Tagesdosis 14.1.2019 – Ganz Indien streikt, die Presse schweigt

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Extremer Billiglohn, brutale Arbeitsbedingungen, Elend und Kinderarbeit: Wer wissen will, wo ein Großteil unserer Kleidung und zahlreiches technisches Spielzeug produziert wird, blicke zum Beispiel nach Indien. Millionen von Menschen schuften dort wie Sklaven für den Wohlstand unserer westlichen Lebenswelt. Über die Armut in dem bis kurz nach dem zweiten Weltkrieg von Europa kolonialisierten und bis heute wirtschaftlich ausgeplünderten Staat mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern wird oft berichtet. Nicht erwünscht sind dagegen Informationen über den Widerstand der indischen Bevölkerung gegen die Herrschenden. Vergangene Woche ereignete sich in Indien der vielleicht größte Streik der Geschichte. Doch niemand außer ein paar kleinen linken Blättern berichtete darüber.

Nach Angaben der Dachverbände der größten indischen Gewerkschaften, darunter kommunistische und reformistische sowie Frauenverbände, legten am vergangenen Dienstag und Mittwoch rund 200 Millionen Arbeiter zugleich ihre Arbeit nieder. Stillgestanden habe die Bahn und das Transportwesen, ein Großteil der Produktion, sogar Banken und staatliche Behörden, wie zuerst das Neue Deutschland (ND) berichtete.

200 Millionen – das ist mehr als ein Siebtel der Gesamtbevölkerung des einwohnermäßig zweitgrößten Staats der Welt. Die Streikenden haben massiven Repressionen getrotzt. Damit hatte die indische Regierung gedroht. Im südindischen BundesstaatTamil Nadu etwa kündigte sie gravierende Lohnkürzungen für Festangestellte an. Teilzeitbeschäftigten und Tagelöhnern drohte sie mit dem Verlust ihres Jobs.

Demnach richtete sich der Streik vor allem gegen die Änderung eines Gewerkschaftsgesetzes zugunsten der Industriellen, Aktionäre und Firmenbesitzer. Es erschwere Proteste und Organisation von Arbeitern massiv. Laut Tapan Sen von der Kommunistischen Gewerkschaft Indiens sorge das Gesetz „für sklavenähnliche Bedingungen“. Die indische Regierung begründete die Novelle ähnlich, wie einst der deutsche Altbundeskanzler Gerhard Schröder bei der Einführung der schikanösen Hartz-Gesetze: Man müsse das Wirtschaftswachstum beschleunigen.

200 Millionen, das sind 2,6 Prozent der heutigen Weltbevölkerung – so viele muss man erst einmal mobilisieren. Indischen Gewerkschaften ist das gelungen. Ein Weltereignis? Denkste. Denn während allzu häufig einzelne Gewalttaten durch die überregionale Presse gehen, herrschte absolute Funkstille über den Generalstreik. Das lag an der Ignoranz der großen Nachrichtenagenturen. Auf diese sind fast alle Medien angewiesen. Denn heute verfügen sie nicht mehr über eigene Korrespondenten in vielen Teilen der Welt. Deshalb schaffen es Ereignisse es meist nur dann auf die große Playlist, wenn dpa und Co sie aufgreifen, journalistisch aufbereiten und gegen Geld an die Presse weitergeben.

Das ND, offenbar durch eigene Korrespondenz informiert, tat das einzig Vernünftige: Es fragte bei der größten deutschen Nachrichtenagentur dpa nach, die natürlich auch über Mitarbeiter in Indien verfügt. Antwort: Sie habe nicht über den Streik berichtet, da die Zahl der Beteiligten für sie nicht verifizierbar gewesen sei. Außerdem sei es weder zu größeren Ausschreitungen noch zu Todesfällen gekommen. Man habe, so ein dpa-Vertreter laut ND, „den Generalstreik daher als irrelevant erachtet“.

Nun zählen Medien fast niemals selbst die Anzahl von Streikenden oder Demonstranten, sondern geben die Zahlen der Polizei sowie der Organisatoren an – die Wahrheit liegt meist irgendwo dazwischen. Also darf vermutet werden: Man kolportiert lieber das Bild von einer archaisch-rückständigen Postkolonie. Ein gut organisierter Generalstreik passt da nicht hinein.

An dieser Stelle mal ein paar Worte zu Arbeit und Globalisierung, da über diese Themen offensichtlich viel Empörung, aber wenig Verständnis herrscht. Zunächst: Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen Arbeit und Lohnarbeit.

Arbeit ist der Kern menschlichen Lebens. Der Mensch lebt von und mit der Arbeit. Sie steckt in allem, was hergestellt wird und in der Reproduktion des Menschen selbst. Menschen können Land urbar machen und auf dem Feld Gemüse anbauen, um es zu verzehren. Sie können Bäume pflanzen und das Holz als Rohstoff nutzen, Häuser bauen, um darin zu wohnen, Maschinen erfinden und, mit Blick auf die Ressourcen, die nötigen Rohstoffe dafür gewinnen. Das ist Arbeit, die allen nützt. Besser gesagt: Nützen könnte.

Die Realität aber ist: Ressourcen, Maschinen, Produktionsstätten, selbst das Gros des Wissens gehören wenigen, und zwar denen, die das nötige Geld besitzen, um all dies zu erwerben, zu kapitalisieren und Profit daraus zu schlagen. Der Profit, ursächlich erzeugt durch eingekaufte Lohnarbeit, wandert in private Taschen. Im Kapitalismus lässt kein Eigentümer etwas produzieren, um den materiellen Bedarf der Bevölkerung zu decken. Der einzige Zweck jeder Produktion ist vielmehr das Erzielen von Profit.

Da die Konkurrenz tobt und der technologische Fortschritt die Lohnarbeit als einzige echte Profitquelle en masse überflüssig macht, unterliegt diese Wirtschaft dem steten Zwang, exponentiell zu wachsen. Damit einher geht die Ausplünderung, Zerstörung und letztlich Vernichtung der einzigen Lebensgrundlage des Menschen, der Erde. Auf einem begrenzten Planeten muss es so irgendwann zum Crash kommen.

