Tagesdosis 13.11.2019 – Der Mauerfall und die Wiedervereinigung

Eine fantastische Erzählung von Rüdiger Lenz.

Am 9. November 2019 stand ich am Brandenburger Tor in Berlin. Dort geschah etwas so Seltsames, davon muss ich euch berichten. An dem Tag, dreißig Jahre zuvor, fiel die Mauer, die durch ganz Deutschland verlief. Ich sah kleinere Autokorsos, Leute die sich in Gruppen zusammen taten und fröhlich waren, aber auch vereinzelt Demonstranten, die über die missliche Entwicklung dieser sogenannten Wiedervereinigung redeten. 

Und dann stand da ein Mann ganz alleine. Er stand bloß da und schaute sich um. Da es kalt war, trug er einen schönen Hut auf seinem Kopf. Er sah an sich sehr gut aus und war stilvoll gekleidet. In seinem Gesicht lag etwas unergründlich Liebevolles, etwas, dass ich als nicht von dieser Welt wahrnahm. Warum, das weiß ich nicht. Dann breitete dieser Mann seine Arme sanft aus und fing zu lächeln an. Seine Augen strahlten dabei so sehr und so tief, wie ich es noch bei keinem Menschen sehen und gleichzeitig auch fühlen konnte. Ich war wie elektrisiert und dachte mir, was geschieht da gerade mit dir? Dann fing er an zu sprechen, einfach so, ohne ein Mikrofon. Das, was er sagte, das erklang nicht von einer Ferne, denn ich stand gut zwanzig Meter von ihm entfernt. Seine Stimme erklang in meinem Kopf, so, als hätte ich Kopfhörer um meinen Kopf aufgesetzt. Ich sah mich um und bemerkte, dass es einigen genauso erging wie mir, und andere nahmen überhaupt gar keine Notiz von ihm. Wir aber standen wie elektrisiert und hörten ihm zu. 

Er sprach: Es gibt keine Mauern, die ihr einreißen könnt außer die Mauern, die in euch selbst liegen. Diese Mauern sind nicht meines Vaters Haus. Es sind die, die euch zu Waisen und Verirrten machten. Zu Obdachlosen der Liebe und Güte, von der ihr euch entfernt habt. Die Mauer ist groß und stark, die euch trennt und die euch zum Feind eures Nächsten gemacht hat. Sehet, aber der Nächste ist der Arm meines Vaters. Er liebt euch. Die Mauer ist stark und sie ist dicker geworden. Ich bin nun das dritte Mal von meinem lieben Vater gesandt. Das erste Mal habt ihr entschieden mich an ein Kreuz zu schlagen. Es war die Mehrheit, die das schrie und ihr würdet es eine demokratische Entscheidung nennen. Das zweite Mal kam der Großinquisitor vor ein paar Jahrhunderten im spanischen Sevilla zu mir und ließ mich gehen mit den Worten, dass er mich beim nächsten Mal verbrennen muss. Ihr könnt immer einen anderen schicken, doch wenn ihr selbst es nicht seid, der euch schickt, dann werdet ihr meines Vater Liebe nicht sehen, weil sie nicht in euch ist. So wie meines Vaters Licht durch mich lebt, so lebt es auch in euch. Die Mauer aber ist stark in euch. Nur wenn ihr sie fällt, nur dann werdet ihr mit meinem Vater wieder vereint sein. 

Der Mann breitete noch immer seine Arme aus und lächelte so, als wäre er nicht von dieser Welt. Ich schaute mich um und immer mehr Menschen hörten ihm zu. Einige filmten ihn mit ihren Smartphones oder Pads und sie schienen ganz erheitert dabei zu sein. Einem Pärchen, das nicht weit von mir stand, kullerten Tränen die Wangen entlang. 

