Tagesdosis 18.04.2018 – Das Trauma der Erziehung und sein Gehorsam

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Wenn man so durch die Bücherregale der populären Psychologie streift, fällt einem auf, dass das Thema des Traumas so gut wie nie Beachtung findet. Jetzt kann man ja meinen und dagegen einwenden: Wozu auch. Wozu sollten sich viele Psychologen-Autoren mit dem Thema des Traumas beschäftigen? Traumen kommen selten vor und nur wenige Menschen leiden unter ihnen. Das aber ist ein falsches Bild. Stellen wir uns einmal vor, ein Therapeut würde behaupten, dass alle Menschen unter Traumen leiden. Er würde sagen: Unsere Gesellschaft produziert in so gut wie allen Menschen Traumen. Zwar keine Post-Traumatischen-Störungen, aber Traumen. Und zwar vielerlei von Traumen. Was würden wir so einem Therapeuten entgegenhalten? Das er spinnt? Das er nichts vom Menschen versteht?

Ich bin so ein Therapeut und behaupte schon seit Jahren, dass wir alle unter einer Vielzahl von Traumen leiden. Ein Trauma ist eine seelische Irritation, die auf Gewalteinwirkung folgt. Den Anfang unserer Traumainfizierung macht unsere Erziehung. Wir alle werden erzogen. Meistens von unseren Eltern. Und diese ziehen unsere seelischen Zustände, Erwartungshaltungen und Bedürfnisse von klein auf in ihre Richtung. Und das ist der springende Punkt. Sie verstehen entweder nicht, was das kleine Kind will und bestimmen so die Richtung, in die unser Verhaltensresultat und unser ganzes Gehirn konditioniert wird, beziehungsweise wurde, oder wir bestätigten über unser Liebesbedürfnis zu unseren Eltern unser Verhalten selbst. In beiden Situationen aber wurden wir abgewertet und nicht gesehen. Wir folgen ihnen. Uns zu folgen wird uns verwehrt. Aufgabe von Erziehung und Pädagogik auch heute noch ist, das sich der Wille des Kindes nicht durchzusetzen hat. Das Gegenteil von solcher Erziehung ist Beziehung. Aber darüber, ein anderes Mal mehr.

Jetzt kann man einwenden, dass das, was ich geschrieben habe, Blödsinn sei, denn alle machten das ja so und schlimm war das sicher nicht. Das aber ist ein Irrtum, ein großer Irrtum sogar. Denn wir passten unser Verhalten an unsere Eltern nur aus einem einzigen Grund an. Weil wir geliebt werden wollen, von unseren Eltern. Daher ließen wir geschehen und weil wir nicht wussten, zu was das später einmal führen würde. Diese Anpassung, die wir eingingen, weil wir geliebt werden wollten, entfernte uns von dem, was wir wirklich hätten werden können. Und so sind die meisten Menschen eine bloße Kopie oder, wie es der Biologe Gerald Hüther oft sagt, nur eine Kümmerversion dessen, was aus uns hätte werden können.

Der Psychoanalytiker Sándor Ferenczi beschreibt diesen Vorgang wie folgt: „Kinder fühlen sich körperlich und moralisch hilflos, ihre Persönlichkeit ist noch zu wenig konsolidiert, um auch nur in Gedanken protestieren zu können, die überwältigende Kraft und Autorität des Erwachsenen macht sie stumm, ja beraubt sie oft ihrer Sinne. Doch dieselbe Angst, wenn sie den Höhepunkt erreicht, zwingt sie automatisch, sich dem Willen des Angreifers unterzuordnen, jede seiner Wunschregungen zu erraten und zu befolgen, sich selbst ganz vergessend, sich mit dem Angreifer vollauf zu identifizieren.“

Das, was Ferenczi vor fast einhundert Jahren beschrieb, beschreiben wir heute mit einem Trauma. Wichtig zu verstehen ist der Unterschied zur damaligen Zeit, in der ganz sicher erheblich strenger erzogen wurde. Doch das macht in dem, was ich hier versuche zu beschreiben, nicht wirklich einen Unterschied. Wichtig bleibt, dass der Wille des Kindes gebrochen werden muss. Er darf sich nicht durchsetzen. Ein Mensch ist nicht, er muss werden. Durch die Eltern, den Kindergarten, die Schule, die Arbeitswelt, durch die politische Formung und die Gesellschaft im Ganzen. Genau das nennen wir auch heute noch Erziehung. Es geht dabei darum, dass die Kinder den Regeln der Erwachsenenwelt folgen, möglichst alternativlos. Es ist nicht etwa so, dass die Erwachsenen den inneren Wünschen der Kinder folgen und zusehen, dass sie ihre Wege wirklich erkennen und machen. Alles ist vorgegeben und zu allem, was wir uns vorstellen, was aus Kindern zu werden hat, gibt es eine elterliche Handlungsvorgabe. Und genau hierin entwickeln sich zunächst bei Kindern Traumen, dann weitere in Schule und Arbeitswelt. Und zwar so, dass wir sie schon gar nicht mehr fühlen, wenn wir die Schulen verlassen. Bei fast allen Erwachsenen herrscht das Bild vor, dass Kinder Menschen werden müssen. Sie sind es zunächst nur rudimentär. Das, was uns aber ausmacht, das müssen sie zuerst noch lernen. Ich habe schon lange damit aufgehört, an so einen Unsinn zu glauben. Denn das stimmt einfach nicht. Kinder bringen schon alles mit, wenn sie geboren werden. Was sie brauchen ist eine starke, liebevolle Beziehung. Der Rest wird sich dann bei den meisten Kindern von ganz alleine entfalten. Damit ich nicht missverstanden werde. Eltern machen nur das mit ihren Kindern, was sie selbst schon erlebten. Und sie glauben, es wäre richtig so. Ihre Konditionierung ist in diesem Lichte betrachtet ein Handeln im guten Glauben und durch Tradition.

Erich Fromm sprach in diesem Zusammenhang immer vom „angepassten Menschen“. Er sagte einmal, dass nicht die vermeintlich Gesunden gesund sind, sondern das der Kranke, der, der seinen Schmerz erkennt, dass dieser Mensch gesund sei und dass die anderen Menschen, die, die schon gar nicht mehr merken wie angepasst sie sind, dass genau diese Menschen krank sind. Damit hat Fromm recht. Und weil das natürlich dem kranken, dem angepassten Menschen nicht schmeckt, negiert er solches oder tut es als Blödsinn ab. Unsere Gesellschaft konditioniert unsere seelischen Krankheiten, weil sie den angepassten Menschen, den Informationssoldaten, den Arbeitssoldaten, den Parteisoldaten, den Hierarchiegläubigen, den Religionsfetischisten, den Schuldenmacher und den Bedürfnissüchtigen produziert. Unsere Gesellschaft ist krank. Wir alle, im Verbund der ganzen Menschheit, machen diese Gesellschaft krank. Allerdings sind wir auf eine Weise krank, die wir als gesund erachten und wir denken, bei einem gesunden Menschen, dass dieser krank ist. Der Leipziger Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz spricht hier vom Normopathen. Normopathen leiden an der Normopathie – ohne dies allerdings auch nur ansatzweise zu erkennen.

Diese Krankheiten, die wir über unsere erlebten Traumen bekommen, erzeugen einen Terror im Kopf bei uns allen, den wir mittels ersatzbefriedigender Güter in einen Materialismus verwandelt haben, mittels dessen wir sogar die Gesetze der Welt zu deuten beabsichtigen. Unsere Philosophie, Physik und Biologie ist voll umfangreicher Ergebnisse dieser rein materiellen Welt. Wir hören auf zu fühlen, wir fangen an, nicht mehr mitzufühlen. Und das ist unsere schlimmste Krankheit. Alexander von Humboldt, Darwins Vorbild, sprach noch vom „Naturgemälde“. Dies war eine fühlbare ganze Natur. Nicht eine rein messbare, zerstückelte und empirische Natur.

Wie ist es möglich, dass der US-Präsident ein Land bombadiert und sein Establishment dabei klatscht, ihn jetzt, endlich, als wirklichen Präsidenten lobt. Mit Irrsinn oder Wahnsinn hat das wenig zu tun. Das sind seine Symptome. Seine Ursache ist Gefühlskälte. Abnabelung vom Lebendigen, würde Bernd Senf wohl sagen.

