Tagesdosis 17.9.2018 – Lieber deutscher Staat des Großkapitals…(Podcast)

Ein Kommentar von Susan Bonath.

eine Woche ist herum. Eine Woche, in der du uns wieder deutlich gezeigt hast, auf wessen Seite du stehst. Auch wenn das Gros der Insassen deines waffengewaltig durchgesetzten spätkapitalistischen Arbeitshauses es nicht wahrhaben will: Deine Auftraggeber sind die Banken und Großkonzerne. Deren Interessen sind es, die du unter dem Deckmantel des Rechtsstaats mithilfe deiner bezahlten Knüppelgarden durchsetzt.

Wenn Faschisten und ihre Sympathisanten zu Tausenden durch Chemnitz oder Köthen marodieren und Menschen bedrohen, fehlt es dir angeblich an Polizeikräften. Wenn irgendwo ein Anschlag verübt wird, führt am Ende immer irgendeine Spur in deine gut gesicherten Geheimdienstbunker. Frauen und Kinder kannst du nicht vor Übergriffen schützen. Doch wenn der Energieriese RWE ruft, stehst du in voller Montur parat.

3.500 bewaffnete Cops konntest du letzte Woche gegen 150 Waldschützer im Hambacher Forst hetzen. Mit schweren Geschützen, Knüppeln und Kabelbindern kamen deine Sturmtrupps daher. Abstruse Erklärungen hast du dir für die Öffentlichkeit einfallen lassen: Ihre seit teils sechs Jahren bestehenden Baumhäuser entsprächen nicht der Brandschutzordnung. Grüße aus Absurdistan. Man könnte lachen. Doch den Dutzenden Verletzten, Verhafteten und vielen anderen dürfte das Lachen im Halse stecken geblieben sein. Adieu Wald. Adieu Lebensraum. Willkommen Wüstenlandschaft der Maximalprofite – für RWE.

Du weißt, wie es um unsere Umwelt bestellt ist. Die Schrottberge der kapitalistischen Überproduktion wachsen, während Milliarden Menschen hungern. Die Meere sind längst zu Müllkippen mutiert. Wo früher Wald war, ist heute Wüste. Hitzewellen rollen, die Dürre ist auch bei uns in Mitteleuropa angekommen. Die grüne Lunge stirbt. Die Plünderungsorgien deiner Auftraggeber rauben uns die Luft zum Atmen.

Das müsste nicht so sein. Längst kann der Mensch genügend Energie aus Sonne, Wind und Wasser gewinnen. Das ist dir egal. Denn wir haben Kapitalismus. Alles muss Profite in die Taschen der Eliten spülen. Sie sind – mit deiner Hilfe – geradewegs dabei, das letzte aus unserem fliegenden Raumschiff heraus zu pressen. Zum Preis des Lebens. Die Megamaschine rollt in die Barbarei. Der Eisberg ist gerammt. Du und die anderen Staaten, ihr sorgt dafür, dass die Musiker weiterspielen.

All die Gewalttäter, über die sich so viele aktuell hysterisch echauffieren, haben doch in Wahrheit dich als Vorbild. Du spielst uns Demokratie vor. Mit einem Parlament, das es »Vernunft« nennt, von dir gemachte Eigentumsrechte für Finanzkapitalisten wie RWE gewaltsam durchzusetzen. Nicht nur in Deutschland. Du hast ja noch deine Armee. Letzte Woche präsentierte sich ein Großteil deiner Repräsentanten besonders kriegslüstern. Als könnten sie es kaum erwarten, dass jemand in Syrien Chemiewaffen einsetzt. Du willst bombardieren, Maximalprofite deiner Auftraggeber – unbedingt.. Zivile Opfer waren dir schon immer egal.

Ob teures Aufrüsten deines Militärs oder Subventionen für die Bonzen, ob prunkvolle Elitengipfel oder Kriegsübungsstädte mit allem Schnickschnack, ob hohe Diäten, Gehälter und Pensionen für deine Pressesprecher oder hunderte Milliarden für die Bankenrettung – dafür hast du immer Geld. Wenn Insassen deines Arbeitshauses Flaschen sammeln oder unter Brücken schlafen müssen, juckt es dich nicht.

Zehntausende Straßenkinder in Deutschland halten dich nicht davon ab, die Exportüberschüsse bis auf den letzten Cent in die Rachen der Reichen zu stopfen. Millionen Flüchtlinge stoppen nicht deine Raubzüge im Verbund mit der NATO in den Neokolonien der imperialistischen Zentren. Nur wenige scheint das aufzuregen. Denn erfolgreich hast du deinen Sklaven die Lügenstory aufgetischt, ein Staatshaushalt funktioniere wie Oma Ernas Portemonnaie.

