Tagesdosis 14.7.2018 – Das globale Finanzsystem und der Vorwurf der Verschwörungstheorie

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

Wer immer in unseren Tagen mehr als nur oberflächliche Kritik am globalen Finanzsystem übt, setzt sich der Gefahr aus, von den Mainstream-Medien und der offiziellen Politik als „Verschwörungstheoretiker“ und damit als wissenschaftlich nicht ernstzunehmender Aufwiegler abgetan zu werden.

Es lohnt sich, diesen Vorwurf näher unter die Lupe zu nehmen, denn er enthüllt bei genauerem Hinsehen mehr über die, die ihn erheben, als über die, gegen die er sich richtet.

Als Verschwörung gilt der Wikipedia zufolge „das zielgerichtete, konspirative Wirken einer kleinen Gruppe von Akteuren zu einem meist illegalen oder illegitimen Zweck.“ Der Duden definiert die Verschwörung als „gemeinsame Planung eines Unternehmens gegen jemanden oder etwas (besonders gegen die staatliche Ordnung)“.

In anderen Worten: Wer grundlegende Kritik am globalen Finanzsystem übt, unterstellt einer kleinen Gruppe von Akteuren die gemeinsame Planung eines Unternehmens zu einem meist gesetzwidrigen oder unrechtmäßigen Zweck, welche sich insbesondere gegen die staatliche Ordnung richtet.

Gehen wir der Sache auf den Grund und werfen zuerst einmal einen Blick auf die Anzahl der Akteure im Finanzsystem. Im Verhältnis zur Weltbevölkerung handelt es sich hier in der Tat um eine verschwindend kleine Gruppe von Menschen. Zu ihnen zählen die Chefs von Zentralbanken, kommerziellen Großbanken, Hedgefonds, Finanzministerien, internationalen Finanzorganisationen wie der BIZ, dem IWF, der Weltbank und der WTO, um nur die wichtigsten zu nennen.

Kann man diesen Akteuren „zielgerichtetes Wirken“ vorwerfen? Betrachten wir dazu ihre Aktivitäten nach der Krise von 2007/08: Während sich die Politik zunächst weigerte, die Großbanken zu retten, setzten sich die Finanz-Akteure nach kurzer Zeit gegen sie durch, indem sie mit dem Zusammenbruch von Handel, Industrieproduktion und sogar ganzen Staaten drohten und so die Begleichung riesiger Schuldenberge privater Investoren durch die Staaten erwirkten.

Als in Europa daraufhin mehrere Länder in Zahlungsschwierigkeiten gerieten, gründeten die Akteure die „Troika“ aus EZB, IWF und EU-Kommission, setzten diese Länder unter deren Zwangsverwaltung und sorgten dafür, dass unliebsame Regierungschefs durch „Technokraten“ – also hohe Vertreter des Finanzgewerbes – ersetzt wurden.

Anschließend erwirkten sie zu ihrem eigenen Vorteil das „Quantitative Easing“, das Schöpfen von riesigen Geldsummen und ihre Vergabe zu immer niedrigeren Zinsen. Begleitet wurde es von der Austeritätspolitik, die die Lasten der Krise auf die arbeitenden Menschen abwälzte. Seit einigen Jahren kaufen Zentralbanken zudem Staats- und Unternehmensanleihen sowie Aktien in großem Stil auf – und zwar über alle Staatsgrenzen hinweg und in der Absicht, das System durch koordinierte Aktionen am Leben zu erhalten.

Damit besteht kein Zweifel, dass das Handeln der Akteure „zielgerichtet“ ist. Aber ist es auch „konspirativ“ und erfolgt damit  – der Erklärung der Wikipedia zufolge – auf der Grundlage der „Zusammenarbeit mehrerer Personen unter einheitlicher Zielsetzung und bewusster Ausschaltung fremden oder öffentlichen Einblicks“?

Stellen wir hierzu folgende Fragen: Gewährt die Finanzindustrie Außenstehenden Einblick in ihre Entscheidungen? Wurde ein einziger arbeitender Europäer gefragt, ob er mit der Bildung der Troika – einer Vereinigung nicht vom Volk gewählter Bürokraten – einverstanden war? Durfte die internationale Öffentlichkeit je mitreden, als die Zentralbanken beschlossen, Geld zu drucken und es zu immer günstigeren Konditionen an die Finanzindustrie zu vergeben?

