Tagesdosis 18.04.2018 – Das Trauma der Erziehung und sein Gehorsam (Podcast)

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Wenn man so durch die Bücherregale der populären Psychologie streift, fällt einem auf, dass das Thema des Traumas so gut wie nie Beachtung findet. Jetzt kann man ja meinen und dagegen einwenden: Wozu auch. Wozu sollten sich viele Psychologen-Autoren mit dem Thema des Traumas beschäftigen? Traumen kommen selten vor und nur wenige Menschen leiden unter ihnen. Das aber ist ein falsches Bild. Stellen wir uns einmal vor, ein Therapeut würde behaupten, dass alle Menschen unter Traumen leiden. Er würde sagen: Unsere Gesellschaft produziert in so gut wie allen Menschen Traumen. Zwar keine Post-Traumatischen-Störungen, aber Traumen. Und zwar vielerlei von Traumen. Was würden wir so einem Therapeuten entgegenhalten? Das er spinnt? Das er nichts vom Menschen versteht?

Ich bin so ein Therapeut und behaupte schon seit Jahren, dass wir alle unter einer Vielzahl von Traumen leiden. Ein Trauma ist eine seelische Irritation, die auf Gewalteinwirkung folgt. Den Anfang unserer Traumainfizierung macht unsere Erziehung. Wir alle werden erzogen. Meistens von unseren Eltern. Und diese ziehen unsere seelischen Zustände, Erwartungshaltungen und Bedürfnisse von klein auf in ihre Richtung. Und das ist der springende Punkt. Sie verstehen entweder nicht, was das kleine Kind will und bestimmen so die Richtung, in die unser Verhaltensresultat und unser ganzes Gehirn konditioniert wird, beziehungsweise wurde, oder wir bestätigten über unser Liebesbedürfnis zu unseren Eltern unser Verhalten selbst. In beiden Situationen aber wurden wir abgewertet und nicht gesehen. Wir folgen ihnen. Uns zu folgen wird uns verwehrt. Aufgabe von Erziehung und Pädagogik auch heute noch ist, das sich der Wille des Kindes nicht durchzusetzen hat. Das Gegenteil von solcher Erziehung ist Beziehung. Aber darüber, ein anderes Mal mehr.

Jetzt kann man einwenden, dass das, was ich geschrieben habe, Blödsinn sei, denn alle machten das ja so und schlimm war das sicher nicht. Das aber ist ein Irrtum, ein großer Irrtum sogar. Denn wir passten unser Verhalten an unsere Eltern nur aus einem einzigen Grund an. Weil wir geliebt werden wollen, von unseren Eltern. Daher ließen wir geschehen und weil wir nicht wussten, zu was das später einmal führen würde. Diese Anpassung, die wir eingingen, weil wir geliebt werden wollten, entfernte uns von dem, was wir wirklich hätten werden können. Und so sind die meisten Menschen eine bloße Kopie oder, wie es der Biologe Gerald Hüther oft sagt, nur eine Kümmerversion dessen, was aus uns hätte werden können.

Der Psychoanalytiker Sándor Ferenczi beschreibt diesen Vorgang wie folgt: „Kinder fühlen sich körperlich und moralisch hilflos, ihre Persönlichkeit ist noch zu wenig konsolidiert, um auch nur in Gedanken protestieren zu können, die überwältigende Kraft und Autorität des Erwachsenen macht sie stumm, ja beraubt sie oft ihrer Sinne. Doch dieselbe Angst, wenn sie den Höhepunkt erreicht, zwingt sie automatisch, sich dem Willen des Angreifers unterzuordnen, jede seiner Wunschregungen zu erraten und zu befolgen, sich selbst ganz vergessend, sich mit dem Angreifer vollauf zu identifizieren.“

