Tagesdosis 13.2.2019 – Showdown für den Kapitalismus

Hatten die Marxisten mit ihren Voraussagen am Ende doch recht?

Ein Kommentar von Jeff Cohen.

Als junger Aktivist in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren hörte ich eine Menge marxistischer Dogmen von linksgerichteten Splittergruppen, die an großen Universitäten und in Städten verkündeten, dass „der Monopolkapitalismus auf seine finale Krise zuschlittert“. Fortwährend wurde vor einem apokalyptischen Niedergang gewarnt. Die Warnungen klangen absurd, besonders da Jahre vergingen, ohne dass wir dem endgültigen Zusammenbruch auch nur nahe gekommen wären – sie überzeugten mich nicht mehr als Jehovas Zeugen, die mit ihren Glaubenssätzen an meine Tür kamen.

Damals, bis in die frühen 1970er, expandierte die Wirtschaft, wuchs die Mittelschicht und wurden Gewerkschaften von den Fabrikbesitzern größtenteils toleriert. Der Kapitalismus US-amerikanischer Art begann, sich weltweit zu verbreiten.

Doch in letzter Zeit frage ich mich, ob diese Marxisten am Ende doch richtig lagen, wenn auch ein paar Jahrzehnte verfrüht. Wirft man einen genauen Blick auf zwei Säulen des westlichen Kapitalismus – die USA und Großbritannien –, dann sieht man, dass die heutigen politischen Krisen ernsterer Natur sind als die meisten vergangenen.

40 Jahre Neoliberalismus

Beide Länder stecken in Regierungskrisen historischen Ausmaßes fest. Oberflächlich gesehen drehen sie sich um den Brexit in Großbritannien und um Trumps Ego und seine Mauer in den USA. Doch die Wurzeln der Problematik reichen tiefer. Die Probleme sind struktureller Natur und beginnen nun an der Basis der Gesellschaft, wo unter der Arbeiterschicht beispiellose Wut, Gespaltenheit und Verzweiflung zu finden sind, nachdem Jahrzehnte von wirtschaftlichem Neoliberalismus den Reichtum an der gesellschaftlichen Spitze konzentriert haben.

Der Neoliberalismus – mit dem Politiker zuallererst Unternehmensinteressen bedienen, wobei dann hoffentlich ein paar Krumen für die Masse „abfallen“ – startete vor 40 Jahren richtig durch.

In Großbritannien wurde er „Thatcherismus“ genannt und in den USA „Reaganomics“. Und der Neoliberalismus ist seitdem stets die treibende Wirtschaftsideologie gewesen, bei der Reichtum und Einkommen unerbittlich nach oben fließen, selbst nachdem „die Opposition“ die Macht übernommen hat. In den USA hatten wir den unternehmerfreundlichen „New Democrat“ Bill Clinton – Nordamerikanisches Freihandelsabkommen, Deregulierung der Wall Street, Sozial-„Reform“, Masseninhaftierungen. In Großbritannien hatten sie Tony Blair und „New Labour“ – der so unternehmerfreundlich war, dass Rupert Murdoch ihn unterstützte.

Anders als vergangene Regierungskrisen sind die heutigen nicht einfach parteiinterne Kämpfe unter Eliten, bei denen die Massen vom Rand aus zuschauen. Heutzutage müssen Regierungsfraktionen auf Wählergruppen reagieren, die zunehmend wütend, unnachgiebig und fordernd sind. Alles das lässt den politischen Stillstand noch starrer wirken.

Keine echte Auseinandersetzung

Da nackter Dienst an Unternehmenseliten und „trickle down“-Versprechen sich einer unsicheren Mittelschicht nicht länger verkaufen lassen, sind rechtsgerichtete Politiker wie Trump und von Steve Bannon gezüchtete Europäer jetzt „Populisten“ und „Anti-Eliten“, die sich Rassismus offen zu Nutze machen, während sie Einwanderer als Sündenböcke für die Probleme der Gesellschaft darstellen. Statt der „Magie des freien Marktes“ verkaufen sie die Magie von Stahlzäunen.

