Tagesdosis 16.9.2017 – Wahlkampf 2017: Jahrmarkt der Unwahrheiten

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

Besucht man in diesen Tagen die Wahlkampfveranstaltungen der Parteien, so erlebt man dort erheblich mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede: Die Kandidaten dreschen zwar heftig auf ihre Gegner ein, vermitteln den Wahlberechtigten aber in trauter Einigkeit das Gefühl, sämtliche Probleme seien im Rahmen unseres parlamentarischen Systems zu lösen. Selbst die Parteien, die besonders heftige Kritik an sozialen und wirtschaftlichen Missständen üben, begnügen sich mit simplen Reformvorschlägen.

Dabei bedienen sich alle Wahlkämpfer ähnlicher Strategien: Sie blenden die Vergangenheit aus, konzentrieren sich in ihrer Argumentation auf einzelne Teilprobleme und stellen keinen Zusammenhang zur gesamtgesellschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Realität her.

Besonders dreist treibt es in dieser Hinsicht die CDU: Sie wird im Wahlkampf nicht müde, ihre „solide Haushaltspolitik“ anzupreisen und darauf hinzuweisen, dass ihr Finanzminister Schäuble für eine „schwarze Null“ – also einen ausgeglichenen Haushalt – sorgt. Das soll offensichtlich den Eindruck erwecken, bei der CDU handle es sich um eine verantwortungsvoll wirtschaftende Partei.

Tatsächlich aber ist Deutschland mit über 2 Billionen Euro verschuldet, wird diese Schulden niemals zurückzahlen können und schafft es nur wegen der gegenwärtigen Nullzinspolitik der EZB, die Zinszahlungen auf diese Schulden zu leisten. Durch die Einengung des Blickwinkels auf die „Schwarze Null“ kehren die Wahlkampfstrategen der CDU eine der größten Bedrohungen unserer Zeit, nämlich die gigantische Schuldenlawine, ganz einfach unter den Teppich.

Die SPD dagegen setzt beim Wahlvolk auf totalen Gedächtnisverlust. Sie führt einen „Gerechtigkeits“-Wahlkampf und hofft offensichtlich darauf, dass sich niemand daran erinnert, dass der riesige Niedriglohnsektor in unserem Land vor allem auf die Agenda 2010 ihres Bundeskanzlers Gerhard Schröder zurückzuführen ist. Dass es die SPD war, die die Rente mit 67 durchgesetzt hat, dass es vor allem ihrer Finanzpolitik zu verdanken ist, dass alten Menschen heute durch Niedrigzinsen die Ersparnisse weggefressen werden und dass es in den kommenden Jahren wegen der prekären Situation im Finanzsektor nicht besser werden, sondern noch wesentlich schlimmer kommen wird.

Am anderen Ende des politischen Spektrums zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Linke übt zwar viel Kritik an den sozialen Verhältnissen im Land und gibt sich als Gegner der Vermögenden, muss aber peinlich genau darauf achten, dass sich niemand daran erinnert, wie sie als Partner im rot-roten Berliner Senat mitgeholfen hat, Banken zu retten und Hedgefonds im Immobiliensektor zu bedienen. Im Grunde macht sie sich sogar auf besondere Weise schuldig: Indem sie viele berechtigte Kritikpunkte aus der Bevölkerung aufgreift und als Anwalt des kleinen Mannes posiert, weckt sie Hoffnungen, die sie, sobald sie auch nur ein wenig Macht in Händen hält (wie zum Beispiel in Thüringen, wo sie immerhin den Ministerpräsidenten stellt), nicht erfüllt, weil sie sich – wie alle anderen – den Sachzwängen des gegenwärtigen Systems unterwirft.

Zieht man etwas mehr als eine Woche vor der Wahl eine vorläufige Bilanz, so kann man feststellen: Auch diesmal geht es den angetretenen Politikern nicht um unser Wohl, sondern in erster Linie darum, durch geschicktes Taktieren an lukrative Parlamentsposten zu kommen.

Ginge es ihnen um unser Wohl, so müssten sie zugeben, dass sie und ihresgleichen seit der Krise von 2008 nichts, aber auch gar nichts unternommen haben, um die damals sichtbar gewordenen Gefahren von uns abzuwenden. Dass das uns alle bedrohende internationale Finanzcasino noch größer, mächtiger und gefährlicher geworden ist und dass hinter unserem Rücken eine weitere äußerst bedrohliche Entwicklung eingetreten ist: Dass nämlich die Waffenindustrie in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium derzeit die Aufrüstung der Bundeswehr vorantreibt – nicht etwa, um uns zu schützen, sondern um bei der sich abzeichnenden Neuverteilung der Macht in der Welt aktiv eingreifen zu können.

Ginge es den zur Wahl stehenden Politikern tatsächlich um unser Wohl, so müssten sie ihren Totalbankrott erklären und gestehen, dass sie uns alle aus reiner Selbstsucht in die gefährlichste Lage seit dem Zweiten Weltkrieg gebracht haben.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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13 Kommentare zu: “Tagesdosis 16.9.2017 – Wahlkampf 2017: Jahrmarkt der Unwahrheiten

  1. Auch wenn die Wählenden in Wirklichkeit nichts zu bestimmen haben, entmündigt sind. Je höher die Wahlbeteiligung desto mehr wird ein menschlich, moralisch und ethisch durch und durch verwahrlostes, lebens- und menschenverachtendes System durch die Wählenden legitimiert. Desto mehr werden die Politiker und ihre Art Politik zu betreiben befürwortet: Ihre Ausbeutungen, ihre Unterdrückungen, ihr Morden der Zivilbevölkerungen durch Kriege. Ihre Zerstörungen von Kulturen.
    Geht wählen sagen die Politiker und ihr Umfeld, auch wenn ihr nicht meine Partei wählt. Hauptsache ihr geht wählen.

