Tagesdosis 15.8.2018 – Rettet Donald Trump die Welt? (Podcast)

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Der US-Präsident Donald Trump segnete das Pentagon-Budget für 2019 in Höhe von 716 Milliarden Dollar ab. Ferner untermauerte er seine Pläne für eine Weltraumarmee und fand glorreiche Worte für die Verteidigung seines Landes. Zitat Anfang: Wir haben 716 Milliarden Dollar zugesagt, um Ihnen die besten Flugzeuge, Schiffe, Panzer und Raketen der Welt zu besorgen. Keiner baut die so, wie wir es tun. Wir haben da einen großen Vorsprung. Arbeitsplätze sind immer wichtig. Aber in diesem Fall ist die militärische Macht noch wichtiger als Arbeitsplätze. Diese ganze Ausrüstung wird in den USA hergestellt und es ist das beste Material der Welt. Keiner macht das so gut wie wir, Zitat Ende, Riesenjubel der geladenen US-Soldaten.

Trump schob nach und meinte, dass es sich bei dieser Investition um die bedeutendste handele, die in der modernen Geschichte des US-Militärs getätigt wurde. Weiter sagte der US-Präsident, Wir werden hoffentlich so stark sein, dass wir sie nie brauchen. Gemeint war die Feuerkraft des US-Militärs. Weiter im O-Ton des Präsidenten: Wie der Himmel, die Erde und das Meer, ist der Weltraum zum Schlachtfeld geworden. Rivalen hätten bereits begonnen, den Weltraum zu bewaffnen. Eine Präsenz der USA im Weltraum reicht nicht aus, wir müssen eine Dominanz der USA im Weltraum haben, Zitat Ende. Jetzt ist es amtlich: Trump leidet am Größenwahn. Und wie bei so vielen dieser Menschen, die am Größenwahn leiden, bemerkt er es natürlich nicht. Sein Größenwahn hat die Bezeichnung Space Force.

Backfire und das „Ich weiß, ich habe Recht“-Syndrom.

Am letzten Samstag brachte der Journalist und Buchautor Ernst Wolff eine Tagesdosis heraus, in der er nicht gerade zugunsten der Anhänger Trumps schrieb. Trump sei kein Friedensfürst, er sei auch nicht gekommen, die Welt vom Elend, der Ungerechtigkeit und dem Finanzchaos zu befreien. Trump sei ein Präsident wie alle vor ihm. Vor allem der Finanzwirtschaft und dem militärisch-industriell-informatischen-Komplex verpflichtet. Trump, ein Feind des Establishments?, war wohl ein Trugbild, so wie es sich die QAnon-Bewegung erdacht hat. Trump will, laut dieser Bewegung, die Eliten stürzen. Er will die Hallen der Macht zertrümmern, um diese Macht dem Volk wieder zu geben. Ernst Wolff, der wie immer einen vorzüglichen Artikel schrieb, wurde von der YouTube-Gemeinde abgewatscht und für völlig ahnungslos erklärt. YouTube ist längst geentert. Geentert von den Besserwissern, den Klugscheißern und den Alleskönnern, könnte man, frei nach Gerald Hüther, meinen.

Wenn es also nach diesen Leuten geht, dann hat der US-Präsident dem Pentagon also 716 Milliarden US-Dollar bewilligt, weil er die Eliten damit stürzen will, den Frieden und die Gerechtigkeit auf diesem Planeten säen möchte und, ganz wichtig!, weil er Jedermanns Unterdrückung den Garaus machen will. Ob denselben Leuten auch klar ist, dass die Neben-Budgets des Pentagons- die ausgelagerten sozusagen- etwa über eine Billion US-Dollar Militärausgaben entsprechen? Auch alles für den guten Dienst an der Menschheit?

Läutere niemals an den Vorstellungen, der Einbildungskraft und den erhofften Bildern derer, die all ihre Wünsche und ihr Hoffen auf einen einzigen Punkt hin konzentrieren: Der wird es jetzt machen, was ich mir zusammengereimt habe. Denn Donald Trump ist der Kulminationspunkt der Geschichte! Ob diese Leute schon einmal vom Backfire gehört haben, vom „Ich weiß, ich habe Recht“-Syndrom? Ich glaube nicht. Gemein ist diesen Leuten, dass psychologische Kenntnisse Geschwurbel sind. Trump’s Kulminationspunkt soll das Beherrschen des Weltraums werden, des „Orbits“ dieses Planeten, um exakt zu sein. In diesem Sinne sprach er sogar von einer sechsten Armee, die er eigenständig dafür mit Waffen versorgt sehen will. Andere seien schon dort und üben Präsenz aus. Er meint damit, andere Nationen.

