Tagesdosis 14.8.2019 – Ein Gefäß für den männlichen Samen (Podcast)

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Wir beginnen heute mit einem Märchen. Es ist ein wunderschön-beklopptes Märchen und es handelt von einem Liebespaar, das heiratete. Sie liebten sich und liebten sich und dann wurde die Frau schwanger. Er freute sich mit ihr auf das Kind. Doch dann fiel ihm ein, dass er ja jetzt noch mehr arbeiten müsse, denn seine Frau konnte das jetzt nicht mehr. Sie ist ja schwanger und beide entschlossen sich dazu, dass er mehr arbeiten müsse und seine Frau sich einzig um das Kind kümmern solle. 

Beide einigten sich darauf. 

Und so zogen die Tage, die Wochen und die Monate ins Land und die Frau gebar das Kind. Eine Hebamme wurde zuvor geholt, die Mutter der Frau hat mitgeholfen und als das Kind dann kam, waren der Mann und die Frau überglücklich. Der Mann arbeitete und arbeitete und er sah sein Kind fast nie. Er sah es, wenn es schlief, aber er konnte sich nie mit ihm beschäftigen. Und so gingen die Jahre ins Land und da hatte der Mann einen Einfall. Er war derart bekümmert darüber, dass er sich mit seinem Kind nicht beschäftigen konnte, dass er anfing, Frauen dafür nicht mehr zu mögen. Er gründete eine Initiative und diese wurde schnell von Männern überrannt, die das Gleiche erlebten wie er und auch Frauen nicht mehr so sehr mochten. 

Die Männeremanzipation wurde gegründet und in ihr das Matriarchat als Feind gegen die Kinder und gegen die viele Arbeit ausgerufen, die ein Mann leisten muss. Männer und Kinder sind dem Egoismus der Frauen ausgesetzt, der allein über das Kind und die viele Arbeit beim Mann bestimmt. Das könne nicht so weitergehen, war der Wahlspruch dieser Antifrauen- und Antimütterbewegung. Die nehmen uns Männern unsere Kinder, schrie einer. Ja, entgegnete ein anderer, das stimmt! Einer schrie: Meine Arbeit gehört meinen Händen, einer andere schrie noch lauter: Nieder mit der Arbeit und dem Matriarchat! Und dann schrie ein anderer: Meine Hoden gehören mir! Das Matriarchat, es soll untergehen. Arbeitet nicht mehr für Frauen. Keine Frau ist es wert, dass man für sie arbeitet!. Und dann kam ein neues Mitglied. Ein Unternehmer, der sich für diese Bewegung etwas ausgedacht hat. Dann strahlte er über alle Wangen, stellte sich in die Mitte der vielen Männer und sagte mit ruhiger Stimme: Ich habe die Lösung für euch. Ich habe einen künstlichen Uterus hergestellt, eine künstliche Gebärmutter, die Eizellen von anderen Frauen einnisten kann und ihr könnt sie mit eurem Samen befruchten. Das Kind wird sich daraus entwickeln und völlig gesund zur Welt kommen. Wenn es kommt, dann könnt ihr euch den künstlichen Uterus auf den Bauch schnallen, sodass das Kind euch dann in die Arme fällt. Und dann schrie er: Nieder mit den Frauen, wir brauchen euch nicht! 

Die Männer fingen an zu tanzen und sie fielen sich gegenseitig in die Arme. Einige weinten vor Glück. Dann kam ein weiteres neues Mitglied, ein prominenter Jurist und stellte sich in die Mitte, dann sagte er mit fester strenger Miene: Ihr habt noch ein Problem. Wer kümmert sich denn um eure Kinder, wenn die kommen? Ich habe die Lösung! Ihr braucht nicht zu arbeiten, wir verpflichten die Frauen dazu, die ihre Eizellen spendeten und die müssen den gesamten Unterhalt dazu beschaffen. Für euch und die Kinder. Ich bin von der Partei die Donnergrünen und wir haben schon ein großes Programm dazu erarbeitet, dass ich durch den Bundestag bringen werden. Meine Juristenkollegen sitzen schon in den Startlöchern. 

