch in der Wahlnacht, man werde in die Opposition gehen, um dort einen „Erneuerungsprozess“ einzuleiten. Vier Monate später haben Schulz und Co. in dieser Woche genau das Gegenteil getan und mit den Vertretern von CDU und CSU die Grundlagen für eine neue Große Koalition gelegt.

Die 180-Grad-Wende verwundert kaum noch jemanden, denn dahinter verbirgt sich eine politische Doppelstrategie, die die SPD seit mehr als einem halben Jahrhundert verfolgt: Nach außen als Partei der arbeitenden Bevölkerung aufzutreten, sich in Wahrheit aber bedingungslos der wahren Macht im Staat – der Finanzelite – zu unterwerfen und deren politisches Geschäft zu erledigen.

Hier ein kurzer Abriss der wichtigsten Etappen auf diesem Weg:

1966 rechnete die Finanzelite angesichts der sich abzeichnenden ersten Rezession nach dem Krieg mit einer Verschärfung sozialer Auseinandersetzungen im Land. Da die CDU es über Jahre hinweg allein nicht geschafft hatte, Vorkehrungen für mögliche Unruhen zu treffen, trat die SPD einer Großen Koalition unter dem ehemaligen NSDAP-Mitglied Kiesinger bei und sicherte so den Notstandsgesetzen die notwendige Zweidrittelmehrheit.

Nach den Studentenunruhen und dem wochenlangen Generalstreik in Frankreich 1968 nahmen die sozialen Spannungen in Deutschland zu. Die Finanzelite brauchte dringend eine Kraft, die ihr half, den immer stärker werdenden Widerstand gegen das System aufzufangen. Mit Hilfe der FDP übernahm die SPD unter Willy Brandt 1969 die Regierung und machte sich umgehend ans Werk – einerseits durch Zugeständnisse an die Gewerkschaftsbasis, andererseits durch den „Radikalenerlass“, ein verfassungswidriges Berufsverbot für Kritiker des Systems.

1973 ging der Nachkriegsboom unwiderruflich zu Ende, die soziale Lage in Deutschland heizte sich weiter auf. Trotz aller Bemühungen gelang es Brandt nicht, der zunehmenden Massenstreiks Herr zu werden. Als er sogar zweistelligen Lohnerhöhungen zustimmte, wurde es der Finanzelite zu bunt. Sie forderte einen Kurswechsel.

Die Folge: Willy Brandt wurde durch den ehemaligen Wehrmachtsoffizier Helmut Schmidt ersetzt. Schmidt bedankte sich für seine Ernennung durch Sozialkürzungen und Massenentlassungen, ebnete der Energiewirtschaft durch die Durchsetzung des Baus von   Atomkraftwerken gegen den Willen eines großen Teils der Bevölkerung den Weg ins Atomzeitalter und erschloss den Großbanken neue Verdienstmöglichkeiten, indem er den Prozess der Deregulierung der Finanzmärkte (der Lockerung gesetzlicher Vorschriften für den Bankensektor) in Deutschland einleitete.

Ab 1998 ging Gerhard Schröder als Nachfolger von Kanzler Kohl noch weiter: Zusammen mit den Grünen senkte er den Lebensstandard der unteren Einkommensgruppen mit der Agenda 2010 und der Einführung von Hartz IV, während er der Finanzelite u.a. die Zulassung von Hedgefonds (durch das Investmentmodernisierungsgesetz) bescherte und der Rüstungsindustrie angesichts der ersten Einsatzes der Bundeswehr in Jugoslawien zu ihren ersten Kriegsgewinnen nach dem Zweiten Weltkrieg verhalf.

Diese offensichtlich nicht an den Interessen der arbeitenden Menschen orientierte Politik führte dazu, dass die SPD bei ihren Wählern immer mehr an Rückhalt verlor. Nicht aber an Loyalität gegenüber der Finanzelite:  Als die FDP 2013 nicht mehr in den Bundestag einzog und CDU/CSU zum Regieren einen Partner brauchten, war die SPD wieder zur Stelle und half mit, die Rechte der Gewerkschaften weiter einzuschränken und den Niedriglohnsektor in Deutschland zum größten in Europa auszuweiten.

