Tagesdosis 15.2.2020 – Bombardierung Dresdens im Februar 1945: Eindeutig ein Kriegsverbrechen

Ein Kommentar von Hermann Ploppa.

Der 13. Februar 1945 war ein Dienstag. Also Karnevalszeit in Deutschland. Karneval auch in Dresden: „Am Fastnachtsdienstag kramten die Kinder allerlei Maskerade aus den Kästen des alten, bunten Bauernschrankes und zogen lärmend in den Straßen herum.“ (1) Zur gleichen Zeit ist Victor Klemperer dazu verdonnert, Briefe an jüdische Mitbürger zu verteilen, die sich an einem unheimlichen Ort einzufinden haben (2). Das bedeutet nichts Gutes. Klemperer war früher Professor für Romanistik an der Dresdner Universität. Da er eine „Arierin“ geheiratet hat, wird er nicht in die Brennkammern von Auschwitz geschickt. Aber er kann seinen Beruf nicht ausüben und muss zudem seit einigen Jahren einen gelben Judenstern tragen.

Währenddessen spielen sich am Dresdner Bahnhof entsetzliche Szenen ab, wie Gisela Neuhaus in ihr Tagebuch einträgt: „Nur mühsam konnte ich mir einen Weg durch die dicht gedrängte Menge vor dem Bahnhof bahnen. Im Bahnhof selbst lagen Flüchtlinge Schulter an Schulter auf dem Fußboden. In Decken gehüllt oder mit Mänteln zugedeckt. Säuglinge und kleine Kinder schrien. Die Mütter waren verzweifelt, viele weinten, einige schliefen mit angezogenen Knien auf der Seite liegend. Ein Bild des Elends! Es waren Flüchtlinge aus Schlesien. Viele Familien waren getrennt worden. Einige Mütter riefen laut den Namen ihrer Kinder in der Hoffnung, sie hier in den Menschenmassen auf dem Dresdner Hauptbahnhof wiederzufinden. Sie hatten Schreckliches erlebt.“ (3) In wenigen Stunden werden die meisten dieser Unglücklichen verbrannt sein.

Es ist Endzeit des Nazireiches. Die Rote Armee hat gerade die Weichsel überschritten und befindet sich auf dem Vormarsch auf Berlin. Breslau ist eingekesselt und die Nazischergen haben die Breslauer Bevölkerung rausgeschmissen aus Breslau und die Stadt zur Festung erklärt. Die Westalliierten sind längst ins Rheinland vorgerückt. Die deutsche Luftwaffe ist seit dem April 1944 bereits besiegt. Die Luftabwehr funktioniert kaum noch. Eigentlich liegt Deutschland offen wie ein Scheunentor und es bedarf eigentlich nur noch einiger größerer Scharmützel, um dem Naziterror den Todesstoß zu versetzen. Dennoch haben sich die Militärplaner der USA und Großbritanniens in den Kopf gesetzt, noch einige blutige Exempel zu statuieren. Hamburg, das Ruhrgebiet und Berlin natürlich hatte man auf dem Schirm, wenn es um ein „Kolossalmassaker mit hunderttausend Toten“ (4) gehen sollte. Aber nun sollte Dresden dran glauben.

Dresden, eine Stadt „so entlegen und kriegsunerheblich, daß man sie viereinhalb Jahre ignoriert hatte.“ (5) Es gab punktuelle Bomberattacken auf den Dresdner Hauptbahnhof, mehr nicht. Man hatte noch nicht einmal Bunker für die Dresdner Zivilbevölkerung gebaut. Es gab lediglich einen Bunker für den Nazi-Gauleiter Mutschmann. Familie Jäger war entnervt aus Hamburg nach den dortigen Bombenstürmen der Operation Gomorrha nach Dresden gezogen, um hier das Ende des Krieges abzuwarten. Ebenso Familie Koch aus Rostock, die nach den dortigen Phosphorbombennächten nach Dresden geflüchtet war.

In Dresden fühlte man sich sicher.

Die Dresdner Neubürger haben ihre Rechnung ohne den britischen Fliegerkommandanten Sir Arthur Harris gemacht. Als Ziel der britischen Luftwaffeneinsätze bestimmte Harris „die Zerstörung deutscher Städte, die Tötung deutscher Arbeiter und die Zerrüttung des zivilisierten Lebens in ganz Deutschland.“ (6) Dabei konnte die deutsche Bevölkerung noch „froh“ sein, dass die Westalliierten ihre Planungen, deutsche Städte mit Giftgas komplett zu entvölkern, nicht weiter verfolgten (7).

Und so macht sich am Abend des 13. Februar 1945 eine riesige britische Luftflotte mit Jägern und Bombern auf den Weg nach Dresden. Die Briten kommen immer nachts, weil ihre Bomber technologisch weit hinter den US-amerikanischen Bomberflotten zurück geblieben sind und für eine deutsche Flugabwehr (die im Falle Dresdens kaum noch vorhanden ist) ein relativ leichtes Ziel abgeben. Die amerikanischen Flying Fortresses greifen dagegen am hellen Tag aus sicherer Höhe an und treffen dabei noch präziser ihre Ziele als die Briten. Die britischen Bomberverbände benötigen ortskundige Piloten, die ihnen voranfliegen und das Ziel der Bombardierung ausfindig machen. Dann markiert die Vorhut das Ziel mit einer farbig leuchtenden Chemikalie („Weihnachtsbäume“ genannt) und beordert die Bomberflotte über Ultrakurzwellenfunk zum Ziel der Bombardierung. Nicht einmal diese UKW-Kommunikation können die Deutschen noch stören. Nun wird Dresden über zwei „Fächer“ flächendeckend bombardiert.

Zwischen 22.03 Uhr und 22.28 erfolgt der Abwurf des ersten Bombenteppichs. Alles ist perfekt getaktet: „Massenvernichtung ist Millimeterarbeit, sie käme nicht zustande, würden wahllos Bombentonnen auf einen Ort geladen … Das Feuer muß schneller sein als die Feuerwehr. Anders wird es kein Vernichtungsangriff, sondern ein Haufen von Brandstellen.“ (6). Nach der Entwarnung kommen die hustenden Dresdner wieder aus ihren Kellern, in denen sie Schutz gesucht haben. Doch jetzt kommt der finale Stoß, nämlich ein erneuter Angriff ab 1.16 Uhr: „Attacke eins jagt die Leute in den Schutz, Attacke zwei packt die den Schutz erlöst Verlassenden. Die Schutzwirkung von Kellern ist nach zwei Stunden verbraucht.“ (8) Familie Koch aus Rostock hockt im Keller und sieht, wie sich das siedend heiße Phosphor zu ihnen herunterwälzt. Es gelingt ihnen, aus dem Keller und aus der Stadt zu fliehen. Um sie herum vertrocknete, zusammengeschrumpfte Leichname, zur Unkenntlichkeit entstellt. Der Mensch besteht zu 90 Prozent aus Wasser, und das Wasser wird rasend schnell dem Körper entzogen. Die verglühenden Menschen suchen Löschung in der Elbe, aber das Elbwasser kann die Körper nicht abkühlen. Ein Mann ist wahnsinnig geworden und trägt vier Puppen mit sich herum – es ist seine mumifizierte Familie.