Dann sprach er weiter in meinem Kopf: Wenn sie euch sagen, alles ist woanders und sie meinen dabei nicht bei euch und nicht in euch, so werden sie euch zuvorkommen und euch sagen, dass sie die Weisen und Wissenden sind. Sie werden euch von ihrem Reich erzählen und es wird nicht in euch sein. Nur wenn ihr euch selbst erkennt, werdet ihr erkannt werden und ihr werdet wissen, dass ihr die lebendigen Kinder unseres liebenden Vaters seid. Wenn ihr euch aber nicht erkennt, so werdet ihr in allem in Armut leben, denn dann wird die Mauer eure Armut sein. Ihr dürft in mir keinen Propheten sehen, denn der Prophet wird in seinem Dorf nicht akzeptiert, wie kein Arzt seinen Bekannten heilen kann. Ihr müsst das alles auch in euch sehen, denn was aus seines Vaters Kraft ist, das ist immer auch gleich seines Vaters Kraft. Ihr seid die Prophetie, es gibt keine. Wenn ihr selbst den Frieden schließt mit euren Gleichen, dann wird der Fels verschwinden und das Meer wird aufgehen. Ihr seid das Meer und könnt Berge vergehen lassen, wenn ihr das Meer in euch seht. Doch die Mauer ist stark und dick in euch. Da draußen, da gibt es keine Mauern, denn mein Vater baute sie nie. Wer das ganze Leben kennt und jedes gesprochene Wort versteht, sich selbst aber nicht kennt und auch seine eigene Sprache nicht versteht, der kennt nicht das Leben und versteht auch keine Worte. Das, was nicht in euch ist, das wird euch töten. Das was ihr in euch habt, das wird euch retten, wenn ihr es selbst hervorgebracht habt. Wer ohne meines Vaters Liebe den Tag verbringt, der verbringt ihn in der Mauer, die dadurch immer stärker und dicker wird. Der Schatz, den ihr sucht und der nie vergeht, der seid ihr selbst, aber ihr sucht Schätze und grabt mit Panzern nach funkelndem Gold, damit euch warm ums Herz wird. Doch kein Gold bringt euch diesem Schatz nahe und kein wärmendes Herz liebt aus sich selbst heraus. Bis ihr die Mauer seid. Die Mauer ist nicht gefallen und die Vereinigung nicht vollzogen. Wer sich selbst findet, der steht über der Welt, darum, weil er versteht, dass er nicht aus anderem Leben gemacht ist, als aus des Vaters Leben selbst. Er ist das Leben und damit ist er ewig. Mein Vater ist ewig und wer auch immer fällt, fällt nie tiefer als in meines Vaters liebende Welt, die ewig ist. Wozu also diese Angst, die die Mauer erbaute und alles in euch trennte? Es gibt auf der ganzen Erde keine Mauer, die ihr einreißen könnt, außer jene, die ihr in euch gebaut habt. Reißt ihr sie nieder, so reißt ihr gleich alle Mauern ein.

Jetzt sah ich Mannschaftswagen der Polizei in die Richtung des Mannes fahren. Kurz vor ihm kamen zwei zu stehen und mehrere Polizisten stiegen aus und bildeten um diesen Mann einen kleinen Kreis, aus dem zwei Polizisten vortraten und zu ihm sprachen. Doch der Mann redete weiter, so, als sähe er die Polizisten, die vor ihm standen, gar nicht. Dann packten ihn drei und zwangen ihn in den Wagen. Doch just in dem Moment geschah es. Auf einem Mal wurde es für einen Bruchteil einer Sekunde sehr hell und ein leichter sehr schmaler Lichtstrahl erfasste den Mann. Vor den Augen der Polizisten verschwand er aus ihrer Umklammerung und löste sich in Luft auf. Die Polizisten waren aufgeregt und alle suchten die Umgebung ab, doch der Mann war weg, wie vom Erdboden verschluckt. Und dann hörte ich murmeln und Ah-Rufe von Passanten und sie kamen aufeinander zu und schauten in ihre Smartphones. Sie tauschten ihre von diesem Mann gefilmten Reden aus. Das fand ich merkwürdig, denn die Passanten blickten sich gegenseitig an, gestikulierten untereinander so, als seien sie allesamt fassungslos. Doch worüber, dachte ich. 

Dann ging ich zu ihnen und sah, was sie fassungslos machte. Jeder, der die Rede mit seinem Smartphone aufnahm, nahm eine andere Rede auf. Auch die Gesten des Mannes waren auf jedem Film andere. Ich bekam überall Gänsehaut, denn ich begriff, dass auch ich etwas anderes sah und hörte, als jeder von uns. Alle bekamen eine Botschaft, eine individuelle Botschaft und mir wurde immer klarer, dass dieser Mann wie in einem Hologramm gleichzeitig zu ungefähr dreißig Personen sprach. Wie ist das möglich? Ich schaute mich noch einmal um und ging dorthin, wo der Mann gestanden hatte. Aber nichts war von ihm zu sehen und die Polizisten waren allesamt noch damit beschäftigt, nicht zu verstehen, was da gerade vorging. 