    Die zu wählenden Spitzen-Politiker sind längst vor Wahlen ausselektioniert und selbst wenn eine Politikerin oder Politiker die besten Absichten hätte, das System lässt keine Veränderungen zum Wohle der Allgemeinheit zu. Das voraussehbare Versagen wird mit den voraussehbaren Ausreden entschuldigt, es seien die Sachzwänge die Veränderungen verhindert hätten.

    Als ob wir nicht wüssten, dass es in der Politik immer um Macht, Geld und Ansehen geht und nicht um das Wohl der Zivilbevölkerung. Weder der eigenen noch der weltweit.
    Als ob wir nicht wüssten, dass, welche Leute auch immer an der Macht sind, Macht missbraucht wird („Macht = Missbrauch“ Michel Foucault) in ihrem eigenen und im Interesse ihrer Nutzniesser und Machtstützen (Was schon seit Jahrtausenden bekannt ist).

    Wenn man nur jene Möglichkeiten für Veränderungen sieht die man kennt, so heisst das noch lange nicht, dass es nicht noch viele andere Möglichkeiten gibt, sondern verweist uns lediglich auf unsere geistige Begrenztheit. Wie alt oder jung, wie „gebildet“ oder „ungebildet“, wie arm oder reich man auch sein mag.

  2. „Tatsächlich aber ist Deutschland mit über 2 Billionen Euro verschuldet, wird diese Schulden niemals zurückzahlen können und schafft es nur wegen der gegenwärtigen Nullzinspolitik der EZB, die Zinszahlungen auf diese Schulden zu leisten. Durch die Einengung des Blickwinkels auf die „Schwarze Null“ kehren die Wahlkampfstrategen der CDU eine der größten Bedrohungen unserer Zeit, nämlich die gigantische Schuldenlawine, ganz einfach unter den Teppich.“

    Herr Wolff: Die Schulden der Einen sind das Vermögen der anderen.
    Warum sollte man die Staatsschulden zurückzahlen. Um die Reichen noch reicher zu machen?
    Wenn alle Schulden der Welt zurückgezahlt werden, gibt es kein Vermögen mehr.
    Wenn die Zinsen auf Schulden (Kredite) nicht mehr bezahlt werden können, dann wird es interessant.
    Da hilft nur ein Schuldenschnitt, wenn es weiter gehen soll.

  3. Was anderes können Politiker und Parteien tun, als im besten Fall Reformen in kleinen Schritten im Rahmen des derzeitigen Gesellschaftsmodells zu propagieren, wenn sie in den Bundestag einziehen wollen? Jede im Bundestag vertretene Partei hat sich daran zu halten. Ja es ist so, dass die CDU/CSU eine äusserst erfolgreiche Marketingstrategie führt, um die mit Abstand meisten Stimmen auf sich zu ziehen. Wer kann es ihnen verübeln? Die „gigantische Schuldenlawine“ von 2 Billionen Euro macht mir im Gegensatz zum Autor überhaupt keine Sorgen. Mit einer sogenannten Vollgeldreform würden die Staatsschulden sofort halbiert und im Laufe der Zeit sinken. Grosse Sorgen macht mir dagegen die Verarmung von immer mehr Bürgern, insbesonders von alleinerziehenden Müttern in Deutschland. Dies muss und darf nicht sein. Insofern gibt es schon klare Alternativen zur derzeitigen Regierungspolitik.

    • Ach je, die erfolgreiche CDU/ CSU mit ihrem Marketingkonzept.
      Ich glaube das geht auch schon seit langem nicht mehr so auf, wie es uns in den Medien dargeboten wird.

      Für den politisch interessierten Menschen, stellt sich doch schon seit geraumer Zeit die Frage, wen vertritt die CDU/ CSU eigentlich.

      Selbst konservative Wähler, die ein Gespür für soziale Gerechtigkeit haben, wenden sich ja von dieser Partei ab.

      Das Ergebnis ist mangelnde Wahlbeteiligung.

      Auch diese Wahl wird es wieder zeigen, der Schnitt geht nach unten. Am Ende feiert man sich für Wahlergebnisse von 30 %, ob wohl 50% nicht mehr zur Wahl gehen.

      Wenn die Politiker diesen Nichtwählerwillen endlich mal wahr nehmen würden, würde die Akzeptanz zu den Parteien sich wohl erhöhen.

      So aber schleicht sich immer mehr Unwille und Schulterzucken beim Wähler ein.

      Da freut sich die demokratisch gewählte CDU/CSU und verharrt an ihren Fressnäpfen.

      Ich als Nichtwähler kann nur auf den Langzeiteffekt hoffen. Wenn der Trend anhält, der Bürger immer Unmündiger gemacht wird, haben wir in 12 Jahren entweder eine total entpolitisierte Gesellschaft, in der jeder nur noch auf sein Smartphone glotzt, oder sich für das nächste Tatoo Studio interessiere, oder wir erleben eine Zwangsdemokratie, wählen wird zur Pflicht und mit Geldbuße bei nicht erscheinen im Wahllokal belegt.