Unterdessen müssen sich in den USA meist biegsame demokratische Anführer mit einer jüngeren, ethnisch vielfältigeren, zunehmend progressiven und unnachgiebigen Wählerbasis auseinandersetzen. Die Führungsriege versucht, durch Rhetorik und symbolische Gesten zu besänftigen, während sie sich den Forderungen der Basis nach weit reichenden ökonomischen und ökologischen Reformen widersetzt, die im Konflikt zu den Wünschen der Parteigeldgeber stehen.

So bekriegen sich Republikaner und Demokraten über die Finanzierung der Mauer, während sie im Stillen Hand in Hand an größeren Themen arbeiten, wie etwa der gefährlichen, anti-demokratischen Macht der Wall Street und der Umleitung eines Großteils der nationalen Ermessensausgaben an den unverantwortlichen militärisch-industriellen Komplex.

Das größte aller Probleme

Und das US-politische System meidet das größte aller Probleme – die Katastrophe, die der alten Rhetorik über „die finale Krise des Kapitalismus“ eine neue Realität verleiht: der menschengemachte, profitgetriebene Klimawandel, der es immer heißer werden lässt, während liberale und konservative Politiker herumtricksen. Republikaner leugnen die wissenschaftlichen Belege; demokratische Führungspolitiker verleugnen und verzögern die nötigen tief greifenden Lösungen – wie einen „Green New Deal“, der bestimmte Unternehmensbilanzen untergraben würde.

„Die Krise des Kapitalismus“ wäre für alle viel leichter zu erkennen, wenn sich die Armen und die Arbeiterschicht – und die ehemalige Mittelschicht – in einer offenen Rebellion gegen 40 Jahre des Neoliberalismus zusammenschließen würden. Doch obwohl die Arbeiterschicht der USA zum größten Teil wütend auf das System ist und geeint in ihrer Verzweiflung über „eine Demokratie, die dem ganzen Volk dient“, ist sie untereinander gespalten, oftmals entlang ethnischer Grenzen.

Für manche derjenigen, die sich an der Spitze dieses offenbar bröckelnden Systems an die Macht klammern, mag das Schüren von weißem Rassismus und Spaltung ihre letzte, verzweifelte Taktik sein. Nach Trump fällt es nicht schwer, sich zukünftige republikanische Politiker vorzustellen, die sich Fox News-mäßigem Rassismus und Schuldzuweisungen an Einwanderer bedienen, um die Parteibasis zu „inspirieren“ und zu gewinnen.

Jenseits des Kapitalismus

Doch dies ist eine trügerische Taktik, mit schrecklichen Konsequenzen für die Zukunft. Die heutige Wirtschaft ist angeblich stark – „die beste in der Geschichte“, wie Trump sagt. Doch man stelle sich die Wut vor, die mit der nächsten Rezession, welche überfällig ist und von allen Seiten erwartet wird, die Bombe zum Platzen bringen wird.

Angesichts des Stillstandes des politischen Systems und unserer sich weltweit bedrohten Natur müssen wir Lösungen „jenseits des Kapitalismus“ finden – zumindest sagen das viele US-Amerikaner unter 30 in einer Umfrage nach der anderen (1, 2). Junge Menschen haben nie eine „Wirtschaft, die für alle funktioniert“ erlebt. Ob man es nun „Post-Kapitalismus“ oder „Sozialdemokratie“ oder „demokratischen (Öko-)Sozialismus“ nennt, etwas Neues und Besseres ist nötig.

Und es ist ermutigend zu sehen, dass immer mehr gewählte Volksvertreter über diese neuen Richtungen nachdenken, darunter junge Kongressmitglieder wie Alexandria Ocasio-Cortez und Rashida Tlaib. Und alte Hasen wie Bernie Sanders und Jeremy Corbyn, die die Krise des Kapitalismus erkannt haben, bevor es cool war.