Und dann hörte ich es in mir. Ich hörte diesen Mann in mir sprechen, aber nirgends war er zu sehen. Er sprach in mir und ich hörte unmittelbar neben mir die Menschen leicht aufschreien und verstand, dass auch sie eine Stimme hörten. Die Polizisten standen mit halb offenem Mund ebenfalls einfach da. Ich hörte folgenden Satz: Wann wird die Mauer in dir fallen? Sie wird nicht fallen, wenn du darauf wartest, dass sie andere niederreißen. Nirgends werden sie alle sagen: Sehet, dort reißen sie die Mauer ein! Sehet, dort ist es soweit! Das wird nicht geschehen. Meines Vaters Haus ist von eurer Mauer umgeben und um die ganze Erde ausgebreitet und die Menschen sehen diese Mauer nicht, weil sie in ihnen selbst liegt. Du kannst keine Steine zu einem Schutthaufen bringen und dann sagen: Das Werk ist vollbracht. Du kannst die Mauer nur einreißen, wenn Du dich mit meines Vaters Liebe wieder vereinst. Du bist diese Liebe, denn mein Vater brachte sie in Dich hinein. Doch die Mauer dort herum hast Du selbst gebaut. Erzähle den Menschen davon, was ich dir sagte und sage ihnen, dass mein Vater auch der ihre ist.

Dann verschwand die Stimme in mir und in allen Passanten, auch bei den Polizisten und wir schauten uns alle gegenseitig an, so als wäre ein Wunder durch uns alle hindurch gefahren. Wir kamen aufeinander zu und jeder sprach mit jedem. Auch die Polizisten sprachen mit allen und wir mit ihnen. Diesmal sagte die Stimme in meinem Kopf das Gleiche zu allen, zu denen sie sprach. Ich war sehr aufgeregt, so wie alle auch aufgeregt waren. Wir sprachen noch über eine Stunde darüber und ich verließ das Brandenburger Tor in Berlin, um zu meinem Auto zu gelangen und wieder nach Hause zu fahren. 

Zu Hause angelangt holte ich aus meinem Bücherregal das Thomas-Evangelium und lass darin, bis ich in einen tiefen Schlaf kam. Als ich wieder aufwachte, war der Traum noch frisch in meinem Gedächtnis und ich erinnerte mich an ihn. Ich träumte von der Musikgruppe Pink Floyd und ihrem Album The Wall. Seit diesem seltsamen Erlebnis mit dem Mann habe ich in Mauern nie wieder ihr Materielles allein angesehen. Ich denke immer wieder darüber nach, dass Mauern Trennlinien von uns sind, die uns voneinander trennen und das nur können, weil jeder einzelne Mauerstein einen lieblosen Menschen meint. Das wird niemand ändern oder einreißen können als jeder Stein für sich die Verbindung zum anderen Stein wiederfinden muss. Erst dann werden wir die vielen Häuser unseres Vaters wiederfinden, in denen wir als eine Menschheitsfamilie wiedervereint sind. 

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildhinweis: halisdonmez  / Shutterstock

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13 Kommentare zu: “Tagesdosis 13.11.2019 – Der Mauerfall und die Wiedervereinigung

  1. Hallo Herr Lenz, ein sehr schöne Geschichte. Ich habe sie mit Freude gelesen. Danke Ihnen…ich bin immer wieder erstaunt, welch schöne "Dinge" aus positiven Energiequellen immer wieder entspringt. Es lässt mich hoffen und weiter fest an das Gute in jedem Menschen glauben bzw., anders ausgedrückt, "fühlen". Dieser Text wurde mit Liebe verfasst. Um so mehr tut es mir immer sehr leid, wenn Menschen, deren innere Bindung fehlt, aus "Dingen", positiver Energie entsprungen, in negative Energie umwandeln oder als solche weiterführen. Ich erlebe dies als Person der Öffentlichkeit allzu häufig. Ich wünsche denjegien Menschen dann, aus meiner tiefesten inneren Energie heraus, ganz viel Liebe, damit sie selbst erkennen, dass sie sich selbst wohl am Allermeisten Schaden.

