Tagesdosis 17.8.2018 – Falsche Flagge gegen Iran? (Podcast)

Ein Kommentar von Rainer Rupp.

Ende letzten Monats ging unter Berufung auf einen Bericht eines australischen Senders die Warnung rund um die Welt, dass der Tiefe Staat in Washington mit der Hilfe von australischen und britischen Komplizen einen Angriffskrieg gegen Iran vorbereitet. Noch in diesem Monat August, so die Berichte, wollten die Kriminellen in Nadelstreifen-Anzügen mit ihren Menschenvernichtungsmachinen losschlagen, um – so das Urteil des Nürnberger Tribunals gegen die Nazis – ein weiteres Mal das „schlimmste aller Verbrechen“ zu begehen, nämlich einen Angriffskrieg zu führen.

Sollte es tatsächlich zu diesem Krieg gegen Iran kommen, dann wird natürlich die westliche Öffentlichkeit von den brutalen Fakten dieser Aggression geschützt werden. Die ungeschminkte Wahrheit dieser Kriege, die aus einer Mischung von Menschenverachtender Machtgeilheit gepaart mit geo-strategischen und wirtschaftlich lukrativen Interesses geführt werden, kann man zu Hause dem auf Humanitätsduselei getrimmten Wahlvolk nicht zumuten. Allein deshalb muss ein Krieg gegen Iran, auf den sich die von Deutschen gehätschelte israelische Regierung besonders freut, als humanitäre Operation dargestellt werden.

Aber das allein wird für die Durchführung einer „robuste“ Intervention, wie es im NATO-Jargon heißt – nicht mehr reichen, denn große Teile der Bevölkerung sind misstrauisch geworden, was man ihnen angesichts der „humanitären“ Zerstörung des libyschen Wohlfahrtsstaates und der Gesellschaft des Landes durch die westlichen Verbrechergemeinschaft nicht verdenken kann. Um dennoch einen Krieg gegen Iran rechtfertigen zu können, musste schon eine spektakuläre, unter falscher Flagge gegen die USA geführte Operation her. Und zwar eine Operation, die von derart abscheulichen Umständen begleitet ist, dass die ganze „zivilisierte“ Welt des Westens vor Empörung aufschreit und die Bestrafung Teherans fordert.

In der Tat warnte der US-Armee Oberst Douglas Macgregor am 25. Juli dieses Jahres auf im populären US-TV-Sender „VOX“ die US-Öffentlichkeit, dass die zionistischen, neokonservativen Kriegstreiber in den US-Geheimdiensten mit einer „Falschen Flagge Operation“ gegen US-Streitkräfte im Persischen Golf Präsident Trump in einen Schießkrieg gegen Iran hineinmanipulieren könnten. Was mit dem Präzedenzfall im Golf von Tonkin funktioniert hat, um den US-Bombenkrieg gegen Nordvietnam zu rechtfertigen, könnte doch genauso gut im Persischen Golf wieder funktionieren. Und so abwegig ist diese Überlegung nicht, denn tatsächlich hatten zivile US-Strategen im Auftrag von Präsident George W. Bushs Vize-Präsident Dick Cheney von etwa 10 Jahren genau einen solchen Plan konzipiert.

Anfang August 2008 berichtete der renommierte US-amerikanische Journalisten Seymour Hersh, dass die Bush-Administration vor kurzem über Plänen gebrütet habe, um mit einer „falschen Flagge“ Operation einen Krieg gegen Iran vom Zaun zu brechen. Für die, denen der Namen Hersh nichts sagt, er ist der mutige investigative Journalist, dem die Aufdeckung einer langen Reihe von US-Regierungsverbrechen zu verdanken ist, vom Massaker der Auslöschung des vietnamesischen Dorfes My Lai 1988 bis zur US-Folterpraxis in irakischen Gefängnis Abu Ghraib 2004.

Diesmal berichtete Hersh von einer internen Beratung der Bush-Regierung, wie man einen legitimen Kriegsgrund gegen Iran provozieren könnte. Das Treffen habe im Büro des US-Vizepräsidenten Dick Cheney unter Beteiligung hochrangiger Militärs und Zivilisten stattgefunden, und zwar knapp zwei Monaten nach dem weit überzogenen Zwischenfall im Persischen Golf, bei dem der Kapitän eines US-Flugzeugträgers fast das Feuer auf fünf kleine iranische Schnellboote einer Küstenpatrouille freigegeben hätte, die seines Empfindens dem US-Schiff zu nahe gekommen waren.

Bei der Besprechung sei ein „Duzend Ideen“ diskutiert worden, wie man den Krieg starten könnte. Cheney persönlich habe dabei vorgeschlagen, „auf amerikanischen Werften 4 oder 5 der iranischen Schnellboote nachzubauen“, damit sie „wie iranische Boote aussehen“ und sie dann mit US-Spezialeinheiten der „Navy Seals“ zu bemannen und „mit jeder Menge Waffen“ auszurüsten. „Das nächste Mal, dass eines unserer Schiffe durch die Straße von Hormus fährt, greifen sie (die Schnellboote) an und es kommt zu einem Feuergefecht“, habe Cheney laut so Hersh ausgeführt.

Nach langen Diskussionen habe sich der Vizepräsident mit seiner Idee schließlich doch nicht durchsetzen können. Der Grund sei angeblich der gewesen, dass dabei US-Amerikaner von US-Amerikanern getötete worden wären, so Hersh. Wahrscheinlicher aber war, dass die US-Militärführung, die einen Krieg gegen Iran damals gernau so abgelehnt hat wie auch jetzt, diesen Vorwand genutzt hat, um Cheneys Plan zu torpedieren.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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