Ganz im Gegenteil: Die wichtigsten Maßnahmen der Finanzindustrie wurden (und werden) hinter verschlossenen Türen solcher Organisationen wie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (der Zentralbank aller Zentralbanken) oder der Group of Thirty (einer Vereinigung ehemaliger Zentralbanker, Finanzminister und Chefs von Großbanken) vorbereitet, international abgesprochen und anschließend durch die Zentralbanken umgesetzt.

Ob diese Maßnahmen illegal oder illegitim sind? Die Antwort erübrigt sich, wenn man sich die Anzahl von Gerichtsurteilen gegen internationale Großbanken ansieht, bei denen es um den Vorwurf des Betruges ging. Allein gegen die Deutsche Bank laufen zurzeit mehr als 7.000 solche Verfahren. Was die Zentralbanken angeht, so muss man sich nur die Statuten der EZB vornehmen, um festzustellen, dass sowohl der Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen als auch der von Aktien rechtlich nicht zulässig ist.

Besonders interessant für uns Europäer erscheint in diesem Zusammenhang, dass sowohl die EZB als auch die BIZ als exterritoriales Gebiet gelten und ihre führenden Mitglieder juristische Immunität genießen, was sie über geltende Gesetze erhebt. Im Klartext heißt das: Hier haben die an der Konspiration Beteiligten sogar schon Vorkehrungen für den Fall getroffen, dass ihr Tun und Lassen sie eines Tages vor Gericht bringen sollte.

Wenden wir uns abschließend noch dem letzten Punkt zu: Ist das Handeln der Finanzakteure gegen die staatliche Ordnung gerichtet? Um diese Frage zu beantworten, muss man nur die Lehre aus zwei Jahrtausenden Menschheitsgeschichte ziehen: Nichts hat staatliche Ordnungen stärker untergraben als die Polarisierung von Gesellschaften durch die Zunahme sozialer Ungleichheit.

In diesem Punkt übertreffen die Akteure der Finanzindustrie alles, was die Welt bisher gesehen hat: Noch nie in der gesamten Geschichte der Menschheit hat es eine solche Explosion der sozialen Ungleichheit gegeben wie in unseren Tagen, noch nie war die Kluft zwischen Reich und Arm so groß.

Zusammenfassend kann man also feststellen: Wer gegen Kritiker des Finanzsystems den Vorwurf des „Verschwörungstheoretikers“ erhebt, hat das globale Finanzsystem entweder nicht verstanden oder ist daran interessiert, von seinem wahren Charakter abzulenken: Dass es sich dabei nämlich tatsächlich um eine Verschwörung handelt – und zwar eine von Politik und Mainstream-Medien unterstützte Verschwörung zugunsten derer, die von ihren Vermögen leben können, und zum Nachteil derer, die von ihrer Arbeit leben müssen.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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15 Kommentare zu: “Tagesdosis 14.7.2018 – Das globale Finanzsystem und der Vorwurf der Verschwörungstheorie

  1. „Wenden wir uns abschließend noch dem letzten Punkt zu: Ist das Handeln der Finanzakteure gegen die staatliche Ordnung gerichtet? Um diese Frage zu beantworten, muss man nur die Lehre aus zwei Jahrtausenden Menschheitsgeschichte ziehen: Nichts hat staatliche Ordnungen stärker untergraben als die Polarisierung von Gesellschaften durch die Zunahme sozialer Ungleichheit.“

    Offensichtlich hat der Autor einen über den Durst getrunken, bevor er das hier verfasst hat.
    Das „Finanzsystem“ ist wie die „staatliche Ordnung“ (Die erstaunlich viel Unordnung nach sich zieht, gerade wenn man den genannten Zeitraum betrachtet) Ausdruck des selben Motivs in der Geschichte der Menschheit: Der Herrschaft des Menschen über den Menschen.
    Beide greifen innigst ineiander und stehen sich nicht diametral gegenüber, denn der Staat ist ja nur der juristische / militärische Arm des Finanzsystems und beide sind Ausdruck bürgerlicher Herrschaft, die sich geistig über das Privateigentum definiert und aufgliedert. Daher rühren auch die modernen sozialen Klassen.
    All das unterschlägt der Autor – er schreibt nicht für uns, die Arbeiter und „Verlierer“ dieses Ausbeutungssystems, sondern er schreibt für die Herrschenden – er hätte nur gerne reine Staatsleute mit mehr Macht und reine Bankleute mit weniger… aber er verweigt das Grundpinzip, welches hinter beiden steckt und mus daher nicht mehr gelesen werden, wenn man Veränderung sucht.
    Im Grunde ist dieser Artikel sehr unterwürfig und angesichts der Tatsache dass Staat immer Kapital gegen Umverteilung und Freiheit für Unten verteidigt hat, feige.