    Und übrigens, wenn ich schon direkt an sie adressiert hier schreibe…ich finde ihre Sendung "M-Pathie" ganz toll. Ich war damals, als ich ihr Format entdeckte, sehr verblüfft, ich darin genau meine Art zu fühlen, zu leben, aber auch meine Wertvorstellung, usw. fand. In ihrem Format wird dies ganz offen nach außen ausgesprochen, was viele spüren, fühlen, erleben, es in unserer Gesellschaft aber kaum Platz findet zu sein was es ist. Besonders die Sendung mit Nepomuk Meyer und Anke Evertz fand ich mega klasse. Ich wünsche ihnen alles Gute und machen sie bitte weiter so, nämlich genau so wie sie sind und sein möchten!!!! Ich werde weiter gespannt ihre Sendung verfolgen. Danke, Herr Lenz!!!

  2. Lieber Herr Lenz! Ich habe mich ueber ihren Text gefreut und er hat mir Hoffnung fuer die weitere Entwicklung der Arbeit auf KenFm gemacht. Mögen Ihnen immer erhellendere, einende und heilende Texte gelingen!
    Wir sind Ein Wesen, dass auf diesem wilden Maskenball etwas verwirrt vom Trubel in 7 Mrd. unterschiedlichen Verkleidungen herumspringt… (Kann man das so sagen?)
    Guten Tag in die Runde!

  3. Ach übrigens: Gestern wurde der Account "Wissenschaft" von KenFM ohne Vorwarnung und Angabe von Gründen gelöscht, nachdem der Inhaber erwähnte, daß hier Accounts gelöscht werden mit, dem Narrativ der Seite widersprechenden Kommentaren:
    Viel Spaß Ken beim löschen meines Accounts, nachdem ich Euch geoutet habe.

    Ich werde Euer Verhalten a la Google, Twitter, facebook Zensur (ist sogar noch schlimmer, da ohne Angabe von Gründen)
    auf genau diesen Plattformen ab sofort verbreiten und die Leute über Euer Verhalten aufklären.
    Habe mir dafür extra einen Facebook und Twitter account zugelegt.
    Ihr seid nicht besser als die Anderen Zensoren.
    Ihr tarnt Euch als alternatives Medium, dabei seid Ihr definitiv gesteuerte/geduldete Opposition.
    Ihr seid damit nicht mehr glaubwürdig.
    In den letzten Wochen und Monaten ist mir schon stark aufgefallen, daß Ihr Euer Portal zur Werbung Eurer politischen Agenda einsetzt (Richtung Rotfaschismus aka Kommunismus/Sozialismus).
    Es gibt da einen Satz der geht so:
    "Ein Journalist darf sich mit keiner Sache gemein machen- auch nicht mit einer Guten!"
    Dagegen verstoßt Ihr seit Jahren. Auch Ihr seid keine Journalisten, sondern einfach nur Propagandisten.
    Viel Spaß beim Löschen meines Accounts, nachdem ich das hier veröffentlicht habe.
    Ihr seid damit am Ende. Fertig.
    P.S.: es gibt die Möglichkeit immer wieder hier her zu kommen und Euren Lesern immer wieder zu zeigen, wie undemokratisch auch Ihr Euch verhaltet.
    Es gibt Millionen von mögl. EMail Adressen, mit denen man sich anmelden kann 😉
    Auch Ihr bringt die Wahrheit nicht zum Schweigen.

    • Liebe Sylvia
      "Wissenschaft" wurde schon mehrere Male gesperrt. Von daher war das nur konsequent.

      Ich weiß nicht, ob folgendes der Grund der Redaktion war, ihm schon vor Monaten die Tür zu weisen.
      Es ist lediglich eine Vermutung.
      Man kann es auch so betrachten: Er hatte jede Menge Chancen und ist immer wieder ins gleiche Muster verfallen.
      Vllt. habe ich ein anderes Verständnis von freier Meinungsäußerung, aber in die Ecken sollte sich niemand pinkeln lassen und genau das hat er immer wieder getan. Es ist eine Sache zu sagen: "Das sehe ich aber anders, weil…" oder ich würde mir wünschen, dass…". Aber die Betreiber des Portals immer wieder als Lügner, Feiglinge, Handlanger ect. zu beschimpfen, weil sie nicht senden und was ich verlange, ist nichts weiter als destruktiver Blödsinn.