Jeff Cohen war von 2008 bis 2018 Direktor des von ihm gegründeten Park Center for Independent Media in Ithaca, New York. Er ist Gründer der Media-Watch-Group FAIR und Mitbegründer der Online-Aktivismus-Gruppe RootsAction.org.


Redaktionelle Anmerkung [Rubikon]: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „The System’s Falling Apart: Were the Dogmatic Marxists Right After All?“. Er wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratsteam lektoriert.


Quellen und Anmerkungen:

(1) https://www.sacbee.com/news/nation-world/national/article182765121.html
(2) https://www.cnbc.com/2018/08/14/fewer-than-half-of-young-americans-are-positive-about-capitalism.html

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Dieser Beitrag erschien am 12.2.2019 im Rubikon- Magazin für die kritische Masse

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

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20 Kommentare zu: “Tagesdosis 13.2.2019 – Showdown für den Kapitalismus

  1. Kapitalismus ist noch nie untergegangenen und wird auch nicht, weil Menschen innerlich so strukturiert sind. Seit immer schon, nenn es Kapitalismus oder was anders wurde das Volk zugunsten der Reichen ausgenommen. Jeder der an eine Machtstellung kommt würde es genauso machen, nicht wahr? Schon vergessen: Rede an den kleinen Mann von W. Reich. Das System ist immer ein Spiegel dessen was in uns ist. Der Glaube an die Ideologie Kapitalismus. Darum will man immer innerhalb des Systems etwas ändern. Damit es besser läuft. Man muss ganz heraus aus diesem System. Das heißt aus dieser Ideologie und nicht durch eine neue ersetzen. In sich erstmal!

  2. Es gibt keinen menschengemachten Klimawandel, nicht in der Form, wie er uns in die Köpfe geprügelt wird.
    (Unter anderem mit für diese Zwecke mißbrauchten Kindern!)
    Es gibt extreme Umweltverschmutzung, es gibt Geoengineering, es gibt eine sich reinigende Mutter Erde und vieles mehr. Aber nicht den in Angst und Schrecken versetzenden Klimawandel a la: „Hör auf zu atmen, dann rettest du die Welt!“
    „Oder bezahl fürs Atmen“…dadrauf wirds rauslaufen…

    • Genau!!!
      Wenn man wirklich uns und die Umwelt schützen wollte, hätten wir weder Glyphosat, noch Massentierhaltung (ich reg mich immernoch über diese Klöckner auf, die den Bauern erlaubt die Ferkel ohne Narkose zu kastrieren. und ich hoffe, sie kommt im nächsten Leben als Ferkel zur Welt. sorry, sowas macht mich so wütend) und die Aida hätte Fahrverbot. Wir hätten kein Quecksilber und Formaldehyd in den Impfungen, Hanf wäre legal usw usf. Es gibt Dutzende Beispiele.

      Der menschgemachte Klimawandel ist der neue Ablasshandel des 21. Jhdts. Wir kriegen Schuld eingeredet und zahlen dafür und ne Inquisition gibt es auch.

  3. Hallo,

    interessanter Beitrag, aber leider bedient er alte Muster…

    zu Marxismus:
    Was hat der Marx eigentlich zu Banken und Geldschöpfung geschrieben? Das mit den Arbeitern und der Enteignung der Fabrikbesitzer ist ein alter Hut. Marxismus würde aber eine Gruppe nicht treffen. Die Bankenbesitzer. Hat er auch über Verstaatlichung vom Bankensystem geschrieben, wo doch die deregulierte Bankenmafia das Hauptproblem darstellt? Ich schreibe das, weil bei mir zumindest nach dem Beitrag der Eindruck blieb, als könnte Marxismus/Sozialismus doch irgend eine Lösung sein.