      Und dann haben wir ja wieder Volkes Wille, so wie es sich die CDU vorstellt.

      Zwar werden diverse Wähler ungültig wählen, oder sich in Splitterparteien verlieren, das Endergebnis lautet dann aber bei 99% Wahlbeteiligung erreichte die CDU 30 %.
      Da alle verlorenen Stimmen auf die sogenannten Volksparteien anteilsmäßig aufgeteilt werden.

      Was das alles mit Wahl von Lebensvorstellungen der Bürgers zu tun hat, keine Ahnung.

  4. Es ist mir unverständlich, dass die 2017 erstmals zur Wahl antretende Partei ‚DEUTSCHE MITTE‘ konsequent ausgeblendet wird.

    Genau diese Partei, prangert nicht nur an, sondern unterbreitet konkrete Pläne, wie all die bekannten Missstände behoben werden können, und (besonders wichtig) auch Schritt für Schritt beseitigt werden sollen.

    Diese konkreten Pläne betreffen nicht nur hier angesprochene Finanzkrise, sondern auch der vielen Kriege, den geplanten Impfzwang (gegen den heute am 16.9. in Berlin demeonstriert wird), usw. …

    Gibt es derzeit eine einzige andere Partei (eben ausser der DM) die die in ihrem Parteiprogram das ‚Schuldgelds-System‘ nicht nur (a) überhaupt thematisiert, sondern (b) dessen Beseitigung als Grundübel der meisten Demokratien weltweit bezeichnet und es sogar beseitigen will?

    Diese Partei will fast alles umsetzen, wofür Ken Jebsen ständig wirbt, z.B. den Ramstein Vertrag Kündigen (Teil des Parteiprogramms). Das ist einigartig! (Und niemand redet davon. Warum?)

    Die DEUTSCHE MITTE ist ein völlig neuer Typ von Partei, eine Partei, die nach anderen Pronzipien funktioniert. Beispielsweise hat es noch nie eine Partei gegeben, deren erkärtes Ziel die ‚Bewahrung der Schöpfung‘ ist. Falls ich irren sollte, bitte ich um Hinweise.

    Der 90 sec TV-Wahlspot der DM fasst es in Kürze zusammen https://www.youtube.com/watch?v=Xnkywed46to (Search YouTube “Deutsche Mitte TV“), aber dahinter steck noch viel mehr.

    Dies alles wird nie in den Medien je auch nur erwähnt, selbst in den alternativen Medien … Ist da etwas faul? Übersehe ich etwas an der DM? Hat die DM einen (unsichtbaren) Schatten? Ich verstehe jedenfalls die Welt nicht mehr.

    Wäre diese Thematik nicht ein wunderbares Thema für die KenFM Serie: “Politik verstehen“? Ich möchte nämlich dies alles verstehen! Das wäre, für mich jedenfalls, DIE “Hammer-Sendung“ noch vor dem 24. Sept. Mit diesem Wunsch möchte ich schliessen und grüsse (absichtlich à la DM): Alles Gute, wo immer Sie sind.

    • Die Deutsche Mitte hat einen entscheidenden Schwachpunkt.
      Die Einstellung zum Islam könnte von Erdogan selbst stammen.

      „Grundsätzliches
      Der Islam ist eine hoch interessante, hoch wertvolle und hoch umstrittene Religion.
      Interessant: klug, vielseitig, vielschichtig, bestens dokumentiert, hochkarätig gestiftet – und theologisch bearbeitet
      Wertvoll: zwischenmenschlich, sozial, politisch, strategisch“

      Ja das sehen wir vor allem in islamisch geprägten Ländern wie Saudi Arabien. Und die fortschrittliche Entwicklung in der Türkei, wo der Islam immer mehr uneingeschränkte politische Macht bekommt, ist ja auch Beispielhaft.

    • Wo der Haken ist?

      Die DM vermittelt – zumindest subjektiv bei mir – irgendwie den Eindruck einer one-man-show.

      Was die Islamkritik angeht – bevor wir darüber urteilen, sollten wir als aller erstes unsere eigene Gesellschaftsform überdenken. Ich denke wir haben hier genug zu tun mit uns selbst, als uns über andere derartige Urteile zu erlauben?!

    • Die Einstellung zum Islam stammt wohl in erster Linie von Herrn Hörstel, wie fast alles in der DM.
      Das er da Kompetenzen hat, ist unbestritten.
      Das am Extrembeispiel Saudi Arabien festzumachen, ist nicht zielführend.
      Herr Hörstel hat auch schon öffentlich zu Ken Jepsen Stellung bezogen und war enttäuscht.
      CHRISTOPH HÖRSTEL ▶ über KEN JEBSEN + JÜRGEN ELSÄSSER –> YouTube
      Mich stören andere Seiten an der DM.
      z.B. : F. Hörmann – meiner Meinung ein Scharlatan. –> ich denke, der wird hir auch nicht mehr present sein.
      Hörstel als als Experte für Außenpolitik finde ich gut.
      Als Politiker möchte ich ihn nicht haben. Aber machen Sie sich ein eigenes Bild.