Man könnte die irre Logik der kapitalistischen Produktionsweise auch so formulieren: Ein Überleben kann sich die Menschheit im Interesse des Wirtschaftswachstum nicht leisten.

Um die Profitmaschine am Laufen zu halten, sprinten Abermillionen Arbeiter im Hamsterrad. Viele fühlen es richtig: Sie werden immer obszöner ausgebeutet. Doch in Reaktion darauf ziehen die meisten gegen die Freigesetzen aus aller Welt zu Felde, gegen die angeblich „faulen“ Lohnerwerbslosen, die Arbeitsmigranten und Flüchtlinge, die Obdachlosen und Hartz-IV-Bezieher. Dabei sind es die malochenden Lohnarbeiter selbst, die das Weiterlaufen der Profitmaschine besorgen. Und je weniger von ihnen benötigt werden, desto mehr müssen Kapitalisten sie ausbeuten. Denn Lohnarbeit ist die einzige Profitquelle. Warum?

Hochtechnologie erhöht zwar kurzfristig den Profit eines einzelnen Unternehmers. Dies allerdings nur, solange der Rest nicht mitzieht. Dann beginnt innerhalb der wirtschaftlichen Konkurrenz der Preiskampf. Die Preise sinken. Immer effizientere Technologie ermöglicht immer effizientere Massenproduktion. Sie senkt die Warenpreise und vermindert zugleich die Kaufkraft durch wachsende Erwerbslosigkeit. Die Profitrate sinkt.

Nur Lohnarbeiter können zu kostenloser Mehrarbeit gezwungen werden. Das werden sie auch, merken es aber nicht. Denn die Lohnhöhe wird bereits so kalkuliert, dass für Unternehmer und Aktionäre genug Profit davon abfällt. Heißt: möglichst niedrig. Je mehr die Hochtechnologie die Gesamtprofitrate zu Fall bringt, desto brachialer greifen die Kapitalisten und ihr Staat von den verbliebenen Arbeitern ab.

Das wiederum senkt Kaufkraft und Profitrate weiter. Die Wirtschaft inklusive des sie finanzierenden Bankkapitals rutscht immer häufiger in die Krise. Krisen machen Kapital unrentabel, auch Humankapital. Die kapitalistischen Staaten reagieren darauf nicht nur mit Sozialabbau, sondern auch mit der Privatisierung öffentlicher Sektoren, wie Gesundheitswesen, Nahverkehr, Straßen, Gefängnisse, etc.. Ziel ist es, den Kapitalisten Ersatzprofite zu beschaffen. Den Fall der Profitrate kann das nicht aufhalten.

Seltsam ist bei allem, dass das Übel „Globalisierung“ ihren Gegnern erst jetzt auffällt. Kapitalismus existiert seit über 500 Jahren. Seitdem strebt er nach Globalisierung. Schon die Ostindien-Kompanien um 1600 raubten andere Kontinente aus, unterwarfen sich fremde Länder, um an deren Ressourcen zu gelangen. Mit der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert führte die „Globalisierung“ der Wirtschaft ihren unaufhaltsamen Siegeszug. Massenproduktion braucht Massen an Rohstoffen aus aller Welt.

Andersherum ist ein Zurück ins vorindustrielle Zeitalter mit fast acht Milliarden Menschen nicht möglich. Denn das wäre die Folge, würde jedes Land nur seine eigenen Rohstoffe nutzen. Wer keinen Rückfall ins Mittelalter will, kommt zu dem unweigerlichen Schluss: Die Wirtschaft ist nur noch global zu managen. Es kommt allerdings darauf an, wem die Wirtschaft gehört: Allen oder nur einigen wenigen, die sich Arbeitskraft kaufen, um Profit daraus zu schlagen.

Kurzum: Lohnarbeit ist an Kapitaleigentümer verkaufte Arbeitskraft. Sie dient lediglich deren Profit. Arbeit aber ist weit mehr als Lohnarbeit. Auch aktuell – Stichworte: Kindererziehung, Familien- und Hausarbeit, ehrenamtliche soziale Tätigkeiten, Nachbarschaftshilfe, und so weiter. Arbeit würde Produkte für alle schaffen. Lohnarbeit schafft Produkte für Kaufkräftige einzig um des Profits Willen. Die Lohnarbeit ist heute, wie die gesamte kapitalistische Profitwirtschaft, entlang globaler Produktionsketten organisiert.

In Indien beginnen viele globale Produktionsketten. Dort wird ein Großteil des Profits geschaffen, der später in den imperialistischen Zentren dank höherer Kaufkraft realisiert wird. Angesichts dessen sind 200 Millionen streikende Inder ein wahrlich großes Ereignis.

Ein internationaler Streik entlang der globalen Produktionsketten müsste sich anschließen. Dies erscheint derzeit als das einzig verbliebene Mittel, die tödliche Profitmaschine wirkungsvoll zu stoppen. Dazu sind aber Solidarität, Klassenbewusstsein und ein Minimum an Wissen über die kapitalistische Wirtschaftsweise unabdingbar. Fakt ist: Mit jedem Tag des Weiter so befindet sich die Menschheit auf ungebrochenem Kurs in Richtung der Selbstvernichtung durch die totale Zerstörung der Lebensgrundlage.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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34 Kommentare zu: “Tagesdosis 14.1.2019 – Ganz Indien streikt, die Presse schweigt

  1. Zu routard, 19.01., 9:29 Uhr

    Ja, Licht ist gut. In seiner Helle wird sichtbar, an welcher Dunkelheit *les lumières*, das Zeitalter der Aufklärung, krankt:

    Mittels von Logik und Vernunft generierte Handlungsanweisungen zu geben, ist Domäne des Kapitals und seiner monströsen nichtmenschlichen Wesensart sowie seiner Agents Smith von extrem links bis extrem rechts, die – hört! – ALLESAMT von sozialdemokratischen Apparaten geführt werden. Die linke Schafsherde tut sich schwer zu verstehen, wo der Irrtum in ihrem Schlachtruf *Gegen Staat, Nation und Kapital* liegt. Die Matrix ruht auf den drei Machtsäulen Staat, Sozialdemokratie(!) und Kapital. Kurz gesagt, ist die Sozialdemokratie in ihrem innersten Kern völkisch, sie IST die Nation: Denk mal an all jene in den Energiemelkanlagen der Matrix, denen noch nicht begreiflich ist, daß Lohnarbeit NICHT „normal“, sondern die machtlich pervertierte Form produktiver Betätigung freier Menschen ist — genau DAS ist Sozialdemokratie.