Und jetzt? Nach dem Scheitern der Jamaica-Verhandlungen brauchen CDU und CSU, die ebenfalls die schlechtesten Wahlergebnisse seit Kriegsende erzielt haben, dringend einen Steigbügelhalter, um ihre Politik – unter anderem die als Sparkurs getarnte Umverteilung von unten nach oben, die Einschränkung  demokratischer Rechte und das Vorantreiben der Rüstungsexporte, die die Flüchtlingskrise mit Sicherheit weiter verschärfen werden – fortzuführen.

Dass die SPD sich ausgerechnet nach einem Wahlkampf unter dem Motto „Gerechtigkeit“ zu einer neuen Großen Koalition bereit erklärt, wird ihre Zersetzung und ihren Zerfall erheblich beschleunigen und ihre Zeit als „Volkspartei“ in der vor uns liegenden Periode aller Voraussicht nach zu Ende gehen lassen.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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11 Kommentare zu: “Tagesdosis 13.1.2018 – Immer im Dienst der Finanzelite: Die Koalitionspolitik der SPD

  1. Hallo in die Runde!

    Die `scheinbare Verwunderung` über diesen Schritt von Hr. Scholz,
    die man recht oft in den Hauptmedien findet,
    ist schon lächerlich und ein Indiz dafür,
    dass das Niveau, auf dem der `Kern des Spiels`noch verschleiert werden kann,
    auf #banal rutscht … mehr (äh weniger) geht `fast`nicht mehr 😉

    zum `Kern des Spiels` ua auch hier entlang:
    @geldhahnzu RA Hans Schrapf
    (aktuell aus der hess. RA-Kammer ausgeschlossen und website nicht aufrufbar, daher die webarchive-links)

    zb
    Rechtl. Grundlagen der Geldschöpfung
    (2013)
    https://web.archive.org/web/20150626235202/http://geldhahn-zu.de/wissen-ist-macht/download-pdf/kein-recht-auf-geldschoepfung
    oder
    Justiz und Geldschöpfung
    (2014)
    https://web.archive.org/web/20141006122112/http://geldhahn-zu.de/d/monetative/fiat-money3

    Ich habe diese Infos an recht viele Leute im Kontext #Kukies getwittert, was mir aktuell den `shadowban` von twitter gebracht hat 😉

    mein Eindruck … Herr Wolff ist auf twitter ebenfalls vom `shadowban` betroffen

    Viele Grüße
    und mit Mybrit Illner: `Viel Spass beim Vermehren der gewonnenen Einsichten.“
    (wieso hat sie eigentlich diesen schönen Schlußsatz zum Sendungsende abgelegt?)

  2. Die SPD bestätigt nur wieder was mir schon lange klar ist. Sie ist eine zutiefst opportunistische Gruppierung von Leuten deren Hauptinteresse es ist die einfachsten Bedürfnisse der Arbeitenden, der Werteschaffenden, der eigentlichen „Arbeitgebenden“ zu verraten. Das ist schon so seit Lasalle. Sie hat in Ihrer Geschichte permanent die Interessen derjenigen die in der Gesellschaft die Werte schaffen verraten. Verraten an diejenigen die Ihnen für paar wenige Brosamen alles soziale abnehmen um sich die Taschen voll zu machen. Sie wurde gegründet um die Arbeiter zu spalten, das „Teile und Hersche Prinzip“ zu sichern. Genauso wie später die Fussballvereine und so weiter und so weiter.

    Als Martin Schulz erklärte in die Opposition gehen zu wollen, war mir klar das es ihm nur um die Fortsetzung der GroKo und die Sicherung der Pfründe der Parteibonzen ging. Je standfester ein SPD-ler etwas erklärt, umso schneller fällt er um bzw. hat er bereits das genaue Gegenteil im Sinn. Glaubt jemand ernsthaft, dass sich diese meinungskorrupte, standpunktlose Partei ernsthaft mit der AfD anlegen wollte?

    • Was verwundert, ist die ständige Auseinandersetzung mit einer Partei, die doch offensichtlich nichts zu bieten hat.