    zu Rassismus:
    Wider dem Rassismus, wider dem menschlich sein. Rassismus ist so alt wie die Menschheit. Gerade die Juden können ein Lied davon singen. Egal ob in einer liberalen/offenen Gesellschaft oder in einer die die Minderheiten knechtet, sie bleiben unter sich und das seit 2000 Jahren. Interessieren sich nur für Ihre eigenen Probleme und involvieren andere nur, wenn Ihre eigenen Ziele gefährdet sind. Das scheint also menschlich zu sein unter sich bleiben zu wollen. Am gefährlichsten sind sowieso die, die von anderen Großzügigkeit in irgend einer Sache verlangen, die sind meist in dieser Sache selbst die Schlimmsten.

    zu Klimawandel:
    Niemand leugnet den Klimawandel. Zunächst: Leugnen kann man nur Dinge, die als Wahrheiten gelten. Wahrheiten sind für jeden erkennbare Selbstverständlichkeiten. Das Klima allerdings ist nur das Ergebnis von statistischen Erhebungen der letzten 30 Jahre. Jeder kennt den Satz: „Glaube keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.“ Wer ein bisschen im Internet sucht kann Statistiken zu allem was er möchte finden Klima rauf, Klima runter, alles da. Ich empfinde es als religiös einen Wahrheitsanspruch aus diesen vielen Möglichkeiten zu formulieren.

    Klima ändert sich, das Wetter ändert sich keine Frage. Und wenn die Sonne 15.000 (bei KenFM gelesen) mal mehr „Energie“ zur Erde liefert als die Menscheit umsetzt, wer hat die arrogante Dreistigkeit zu behaupten, der Mensch mit seinem 1/15.000stel würde für ALLES verantwortlich sein. Der Mensch ist für 1/15.000stel der Veränderung verantwortlich.
    Und wenn wir was tun wollen, warum will niemand die Handelsschiffahrt (ich weigere mich drei Konsonanten hintereinander zu schreiben, das sieht zum Kotzen aus) abschaffen, wo unser Holz nach China verschifft wird und am Ende doch bei uns als Parkett im Baumarkt liegt. Warum sollen Autos abgeschafft werden, die wir jeden Tag brauchen (ich will kein Auto haben, die Werkstätten und Hersteller kotzen mich auch an), Flugzeuge aber nicht, die die meisten nur einmal im Jahr benutzen, meist auch noch freiwillig?

    Die angebotenen Rezepte zu den drei oben aufgeführten Stichworten gehen alle auf meine Kosten.
    Wem nützt es Herr Cohen? Den unsichtbaren abstrakten Eliten. Werden Sie konkret! (von Ken Jebsen gelernt). Geben sie dem Kind einen Namen, ein Gesicht. Früher war es ein Adliger oder ein Geistlicher, die konnte man zum Teufel jagen, weil man ihn kannte und wusste wo er wohnt.
    Heute ist es die Elite….
    Da wird die nächste Stufe der Manipulation und Hinhaltetaktik gezündet. Wir geben euch einen unerreichbaren Feind gegen den ihr ruhig rebellieren könnt, leider ist der nur fiktiv, genau wie eure Rebellion, aber bis Ihr das merkt, machen wir uns die Taschen noch mindestens voll bis das Öl alle ist und WIR den Resetknopf drücken, um die Kontrolle zu behalten.

    …Tut gut, wieder ein bisschen abreagiert, da kann ich jetzt mit guten Gewissen wieder profitieren gehen. Moderner Ablasshandel…

    • Oh, Marx hat zum Geldsystem eine ganze Menge geschrieben. Und auch über Banken. Sogar darüber, wie Kredite, Wechsel usw. funktionieren. Und er hat es weiter „gesponnen“ in einer Weise, dass man denken könnte, er hätte in unser Heute geschaut. Woher er das wohl wusste? Fakt ist: Sie wissen das darum nicht, weil sie Marx´Kapital gar nicht gelesen haben. Es ist fast lustig, wenn sich Leute über Marx ereifern, die keine einzige Zeile von ihm gelesen haben.
      Beste Grüße