    • Hörstel, Gründer und Vorsitzender der Deutschen Mitte hat diese Aussage tatsächlich gemacht, und zwar genau so, wie zitiert. Ich kannte sie nicht, habe aber, Ihrer Spur folgend, auf Youtube nach „Hörstel Islam“ gesucht, und wurde sofort fündig. https://www.youtube.com/watch?v=y4ItQCtb2t0#t=4m48s
      Besonders interessant finde ich, wie Hörstel seinen Standpunkt (in etwa 5 min) sehr genau erklärt, auch den allgemeinen Teil davor (etwa 5 min). Fazit: Ich stimme Hörstels Standpunkt auch bezüglich Islam praktisch vollständig zu.

      Dass Religionen für politische Zwecke entfremdet und missbraucht wurden – übrigens nicht nur der Islam – ist sattsam bekannt. Ebenso gibt es bekanntlich auch Länder ohne islamistische Gesinnung, die sich um uneingeschränkte politische Macht bemühen – sogar Länder die wesentlich mächtiger sind als sie Türkei. Diese Länder wollen (meist) „first“ sein, ja nicht „second“, oder gar … „looser“.

      Dass Hörstel die Saudis hofieren würde (ähnlich Gabriel im Juni 2017) bezweifle ich eher, dass Deutschland vollständig islamisiert wird, ebenso.

      Man mag von einem Schwachpunkt sprechen (Ansichtssache), aber entscheidend ist dieser wohl kaum bezüglich der Wählbarkeit einer Partei wie der Deutschen Mitte. Zu überwiegend wären die vielen „Starkpunkte“. Grosse Sorgen macht auch mir eher z.B. die Verarmung, wie Frank Linhoff (oben) hervorhebt.

      Warum also nicht einer kleinen Partei (einem newcomer) eine Chance geben? Vielleicht würden dann gewisse Themen im Parlament zumindest zur Sprache kommen! Das wäre doch ein Anfang! Oder? Es kann eigentlich nichts schief gehen, ausser dass die 5% Hürde nicht erreicht wird. Dann ändert in jedem Falle (wahrscheinlich) gar nichts. Wer kann aber dies schon wolle? Ausser … Sie wissen schon. Wie heisst es doch so schön: Wer nichts wagt, hat schon verloren.

      Die derzeitige Islam-Phobie in Deutschland ist ja bekanntlich sehr wohl dem Einfluss der Massenmedien geschuldet, wie insbesondere Ken Jebsen selbst wiederholt deutlich macht.
      (Google Suche „Jebsen Islam“ https://www.youtube.com/watch?v=In7o71x36wM )

      Mensch, bin ich (mega-) gespannt, was da am 24. September herauskommen wird … Ich hoffe, etwas Gutes, und nicht einfach der, die oder das „Alte“.

    • Hallo Namensvetter 🙂
      Tja..das habe ich auch schon des öfteren bemerkt..leider! Ich glaube Ken Jebsen ist da einfach persönlich vorbelastet (oder eingenommen), deswegen meidet er die DM.
      Ich finde es ist bei weitem die einzigste Partei die man, basierend auf dem Programm, überhaupt guten Gewissens wählen kann…wenn man denn wählen will.
      All das Gefasel um einzelne Persönlichkeiten, wer was getan oder gesagt haben soll, führt doch am Ziel vorbei und ist zum Teil nur ‚Mache‘ um jeden aufkommenden Widerstand am System im Keim zu ersticken.
      Die Leute sollten das Ziel im Auge behalten, und sich nicht ablenken lassen.
      Alles was bei KenFM als die üblen Dinge des Systems erkannt werden wird dich fast 1:1 von der DM angegangen.

      Manchmal glaube ich die Leute wollen gar nicht, daß sich etwas ändert. Dann lässt es sich ja gar nicht mehr lästern. Oder doch Angst vor einer neuen Zukunft.

  5. Besucht man in diesen Tagen die Wahlkampfveranstaltungen der Parteien, so erlebt man dort erheblich mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede: Die Kandidaten dreschen zwar heftig auf ihre Gegner ein, vermitteln den Wahlberechtigten aber in trauter Einigkeit das Gefühl, sämtliche Probleme seien im Rahmen unseres parlamentarischen Systems zu lösen. Selbst die Parteien, die besonders heftige Kritik an sozialen und wirtschaftlichen Missständen üben, begnügen sich mit simplen Reformvorschlägen.

    Das Phänomen des Eindreschens passiert auch im Bundestag, bei sogenannten Debatten. Da dient die Dresche im Grunde dazu, medial aufgezeichnet zu werden und eine Ersatzhandlung dafür darzustellen, was der mündige Bürger normalerweise tun müsste: sich empören und seine Rechte zu mehr Entscheidungsfreiheit einzufordern.

    Die Empörungsersatzhandlungen gehen dann in vielen Talkshowformaten weiter. Es werden unterschiedliche Parteien eingeladen und Publikum, was an bestimmten Stellen klatschen sollte. Das soll dann den Eindruck erwecken: „Boahr – die haben so unterschiedliche Ansichten, deswegen streiten die sich ja ständig…“

    Da es auch parallel nochmal Realityshows- und Realityformate gibt, die ebenfalls eine Streitkultur propagieren und präsentieren, wo das ausfallend werden zum guten Ton gehört, merken die Menschen, welche sich ihr Weltbild aus reiner Beobachtung der Politik , der Talkshows und der Realityshows machen selten, dass da etwas fehlt, nämlich:

    wo bleiben die Lösungen in all den Debatten, Talk- und Realityshows?

    Der Dissenz wird so ständig versucht salonfähig zu machen und zu befürworten. Der Konsenz, die Einigung, die Lösung wird viel zu selten dargestellt.

