Tagesdosis 17.8.2017 – Sommerskandale

Ein Kommentar von Alexander Knöller.

Und wieder ist es soweit. Ein weiterer Lebensmittelskandal überschattet die Idylle der spätsommerlichen Ruhe in Deutschland. Diesmal: Todbringende Eier!  Verseucht mit dem Reinigungsmittel Fipronil durch niederträchtige Niederländer. Und jeder hat sich jetzt die Frage zu stellen: Kann ich noch Eier essen oder wäre das mein Niedergang? Nachrichtenagenturen stürzten sich auf jedes bisschen Information, um den mündigen Bürger alles über diesen weltverändernden Skandal zu berichten: Leib und Seele der Deutschen Nation sind in Gefahr. Das Land der Dichter und Denker dahingerafft durch toxische Eier des Nachbarn.

Glaubt man den tagesaktuellen Nachrichten ist niemand gefeit vor schwersten gesundheitlichen Folgen beim Verzehr von Eierspeisen. Von „Gift-Eiern“, die zu Millionen nach Deutschland gelangt sind, ist die Rede. Nun gilt es wachsam sein und sämtliches Gefahrengut der Güteklasse „NL“ zu meiden, melden und zu warnen! Wichtig ist zu warnen.

Cut!

Kommt nur mir dieser Fall irgendwie bekannt vor?

Waren es nicht noch letztens H5N8 Viren verseuchte Zugvögel aus Russland?
Und davor die Pferdefleischlasagnen?
Und davor EHEC-Gurken aus Griechenland?
Und davor Influenza A Viren verseuchte Hühner aus Asien?
Und davor Maul-und Klauenverseuchte Rinder im Wahn mit BSE?

Doch wie viel ist von dem heute noch relevant?

Damals dominierende Themen in allen Zeitungen und heute kaum noch im Gedächtnis der Bevölkerung. Dabei hätte es sicher Themen gegeben, die damals von gewisser Wichtigkeit gewesen wären. Die allerdings verdrängt wurden durch die Auflage und Quoten steigernden Skandalmeldungen.

Bei aller Brisanz: Die Gewichtung muss stimmen.

Bei den Fipronilverseuchten Eiern zum Beispiel wurde der Wert von 0,009 Milligramm Fipronil pro Kilogramm Körpergewicht als Grenzwert definiert. Legt man den bis dato gemessenen Höchstwert von 1,2 Milligram Fipronil pro Kilogram Ei zugrunde, könnte ein Erwachsener Mensch mit 80 Kilogram Körpergewicht etwa 8 ½ Eier innerhalb 24 Stunden essen ohne den Grenzwert zu überschreiten, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Wie wichtig ist dieser Skandal also wirklich? – Denn das BfR sagt weiter „Eine Überschreitung der Referenzdosis (ARfD) bedeutet aber nicht zwangsläufig eine konkrete Gesundheitsgefährdung“.

Im Gegensatz dazu sterben laut dem ECDC (Europäischen Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten) in Europa etwa 250 Menschen an Infektionen, die sie sich in Krankenhäusern zugezogen haben, pro Tag. Stand 2016. Die Rede ist von multiresistenten Krankenhauskeime.

Ähnlich wenig Beachtung finden Studien des BfR, wonach sich allein in Deutschland jährlich rund 200.000 Menschen an verseuchten Lebensmitteln mit Bakterien wie Salmonellen oder E. coli infizieren. Europaweit sterben so jährlich etwa 5.000 Menschen.

Noch bis vor einer Woche durften homosexuelle Männer aus Angst vor AIDS kein Blut spenden. Mittlerweile ist es ihnen gestattet, so sie den Nachweis erbringen keinen Sex für 1 Jahr gehabt zu haben. Zurecht spricht der LSVD (Lesben und Schwulenverband Deutschlands) von einer Diskriminierung.

Wir sehen also Skandale gäbe es genug. Doch müssen diese immer zu einem Monstrum aufgeblasen werden? Würde es nicht stattdessen reichen die Menschen zu informieren, sie auf dem laufenden zu halten ohne permanent ein subtiles Gefühl der Unsicherheit hervor zu rufen?