Das, was Ferenczi vor fast einhundert Jahren beschrieb, beschreiben wir heute mit einem Trauma. Wichtig zu verstehen ist der Unterschied zur damaligen Zeit, in der ganz sicher erheblich strenger erzogen wurde. Doch das macht in dem, was ich hier versuche zu beschreiben, nicht wirklich einen Unterschied. Wichtig bleibt, dass der Wille des Kindes gebrochen werden muss. Er darf sich nicht durchsetzen. Ein Mensch ist nicht, er muss werden. Durch die Eltern, den Kindergarten, die Schule, die Arbeitswelt, durch die politische Formung und die Gesellschaft im Ganzen. Genau das nennen wir auch heute noch Erziehung. Es geht dabei darum, dass die Kinder den Regeln der Erwachsenenwelt folgen, möglichst alternativlos. Es ist nicht etwa so, dass die Erwachsenen den inneren Wünschen der Kinder folgen und zusehen, dass sie ihre Wege wirklich erkennen und machen. Alles ist vorgegeben und zu allem, was wir uns vorstellen, was aus Kindern zu werden hat, gibt es eine elterliche Handlungsvorgabe. Und genau hierin entwickeln sich zunächst bei Kindern Traumen, dann weitere in Schule und Arbeitswelt. Und zwar so, dass wir sie schon gar nicht mehr fühlen, wenn wir die Schulen verlassen. Bei fast allen Erwachsenen herrscht das Bild vor, dass Kinder Menschen werden müssen. Sie sind es zunächst nur rudimentär. Das, was uns aber ausmacht, das müssen sie zuerst noch lernen. Ich habe schon lange damit aufgehört, an so einen Unsinn zu glauben. Denn das stimmt einfach nicht. Kinder bringen schon alles mit, wenn sie geboren werden. Was sie brauchen ist eine starke, liebevolle Beziehung. Der Rest wird sich dann bei den meisten Kindern von ganz alleine entfalten. Damit ich nicht missverstanden werde. Eltern machen nur das mit ihren Kindern, was sie selbst schon erlebten. Und sie glauben, es wäre richtig so. Ihre Konditionierung ist in diesem Lichte betrachtet ein Handeln im guten Glauben und durch Tradition.

Erich Fromm sprach in diesem Zusammenhang immer vom „angepassten Menschen“. Er sagte einmal, dass nicht die vermeintlich Gesunden gesund sind, sondern das der Kranke, der, der seinen Schmerz erkennt, dass dieser Mensch gesund sei und dass die anderen Menschen, die, die schon gar nicht mehr merken wie angepasst sie sind, dass genau diese Menschen krank sind. Damit hat Fromm recht. Und weil das natürlich dem kranken, dem angepassten Menschen nicht schmeckt, negiert er solches oder tut es als Blödsinn ab. Unsere Gesellschaft konditioniert unsere seelischen Krankheiten, weil sie den angepassten Menschen, den Informationssoldaten, den Arbeitssoldaten, den Parteisoldaten, den Hierarchiegläubigen, den Religionsfetischisten, den Schuldenmacher und den Bedürfnissüchtigen produziert. Unsere Gesellschaft ist krank. Wir alle, im Verbund der ganzen Menschheit, machen diese Gesellschaft krank. Allerdings sind wir auf eine Weise krank, die wir als gesund erachten und wir denken, bei einem gesunden Menschen, dass dieser krank ist. Der Leipziger Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz spricht hier vom Normopathen. Normopathen leiden an der Normopathie – ohne dies allerdings auch nur ansatzweise zu erkennen.

Diese Krankheiten, die wir über unsere erlebten Traumen bekommen, erzeugen einen Terror im Kopf bei uns allen, den wir mittels ersatzbefriedigender Güter in einen Materialismus verwandelt haben, mittels dessen wir sogar die Gesetze der Welt zu deuten beabsichtigen. Unsere Philosophie, Physik und Biologie ist voll umfangreicher Ergebnisse dieser rein materiellen Welt. Wir hören auf zu fühlen, wir fangen an, nicht mehr mitzufühlen. Und das ist unsere schlimmste Krankheit. Alexander von Humboldt, Darwins Vorbild, sprach noch vom „Naturgemälde“. Dies war eine fühlbare ganze Natur. Nicht eine rein messbare, zerstückelte und empirische Natur.