Wer traumatisiert wird, dem frieren seine Gefühle allmählich ein. Therapeuten sprechen hier von „frozen“, vom einfrieren der Gefühle. Die ganze Kette an herrschaftsgebundenen Antrieben wird dabei offengelegt, wenn Menschen nicht zu stark traumatisiert werden. Diese ganze seelische Zerschnittenheit über kleinere Traumen wurde im Projekt „MK-Ultra“ offengelegt und an sehr vielen Studenten missbraucht. Menschen, die in unserer und auch in anderen Kulturen geboren werden, werden an das gesamte Herrschaftsprinzip angepasst. Das ist der Zweck der vielen kleinen Traumen, die wir alle erleiden. Unsere Empfindungen und Gefühle werden von uns selbst abgeschnitten, so dass wir etwas werden, was, ich benutze jetzt eine Metapher, sich vom dem, was wir sein könnten, nämlich ein wirklicher Mensch, erheblich unterscheidet. Wir werden nicht mehr selbstbestimmt, nicht mehr eigenständig, nicht mehr selbstverantwortlich und innerlich kraftvoll, sondern wir werden eine Hülle, die nur noch gehorcht und tut, was andere uns vorgeben. Das ist die Konditionierung und dafür sind diese vielen Traumen ein Werkzeug. Nehmen wir dieses Bild einmal ernst, so könnten wir auch von einem Missbrauch der gesellschaftlichen Systeme und der Politik sprechen. Sie alle missbrauchen uns. Gleichfalls aber sind wir auch Nutznießer. Vertrackt.

Das soll jetzt keineswegs heißen, dass da eine geheime Gruppe ist, die das will und uns lenkt. Das ist es nicht! Wir alle haben diese Gesellschaft erschaffen. Und folglich werden wir in ein vorgefertigtes Konzept hineingeboren. Wer dort hineingeboren wird, der nimmt das erst einmal über den Kornformitätsdruck der Massen als wahrhaftig und gegeben an. Wir tradieren diese Vorstellung an unsere Nachfahren und somit wird das alles dann nicht mehr hinterfragt und als normal abgetan. Wir sind nicht mehr in der Lage, den Betrug zu erkennen. Eher heißt es dann: „Ein Junge weint doch nicht, ein Mädchen soll gehorsam sein und tun, was von ihr erwartet wird“.

Unsere selbst eingestandene Normalität ist nicht normal. Streng genommen ist sie eine Pervertierung unserer inneren Anlagen. Unsere Werte sind krank. Unsere Art zu leben ist eine Katastrophe für fast alle, denen das Leben eingehaucht ist. Wir erfinden dazu Krankheiten, die wir heilen wollen. Doch ein Großteil dieser Heilversprechen drängt wieder in Reihe und Glied zu stehen, gehorsam zu sein, der Autorität zu folgen und den Terror in unseren Köpfen zu verdrängen. Je älter wir in dieser Gesellschaft werden, desto abgestumpfter und gefühlskälter werden wir. All das ist nicht der Mensch, der er wäre, wäre er tatsächlich identisch mit seinen inneren Anlagen. Und wer das laut sagt, der gilt als gestört, als verdreht im Kopf und als verstörend für die Meisten.

Ich denke, Jesus war ein Spiegelträger. So nenne ich ganz privat die Menschen, denen es gelingt, den Menschen einen Spiegel ihres Innersten vorzuhalten. Es gibt auch heute noch zahlreiche Spiegelträger. Leute also, die sich darauf verstehen, den Menschen ihre wahre Natur aufzuzeigen. Wie zu Zeiten Jesus werden solche auch heute noch an ein Kreuz genagelt, an ein virtuelles Kreuz. Wilhelm Reich nannte diesen Vorgang nicht ohne Hintergedanken „die emotionale Pest“. Die traumatisierte Gesellschaft kann darin, ihrer Natur gemäß, auch nichts wertvolles für sich erkennen. Denn um das zu erkennen, muss man mutig sein. Sehr mutig sogar. Lässt man das Erkennen dieses tatsächlichen Zustandes wirklich zu, lässt man also den echten Schmerz dieses eigenen menschlichen Verlustes zu, so ist er ziemlich allumfassend. Doch wenn man ihn zulässt, dann kommt mit der Zeit echte Liebe. Diese wird einen umfließen wie nichts anderes zuvor. Und das ist die wahre Natur der Menschen, es ist auch Deine Natur. Bei aller Abwehr und Verdrängung und dem Wunsch, es nicht wahrhaben zu wollen. Und bei aller Deutung, dies sei Geschwurbel oder Scharlatanerie. Auch das ist ein Zeichen von Traumaidentitätsbindung. Denn das tun wir auch. Nach langer Zeit in unserem Leben sind wir davon überzeugt, dass alles richtig und normal ist, wie es ist. Wir, besser gesagt, unsere Gehirne müssen uns so etwas vorgaukeln, denn ohne irgendeine „Identitätsbindung an sich“ sind wir nicht lebensfähig.

In diesem kurzen Text kann das Gesagte nur zu wenig sein, um zu beschreiben, was ich hier versuche. Wir alle sind in einem System gefangen, dass wir nur schwer durchschauen. Wir durchschauen die Tücken anderer Systeme oder Menschengruppen sehr scharf. Wir durchblicken auch den ganz großen Betrug. Doch warum wir so wurden wie wir sind, das halten fast alle Menschen für normal. Das aber ist der wahre und mächtigste aller Feinde. Ihn im Außen zu suchen und zu glauben, man habe ihn ja gefunden, ist eine sehr mächtige Verdrängungsstrategie. Denn da wir ihn in uns verdrängen, projizieren wir ihn im Außen. Das ist der Kern menschlicher Destruktivität. Von ihm aus geschieht alles Übel dieser Welt und in ihm steckt das, was ich die Fratze der Gewalt nenne. Sie, die Fratze, ist ein Abbild von uns allen als ein einziges, identitätsstiftendes Abbild unserer normopathischen Pathologie.

Ich weiß, das zu glauben, oder sich dafür im Hirn fit zu machen, um genau das zu erkennen, ist wohl das Schwierigste, zu was Menschen bereit sein können. Uns den Unterschied zwischen dem Sein und dem Haben klar zu machen, dazu hat uns Erich Fromm aufgerufen. Und aus unserer jeweiligen Haben-Kultur heraus ist die ganze menschliche Destruktivität entstanden. Bis heute. Sich diesen Werkzeugkoffer zuzulegen hat uns Arno Gruen geraten, damit wir den ganzen lebensfeindlichen und destruktiven Mist aus unseren Hirnen bekommen. Das Manko dabei ist nur, dass die meisten Leute das für Blödsinn halten. Und so hadern sie mit all den bösen Dingen, zu denen sie selbst aber im Gehorsam stehen. Sie brechen nicht aus, passen sich an, an Hartz IV, an die Arbeitslosigkeit, an den Krieg, an Scheidungen, an das Smartphone, an Hollywood, an einen bescheuerten Führer nach dem anderen, an Krebs, an das Hamsterrad, an Schulden, an Wahlen, an Betrug und Lüge, an die Eliten, an Armut, an Hunger und an Sklaverei, an Abhängigkeit, an Pfändung und an Fiatmoney.

Unser Opfer in dieser Gesellschaft ist unser Lebendigkeit. Diese ist die unbeugsamste aller Kräfte, zu der ein Mensch fähig ist – nicht die Langhantel mit 500 Kilogramm Gewicht. Doch wenn ein Fremdkörper von uns Besitz ergreift, die Autorität, dann bleibt das Eigene in uns, was wir sind, fremd und abgespalten. Und es wird als unnatürlich empfunden. „Mut, Herz und offenes Denken sind die Kräfte, die den Gehorsam besiegen“, schreibt Arno Gruen. Sich selbst dahin zu wandeln, ist viel wichtiger, als die Bomben zu zählen, den Bösen zu verfolgen oder sich in der eigenen Angst zu ergehen. Du musst es tun. Kein anderer. Denn niemand wird es für dich tun. Den Wandel der Gesellschaft wirst du nur erleben, wenn du dich wandelst und selbst zu dem wirst, was du erwartest oder erhoffst. Es gibt zum Besseren keine Alternative. Niemals wirst du etwas besseres erreichen für dich, wenn du den Bösen im Außen zu finden glaubst. Wenn du einen Zaun um dich spannst und glaubst, das du den anderen zum Führer deiner Interessen machst. Er wird dann zwar Führer. Führen wird er dann allerdings wirklich dich. An deiner Nase herum.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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60 Kommentare zu: “Tagesdosis 18.04.2018 – Das Trauma der Erziehung und sein Gehorsam

  1. Pezola,worum es Leuten wie Gruen und Fromm ging ,ist,dass sie den Menschen im großen Zusammenhang betrachten-bezüglich der Gesellschaft und seiner Wirtschaftsweise.Es geht um das große Ganze,und was die sozio-ökonomischen Verhältnisse aus dem Menschen machen.