      Es macht meiner Meinung nach wenig Sinn, sich auf Dinge zu versteifen, für die es keine schlagkräftigen Beweise gibt. Es sei denn, man macht sich selbst aktiv auf Beweise zu finden (abseits von YouTube und Co.). Es sollte aber jedem überlassen sein, womit er sich beschäftigen und was er publizieren möchte.
      Wird meine Erwartung nicht erfüllt, gehe ich.
      Es ist Niemandes Aufgabe Ihre Erwartungen zu erfüllen! Weder privat noch öffentlich.

      Menschen die den ganzen Tag in ihrem bequemen Sessel im Netz vor sich hinzwitschern oder anderweitig jeden aggressiv angehen, der eine andere Meinung hat, weil sie glauben die Wahrheit gepachtet zu haben, unterstelle ich mittlerweile perse fragwürdige Absichten.
      Und wenn mich mein Leben eines gelehrt hat, dann dass die Lautesten Aggressivsten nie die Mehrheit sind, selten richtig liegen und leicht zu manipulieren sind, weil sie sich mit Übereifer auf alles stürzen, was ihnen schmeckt.
      Mit selbigen findet man keine Lösungen. Sie sind allenfalls gut um Chaos zu schaffen.
      Sich einzubilden immer für alle zu sprechen können ist ein bewährtes Mittel sich Gehör zu verschaffen. Ich nenne das schlicht Betrug.

    • Der organisierte Zweifel – das heißt: die Wissenschaft – hält sich an gewisse Spielregeln der intellektuellen Redlichkeit, wie sie in Teil 1 Wissenschaft im Gegenwind ansatzweise beschrieben wurden. Anders Propaganda und Desinformation. Sie spielt die anderes Spiel: Sie missachtet die Regeln wie ein Schachspieler, der das Brett vom Tisch wirft und den anderen verspottet, weil er nicht gewinnt. Das Ziel sind Zersetzung und Diskurs-Sabotage. Hier geht es nicht um Erkenntnisfortschritt, sondern darum, aus dem rhetorischen Schlagabtausch (in dem Augen der Umstehenden) als Sieger hervorzugehen. Neben einer sportlichen Haltung empfiehlt es sich daher, seinen Gegner zu kennen.
      (…)
      Tatsächlich hat eine psychologische Studie mit dem schönen Titel Trolls just want to have fun ermittelt, dass Trollen oft mit sadistischen Neigungen einhergeht. Beim beruflichen Desinformanten überwiegen finanzielle Motive, beim lustorientierten Desinformatieren aggressive, das Ideologische ist für sie zweitrangig.

      Alle anderen Typen des Desinformanten zeigen ein komplizierteres Verhältnis zur Wahrheit. Deutlich wird das am Beispiel der schwarzen Propaganda, das heißt Fälschungen wie erfundene Statistiken, manipulierte Bilder oder vermeintliche Zitate. Diese Form der Propaganda spielt in Online-Debatten eine wichtige Rolle und wird keineswegs nur von Menschen verbreitet, die sich darüber bewusst sind, dass es sich um Fälschungen handelt. Gänzlich überzeugt von ihrer Wahrheit sind sie andererseits ebenfalls nicht. Die meisten Menschen verzichten sozusagen darauf, die Faktizität des Inhalts zu prüfen, solange dieser ins Weltbild passt.

      Nun widerspricht Lügen bekanntlich gesellschaftlichen Normen. Führt das halbbewusste Verbreiten schwarzer Propaganda nicht zu einem inneren Konflikt? Nein, weil die (empfundene) Gruppendynamik dominiert. Die eigene Gruppe wird als bedroht wahrgenommen, daher erscheint die schwarze Propaganda als legitim. Die Desinformanten vollziehen sozusagen innerlich den Schritt von der Lüge zur Notlüge.