Wie ist es möglich, dass der US-Präsident ein Land bombadiert und sein Establishment dabei klatscht, ihn jetzt, endlich, als wirklichen Präsidenten lobt. Mit Irrsinn oder Wahnsinn hat das wenig zu tun. Das sind seine Symptome. Seine Ursache ist Gefühlskälte. Abnabelung vom Lebendigen, würde Bernd Senf wohl sagen.

Wer traumatisiert wird, dem frieren seine Gefühle allmählich ein. Therapeuten sprechen hier von „frozen“, vom einfrieren der Gefühle. Die ganze Kette an herrschaftsgebundenen Antrieben wird dabei offengelegt, wenn Menschen nicht zu stark traumatisiert werden. Diese ganze seelische Zerschnittenheit über kleinere Traumen wurde im Projekt „MK-Ultra“ offengelegt und an sehr vielen Studenten missbraucht. Menschen, die in unserer und auch in anderen Kulturen geboren werden, werden an das gesamte Herrschaftsprinzip angepasst. Das ist der Zweck der vielen kleinen Traumen, die wir alle erleiden. Unsere Empfindungen und Gefühle werden von uns selbst abgeschnitten, so dass wir etwas werden, was, ich benutze jetzt eine Metapher, sich vom dem, was wir sein könnten, nämlich ein wirklicher Mensch, erheblich unterscheidet. Wir werden nicht mehr selbstbestimmt, nicht mehr eigenständig, nicht mehr selbstverantwortlich und innerlich kraftvoll, sondern wir werden eine Hülle, die nur noch gehorcht und tut, was andere uns vorgeben. Das ist die Konditionierung und dafür sind diese vielen Traumen ein Werkzeug. Nehmen wir dieses Bild einmal ernst, so könnten wir auch von einem Missbrauch der gesellschaftlichen Systeme und der Politik sprechen. Sie alle missbrauchen uns. Gleichfalls aber sind wir auch Nutznießer. Vertrackt.

Das soll jetzt keineswegs heißen, dass da eine geheime Gruppe ist, die das will und uns lenkt. Das ist es nicht! Wir alle haben diese Gesellschaft erschaffen. Und folglich werden wir in ein vorgefertigtes Konzept hineingeboren. Wer dort hineingeboren wird, der nimmt das erst einmal über den Kornformitätsdruck der Massen als wahrhaftig und gegeben an. Wir tradieren diese Vorstellung an unsere Nachfahren und somit wird das alles dann nicht mehr hinterfragt und als normal abgetan. Wir sind nicht mehr in der Lage, den Betrug zu erkennen. Eher heißt es dann: „Ein Junge weint doch nicht, ein Mädchen soll gehorsam sein und tun, was von ihr erwartet wird“.

Unsere selbst eingestandene Normalität ist nicht normal. Streng genommen ist sie eine Pervertierung unserer inneren Anlagen. Unsere Werte sind krank. Unsere Art zu leben ist eine Katastrophe für fast alle, denen das Leben eingehaucht ist. Wir erfinden dazu Krankheiten, die wir heilen wollen. Doch ein Großteil dieser Heilversprechen drängt wieder in Reihe und Glied zu stehen, gehorsam zu sein, der Autorität zu folgen und den Terror in unseren Köpfen zu verdrängen. Je älter wir in dieser Gesellschaft werden, desto abgestumpfter und gefühlskälter werden wir. All das ist nicht der Mensch, der er wäre, wäre er tatsächlich identisch mit seinen inneren Anlagen. Und wer das laut sagt, der gilt als gestört, als verdreht im Kopf und als verstörend für die Meisten.