    „In uns lauert die permanente Furcht vor Unzulänglichkeit und Verwundbarkeit.Diese Gefühle müssen jedoch verneint werden,denn um in unserer Kultur akzeptiert zu werden,muss man sich immer stark und sicher zeigen.Auf diese Weise verwandelt sich-wie Kiergegaard andeutet-unser Wesen in ein Menschsein,das vollkommen im Bann eines Bedürfnisses nach Anerkennung steht.Dieses Bedürfnis jedoch macht uns abhängig von denen,die uns groß und mächtig erscheinen.Das Endresultat ist ein Selbst,das auf Dominanz und Besitz aufbaut,aber von Unzufriedenheit,Begierde und Hass erfüllt ist “

    Arno Gruen „Ich will eine Welt ohne Kriege“

    • Das wollte ich eigentlich direkt unter den Text von Pezola verschicken,aber die Verbindung war zwischendurch abgerissen.

    • Wollt Ihr Hass oder Liebe?

      Wer nicht in den Kindergarten geht, erhält Liebe von der Mutter, anstatt verbale Schläge von der Erzieherin. Wer nicht in den Kindergarten geht, erhält Antworten von Mama und Papa auf seine Fragen, anstatt von der Erzieherin Antworten auf Fragen zu erhalten, die man gar nicht gestellt hat.

      Wer nicht in den Kindergarten geht, kann mit anderen Menschenkindern, die auch nicht in den Kindergarten gehen, spielen, anstatt sich im Kindergarten von der Erzieherin abwerten und zu bevormunden und zu anderen Menschenkindern in Konkurrenz setzen zu lassen.

      Wer nicht in den Kindergarten geht, darf seinen eigenen Verstand benutzen, anstatt sich auf den Fremd-Verstand der Erzieherin zu verlassen, bei dem man gar nicht weiß, für wen diese arbeitet und ob die vermittelten Informationen der Wahrheit entsprechen.

      Wer den eigenen Verstand nicht abschaltet, um den Stoff eines Fremdhirnes auswendig zu lernen und bei Bedarf schnell wiederzugeben, erhält mangelhafte Noten, soll keinen Arbeitsplatz und kein Geld erhalten und sich dabei unheimlich doof fühlen.

      Wer dagegen den eigenen Verstand abschaltet, um den Stoff eines Fremdhirnes auswendig zu lernen und bei Bedarf schnell wiederzugeben, erhält sehr gute Noten, verdient sehr viel Geld und hält sich für schlau und fühlt sich gegenüber anderen Menschenkindern überlegen.

      Wer den eigenen Verstand nicht benutzt, verkümmert zu einem gefühllosen und willenlosen Roboter weit fernab der eigenen Wahrnehmung und ist unfähig seine eigene situative Gegenwärtigkeit erkennen zu können. Weil er sein Inneres nie Leben durfte, trägt er nur Unwerte, wie Hass und Neid in sich.

      Wer dagegen seinen eigenen Verstand benutzt, entwickelt sich zu einem sozialen, gefühlvollen und willensstarken Menschen, der sich durch die eigene uneingeschränkte Wahrnehmung seiner situativen Gegenwärtigkeit voll bewußt ist. Weil er sein Inneres stets erleben durfte, trägt er in sich nur Güte und Liebe.

      Denn nur dort wo es Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden gibt, können Zärtlichkeit, Vertrauen und Liebe gedeih’n, um nicht als gefühlloser blinder Robotor zu funktionieren, das darf nicht sein. Doch finden sich mehr und mehr Menschen bereit diese Lügen und Kriege zu verhindern, es ist an der Zeit.

  2. @ Rüdiger Lenz:
    Wir müssen nicht gegeneinander anschreiben, denn wir sind vermutlich in den zentralen Punkten einig. Daher versuche ich, einmal ein wenig aufzudröseln:
    1. Kann es sein, dass wir den Begriff „Erziehung“ unterschiedlich interpretieren? Kann es sein, dass Sie ihn (in Ihrem Beitrag) grundsätzlich negativ besetzt verwenden – im Sinne von „beziehungsloser Dressur“, während er in meinem Verständnis sowohl positiv als auch negativ besetzt sein kann?
    2. Kann es sein, dass ich an meinem sekundären Kommentar länger gesessen habe als Sie an Ihrem primären Text? Ja, es ist mühsam und zeitaufwändig, sich schriftlich so auszudrücken, dass Missverständnisse möglichst vermieden werden.
    Der unter anden Blaise Pascal zugeschriebene Satz „Ich schreibe dir einen langen Brief, weil ich keine Zeit habe, einen kurzen zu schreiben.“ enthält meines Erachtens die grundlegende Wahrheit, dass eine schriftliche Kommunikation Zeit und Reflexion erfordert.
    3. Kann es sein, dass Sie konkrete Beispiele im Kopf haben, die wir als Leser so nicht erkennen können? Kann es sein, dass Sie sich zu wenig Zeit genommen haben, um das zu Papier zu bringen, was Sie eigentlich sagen wollen?
    4. Kann es sein, dass Sie meinen Kommentar nicht wirklich gelesen und daher auch nicht verstanden haben; und sich daher als missverstanden und gar als angegriffen empfinden?
    Mein Beitrag enthält jedoch keinerlei Zweifel an Ihrem Fachwissen oder an der Bedeutung von Traumata und er greift Sie auch nicht an. Er versucht lediglich, exemplarisch aber sehr konkret aufzuzeigen, dass Ihre Argumente auf mich undiffernziert, ungenau, verallgemeindernd, verkürzend oder auch pauschal wirken.
    5. Bitte widersprechen Sie mir doch im Detail und nicht mittels unkonkreter Verteidigungsversuche.
    Das ist zwar mühsam, aber nur das bringt uns beide weiter.
    Dass Sie mich als kognitiv dissonant abstempeln, kann ich nur als ein Vertauschen von Ursache und Wirkung einordnen.

    • @ Pezola: Ihrem Text entnehme ich, dass Sie ein wirkliches Interesse an dem Thema haben, daher verlinke ich Ihnen hier einen Vortrag von Prof. Dr. Franz Ruppert, vielleicht verstehen Sie dann besser, was Rüdiger mit seinem Text aussagt: Trauma, Angst und Liebe https://www.youtube.com/watch?v=WU344Ld3dOU
      Franz Ruppert spricht in seinem Vortrag nicht über das „Trauma der Erziehung“ doch es wird deutlich, das traumatisierte Eltern, ohne Wissen und Absicht, ihre Kinder traumatisieren, weil sie als Bindungspersonen nicht zur Verfügung stehen.
      Wie früh das beginnt – daher gehen Franz und ich davon aus, dass die „Erziehung“ ebenfalls eine Traumafolgeerscheinung ist – können Sie in diesem Vortrag hören: Frühes Trauma https://www.youtube.com/watch?v=MK3t6lw4wuI

      Da ich seit ca. 25 Jahren mit traumatisierten Menschen therapeutisch arbeite, kann ich das, was Rüdiger scheibt, bestätigen. Wir leben kulturübergreifend in Täter-Opferdynamiken und eine Täter-Opferdynamik entsteht nach einer Traumatisierung. Viele Eltern fühlen sich auch heute noch als Opfer ihrer Kinder und werden so zu Tätern an ihnen. Die Trotzphase wird in den meisten Fällen auch heute noch nicht als eine gesunde Phase der Willens- und Ich-Bildung von Eltern erlebt, sondern sie sind in dem Glauben, das ihre Kinder das mit Absicht machen, wenn sie sich schreiend im Supermarkt auf den Boden schmeißen oder ein Nein keine Wirkung zeigt. Auch heute noch heißt es, dem Willen des Kindes nicht nachgeben, sonst wird es ein Tyrann, s. Michael Winterhoff „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“.