  4. Hab – mit dem gebotenen Misstrauen – bei Wikipedia nachgeschaut, was die zu „trickle-down“ schreiben:

    Der Begriff Trickle-down-Theorie (englisch trickle ‚sickern‘; auch englisch Horse and Sparrow Economics ‚Pferd-und-Spatz-Ökonomie‘, im deutschen Sprachraum Pferdeäpfel-Theorie) bezeichnet die These, dass Wirtschaftswachstum und allgemeiner Wohlstand der Reichen nach und nach durch deren Konsum und Investitionen in die unteren Schichten der Gesellschaft durchsickern würden (Trickle-down-Effekt).
    John Kenneth Galbraith wies darauf hin, dass man die Trickle-down-Theorie zu seiner Jugendzeit als horse and sparrow theory bezeichnete: „Wenn man einem Pferd genug Hafer gibt, wird auch etwas auf die Straße durchkommen, um die Spatzen zu füttern“.
    Seit etwa 1980 fand sie insbesondere unter Neoliberalen wieder viele Anhänger und prägte die Steuerpolitik von Regierungschefs und Staatsoberhäuptern wie Ronald Reagan, Margaret Thatcher oder jüngst Donald J. Trump.

    Ich denke, das kann man so stehen lassen.
    Wir sollen uns vom Abfall der Reichen ernähren.

  5. Thema verfehlt.
    Planloser Rundumschlag, das ist mir zu dürftig. Dafür sorgt schon Frau Bonath jede zweite Woche, während dann wieder ein hervorragender Artikel von ihr folgt.

    Nun, die gewählten Volksvertreter, die ernsthaft über neue Richtungen nachdenken, werden bald von der Bildfläche verschwinden. Ich würde das vermutlich eher für Populismus halten, was die Leute von sich geben, wenn ich mich mit Ihnen befassen würde. Tu ich aber nicht, da ich es für vergebliche Liebesmüh halte. Die werden nichts ändern.

  6. Im Gegensatz zu Jesus, der gem. NT das (neue) Reich (Gottes) kommen sah, noch bevor er sterben wuerde (ein Kardinalfehler, der durch die gesamte Geschichte des Christentums mitgeschleift wurde), hatte zu der Zeit in den 70ern der Imperialismus Kreide gefressen, ging es doch um nicht weniger als die Konkurrenz zum bösen Sozialismus in der DDR und SU zu gewinnen. Es ging darum den Kapitalismus als die bessere Variante der gesellschaftlichen Produktionsweisen und Demokratieverständnisses darzustellen. Da konnte es dann schon mal 2stellige Lohnerhöhungen geben, oder auch ein neues Betriebsverfassungsgesetz. Diese kleine Unterbrechung im Zuge der Zerstörung der Welt durch den Kapitalismus hat nun dazu gefuehrt, dass sich diese Zerstörung etwas verlangsamt hat. Das ist aber auch schon alles.
    Wer damals nicht nur als linksliberaler Student unterwegs war, sondern sich mit den Schriften und Erkenntnissen von Marx und Engels auseinandergesetzt hatte, hatte auch genuegend ‚Werkzeug‘ in der Hand, um hier gruendlich analysieren zu können.
    „Angesichts des Stillstandes des politischen Systems und unserer sich weltweit bedrohten Natur müssen wir Lösungen jenseits des Kapitalismus finden (…)“
    Natuerlich jenseits des Kapitalismus, aber das ist auch nichts Neues, hätte Jeff Cohen damals in den 70ern besser aufgepasst, so wuesste er was jenseits des Kapitalismus liegt: der Sozialismus!