Der Phosphorbrand verschont niemanden: „Das Pflegepersonal des Johannstädter Krankenhauses schulterte die Patienten in ihren dünnen, gestreiften Hemden und legte sie dort ab. Aus der Poliklinik liefen Wöchnerinnen herbei. Das war die erste Gruppe, die der >double blow< aus den Verstecken gezogen und schutzentblößt unter sich hatte … Der Hauptbahnhof lag außerhalb des Fächers. Er steckte randvoll mit Flüchtlingen der Ostfront. Der erste Angriff hatte die Möglichkeit gelassen, eine größere Zahl von Personenzügen aus dem Stadtbereich zu rangieren, die zurückgeholt wurden, nachdem Nr.5 (die entsprechende britische Bomberstaffel H.P.) sein Werk hinter sich gebracht hatte. Danach wurde auch der Hauptbahnhof ein Vorzugsziel des Zweitschlags.“ (9)

Im Zweitschlag wurden die berüchtigten Stabbrandbomben eingesetzt, und zwar allein in Dresden 650.000 Stück, also fast für jeden Dresdner eine Stabbrandbombe. Diese waren teilweise mit Zeitzündern ausgestattet, so dass sie erst explodierten, wenn die Rettungsarbeiten begannen. Zudem wurden jetzt die Feuerwehrleute und Sanitäter durch Tiefflieger im komplett schutzlosen Stadtgebiet gezielt erschossen. Zu den hellen Tageszeiten des 14. und des 15. Februar führten US-amerikanische Bomber die Attacken gegen die Dresdner Bürger weiter.

Zur Zeit des Angriffs lebten in Dresden 640.000 Einheimische. Die Anzahl der Flüchtlinge zu jener Zeit kann nur grob geschätzt werden. Man geht von einer Zahl zwischen 150.000 und 350.000 „Gästen“ aus. Eine, wie man zugeben muss, beachtliche Unschärfe in der Schätzung. Zahlen sind generell der Punkt wo sich die Geister scheiden. Es wurde und wird heftig um die Zahl der Todesopfer im apokalyptischen Höllenfeuer von Dresden gestritten. So als wenn Quantität in Qualität umschlagen könnte (10).

Der Bodycount scheint darüber zu entscheiden, ob es sich hier um ein Kriegsverbrechen oder einen legitimen Kriegsakt handelt. In den 1960er Jahren waren Schätzungen von etwa 200.000 Todesopfern im ehemaligen Elbflorenz im Umlauf, und zwar im Mainstream durch das Hamburger Magazin Der Spiegel und durch DIE ZEIT. Allerdings erfuhr jene sechsstellige Zahl im Laufe der Jahrzehnte einen sozialen Abstieg und wurde nunmehr nur noch von Gruppierungen des rechten politischen Spektrums zum Vortrag gebracht. Um die unwürdige Auktion um die Toten von Dresden zu beenden, gründete der Dresdner Oberbürgermeister Ingolf Roßberg im Jahre 2004 eine Historikerkommission, die nun die exakten Zahlen ermitteln sollte. Das Ergebnis lag 2008 vor (11), und man geht in dieser Studie von einer Opferzahl von 18.000-25.000 Todesopfern aus. Das kann nicht wirklich überzeugen. Denn die Historiker setzen voraus, dass alle Opfer von der Polizei und den Rettungskräften exakt und in der Ruhe von Friedenszeiten identifiziert werden konnten. Es ist beim besten Willen nicht nachvollziehbar, dass in dem heillosen Chaos, das in Dresden bereits vor der Bombennacht geherrscht hatte, noch irgendjemand die Zeit und Muße gehabt haben könnte, eine gemächliche Leichenschau vorzunehmen und einen Abgleich mit eventuell noch nicht verkohlten Personalausweisen vorzunehmen. Die Menschen waren ja mit ihren persönlichen Ausweispapieren verbrannt. Sie waren gar nicht mehr als Individuen erkennbar. Tatsächlich wurden wegen der hohen Zahl von Toten regelrechte Massenscheiterhaufen errichtet und angezündet. Wer war zudem in der Lage, die Hunderttausende von Flüchtlingen zu identifizieren?

Die andere Frage lautet: warum wurde Dresden dem Erdboden gleichgemacht, obwohl das Kriegsende nur noch eine Frage von wenigen Monaten war? Hierauf gibt aktuell ein junger Historiker im Berliner Tagesspiegel Antwort: Dresden sei durchaus im militärischen Sinne außerordentlich relevant gewesen (12). Dresden habe eine große Bedeutung als militärischer Knotenpunkt gehabt. Kriegswichtige Rüstungsindustrie hätte sich hier befunden. Dresden sei als letzte Festung der Nazis vorgesehen gewesen, und darum habe die Auslöschung Dresdens den Krieg enorm verkürzt. Der junge Mann beruft sich offenkundig auf einen Aufsatz des Militärhistorikers Rolf-Dieter Müller in dem bereits erwähnten Sammelband der Historikerkommission (11).

Müller widerlegt die Behauptung von der militärischen Bedeutung Dresdens für die Endphase des Zweiten Weltkriegs eigentlich eher als dass er diese These wirklich erhärtet. Am 1. Januar 1945 hatten die Nazis Dresden zum „Festungsbereich“ erklärt. Das heißt, dass man die Dresdner Bürger, wie dann in Breslau geschehen, einfach aus ihrer eigenen Stadt jagt und im Fall einer sowjetischen Invasion einen zermürbenden Häuserkampf angezettelt hätte, also eine Retourkutsche für Stalingrad. Wer diesen Häuserkampf auf deutscher Seite hätte führen sollen, bleibt allerdings unklar. Mit einer SS-Division hatte gerade die letzte ernstzunehmende nazideutsche Streitkraft den Raum Dresden in Richtung Österreich verlassen. Dresden war stattdessen überfüllt mit „Soldaten, Genesenden, Dienstreisenden etc., so dass die Unterbringungsmöglichkeiten in Kasernen, Schulen und Turnhallen nicht ausreichten.“ (14).