      Und gerne verlinke ich Ihnen auch noch einen Artikel von Lena Busch aus dem Magazin „Unerzogen“: Der Krieg, die Haarer, Attachment Parenting und ich https://www.youtube.com/watch?v=MK3t6lw4wuI
      und eine Antwort auf diesen Artikel: http://elternmorphose.de/das-trauma-der-erziehung-ein-offener-brief

      Tatsächlich ist es so, dass nur wenige psychologische Psychotherapeuten eine traumatherapeutischen Ausbildung haben bzw. Traumata so eingegrenzt sehen, wie sie es in Ihrem ersten Beitrag schreiben. Es wird davon ausgegangen, dass ein Trauma ein außergewöhnliches Ereignis innerhalb menschlicher Biografien ist, und nicht die vielfach erlebte Normalität.
      Und hier noch ein Artikel der im Rubikon erschienen ist: https://www.rubikon.news/artikel/traumatisierte-gesellschaft und https://www.rubikon.news/artikel/der-frieden-sind-wir

      Und zu guter Letzt noch folgenden Artikel: https://www.rubikon.news/artikel/die-natur-des-krieges

      Okay, das ist jetzt viel zum Hören und Lesen, doch vielleicht hilft es Ihnen weiter 😉

    • Nachtrag: hier noch eine Sendung von Scrobel zur psychischen Gewalt…immerhin wird es thematisiert:
      http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=72755

      Warum meine Intention zu diesem Thema so groß ist: aus traumatisierten Kinder werden traumatisierte Erwachsene. Und wenn wir wirklich für den Frieden sind, dann müssen wir aufhören, uns gegenseitig zu traumatisieren und das geht nur, wenn wir ein Bewusstsein dafür haben, wie es zu einem Trauma kommt und wie Trauma in unserer Psyche wirkt.

      Dem Satz von Franz Ruppert: „Nur traumatisierte Menschen führen Krieg“, kann ich vollumfassend zustimmen!

    • Arno Gruen gebühren eigentlich 1000 Nobelpreise,wenn es in der Gesellschaft gerecht zuginge.
      Arno Gruens Bücher und die von Erich Fromm habe ich gelesen wie Dostojewski oder Tolstoi-sie waren für mich ganz einfach zu lesen,weil sie genau ein ganzes Universum beleuchten,welches ich schon immer gesucht habe.
      Genau wie die Musik von Bob Dylan.

      Und dabei sind diese Leute so bescheiden-aber genau das macht ihre Größe aus.Alle großen Denker und Humanisten der Menschheitsgeschichte waren bescheidene Leute.
      Erst durch Arno Gruen habe ich den Menschen verstanden.Und natürlich durch Erich Fromm.

      Arno Gruen eröffnet mit seinen Vergleichen bezüglich der Kindheitserziehung in der Zivilisation und derjenigen Nicht-Erziehung in der sogenannten Primitiven Welt ein weiteres,neues Universum.
      All die Beispiele aus den Primitiven Gesellschaften(Ersten Gesellschaften) werden mit den entsprechenden Autoren oder Anthropologen belegt,welche oftmals bei diesen ursprünglichen Völkern gewisse Zeit gelebt haben.Schon allein das stellt eine riesen Inspiration an Erkenntnissen dar.

      Und so kam ich auch nur über Arno Gruen zu dem wahrhaft wunderbaren Buch von Stanley Diamond-Kritik der Zivilisation.

    • Dass diese Menschen bescheiden waren,ist vielleicht falsch ausgedrückt.
      Vielmehr waren sie beseelt und wahrhaft interessiert daran,die Lebensumstände der Menschen zu verbessern. Und das aus rein nicht materiellen oder populistischen Interessen-sondern aus Liebe zum Menschen.

      Während heutzutage die Eitelkeit ihren Höhepunkt erreicht,wo es nur noch darum geht ,bekannt zu sein oder populär zu werden. Der Verlust des Selbst,der eine Folge dieser menschenverachtenden und jedwedes Lebewesen verachtenden Wirtschaftsweise ist,bringt die große Masse dazu, alles im Außen zu suchen. Während das wahre Glück des Menschen und die wahre Identität im Inneren schlummert.

  3. Angesichts der vielen positiven Kommentare auf Herrn Lenz’ Text staune ich schon sehr. Daher möchte ich ebenfalls ein paar persönliche Eindrücke anmerken:
    Ja, ohne es verifizieren zu können, leiden vermutlich alle Menschen – wie auch ich selbst – unter Begrenzungen und Einengungen durch Lebensumstände und das Tun anderer Menschen, denn niemand ist allein auf der Welt. Dass diese suboptimalen Zustände in allen Fällen als Trauma zu benennen sind (lt. Herrn Lenz „eine seelische Irritation, die auf Gewalteinwirkung folgt“), wage ich jedoch zu bezweifeln.
    Auch in den weiteren Ausführungen empfinde ich viele Aussagen als zu wenig konkret, zu undifferenziert und damit als zu pauschal. Exemplarisch nennen möchte ich dazu:
    • „Wir alle werden erzogen. Meistens von unseren Eltern. Und diese ziehen unsere seelischen Zustände, Erwartungshaltungen und Bedürfnisse von klein auf in ihre Richtung.“

    Ist das so?
    Natürlich trifft das in vielen Fällen von Erziehung zu, aber doch längst nicht in allen – und vor allem nicht in Reinkultur. Ich selbst habe das weder von meinen Eltern erfahren, noch wende ich es bei meinen vier – sehr verschiedenen – Kindern an. Und es fallen mir mühelos einige Namen von Personen ein, auf deren Verhalten Herrn Lenz’ Vorwurf nicht zutrifft.

    • „In beiden Situationen aber wurden wir abgewertet und nicht gesehen. Wir folgen ihnen. Uns zu folgen wird uns verwehrt. Aufgabe von Erziehung und Pädagogik auch heute noch ist, dass sich der Wille des Kindes nicht durchzusetzen hat.“

    Erneut: Ja, auch ich kenne solche Methoden und verurteile sie unbedingt. In der hier von Herrn Lenz als absolut gesetzten Form kann ich dieser Aussage jedoch keinesfalls zustimmen. Ich kenne einfach (noch) zu viele Eltern, Erzieher, Ausbilder und auch Lehrer, denen mit diesem Pauschalurteil Unrecht getan wird.

    • Herr Lenz zitiert den Psychoanalytiker Sándor Ferenczi mit „… zwingt sie automatisch, sich dem Willen des Angreifers unterzuordnen, …“

    Betrachtet Herr Ferenczi wirklich jeden erziehenden Menschen als einen „Angreifer“ auf das Kind? Wie sieht der Kontext dieses Zitates aus???

    • „Wichtig bleibt, dass der Wille des Kindes gebrochen werden muss. Er darf sich nicht durchsetzen. Ein Mensch ist nicht, er muss werden. Durch die Eltern, den Kindergarten, die Schule, die Arbeitswelt, durch die politische Formung und die Gesellschaft im Ganzen. Genau das nennen wir auch heute noch Erziehung. Es geht dabei darum, dass die Kinder den Regeln der Erwachsenenwelt folgen, möglichst alternativlos. Es ist nicht etwa so, dass die Erwachsenen den inneren Wünschen der Kinder folgen und zusehen, dass sie ihre Wege wirklich erkennen und machen. Alles ist vorgegeben und zu allem, was wir uns vorstellen, was aus Kindern zu werden hat, gibt es eine elterliche Handlungsvorgabe.“

    Erneut setzt Herr Lenz absolut, lässt keinerlei Schattierung zu, verallgemeinert unentwegt. Stellt er sich etwa selbst auch unter sein so häufig verwendetes „WIR“?

    • Es folgen die Namen Erich Fromm, Alexander von Humboldt, Darwin und Fragmente ihrer Erkenntnisse, die ich in dieser Kürze für mich nicht zuzuordnen vermag; um schon im nächsten Absatz von einem US-Präsidenten (von welchem eigentlich?) zu sprechen, dessen verwerfliches Handeln Herr Lenz einer einzelnen Ursache zuordnet. Selbst an dieser Stelle vereinfacht er m.E. in unzulässiger Weise und wird der Komplexität der Realität nicht einmal im Ansatz gerecht.