    Bereits Herr Lammert hat ja eine dezidierte Meinung über den Wähler:

    https://www.youtube.com/watch?v=C6YRYv9KVE0&t=46m19s
    „Wir sollen natürlich unsere Schlafkrankheit gegenüber der Politik aufgeben. Aber was wollen Sie denn hoffen als Deutscher, wenn Deutsche, 170 Jahre nachdem die Schweiz das Referendum eingeführt hat, im Bundestag die Volksabstimmung ablehnen?“
    Ich habe dagegen einen Brief geschrieben – nicht öffentlich – an den Bundestagspräsidenten, dann hat er mir auf sechs Zeilen zurückgeschrieben: er glaubt nicht, dass die Deutschen, überhaupt das Volk fähig ist, in der Politik mitzureden, weil es ja die intimen und schwierigen und diffizilen Zusammenhänge gar nicht durchschaut. Also der Bundestagspräsident findet das deutsche Volk zu blöde, das Referendum endlich einzuführen, was immerhin zwei Parteien im Bundestag 2012 durchsetzen wollten.“

    Das die unterstellte Volkesblödheit evtl. durch Medien unterstützt wird, hat Herr Lammert vermutlich nicht in den sechs Zeilen untergebracht.

    Dabei bedienen sich alle Wahlkämpfer ähnlicher Strategien: Sie blenden die Vergangenheit aus, konzentrieren sich in ihrer Argumentation auf einzelne Teilprobleme und stellen keinen Zusammenhang zur gesamtgesellschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Realität her.

    So arbeitet die Werbung für ein konkretes Konsumprodukt: „kauf mich, dann bist Du was besonderes“

    Oder so arbeiten die Nachrichten mit 15-Minutenslots, die gerne Feindbilder projizieren ohne dabei verständliche evtl. sogar gegensätzliche Positionen auch nur anzudeuten.

    Der Wahlkampf baut im Grunde auf der Vorarbeit auf, die bereits medial über Jahrzehnte geleistet worden ist.

    Den Menschen, die täglich gängige Medien konsumieren und dabei den Fokus auf „Ablenkung“ und „Berieselung“ setzen, vergessen dabei völlig, dass dieses Gedankengebäude ihnen auch bei Wahlkämpfen, Talkshowformaten etc. immer wieder entgegenschlägt, da die eigene Denke ja genügend medial gehirngewaschen wird, so dass der Erkenntnisprozess „Huch. Da fehlt jetzt was im Wahlkampf, in der Politik etc…“garnicht erst einsetzen kann.

    Ginge es den zur Wahl stehenden Politikern tatsächlich um unser Wohl, so müssten sie ihren Totalbankrott erklären und gestehen, dass sie uns alle aus reiner Selbstsucht in die gefährlichste Lage seit dem Zweiten Weltkrieg gebracht haben.

    Selbstreflexion ist so eine Sache.

    Ich schrieb bei https://kenfm.de/kenfm-live-2-16-jahre-911/#comment-123207 unter anderem:

    wer kennt das Buch „Im Irrgarten der Liebe“ von Hans Jellouschek kennt, der weiß, dass vieles zwischenmenschlich schon durch kognitive Dissonanz gelöst wird.

    Z.B. Ein Ehepaar. Nach Aussen glücklich wirkend, dann geht der Mann fremd. Ihm fehlt das Gefühl des Abenteuers, des Erobert-werdens, des Begehrtwerdens.

    Er nimmt sich also eine Geliebte. Diese Geliebte findet den vergebenen Mann so toll, dass Sie ihn dazu bewegen möchte, seine Ehe aufzugeben.

    Nun passiert in ganz vielen Fällen ein ewiges Hin-Her-Spiel, denn der Mann möchte einerseits die Stabilität der Ehe, das Haus, die Kinder etc. – die bekannten sozialen Sicherheiten und Standards nicht gefährden- andererseits möchte er auch das Gefühl beibehalten, Abenteuer zu erleben und begehrenswert zu sein.

    Er spielt also die Dreiecksbeziehung solange, bis die Ehefrau dahinter kommt, oder die Geliebte ihn mit Konfrontation der Ehefrau droht, wenn er sich nicht zu ihr bekennt.

    Oft ist es so, dass dann die Geliebte aufgegeben wird, da der soziale Standard, das Haus etc… alles wichtiger ist – ob der Ehemann sein Verhalten auf Dauer ändert, ist fraglich, denn die Grundthematik des „Begehrtwerdens“ bleibt ja ungelöst und wurde nur zeitlich unterbrochen, nachdem die Geliebte mit Konfrontation gedroht hatte.

    Warum schreibe ich das hier, was synonym auch für Ehefrauen gelten kann, da es beide Geschlechter in Ehen zum Teil praktizieren?

    Weil diese Ursachen im „kleinen“ Mikrokosmos auch schon die Frage nach Wahrhaftigkeit an die Menschen stellen. Bin ich eine Frau oder ein Mann, der meine Gefühle von Begehrtsein und Abenteuer mit meinem Partner ausdiskutieren und lösen will? Oder suche ich mir lieber einen jüngeren, attraktiven Ersatz für meine Beziehungskonflikte?

    Die Fragestellung mag für manche Leser immer noch unklar sein,
    aber bezogen auf die globale Politik wird genau das gespielt.

    Anstelle wahrhaftig zu den Interessen des Deutschen Volkes und den Wahlversprechen Taten folgen zu lassen, wird die Verpflichtung zu der Mitgliedschaft bei der Atlantikbrücke und anderen Think-Tanks höher gehängt.