    Die Leute, die mit „Verschwörungstheoretikern“ bezeichnet werden, machen – hier besonders gut ersichtlich – auch Fehler und es ist wichtig sie zu kritisieren. Denn wer die Probleme der Gesellschaft auf das Wirken von Personen bezieht und nicht deren Austauschbarkeit erkennt, der verewigt die Probleme nur.
    Denn ein dürfte nach dem oben genannten Zeitraum klar sein: Von Königen über faschistische Führer bis zu Vorsitzenden von Zentralkommitees bis zur Bundesversammlung: Egal wer herrscht, es geht immer in die Hose! Denn Herrschaft und nicht jene, die sie ausüben ist das Problem. Wer wie die mit dem Sammelbegriff „Verschwörungstheoretiker“ bezeichneten, die Probleme der Gesellschaft auf ihre aktuellen Verursacher bezieht, aber nicht auf das System und dessen Geist an sich, der wird lediglich einen Machtwechsel provozieren aus dem die Unterdrückung gestärkt hervorgehen wird.

    Die Veränderung, die nicht in ihr Gegenteil umkippen soll, muss ein freies Gesellschaftssystem entwerfen. Weg vom Zentralismus, hin zum Föderalismus. Weg vom sogenannten „Rechtsstaat“, der „rechtmäßig“ Kriege führt, hin zu freien Verträgen zwischen Menschen und Gruppen. Weg von den Nationen der Macht, hin zu globalen Konföderationen der Freiwilligkeit, weg von politischer Religion hin zu Selbstorganisation der Menschen. Weg von der Profitwirtschaft, hin zur selbstverwalteten Bedarfswirtschaft.
    Der Staat ist kein Bollwerk der Freiheit, sondern ihr Totengräber, der gemeinsam mit dem Kapital die Gesellschaft versucht in die Bahnen zu lenken, die die Profiteure der Herrschaft gerne hätten.
    Eine freie Gesellschaft kennt weder Macht von Menschen über Menschen durch Eigentum, noch durch militärische Gewalt. Eine freie Gesellschaft ist wahre Demokratie, in einem Staat kann die Demokratie nur Ware sein.

  2. Der Artikel ist eine Feststellung das die meisten Menschen Opfer einer Verschwörung werden, oder schon sind.

    Verwechseln wir bitte nicht unseren vom Konzern-Kapital erlaubten Freiraum nicht mit Freiheit, denn der erlaubte Freiraum ist nur ein Knast ohne Gitter der mit Freiheit nichts zu tun hat, aber die Kunst zu beherrschen sich Unabhängig zu versorgen ist die wahre Freiheit. Wir, das sind über 90% der Weltbevölkerung, dürfen nicht von Freiheit reden, da über 90% der Weltbevölkerung Lohnabhängig sind, was gleichbedeutend ist mit Versklavung durch Lohnabhängigkeit.

    Die beste Demo gegen Kernkraft ist, wenn man sich den Strom mit Solar oder/und Wind oder Bachlauf, wenn möglich selbst macht.Der beste Widerstand gegen eine Diktatur ist es, wenn man sich so viel wie möglich das nötige zum Leben selbst macht.

    Nicht die Regierung muss das Volk regieren, sondern das Volk die Regierung regieren.

    Wenn die Demokratie führt, brauchen wir keine Führer.

    • “ Besonders interessant für uns Europäer erscheint in diesem Zusammenhang, dass sowohl die EZB als auch die BIZ als exterritoriales Gebiet gelten und ihre führenden Mitglieder juristische Immunität genießen, was sie über geltende Gesetze erhebt. Im Klartext heißt das: Hier haben die an der Konspiration Beteiligten sogar schon Vorkehrungen für den Fall getroffen, dass ihr Tun und Lassen sie eines Tages vor Gericht bringen sollte. “
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      Je mehr jemand verdient, um so mehr Anwälte kann er sich leisten, um sich aus der Verantwortung gegen über 80 Millionen, oder noch mehr Menschen zu kaufen und das obwohl sehr viele behaupten, sie müssten so viel verdienen wegen der Verantwortung die sie haben. Der Anwalt steht aber an stelle des Schwertes und es ist gerade so das jemand der viel verdient, dann auch viele Waffen(Anwälte) zu seinem Ego hält. Die Anwälte bewahren demjenigen der viel Geld verdient Verantwortung zu übernehmen.

