Tagesdosis 13.8.2019 – Ein überwältigend freundliches „Ami go home!“

Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

Es gibt sie noch, die Nachrichten und Schlagzeilen, die richtig gute Laune machen. Zumindest mir ging es so, als ich letzte Woche auf „Spiegel Online“ lesen konnte: „US-Botschafter Grenell droht Deutschland mit Truppenabzug“ – und dann auch in der Süddeutschen Zeitung: „USA drohen erneut mit Truppenabzug aus Deutschland“.

Ja was war denn da los? Ich war noch in den Ferien, halbwegs offline, und hatte die Nachrichten nicht regelmäßig verfolgt. War etwas so Entscheidendes passiert, dass der US-Botschafter nicht mehr an sich halten konnte und derart dramatische Drohungen loslassen musste? Nein, es war gar nichts passiert, es herrschte mehr oder weniger Sommerloch an der Nachrichtenfront. Der Grund für Grenells Drohung war nicht mehr als ein bisschen Agenda-Setting und Stimmungsmache für die anstehende Europareise von Donald Trump:

„Es ist wirklich beleidigend, zu erwarten, dass der US-Steuerzahler weiter mehr als 50.000 Amerikaner in Deutschland bezahlt, aber die Deutschen ihren Handelsüberschuss für heimische Zwecke verwenden“, hatte der Botschafter gegenüber der Deutschen Presse Agentur bekundete. Zuvor hatte seine Kollegin in Polen, Georgette Mosbacher, schon getwittert: „Polen erfüllt seine Zahlungsverpflichtung von zwei Prozent des BIP gegenüber der Nato. Deutschland tut das nicht. Wir würden es begrüßen, wenn die amerikanischen Truppen in Deutschland nach Polen kämen.“

Wieder einmal geht es um die ominösen 2% vom Bruttosozialprodukt, die die Mitgliedsstaaten der Nato für Aufrüstung ihrer Armeen ausgeben sollen – ein „Richtwert“, der bei einer Nato-Tagung im Jahr 2002 aus dem Hut gezaubert wurde, der aber weder rechtlich, noch sonst irgendwie verbindlich ist. Schon gar nicht existiert eine „Zahlungsverpflichtung“ wie die polnische US-Botschafterin behauptet. Auch hat der Bundestag nie einen Beschluss darüber gefällt, 2% des BIP für Aufrüstung auszugeben – und eine politische Debatte darüber, ob nicht auch 0,6 % ausreichen würden, wie in Österreich – oder 0,34 % wie in Irland, wurde nie geführt.

Sind den Schweizer Eidgenossen ihre Landesgrenzen so wenig wert, dass sie nur schlappe 0.7 % ihres Brutto-Inlandprodukts für deren Verteidigung ausgeben? Sitzen Iren und Österreicher*innen nächtens verängstigt in ihren Kellern, weil sie Angriffe auf ihr Land fürchten müssen ?

Wenn nein, wie kommt es dann, dass sie sich so sicher fühlen auch wenn ihre Sicherheitsausgaben so gering sind ? Sind die Deutschen derart verschreckt, dass sie ein Vielfaches hinlegen müssen, um sich sicher zu fühlen ? Warum sind die aktuell bei 1, 3 % liegenden Rüstungsausgaben nicht schon mehr als genug ? Nur weil Donald Trump gern mehr hätte und ein paar Nato-Fritzen sich mehr Material zum Verballern wünschen ? Reichen die in Deutschland stationierten US-Atombomben noch nicht aus, um eine nukleare Apokalypse in Mitteleuropa zu veranstalten ?

Das wären so die Fragen, die einem in den Kopf kommen, wenn die scheinbar gottgegebenen 2% in den Nachrichten auftauchen, die dem Moloch „Militärisch-industrieller-Komplex“ per anno in den Rachen geworfen werden sollen. Wobei es mit Gold und Geld allein auch noch nicht wirklich getan ist, weil eigentlich erwartet wird, das auch noch junge Männer und Frauen als Opfer dargebracht werden, um als Helden ihr Leben zu lassen – irgendwo am Hindukusch oder wo sonst gerade die gefühlte Sicherheit verteidigt werden muss.

Wird nun diese gefühlte Sicherheit auf ein untragbares Minimum schrumpfen, wenn die USA ihre Drohung wahrmachen und ihre Truppen abziehen ? Natürlich nicht, weshalb das Fachmagazin „Postillon“ die Drohungen aus dem Hause Trump auch entsprechend kommentierte: „USA drohen mit Truppenabzug: Deutsche reagieren mit kollektivem Winken“ (1). Auch wenn die Reaktion des US-Botschafters auf dieses überwältigend freundliche „Ami go home!“ noch nicht bestätigt wurde, trifft sie den Kern der Sache:

„Also, wenn uns alle so nett bitten,“ so wird Grenell zitiert,“dann verschieben wir den Truppenabzug nochmal. Aber die Verteidigungsausgaben müssen hoch. Sonst… sonst bleiben wir für immer!“

Quellen:

  1. https://www.der-postillon.com/2019/08/usa-truppenabzug.html

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Mattis Kaminer/ Shutterstock 