Spenden kamen zuhauf in die Kasse des Maskulinenvereins und schnell brachten alle Zeitungen und Fernsehanstalten des Landes ihre Forderungen als Tagesmeldungen und andauernde Schlagzeile, sodass auch die Kinder anfingen, diesen ganzen Mist zu glauben und ihn als völlig normal zu akzeptieren. Es gab Talkshows und Quizsendungen in jeder Tageszeit dazu und schon kam sogar eine Kanzlerkandidatin der Donnergrünen, die sich pausenlos nur noch für den Maskulinenverein interessierte. Sie wurde dann auch 12 Monate später zur Kanzlerin gewählt und viele Frauen flohen aus dem Land, da sie den Unterhalt für die Männer und Kinder nicht mehr zahlen wollten. Frauen wurden zu tausenden obdachlos und die Suizidrate der Frauen wuchs und wuchs.

Gott sei dank, dass das nur ein Märchen ist, nicht wahr.

Liebe Leserin, lieber Leser, hast du mitbekommen, worum es gar nicht ging in diesem Märchen und worum es ging? Nun, es ging nicht um das Produkt, die Kinder. Die wurden im Märchen weder gefragt noch berücksichtigt. Und worum ging es im Märchen? Na, um die Erwachsenen, hauptsächlich die Männer. Du findest das Märchen irgendwie spooky? Ja, das finde ich auch. Antje Schrupp, eine Politikwissenschaftlerin hat ein Buch geschrieben über ein Thema, das ähnlich ist wie mein vorangestelltes Satire-Märchen. Nur sind dort, wie sollte es auch anders sein, die Rollen vertauscht. Das Buch heißt schwanger werden können, Essay über Körper, Geschlecht und Politik. Das Buch liest sich wie ein Roman von George Orwell, in dem Männer zu Samenbanken werden und Frauen die neue Freiheit des Gebärens genießen sollen. Das Buch reiht sich für mich mühelos in das Buch ein, dass vor einigen Monaten von einer Gymnasiallehrerin geschrieben wurde, dass sich um Kinder als Ökoschleudern bemühte und mahnte, keine Kinder mehr in die Welt zu setzen, und anstelle der Kinder hier lieber in Saus und Braus zu leben. 

Antje Schrupp will an der Moral kurbeln und Samenspender, sie meint damit Männer, die einmal kurz mit einer Frau ein Kind gezeugt haben und die Beziehung beider dann in die Brüche geht, sollen weder dafür Unterhalt zahlen noch mit dem Kind irgendwas zu tun haben. Natürlich wird dazu das Kind nicht befragt. Wie denn auch, das ist ja noch zu jung dafür, um seine Lage gänzlich zu überblicken. Dafür haben wir jedoch, Gott sei es gedankt, die Entwicklungsbiologie. Dort kann man nachlesen, was das dann für ein Kind bedeutet. Oder man befragt einfach einmal den Psychiater und Mediziner Hans-Joachim Maaz dazu. Was der wohl dazu sagen würde? Na ja, wen kümmern lästige Antworten, wenn man einen Abschluss in der Herrschaftswissenschaft der Politik hat. Nichts, denke ich einmal. Erinnert alles an eine Elternhybridschaft a la Co-Parenting. 

Spiegel online fragt Frau Schrupp dazu folgendes, Zitat Anfang: Würde das für die Schwangeren nicht bedeuten, erst recht mit der Belastung alleingelassen zu werden? Zitat Ende. Worauf Frau Schrupp Folgendes antwortet, Zitat Anfang: Das ist ein Problem, aber das lösen wir nicht, indem wir eine Vaterschaft erzwingen. Stattdessen müssen wir sagen: Du kannst abtreiben, das ist nicht sozial stigmatisiert. Du kannst auch das Kind bekommen und allein oder mit anderen Leuten großziehen. Es gibt dafür gesellschaftliche Unterstützung, du stürzt dadurch nicht in Armut. Oder du kannst das Kind zur Adoption freigeben, und auch dann erfolgt keine Stigmatisierung. Eine Frau soll keinen Mann brauchen müssen, um ein Kind zu gebären, Zitat Ende. Für so eine gedankliche Höchstleistung haben unsere Bildungseinrichtungen ein Diplom erfunden. Bravo!