Denn eines ist klar- auch wenn Nachrichtenagenturen und Zeitungen vom Sommerloch sprechen- auf der Welt passiert genug. Es muss nicht Raumfüllend ausschließlich von „tödlichen Gurken aus Griechenland“, „Seuchen einschleppenden Zugvögeln aus Russland“ oder eben „belasteten Fiprolin Eiern aus den Niederlanden“ berichten werden.

Der Nachrichtengehalt ist wichtig, keine Frage. Welchen es ganz klar zu melden gilt. Dem man unbedingt auf den Grund gehen muss, der aber häufig einen Grad der Sonderberichterstattung bekommt, den er eigentlich nicht verdient. Der mehr für Angst als für Aufklärung sorgt.

Belassen wir also solche Nachrichten bei dem was Sie sind: Skandale.

+++

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

Alle weiteren Beiträge aus der Rubrik „Tagesdosis“ findest Du auf unserer Homepage: hier.

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen

13 Kommentare zu: “Tagesdosis 17.8.2017 – Sommerskandale

  1. Das habe ich schon alles bei
    Bild, &Co sehen können, ebenfalls habe ich die Vergesslichkeit der Bürger festgestellt…Was bringt uns das alles? Beschäftigungstherapie?
    Nein, dann muss man auch hier nicht mehr rein gucken!

  2. Zum Artikel: Was ist denn das jetzt für ein Niveau hier auf KenFM? Sollen wir jetzt jedesmal nur noch darüber lachen und mit den Schultern zucken, wenn ausnahmsweise publik wird, dass ein schwer vergifteter Massen-Konsumartikel aus der Massentierhaltung oder Massenherstellung im Umlauf ist? Oder was will uns dieser Artikel sonst suggerieren?

    • Der Artikel gefällt mir auch nicht. Wenn mal ausnahmsweise publik wird, mit welchem Dreck die Tiere in der Massentierhaltung gefüttert werden, ist das für Herrn Knöller keine besondere Beachtung wert. Der Artikel zeigt nur die weitverbreitete Gleichgültigkeit gegenüber dem nichtmenschlichen Leben. Und auf dieses Niveau kann ich gern verzichten.

    • Alles richtig, was hier über Massentierhaltung geschrieben wird.

      Meier Meinung ging es dem Kommentator nicht um Gleichgültigkeit – eher darum, wie die Medien mit einem Skandal umgehen.
      Es wird Angst erzeugt. Die Information ist schon wichtig, steht aber nicht im Focus.
      Es gibt doch durchaus auch andere wichtige Themen als „Todbringende Eier!“, die jetzt jeden Tag „durchs Dorf geworfen wurden.“
      Aber das kennen wir ja.
      Jetzt ist es der Terroranschlag in Barcelona.
      Die Eier waren heute weg, obwohl es die ganze Woche (außer Trump) nichts Wichtigeres gab.
      Jetzt macht man mit etwas Neuen Auflage.

      Nach dem Lesen des Artikel weis ich jetzt, dass für einen Erwachsenen „die Tagesdosis“ 8 ½ Eier nicht überschreiten sollte. 🙂

      P.S.: Ich kaufe meistens die Eier beim ansässigen Hühnerhalter. Die schmecken auch viel besser.

    • Thorsten,

      die Gleichgültigkeit ist ebenso Richtung Aufrüstung, Bildung, Gesundheitswesen, im Gegensatz zum voll fütterten Bauch!
      Rein schieben ohne Sinn und Verstand…Hauptsache satt! Und wenn dann der Gourmet richtig los legt, dann heißt es Frösche in Deckung gehen, Büffel weg laufen etc etc , die Quälerei ist ja schon weiter verbreitet als man denkt!

    • „…die Quälerei ist ja schon weiter verbreitet, als man denkt“ – das kann man wohl sagen. Genauso weit wie die Lüge.

    • schwarz ist weiß, ja klar, die MSM stürzen sich auf Themen, die sie reißerisch ausschlachten können, um Auflage bzw. Quote zu machen, da gebe ich Ihnen recht.
      Aber im Artikel von Herrn Knöller wird der Eindruck erweckt, als sei die Fibronil-Angelegenheit ziemlich unbedeutend, und das ist sie halt nicht. Denn sie zeigt schlaglichtartig, unter welch grausamen und damit eigentlich verbrecherischen Methoden tierische Lebensmittel erzeugt werden. Die Tiere erhalten Gift zum Essen, gerade mal soviel, daß die Giftmenge zum Zeitpunkt ihres erbärmlichen Todes noch nicht den von der Politik erlaubten Grenzwert überschreitet. Diese wichtige Information steckt im Fibronil-Skandal, und das sollte man nicht verniedlichen. Wenn diese Botschaft durch den Medien-Zauber einigermaßen klar bei den Menschen ankommt, dann ist das aus meiner Sicht positiv.