    • „Die beste Demo gegen Kernkraft ist, wenn man sich den Strom mit Solar oder/und Wind oder Bachlauf, wenn möglich selbst macht.Der beste Widerstand gegen eine Diktatur ist es, wenn man sich so viel wie möglich das nötige zum Leben selbst macht. “

      Sehr schön geschrieben. Dieser Gedanke findet sich bei den Anarcho-Syndikalisten zur Zeit der Spanischen Revolution wieder, die die Gesellschaft von Grund auf neu aufbauen wollten und bis zum Sieg der Faschisten auch große Erfolge zu verzeichnen hatten, wie zum Beispiel die Versorgung einer Großstadt wie Barcelona unter Kriegsumständen (!) ohne Staat und Kapitalisten. Das Zukunftsweisendste meiner Meinung nach waren die Kollektivbetriebe und die lokalen Versorgunsstrukturen, die den kapitalistischen Markt und staatliche Gewalt überflüssig gemacht haben.
      Darüber kann man einiges in guten Zeitzeugenberichten lesen und dann kann man sich daran machen, an die Frage: Was kann davon für heute noch nützlich sein? Wie kann man diese Grundprinzipien der Freiheit ins Heute übersetzen? Welche modernen Anpassungen müssen sie erfahren, welche Fehler gilt es nicht zu wiederholen? usw. Aber auch hier kann die Geschichte der Unterdrückten als Lehrmeisterin dienen.

  3. guten tach hr. sinn aka hr. wolff
    mit dem erten teil bin ich einverstanden. der 2. teil lässt wieder tief blicken, welche ökonomische Kompetenz sie besitzen!
    wie wäre der verlauf gewesen, wenn die EZB das nicht gemacht hätte? mal darüber nachdenken!

    • Ich frage mich schon immer, ob dieses Bankensysten überhaupt die Spitze der Verschwörungspyramide ist. Für mich sind das doch eher die Tarnfirmen des alten, neuen oder aktuell herrschenden Geldadels, der dadurch geschützt wird, dass hier Kritik immer nur an diesen momentanen Fassaden geübt wird, nie an den unsichtbaren Puppenspielern.
      Das wird hier zu oft komplett ausgeblendet.

      Wem gehört das Geldsystem? Das sind nicht Leute wie Soros oder solche Gestalten, die auf einer Forbesliste auftauchen.

      Wem gehört das System wirklich?

  4. Der Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen sowie Aktien durch die Zentral-banken soll rechtlich unzulässig sein. Warum wird von der Politik nichts dagegen un-ternommen? Warum werden die Zentralbanken nicht verklagt?

  5. Eine Verschwörung ist etwas heimliches, ob es nun legal oder illegal ist.
    Ein jeder kann wissen das die Zentralbänker der Welt sich jede Monat in Basel treffen.
    Dann gibt es noch die EZB Versammlungen in Frankfurt.
    Politiker haben längst keinen Einfluss mehr darauf, 1997 wurde die Politische Macht weg gegeben, freien Kapitalverkehr.
    Dabei ist es wichtig das es drei Zentralbanken ohne Regierung, ohne Kontroll Möglichkeit gibt: FED, EZB und Bank of England.
    Dabei kommt das die meisten Politiker gar nichts verstehen von Finanz Angelegenheiten.
    Wohin es geht: eine Katastrophe wobei 1929 Kinderspiel war.
    Wie es möglich ist das z.B. viele noch immer nicht sehen das Deutsche Bank Pleite ist, ich kann es nicht verstehen.
    Schon vor drei oder vier Jahren waren die Fakten bekannt, ein jeder der versteht wie eine Bank unter geht seht das Mene Tekel fast jeden Tag.
    Wer weiss eigentlich das es ein Gesetz gibt das es möglich macht alle Geld von jeden Rechnung zu nehmen ?

    • Die Verschwörung ist zunächst eine gesellschaftliche Tätigkeit der Bürgerlichen Epoche, die als Freiheit konstitutiv garantiert wird – nennen wir es „geschlossene Gesellschaft“, „Konferenz“, Stiftung oder was sonst so daherkommt. Sie dient weder der Unternehmung des immer abstrakten Subjekts (also keinesfalls von Individuen oder gar ihren Eigenarten) noch der Produktion, ist also nicht öffentlich. Sie dient ebenso wenig der Reproduktion und dem Verzehr, ist also nicht abgespalten.