    • wisst ihr was immer wieder kommt, ja der Trump und sein Kapitalismus und alles geht den Bach runter, was aber nie kommt ist, was vorher war. nämlich das gleiche wie bei anderen Präsidenten davor Bush clinton und Obama also hat sich da nichts geändert also, warum wird das nicht erwähnt? kann euch sagen warum weil Trump immer von Leuten als buh man benutzt wird, klar er ist für Kapitalismus aber seien wir ganz ehrlich alles ist scheiße ebenso Sozialismus Nationalismus und Kommunismus aber fragt euch warum wir immer noch in diese ecken rum koschieren und nicht sagen hey ich bin von jedem etwas von allem das beste ein mix eben. glaubt mir wenn Ichs euch sage fällt nicht aufs Finger zeigen rein wenn jemand mit dem Finger auf einem zeigt ist das immer verdächtig wenn es vor ihm alle ebenso gemacht haben.

    • Moin, bluefalkon, mit den ersten Zeilen geh‘ ich mit, wobei ich denke, dass z.B. Willi Wimmer schon sehr genau unterscheidet, ebenso wie Rainer Rupp.
      Wogegen ich mich aber wende, ist in einem Satz den Sozialismus und den Kommunismus in die gleiche Tuete zu werfen wie den Nationalismus (Faschismus?). Wenn heute noch ca. 30 Jahre nach der Annexion der eh. DDR im Deutschen Regierungsfunk (ARD & ZDF) die alten Kamellen der ach so unfreien DDR rauf und runter gebetet werden mit gfuehlt tausenden von Dokus zur ach so bösen DDR, dann ist es wohl an der Zeit sich ein paar Gedanken zu machen darueber, warum diese Platte immer wieder aufgelegt wird, ohne irgend etwas neues aus dem Hut gezaubert zu haben. Wohlgemerkt, es geht nicht darum die eh. DDR mit all ihren Fehlern reinzuwaschen, aber wir sollten uns schon die Muehe machen etwas genauer zu gucken, als nur
      „(…) aber seien wir ganz ehrlich alles ist scheiße ebenso Sozialismus Nationalismus und Kommunismus (…)“
      mfG

    • Zum Einen wurde augenscheinlich der Kommunismus noch nie in größerem Umfang praktiziert. Das können sie sogar bei der Bundeszentrale für politische Bildung nachlesen:

      Kommunismus

      Bezeichnung für politische Lehren und Bewegungen, die als Ziel die Verwirklichung einer klassen- und herrschaftslosen Gesellschaft auf der Grundlage der von Karl Marx (* 1818, † 1883) und Friedrich Engels (* 1820, † 1895) aufgestellten Theorien haben. Nach Karl Marx entwickelt sich der Kommunismus als Gesellschaftsform nicht sofort, sondern schrittweise in verschiedenen Phasen. Nach einer Übergangsperiode des Kapitalismus, der notwendigerweise zusammenbrechen muss, und der Revolution des Proletariats folgt zunächst die Phase des Sozialismus. Vor allem das Kollektiveigentum an den Produktionsmitteln im Sozialismus sieht Karl Marx dabei als ökonomische Grundlage der allmählich aus der sozialistischen Gesellschaft durch Entfaltung aller menschlichen Fähigkeiten entstehenden höheren Phase der herrschaftslosen, kommunistischen Gesellschaft. Am Ende soll allen alles gehören.

      Und auch sogar bei Wikipedia, wird seine demokratische Natur beschrieben:

      Kommunismus

      Kommunismus (lateinisch communis ‚gemeinsam‘) ist ein um 1840 in Frankreich entstandener politisch-ideologischer Begriff mit mehreren Bedeutungen: Er bezeichnet erstens gesellschaftstheoretische Utopien, beruhend auf Ideen sozialer Gleichheit und Freiheit aller Gesellschaftsmitglieder, auf der Basis von Gemeineigentum und kollektiver Problemlösung.

      Zweitens steht der Begriff, im Wesentlichen gestützt auf die Theorien von Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Iljitsch Lenin, für ökonomische und politische Lehren, mit dem Ziel, eine herrschaftsfreie und klassenlose Gesellschaft zu errichten.