Ansonsten das notorisch im Nazireich schon zu Friedenszeiten vorherrschende Kompetenzwirrwarr. Denn der Festungsbereich Dresden „verfügte noch nicht einmal über eigene Fahrzeuge und blieb darauf angewiesen, seinen Materialforderungen im Dschungel der Zuständigkeiten Gehör zu verschaffen.“ (15) Was hätte sich denn noch groß von Dresden aus an nazideutscher Erhebung entfalten können? Längst machten sich die Nazi- und SS-Bonzen bereit für den Absprung nach Südamerika, und schon im August 1944 hatte die Naziführung die deutsche Wirtschaft angewiesen, schleunigst ihr Geld über die Basler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ins sichere Ausland zu transferieren. Der Krieg war doch aus Sicht der Nazis längst gelaufen (16). Was sollten wohl die fußkranken und „genesenden“ Volkssturmeinheiten aus Dresden noch wenden? Wie hätte denn diese Laienspielschar den Krieg noch künstlich verlängern können? Sie hätten gegen die gut eingespielten ukrainischen Abteilungen der Roten Armee noch nicht einmal Sparringspartner abgegeben.

Es bleibt dabei: der Angriff auf Dresden war militärstrategisch absolut sinnlos. Auf jemanden einzutreten, der schon am Boden liegt ist unanständig, um es einmal in der Logik des Schulhofes zu formulieren. Bleibt abschließend noch die Frage zu klären: befand sich die Brandvernichtung Dresdens im Einklang mit geltendem Völkerrecht, Kriegsrecht oder mit was auch immer für einem Rechtssystem? Hilfreich ist hier der Aufsatz eines Wissenschaftlers der elitären Washingtoner Georgetown Universität (17).

Eric Langenbacher betrachtet das Ausmaß der alliierten Bombardierungen für das gesamte Deutsche Reich. Insgesamt ergossen sich 2.7 Millionen Tonnen Bomben über Deutschland im Zweiten Weltkrieg. 3.6 Millionen Wohnungen wurden verwüstet, wodurch 7.5 Millionen Menschen obdachlos wurden. Unter den Bombenopfern waren Frauen, Kinder und ältere Menschen deutlich überrepräsentiert. Wie schon gesagt: die härtesten Tritte, als Deutschland bereits am Boden lag: 72 Prozent aller von US-Bombern auf Deutschland gestreute Bomben wurden in den letzten zehn Monaten des Krieges verabreicht. Und der nach dem Krieg erstellte Bombardierungsbericht der USA (United States Bombing Survey) stellt fest, dass die Bombardierungen sich vornehmlich gegen kriegsunwichtige Branchen richtete, nämlich gegen Konsumgüterindustrie, was in jenen kargen Zeiten nur heißen konnte: die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung und Bekleidung. Das heißt: nicht die Waffenschmieden wurden in erster Linie von den Bombenteppichen niedergestreckt sondern jene Bereiche, die für das akute Überleben der unbeteiligten Zivilbevölkerung unerlässlich waren. Mit anderen Worten: die „normale“ Bevölkerung wurde existentiell massiv bedroht. Ärzte, Feuerwehrleute und Sanitäter wurden von Tieffliegern niedergestreckt, aber auch einfache Bürger wurden Ziele militärisch sinnloser Attacken. Ein „lustiges“ alliiertes Tontaubenschießen auf unbescholtene Bürger sozusagen. Auf Alte, Kranke, Frauen, Hitler-Pimpfe.

Die Genfer Konvention von 1864 verbot eindeutig Angriffe auf feindliche medizinische Einrichtungen. Die Haager Konvention von 1907 besagt unmissverständlich in Artikel 23: „Das Luftbombardement, das zum Zweck hat, die Zivilbevölkerung zu terrorisieren oder das Privateigentum, das keinen militärischen Charakter hat, zu zerstören oder zu beschädigen oder Nicht-Kombattanten zu verletzen, ist verboten.“ (18) Artikel 25 verurteilt den Angriff auf nicht verteidigte Städte, Dörfer und Gebäude. Die Haager Konvention wurde nie vollständig ratifiziert, setzte aber schon Maßstäbe. Dass das eigene Terrorbombardement gegen Deutschland nicht rechtens war, wussten die Ankläger beim Nürnberger Kriegsverbrechertribunal ganz genau. Die infamen Bombenangriffe der Nazis gegen Guernica, London, Coventry, Warschau oder Minsk wurden als Anklagepunkte nicht aufgenommen. Denn das wäre ein Bumerang geworden gegen die Westmächte. So gab der Chefankläger der USA, Robert H. Jackson unverblümt zu Protokoll: „Dieses Thema wäre einer Aufforderung zur Erhebung von Gegenbeschuldigungen gleichgekommen, die in dem Prozess nicht nützlich gewesen wären.“ (19)

Doch soll uns das nicht davon abhalten, einen entscheidenden Anklagepunkt des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals gegen den Naziterror an dieser Stelle anzuführen. Im dort formulierten Grundsatz 6(b) heißt es: „Verletzung der Kriegsgesetze und Kriegsgebräuche. Solche Verletzungen umfassen … Mord, Misshandlung oder Deportation zur Sklavenarbeit … die mutwillige Zerstörung von Städten, Märkten oder Dörfern oder jede durch militärische Notwendigkeit nicht gerechtfertigte Verwüstung.“ (20)

Wenn wir davon ausgehen, dass eine Rechtsnorm universell gültig ist, dann ist ein solcher Anklagepunkt selbstverständlich auch auf die Gräueltaten der US-amerikanischen und britischen Bomberverbände anwendbar. Oder beanspruchen die USA einen rechtlichen Exzeptionalismus frei nach der Losung der alten Römer: Quod licet Iovi, non decet bovi, also: was Jupiter erlaubt ist, gehört sich noch lange nicht für den Ochsen? Wir werden wohl vergeblich auf eine Beantwortung dieser Frage warten. Eric Langenbacher von der Georgetown Universität kommt jedenfalls zu einer unmissverständlichen Schlussfolgerung: „Die Bombardierung deutscher Städte während des Zweiten Weltkrieges stellte eindeutig eine Verletzung des Völkerrechts, der Militärethik und der Kriegskonventionen dar.“ (21)