    Die wir noch die Sehnsucht nach der uns ewiglich angestammten Heimat in uns spüren, die Sehnsucht nach dem Leben in Kollektiven Freier, welche die Regeln ihres Zusammenlebens auf ihre ganz eigenen Weisen finden — WIR nehmen uns Logik und Vernunft nicht als Herren, sondern als Werkzeuge zur Alltagsbewältigung. Uns innerlich Freien werden sich die Wege zur äußeren Freiheit auftun, woimmer auch nur zwei von uns im Bewußtsein ihres Strebens nach Freiheit zusammen sind. Freiheit ist die einzige Überlebensmöglichkeit der Menschheit. So einfach ist das.

    Der gesellschaftliche Zusammenhang freier Kollektive? Das Fraktal! Was sonst?! Es drängt sich geradezu auf. Um das zu erkennen, braucht es nicht Logik und Vernunft, das ist uraltes Menschheitswissen, wahrscheinlich gründete schon Gobekli Tepe auf dem Fraktal.

    Es ist ein ganz billiger Herrschaftstrick: „Wer keine fix und fertigen Gesellschaftsmodelle anzubieten hat, schweige bitteschön still und verschwinde!“ Die Gesellschaftsmodelle der Freien werden niemals fix und fertig sein. Fraktale führen Begrenztes unbegrenzt zusammen. Niemals fix und fertig zu sein, ist ihre Stärke.

    Es werde licht und hell… loup

  2. Zu hog, 18.01, 17:47 Uhr

    „Wenn wir Ihnen nicht das Zepter aus der Hand nehmen… “

    Mit der Gefahr wächst das Rettende auch.

    Evolution vollzieht sich in der Natur nicht in einem langsam stetigen Prozeß, sondern in Sprüngen. So die große Artenexplosion zum Ende der Kreidezeit hin.

    Wir stehen heute ebenfalls am Ende einer großen Zeitepoche. Den meisten ist diese namentlich nicht bekannt: Geist-Materie-Dualismus. Von der Biologie auf die Kultur übertragen, ist so nun die Möglichkeit einer großen Bewußtseinsexplosion gegeben. Es wird etwa Neues kommen, zu dem auf alten und ausgetretenen Pfaden nicht zu gelangen sein wird. Rechnen wir also mit überraschenden Ereignissen und großen Veränderungen, und durchaus eher mit freudenvollen. Wie wäre es mit évoLOUPtion?
    (Hunde haben Herren, Wölfe Kollektive.)

    Blamieren wir uns also nicht mit Kleinmütigkeit… loup

    • Ja, als 2007/8 das Bankensystem zu kippen drohte, erwuchs die Rettung toute suite. Adlerauge sei wachsam – da nicht mehr erwachsen aus den Zähnen der Drachen mutige Kämpfer.
      Bleibt also immer noch, den Geist anzuschalten und die Antwort auf das „wovon FÜR WEN wozu“, möglichst gemeinsam, zu finden.
      Es werde Licht!

  3. Nöö, Profit ist ein riesenhafter globaler Kuchen, aus dem der Unternehmergewinn oder die Kapitalrendite als ein lediglich sehr geringer Teil entnommen wird. Mit Ausnahme derer, die den dem Profit zugrundeliegenden globalen gesamtmarkträumlichen Warenkuchen namens *Mehrprodukt* unmittelbar händisch produzieren oder zu den Warenkäufern transportieren und ihren Warenkonsum aus ihren dafür erhaltenen Löhnen bestreiten, aus dem *variablen Kapital*, leben ALLE vom Profit (siehe *Das Kapital — Kritik der politischen Ökonomie* von Marx/Engels). Also kann die Profitrate durch wachsende Erwerbslosigkeit per definitionem nicht sinken. Tatsächlich aber besteht zwischen ALLEN, die vom großen Profitkuchen leben, eine faktische Nahrungskonkurrenz.

    Ebenfalls nöö zu der Aussage, sinkende Kaufkraft sei eine Ursache für den Fall der Profitrate. Sinkende Kaufkraft abhängiger Einkommen ist lediglich Ursache für eine andere Verteilung des Profits bzw. des diesem zugrundeliegenden Warenstroms namens *Mehrprodukt*, dessen *Wert*, der unter Linken viel bescholtene aber nie verstandene *Mehrwert* ist.

    Linke verstehen Marx nicht. Sie DÜRFEN ihn nicht verstehen, weil sie anderenfalls erkennen müßten, daß es das Kapital auch ohne Kapitalisten geben kann. Deren Funktion kann eine Priesterkaste übernehmen, z.B. eine kommunistische Partei.