    Man möchte als Politiker einerseits um das Interesse des Volkes buhlen und durch Wahlwerbung auf sich aufmerksam machen ( im Beispiel des Beziehungsdreiecks Ehemann und soziale Standards beibehalten), gleichzeitig möchte man die Vorteile einer Atlantikmitgliedschaft wahren, die viele Annehmlichkeiten ermöglichen.

    Es braucht mehr Wahrhaftigkeit bei den Menschen. Jeder kann es bei sich prüfen, wie weit er wahrhaftig ist.

    Und ich erwähne das Zitat hier, weil es ein Dilemma aufzeigt. Ein Interessendilemma.

    Welchen Nutzen hätten die Politiker, wenn sie zugeben würden, dass sie aus egoistischen Motiven heraus, vieles in den Bankrott getrieben haben, weil sie dabei sicher waren, ihre persönlichen Profite aus all ihrem Handeln mitnehmen zu können?

    Es wäre ein Eingeständnis von umfangreichen Fehlern, was sehr heilsam für die Psyche der Politiker sein könnte, aber andererseits auch gefährlich für deren Gesundheit wäre. Denn wenn Jemand jahrelang politisch und wirtschaftlich die Lüge in seinem Handeln kultiviert hat, braucht er schon eine ausgeprägte , kognitive Dissonanz.

    Gibt es Jemand dann offen zu, dass er jahrelang nur zu eigenem Profitstreben gehandelt hat, dann kann mein anderes Zitat aus dem mit Link verwiesenem Kommentar gelten, dessen besonders aktuellen Teil davon ich hervorheben werde:

    „Ein Mann, der in einem Teil des Landes wanderte, in dem Diamanten entdeckt worden waren, kam in ein Gebiet, das übersät war mit kleinen zersplitterten Glassteinen, die im Sonnenlicht funkelten.

    ‚Diamanten!‘, dachte er aufgeregt, bückte sich, um einen von ihnen aufzuheben und merkte, dass es sich lediglich um eine Glasscherbe handelte. Enttäuscht warf er sie weg und streckte die Hand nach einer weiteren aus. Aber auch diese war kein Diamant, sonder nur Glas. Er fuhr fort, die Scherben aufzuheben, eine nach der anderen. Manchmal schnitt er sich an den scharfen Kanten. Jede Scherbe, die er aufhob, war genauso wenig ein Diamant wie die erste.

    Das ist der Weg der Sünde. Das falsche Glitzern ist anziehend, aber wenn man sich darauf einlässt, stellt es sich heraus, dass es nichts anderes ist als „kaputtes Glas“. Oft schneidet man sich auch noch daran, wenn man sich ihm ganz hingibt. Aberr immer ist es am Ende eine Enttäuschung.

    Sinnesgenüsse können nur in Übersättigung, quälender Monotonie oder Ekel enden. Warum? Aus dem einfachen Grund, weil unsere physischen Sinne nicht unser wahres Selbst sind.“

    Quelle: Swami Kriyanada : Die Essenz des spirituellen Weges

    Das würden die Menschen, die als Politiker zwischen Wirtschaft, Wahlwerbung und politischem Amt dann persönliche Vorteile en masse angehäuft hatten, sich selbst und derr Öffentlichkeit gegenüber mindestens empfinden.

    Aber wozu gibt es die vielen Annehmlichkeiten dort und die Ablenkungsmöglichkeiten?

    Schauen die Politiker selbst auch viele gängige Mainstreamformate, Talkshowformate etc. so besteht für viele Politiker die Hoffnung, dass sie in der dort vermittelten Filterblase der kognitiven Dissonanz erst an ihrem Sterbebett wieder zu Bewusstsein kommen müssten.

    Weil vieles medial eine Realität vorgaukelt, die geglaubt werden kann, als eine Sichtweise auf die Realität.

    Hinzu kommt noch etwas anderes, was ich bei https://kenfm.de/kenfm-live-2-16-jahre-911/#comment-123298 von Herrn Mausfeld zitiert habe:

    Die Filtermechanismen für eine journalistische Karriere, also für eine Auswahl und Förderung von Redakteuren, die »richtig denken«, sind ebenso vielfältig wie komplex. Sie spiegeln stillschweigende ideologische Grundannahmen und gemeinsame politische Weltsichten der Medienbetreiber wider und sorgen wirksam für eine ideologische Stabilität des Mediensystems. Zu diesen beiden Filterfaktoren kommen weitere hinzu, die sich aus strukturellen Mechanismen einer Anpassung an die aus Eigentumsverhältnissen sowie ökonomischen und politischen Gegebenheiten resultierenden Zwänge ergeben.

    Dies gilt nicht nur für den Journalismus, sondern auch für das Bild, was Herr Jebsen sprachlich geäußert hat und ich bereits bei https://kenfm.de/kenfm-live-2-16-jahre-911/#comment-123207 zitiert hatte:

    https://www.youtube.com/watch?v=sQ94j3TMLAo&feature=youtu.be&t=79m13s

    J : Das sich Menschen so wenig politisch engagieren, geradezu apathisch sind; oder dies nicht mehr für sie infrage kommt; sie sich selbst zu politischen Analphabeten stempeln: gibt’s ja auch Texte drüber. Hat es damit zu tun, dass die Menschen dieses System irgendwann nicht mehr glauben? Das sie sagen: „Ja. Wir haben es mit einer stellvertretenden Demokratie zu tun und auf dem Weg nach oben musst Du Karrierist sein, oder da gibt’s immer Jemanden, der sich kaufen lässt. Es hat bei diesem System keinen Sinn mehr – es wird keine Demokratie mehr; es ist auch nicht dafür gedacht. Es wird auch nie Eine werden?