    • „Wer traumatisiert wird, dem frieren seine Gefühle allmählich ein.“

    Ja, bestimmt!
    Für die Gefühlskälte anderen Menschen gegenüber können jedoch auch andere Ursachen genannt werden, zum Beispiel zu wenig Erziehung.
    In meinen Augen ist Erziehung nicht automatisch Gewaltanwendung, Entmündigung und Traumatisierung, sondern auch das Vorleben und Einüben von Empathie. Dabei fallen mir sofort Kinder ein, die von ihren Eltern wie Halbgötter behandelt und so zu Narzissten werden, die es in sozialen Gefügen schwer haben, sobald sie nicht allein den Mittelpunkt der Welt besetzen dürfen.

    • „Wir alle haben diese Gesellschaft erschaffen. Und folglich werden wir in ein vorgefertigtes Konzept hineingeboren. Wer dort hineingeboren wird, der nimmt das erst einmal über den Konformitätsdruck der Massen als wahrhaftig und gegeben an. Wir tradieren diese Vorstellung an unsere Nachfahren und somit wird das alles dann nicht mehr hinterfragt und als normal abgetan. Wir sind nicht mehr in der Lage, den Betrug zu erkennen.“

    Auch in diesem Abschnitt (und bis zum Schluss) schert Herr Lenz undifferenziert über einen Kamm, verkürzt sehr stark und argumentiert in einer Weise, die es mir verwehrt, diesen Beitrag ernst zu nehmen.
    Und das, obwohl ich mich seit mehr als 30 Jahren mit Traumata und deren Auswirkungen beschäftige und deren Thematisierung als Not-wendend und daher als sehr wichtig erachte.

    • Es ist auf Dauer richtig mühsam, gegen solche Artikel, wie Ihren, Pezola, anzuschreiben. Für mich ist der Zustand, aus dem Sie heraus, völlig berechtigt!, Einwände empfinden und diese zur Kritik an meine Einsichten schreiben, kognitive Dissonanz. Das aber ist vollkommen normal. Und Sie glauben nicht, wie oft ich solche Kritik höre. Jedoch rücke ich keineswegs auch nur einen Millimeter von meinen Ansichten weg, denn sie sind mehr als nur berechtigt.
      Die Irritation entsteht meiner Erfahrung nach nicht dem Text, sondern daher, dass darüber am Längsten bisher geschwiegen wurde. Es wird Zeit, dass Leute wie sich als Eisbrecher dieser „Erziehung ist Gewalt“ noch intensiver hingeben und häufiger und auch ausführlicher darüber berichten.
      Oft entsteht im Kopf die These: „Ja wenn der sagt, Erziehung ist scheiße, was soll denn dann mit den Kindern geschehen? Sollen wir die nicht mehr erziehen? Dann werden die ja völlig verrückt und destruktiv und die ganze Gesellschaft bricht zusammen: Haltet den Autor auf, der darf so etwas nicht schreiben!“

      Das aber habe ich weder geschrieben noch meine ich das. Als Alternative wäre da endlich die Beziehung und nicht die Erziehung. Es gibt schon lange viele Elternpaare, die genau das machen. Und diese Kinder werden nicht dumm oder aggressiv oder sonst was. Die werden „unnormaler“ und „entnormopathisiert“.
      Ich kann Menschen wie Ihnen, die zurecht erst einmal heftig erschrocken über solche Texte sind, nur anraten, Arno Gruen’s Buch „Der Fremde in uns“ zu lesen. UND, in Artikeln wie der Tagesdosis zu erwarten, dass ein Autor dort ganz ausführlich beschreibt, was er mit seinen Themen meint, ist schlichtweg unmöglich. Daher sind die meisten Themen auch nur appetizer, um sich selbst intensiver damit zu beschäftigen. Es wird keinen ernst zu nehmenden Psychologen geben, der das, was ich hier schrieb, grundsätzlich ablehnt oder als Blödsinn abtut. Und daraus vielleicht zu schließen, ja, dann sind die alle blöd, wäre falsch.
      Also, enstchuldigen Sie, aber ich kann darauf nicht ausführlich antworten. Das werde ich an anderer Stelle aber dadurch tun, dass ich viel ausführlicher über dieses Thema schreiben werde.

    • @ R.L.
      „Für mich ist der Zustand, aus dem Sie heraus, völlig berechtigt!, Einwände empfinden und diese zur Kritik an meine Einsichten schreiben, kognitive Dissonanz. Das aber ist vollkommen normal. Und Sie glauben nicht, wie oft ich solche Kritik höre. Jedoch rücke ich keineswegs auch nur einen Millimeter von meinen Ansichten weg, denn sie sind mehr als nur berechtigt.“

      Sie nehmen ihr Schreiben doch nicht ernst ?

    • @wasserader, wieso denn nicht? Wir haben es doch alle öfters mit dieser kognitiven Dissonanz zu tun. Ich auch. Immer wen neues durch „das geht doch gar nicht“ ersetzt wird, ist das so. Haben Sie sich schon einmal mit der „neuen Physik“ freie Energie, etc. beschäftigt? Es gibt viele Bereiche, die einen so treffen, wenn man selbst zwar glaubt, man wüsste alles darüber, aber dann kommt immer etwas, wo man das dann revidieren muss. Ich bin seit sehr Langem dabei,. immer Neues zu erfahren und immer kommt NEUES. Das ist völlig normal.

    • @ R.L .
      “ freie Energie “ ist wissenschaftlich nicht haltbar .
      Wenn Wissenschaft für sie kein Maßstab ist , und das wäre legitim , stellt sich die Frage
      inwieweit “ freie Energie “ als für die Gesellschaft existent nachgewiesen ist .
      Ich keinne keinen einzigen überzeugenden Bericht zu “ freie Energie “ .
      Ich kenne die Physik sehr gut , die neue Physik scheint mir doch nur esoterisches Gerede .

    • Wasserader-Viktor Schauberger hat ja schon vor 100 Jahren die Mainstream-Physik der Lüge überführt. Nur weil seine bahnbrechenden Erkenntnisse verschwunden lassen wurden sind,heißt das nicht ,dass sie nicht existieren.

      Welche Energie BRINGT die Forelle dazu,einen Wasserfall mühelos hinaufzusteigen?Aus der Beobachtung der Natur zog Schauberger seine Schlüsse.

      Ist die Sonne selbst nicht Beweis genug für die Existenz freier Energie!?Oder welcher Motor erzeugt die Energie der Sonne?Gibt es ein Kraftwerk,das die Sonne mit Sonnenenergie versorgt?Ich glaube kaum…

    • @ Kalender der Weisheit
      „Viktor Schauberger hat ja schon vor 100 Jahren die Mainstream-Physik der Lüge überführt“

      …. das ist allerdings eine ziemlich forsche Behauptung , die aber ganz auf der Linie des Schauberger liegt,
      der in grossen Lettern auf seine Villa PKS applizieren liess – wobei PKS für
      Pytagoras-Keppler-Schauberger steht .
      Während die ersten in der Wissenschaft einen festen Platz haben , wird der Schauberger aus gutem Grund ignoriert .

    • Schauberger erkannte dass die Mainstream-Physik auf der Basis der Explosion beruht-ob es sich dabei um den Verbrennungsmotor handelt oder die Atomindustrie. Immer geht es darum,viel Energie zu verbrauchen,um ebensolche zu erzeugen. Wem das nützt ist klar-und genau diese Leute der Öl-und Bankenindustrie kontrollieren auch die Verbreitung solcher Theorien.So wie alles von privaten Großkonzernen kontrolliert wird.Weil ja alles eine große Firma darstellt-der sogenannte Staat ein Witz.

      Schaubergers Prinzip hingegen beruht auf der Implosion, was Energie einspart bei der Erzeugung derselben.
      Beispielsweise bei einem Generator der in einem Flusslauf Energie erzeugt,und der nicht nach außen wirbelt sondern nach innen.Das Resultat ist ein Vielfaches an Energie,die erzeugt wird.

      Aber das ist alles längst bekannt und wer im 21. Jahrhundert die Freie Energie leugnet,lebt hinter dem Mond.

  4. Menschen wurden erschaffen um geliebt zu werden.
    Dinge wurden geschaffen um benutzt zu werden.
    Der Grund warum sich die Welt im Chaos befindet,
    ist weil Dinge geliebt werden und Menschen benutzt werden.