Nun ist aus unserer Sicht eine „Militärethik“ ein Widerspruch in sich. Und auch die Kriegskonvention ist ein Kodex, an den sich niemand hält. Papier ist geduldig. Die Zeiten des galanten feudalen Kabinettskrieges sind nämlich schon lange vorbei. Wir leben im Zeitalter des Totalen Krieges. Der industriellen Vernichtung von Gütern und Menschen. Was Dresden angetan wurde, wird heute Baghdad, Kabul oder dem Jemen angetan. Die Logik des Totalen Krieges zieht sich wie ein roter Faden durch die jüngere Geschichte. Und wir erlauben es durch unsere Passivität jeden Tag aufs Neue. Möglich und machbar ist alles was widerstandslos geduldet wird. Wenn jetzt das westliche „Verteidigungs“bündnis NATO die Generalprobe für den nächsten Totalen Krieg mit dem Großmanöver Defender 2020 auf deutschem Boden durchführt, sollten wir Zivilisten deutlich machen, dass wir ein weiteres Massaker an Zivilisten nicht zulassen werden. Begangene Verbrechen wie die Bombardierung Dresdens im Nachhinein über einen geschmacklosen Bodycount oder über gravierende Geschichtsfälschungen zu verharmlosen, sollen uns nur kommende Kriege schmackhaft machen. Der nächste Krieg beginnt mit dem Kampf um die Deutung der vergangenen Kriege.

Nachtrag: Familie Koch überlebt den Brand von Dresden und schlägt sich nach Jena durch. Hier wird der zehnjährige Helmut Koch von US-Soldaten genötigt, Munition aus Wehrmachtbeständen zu entschärfen. Als Helmut fliehen will, wird er zunächst wieder eingefangen, und die GIs schlagen ihm Zähne aus. Er entflieht erneut und wird von US-amerikanischen Tieffliegern beschossen, als er unter einem Felsen Schutz sucht. Er kann entkommen, als sich die Aufmerksamkeit der Tiefflieger auf einen herannahenden Personenzug richtet. Kaum ist Helmut aus dem Felsvorsprung entkommen, stürzt dieser herunter. Ein hollywoodreifer Actionthriller, den das ganz reale Leben schrieb. Und so erging es vielen Menschen in jener Zeit.

Familie Jäger kehrt zurück nach Hamburg. Heino Jäger wird Anfang der 1970er Jahre ein sehr populärer Kabarettist in Norddeutschland (22). Seine makabren und absurden Sketche („Lebensberatungspraxis Dr. Jäger“), wurden einem breiten Publikum durch den Norddeutschen Rundfunk bekannt. Sie bringen ihm die Bewunderung von Kabarettistenkollegen wie Hanns Dieter Hüsch ein. Doch sein extremer Alkoholkonsum führt zur Herausbildung einer Demenz. Heino Jäger dämmert in einem Altersheim in Bad Segeberg seinem viel zu frühen Tod entgegen. Für diese von den Bombennächten in Dresden seelisch Verletzten gab es damals noch keine psychologische Behandlung gegen Posttraumatische Belastungsstörungen.

Und diese Opfer der Bombennächte wurden auch in keiner Statistik erfasst.

Quellen und Anmerkungen:

  1. Zitiert aus Walter Kempowski: Der rote Hahn. Dresden im Februar 1945. München 2001. S. 18
  2. a.a.O., S.24
  3. a.a.O., S.28
  4. Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945. München 2002. S.359
  5. ebenfalls S.359
  6. a.a.O., S.361
  7. https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13531696.html
  8. a.a.O., S.362
  9. a.a.O., S.363
  10. https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article205780481/Dresden-1945-So-instrumentalisiert-der-AfD-Vorsitzende-die-Bomben-Opfer.html
  11. Rolf-Dieter Müller/ Nicole Schönherr/ Thomas Widera (Hg.): Die Zerstörung Dresdens 13. Bis 15. Februar 1945. Gutachten und Ergebnisse der Dresdner Historikerkommission zur Ermittlung der Opferzahlen. Göttingen 2010
  12. a.a.O., S.75ff; Rolf-Dieter Müller: Die militärische Bedeutung Dresdens im Frühjahr 1945 und die Auswirkungen der alliierten Luftangriffe.
  13. https://www.tagesspiegel.de/politik/75-jahre-dresdner-bombennacht-die-afd-versucht-den-opfer-mythos-wiederzubeleben/25539616.html
  14. a.a.O., S.79
  15. ebd.
  16. Hermann Ploppa: Der Griff nach Eurasien – Die Hintergründe des ewigen Krieges gegen Russland. Marburg 2019
  17. Eric Langenbacher: Die Alliierten im Zweiten Weltkrieg: das angloamerikanische Bombardement deutscher Städte. In: Adam Jones (Hg.): Völkermord, Kriegsverbrechen und der Westen. Berlin 2005. S.134ff
  18. a.a.O, S.146
  19. a.a.O., S.151
  20. a.a.O., S.153
  21. a.a.O., S.154
  22. https://www.youtube.com/watch?v=h1aCh-l4E18

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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22 Kommentare zu: “Tagesdosis 15.2.2020 – Bombardierung Dresdens im Februar 1945: Eindeutig ein Kriegsverbrechen

  1. Danke, Herr Ploppa, dass Sie sich dieses Thema angenommen haben!
    Es ist dies ein wirklich schauriges Thema…

    Die Vernichtung der Stadt Dresden und die Ermordung der einheimischen Bevölkerung und von zumindest 1Mio Flüchtlingen stellt ein Menschheitsverbrechen und ein Kriegsverbrechen von welthistorischem Ausmaß dar.

    Das Außenministerium der USA stellte fest: es sind in diesen 2 Tagen mindestens 250.000 Menschen ums Leben gekommen (zitiert nach Heinz Huber, Artur Müller, Waldemar Besson (1969) , das 3. Reich in Bildern und Dokumenten Band 6, Verlag Kurt Desch München Basel, S.85-88).

    Im Buch von David Irving, Der Untergang Dresdens, Feuersturm 1945, Verlag Arndt 2006, Kiel, liest man auf Seite 1 von Gerhard Hauptmann: "Wer das Weinen verlernt hat, lernt es wieder beim Untergang Dresdens."

    Herr Irving gilt nach meiner Kenntnis als "umstitten". Er arbeitet allerdings nach einer nachvollziehbaren Methode, heranziehen aller verfügbaren Originaldokumente – keine Bewertung von Fakten, Tatsachenwahrheiten (um dieses philosophische Wort zu bernutzen, das Frau Ahrend häufiger benutze), sondern – wie gesagt – umfängliche Recherche und Analyse der Tatsachen.