    Und er schließt mit einer Frage ab:

    Gäb’s nicht ne Alternative zu dem, was wir im Moment erleben? Vielleicht auch über das Netz anders zu wirken? Statt einer klassischen Partei beizutreten und sich dann in der Partei selbst wieder zu wundern, was aus der Partei wird? Ich mein, viele bei der SPD werden sich gewundert haben, nach Schröder, was aus der Partei geworden ist; oder mit Schröder.

    In meinem Kommentar, wo ich dieses Zitat entnommen habe, schreibe ich davon, dass es ein gesellschaftliches Bewusstsein braucht.

    Dieses Bewusstsein braucht es in allen Bevölkerungsschichten.

    MIt dem moralischen Finger alleine auf die Politik zu zeigen, ist auch eine Feindbildgeneseleistung, die aber selten als solche wahrgenommen und gewürdigt wird.

    Medial wird es ja in Bundestagsdebatten vermittelt, in Talkshows ersatzweise aufgegriffen und Realityshows abermals dem Zuschauer und Konsumenten vorgelebt: „die Fähigkeit sich über etwas zu empören“

    Wenn dies nun journalistisch im Mainstream oder in den alternativen Formaten ebenfalls vorgelebt wird, im Sinne die Politik ist so unehrlich und possenhaft egoistisch von mehreren Politikern vorgelebt worden, und es reichte aus, journalistisch auf diesen Umstand hinzuweisen, so ist die Folge davon:

    Menschen glauben dann, dass die Politik Fehler macht.

    Und das war es bei vielen Lesern von Zeitschriften, Beiträgen und Videos.

    Die Frage, die Journalisten auch im alternativen Bereich viel zu selten stellen: wie ändern wir das als Bevölkerung, die nun weiß, dass die Politik durch repräsentative Politiker oftmals egoistische Kreise zieht?

    So eine Frage ist wichtig, denn diese fordert zum Nachdenken an.

    Wenn ich einen Beitrag wie eine Tagesdosis als reinen Konsum annehmen möchte, so hätten Sie, Herr Wolff, z.B. gute Arbeit geleistet.

    Ich bekomme ein stabiles Feindbild von egoistischen Politikern angeboten und kann zufrieden im Kreis meines Umfelds und hierauf folgender Kommentare auf die Politik schimpfen.

    Ändern wird sich aber nichts, was mit den Handlungen der Politk zu tun hat. Ich schimpfe einfach lustvoll mit allen Kommentatoren hin- und her und verbreite empörte Stimmung in meinem Umfeld, denn es regt mich ja klassisch auf, wie die Politik oftmals durch Egoisten regiert wird.

    Das kann aber geändert werden.

    Wenn Journalisten aber auch Kommentatoren sich die Fragen der Einflussnahme stellen, sich bewusst machen: was können wir tun?

    Wo sind wir uns einig?

    Ich schrieb schon häufiger eine Idee mit deutschlandweit 299 Kamerateams auf.

    Ich werde diese nochmal zitieren:

    2. 299 Kamerateams ( für jeden Direktkandidaten / Wahlkreis ein Team) in Gesamtdeutschland
    3. Berichterstattung über kommende Gesetze – und regelmäßige Interviews des gewählten Politikers ( denn der ist den Bürgern verpflichtet – also warum sollte das verboten sein, diesen regelmäßig zu Gesetzen zu befragen)
    4. Jedes Kamerateam ist in Kontakt mit den jeweiligen Ortsverbänden der Parteien vor Ort: so besteht immer ein Draht zum jeweiligen Politiker.
    5. Es bräuchte auch vor Ort so eine Friedensverein oder ähnliches, der mit 20 oder 50 Menschen oder so regelmäßig vor Ort der Parteizentrale auftaucht, um ein Gespräch zu suchen, sobald der Politiker gegen den Willen des Wahlkreises entschieden hat.
    6. Sämtliche Interviews werden zu den jeweiligen Politikern und Gesetzen gefilmt, hochgeladen und auf der Website veröffentlicht – das hat den Vorteil, dass später ein Nutzer sich über ganz Deutschland ( alle Wahlkreise) informieren kann; anhand der Videos.
    7.Es hat noch einen weiteren Vorteil: Politiker lieben oft die Medien – und durch regelmäßige Interviews werden diese an Popularität gewinnen können, sich Ihrer Verpflichtungen gegenüber den Wählern bewusst werden können – oder eben ziemlich schnell ins Abseits geraten, wenn Sie regelmäßig Ihre Entscheidungen gegen die Wähler ihres Wahlkreises treffen.

    8. Und wie ein Politiker bei Gesetzen entschieden hat, sollte auch transparent sein für den Wählerkreis – denn er repräsentiert ja den Willen der Wähler vor Ort.

    Im Grunde ist das alles machbar.
    Und weil es regional aufgeteilt ist, braucht es regional nur maximal 1-2 für ein Kamerateam – 1-2 Leute, die regelmäßig vor Ort dann die kommenden Gesetzesbeschlüsse prüfen und ggf. Kontakte zur Friedensbewegung / anderen Organisationen vor Ort herstellen, falls ein Politiker sich anders entscheidet.