      Aus:
      Wer hat uns die Fakten geklaut?
      23. September 2019 Matthias Becker

      Über Wissenschaft, rechte Elitenkritik und die Vertrauenskrise – Teil 2
      (heise/Telepolis)

      Oder hier:
      Rainer Mausfeld: Wir müssen natürlich Kritik und Diffamierung unterscheiden. Kritik zielt auf die Sache, Diffamierung auf die Person. Kritik beruht auf Argumenten, Diffamierung arbeitet mit einem Diffamierungsvokabular. Worum geht es mir in meinen politischen Beiträgen in der Sache? In meinen Vorträgen geht es mir weniger um Vermittlungen konkreter Inhalte und Positionen. Denn hier gibt es wie stets bei der Betrachtung komplexer Systeme einen großen Spielraum für unterschiedliche Perspektiven; ich lege jedoch in meinen Beiträgen stets offen, dass meine Perspektive durch die radikaldemokratische Tradition der Aufklärung geprägt ist.
      Mir geht es in meinen Vorträgen vor allem um die Vermittlung einer Denkmethodologie, also gleichsam um das Handwerk des Denkens, mit der wir unsere alltäglichen politischen Erfahrungen wieder in einen Sinnzusammenhang einordnen können. Denn nur so können wir wieder ein Stück Autonomie gewinnen und angemessene Handlungskonsequenzen aus unseren Erfahrungen ziehen.
      (…)
      Methoden und Funktionsweisen eines Dissensmanagements können wir besser verstehen, wenn wir statt auf Personen auf seine strukturellen Eigenschaften fokussieren. Zu diesen gut untersuchten und seit langem bekannten strukturellen Eigenschaften gehört es, dass in allen Machtstrukturen besonders Journalisten, Intellektuelle und Wissenschaftler, die in gesellschaftsrelevanten Bereichen arbeiten, eine Tendenz aufweisen, sich wie Eisenspäne in den Kraftfeldern der Macht auszurichten.
      Folglich finden sich in allen Machtstrukturen gerade unter Personen, die über besondere Möglichkeiten verfügen, sich in eine öffentliche Debatte einzubringen, bereitwillige Vertreter, die gleichsam als Bannwarte der Macht agieren und in vorauseilendem Opportunismus alles, was sie für einen unzulässigen Dissens halten, mit Diffamierungsbegriffen belegen.
      Da sie auf diese Weise den in Politik und Medien Mächtigen bezeugen, dass sie die herrschende Ideologie tief internalisiert haben, werden sie dafür vor allem im journalistischen und akademischen Bereich oft mit entsprechenden Karrierechancen belohnt. Diese Mechanismen eines Dissensmanagements in kapitalistischen Demokratien sind seit langem wohlbekannt.
      (…)
      Da sich ihre Urheber in den von Ihnen genannten Fällen nicht einmal die Mühe machen, etwas anzuführen, das sie als Argumente oder Belege ansehen, haben diese Anwürfe mit mir und den Inhalten, die ich zu vermitteln suche, nichts zu tun. Das ist eigentlich für jeden, der sich ernsthaft mit meinen Beiträgen beschäftigt, klar erkennbar. Wer nun dennoch meint, eine ernsthafte Auseinandersetzung durch ein paar hingeworfene Schmähwörter ersetzen zu können, wird mit einer solchen intellektuellen Selbstauskunft leben müssen.

      Aus:
      "Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung"
      02. Oktober 2018 Paul Schreyer

      Der Psychologe Rainer Mausfeld über die Illusion des Informiertseins, eine "Verachtung des Volkes" und Journalisten und Intellektuelle, "die sich wie Eisenspäne in den Kraftfeldern der Macht ausrichten"
      (heise/Telepolis)

      Im Grunde ist das Ganze selbsterklärend, wegen der unmöglichen Klammer "Rotfaschismus aka Kommunismus/Sozialismus." Eine Variante des Querfrontvorwurfs. Eine Methode überhaupt, um Kritik generell zu stigmatisieren. Da es durchaus vorkommen kann, daß gleichlautende Kritik aus unterschiedlichen Richtungen kommt, die aber ansonsten nichts miteinander gemein haben.
      Wobei hier noch zu unterscheiden ist, wer meint es ernst und bei wem ist es Opportunismus? Also eigentlich Hohn.