Ich denke, Jesus war ein Spiegelträger. So nenne ich ganz privat die Menschen, denen es gelingt, den Menschen einen Spiegel ihres Innersten vorzuhalten. Es gibt auch heute noch zahlreiche Spiegelträger. Leute also, die sich darauf verstehen, den Menschen ihre wahre Natur aufzuzeigen. Wie zu Zeiten Jesus werden solche auch heute noch an ein Kreuz genagelt, an ein virtuelles Kreuz. Wilhelm Reich nannte diesen Vorgang nicht ohne Hintergedanken „die emotionale Pest“. Die traumatisierte Gesellschaft kann darin, ihrer Natur gemäß, auch nichts wertvolles für sich erkennen. Denn um das zu erkennen, muss man mutig sein. Sehr mutig sogar. Lässt man das Erkennen dieses tatsächlichen Zustandes wirklich zu, lässt man also den echten Schmerz dieses eigenen menschlichen Verlustes zu, so ist er ziemlich allumfassend. Doch wenn man ihn zulässt, dann kommt mit der Zeit echte Liebe. Diese wird einen umfließen wie nichts anderes zuvor. Und das ist die wahre Natur der Menschen, es ist auch Deine Natur. Bei aller Abwehr und Verdrängung und dem Wunsch, es nicht wahrhaben zu wollen. Und bei aller Deutung, dies sei Geschwurbel oder Scharlatanerie. Auch das ist ein Zeichen von Traumaidentitätsbindung. Denn das tun wir auch. Nach langer Zeit in unserem Leben sind wir davon überzeugt, dass alles richtig und normal ist, wie es ist. Wir, besser gesagt, unsere Gehirne müssen uns so etwas vorgaukeln, denn ohne irgendeine „Identitätsbindung an sich“ sind wir nicht lebensfähig.

In diesem kurzen Text kann das Gesagte nur zu wenig sein, um zu beschreiben, was ich hier versuche. Wir alle sind in einem System gefangen, dass wir nur schwer durchschauen. Wir durchschauen die Tücken anderer Systeme oder Menschengruppen sehr scharf. Wir durchblicken auch den ganz großen Betrug. Doch warum wir so wurden wie wir sind, das halten fast alle Menschen für normal. Das aber ist der wahre und mächtigste aller Feinde. Ihn im Außen zu suchen und zu glauben, man habe ihn ja gefunden, ist eine sehr mächtige Verdrängungsstrategie. Denn da wir ihn in uns verdrängen, projizieren wir ihn im Außen. Das ist der Kern menschlicher Destruktivität. Von ihm aus geschieht alles Übel dieser Welt und in ihm steckt das, was ich die Fratze der Gewalt nenne. Sie, die Fratze, ist ein Abbild von uns allen als ein einziges, identitätsstiftendes Abbild unserer normopathischen Pathologie.

Ich weiß, das zu glauben, oder sich dafür im Hirn fit zu machen, um genau das zu erkennen, ist wohl das Schwierigste, zu was Menschen bereit sein können. Uns den Unterschied zwischen dem Sein und dem Haben klar zu machen, dazu hat uns Erich Fromm aufgerufen. Und aus unserer jeweiligen Haben-Kultur heraus ist die ganze menschliche Destruktivität entstanden. Bis heute. Sich diesen Werkzeugkoffer zuzulegen hat uns Arno Gruen geraten, damit wir den ganzen lebensfeindlichen und destruktiven Mist aus unseren Hirnen bekommen. Das Manko dabei ist nur, dass die meisten Leute das für Blödsinn halten. Und so hadern sie mit all den bösen Dingen, zu denen sie selbst aber im Gehorsam stehen. Sie brechen nicht aus, passen sich an, an Hartz IV, an die Arbeitslosigkeit, an den Krieg, an Scheidungen, an das Smartphone, an Hollywood, an einen bescheuerten Führer nach dem anderen, an Krebs, an das Hamsterrad, an Schulden, an Wahlen, an Betrug und Lüge, an die Eliten, an Armut, an Hunger und an Sklaverei, an Abhängigkeit, an Pfändung und an Fiatmoney.