    Marx und Engels, diese beiden, waren keine Heulsuseriche. Sie hatten die Tassen im Schrank und die Beine am Boden und wollten mitnichten auf den alten Hut Ausbeutung aufmerksam machen, sondern auf den historisch völlig neuen Zylinder einer Produktionsweise, deren Mechanismen einen Sprengstoff ausbrüten, der den gesamten Planeten in die Luft jagen wird. Denn was ist der wirkliche *Tendentielle Fall der Profitrate*? Er ist etwas ungeheuer Simples, das sich ganz doof beschreiben läßt: A investiert 10 Millionen in neue Maschinerie. Die 10 Millionen sollen sich über 7 Jahre amortisieren und eine Jahresrendite von 8 Prozent abwerfen. Während jener 7 Jahre geht die produktionstechnische Entwicklung voran, Wettbewerber setzen mehr und mehr effiziente Maschinerie ein, und können nun billiger anbieten. A muß mitziehen und seine Verkaufserlöse sinken. Die vorkalkulierten Einnahmen zur Deckung der Investitionskosten und die vorkalkulierte Rendite können nun nicht mehr eingefahren werden. Also müssen seine Beschäftigten schärfer ausgebeutet werden. Oder es muß ein Kartell/Monopol gebildet und so der Gesamtmarkt ausgebeutet und verarmt werden. So oder so geht es für alle nach hinten los, es kommt zu Verschuldung. So geht es weiter und weiter bis zum nächsten Crash.

    Ahh, wie schön, freuen sich dann einige: Jetzt können wir den ganzen Laden billig aufkaufen. Denn wir kontrollieren ja das Geldwesen und finden Wege, an den dafür nötigen Cash zu kommen.

    Der vom Tendentiellen Fall der Profitrate verursachte Schaden wächst mit dem Anteil, den die Kosten für Maschinerie an den gesamten Produktionskosten haben. Zu Marxens Zeiten war dieser Anteil weit geringer als heute; der Tendentielle Fall der Profitrate sei „schleichend“, schreibt Marx in *Das Kapital*. Heutzutage aber ist er marodierend.

    Einen Dank an Susanne Bonath für die Indieninfo. Für den Grundkurs „Marx für Marxfalschversteher“ entstehen ihr selbstverständlich keine Kosten.

    • Moin, loup, nur kurz aus dem Handgelenk:
      Der tendenzielle Fall der Profitrate entsteht dadurch, dass immer mehr Menschen durch Maschinen ersetzt werden. Aber nur der Mensch besitzt fuer das Kapital die Eigenschaft länger beschäftigt werden zu können (Erpressbarkeit) als es zu seiner Wiederherstellung seiner Arbeitskraft nötig wäre. Diese Zeit, die der Lohnsklave mehr beschäftigt wird ist die Mehrproduktion (Mehrwert) den der Kapitalist generiert, und aus dem sich der Profit speist. Da nun aber immer mehr Maschinen eingesetzt werden, die die Eigenschaft der Menschen, wie beschrieben, nicht haben, sinkt der Mehrwert und entsprechend auch der Profit.
      mfG

    • zu hog1951

      Nein, hog, Irrtum, der Tendentielle Fall der Profitrate entsteht eben und genau NICHT dadurch, daß immer mehr Menschen durch Maschinen ersetzt werden. Das senkt lediglich die Herstellkosten (bei Marx *Kostpreis* genannt), wodurch allerdings der Wachstumszwang entsteht, weil das Volumen des in der Produktion insgesamt einzusetzenden Werts infolge effizienterer Fertigungstechnik sinkt. (Da mit dem Wert auch die Durchschnittspreise sinken, sinkt gesamtgesellschaftlich nun auch der erforderliche Kapitalaufwand für Warenproduktionen, weswegen renditesuchendes Geld weniger Möglichkeiten findet, als produktives Kapital investiert zu werden! Deshalb muß mehr Wachstum her.)

      Der Tendentielle Fall ist allein dem zeitlichen Versatz geschuldet, der zwischen dem Zeitpunkt der Tätigung einer Investition in Maschinerie und der Realisierung der Verkaufserlöse für die mit dieser Maschinerie produzierten Waren liegt.

      Unterm Strich ist es aber tatsächlich fast so, wie du sagst, denn auch der Tendentielle Fall der Profitrate findet seine Ursache ja in der unablässigen Verbesserung der Fertigungstechnik.

      Was nun nicht zu der Forderung führen darf, auf diese Verbesserung zu verzichten. Das wäre absurd!

    • Moin, Loup (15.1. at 22.33), wenn wir nun schon soweit sind, will ich nur auf Marx selber verweisen, der in seinem 13. Kapitel des 3. Band vom Kapital ueber das „Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate“ u.a. schreibt:
      “ (…) so muss dies allmähliche Anwachsen des konstanten Kapitals, im Verhältnis zum variablen, notwendig zum Resultat haben einen graduellen Fall der allgemeinen Profitrate bei gleichbleibender Rate des Mehrwerts oder gleichbleibendem Exploitationsgrad der Arbeit durch das Kapital.“ (S.222)
      An anderer Stelle:
      “ Da die Masse der angewandten lebendigen Arbeit stets abnimmt im Verhältnis zu der Masse der von ihr in Bewegung gesetzten vergegenständlichten Arbeit, der produktiv konsumierten Produktionsmittel, so muss auch der Teil dieser lebendigen Arbeit, der unbezahlt ist und sich im Mehrwert vergegenständlicht, in einem stets abnehmenden Verhältnis stehn zum Wertumfang des angewandten Gesamtkapitals. Dies Verhältnis der Mehrwertmasse zum Wert des angewandten Gesamtkapitals bildet aber die Profitrate, die daher beständig fallen muss.“ (S.223)

      Wir erkennen diesen Zusammenhang sehr gut, wenn die Kapitalistenklasse neue Einwanderungen forcieren, dass der Hintergrund, der ist, dass die Lohnkosten gesenkt werden sollen, um den Mehrwert zu erhöhen, um so die Profitrate nicht so schnell fallen zu sehen.