    Der "Bericht" von Müller, Zitat 11, des Beitrags von Herrn Ploppa stellt eine politische, also willkürliche, Zusammenstellung und Bewertung dar.
    Ich komme zu dem Schluß, dass mindestens 500.00 Menschen ermordet wurden. Die "offizielle" Zahl von 20.000 bezieht sich vielleicht auf identifizierbare Opfer mit Pass, Ausweis, oder die Opfer in einer Stunde der Angriffe. Die Leichen konnten zumeist gar nicht identifiziert werden, weil sie derart verstümmelt und verkohlt waren, dass ein Mensch als solcher gar nicht mehr zu erkennen war.
    Dresden war keinerlei militärisches Ziel. Die Planung und Durchführung dieses Angriffs war und ist noch heute ein Verbrechen, das aktuell weitgehend mit Schweigen und Lügen übergangen wird. Hierzu hat
    A. Eberl sagt: 16. Februar 2020 at 22:19
    aktuelle Eindrücke berichtet.
    In diesen Zeiten leben wir…

  2. Geschichte wird von den Siegern geschrieben!

    „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft: wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“

    George Orwell

  3. Ich war gestern auf der Demonstration gegen die Münchner (Un-)Sicherheitskonferenz in München. Diese "Sicherheitskonferenz" dauerte vom 14.-16. Februar 2020 – also bis auf einen Tag exakt 75 Jahre nach der Bombardierung auf Dresden! Es waren zwar Demonstranten da, um gegen diese Veranstaltung eines ungewählten Mannes (Ischinger) zu protestieren, aber mir schienen es nicht besonders viele zu sein.
    Es waren vor einigen Jahren schon mal viel mehr.
    Zum Artikel: Gerade die Erinnerung an den erschütternden Bombenterror auf Dresden vom Februar 1945 sollte daran erinnern, was Krieg an Leid mit sich bringt. Aber Ischinger, Kramp-Karrenbauer, Merz, Pompeo, von der Leyen, Steinmeier und einige andere bauen wieder eifrig Feindbilder auf: Russland, China, Iran. Aber die Iraner, die Russen, die Chinesen, die Libyer und alle anderen Menschen gehören alle zur Menschheitsfamilie. Ich will nicht, dass ihnen etwas geschieht. Um wirksam zu verhindern, dass es zu einer katastrophalen, kriegerischen Konfrontation gegen diese Menschen kommt, müsste ein viel größerer Ruck durch das Bewusstsein der Menschen in Europa gehen – und auch durch die Köpfe der Presse der ÖR:
    Ein Beispiel: Heute-Sendung, 19:00 Uhr von heute, 16.2.2020: Auf der Münchner "Sicherheitskonferenz" hätten sich die Teilnehmer heute mit Libyen beschäftigt. Besonders das Waffenembargo sei ein großes Thema gewesen. Schon morgen wollen sich die europäischen Außenminister beraten, wie das Waffenembargo besser durchgesetzt werden könne – eine Überwachung aus der Luft sei wahrscheinlich. Danach wird Wolfgang Ischinger eingeblendet. Er sagt, er sei nun zuversichtlicher als noch vor drei Tagen. Oje – wenn er zuversichtlich ist, ist das für mich ein Alarmzeichen!!! Ischinger: „Ich habe den Eindruck, die Europäische Union beginnt, sich mit der Frage zu befassen: Müssten wir vielleicht in der Tat die Sprache der Macht lernen.“ (Ende Zitat Ischinger). Soll also jetzt ein Libyen-Einsatz das Einfallstor für einen Krieg werden?

    Mit dem Satz, Europa müsse auch die Sprache der Macht lernen, widerholt er das, was am 8. November 2019 die künftige EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin gesagt hatte: «Europa muss auch die Sprache der Macht lernen.» […] Das heißt zum einen, eigene Muskeln aufbauen, wo wir uns lange auf andere stützen konnten – zum Beispiel in der Sicherheitspolitik.»
    https://www.tagesschau.de/ausland/von-der-leyen-rede-101.html
    Beide sagen also, sozusagen, als imperativen Gedanken: "Europa müsse die Sprache der Macht lernen."

    Dies scheint also die neueste Sprachregelung zu sein, die Ischinger und von der Leyen von irgend jemandem vorgegeben worden ist – denn dass sie selbst zufällig beide auf diese gleichen Worte gekommen sind, bezweifle ich. Irgendwo, in irgendeinem Thinktank wurde das von – uns unsichtbaren – Akteuren ausgedacht – und diese beiden, von den Bevölkerungen Europas nicht gewählten Personen, Ischinger und von der Leyen, beten dies nach und wollen es – in verantwortungsloser Weise in die Köpfe der Europäer hämmern. Es scheint die Steigerung des anderen, Orwellschen Slogans zu sein: "Mehr Verantwortung in der Welt zu übernehmen", was nichts anderes bedeutete, als Angriffskriege führen, damit die US-Oligarchen und die internationalen Rohstoff-Konzerne noch billiger an die Rohstoffe dieser Welt kommen und konkurrierende Länder ins Chaos stürzen können. Und die Landstreitkräfte für diese verbrecherischen Rohstoffkriege sollen aus Europa kommen – nichts anderes bedeutet diese Sprachregelung. Die Europäer sollen wohl als Söldner und Vasallen missbraucht werden, so wie das alte Rom die Germanen als Krieger gegen andere Germanen missbraucht hat. Und Ischinger und Co. – liefern sie uns bereitwillig ans Messer? Ich empfinde das, was sie tun, als Verrat an uns und an den wahren europäischen Interessen, denn Europa hat das höchste Interesse, dass es harmonisch und friedlich mit seinen eurasischen Partnern lebt und fairen Handel treibt und mit Verständnis auf Russland, China und den Iran eingeht – und nicht, dass es sich auf Konfrontationskurs treiben lässt.

    In diesem Text zeige ich auf, welche Personen solche Sprüche und Feindbilder seit Jahren in die Köpfe der Deutschen hämmern – es sind eigentlich immer wieder dieselben Personen:
    https://www.rubikon.news/artikel/die-selbstzerstorung-deutschlands

  4. Mein Vater hat als Siebenjähriger die Bombardierung Dresdens nur durch einen glücklichen Zufall überlebt. Mein ganz subjektiver Eindruck ist, dass der Film "Werk ohne Autor" von Henkel von Donnersmark deshalb wider alle Erwartung keine internationalen Preise geholt hat und von der deutschen Kritik ungerechtfertigt negativ aufgenommen wurde, weil er u.a. die Vernichtung Dresdens ungeschminkt als das zeigt, was sie war: ein Verbrechen. Tausend Dank an Herrmann Ploppa und die Ken-FM-Redaktion für das Verfassen und Publizieren dieses großartigen, mutigen Artikels!