In dem Interview auf Spiegel online kommen lauter solche Antworten, denen die Berücksichtigung des Psychischen, weder bei einer schwangeren Frau, noch bei dem Mann und schon überhaupt nicht bei dem werdenden Kind berücksichtigt werden. Das Kind wird zur Ware der Bedürfnisse Erwachsener, die nicht darüber nachdenken, was das für die spätere Identitätssuche eines jungen Menschen bedeuten könnte. Die Autorin, liebe Leserinnen, festhalten!, war natürlich nie schwanger und das will sie auch gar nicht werden. Schrupp haderte Zeit ihres bisherigen Lebens mit der eigenen Gebärmutter. Sie findet es beängstigend, das da was im Bauch heranwächst und das sie das dann auch noch austragen muss. Und Schrupp findet, dass Kinderkriegen nicht als Privatsache assoziiert werden sollte, sondern dass Kinderkriegen ein eminent politisches Thema ist. 

Wird Ihnen jetzt auch ein bisschen schlecht? Mir schon. Denn das, was Frau Schrupp in ihrem Buch und im Interview äußert, ist eine Minderheitenmeinung. Was ja völlig berechtigt ist und auch gehört werden sollte. Im Rahmen des Gender-Mainstreaming wird jedoch ihr Buch Furore machen, da bin ich mir sicher. Wenn sich jemand individuell zu dem entscheidet, was Frau Schrupp für sich entscheidet, dann ist das gut so. Und ebenso gut ist es, wenn sie danach leben kann. Das sollte niemand verhindern wollen. Doch, da bin ich mir sicher, wird die Mehrheit das für sich anders entscheiden wollen. 

Da assoziiert eine Politikwissenschaftlerin ihr eigenes Problem in die Arbeitswelt und verbindet es mit dem eigenen Karrierewunsch. Und das merkt sie nicht einmal selbst. Manchmal, und in diesem Fall ist das wirklich so, denke ich, dass Gerald Hüter recht hatte, als er feststellte, dass Schulbildung keine Bildung sei – und da kann man getrost die Universitäten mit einbeziehen. Frau Schrupp ist geschlechtlich auf Frauen eingestellt. Was ja vollkommen okay ist. Vielleicht empfindet sie einiges an ihrem biologischen Geschlecht als nicht okay, vielleicht. Auch das ist okay. Doch daraus eine mögliche Gültigkeit für alle Frauen, Kinder und Männer, ja vielleicht sogar für das Scheidungs- und Eherecht zu proklamieren, nichts anderes ist der Inhalt ihres Buches, das ist schon grotesk und eben nicht okay. Oder etwa doch?

Manchmal ist es ganz okay, sich die Dinge genau andersherum vorzustellen. Weil man nämlich erst dann seine Paradoxie und Unsinnigkeit erkennt. Immerhin, was wäre, afghanische Soldaten würden in Berlin einmarschieren und unsere herzallerliebste Kanzlerin stürzen wollen? Nicht auszudenken. 

Ich bin ja mal gespannt, wann irgendein Mann den künstlichen Uterus in Serie herausbringt. Spätestens dann verlasse ich das Land – mit meiner lieben Frau. 

Quellen

https://www.spiegel.de/kultur/literatur/schwangerwerdenkoennen-schwangerschaft-im-sozialen-wandel-a-1279909.html

https://www.youtube.com/watch?v=cxEWIy0vxfY+++

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: FotoDuets / Shutterstock 

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