    • zu hog, 16.01., 12:05 Uhr

      Moin, hog,
      da ist jetzt ein ziemlich fettes Faß aufgemacht worden. Aber erfreulich, da mit jemandem reinschauen zu können, der offenbar sachkundig ist, denn du argumentierst RICHTIG. Aber die Krux liegt hier in einem Detail des Typs „Keinem Blick verborgen, und niemand sieht es“. Mein Vorschlag ist, uns genügend Zeit zu nehmen, um genüßlich erörtern zu können. Bitte erlaube mir, heute mit einer Frage zu beginnen und mich aus Zeitmangel gleich schon wieder zu verabschieden. Sobald ich kann, melde ich mich zurück und sag mehr dazu. Fällt dir an den Beispielrechnungen auf S. 221 etwas auf? Es ist arithmetisch richtig gerechnet, darum geht es nicht (Engels beschwert sich im Vorwort von Band III über Marxens Rechenfehler. Ja, Genies und Arithmetik kollidieren nun einmal gern.) Aber: Entsprechen die gegebenen Beispielzahlen dem REALEN Ablauf im Fortschreiten der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit (bei annähernd gesättigter Nachfrage) bzw. wie sähen Beispielzahlen aus, die jenen realen Ablauf HEUTE abbilden? Morgen oder die Tage führ ich das aus. Bis dahin… loup

    • Zu hogs hier obigen Kommentaren:

      Moin, hog, die Marx-Zitationen auf den Seiten 222 und 223 von *Das Kapital* (siehe dein hier obiger Kommentar vom 16.01. um 12:05 Uhr) definieren den Tendentiellen Fall der Profitrate als Ergebnis eines im Zuge der technischen Entwicklung zunehmenden Einsatzes von Maschinerie bzw. Produktionsmitteln gemäß der Gleichung p‘ = m/C. Marxens Definition entspricht dem seinerzeitigen Stand der Entwicklung der Produktivkräfte vollauf.

      Meiner Einschätzung nach gilt sie heute eher nicht mehr. Marx selbst lieferte die Erklärung, indem er der Produktivkraft ingeniöses Potential zuschrieb. Für jeden erkennbar, wächst das Menschheitswissen exponentiell. In der Folge wird Produktionstechnik heute im Zuge ihrer technischen Entwicklung zugleich effizienter UND billiger.

      Beispielsweise vereinigt ein aktueller Ackerschlepper in sich die Funktionen von ehemals mehreren verschiedenen Geräten. Senkung der Lohnkosten durch effizientere Fertigungstechnik erzwingt heute zunehmend weniger erhöhte Kosten für Produktionsmittel. Sinken die Werte im Zähler wie im Nenner des Quotienten m/C, kann die Profitrate unter Umständen sogar steigen!

      Um so mehr aber wird die Profitrate heute infolge des zeitlichen Versatzes, welcher zwischen dem Investitionszeitpunkt und dem Zeitpunkt der Realisierung der Verkaufserlöse liegt, scharf attackiert: Wettbewerber können ihre Waren sehr schnell deutlich billiger anbieten.

      Weit bedrohlicher fürs Kapital, VERRINGERT sich im Zuge der fortschreitenden Produktivkraftentwicklung nun der Kapitalbedarf für Warenproduktionen. So gehen dem Kapital Investitionsmöglichkeiten verloren, was den von der bürgerlichen politischen Ökonomie so genannten Investitionsnotstand erzeugt; kurz gesagt, handelt es sich auch hier wieder um Krisen des Profits. Ganz zu schweigen von den MASSIV auf dem Profit und so dann auch auf den Renditen lastenden Unterhaltskosten für eine wachsende Zahl von in der Produktion nicht mehr gebrauchten Menschen.

      Im Augenblick des Erreichens seiner höchsten technischen Blüte hat der endgültige Sterbeprozeß des Kapitals eingesetzt. Ein Arzt würde sagen, es ist „austherapiert“. Wie ein Zombie bäumt es sich vor seinem Exitus noch einmal auf, um ein letztes Mal Angst und Schrecken über die Menschheit zu bringen. Ja, es geht bei Einwanderung selbstverständlich auch um Lohnsenkung. Die derzeitige, deutlich von Kriminellen und Islamisten (Killern)flankierte Einwanderung aber dient alloffensichtlich weiter gesteckten Zielen. Tödlich verwundet, zieht das Kapital in sein letztes Gefecht gegen die Menschheit: Militärdiktatur und Tötung der dem Kapital Überflüssigen! Deutschland ist das Pilotprojekt. Viele weitere Länder sollen folgen.

      Die Schafsherde soll wieder in die Falle des Völkischen laufen, in die alte Falle der Gut-Böse-Schemata. Das Menschheitswissen ist exponentiell gewachsen. Auch das der Menschen. WIR SIND DIE MENSCHHEIT !!!

    • Moin, loup, ja ich denke es ist die Aufgabe heute die Entwicklungen zu analysieren, die seit der Niederschrift des Kapital bis heute stattgefunden hat.
      Zum Punkt Menschheitswissen habe ich gerade eine spannende Doku gelesen aus der Schweiz. Dort wird versucht die Volksschule zu elemenieren zugunsten eines Breis, der sich Kompetenz nennt. (Judith Barben,Kinder im Netz globaler Konzerne)
      “ (…) und so dann auch auf den Renditen lastenden Unterhaltskosten für eine wachsende Zahl von in der Produktion nicht mehr gebrauchten Menschen.“
      Wie wir wissen hat das Kapital auch dafuer Strategien parat. Die Agenda 2010 mit den Hartz 4 Gesetzen ist solch ein Beispiel, oder wie ich in meinem letzten Post anfuehrte die Einschleusung von billigen und schon ausgebildeten Arbeitskräften von auswärts.
      „Im Augenblick des Erreichens seiner höchsten technischen Blüte hat der endgültige Sterbeprozeß des Kapitals eingesetzt. Ein Arzt würde sagen, es ist „austherapiert“. Wie ein Zombie bäumt es sich vor seinem Exitus noch einmal auf, um ein letztes Mal Angst und Schrecken über die Menschheit zu bringen.“
      Wir sind kurz davor, und ich denke einmal wir haben die gleiche Einschätzung der Lage. Jedoch wird der Hauptagressor nicht so ohne Weiteres in sich zusammenfallen, sondern versuchen seine Mitkonkurrenten, die da wären China, Russland und Europa entweder alle oder nur einen zu bekriegen, um noch etwas Spielraum zu bekommen. Die Menschen an der Macht des US-Imperialismus haben nicht die analytischen Fähigkeiten, die sie vorgeben zu haben, und von daher glauben sie sich mit irgendeinem Krieg auf dem Königsweg zu befinden. Wenn wir ihnen nicht das Zepter aus der Hand nehmen, dann ist es so wie Du schreibst:
      „Tödlich verwundet, zieht das Kapital in sein letztes Gefecht gegen die Menschheit: Militärdiktatur und Tötung der dem Kapital Überflüssigen! “
      mfG