    – Dalai Lama

    Lieber Herr Lenz
    Auch wenn es viele Perspektiven gibt unseren „inneren Affen“und dessen Schatten
    zu beleuchten und zu reflektieren,mag ich ihre liebevolle Sichtweise sehr gerne!

    Es ist wunderbar wenn „Mensch“ weiss wie man ihn durch Beziehung(Ruediger Lenz), Achtsamkeit (Dr.Daniele Ganser) oder durch leben im „Jetzt“ (Eckhard Tolle) sein laermen auf ein angenehmes Mass beruhigen kann,
    damit er die Buechse der Pandora eines Tages endlich nicht mehr oeffnet.
    Aber bist da hin wird noch einiges Wasser den Berg herunter fliessen und die Steine dabei weich und rund schleifen.

    • @Pezola, Es ist auf Dauer richtig mühsam, gegen solche Artikel, wie Ihren, Pezola, anzuschreiben. Für mich ist der Zustand, aus dem Sie heraus, völlig berechtigt!, Einwände empfinden und diese zur Kritik an meine Einsichten schreiben, kognitive Dissonanz. Das aber ist vollkommen normal. Und Sie glauben nicht, wie oft ich solche Kritik höre. Jedoch rücke ich keineswegs auch nur einen Millimeter von meinen Ansichten weg, denn sie sind mehr als nur berechtigt.
      Die Irritation entsteht meiner Erfahrung nach nicht dem Text, sondern daher, dass darüber am Längsten bisher geschwiegen wurde. Es wird Zeit, dass Leute wie sich als Eisbrecher dieser „Erziehung ist Gewalt“ noch intensiver hingeben und häufiger und auch ausführlicher darüber berichten.
      Oft entsteht im Kopf die These: „Ja wenn der sagt, Erziehung ist scheiße, was soll denn dann mit den Kindern geschehen? Sollen wir die nicht mehr erziehen? Dann werden die ja völlig verrückt und destruktiv und die ganze Gesellschaft bricht zusammen: Haltet den Autor auf, der darf so etwas nicht schreiben!“

      Das aber habe ich weder geschrieben noch meine ich das. Als Alternative wäre da endlich die Beziehung und nicht die Erziehung. Es gibt schon lange viele Elternpaare, die genau das machen. Und diese Kinder werden nicht dumm oder aggressiv oder sonst was. Die werden „unnormaler“ und „entnormopathisiert“.
      Ich kann Menschen wie Ihnen, die zurecht erst einmal heftig erschrocken über solche Texte sind, nur anraten, Arno Gruen’s Buch „Der Fremde in uns“ zu lesen. UND, in Artikeln wie der Tagesdosis zu erwarten, dass ein Autor dort ganz ausführlich beschreibt, was er mit seinen Themen meint, ist schlichtweg unmöglich. Daher sind die meisten Themen auch nur appetizer, um sich selbst intensiver damit zu beschäftigen. Es wird keinen ernst zu nehmenden Psychologen geben, der das, was ich hier schrieb, grundsätzlich ablehnt oder als Blödsinn abtut. Und daraus vielleicht zu schließen, ja, dann sind die alle blöd, wäre falsch.
      Also, enstchuldigen Sie, aber ich kann darauf nicht ausführlich antworten. Das werde ich an anderer Stelle aber dadurch tun, dass ich viel ausführlicher über dieses Thema schreiben werde.

  5. Apropos : Bewusstseins-Erweiterungen …

    Arbeitsverhütungsvorschrift nötig

    „Wer unnötige Arbeit oder sinnlose Arbeit entgegen dem gesunden Menschenverstand im sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis als Arbeitgeber anbietet, wird mit Zuchthaus nicht unter zehn Jahren bestraft. Wer sinnvolle Produkte erfindet, gewerbsmäßig produziert und/oder in den Verkehr bringt, die weniger als 25 Jahre halten und/oder über dem Bedarf liegen, wird mit dem Tode durch Giftspritze bestraft.“

    -Die Planetenverwaltung-

    Recht auf Arbeitslosigkeit

    „Wer trotz des Bedingungslosen Grundeinkommens entgegen den in der Ausgliederungsvereinbarung festgelegten Pflichten, wie eine zumutbare Arbeitslosigkeit anzunehmen weiter zur persönlichen Bereicherung arbeiten geht, dem kann das monatliche BGE in Höhe von 2.087 Euro – auch mehrfach nacheinander – gekürzt werden bis es vollständig entfällt.“

    -Die Planetenverwaltung-

  6. Ja, Herr Lenz, ich gebe Ihnen aus eigener Erfahrung als Vater von 3 Kindern recht, wenn Sie sagen, dass Kinder ab ihrer Geburt schon voll ausgebildete Persönlichkeiten sind. So bin ich auch recht kritisch dem Gedanken gegenüber, dass sich alle Menschen im Sinne von Dressieren erziehen lassen. Die Einen ja, die anderen nein. Die Einen widerstehen mit offener Auflehnung, andere selbst in jungen Jahren durch ausgefuchste, verborgene Taktiken. Die menschliche Kreativität ist nach meiner Erfahrung grenzenlos. So ist es gut, dass wir sterblich sind und mit jedem neu geborenen Menschen die Hoffnung auf ein freudvolles Leben in unsere Welt kommt.

    • Apropos : Versklavung der Menschheit über neuro-linguistische Programmierung aufgedeckt

      Neuropsychologen haben festgestellt, daß das gehirneigene Belohnungssystem, wenn es einmal falsch programmiert wurde, wie zum Beispiel Belohnung in Form von Gehalt oder Lohn bei Selbstausbeutungsaktivitäten – diese Programmierung nicht mehr geändert werden kann, d.h. der Betroffene wird sich immer wieder unbewusst in Situationen manövrieren, die seinen Körper und seiner Seele schaden.

      Es gibt Menschen, die können sich noch so sehr anstrengen einen Fehler nicht noch einmal zu begehen und landen aber bei der nächsten Gelegenheit wieder in der exakt selben Situation. Das beste Beispiel sind die Schinderseelen, welche jeden Tag bis an ihre Leistungsgrenze gelangen müssen, sonst fühlen sie sich nicht wohl, die brauchen den körperlichen oder seelischen Schmerz, denn erst dann schüttet ihr gehirneigenes Belohnungssystem die Glückshormone aus.

      Glücklicherweise gibt es aber auch noch den umgekehrten und eigentlich normalen Fall, also Menschen, die bei Selbstausbeutungsaktivitäten überwiegend Stresshormone freisetzen. Dieser Typ Mensch vermeidet zum Leidwesen der Menschenschinder-Sekte aus Nürnberg strikt jegliche Form der Selbstausbeutung, ist aber sehr wohl in der Lage Glückshormone auszuschütten.

      Beispielsweise können sich solche Menschen daran erquicken, wenn jedes Jahr erneut, ungefähr ab dem 20. April, frühmorgens die Vögel wieder zwitschern, die ersten warmen Sonnenstrahlen auf der Wange kitzeln, die Blumen blühen, die Bienen summen, die weissen Wolken am blauen Himmel entlang ziehen, die Bäume duften und der Frühlingswind in den Blättern raschelt.

  7. “ Wir alle sind in einem System gefangen, dass wir nur schwer durchschauen. “

    Wahr, bis an den Mord auf Rabin, 1993 ungefähr, stand ich hinter Israel.
    Palestinenser waren nur Terroristen.
    Aber diese Mord gab die Gedanke ‚wollen die israelische Juden Frieden ?‘.
    Ich fand die wahre Geschichte Israel’s.

    Dann gab es den 11ten September.
    Schon am selben Tag sagten USA Luftverkehr Führer das es niemals so sich abgespielt haben konnte wie Bush jr sagte.
    Es dauerte drei Jahre bevor das Undenkbare wahr wurde, die USA hatte selbst 3000 seiner Bürger ermordet, um ein Vorwand vor Krieg zu bekommen.
    Dann die Frage ‚wie konnte das Land was uns von Hitler befreite eine Schurkenstaat geworden sein ?‘.
    Ich fand die wahre Geschichte des zweiten Weltkrieg’s, Roosevelt war 1932 in die Politik gebracht um Krieg zu führen.