  4. Moin, Ruediger Lenz, ja eine sehr spannende Geschichte, doch auch ich hatte eine Begegnung neulich, auch ich wurde angesprochen von einem Herrn:
    "Vor knapp 2000 Jahren war ich in einer sehr vertrackten Situation. Wir, die Widerständler, die sich Nazarener nannten, nach meinem Heimatort Nazareth, befanden uns im Kampf gegen die Römer. Das Imperium Romanum hatte neben vielen anderen Völkern auch unser Land besetzt. Neben den Pharisäern, ja, das weiss man heute schon gar nicht mehr, befanden sich auch noch militantere Gruppen, wie z.B. die Sikarier im Widerstand.
    Leider war es uns nicht vergönnt, die Römer zu besiegen, auch nicht mit meines Vaters Hilfe. Zu stark war die Zersetzungsarbeit der Gegenseite. Und so kam es, dass man uns, die sog. Rädelsfuehrer, nach dem nur fuer Landesverrat vorgesehenen Delikt nach römischen Recht ans Kreuz nagelte. Meine Fuehrungsrolle innerhalb unserer Widerstandsgruppen verdankte ich meiner königlichen Abstammung, doch daraus machten sich die Römer nichts. Sie schrieben das Kuerzel *INRI* auf ein Brett und hängten es um meinen Hals.
    Heute stehen wir vor einer ähnlichen Herausforderung: Die USA haben Deutschland besetzt, um den Angriff auf andere Staaten zu planen und auszufuehren. Ich, meine Freunde bin auf jeden Fall bei euch, um zumindest diesen Okkupanten erfolgreich zu vertreiben."

    mfG

    • Der Kommentar ist zwar hart formuliert und stellenweise zynisch, aber inhaltlich steht zu vermuten, dass da etwas Wahres dran ist. Das Thomasevangelium birgt Passagen, die sich mit der Ausdrucksweise Jesu in der Bibel decken. Zu finden in allen Aussagen zwischen Beginn seiner Predigten (unter freiem Himmel) und seiner Kreuzigung. Später hielt ein Sprachgebrauch in die Bibel einzug, der nicht seiner Art entspricht. Vor allem in der Offenbarung des Johannes, deren genaues Verfassungsdatum auch fragwürdig ist, wird eine Sprache gebraucht, die nicht Jesus Ausdrucksweise entspricht. Die Frage stellt sich: Warum sollte Gott seinen Sohn opfern und ihn solche Qualen leiden lassen? Dies wäre völlig kontraproduktiv für die Etablierung einer Religion der Liebe, die sich weiterverbreiten soll. Die Übernahme des Christentums durch Kaiser Konstantin und Überführung desselben in die Römisch-Katholische Kirche (heißt römische allgemeine Kirche) mit anschließenden Konsilien und Kriegen zeigt dies deutlich. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass Jesus sein Todesurteil in dem Moment unterzeichnet hat, als er die Geldhändler aus dem Tempel werfen wollte. Er hatte die Etablierten gegen sich aufgebracht und es war den Römern ein Leichtes mit der Kreuzigung ein Exempel zu statuieren. Man kann also die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass es so war wie Hog1951 schreibt.
      Das beeinträchtigt nicht den Glauben der Menschen, er sei Gottes Sohn. Ebenso wenig wie den Glauben der Menschen, die ihn für einen Propheten halten. Er nannte seines Vaters Reich das Königsreich. "Das Königsreich ist in Dir und außerhalb von Dir." Thomasevangelium, Fassung Ralph Skuban.