  4. Ja, ständg wird über die Missstände gesprochen… Die Ursachen sind hinlänglich bekannt. Einkommen über 60000€ p.a. müssen zu 100% besteuert werden. Die Einkommen der normalen Menschen müssen auf mindestens 2000€ per Monat angehoben werden. Am besten wäre es das Geldsystem (Geldschöpfung) zu vergemeinschaften.
    Ein gutes Konzept: Die humane Marktwirtschaft!
    Allein, den Menschen ist es in größer Masse völlig egal.
    Es muss noch sebr viel mehr schmerzen…
    Und das wird es…
    Spätestens wenn Zwangshypoteken kommen, der Bürger massiv enteignet wird.
    Aber auch dies hat in der Vergangenheit nicht zu Veränderung geführt.
    Mahlzeit!

  5. Ganz Indien streikt, die Presse schweigt, darum geht es hier im Kern. Da muss man nicht gleich jeden einzelnen Satz von Fr. Bonaths persönlicher Meinung auf den Prüfstand stellen, sage ich jetzt mal so auf die Schnelle, ohne damit jemanden runtermachen zu wollen.
    In jedem Fall vielen Dank für diese Info! Ich wusste es steht schlimm, aber ein Ereignis dieser Größenordnung, und wirklich nicht ein Wort im Mainstream, das ist unfassbar.
    Auch mir ist natürlich schon aufgefallen, wie man sich am Schneechaos hochzieht, seit Tagen sieht die Seite der Tagesschau so aus, als stünde die nächste Eiszeit unmittelbar bevor!

    • @Timse

      Hm, nachdem ich Ihren Kommentar gestern Abend schon gelesen hatte, möchte ich jetzt, nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, doch auf folgendes hinweisen.

      Das Unterschieben von nicht dokumentierten Zusammenhängen und persönlichen Meinungen, die als solche nicht gekennzeichnet sind und vom Lesenden erst als solche identifiziert werden müssen, hat mit guter journalistischer Arbeit nichts zu tun. Dann könnte man auch bei jedem tendenziösen Bericht der ARD z.B. zu Syrien sagen, dass sie ja im Kern darüber berichtet haben, dass es in Syrien Kriegshandlungen gibt und man nicht jeden Satz auf den Prüfstand stellen sollte.
      Von den MSM sind wir enttäuscht, weil sie Zusammenhänge nicht korrekt darstellen und Meinungen als Nachrichten verbreiten. Sollten wir dieselben Maßstäbe nicht auch an Veröffentlichungen in alternativen Medien anlegen und erwarten, dass Zusammenhänge korrekt dargestellt und Meinungen als solche gekennzeichnet sind?

      Eine sachliche Nachricht zum Streit in Indien würde Fakten beinhalten, z.B. Anzahl der Teilnehmenden, betroffene Betriebe, flöchenmäßige Ausdehnung, falls feststellbar Anlass und mit dem Streik verbundene Forderungen der Streikenden.
      Als Erweiterung könnte eine Herleitung der gesellschaftlichen und historischen Situation, sofern sie eindeutig in Zusammenhang gebracht werden kann, beschrieben werden.

      Eingeworfene Schlagworte und politische Parolen können zwar der Erleichterung des Autors dienen, sind in obigem Artikel aber als gültige Hypothesen aufgestellt. Dem hätte abgeholfen werden können, wenn derartige Postulate mit „Geht man davon aus, dass …“ eingeleitet worden wären. Die mit dem Text erzeugte psychologische Wirkung wäre eine andere!

      Und nein, das ist keine Haarspalterei und auch nichts, was man der Erkenntnisfähigkeit und -bereitschaft der Lesenden überlassen kann. Wäre das so, könnte man auch Propaganda legitimieren. Schließlich steht uns ja auch bei deren Anwendung offen, sie zu erkennen.

    • 1. Die Tagesdosis ist vom Format her ein Kommentar. Das Wort „Kommentar“ steht zusätzlich fett oben drüber und wird auch in der akustischen Version mit angesagt. Das dürfte wohl ausreichen als Kennzeichnung.

      2. Die verifizierbaren Fakten kann man diesem als Kommentar gekennzeichneten Kommentar dennoch entnehmen, auch die Quelle ist genannt. Dabei ist mir dummerweise doch ein kleiner Patzer passiert, den ich hier richtig stellen möchte: Tatsächlich hatte die Tageszeitung junge Welt kurz vor der Tageszeitung Neues Deutschland darüber berichtet. Die weiteren Ausführungen stammen aber, wie benannt, aus der Quelle ND und wurden, so weit möglich, nachgeprüft.

      3. In einen als Kommentar gekennzeichneten Kommentar gehört durchaus Meinung, sonst wäre es kein Kommentar. Was Sie für „politische Parolen“ dabei halten, bleibt Ihnen überlassen.