Unser Opfer in dieser Gesellschaft ist unser Lebendigkeit. Diese ist die unbeugsamste aller Kräfte, zu der ein Mensch fähig ist – nicht die Langhantel mit 500 Kilogramm Gewicht. Doch wenn ein Fremdkörper von uns Besitz ergreift, die Autorität, dann bleibt das Eigene in uns, was wir sind, fremd und abgespalten. Und es wird als unnatürlich empfunden. „Mut, Herz und offenes Denken sind die Kräfte, die den Gehorsam besiegen“, schreibt Arno Gruen. Sich selbst dahin zu wandeln, ist viel wichtiger, als die Bomben zu zählen, den Bösen zu verfolgen oder sich in der eigenen Angst zu ergehen. Du musst es tun. Kein anderer. Denn niemand wird es für dich tun. Den Wandel der Gesellschaft wirst du nur erleben, wenn du dich wandelst und selbst zu dem wirst, was du erwartest oder erhoffst. Es gibt zum Besseren keine Alternative. Niemals wirst du etwas besseres erreichen für dich, wenn du den Bösen im Außen zu finden glaubst. Wenn du einen Zaun um dich spannst und glaubst, das du den anderen zum Führer deiner Interessen machst. Er wird dann zwar Führer. Führen wird er dann allerdings wirklich dich. An deiner Nase herum.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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2 Kommentare zu: “Tagesdosis 18.04.2018 – Das Trauma der Erziehung und sein Gehorsam (Podcast)

  1. Nach diesem sehr hintergründigen Beitrag frage ich mich, was wir alles falsch gemacht haben. Meine Kinder leben ihre sehr unterschiedlichen Leben und unterstützen sogar die Friedensbewegung und KenFM. Und doch muss ich mich irgendwie schuldig gemacht haben, nur wo und was? Oder habe ich nur selbst gelebt und Kinder gehabt?
    Unser biologisches Betriebssystem allein reicht nicht allein zum Leben. Ein religiös- oder mafiös-autoritär geprägtes Betriebssystem („Memplex“) prägte unsere leidvolle historische Entwicklung. Spätestens seit der Aufklärung suchen wir neue Bildungsformen für unseren Nachwuchs. Es wäre schön, wenn in einem Folgebeitrag die hier gesäten Selbstzweifel durch konstruktive Vorschläge für den Fortbestand unserer Gesellschaft ergänzt werden.

  2. Hallo, Herr Lenz,

    wieder muss ich Ihnen ein grosses Kompliment zu Ihrem Artikel machen.
    Wie schon einmal in einem früheren Kommentar von mir gesagt, sind Sie,
    aus meiner Sicht, einer der ganz Wenigen, der die aktuelle gesellschaftliche
    Situation von der psychologischen Seite her sieht.
    Ein anderer Autor, der sich auch des Themas psychologisch annimmt ist,
    der von Ihnen zitierte, Hans-Joachim Maaz.

    Meiner Meinung nach kann das Menschwerdungs-Problem auch nur von der psychologischen Seite
    her gelöst werden. Die Erziehung (ich mag dieses Wort nicht, es klingt sehr nach
    Dressur) sollte das Selbst-Bewusstsein der Menschen fördern. Das ‚Selbst-Bewusstsein‘
    meine ich im Wortsinn. Der Mensch muss wieder ‚Selbst-Bewusstsein‘ lernen. D.h.
    sich seines Selbst bewusst werden (oder besser: auf sein Selbst zurückgeführt werden)
    und sich nicht nur von äußeren Konditionierungen leiten lassen. (wie Sie es auch im Artikel sagen)
    Das setzt aber selbst-bewusste Eltern voraus, die ihre Kinder selbst-bewusst ‚erziehen‘.
    Und das ist das Problem.
    Ich denke, ein grosser Teil aller Erwachsenen müßte sich zu einer Therapie entschliessen,
    um aus dem Teufelskreis auszubrechen, da sie selbst nicht selbst-bewusst sind.
    Das setzt aber wieder einen Erkenntnisprozess voraus. Und der
    beginnt meist erst durch eine Krise, nicht durch intellektuelle Einsicht.
    Und damit bin ich wieder beim Leidensdruck. Solange der Leidensdruck der Gesellschaft
    nicht gross genug ist, gibt es keine Veränderung. Und das scheint mir die
    Strategie der Politik zu sein, die Gesellschaft an diesen Punkt des gerade
    noch erträglichen Leidensdruckes hinzuführen und genau dort zu halten.

    Herzliche Grüsse, Clara

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