    • Moin, Paula, in der Tat handelt es sich um 2 versch. Sachverhalte. Zum einen geht es um das, was Menschen glauben, auch entlang der Schriften des NT. Zum anderen geht es darum, den wahren Sachverhalt, wie es sich vor ca. 2000 Jahren zugetragen hat zu ergruenden.
      Wer die Buecher zum judäischen (Befreiungs)Krieg von Josephus gelesen hat, bekommt eine ungefähre Ahnung, was damals in Jerusalem geschah. Die Literatur im NT zeigt auch sehr deutliche Spuren von Widerstand und Aufbegehren gegen die römische Besatzung. Dass dieser Tatbestand (römische Besatzung und deren Soldaten) in der Bibel/NT so gut wie nicht vorkommt ist schon etwas merkwuerdig. Ausser Pilatus wird nur der wachhabende Römer unterm Kreuz erwähnt. M.M.n. ein Fall von Geschichtsklitterung oder wie man heute sagen wuerde Fake News.
      Die Vertreibung der Geldwechsler aus dem Vorhof des Tempels war eine Massnahme, die man heute als Steuerreform bezeichnen wuerde. Jesus war von seiner königlichen/messianischen Abstammung her vorgesehen seinen Dienst als König wahrzunehmen. Sein Ritt auf dem trächtigen Esel nach Jerusalem wurde von einem Propheten geweissagt, und seine erste Amtshandlung war die Vertreibung der Geldwechsler. Der Hintergrund, war ganz einfach der, dass die Geldwechsler auf eigene Rechnung gearbeitet haben und der Tempel und all seine Bediensteten leer ausgingen.
      "Die Ausdrucksweise Jesu aus der Bibel" ist leider schwerlich nachzuvollziehen, weil es keine wörtliche Rede von ihm gibt, und das ganze NT erst 70 Jahre nach seinem Tod aufgeschrieben wurde. Erschwerend kommt hinzu, dass die 4 Evangelien die Handschrift von Paulus tragen, der eine sehr unruehmliche Rolle im NT spielt. Nicht nur, dass er als Verfolger der Gruppe um Jesus in Erscheinung trat, so hat er nach seinem Sturz vom Esel/Pferd eine 180 Grad Wende vorgenommen und missioniert nun die Juden, die ausserhalb Jerusalems wohnen. Dass er dabei in Konflikt mit der Gruppe kommt, die von Jakobus und 2 anderen Bruedern des nun toten Jesus kommt zeigen 2 Episoden der Apostelgeschichte. Hier dreht es sich zum einen um Essensrituale, aber auch um Veruntreuung gesammelter Gelder, die eigentlich dem Widerstand (gegen die Römer) zugute kommen sollten.
      Erst auf dem Konzil zu Nicea wurde dann der Kanon beschlossen, der nur einen Brief enthält von Jakobus, dem Bruder des Jesus und (ich glaube insgesamt 7) Briefen von Paulus.
      In einem dieser Briefe beschreibt Paulus dann auch, dass er fuer seine "gerechte" Sache auch luegen wuerde.
      Das Thomasevangelium ist wie unter anderen auch das Mariaevangelium aus Nag Hammadi und ist gnostisch beeinflusst. Es hat also so mit dem NT nicht allzuviel gemein.

      mfG

    • Moin Hog1951
      Ich habe am Ende meines Kommentars hier einmal einen Kommentar aus einem anderen thread reinkopiert!
      Zuerst probierst Du den Schreiber zu diskreditieren.
      Dann unterstellst Du Ihm die Nähe zu Nazis weil er die Gemeinsamkeiten von Kommunismus und Faschismus aufzeigt.
      Hier zeigst Du, daß Du ein übler Propagandist bist. Ein rotlackierter Faschist bist Du.
      Und zum Schluß verleugnest Du die 10-20 Millionen Opfer des Kommunismus in den Gulags (das sind mehr als die des Holocaust).
      Du bist schlimmer als jeder Holocaustleugner.
      Du bist wirklich genau der Typ, der 33 den rechten Arm als erster zum Gruß gehoben hätte
      Du hättest Dich als Erster zum Erschießungskommando als Freiwilliger gemeldet
      Du bist der Typ der in Auschwitz und in den Gulags auf dem Wachturm steht.
      Du bist Amon Göth in kommunistisch-faschistischer Verkleidung.
      Dein Kommentar ist widerlich und abartig.
      Schäm Dich.
      Karma is a bitch mein Lieber. Denk dran.
      Hog1951 sagte gestern:
      @wissenschaft, ja ein Aliasname, der vorgibt viel zu versprechen, aber letztendlich nur viel warme Luft produziert. Ein Hochstaplername also. Was Du versuchst hier so gelehrig vorzutragen, mit der Gleichsetzung aller Ismen ist nur dazu gut, den Faschismus und zwar den der hitlerschen Prägung zu rehabilitieren. Ein System, das sich zur Aufgabe gemacht hat (Nuernberger Gesetze) die Juden aus Deutschland und aus ganz Europa zu eleminieren und zwar durch TOD ist nicht im Geringsten zu vergleichen mit den anderen Ismen, die Du anfuehrst.
      Im uebrigen weiss ich schon recht gut selber was gut oder schlecht fur mich ist.

    • Hog1951 der Rotfaschist (aka Kommunist) ist vermutlich Teil des Ken fm Teams.
      Trotz Diffamierungen gegenüber anderen wird er nicht gesperrt- im Gegensatz zu anderen Accounts, die kein einmal jemanden diffamiert haben.

      Hoggielein, oute Dich mal. Wer bist Du?
      Bist Du Kirner? Bröckers?, Pohlmann? Ken? Oder wirklich nur ein verwirrter Rotfaschist?
      Hast Du Mut? Ich glaube nicht, denn Faschisten egal ob rot oder braun sind die größten Feiglinge.

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