      Das dürfen doch die Öffentlichen Medien übernehmen.

      Es scheint noch immer eine leise Hoffnung zu bestehen, man könne sich geirrt haben.

      Das ist aber mit Sicherheit eine Illusion.

      Von da her sollte man diesen Haufen auch mit Ablehnung begegnen.

      Sie schleichen um die Fleischtöpfe, wie alle anderen Parteien auch.

      Ein paar unentwegte Gläubige wird es immer geben, aber seinen
      Glauben kann man in der Kirche genauso gut ausleben.
      Da weiß man wenigstens, hilf dir selbst, so hilft dir Gott.

      Das kann man von dieser Partei sicher nicht sagen.
      Nein Hilf dir selbst, so fällt dir diese Partei garantiert in den Rücken und wird um ihre vermeintlich angestammten Rechte kämpfen.

      Natürlich alles zu Lasten ihrer Wähler.

      Da her ja auch GROKO wenn es auch zu ROT/ROT/GRÜN reichen würde.

      Aber das ist ja nun ein weiterer Beleg für das Falschspiel dieses Klüngelvereins.

  3. Zitat: Die heutige Weltlage ist durch eine tiefe Krise des globalen Finanzsystems, wachsende soziale Spannungen und zunehmende internationale Konflikte gekennzeichnet und erinnert stark an die Jahre, die der Oktoberrevolution vorausgingen.
    (…)
    Unvergleichlich sind seine Charakterdarstellungen des Zaren und der Zarin wie ihres Anhangs, der Vertreter des Adels, der Großgrundbesitzer, der Geistlichkeit, der Beamten, der Offiziere, der Großbourgeoisie und der politischen Führer der „Liberalen“ wie Miljutin, Rodsjanko und Gutschkow. Er beschreibt wie all diese Leute eng mit dem imperalistischen Krieg verknüpft uns davon abhängig sind, dass er weiter geführt wird.
    (…)
    Die Vertreter der Bourgeoisie befürworteten zwar Reformen und parlamentarische Demokratie, waren aber jederzeit zur Unterordnung unter den Zaren bereit, wenn es darum ging die Ansprüche der Arbeiterklasse abzuwehren. Gleichzeitig machte ein beträchtlicher Teil der Bourgeoisie ungeheure Gewinne mit dem Krieg, während sich die Versorgung in den Städten immer mehr verschlechterte. „Dutzende und Hunderte von Millionen die zu Milliarden anwuchsen, durch weitverzweigte Kanäle geleitet, berieselten reichlich die Industrie und stillten unterwegs noch eine Menge Appetite. In der Reichsduma und in der Presse wurden einige Kriegsgewinne für das Jahr 1915 bis 1916 bekannt gegeben: Die Gesellschaft des Moskauer liberalen Textilfabrikanten Rjabuschinski wies 75 Prozent Reingewinn aus; die Twerer Manufaktur 111 Prozent; das Kupferwalzwerk Koljtschugin warf bei einem Grundkapital von 10 Millionen 12 Millionen Gewinn ab. Die Tugend des Patriotismus wurde in diesem Sektor im Überfluss und dabei unverzüglich belohnt.“ Als sich die Klassenauseinandersetzungen in den Monaten nach der Februarrevolution zuspitzten, waren diese Leute bereit, die demokratische Fassade fallen zu lassen, und verbündeten sich mit Kornilow, der das Ziel hatte, eine Militärdiktatur zu errichten.

    Aus dem Vorwort: Geschichte der Russischen Revolution – Februarrevolution, Leo Trotzki

    … tauscht man, ein paar Namen, Titel und Bezeichnungen, so ist man beim heutigen Stand der Dinge angelangt.

    Noch zwei Artikel zur Ergänzung, zu SPD und CDU, auch beispielhaft, generell für den Opportunismus des Parlamentarismus und seine verräterische Natur:

    Freitag, 29. September 2017, 07:52 Uhr
    ~11 Minuten Lesezeit
    Neunzehnhundertdreißig
    Eine Schicksalswahl im September.
    von Florian Ernst Kirner

    Unser Autor erzählt die Geschichte der schicksalhaften Reichstagswahl im September 1930. Ob und welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, überlassen wir unseren Lesern.