  5. Churchill sagte doch sinngemäß: Wir führen nicht Krieg gegen Hitler, sondern Krieg gegen das deutsch Volk.
    Es hat ihm nur keiner zugehört. The great Nation USA mit ihren englischen Gehilfen sucht den Auftakt für Teil 3 auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Bei all diesen Kriegen ist die Vertreibung und Ausrottung bestimmter Völker Teil des Plans.

    • Da kann man nur sagen, der dickleibige Churchill war das verkommenste Subjekt des 20. Jahrhunderts nach seiner Fulton-Rede von 1946 (Marschieren mit der Waffen-SS gegen die Sowjetunion) nach dem II. Weltkrieg. Abgesehen davon hat dieser Kolonialist schon 1922 Sulaimaniyya und die dortigen Kurden mit Giftgas bombardieren lassen und 1940 – 44 mehr als 10 Millionen Bengalen dem Hungertod preisgegeben, nur um die Japaner besser bekämpfen zu können! Frage – wer ist hier der größere Blutsäufer, wenn man all die krypto-faschistischen Lügen über Stalin mal richtig stellt!

    • Besser Den Haag für alle NATO-Staaten wegen: Irak, Jemen, Sudan, Mali, Jugoslawien, Libyen, Syrien, Palästina etc….!

  6. Das Ende eines Krieges, weist immer auf den Anfang eines Krieges. Das heißt, wie geht die Siegermacht mit dem Kriegsverlierer um. Das Schwarzweißbild, also die klare Trennung von Gut und Böse ist ausgesprochen dumm, da dadurch ein ewiger Konflikt schwillt und schnell zum Zünden gebracht werden kann.

    Jede Statistik, jede Zahl ist nur Ausdruck einer bestimmten (meist gewollten) Sichtweise. Wenn heute das "Gutachten und Ergebnisse der Dresdner Historikerkommission" von 25 000 Opfern ausgeht, dann kann man nur von einer klinisch bereinigten Zahl sprechen und nicht von einem wissenschaftlichen Ergebnis. Jede saubere Wissenschaft muss ihre "Laboreingrenzung" und "unberücksichtigte Parametern" öffentlich benennen. Wer diese Dinge verschweigt, betreibt bewusst manipolierte Ideologie und verfolgt eine Geschichtsumdeutung. Damit wird der Konflikt nicht geheilt.

    Im Umgang 75 Jahre nach der Bombadierung von Dresden (Symbolstadt eines grausamen Endes) zeigt, dass eine Versöhnung zwischen öffenlicher Meinung und gesellschaftlicher Betroffenheit nicht gewollt wird. Daraus ergibt sich die Frage nach dem Warum? Der Kampf um die Deutungshoheit impliziert, dass die wahrhaften "Gedankentäter" weiterhin unerkannt bleiben wollen. Es ist die Aufrechterhaltung eines gesellschaftlichen Modells und gleichzeitig die Unfähigkeit gesellschaftliches Zusammenleben in neuer Weise zu denken.

    Ein Lösungsansatz bietet die soziale Dreigliederung nach Rudolf Steiner. Der neue Ansatz beruht auf einer organischen Trennung von Wirtschaft, Recht und Kultur. Alle drei Bereiche folgen unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten und sind durch eine bewusste eingeführte Wandlungsfähigkeit des Geldes (als lebenserhaltendes Element) miteinander Verbunden.

  7. Drei Kurztexte anlässlich US-Manöver "Defender Europe 2020", Corona-Virus und "Sicherheitskonferenz"
    Gegen Faschismus, Kapitalismus und Krieg
    Von Elisabeth Monsig

    Das große Manöver ist die Vorbereitung für den nächsten Krieg. Ich bin 96 Jahre alt und habe die sechs Jahre Weltkrieg überlebt. Und mit dieser Erfahrung möchte ich das Manöver zumindest in geäußerten Gedanken vorbereiten. Also in einem großen Haus (Irrenhaus) müsste man einen Luftschutzkeller einrichten: viele Sitzgelegenheiten und Matratzen für die Nächte – fürchterlich große Kriegsfilme laufen lassen – alle 30 Minuten eine Fliegeralarm – eine Sirene, die aus dem Schlaf reißt. Dort sollten alle, die sich für das Morden begeistern, drei Wochen eingesperrt werden, in der Woche dreimal etwas zu Essen bekommen – keine gebratenen Hähnchen, stattdessen gekochte Kartoffeln oder trockenes Brot (Ein Brot auf dem Schwarzmarkt in Köln kostete 40 Reichsmark), Thermoflasche mit Kaffeeersatz. Am Kellerfenster könnte man Schutt hineinkippen, so wie wenn draußen eine Bombe gefallen wäre (meine Tante wurde mit Baby in ihrem sicheren Luftschutzkeller 1943 durch eine 10-Zentnerbombe verschüttet). Ich würde wetten, dass eine Therapie für alle Kriegstreiber wirksam wäre. Bitte nehmt es mir nicht übel: Kapitalismus, Faschismus und Krieg stehen unserem Weltfrieden entgegen. Und nur gemeinsam können wir den Frieden erringen.

    *

    Täglich die grausamen Nachrichten über die ansteckende Epidemie und die vielen Toten. Ja, es ist schon schlimm, und viele Menschen machen sich Sorgen, ob für genügend Abwehr vorgesorgt wurde. Ja, die Menschen werden über die Medien täglich informiert, wie viele an dieser Krankheit täglich sterben. Kann sich jemand vorstellen, dass wir über unsere Medien täglich informiert werden, wie viele Millionen Menschen in den Kriegseinsätzen zur Flucht getrieben oder ermordet werden. Die Kriegstreiber haben die Sicherheit, dass ihre Verbrechen dem "dummen Volk" vorenthalten werden.