      Anders als in der mehr als beschränkten und beengten Sphäre der Öffentlichkeit, wo die abstrakt Gleichen auf einander treffen, um konkurrent das Gleiche zu tun, wo der Reichtum als abstrakter Wert flottiert und nominell keine Grenze kennt, wo das Ansehen der Person ein Sakrileg gegen die abstrakte Universalität darstellt und keines bei Erscheinen in dieser Welt ein substantielles Recht zu Leben hat, sondern gefälligst darum kämpfen soll, geht es in diesem besonderen Freiraum Bürgerlicher Welterklärung um Erhalt und Vergrößerung von konkretem Reichtum und konkreten Gebieten. Auch die Effizienz-Logik von abstrakter Arbeit pro Zeit (Wert) ist hier nicht relevant, sondern Geduld und Abwarten führt ans Ziel. Im Dunkeln ist gut Munkeln und so kümmert sich die Verschwörung, besser: kümmern sich die Verschwörungen, die zwar als konkrete Rivalen agieren aber eben nicht als abstrakte Konkurrenten, um Definitionen und Diskurse, die sie nicht nur zu beherrschen trachten, sondern dies – wenn auch mit verteilten Rollen — tatsächlich seit Anbeginn der Bürgerlichen Welt tun.
      Der auf der Hand liegende Vorteil „bürgerlicher Freiheit“ liegt darin, dass die eigentlichen Ziele, das Sinnen und Trachten im Konkreten, nicht öffentlich gemacht, nicht erklärt und schon gar nicht legitimiert werden muss. Diejenigen Teilnehmer der Bürgerlichen Ungesellschaftlichkeit, die schon bei der „ursprünglichen Akkumulation“ dreist und gewaltsam (oder gewaltsam und dreist) sich den konkreten Reichtum anderer aneigneten, wissen nur zu gut um die wirkungslosen Spielplätze des Resonierens, wo auch die, die die aktiven Ziele oder Vorhaben der Verschwörung nicht selbst vertreten, durchführen oder billigen, etwa Presse und andere Medien, einzelne Journalistinnen und Journalisten oder andere Meinungsbildende, der (gesetzten) Diskurshoheit unterliegen und sie verfolgen (müssen). Die dürfen ruhig kritisch daherkommen, das erhöht ihre Glaubwürdigkeit und lenkt von der Aufdeckung und Investigation ab (und von der Verschwörung).

      Die sattsam und bis zum Überdruss exekutierte Kritik der Bürgerlichen Epoche befasst sich mit der Verschwörung dort, wo sie entweder illegal ist oder öffentlich wird, im Prinzip also damit, dass sie versagt. Das ändert aber nichts an der Unterstützung der Investigation für die Ziele der Verschwörung – wir sehen hier die Identität von Kritik und ihrem Gegenstand.
      Unter wesentlich größerem und inhaltlich anderem Druck steht aber eine Investigation, die der Verschwörung selbst auf die Spur zu kommen trachtet und dabei die Identität von Kritik und Gegenstand aufgibt, vielmehr den Gegenstand denunziert und angreift.
      Und hier wird es interessant: Rechtfertigt man sich und führt aus, dass es sich um veritable und unter abstrakten Subjekten anerkennenswerte Kritik mit wissenschaftlicher Methode, Fundstellen und tadelloser Methodik handelt, oder weist man darauf hin -was bisher im Rahmen der Qualifizierung zum anerkannten „bürgerlichen Subjekt“ unhintergehbar war – dass Öffentlichkeit mit den Angelegenheiten der konkreten Vielen seit Beginn der Bürgerlichen Epoche so gut wie nichts zu tun hat und, andererseits, der Entzug der Lebensgrundlage für den Großteil der Bevölkerung sich verschärft hat – wozu die „Öffentlichkeit“ immer erheblich beitrug.
      Das wäre aber in der Tat eine andere „Aufklärung“ als die, zu der sich hier etliche weiterhin bekennen.
      Kritik bleibt begrifflich immer ihrem Gegenstand verhaftet … gehen wir weiter.

    • Die deutsche Bank geht, wenn nicht politisch gewollt,
      als Teil des Systems nicht Pleite .
      Der Bruch finanzwirtschaftlicher Regeln wird durch erhöhte Abgaben, Gelddrucken, Manipulation, Arbeitszeitverlängerung, Fremd- und Zwangsarbeit kompensiert .
      Das kann noch einige Jahre so funktionieren . Ein effektiver Aufstand dagegen ist weit und breit nicht in Sicht .