      Zum Anderen, wenn sie den Sozialismus mit der Demokratie verbinden, ist das auch schon eine feine Sache, anders als der Kapitalismus und sein Ableger der Faschismus, die Demokratie ausschließen.

      Kapitalismus und Faschismus in einen Sack zu stecken mit Sozialismus und Kommunismus, ist ein offensichtlicher Versuch der Verklammerung, zum Zweck der Desinformation und zur Desorientierung.

    • Moin Jungs 🙂

      Schöne Diskussion habt ihr hier. Hog ist Sozialist, Box Kommunist und ich setz jetzt noch einen drauf. Bin Anarchist (im wahren Sinne des Wortes).

      Jenseits des Kapitalismus – da träume ich von einer herrschaftslosen Gesellschaft, ohne Parteien, mit gemeinschaftlichen Regeln und für jedes „Ministerium“ ein vom Volk direkt gewähltes Gremium aus Spezialisten.

      Kann ich euch dafür begeistern?

    • Kristina, das gefällt mir. Statt vertikaler Hierarchien, horizontale „Hierarchien“.

      In den matriarchalen Gesellschaften lassen sich solche Strukturen finden.
      Wobei „matriarchal“ leider von den meisten als das Gegenteil von „patriarchal“ gehört wird.
      Es ist eher das Gegenteil vom Gegenteil, nämlich – wie du schreibst – herrschaftslos.

    • Moin, Kristana, ja sicher doch, allein mir fehlt der Glaube, dass das funktionieren könnte. Was tun wir gegen die Egoisten der Gesellchaft, die versuchten andere Gesellschaftsmitglieder ueber’s Ohr zu hau’n? M.M.n. wird es solche Menschen zumindest auf absehbare Zeit geben, und die Gesellschaft tut gut daran, Regeln aufzustellen wie es geht, aber auch Grenzen aufzuzeigen, und dann ist Schluss mit Lustig bzw. Anarchismus.
      Bthw, Kristana, es tut mir leid, aber ich bin zu dumm, um diese Mail-Möglichkeit zu nutzen (sorry).
      lG

    • Daliah8
      oh, das wusst ich gar nicht, das mit dem Matriarchat. Muss ich mich mal schlau lesen. 🙂

      Hog
      Es geht nicht ohne gemeinschaftliche Regeln. Das ist sonnenklar! Das wir keine lupenreine Anarchie hinkriegen ist mir auch bewusst. So einen krassen Schwenk würde die Bevölkerung auch nicht einfach mitmachen.

      Aber der step dazwischen, der wäre doch machbar.
      Also schon ein Parlament haben, aber eben keine Parteien, kein Fraktionszwang und keine Berufspolitiker. Und natürlich weder Lobbyisten noch Einflüsse durch Konzerne und Milliardäre.

      Ich hab schon mal hier geschrieben, wie ich mir das vorstelle. Am Beispiel Gesundheitsministerium kann man meine Idee gut beschreiben.
      Ich stelle mir vor statt Minister und MdBs so ne Art Ältestenrat von 5 Ärzten, die ERFOLGREICH geheilt haben und deshalb von ihren Patienten zur Wahl vorgeschlagen werden. Ein Schulmediziner, ein Homöopath, ein TCM-Doc und ein Schamane zum Beispiel. Diese Spezialisten hätten dann die Aufgabe uns über alle Möglichkeiten zu informieren und danach machen wir ne Volksabstimmung. Die technischen Möglichkeiten haben wir.

      Die Egoisten der Gesellschaft sind ein Problem, ja. Dafür müssen sich die Denkschablonen verändern. Solange Geiz geil ist und unterm Strich nur ich zähle, nur die Harten in den Garten kommen und es schön ist böse zu sein (Minions) wird das nix. Also bleibt die Frage, wie kriegen wir einen Wertewandel hin?