    Also, mann durchschaut nur ein System wenn es Dinge gibt die nicht im System, wie es uns gezeigt wird, passen.

    Deutsche fangen an zu sehen was die Immigration für Folgen hat, Merkel ‚die sind schon hier‘.
    Aber noch immer lebt die Europa Gedanke in Deutschland, heute Morgen noch bei ARD ‚wir sind gute Europäer‘.
    Macron der Verrückte will jetzt mehr Europa, um den Nationalismus zu bestreiten.
    Gedanken können nicht bestritten werden.

  8. Sehr geehrter Herr Lenz,
    ich bestätige Ihre Ausführungen voll und ganz !
    Aus meiner eigenen beruflichen wie auch privaten Erfahrung und Arbeit muss ich ebenfalls darauf hinweisen, dass wir alle unter einer Vielzahl von Traumata leiden, wobei auch die Vielzahl der posttraumatischen Störungen nicht zu unterschätzen ist, letztgenannte kommen zwar kaum zur Sprache und noch weniger zur Behandlung, ganz schlicht und einfach aus dem Grund, weil viele selbsternannte „Super“-Therapeuten lieber pille-palle-25-Std.-Kurztherapie über die Kassen abrechnen und gar nicht fähig und noch weniger Willens sind, sich dem Krankheitsbild auszusetzen, dazu noch sind die Traumatisierten oft gar nicht in der Lage, sich so zu erklären, dass ihre Lage erkannt werden kann oder die Scham erstickt die Erklärungsfähigkeit gegenüber herausgeputzten-chickimicki-Therapeutinnen !!!
    Was da so herumläuft … oh Gott …
    MfG
    Dipl.-Psych. Dr .h.c. Joachim George Maßek

  9. Wir werden auch schon allein dadurch „erzogen“, dass wir als Kinder zwangsläufig die Denkfehler der Erwachsenen auffangen und verarbeiten müssen, unter denen wir leben und von denen wir zunächst abhängig sind. Ich weiß, wovon ich hier schreibe. Jesuanische Menschen sind da in der Tat eine große Hilfe und wir sollten immer dankbar sein, dass es sie gab und gibt. Rudi Dutschke hatte z.B. auch etwas Jesuanisches, sagen diejenigen, die ihn noch direkt erlebt haben.
    Oder auch Petra Kelly.

  10. Herr Lenz,
    ich habe das Format „Tagesdosis“ bisher kaum wahrgenommen und einige der ersten Beiträge in diesem Format sagten mir überhaupt nicht zu. In den letzten Wochen bin ich über einen Beitrag von Ihnen gestolpert und habe seitdem keinen Artikel / Podcast mehr verpasst 🙂

    Ich bin in den Artikeln die ich gelesen / gehört habe nicht nur ihrer Meinung, ich finde Sie schreiben auch besonders gut. Sie liefern klare, nüchterne, prägnante Analysen und bringen die Themen damit in einer Weise auf den Punkt, die mich schlicht weg begeistert.

    Keine Sorge, ich höre jetzt auf. Was ich sagen wollte war: Sie haben einen Fan 🙂

    Vielen Dank, machen Sie weiter so!

    • Ps: Ich rate jedem Leser diesen Artikel mindestens 2 mal zu lesen, da die Tiefe des Themas nicht zu unterschätzen ist. Eine schnelles Urteil oder eine saloppe Einschätzung wird dem sicher nicht gerecht.

  11. Nicht jeder Erziehung ist schlecht, und nicht jede freie Entfaltung ist gut.

    Eltern sind immer im Zwiespalt zwischen Erziehung/Regeln/Einschränkung auf der einen Seite – das nennt man Sozialisation.
    Und Freiheit/Selbstentfaltung auf der anderen Seite – das nennt man Individualität.

    Klar leben wir in einer ziemlich kranken Gesellschaft, in der noch krankere Menschen sehr viel Macht haben, aber: es gibt auch viele gute Regeln, viel Gutes in der Erziehung und Sozialisation, und der pure Individualismus alleine macht auch nicht glücklich.

    • Wichtig ist es, den Begriff „Erziehung“ zu definieren, sonst kommt es schnell zu Missverständnissen. Ich nehme an, dass Rüdiger von folgender Definition ausgeht:
      „Erziehung ist eine planmäßige (absichtliche) und zielgerichtete Tätigkeit zur Formung meist junger Menschen. Erziehung findet also nicht bei jeder Kommunikation, bei jeder Beeinflussung, statt, sondern nur, wenn sich einer über den anderen erhebt und meint, ihn zu einem Ziel (hiner)ziehen zu dürfen oder zu müssen. Es gibt bei Erziehung immer ein Erziehungssubjekt und ein Erziehungsobjekt, den Ziehenden und den Gezogenen, den Erzieher und den Zögling, ein Oben und ein Unten. Der Erzieher stellt Ge- und Verbote auf, sorgt für deren Einhaltung und versucht, daß das Kind in der entsprechenden Zeit zu den gesteckten Zielen gelangt.“ http://kraetzae.de/erziehung

      Erziehung hört auf, wenn ich mit kleinen Menschen auf Augenhöhe bin. Und „Nicht-Erziehung“ hat nichts mit laissez faire zu tun, sondern mit Verantwortung und mit einer Beziehung, die bedürfnis- und bindungsorientiert ist.
      Viele junge Eltern sind schnell überfordert, weil sie ihr eigenes Erziehungstrauma nicht bewältigt haben und tappen schnell in die „Belohnungs- oder Bestrafungsfalle“. Diese „Wenn nicht, dann“ sind auch heute noch Sätze, die viele Kinder zu hören bekommen und das ist Erpressung. Strafen werden heute Konsequenzen genannt und das macht es nicht besser.

      Unsere ganze Gesellschaft, kulturübergreifend, funktioniert auf Belohnungs- und Bestrafungssystemen und das ist für mich Gewalt. Und Gewalt ist immer traumatisierend.
      Allerdings fängt für mich die Traumatisierung nicht erst mit der Erziehung an. Ich gehe von der Annahme aus, dass nur traumatisierte Menschen auf die Idee kommen, ihre Kinder erziehen zu müssen; dass die „Erziehung“ also eine Trauma Folgeerscheinung ist.

    • Eltern sind einzig legitim . Von der Natur aus ausschliessend legitimiert .
      Auf die Entwicklung selbstverständlich hat die umgebende Kultur Einfluss .
      Die Kritik an Eltern kommt regelmässig von totalitären Heilsprojekten,
      die den neuen – besten – Menschen schaffen wollen .

      Nicht zufällig setzen diese Projekte auf Schuld und tunken die Menschen mit behaupteten Unwissen und nicht akzeptieren dieser vermeintlichen Schuld und dieses vermeintlichen Versagens in das Fass der Inquisition .

    • @mamomi
      “ traumatisierte Menschen auf die Idee kommen, ihre Kinder erziehen zu müssen“

      Darum stellen auch tolerante Eltern den Kindern ein Fernsehgerät ins Kinderzimmer ….

    • Ich lehne Erziehung eigentlich ab.
      Vorleben ist viel wichtiger. Das ist nicht von mir, sondern habe ich von meiner Mutter und hat sich nach meiner Erfahrung bewehrt.
      Natürlich ist das anstrengend und man komm jeden Tag auch an Grenzen und verfällt in Muster, die am Ende doch Erziehung ist.
      Eine planmäßig und zielgerichtete Tätigkeit ist es bei mir nie gewesen.
      Kinder imitieren ihre Eltern.
      Das kann man bis zu übernommenen Redewendungen der Eltern beobachten, dass manchmal sehr lustig sein kann.

    • Ich denke nicht, dass es wirklich ein Problem der Definition von Erziehung gibt, sondern eher, dass Herr Lenz diese gänzlich ablehnt. Das halte ich für grundfalsch.

      Erziehung und Unterstützung/Förderung der Persönlichkeitsentwicklung gehen Hand in Hand. Jede Form von „Anleitung“ von Kindern durch Erwachsene zu verteufeln ist ein völliger Irrweg, weil total einseitig und nicht kindgerecht.

      Das hat nichts damit zu tun, dass Kinder nicht sich selbst entwickeln und entfalten dürfen, dennoch brauchen Sie Anleitung und Führung – nur das ist kindgerecht und schafft Stabilität und Halt.