Dein Verfassungsschutzchef hat dein Sklavenheer dazu gebracht, stattdessen tagelang hysterisch darüber zu debattieren, ab wann man Pöbeleien, Drohungen und Angriffe Hetzjagd nennen solle. Und plötzlich haben viele Lohnsklaven den Hans-Georg Maaßen ganz doll lieb. Also wir reden hier von dem Oberguru deines Geheimdienstes, der nicht nur knietief im NSU und Sachsen-Sumpf steckt.

Als kurz vor dem Wochenende aufgeflogen war, dass Maaßen die Partei der verlustängstlichen deutschen Mittelstandskapitalisten namens AfD mit geheimen Infos versorgt hatte, auf eine Art  und Weise, wie es die Polizei seit Jahren mit Pegida und diversen Nazikameradschaften tut, regte sich fast niemand auf. Du weißt ja ganz genau: Dein Sklavenheer gibt sich mit Feindbildern zufrieden, auf die es treten kann: Hartzer und Flüchtlinge. Man wird ja mal seine Wut ablassen dürfen. Die Bonzen stehen schließlich unter deinem Schutz.

Ja, es ist dir perfekt gelungen, den Arbeitsfetisch in die Köpfe deiner Untertanen zu hämmern. Nur wer sich demütig möglichst billig bei deinen Auftraggebern verdingt, dabei adrett, am besten blond und blauäugig daher kommt, ist kein »Sozialschmarotzer«. Da sind wir wieder beim Märchen von Oma Ernas Geldbörse.

Lieber deutscher Staat des Großkapitals, was für ein Glück hast du doch, über so viele Vasallen zu verfügen. Vasallen, die tun, was du ihnen aufträgst, für ein paar Krümel aus den Fresstöpfen deiner Finanziers. Voller Angst um ihren Status, ohne sich zu fragen, wie es funktioniert. Vasallen, die deinen pseudo-ökonomischen Aberglauben wie religiöse Fanatiker in ihrer Hirnsubstanz verankert haben. Vasallen, die es richtig finden, wenn deine Polizei, wie letzte Woche in Duisburg und Stuttgart, Hartz-IV-Beziehern auflauert, um zu prüfen, wer von ihnen ein in deinen Augen zu teures Auto fährt. Die dir zujubeln, wenn die Polizei die Wagen beschlagnahmt und die Betroffenen strafverfolgt. Sollen Hartzer doch zu Fuß gehen.

Ja, du hast richtig Glück mit deinen Vasallen, die mutige Aktivisten wahlweise als Kriminelle oder Spinner deklarieren und sich über irgendwelche Kosten von Polizeieinsätzen wie wild geworden aufregen. Die nicht checken, dass diese Aktivisten auch ihre Umwelt vor deinen Räubern schützen wollen und sich dabei deinen Waffen entgegenstellen. Du verfügst über ein wahrhaft riesiges Heer strammer Pressesprecher, die nachplappern, was du als Obersklavenhalter ihnen in Schulen und Universitäten hast eintrichtern lassen.

Dank dir, und deiner Propaganda,  lieber deutscher Staat des Großkapitals, bleibt alles, wie es ist. Und die plündernde Megamaschine rollt weiter. Geradewegs in die Barbarei.

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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2 Kommentare zu: “Tagesdosis 17.9.2018 – Lieber deutscher Staat des Großkapitals…(Podcast)

  1. Sehr schön geschrieben Frau Bonath.
    Fortschritt wäre der größte Verzicht, dem man sich aussetzen dürfte.
    „Ich habe einen Traum. Es gäbe abhängige Beschäftigung und keiner ginge hin.“
    Vielleicht wäre das Erlernen von Freude ohne Vermögenswertem ein guter Anfang.

  2. Sehr geehrte Frau Bonath,
    sehr geehrtes KenFM Team,
    nachdem bereits auch ein Herr Jebsen Fehler zur eigenen Wahrnehmung der Ereignisse in Chemnitz einräumte,
    erstaunt mich die Veröffentlichung der heutigen Tagesdosis doch schon.
    Grundsätzliche inhaltliche Darstellungen sind durchaus zutreffend, aber der Tenor am Satzanfang des zweiten Absatzes zeugt aus meiner Sicht von einer völligen Unkenntnis und damit Falschdarstellung der tatsächlichen Geschehnisse.
    Tagesdosis ist wie angegeben nicht unbedingt Meinung von KenFM, entspr. Fußnote, aber eine sachliche Darstellung
    von realen Tatsachen wünsche ich mir schon für dieses ansonsten sehr gute KenFm Portal.

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