      4. Journalisten sind Menschen und kein Mensch kann völlig neutral sein. Insofern ist es eine Floskel, dass Berichterstattung so völlig neutral geschehen kann. Selbst das pure Aufbereiten und Melden von Fakten geschieht nicht neutral. Die Gewichtung bspw. folgt immer der Einstellung des jeweiligen Journalisten. Man sollte aber versuchen, in einem nicht als Kommentar gekennzeichneten Artikel alle Fakten zu nennen. Ein Journalist zeichnet sich nicht durch Neutralität aus, sondern durch möglichst große Objektivität, also das herauslassen persönlicher Gefühlslagen. Das gilt aber nur für einen ausschließlich Bericht erstattenden Artikel, nicht für einen Kommentar, nicht für eine Reportage, nicht für eine Posse und was es sonst noch alles gibt.

    • @Susanne Bonath

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Ohne ihn hätte ich nicht mal gewusst, dass es einen Streik in Indien gibt/gab(?) mit 200 Millionen Menschen. Wow!

      Was ein Kommentar ist, hast du erklärt (ich hoffe du ist in Ordnung). Ich würde mich aber in gewisser weise Paleene zustimmen zumindest insofern als dass man sich als Leser mehr Informationen wünscht (wissensdurst). Oder vielleicht einfach nur Verlinkungen der jeweiligen Berichte (darf man das?) über den Streik in Indien einfach weil es sehr spannend ist. Für mich persönlich ein sehr beflügelndes Ereignis, super positiv und motivierend. Mehr davon, mehr *SmirgolsStimme*

      Ich bin noch nicht ganz durch die gesamte Homepage von KenFM durchgekommen. Vielleicht gibt es auch einen „Ort“ den ich noch nicht gefunden habe, wo Nachrichten wie Paleene es sich wünscht (besser kann ich es nicht kurz ausdrücken) beschrieben werden?

      Also wie gesagt vielen Dank für deinen Kommentar und liebe Grüße

    • Sorry, Timse, für meinen Gefechtseifer. War ja auch nicht jeder Satz auf dem Prüfstand. Und kam hoffentlich nicht unfreundlich rüber.

  6. Bevor es untergeht: gut, dass S.Bonath hier über diesen Streik und die unglaubliche dpa Reaktion berichtet. Immer wieder wichtig, die Arroganz dieser Leute zur Kenntnis zu nehmen.
    Doch einige ihrer Bewertungen sind schon seltsam.
    Es fängt damit an: „Millionen von Menschen schuften dort wie Sklaven für den Wohlstand unserer westlichen Lebenswelt“.
    Nein, diese Leute schuften für die Eigentümer riesiger Konzerne und für ihr eigenes Überleben. Alles andere ist Unsinn. Frau Bonath kann ja mal eine indische Arbeiterin fragen, wenn sie es nicht glaubt. Und dass Frau Bonath nicht aufhören kann, den Leuten, die hierzulande von ihrem Verdienst ein T-shirt made in INDIA kaufen, eine Mitschuld an den dortigen Verhältnissen anzuhängen, finde ich schäbig.

    Dann dieses:
    „Da die Konkurrenz tobt und der technologische Fortschritt die Lohnarbeit als einzige echte Profitquelle en masse überflüssig macht, unterliegt diese Wirtschaft dem steten Zwang, exponentiell zu wachsen“.
    Jetzt könnte ich Frau Bonath mal einen Grundkurs in Ökonomie anbieten, wäre ihr vermutlich aber zu aufwendig. Deshalb bloss soviel: weil die Lohnarbeit gerade nicht überflüssig ist, verlagern viele Riesenunternehmen ihre Produktion in BilligLohnländer.

    In einer Welt von Monopolen hört der Konkurrenzdruck zwischen Unternehmen auf. Das Finanzkapital kontrolliert die Märkte und nimmt sie und ihre Menschen systematisch aus. Stetes Wachstum ist keinesfalls zwangsweise notwendig, ein exponentielles schon gar nicht.

    In einem kleinen Feudelstaat saugte der Herrscher seine Untertanen bekanntlich kräftig aus, sogar ganz ohne Konkurrenz und Wachstum, Zwang aber, davon gab es genug! Frage: was hat jetzt der Feudalstaat nochmal mit dem Monopolkapitalismus zu tun?

    • In den kapitalistisch entwickelten Ländern wird menschliche Arbeitskraft von Technik überflüssig gemacht. Ein einziger Lötroboter für Kabelbäume ist so unglaublich schnell und präzise wie 150 Menschen, berichtete neulich jemand aus einem Unternehmen.

      In die Billiglohnländer werden vor allem arbeitsintensive Produktionen verlegt, bei denen es bisher noch nicht gelingt, lebendige menschliche Arbeit durch Maschinerie zu ersetzen.

    • „Das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit bilden eine Einheit.“

      Mensch, wo hab ich das gleich nochmal gelesen?

    • Dieser Widerspruch ist mir auch aufgefallen. Nicht jede Arbeit ist Berufung (Kern des menschlichen Lebens) und nicht jedes in den Tag hineinleben ist unproduktive Tätigkeit. Einsichten und Erkenntnisse erlangt man nur schwer als getriebener und gehetzter Mensch. Der Begriff Arbeit ist viel zu allgemein, als das man ihn glorifizieren oder abqualifizieren könnte. Entlohnte und auch nicht entlohnte Arbeit kann sowohl Berufung als auch Qual sein.
      Wenn ein überhöhtes Arbeitsethos aufgebaut wird, dann ist es nie im Interesse der Tätigen sondern es stecken andere Absichten dahinter. Egal von welcher Seite.

  7. Ganz herzlichen Dank der Autorin Susan Bonath und dem Portal Ken Fm für die Berichterstattung über Berichtenswertes und die klare Positionierung bei den Kommentaren – DAS ist Dienst an der Wahrheit und damit
    Friedensarbeit!