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11 Kommentare zu: “Tagesdosis 13.8.2019 – Ein überwältigend freundliches „Ami go home!“

  1. Hallo Herr Bröckers, ich frage mich schon die ganze Zeit, wo man die immer wieder kolportierte Verpflichtung zu 2 % Rüstungsausgaben nachlesen kann ! Und ich fand auch nur, eine allgemeine Absichtserklärung -ich glaube ausgehend von baltischen Staaten , daß man bis 2021 auf 2 % kommen will. Da frage ich mich wirklich, wieso keiner der politischen Mitarbeiter der Linksfraktiondas jemals recherchiert hat , von den unzähligen Journalisten, die jeden Tag Schlagzeilen brauchen, mal abgesehen. Es scheint eine Art ‚Omerta‘ zu herrschen, die alle Parteien und Medien dieses Landes umfasst.
    Dazu wäre es ja mal interessant die genauen Stationierungskosten für die US-Streitkräfte zu publizieren, ich vermute mal, unterm Strich machen die USA da noch Plus,. Das wäre typisch für diese Leute.

  2. Bei Grenell frage ich mich immer: Wie kann ein so ungeschliffener Mensch nur Botschafter der USA werden? Liegt es an den USA, an Trump oder der Tatsache, dass es sich hier nur um Deutschland handelt. Dann frage ich mich auch immer: Ist das nun ein Tiefpunkt oder kann es (er) noch schlimmer werden?

  3. Die Usaner (ja Pauschalisierung;) wollen so gerne die auserwählte Ausnahme sein (exceptional).
    Ein Imperium, was zu den Vasallen sagt. „Was, ihr wollt nicht zahlen, na dann hauen wir ab“ – das wäre eine Ausnahme. 🙂

    • Sach mal Anreas als alter Useaner , drückst du manchmal was ab , oder bist du auf Härtetz IV und kannst dir das nicht leisten ?

  4. Warum hören sich eigentlich so viele Menschen gerne Relozius-Märchen an ? Da bligg isch leider och nich durch ! Da kann ich nur sagen : Even if it looks and smells good , try to have a suspicious mind and do not trust the hype !!!

  5. Vielen Dank Matthias , so mag ich meine News-Dosis ! Leider bin ich eines solch geschliffenen Stils nicht fähig . Deshalb hier eine kurze und derbere Version ,
    Unter richtigen Männern !
    Die Methode Jeffrey Epstein .
    Die US auf der Suche nach einem neuen Lolita-Island .
    Grenell’s Geheimtip für ne US-Schwanzmassage , wir wixen jetzt nicht mehr in Deutschland rum , sondern ziehen uns zurück und stecken unsern Harten wo anders rein ! Wir wollen eine zweifache Potenz !!!

  6. Die US sollen ihre *truppen nicht weiter Richtung Osten wie Polen verlagern sondern ganz vom eurasischen Kontinent abziehen….jetzt frag ich frech: Ist dies nicht vielleicht alles so gar strategisch so gewollt? Ich meine, irgendwie muß das US Imperium ja seine Schritte begründen können. Wenn die Stimmung natürlich gegen die US Truppen in Deutschland steigt, nützt es denen natürlich schon, weil sie dann eine Truppenverlegung besser verschleiern können. Ich rieche da einen militärischen Braten in der Röhre!

  7. Ja, die Soft Power der Weltmacht USA war irgendwie schon mal überzeugender. 🙂

    Kann man hinter solchen Aktionen noch irgendein Kalkül erkennen? Oder ist es einfach nur blanke Dummheit? Ich glaube an Letzteres. Mir hat diese Nachricht aus einem Parallel-Universum jedenfalls auch gute Laune gemacht.

  8. Das einzig Beleidigende ist die Anwesenheit von maßlos arroganten und genauso überflüssigen Figuren wie Grenell in Deutschland und Mosbacher in Polen. Diplomatie war gestern, heute poltern die US-Cowboyland-Vertreter ohne Sinn und noch weniger Verstand.
    Wenn es tatsächlich dazu käme, dass die mörderischen US-Heuschrecken ihren Europanest verlagern, dann kann ich nur sagen: die armen Polen! Nun wären Sie zum Kanonenfutter auserwählt und man macht es Ihnen natürlich jetzt schmackhaft, weil doch der böse böse Russe gleich hinter der Grenze lauert und die edle US-Armee die Westslawen beschützen wird.
    Der Anteil der USA-Speichellecker unter den polnischen Politikern dürfte dem deutschen gleich sein. Nun, wie man sieht, käuflich, korrupt und machtgeil sind die Menschen überall.

    Und dass man direkt vor der Russischen Tür stünde, dürfte das eigentliche Ziel sein.

  9. ich denke, wir sollten mehr Geld ausgeben, da haben die Amis schon recht, aber vielleicht sollte es insgesamt in den Wiederaufbau Syriens und anderer von den „Friedensnationen“ zerstörter Länder fließen, damit die Flüchtlinge zurückkehren können. Da hätten wir vielleicht eine doppelte Rendite. Wir würden uns dort vielleicht sogar Freunde machen und die Fluchtursachen bekämpfen.

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