    (…)
    Die SPD hätte sich dafür entscheiden können, eine starke Opposition zu bilden. Der Parteivorstand wollte stattdessen eine ganz besonders große Koalition versuchen: mit der Zentrumspartei, der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und der Bayerischen Volkspartei (BVP).
    Dieses Zusammengehen mit katholischen und deutschnationalen und bayerisch-reaktionären Kräften war ein gewagtes Spiel. Es verstieß zudem gegen die offenkundigen Wünsche der meisten SPD-Wähler – und gegen einen Parteitagsbeschluss von 1927.
    Der Aufschrei an der Basis war groß.
    (…)
    Prompt setzte es den nächsten Hammer: die SPD ging nicht nur in die Regierung – ihre Minister und Kanzler Müller stimmten dem Bau des Panzerkreuzers A zu!
    Ein Proteststurm fegte durch das Land. Alleine in Leipzig demonstrierten mehr als 100.000 Menschen. Die SPD-Basis lief Sturm. Und die KPD ließ es sich nicht nehmen, landesweit die alten Wahlplakate der SPD aufzuhängen: „Kinderspeisung statt Panzerkreuzer“.
    (…)
    Weltwirtschaftskrise & Regierungskollaps
    Der doppelte Verrat der SPD nach ihrem großen Wahlsieg 1928 kann für die Endphase der Weimarer Zeit nicht überbewertet werden. Es war der Agenda-2010-Moment der Weimarer Sozialdemokratie.
    Von nun an ging es Wahl für Wahl bergab.
    Gleichzeitig begann der steile Aufstieg der NSDAP.

    https://www.rubikon.news/artikel/neunzehnhundertdreissig

    Mittwoch, 19. April 2017, 16:46 Uhr
    ~16 Minuten Lesezeit
    „Russland“ erobern, diesmal transatlantisch
    Vor 50 Jahren, am 19.4.1967, starb Konrad Adenauer.
    von Werner Rügemer
    Bildlizenz CC0
    Mit dem ersten, christlich lackierten Bundeskanzler Konrad Adenauer hatten deutsches und US-Kapital 1949 die Weichen für die Sonderstellung des neugegründeten Staates Bundesrepublik Deutschland im Nachkriegs-Europa gestellt – neuer Krieg gegen „Russland“ inbegriffen. Diese Konstellation ist wirksam bis heute.
    (…)
    CIA, Rockefeller, CDU

    Adenauer rühmte sich, 1918 den Kölner Arbeiter- und Soldatenrat ausgetrickst und damit „die Rettung der Stadt aus der Revolution“ geschafft zu haben.
    (…)
    Sein US-Freund Dannie Heineman, der seit 1905 Generaldirektor des belgischen Elektro- und Mischkonzerns SOFINA war und dies bis 1955 bleiben sollte, hatte auf Adenauers Einladung hin schon 1930 in Köln für die US-geführte, transatlantische Gemeinsamkeit geworben: „Outlines of a New Europe“ hieß der Titel seiner Rede. Im selben Jahr wurde die zweite deutsche Ford-Niederlassung in Köln eröffnet, ein Jahr später gründete die US-amerikanische Handelskammer ihre Kölner Filiale.
    (…)
    Er gründete mit dem protestantischen Bankiersfreund Pferdmenges die nun Katholiken und Protestanten zusammenführende CDU, in Abstimmung mit CIA-Chef Allen Dulles und dem 1948 gegründeten American Committee for the United Europe. Gelder flossen von der Ford- und der Rockefeller-Stiftung, die gleichzeitig auch die Springer-Presse finanzierten.
    Finanzberater Adenauers war der Privatbankier und Rotary-Mitbruder Pferdmenges. Der war auch CDU-Schatzmeister und trieb zusammen mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) Spenden bei Unternehmen ein. Gleichzeitig führte er treuhänderisch auch die Geschäfte des gemeinsamen Freundes Friedrich Flick, solange der nach dem Nürnberger Tribunal seine Strafe als Kriegsverbrecher absitzen musste (aber von McCloy vorzeitig aus dem Gefängnis geholt wurde).
    https://www.rubikon.news/artikel/russland-erobern-diesmal-transatlantisch

