Tagesdosis 16.9.2019 – Die EZB verzweifelt: Wann kommt das Helikoptergeld? (Podcast)

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

Die EZB hat am vergangenen Donnerstag eine Lockerung ihrer Geldpolitik angekündigt. Sie reagiert damit auf die weltweit einsetzende Rezession.

Offiziell heißt es, man wolle die Inflation leicht forcieren, Banken dazu bewegen, mehr Geld zu verleihen und so die Konjunktur ankurbeln. Diese Effekte können aber gar nicht eintreten, da das Geld wie in den vergangenen Jahren nicht in der Realwirtschaft ankommen wird. 

Lässt man die vorgeschobenen Gründe einmal beiseite, so sind die EZB-Beschlüsse nichts anderes als der Versuch, das dem Untergang entgegentaumelnde System um jeden Preis am Leben zu erhalten und der Finanzindustrie einmal mehr die für sie bestmöglichen Bedingungen zu bieten. 

Das allerdings wird angesichts der riesigen Probleme immer schwieriger. So hat die Nullzins-Politik der EZB in den vergangenen Jahren immer mehr Investoren dazu verführt, mit geliehenem Geld zu spekulieren. Auf diese Weise ist ein historischer Schuldenberg entstanden. 

Es gibt nur eine Methode, diesen Schuldenberg schmelzen zu lassen, und das ist das Erzeugen einer Inflation. Wenn die Preise und mit zeitlicher Verzögerung auch die Löhne und die Staatseinnahmen steigen, verringert sich, relativ gesehen, die Schuldenlast.

Das hat in der Vergangenheit immer mittels einer Erhöhung der Geldmenge funktioniert. In unserer Zeit aber ist das anders: Die von der EZB am Donnerstag angekündigten Geldinjektionen werden einmal mehr in die Finanzmärkte fließen und dort die Blasen an den Aktien-, Anleihen- und Immobilienmärkten befeuern. 

Da die arbeitende Bevölkerung von diesem Geld so gut wie nichts sehen wird, wird ihre Kaufkraft auch nicht zunehmen – mit dem Effekt, dass die Industrie keine Preiserhöhungen wird durchsetzen können, die zur Ankurbelung der Inflation nötig wären. 

Was also kann die EZB tun, wenn die so dringend benötigte Inflation auch weiterhin ausbleibt? 

Sie hat dann nur noch eine Chance: Sie wird eine künstliche Erhöhung der Massenkaufkraft vornehmen müssen.

Genau dieses Mittel wird von Insidern momentan unter dem Begriff „Helikoptergeld“ diskutiert. Der Einsatz von Helikoptergeld würde bedeuten, dass die Zentralbank Geld aus dem Nichts schafft und es den Bürgern flächendeckend ohne Gegenleistung zukommen lässt, damit diese es in den Konsum stecken und so die Inflation anheizen.

In der Tat würde die Maßnahme vorübergehend zu einer Belebung der Konjunktur führen und vor allem bei den unteren Einkommensschichten auf Zuspruch treffen. Die Begeisterung aber würde bald verfliegen, denn die anziehenden Preise und die einsetzende Inflation würden die erhöhte Kaufkraft schnell übertreffen. 

Da dieser Mechanismus nicht durch wirksame Gegenmaßnahmen bekämpft werden könnte, bliebe Regierungen und Zentralbanken nur ein Ausweg: Weiteres Helikoptergeld zu schaffen – und so gezwungenermaßen eine nicht mehr zu stoppende Spirale in Gang zu setzen. 

Angesichts der überaus heiklen Lage des Finanzsystems und der am Donnerstag zutage getretenen offensichtlichen Ratlosigkeit der Verantwortlichen kann man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis es zum Einsatz von Helikoptergeld kommt – und damit zum dauerhaften Öffnen aller Geldschleusen mit dem absehbaren Endergebnis einer galoppierenden Inflation. 

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: nitpicker Shutterstock

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