Wahrscheinlich ist also, laut QAnon-Bewegung, dass er die anderen dadurch verjagen will und damit die Gerechtigkeit im Orbit wieder herstellen wird. Frieden und Gerechtigkeit stellt man also dadurch her, dass man alles so weiterlaufen lässt wie zuvor. Dieses Weiterlaufen lassen als verdeckte Operation nutzt, um dann hinterrücks den Eliten, die man listigerweise weiter stärkt und unterstützt, dann- wenn der Kulminationspunkt eintritt- mit den Waffen schlägt, die sie zuvor gegen die Freiheit der Menschen in Stellung gebracht haben. Genialer Plan – für ein Hollywood-Drehbuch a la Tom Cruise. Doch die Wirklichkeit, die sieht ganz anders aus. Der Präsident ist nicht der mächtigste Mensch der USA oder der Welt. Er ist bestenfalls Erfüllungsgehilfe und kann etwas herum motzen. Aber die Macht, die haben ganz andere Menschen und Gruppen.

Donald Trump, der Vernachlässigte?

Trump ist durch und durch ein Kapitalist. Und er ist einer, der es Teilen der Eliten zeigen will. Trump ist dein Leben völlig egal. Man muss sich einfach einmal mit Trumps Biografie auseinandersetzen und nicht nur damit, was er angeblich tun will. Ist Trump ein Guter? Ich persönlich habe den Eindruck, dass Trump an einer bestimmten Art des Mutter-Komplexes leidet. Aber das lass ich dann doch lieber einmal den Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz bewerten. Auf Seite 133 schreibt Hans-Joachim Maaz in seinem Buch Das falsche Leben folgendes, Zitat Anfang: Das ungeliebte Selbst wird sich anstrengen, für Leistungen, geliebt zu werden oder die innerseelische Verkümmerung von anderen pflegen zu lassen. Der Vernachlässigte will beweisen, dass ihm Unrecht geschehen ist; mit Trotz und demonstrierter Schwäche will er anderen Zuwendung abringen. Der Ungeliebte wird zum Erfolgsmenschen in einer normopathischen Leistungsgesellschaft oder zum Bedürftigen in einem Sozialstaat, der keine Forderungen mehr stellt, Zitat Ende. Das trifft den Kern der Persönlichkeit des 45. Präsidenten meiner Meinung nach viel genauer als es sich QAnon-Bewegte erträumen.

Macht zu bekommen stärkt das Gefühl der falschen Bewertung und man wird selbst zu einem Plakat, auf dem zu lesen steht: Siehst du, ich hatte recht. Ich bin es wert, geliebt zu werden. Ohnmacht hingegen stärkt das Gefühl, durch Mitleiden vom Verlust aufgewertet betrachtet zu werden: Siehst du, du hast mich nicht beachtet. Alle treten auf mir herum, weil du mich hingeworfen und nie beachtest hast. Trump nahm sich die Macht und sein Motor dazu war sein Konkurrenzstreben zum Vater gegenüber seines Liebesbedürfnisses zur Mutter. Ihn wollte er abwerten, um in der Gunst, der Liebe zur Mutter, über ihm zu stehen. Was ihm nie gelang. Trumps Vater musste ihn finanziell retten, sonst wäre Trump mit riesigen Verlusten wohl bis heute nie mehr auf die Füße gekommen. Trump ist bis heute ein gekränkter kleiner Junge, dem es nie gelang, die Nummer eins bei seiner Mutter zu werden und in der Liebe der Mutter über seinem Vater zu stehen. Was ihn daran hinderte, bis heute, ein hingebungsvoller Ehemann zu werden. Und wenn man ihm aufmerksam zuhört und zusieht, dann kann man diesen kleinen trotzigen Jungen sogar manchmal noch schreien hören und gestikulieren sehen. Trump sagte selbst einmal und schrieb es auch in sein Buch über Erfolg (The art of the deal), dass sein größter Fehler war, dass er seine erste Frau zum Manager eines seiner größten Projekte machte. Dem Hotel Trump Taj Mahal Casino Resort.