  8. Moin, Susan Bonath, sehr schön, dass wir hier etwas ueber diesen Streik erfahren!

    Doch wie schon letzten Montag kommen Ihnen so merkwuerdige Sätze unter wie folgender:
    „Um die Profitmaschine am Laufen zu halten, sprinten Abermillionen Arbeiter im Hamsterrad.“
    Nein, diese Abermillionen wollen nicht die Profitmaschine am Laufen halten, sondern MUESSEN sich verdingen, weil sie ERPRESSBAR sind! So einfach ist die Wahrheit!
    Und noch einmal:
    „Dabei sind es die malochenden Lohnarbeiter selbst, die das Weiterlaufen der Profitmaschine besorgen.“
    Endlich sind Sie dann bei ihrem Lieblingsthema angelangt:
    „Doch in Reaktion darauf ziehen die meisten (der Lohnarbeiter Einfueg. von hog) gegen die Freigesetzen aus aller Welt zu Felde, gegen die angeblich „faulen“ Lohnerwerbslosen, die Arbeitsmigranten und Flüchtlinge, die Obdachlosen und Hartz-IV-Bezieher.“
    Hier bekommen die Lohnarbeiter noch einmal ihr Fett weg. Nicht nur, dass sie die Profitmaschine am Laufen Halten, nein, sie stellen sich auch noch gegen Arbeitsmigranten.
    „Seltsam ist bei allem, dass das Übel „Globalisierung“ ihren Gegnern erst jetzt auffällt.“
    Frueher sprach man vom Kolonialismus, etwas später vom Neokolonialismus. Das hatte in der Tat verheerende Folgen fuer diese ausgebeuteten Länder, und hat es heute noch. Was sie hier allerdings mit Globalisierung branntmarken ist die erlebte Vormachtstellung des Us Imperialismus, der nach dem 2. Weltkrieg die Hegemonie auf dem Planeten anstrebte. Nicht nur ueberzog er den Planeten mit seinen militärischen Stuetzpunkten und Kriegen, sondern ueberschwemmte die Erde auch mit seinen moralischen, Bildungspolitschen, Sexualpolitischen und weiss der Himmel mit welchen Vorstellungen noch. Uber die UNO hat zumindest ein Teil der Herrschenden Klasse in den USA Einfluss genommen, auf die Ausformulierung und Unterzeichnung des sog. Migrationspaktes. Der Teil der herrschenden Klasse, der das nicht will, versucht eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten.
    Das kann man verurteilen oder nicht, aber wie ich an anderen Stellen schrieb, will ich nicht das stinkende Mittelalter mit Kindergenitalverstuemmelung, Frauenverachtung und Moralvorstellungen aus der Zeit vor der Aufklärung hier in DE und ueberhaupt in Europa haben.
    Und so gibt es zumindest eine geistige Mauer hier.

    • spiegel.de/lebenundlernen/schule/lehrerin-gibt-nur-noch-gute-noten-a-1246916.html

      Jetzt weiß ich auch, wie man das Mittelalter überwindet! Wir kümmern uns nicht um Inhalte:

      tagesspiegel.de/berlin/radikale-muslime-in-berlin-senat-hat-keine-kontrolle-ueber-salafistische-jugendarbeit/23861322.html

      Lass laufen, die wollen nur spielen.

      Das muss der sichere Weg sein, um aus den Abgehängten der Erde vollintegrierte Europäer zu machen. Jeder kriegt einfach blanko ein Abitur mit guten Noten frei Haus und fertig ist die Laube. Voll Mehrheitsfähig, was die Lehrerin da macht. Mann, ist die geisterkrank oder was?
      Hier lernen alle ihr Zeug und in NRW kriegt jeden Spacken ein gutes Abi? Hack`s eigentlich?

      Noch gleich eine C2 vom Goethe-Institut hinterher und der Beweis ist geliefert, dass es so ultra-kulti-technisch überhaupt keine Probleme gibt. Alle sind supi! Na herzliches Beileid, da freuen sich aber Unis und Betriebe, was da von den Schulen angeliefert wird.
      Jetzt wundert es mich auch nicht mehr, dass jeder, der kann, seine Kinder aus diesen Tollhäusern fernhält.
      Obwohl, eigentlich können die Reichen ja jetzt ihre doofen Kinder in NRW ins Gymnasium bringen. Jeder eine 2?
      Ist bestimmt billiger als ein Internat.

  9. Ich finde das total unfair gegenüber unseren Medien! Es gab doch hierzulande in der letzten Woche so viele wichtigere Themen! Zum Beispiel schneit es in den bayrischen Alpen, und das mitten im Winter! Sogar intensives Schneeschippen tut Not! Zum Glück gibt’s jetzt täglich mindestens 5 Minuten Informationen dazu in der Tagesschau, und gerne auch mal noch einen Brennpunkt.

    Da kann man sich doch wirklich nicht um jedes Kinkerlitzchen in Indien kümmern. 😉

  10. Nicht nur da sind die Anschlagswerte erreicht. Zeit daran zu erinnern. wie eine exponentielle Kurve aussieht. Solange es noch ein paar Jahre dauern konnte, wagte man sich noch täglich viele ungewisse Prognosen zu erstellen, obwohl die Entfernung zum Ende schon bedenklich nahe war. Nun kurz vor dem Aufprall fürchtet man wohl als ignorant dazustehen, diesen Galgenoptimismus weiter zu spielen. Das Vakuum dass durch das Schweigen entsteht wird nun mit hochgespielten Belanglosigkeiten gefüllt. Und siehe da die Menge macht sich darüber darüber her um sich in rechts und links zu teilen. Geht da überhaupt noch irgendwas.?

  11. Danke, Susan Bonath! Das ist ja wirklich unfassbar, dass man darüber hierzulande überhaupt nichts mitbekommen hat in den Mainstream-Medien!

    Hallo KenFM-Team, wie wäre es, mal den Ex-Handballstar Stefan Kretzschmar einzuladen? Ich gehe davon aus, dass das ein ziemlich großes Publikum erreichen könnte – und an Gesprächsthemen dürfte es nicht mangeln:
    zeit.de/sport/2019-01/meinungsfreiheit-stefan-kretzschmar-sportler-ex-handballer-afd-instrumentalisierung

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