    • Eh ich’s vergess, noch Herr Mausfeld:

      Bürger dürften lediglich periodisch ihre Stimme einem der „verantwortlichen Männer“ übertragen und sollten sich dann wieder auf ihre kleine, überschaubare Privatwelt beschränken. – Das ist eigentlich genau das Modell, was wir heute als demokratisches [Modell haben], das geht auf Lippmann zurück.
      „Die Öffentlichkeit muss an ihren Platz verwiesen werden, damit wir durch das Getrampel und Geschrei der verwirrten Herdenicht beeinträchtigt werden.“
      („The public must be put in its place […] so that each of us may live free of the trampling and the roar of a bewildered herd.“)

      Das sind so deutliche Worte, die würde sich heute ein Vordenker im politischen Bereich nicht mehr erlauben. Das ist das Schöne, wenn wir an die Ursprünge gehen, da werden die Dinge noch so ausgesprochen, wie sie sind. Und hier sehen Sie auch, das ist der Begriff, der auch im Titel des Vortrags vorkommt, „die verwirrte Herde“. Das heißt,
      Demokratie könne nur funktionieren, sagt Lippmann, wenn sie keine ist.

      Dieses Modell wurde weiterentwickelt, in prominenter Weise von Schumpeter und vielen anderen. Das ist heute unser Standardmodell einer ‚kapitalistischen Elitendemokratie‘, wo die Bürger periodisch aus einem von den Machteliten vorgegebenen Spektrum eine Auswahl treffen können, und zwar – Schumpeter sagt das ganz offen: ähnlich wie unter vorgegebenen Konsumprodukten. Das ist das Standardmodell, das Sie in allen Lehrbüchern zur Demokratie finden, das ist das Standardmodell der kapitalistischen, westlichen Demokratie.

      Das ist, wenn man es ein bisschen pointiert sagt, genau die Idee der Lincolnschen Demokratie, allerdings nur für eine klitzekleine Gruppe. Das ist nämlich eine, Demokratie der Eliten, durch die Eliten und für die Eliten‘. Das war die klassische Lincolnsche Idee – also ohne [die Einschränkung auf] die Eliten. Das geht historisch sehr weit
      zurück, das steht an den Anfängen auch der amerikanischen Verfassung. Einer der 6 Gründerväter der amerikanischen Verfassung und auch Präsident der Vereinigten Staaten, formulierte sehr deutlich:
      „Die Besitzenden und die Besitzlosen haben seit je unterschiedliche gesellschaftliche
      Interessen.“ (James Madison, 1787, Federalist No. 10).
      Es gibt nahezu einen grundlegenden Antagonismus einer Gesellschaft, der dazu führt, dass es Interessen gibt, dass es Interessengegensätze gibt, die eigentlich nicht aufhebbar sind, wo man nur schauen kann, wie man damit umgehen kann. Und da zur Zeit der Amerikanischen Revolution damals – denken Sie etwa an Thomas Payne – Ideen der Demokratie zu viel Resonanz in der Öffentlichkeit fanden – das fanden die Großgrundbesitzer und Sklavenhalter bedrohlich – also haben sie genau das gemacht, was sie am Anfang gesagt haben. Sie haben auf diese Bestrebungen zu mehr Demokratie mit einer Konterrevolution geantwortet und eine Verfassung entworfen, die sichergestellt hat, dass die Stabilität gesichert ist. Das bedeutet insbesondere, so schreibt Madison:

      Die zentrale Aufgabe einer Regierung sei es, „to protect the minority of the opulent against the majority“
      James Madison, Constitutional Convention, 26. Juni 1787).