Letztlich wurde Ivana Trump, seine erste Frau, genau so erfolgreich wie er und hatte sogar noch den Vorteil, der größeren Beliebtheit. Was ihm nicht leicht fiel, denn Ivana Trump war eine sympathische und hübsche Frau an seiner Seite. Trat sie auf, war er wieder klein. Dieses, in den Hintergrund treten, wenn er sich selbst in den Vordergrund gerückt sah, sollte ihm nie wieder passieren. Ich überlasse es euch selbst, daraus eure Schlüsse zu ziehen oder wegzuschauen und zu glauben, Trump ist der Held unserer Zeit. Er ist ein begabter Kapitalist, der sich für seine Ersatzbefriedungen eine nahezu perfekte Pose angelegt hat, um all die Kränkungen zu verbergen, die ihn in der Welt des Scheins bis zum Präsidenten der USA den Weg bereitet haben. Aber er bleibt ein gebrochenes Kind. Und dieser Bruch ist sein Motor. Das ist das Entscheidende, denn er sucht nicht danach, etwas gut oder besser zu machen. Er sucht nach Befriedigung dieses Bruchs im Sinne einer omnipotenten Anerkennung. Er hat sich die Pose eines neuzeitlichen Robin Hood nicht unbedacht ausgewählt. Sein America First wirkt wie der im Wald lebende Rächer der Geknechteten. Für uns wird es sein, was er tut und wir holen uns zurück, was uns genommen wurde. Das und nichts anderes ist die QAnon-Bewegung. Eine Kompensation des eigenen Entwertet-Sein.

House of Darts

Vielen kommt es wie ein unausgesprochenes Versprechen vor, doch es wird nicht eintreten. Es wird weiterhin genauso kommen, wie es Ernst Wolff schon schrieb: Die Banken und das Militär sind die Sieger seiner Politik. Und sie werden es auch weiterhin sein. Donald Trump ist weder ein Jesus, noch wird es seine geistige Kraft bis zu einem Kennedy schaffen.

Was schreibt Ulrich Gellermann zum Space Force-Präsidenten Donald Trump? Zitat Anfang: Leider gab es den Kinderglauben an eine fundamentale Differenz zwischen dem US-Establishment und Donald Trump bis in die Reihen der deutschen Friedensbewegung. Dass es sich um nichts anderes handelte als um die übliche Prügelei unterschiedlicher Profit-Fraktionen, dürfte spätestens jetzt, nach der bedrohlichen Wiederkehr der Star Wars-Pläne auch denen klar sein, die immer noch auf einen guten König hoffen: Es rettet uns leider kein höheres Wesen, geschweige denn eine solch niedere Existenz wie Donald Trump. Zitat Ende

Derweil in Absurdistan: Trump blockiert selbst abgewickelte Auslieferung von mindestens einhundert F-35 Kampfjets an Erdogan. Die Türkei wäre damit zum drittgrößten F-35-Geschwader weltweit geworden. Natürlich hat Trump diesen Deal nur unterbunden, um die Freiheit der türkischen Gesellschaft voranzubringen und die türkischen Oligarchen zu entmachten. Ob es wohl in der Türkei auch eine QAnon-Bewegung gibt? Ich glaube nicht. Und noch ein Letztes: Omarosa Manigault Newman, eine Ex-Kommunikationsdirektorin des Büros des Weißen Hauses, hat nun ein Buch über die Machenschaften des 45. US-Präsidenten geschrieben, in dem sie ihm Rassismus, Frauenfeindlichkeit und das Belügen der US-amerikanischen Bevölkerung vorwirft. Man müsse aufpassen und dürfe sich nie umdrehen, sagte sie in einem Interview mit NBC, denn sonst würden 17 Messer im Rücken stecken. Kommt einem wie eine Filmserie vor. Wie heißt die noch? Ach ja, House of…. ach, egal. Noch einmal, für die Donald „Robin Hood“ Trump-Anhänger hierzulande, O-Ton des US-Präsidenten: Aber in diesem Fall ist die militärische Macht noch wichtiger als Arbeitsplätze.

Ganz klar! Klingt nach Befreiung.

Quellen

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/donald-trump-unterzeichnet-us-verteidigungsetat-ignoriert-john-mccain-a-1223017.html

https://www.youtube.com/watch?v=2uYgXS-CqIU&index=104&list=PLihjiybfZVI4nWyXMKh0ilUQTl6k5flkQ

https://www.booklooker.de/Bücher/Angebote/autor=Donald+trump&titel=the+art+of+the+deal

https://kenfm.de/star-wars-is-back/

http://www.spiegel.de/video/donald-trump-enthuellungsbuch-von-omarosa-manigault-video-99019905.html#ref=recom-outbrain

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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2 Kommentare zu: “Tagesdosis 15.8.2018 – Rettet Donald Trump die Welt? (Podcast)

  1. Bin absolut nicht Ihrer Meinung. Was hat Ihnen der Mann angetan, dass Sie ihn so verurteilen? Für mich ist Donald Trump ein glänzender Stratege und ein Mann der Courage hat. Er spielt Katz und Maus mit den mächtigsten Lobbies dieser Welt, den Kriegstreibern, Rüstungsindustrie Öl-Mafia …

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