    Dieser Gedankengang ist bei vielen Menschen noch garnicht vorhanden.

    Es reicht Ihnen ( = den vielen Menschen) bisher aus, dass sich über die Politik im Mainstream oft positiv geäußert wird und im alternativen Bereich häufiger kritisch geäußert wird – eine Veränderung der Politik findet in beiden Fällen nicht statt.

    Und das wird von vielen Lesern und Kommentatoren auch oft ausser Acht gelassen.

    Es reicht anscheinend, sich emotional fallen zu lassen.

    Das Sie, Herr Wolff, und viele andere Journalisten auch inhaltlich einen „Frame“ oder eine „Rahmenerzählung“ mit Ihrer Tagesdosis liefern, scheint auch bei vielen Journalisten nicht völlig klar zu sein.

    Ich habe oft beobachtet, dass viele Kommentare sich inhaltlich sehr stark am journalistischen Beitrag orientieren.

    So wie es Facebook mit seinen manipulierten Newsfeeds bei 680.000 Nutzern ausmachen konnte, dass positive Beiträge eher positiv und negative Beiträge eher positiv beeinflussend auf die Nutzer wirken, so möchte ich mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen,

    dass eine Tagesdosis oder jeder andere, journalistische Bericht oft nur die Resonanzen erzeugen wird, die er vorgegeben hat.

    Anders formuliert: viele werden, wenn mein Beitrag hier ungelesen bleiben sollte, sich ausschließlich auf die empörenswerte Politik auslassen.

    Das ist aber auch wieder, um mit Prof. Mausfeld zu sprechen, „Empörungsmanagement“.

    Es bewirkt nur, dass die Menschen sich aufregen über die Politik, aber nicht das Lösungen gedacht oder gesucht werden.

    Die Vermutung, die ich vor einigen Jahren hatte: manche Journalisten machen das evtl. sogar mit Absicht. Denn wenn keine Fragen der Veränderung und der Einflussnahme gestellt werden, sondern der moralische Zeigefinger nur in Richtung Politik weißt, gibt es eine Entlasstung der eigenen Verantwortung:

    Ich als Journalist, ich als Leser und Kommentator – ich kann nichts ändern -> die Politiker sind verantwortlich und Schuld daran.

    Ich brauch mich nicht zu vernetzen, nicht an Lösungen zu denken, nicht zu verändern – die Politiker sind so egoistisch.

    Ich kann alleine auch garnichts tun – es liegt an der Politik, die so korrupt ist und ich möchte mich jetzt so gerne darüber aufregen.

    Am 24.09. wähle ich dann, weil wenn ich nur einmal die Richtigen gewählt habe, wird sich alles ändern – ich alleine kann nichts ändern, aber ich geh trotzdem wählen…?!“

    usw. – diese Verlagerung von Verantwortung führt dazu, dass die Kritik an der Politik in den folgenden Generationen übertragen werden kann und parallel sich egoistische Strukturen in der Politik und Wirtschaft immer weiter verzahnen können.

    Es ist kurz gesagt: verrückt, stets die Verantwortung bei der Politik zu suchen und bei sich selber stets die Verantwortungslosigkeit zu suchen.

    Denn die Entscheidung sich zu empören, ist auch eine Entscheidung, die selten als solche Entscheidung wahrgenommen und gewürdigt wird.

    Auch die Entscheidung für die Kamerateams und deutschlandweite Vernetzung über die Inhalte ist eine Entscheidung, die aber selten als solche gewürdigt wird.

    Es wird viel zu wenig journalistisch in Richtung Einflussnahme durch die Wähler, die Bevölkerung vorgedacht und angeregt – viel zu oft wird moralisch das Offensichtliche kritisiert.

    Daher habe ich das Beispiel der kognitiven Dissonanz im Mikrokosmos erwähnt – es gibt schon im privaten Bereich Menschen, die gerne Ehefrau und Geliebte als zwei unterschiedliche Personen favorisieren, um sich nicht mit der Partnerin über das Thema „Gefühle“ unterhalten zu müssen.

    Ebenso gibt es genügend Journalisten, im Mainstream logischerweise mit Auftrag, die gerne innerhalb der vorgegebenen Kritikmuster sich an dem Verhalten von Politiker auslassen, um kurz vor der Wahl auch nochmal Aufmerksamkeit für die Politik zu erzeugen.

    Nachdem die Wahl dann wieder mal gelaufen ist, geht vieles seinen üblichen Weg weiter und es werden wieder im Ausland Protagonisten gefunden, die von nun an in der Bevölkerung als stabiles Feindbild angesehen werden mögen.

    Dadurch wird der moralische Zeigefinger wieder von den gewählten, deutschen Politikern entfernt und in Richtung Ausland platziert.

    Dann werden Sie, Herr Wolff, nach der Wahl wieder schreiben, was für ein Debakel es möglicherweise gegeben hat und wie verlogen und korrupt die Politik ist.

    Es wird keine Veränderung geben. Weder bei den journalistischen Gedanken, noch bei den Lesern.

    Denn wir wissen alle ganz genau: die Politik hat es verbockt…

  6. Wir werden uns wohl die Wahlunterlagen bestellen, aber keine der Parteien oder Personen wählen, sondern dick drüber schreiben, was unsere Wünsche zur Veränderung der jetzigen Politik sind.

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