      Eine Verfassung, eine Regierung hat die Aufgabe, die Minorität der Besitzenden gegen die Majorität zu beschützen. Das ist die zentrale Aufgabe einer Verfassung, und das ist den Gründervätern in einer bis heute nachwirkenden Weise gelungen.
      Das heißt: Da Demokratie in ihrem Kern Einhegung von Macht bedeutet, also einen Kampf gegen illegitime Macht, bestand die Reaktion der Machteliten seit jeher darin, ihr mit einer Konterrevolution zu begegnen, wenn die Demokratie zu viel Resonanz fand in der Öffentlichkeit.

      http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/171022-Mausfeld_Transkript_Landau_NDS.pdf

    • Schöne Zusammenfassung!
      Wer nun immernoch glaubt in der Politik passieren Fehler/Versäumnisse, der hat den Schuss nicht gehört.
      Wenn in der Politiek was passiert, is darüber nachgedacht und ist es so gewollt.
      Ergo, ab ins Elend für viele Tausende mehr als Heute.
      Die sich selbst beweihräuchernde „Mittelschicht‘ , die sich selbst das Halsband ihres Herrn noch enger schnallen, dem Chef in den Arsch kriechen oder sich ’selbstständig‘ wähnen und sich dabei toll vorkommen.
      Die sich flüchten in Glaube und Seele und die Kraft der Liebe, zu feige sich der kommenden Realität zu stellen.
      Ich bleibe dabei, solange ihnen genug gelassen wird um sich nicht entscheiden zu müssen, zwischen dem Verhungern ihrer Kinder oder des eigenen Verhungerns, werden Sie die Schafe des verehrten Prof. Mausfeld bleiben.
      Bis dahin werden sie Ihre Texte (Box) lesen und sich in der Hoffnung auf Gewaltlosigkeit und gesundem Menschenverstand ins Verderben führen lassen.
      Eine Organisation der 99% wird hintertrieben und alle „Wahrheiten“ die Sie auch wieder nennen, werden durch die 99% wider besseren Wissens geleugnet.
      Ihnen alles Gute

    • „Die sich flüchten in Glaube und Seele und die Kraft der Liebe, zu feige sich der kommenden Realität zu stellen.“

      Es sieht in der Tat so aus, R2D2, äh, Verzeihung, fpdcb, als wäre es in einigen der Programmierungen der neuen Humanoiden zu Anomalien gekommen: Seele und Liebe.

  4. Ich glaube nicht, dass ein Großteil der SPD-Basis, mit der Finanzelite was am Hut hat.
    Die Leute sind wohl doch eher gehirngewaschen und leben in ihrer „SPD-Blase“.
    Es haben ja auch viele Mitglieder und Wähler die SPD verlassen.
    Die verbliebene Basis ist schwach und ohnmächtig.

    • Ich bin immer wieder erstaunt, wie hier Leute persönliche gegenteilige Glaubens-und Vermutungtheorien aufstellen mögen, ohne die angeführten Fakten auch nur zu erwähnen, geschweige denn, zu entkräften. Wir erfahren hier also nur, dass jemand genau das Gegenteil von dem glaubt, was Herr Wolf schreibt. Und nun?

    • Von SPD-Mitgliedern erwarte ich auch nicht mehr viel. Es wird aber spannend, ob die SPD-Führung noch einmal grünes Licht bekommt für die Bildung einer GroKo. Möglicherweise wird es ja tatsächlich abgelehnt!

      Das könnte aus meiner Sicht das politische Ende von Merkel, Seehofer und Schulz bedeuten. Was uns ansonsten bevorsteht, weiß ich auch nicht. Ob sich an den Mehrheitsverhältnissen bei den zu erwartenden Neuwahlen etwas ändert durch neues Personal? Oder ob sich so kurzfristig in Deutschland eine neue politische Kraft etablieren könnte?

      Wenn die Absurdität dieses eigentlich völlig unerheblichen politischen Theaters zu groß wird, könnte das möglicherweise doch langsam gefährlich werden für das System, denke ich. Jetzt wird es spekulativ: Könnte hinter diesem ganzen Geschacher – v.a. der überraschenden Absage der FDP an Jamaika – ein größerer Plan der herrschenden Klasse stecken? Wie könnte dieser aussehen? (Kann die noch neoliberalere AfD z.B. so schnell so stark gemacht werden, dass mit ihr koaliert werden muss um sie „einzuhegen“?)

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