    *

    Der Blitz schlägt ein, und der Regen fällt, und der Wind hat die Wolken gebracht, doch der Krieg ist kein GESETZ DER NATUR. Den Krieg haben Menschen gemacht. Die rote Oma, 96 Jahre, ruft allen friedliebenden Menschen zu: Spuckt den Kriegstreibern in die Suppe, seid bereit für die Völkerfreundschaft. Ich mache mir wirklich große Sorgen, da in Kürze die "Sicherheitskonferenz" tagen wird. Da hätte ich gerne gewusst, um welche Sicherheit es dort geht! Im Wörterbuch ist die Sicherheit in allen Varianten: Schlösser, Schlüssel, Sicherheitsgurt oder -gürtel, Treppen, usw. Ich habe an die Teilnehmer der Sicherheitskonferenz nur eine einzige Empfehlung: Erzwingung des Weltfriedens, 100 Jahre ohne kriegerische Vorhaben. Die Weltbevölkerung unter dem Gedanken der Völkerfreundschaft von den großen Völkern bis zu den kleinsten Stämmen. Für die Menschheit und die Natur ein Aufleben: Freundschaft, Solidarität, Anerkennung. So meine Gedanken. Wir brauchen keine Aufrüstung und schon gar kein drohendes Manöver gegen Russland. Wir brauchen Frieden für die Menschheit – ohne Faschismus, Kapitalismus und Krieg.

    Elisabeth Monsig (96) ist bis heute für den Frieden aktiv.
    (NRhZ)

    • Wir kennen heute nicht den großen Plan der Verbrecher unseres Landes, geschweige denn der Nato. Säbelrasseln ist immer der Anfang von Gewalt , gegen wen auch immer. Die Deutung darüber können wir Dank dieser unabhängigen Medien uns alle erarbeiten. Widerstand, wie z.B. die Geschwister Scholl nebst ihren Freunden ihn leisteten, bedeutet aber vorallem Mut im täglichen Leben. Die Friedensbewegung wird immer wieder durch Spaltpilze geschwächt. Derweil wird überall auf der Welt gemordet und Infrastruktur vernichtet.
      Das ist der satten Deutschen Bevölkerung (es geht uns heute so gut wie noch nie….) sehr schwer nahe zu bringen.
      Doch sind wir nicht allein.
      Solidarität, Völkerfreundschaft, Weltfrieden und Bescheidenheit – danach sehnen sich viele Menschen.
      Sie wollen aus der Konsumfalle aussteigen. Es gibt schon die ersten Genossenschaften auf unterschiedliche Art und Weise.
      Fangen wir einfach an.
      Aus passivem Widerstand wird irgendwann aktiver.

      Bleibt alle behütet und wachsam!

  8. Buddha weiss: Wenn ein weiser Mensch leidet, so fragt er sich «Was habe ich bisher getan, um mich von meinem Leiden zu befreien? Was kann ich noch tun, um es zu überwinden?» Wenn aber ein törichter Mensch leidet, so fragt er: «Wer hat mir das angetan?»

    Glück hängt nicht davon ab, wer du bist oder was du hast; es hängt nur davon ab, was du denkst.

    Das goettliche beginnt dort ,wo aller Schmerz endet.

    • Während der Neoliberalismus die Opfer seiner Transformationsprozesse als für ihre Situation selbstverantwortlich erklärt, hat er es zugleich geschafft, für die politischen und ökonomischen Entscheidungsträger eine »Kultur der Verantwortungslosigkeit« (C. Wright Mills) zu etablieren. Durch die ideologische Behauptung, dass diese Entscheidungsträger nur Sachzwängen und Naturgesetzlichkeiten des globalisierten freien Marktes Rechnung tragen würden, werden die Folgen dieser bewußten Entscheidungen – die Agenda 2010 ist ein prominentes Beispiel – dem menschlichen Verantwortungsbereich entzogen. Der Neoliberalismus hat eine neue Kategorie menschlichen Tuns hervorgebracht, nämlich Taten ohne Täter. Damit hat er den Opfern dieser Taten die Möglichkeit genommen, diese Taten als menschliche Taten zu verstehen, sie Tätern zuzuweisen und aus diesen Taten angemessene Konsequenzen für ein gesellschaftliches Handeln zu ziehen.
      Die systematische Erzeugung von sozial-ökonomischer Unsicherheit lässt in der Gesellschaft zwangsläufig große Empörungs- und Protestpotentiale entstehen und damit politische Veränderungsbedürfnisse. Der Neoliberalismus benötigt daher besonders wirkungsmächtige Methoden, diese Veränderungsbedürfnisse zu neutralisieren und auf Ablenkziele umzuleiten.
      (…)
      Der Neoliberalismus hat zu einem zivilisatorischen Regress einer Entzivilisierung von Macht geführt, als dessen Folge unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstört werden. Ein wirksames zivilisatorisches Gegenmittel kann nur von unten kommen und muss von unserer Entschlossenheit und unserer unbeirrbaren Überzeugung geleitet sein, dass es keine Form gesellschaftlicher Macht geben darf, die nicht demokratisch legitimiert ist. Ein solches Projekt hat zu seiner notwendigen Voraussetzung, zunächst die mit dem Neoliberalismus zum Extrem getriebene soziale Fragmentierung und Atomisierung zu überwinden und auf der Grundlage eines egalitären Humanismus – also einer Anerkennung aller Menschen als Freie und Gleiche ungeachtet ihrer faktischen Differenzen – Solidarität und Gemeinschaftssinn als Fundamente gesellschaftlichen Handelns zurückzugewinnen.
      (Rainer Mausfeld, Angst und Macht – Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien)

      Und, zudem … hat Herr Ganser im kürzlich veröffentlichten Vortrag, nicht darauf hingewiesen (dort auch nicht zum ersten Mal), "glauben sie nicht alles, was sie denken."

      Zum Schluß, vielleicht zum ausführlichen selberlesen:

      Glück boomt. Seit den neunziger Jahren explodiert die Zahl der Glücksseminare und Glücksratgeber. In den Medien werden immer wieder gerne Experten zu Fragen von Gesundheit, Sinnfindung, Selbstverwirklichung usw. interviewt. Der Grundtenor: Es liegt in der Verantwortung des einzelnen Menschen, ob er glücklich wird oder nicht. Die international renommierte Soziologin Eva Illouz hat jetzt zusammen mit dem Psychologen Edgar Cabanas ein interessantes Buch über die Glücksindustrie vorgelegt. Unser Autor Udo Brandes hat es für die NachDenkSeiten gelesen.
      (…)
      Statt Gehorsam Arbeit am Selbst

      Das Buch ist eine Abrechnung mit der Glücksindustrie. Die Autoren belegen ihre Kritik an der von dem amerikanischen Psychologen Martin Seligman begründeten Positiven Psychologie und der darauf fußenden „Glücksforschung“ vielfältig und mit sehr guten Argumenten. Ihr vernichtendes Urteil:

      „Um es freiheraus zu sagen: Die Glücksforschung ist eine Pseudowissenschaft, deren Postulate und Logik sich durchweg als fehlerhaft erweisen. Der pragmatische Philosoph Charles Peirce hat einmal gesagt, eine Argumentationskette sei nur so stark, wie ihr schwächstes Glied; die Glückswissenschaft jedoch stützt sich auf zahllose Annahmen, die jeder Grundlage entbehren“ (S. 17).