  6. Die Wahrheitsverkünder der fundamentalistischen Mitte, mit Anschlussoption an’s rechte Spektrum, haben verlautbart:

    Bundeszentrale für politische Wahrheit?
    14. Juli 2018 Paul Schreyer

    Eine Behörde des Innenministeriums will Jugendliche vor Verschwörungstheorien warnen – und verfängt sich dabei in Klischees, Halbwissen und Widersprüchen

    Ende Juni lancierte die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die dem Innenministerium untersteht, eine aufwändige Social-Media-Kampagne, um auf satirische Weise über die Absurdität von Verschwörungstheorien zu informieren. Unter dem Titel „Wahre Welle TV“ wurden eine Website, ein YouTube-Kanal und eine begleitende Facebook-Seite gestartet, deren Inhalt im Wesentlichen aus sechs kurzen Videos besteht, die im Stil von TV-Dokumentationen gängige Verschwörungstheorien persiflieren sollen.

    Produziert wurden die Videos der „Kampagne zur Erweiterung der Medienkompetenz“ in Zusammenarbeit mit der Turbokultur GmbH, einer Firma des Filmemachers Martin Danisch, die sonst für Großunternehmen wie Mercedes oder Netflix Werbespots dreht und außerdem Videoinhalte für den öffentlich-rechtlichen Online-Jugendkanal „funk“ bereitstellt. Zielgruppe des Projekts sind laut bpb Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 35 Jahren.
    https://www.heise.de/tp/features/Bundeszentrale-fuer-politische-Wahrheit-4108082.html?seite=all

    Was vielleicht sehr viel interessanter an dem dargebotenen Schmonz der Domestiken ist, ist das nahezu völlige Ausblenden dessen, auf was Herr Wolff sich in seiner vorliegenden Tagesdosis bezieht. Sozusagen die Urverschwörungspraxis, die absolute Kontrolle durch den Finanzsektor.

    „Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht.“
    (Mayer Amschel Rothschild)

    Diese wird wohl nur kurz und durch den Insiderhandel bei 9/11 bedacht und dann auch gleich abgewiegelt.

    Nun, die Domestiken würden bereits erwähnt und Herr Pfaller hat auch ihre Motivation und Befähigung für die gestellte Aufgabe bereits herausgearbeitet. Deshalb erscheint das Ganze immer mehr Menschen auch immer absurder:

    „Die Schaffung einer ganzen Kaste von Beauftragten, die im Namen von Benachteiligten sprechen und an deren Stelle Vergünstigungen beziehen, ist eine effiziente Maßnahme zur Stabilisierung bestehender Benachteiligung und zur Sicherung wachsender Ungleichheit. Denn wenn in einer Gesellschaft die Einkommensunterschiede sich verschärfen, werden die Verteilungskämpfe härter. Da ist es – wie in jeder Herrschaftssituation – günstig, Kollaborateure heranzubilden. Man ermöglicht Leuten, die sonst meist vergleichsweise wenig Qualifikation innerhalb ihres jeweiligen Apparats aufweisen, einen gewissen sozialen Aufstieg und Zugang zu Kontrollfunktionen in ebendiesen Apparaten. Klarerweise werden die Kollaborateure bestrebt sein, dies ihren Gönnern zu danken. Und sie werden in klugem Eigeninteresse sämtliche Aufgaben und Anliegen, für die sie stehen, immer nur so weit betreiben und vorankommen lassen, dass sie selbst nicht überflüssig werden.“
    (Robert Pfaller, Erwachsenensprache – Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur, S. 27-28)

    Dabei ist es das kapitalistische System und sein Schmiermittel Geld, das welches einen tagtäglich unter die Knute zwingt. Die meisten Menschen von sich selbst entfremdet, wie auch über den permanenten Wettbewerb mit allen Anderen.

    Doch verwalten die Domestiken, für einen geringen Anteil an der Beute, lediglich die Fantastilliarden der global agierenden Oligarchendynastien.

    Darüber schrieb Herr Schreyer kürzlich ein Buch:

    In der medialen Wahrnehmung sind Milliardäre geisterhafte Wesen, die seltsam losgelöst von allem erscheinen und fast wie Märchenfiguren absichtslos und surreal über der Welt schweben. Doch dieser Eindruck täuscht: Keiner von ihnen handelt ohne Plan, und niemand ist so gut vernetzt wie die Milliardäre, bei denen schließlich alle finanziellen Fäden zusammenlaufen. (3)
    Man Weiß, dass sie mit ihren Milliarden gerne Stiftungen gründen, um Steuern zu sparen und ihren Familien über den Tod hinaus Macht und Einfluss zu sichern. Derzeit existieren allein in den USA mehr als fünfzig private Stiftungen reicher Familien und Firmen, die über so hohe Einnahmen verfügen, dass jede einzelne von ihnen mehr als 100 Millionen Dollar verteilen kann – wohlgemerkt pro Jahr. (4)
    Mit diesem Geld werden nicht nur wohltätige Initiativen gefördert, sondern auch sehr konkrete politische Ziele verfolgt.
    Eine der international mächtigsten Stiftungen, die Rockefeller Foundation, existiert seit 1913 und verfügt über ein Vermögen von mehreren Milliarden Dollar. Der Gründer John D. Rockefeller war seinerzeit der reichste Mensch der Welt. Sein Enkel David (1915-2017) galt als einer der politisch bestvernetzten Banker in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von 1950 bis 1985 gehörte er zur Führungsebene des Council on Foreign Relations, einer außenpolitischen Lobbygruppe. Er zählte den CIA-Gründer Allen Dulles zu seinen Vertrauten und verhalf unter anderem dem späteren Außenminister Henry Kissinger zum Aufstieg.
    Der Einfluss der Rockefeller Foundation in den vergangenen hundert Jahren ist kaum zu ermessen. Im 4. Kapitel wurde bereits geschildert, wie die Stiftung gemeinsam mit der Ford Foundation ab 1948 verdeckt die Programme für eine europäische Einigung finanzierte, aus denen später die EU hervorging. Ziel war es damals, Westeuropa gegenüber dem sowjetischen Kommunismus fest zusammenzuschweißen. Moskau stellte das Privateigentum infrage und damit den Kern der Macht von Familien wie Rockefeller und Ford. In den 1960er Jahren, während der Hochphase des Kalten Kriegs, ernannte der frisch zum US-Präsidenten gewählte Hoffnungsträger John F. Kennedy den Chef der Rockefeller Foundation zu seinem Außenminister.
    Die Stiftung wurde aber schon früher politisch aktiv.
    (…)
    Der Zweite Weltkrieg erscheint in diesem Licht als Konkurrenzkampf zwischen Eigentümereliten verschiedener Nationen, der den jeweiligen Völkern auf allen Seiten als hochmoralische Notwendigkeit verkauft wurde, in dem die politischen Kriegsziele aber sowohl in den USA wie auch in Deutschland von kleinen privaten Gruppen aus der Oberschicht bestimmt wurden.
    (…)
    Die vom Nürnberger Kriegsverbrechertribunal bereits verurteilten deutschen Großindustriellen Friedrich Flick und Alfried Krupp, die zur gleichen Oberschicht wie Rockefeller gehörten, begnadigte McCloy 1951. Er setzte ebenfalls durch, dass beide ihr beschlagnahmtes Firmenvermögen zurückerhielten. Auch Hitlers Finanzminister Graf Schwerin von Krosigk – Großvater der heutigen AfD-Politikerin Beatrix von Storch – begnadigte er, ebenso den Nazi-Diplomaten Ernst von Weizsäcker, Vater des späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Eine Elite schützte die Andere.
    McCloy wurde danach zum Vorsitzenden der Ford Foundation berufen, dann Chef von Rockefellers Chase Manhattan Bank. Schließlich wechselte er in den Vorstand des Council on Foreign Relations und gründete nebenbei den Lobbyverband Atlantik-Brücke. Deutlich wird bei Betrachtung einer solchen Karriere, wie der ganze internationale diplomatische Apparat auf die Interessen einzelner Bankiers und Milliardäre zugeschnitten ist und dass deren verschiedene politische Institutionen wie gut geschmierte Zahnräder ineinander greifen.
    Das betrifft nicht bloß die USA. In Deutschland arbeitet seit vierzig Jahren die Bertelsmann Stiftung, die zwar keine Kriege plant(*), mit ihren Millionen aber ebenfalls massiv Politik betreibt.
    (Paul Schreyer, Die Angst der Eliten – wer fürchtet die Demokratie?, S. 109-110, 113-114)

    Der Mechanismus ist bekannt, alle sind davon betroffen, vielleicht sogar bald die letzten Regenwaldindianer, wenn denn schließlich die letzten Bäume gefällt sind. Jeder hat sich diesem Diktat zu beugen, wenn nicht gibt’s mit mehr mit der Peitsche. Ist ohnehin plausibel, wenn das Zuckerbrot aus ist.