    • Moin, Kristana (at 15:18)
      “ Also bleibt die Frage, wie kriegen wir einen Wertewandel hin?“
      Ja, das ist eine interessante Frage! Doch soweit sind wir leider noch nicht. Zuerst steht es an, die Möglichkeiten fuer einen Wandel zu schaffen. Ich habe in meinem Arbeitsleben und auch ausserhalb die Erfahrung gemacht, dass ein gemeinsames Arbeiten/Kämpfen(?) zusammenfuehrt. Da ist letztendlich auch der Sinn des Gewerkschaftsgedankens. Aus dieser Gemeinsamkeit entstehen auch neue Ideen und neue Forderungen. Also diese Phase des gesellschaftlichen Umbruchs muessen wir nutzen, um uns selber zu erziehen, um ein Stueck weit voranzukommen, später nicht mehr so viele Ueberwacher und Gefängnisse zu benötigen.
      Ich will hier nicht die Spassbremse spielen, aber wir sollten doch mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.
      lG

    • Hog 🙂
      du bist keine Spaßbremse. Ich brauch Gegenargumente, die in meinem Kopf nicht vorkommen, um auf dieser Basis dann weiterzudenken und evtl ne Lösung zu finden.

      Aber du hast mich grad auf ne ganz andere, neue Schweinerei „gehoben“.
      „Gemeinsames Arbeiten/Kämpfen führt zusammen“. Auf jeden Fall!!!
      Das weiß anscheinend die Regierung auch. Daher kommt also diese schöne neue Idee mit dem Forcieren von homeoffice?! Macht Sinn. Wenn jeder nur noch als Einzelkämpfer vor seinem Rechner sitzt und sich nicht mit Kollegen austauschen und zusammentun kann, dann haben die Herrschenden das Prinzip divide et impera perfekt ausgebaut und zementiert.

      Mir ist das letztes Jahr schon aufgefallen, als mein Neffe komplette 2 Semester seines Studiums in homeoffice machen konnte und gar nicht mehr zur Uni musste. Wenn das in den 60ern schon gewesen wäre, hätte es nie eine Studentenbewegung gegeben… 🙁

    • Moin, Kristana (at 16:22)

      Ich nenne das die Balkanisierung der Gesellschaft. Kuerzlich las ich ein Buch zur Schulpraxis und Entwicklung in der Schweiz. Dort sollen die Kinder schon in der Volksschule in Grossraumbueros unterrichtet werden nur mit dem PC verbunden an ihren „Manager“, ja richtig, Lehrer gibt es nicht mehr. Ebenfalls soll der zu vermittelnde Lehrstoff total abgespeckt werden. Was ich nicht wusste, war, dass man diese PISA-Studie einzig deswegen durchfuehren lässt, um die Lerninhalte nach unten zu korrigieren. Und dann wird in halbes Jahr lang auf dises Event hin gepaukt. Aber das steht auf einem anderen Blatt.
      Zu der Balkanisierung gehört auch die Entwicklung div. sexueller und anderer Neigungen, um sie gezielt ansprechen zu können. So gibt es, ausser vielleicht in einigen kleineren Staaten, keine vergleichsweise regressivere Sexualpolitik als in den USA. Trotzdem kommen von jenseits des Atlantik die Gay-Bewegung, der Feminismus (ja, es war nicht die Schwarzer, wie man glauben könnte), der Veganismus , pipapo. Ich bin ueberhaupt nicht dagegen, dass man solche Neigungen entwickelt, aber in einer Gesellschaft, die Veränderungen gemeinsam herbeifuehren will, ist es kontraproduktiv, oder anders ausgedrueckt, der Hegemon hat viel Interesse auch an dieser Art der Spaltung.
      Was wir seit den seligen Studentenzeiten wissen, ist, dass nur eine sexuell freie Gesellschaft auch nach politischen Freiheiten drängt. Ein Dorn im Auge des Herrschers.
      lG

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