      Weiter kritisieren sie, was „Glücksforscher“ predigen, sei ein mächtiges Instrument für Organisationen und Institutionen, um sich „gehorsame Arbeitnehmer, Soldaten und Bürger schmieden zu können“. Während im 18. und 19. Jahrhundert der Anspruch auf individuelles Glück noch auf eine Überwindung der bestehenden Verhältnisse abzielte, sei es heute genau umgekehrt: Heute sei das Streben nach Glück „ein Werkzeug im Dienst der zeitgenössischen Macht“. Was früher der Gehorsam gewesen sei, sei heute die „Arbeit am Selbst“ (alle Zitate S. 203).

      Aus:
      „Dieses Buch ist eine Abrechnung mit der Glücksindustrie“
      Udo Brandes
      07. Februar 2020 um 9:48 Ein Artikel von Udo Brandes | Verantwortlicher: Redaktion
      (NachDenkSeiten)

    • Ahoi Martin Bauer,
      verdammt zur Untätigkeit. Auch Epikur sah das als Weg („… die schönste Frucht der Selbstgenügsamkeit ist die Freiheit.“), jedoch dürfte es nicht im menschlichen Interesse liegen.

      Zu Fühlen ist essentieller Bestandteil des Lebens, jede Kränkung und Ungerechtigkeit gleichmütig hinzunehmen heißt bereits tot zu sein.

    • Hey,hey hey…
      Macht euch mal keine Sorgen.
      Mein "You Tube" wird seit Wochen sabotiert und damit indirekt zensiert.
      Mein Internet war 2016 ueber Wochen lahm gelegt bis wir mit "trace route"
      die Knotenpunkte der Verstopfung ausfgedeckt hatten.
      Nur weil ich meine 98,6 Prozent "inneren Affen" nicht fuettere und fuettern lasse,
      heisst das noch lange nicht ,dass ich tot bin.

      John Lennon wusste:
      "Wenn es darum geht Gewalt zu benutzen, spielst du das Spiel des Systems. Das Establishment wird dich irritieren, um dich zum kämpfen zu bringen. Denn sobald die dich gewalttätig gemacht haben, wissen sie mit dir umzugehen. Die einzigen Dinge mit denen sie nicht umzugehen wissen, sind Gewaltlosigkeit und Humor.

      Buddha wusste:
      "Es gibt Menschen, die überall etwas suchen, das sie aufregt.
      Und dann gibt es Menschen, die etwas suchen, das sie inspiriert."

      Love it,do it!

      Die harmonische L(i)ebensenergie transformiert sich aus unser 1,4 %, ich sage mal
      "goettlichem Bewusstseingenetik".
      Sie ist ausgesprochen sanft und machtvoll zu gleich.
      (Weiches Wasser schleift den Stein)

      “Everything will be okay in the end. If it's not okay, it's not the end.”

      ― John Lennon

    • ok, da bin ich auch froh )
      sollte kein hype zum Überdrehen sein. habe mich selbst lange in der Technik des "Zurücktretens" geübt, hatte es diesbezüglich leicht, da ich zu Anfang nicht selbst betroffen war sondern mich der Umgang mit anderen gestört hat.
      Verabscheue es nach wie vor, macht zwar handlungsfähiger doch ein anderer Umgang miteinander würde solch kontrolliertes Leben weitgehend erübrigen.

      Auch die gesellschaftlichen Umstände gehören dazu und müssen verändert werden… das blendet der Buddhismus aus (, oder weiß ich zu wenig darüber?) Das war jedenfalls der Trigger zur Antwort.

  9. Starikov stellt die Frage, "wer Hitler gezwungen hat die UdSSR zu überfallen?"
    Waren es womöglich die gleichen Täter, die nicht nur den 1.WK, sondern auch den 2.WK eingetütet haben? Es gibt ja Stimmen, die sagen, dass " Der Krieg wurde in London vorbereitet und dann von Berlin mit dem Ziel unseres Untergangs (UdSSR) geführt. Wir (UdSSR) sollten das kollektive Opfer werden." (S. 280)
    Angenommen, Dresden hätte im Westen gelegen z.B. wie Trier, gäbe es dann ein solches Massaker?
    Und sind die Verrückten heute immer noch am Werk?
    https://www.fit4russland.com/images/Wer_hat_Hitler_gezwungen_Stalin_zu_ueberfallen.pdf

    • Willy Brandt warnte in seinem Vortrag anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo am 11.12.1971 vor den „vielen Verirrungen unter dem Feldzeichen des bellum justum, des "gerechten Krieges" und setzte dagegen eine neue Definition der Realpolitik:
      "Krieg ist nicht mehr die ultima ratio, sondern die ultima irratio. Auch wenn das noch nicht allgemeine Einsicht ist: Ich begreife eine Politik für den Frieden als wahre Realpolitik dieser Epoche."

      Die Frage ob immer noch die gleichen Verrückten am Werk sind kann ich nur mit ja beantworten.

  10. Erlauben Sie mir noch einen Hinweis:

    Wenn man die Bombardierung der Zivilbevölkerung. extrem im Falle Dresdens, letztlich als "Bestrafung" der Deutschen interpretiert, ihre Diktatur nicht abgeschüttelt zu haben, und sie im Ergebnis so rechtfertigt, dann sind auch die aktuellen Verbrechen in Libyen, Syrien, Jemen usw. gerechtfertigt, um nicht auch noch auf die Fälle der Vergangenheit wie den Korea- oder den Vietnamkrieg zu verweisen zu müssen.

    Man sollte diese Propagandawirkung nicht unterschätzen. Mir jedenfalls begegnet sie immer wieder in Foren, wo bspw. die Bombardierung und Zerstörung Syriens mit der Notwendigkeit, die Assad-Diktatur im Interesse der Menschen beseitigen zu müssen, gerechtfertigt wird. So macht man die imperialen Kriege mit der Vorstellung, "wir" seien die "Guten" kompatibel.

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