    In diesem Sinne fröhliche Hungerspiele. Ist nicht bald Jubel-Jubiläum? Besser wäre das oder soll Herr Mausfeld sein Schaubild vergebens gezeichnet haben. Natürlich hat er das nicht, wollte es nur noch einmal erwähnen.

    P.S.: Wenn ich mit einem Kampfbegriff konfrontiert werde, frage ich mein Gegenüber, ob er bzw. sie, überhaupt über den Wortsinn orientiert ist. Das reicht dann meist schon aus.

    P.S.S.: Die Duden-Definition ist schon schräg, zumindest unvollständig, lückenhaft, wenn man bedenkt, daß der Staat vollkommen von der Oligarchie usurpiert ist.
    Gebieter und Domestiken leben hier, nach Gusto, die Verschwörungspraxis aus.

    • Um die Kontinuität von Machtpolitik zu dokumentieren,
      sollte noch darauf hingewiesen werden,
      dass es Ford und Rockefeller(Standard Oil Company) waren die die nationalsozialistische Politik wesentlich unterstützten .
      Das gleiche Kapital und die gleichen Personen suchen völlig unabhängig von Ideologie und Verbrechen ihren Machtvorteil .

      Bertelsmann oder Naumann Stiftung oder Adenauer Stiftung ….
      machen die Politik in Deutschland . Bertelsmann bestimmt entscheidend die Bildungspolitik in Europa (Bologna Prozess) , die Naumann Stiftung ist an Regime Changes weltweit beteiligt .

      Um noch zu betonen :
      Die Ideologie spielt kaum eine Rolle, sie ist für das Kapital nur Instrument der Machtausübung .
      So ist „Links“ in seiner öffentlichen Erscheinung Handlanger des Kapitals .

    • Ich kann das folgende Buch empfehlen, es geht fast nur über Verschwörungen, das heisst, dokumentierte:
      Mario Toscano, ‚Designs in Diplomacy, Pages from European Diplomatic History in the Twentieth Century‘, 1970 Baltimore

    • Aus dem Grund ist es ja auch Schwachsinn eine Konkurrenz zwischen Staat und Kapital zu vermuten. Beide stützen sich gegen Widerstand von Unten, also von uns.

  7. Die BIZ ist nicht reines exterritoriales Gebiet: Obwohl es sich formal um eine schweizerische Aktiengesellschaft handelt, gilt die BIZ nach dem Haager Vertrag als eine internationale Organisation und ist damit dem Völkerrecht unterworfen.

    Bei Internationalen Organisationen wie der BIZ und der EZB hängt der Umfang der Sonderrechte vom jeweiligen Sitzabkommen (engl. headquarters agreement) ab, das die Organisation mit dem Sitzstaat abgeschlossen hat. Von einer absoluten Exterritorialität kann hier keine Rede sein. Der Empfangsstaat gewährt in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht Befreiungen und Vorrechte der Organisation und ihrer Mitglieder regelmäßig nur zu dienstlichen Zwecken und allenfalls in Bezug auf den Leiter (analog zum Botschafter) auch für den privaten (persönlichen) Bereich.

    Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich geniesst laut einem Entscheid aus 2010 des Schweizer Bundesgerichts absolute Immunität:

    Daher hat die Aufsichtsbehörde für das Betreibungs- und Konkursamt Basel-Stadt zu Recht zwei Arrestbefehle für nichtig erklärt, mit Hilfe deren die NML Capital Ltd. mit Domizil auf den Cayman Islands argentinische BIZ-Einlagen in Höhe von über einer Milliarde Franken sicherstellen lassen wollte.
    Laut dem zwischen der BIZ und dem Schweizer Bundesrat abgeschlossenen Sitzabkommen «geniesst die Bank Befreiung von jeglicher Gerichtsbarkeit», weshalb die ihr anvertrauten Werte nicht gepfändet oder mit Arrest belegt werden können (Art. 4). Das wäre nur zulässig, wenn die BIZ dem zustimmt, was im beurteilten Streit nicht der Fall ist.

    Anders als ein Staat, der Immunität nur für seine Hoheitsakte beanspruchen kann, geniessen laut dem Urteil des Schweizer Bundesgerichts internationale Organisationen wie die BIZ absolute Immunität, weil «alle ihre Handlungen eng mit ihrem Organisationszweck in Verbindung stehen müssen» (BGE 130 I 312 E. 2). Aus diesen Gründen dürfen schweizerische Gerichte nicht darüber befinden, ob Argentinien rechtsmissbräuchlich Gelder zur BIZ verschoben hat, wie von der NML Capital Ltd. geltend gemacht wurde.

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