    • Dieser Medien-Zauber wrikt nur nicht so lange.
      Das die Massentierhaltung das Hauptproblem ist, ist klar.
      Der Begriff Hühner-KZ ist zutreffend. Was erwartet man da?
      Übrigens ist Öko nur minimal besser. Da will man auch Geld verdienen.
      Es geht um Kostendruck und Konkurrenz. Die Hühner sind nur noch Mittel zum Zweck.
      Sogar Vertreter der Veterinärämter reden die Sache klein.
      z.B. es wäre ein alter Bestand (Hühner haben kaum noch Federn), aus dem Bestand müssten die kranken u. toten Hühner aussortiert werden u.s.w.
      Und dann wird der ganze Mist noch quer durch die Welt gefahren.
      In Packungen, mit dem Aufdruck „in Deutschland hergestellt“ sind NL-Eier drin. (Kaufland)

      Die Zuschauer werden gelenkt.
      Siehe „Dieselskandal“.
      Wirkliche Ursachen werden nicht genannt. Konsequenzen –> Fehlanzeige. Ist ja Alles im „grünen Bereich“.
      Zur Not wird er (der Bereich) angepasst., dass die Wirtschaft läuft.
      Vieles verläuft im Sand und dann wird weiter gemacht. Verantwortliche gibt es selten.

      Die Botschaft der Medien ist „wir kümmern uns“ – zumindest um das, was direkt sichtbar ist.
      Der nächste Lebensmittelskandal ist bestimmt schon in der Pipeline.

  3. Ihr naiver Glaube an Grenzwerte ist rührend. Aber selbst wenn man davon absieht, dass Grenzwerte oft recht willkürlich festgelegt werden, muss man bedenken, dass wir jeden Tag eine unüberschaubare Zahl an Giftstoffen zu uns nehmen, die alle für sich genommen unter irgendwelchen Grenzwerten liegen. Für die Gesamtbelastung des Organismus durch die Kombination dieser ganzen Gifte gibt es weder Grenzwerte, noch ist irgendwer daran interessiert deren Auswirkungen zu untersuchen.

  4. „…In der Europäischen Union gilt seit 2007 eine Zulassung von Fipronil ausschließlich zur Saatgutbehandlung, die zum 31. Juli 2018 ausläuft. ..“
    Ist es denn nachgewiesen, dass Tiere (Hühner) direkt mit Fibronil behandelt und von Parasiten „befreit“ wurden? Oder könnte es nicht auch sein, dass Hühner, die naturgemäß Saatgut mit zulässigem Fibronil-Zusatz vertilgen, nicht auch dieses Insektizit über Körner zu sich genommen haben?

    Dann wäre es kein Skandal, sondern ist ganz legal bis zum Ablauf der EU-Zulassung zum 31.Juli 2018.

    Hauptsache die Rendite stimmt, denn „… Bayer veräußerte die Rechte an Fipronil und einigen Akariziden/Fungiziden 2003 an die BASF weiter, der Gesamtwert der Akquisition wurde auf 1,33 Milliarden Euro beziffert.“

    Insekten wussten wohl schon länger, dass unsere Äcker längst Sondermülldeponien der Chemie-Industrie sind.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Fipronil

    • Mit den Körnern aufgenommen? Wenn es eine Zulassung ausschließlich zur Saatgutbehandlung ist, dann bekommen die Hühner das nicht zu fressen. Saatgut ist kein Futtermittel. Saatgut ist ausschließlich zum Aussäen.
      Es wurde ja sogar im Radio gebracht, dass die Ställe mit Fibronil behandelt worden sind. Außerdem sind jetzt auch schon anderswo vergiftete Eier aufgetaucht. Man kann davon ausgehen, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist.

Hinterlasse eine Antwort