    • volume:
      Ich habe den Eindruck, dass dies hier mal wieder ein schreiberspacetypisches Missverständnis ist.
      Was ist „Erziehung“?
      Richtig vorleben, als Eltern, und dann nicht nur so reden, sondern tatsächlich auch so selber machen wie man sagt, und so zum freiwilligen Nachahmen zu motivieren – ist das Erziehung?

    • Lieber waldbaer, das, was sie meinen, nennt sich „Modelllernen“, das ist eine Lerhtheorie von A. Bandura. Es ist EINE Art, jemandem etwas beizubringen, beileibe nicht die einzige/beste.

      Erziehung, um es mit Kant zu sagen, hat etwas mit „Freiheit bei dem Zwange“ zu tun… Es gibt Regeln für Kinder, es gibt Grenzen, es gibt Verbote… und es gibt Lieber, Verständnis, Zuhören, Eingehen auf die Wünsche, …

      Es gibt eben BEIDES. Was Herr Lenz hier schreibt, ist schlichtweg einseitig und falsch.

    • „Was Herr Lenz hier schreibt, ist schlichtweg einseitig und falsch.“
      Was Rüdiger Lenz schreibt ist weder einseitig noch falsch, nur Sie haben eine andere Meinung. Und leider haben Sie Ihre andere Meinung noch nicht so begründet, dass Sie für mich nachvollziehbar wäre.
      Abwesenheit von Erziehung bedeutet, dass ich weder antiautoritär noch laissez fair „erziehe“. Jegliche Form von Erziehung hat ein Ziel und wenn ich für einen anderen Menschen ein Ziel habe, dann kann ich nicht mit ihm in einer wirklichen Beziehung sein. Kinder werden dann zu Objekten und ihrer eigenen Würde beraubt. Das gleiche passiert, wenn ich erwachsene Menschen „erziehen“ will, unter Ehepartnern soll das immer mal wieder vorkommen 😉

      Abwesenheit von Erziehung bedeutet, dass ich mit mir selbst in einer guten Beziehung sein muss und wie „schwarz ist weiß“ sehr richtig schreibt, ist das anstrengend. Und ja, da passiert es schnell, dass man doch wieder in den „Erziehungmodus“ kommt, weil man selbst gerade keine andere Lösung weiß oder selbst „getriggert“ ist. In Beziehung sein heißt, mit Kindern konstruktiv Konflikte auszutragen und da helfen Verbote oder Gebote überhaupt nicht. Erziehung basiert häufig auf Angst: ich habe Angst, dass mein Kind sich nicht so entwickelt, wie ich glaube, dass es gut für es sei. Ich habe Angst, dass mein Kind nicht selbst entscheiden kann, was es braucht und was es nicht braucht usw. usf. Da hilft es dann schon, die eigenen Ängste zu überprüfen, ob die nicht möglicherweise auf Glaubensätze beruhen, die einer ehrlichen Überprüfung überhaupt nicht standhalten.

      Zu Kant: Kant war ein Zwangsneurotiker und hatte über Kinder zwar eine Meinung, aber leider nicht viel Ahnung. Ebenso wie Jean-Jacques Rousseau, der seine eigenen 5 Kinder in Waisenhäuser gab.

      Doch wahrscheinlich würde eine wirkliche Diskussion über das Thema „Erziehung“ hier den Rahmen sprengen, so bleibt es halt beim Meinungsaustausch…was ja auch erst einmal gut ist 😉

  12. Dankeschön Herr Lenz!!!

    Wir müssen dieses Thema immer und immer wieder ansprechen, Bücher im Bekanntenkreis empfehlen oder gleich verschenken. Es gibt tolle Literatur, gerade von Arno Gruen und Erich Fromm. Aber auch Götz Wittneben hat dazu geschrieben. „Wenn wir wüssten“ heißt das Buch von ihm, es war mein Einstieg in dieses Thema.

    Neu ist das ja nicht. Schon Krishnamurti hat vor Jahrzenten gesagt: „Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein“. Milgram hat auch schon vor langer Zeit bewiesen, wohin Gehorsam führt.
    Das Wissen ist also schon lange da. Jetzt muss es nur gelebt und verbreitet werden.

    Ja und wann immer jemand zu mir sagt „mir hat diese Erziehung auch nicht geschadet“ antworte ich „offensichtlich doch“.
    Es ist am Anfang wirklich kein Spaziergang, sich von Normopathie und Anpassung zu befreien, alles neu zu denken und zu hinterfragen aber es lohnt sich wirklich!!! Am Ende des Weges wartet Seelenfrieden und die Freiheit. 🙂

    Rebellen braucht das Land!

  13. Kinder erziehen zu wollen ist schon für mich ein anrüchiger Ausdruck.
    Denn Kinder kommen ja nicht als „leere Hülle“ zur Welt,sonder für mich sind Kinder vollkommen.
    Kinder sind neugierig,authentisch und wißbegierig. Alles wonach der Erwachsene sich sehnt.

    Kinder kann man nur beschützen und begleiten,damit ihr Selbst bewahrt bleibt,bis sie sich selbst schützen können vor
    einer Welt,wo nicht gerade die Entfaltung des Menschen im Vordergrund steht.

  14. VERÄNDERUNGEN UND FRIEDEN WERDEN VERHINDERT
    Von der «Friedensbewegung» und «Alternativ»-Medien ebenso wie seit eh und je von den etablierten Parteien, Institutionen, Organisationen und dergleichen.

    Die einen wie die anderen verhindern das Aufkommen von:
    – Ungehorsam (Arno Gruen)
    – Sich nicht vereinnahmen lassen
    – Verweigerung
    Man will Anhänger, Spender. Man will andere führen, lenken, steuern (manipulieren). Man will die Bevölkerung wie eh und je weiterhin unter Kontrolle halten.

    Ganz besonders verhindert wird:
    – Dass es der Bevölkerung bewusst wird, dass Veränderungen und Frieden verhindert werden (dass dies nicht Schicksal oder gottgegeben ist).
    – Dass es der Bevölkerung bewusst wird, dass selbst die Thematisierung dieser Verhinderungen verhindert wird.

    „Die Basis unserer „Hochkultur“ ist das Bestreben, die Welt im Griff zu haben, sie zu besitzen, zu beherrschen und gleichzeitig für Mechanismen zu sorgen, die eine Verleugnung und Verschleierung dieser Motivation bewirken“ (Arno Gruen)

    • Nur weil etwas über 500 oder 5 000 Jahre lang (falsch) gemacht worden ist, muss es nicht richtig sein. Manche Kriege im Großen wie im Kleinen sind Folge dieser Traumatisierung/Fehlerziehung

    • Die sozialen und ökonomischen Verhältnisse im Kapitalismus entfremden den Menschen von sich selbst und seinen Mitmenschen,weil es nur darum geht,im Arbeitsprozess zu funktionieren. Und weil die Arbeit zusätzlich den Menschen abstumpft und entfremdet.
      Während die Handwerker und Bauern vor der Industrialisierung sich noch vollends mit ihrer Arbeit identifizierten und an ihr wachsen konnten.
      All diese Dinge bringen den Menschen dazu ,ein Konformist zu werden in der Zivilisation und sein Selbst zu verlieren und ein Mensch ,der sich selbst nicht sehr mag,davon aber nichts weiß,der wird immer eher versuchen seinen Kindern seinen Willen aufzuzwingen und wird nicht verstehen,welche Bedürfnisse ein Kind wirklich hat. Wenn erst mal das Kind abhängig gemacht ist von der Zustimmung oder Ablehnung der Eltern,dann ist sein Selbst schon gestört und verdrängt ins Unbewußte. Das Kind wird in einem solchen Fall nur benutzt vom Erwachsenen,um sich besser zu fühlen.

    • @ vizero
      “ Manche Kriege im Großen wie im Kleinen sind Folge dieser Traumatisierung/Fehlerziehung“
      na da hast du ja lustige Geschichtsbücher gelesen, um so einen satz rauszuposaunen!
      @ Kalender der Weisheit
      „Die sozialen und ökonomischen Verhältnisse im Kapitalismus entfremden den Menschen von sich selbst und seinen Mitmenschen,weil es nur darum geht,im Arbeitsprozess zu funktionieren.“

      aha, dann hatten die „menschen“ in Vorkapitalistischen Zeiten alle im buddelkasten ein glückliches leben in ihren familienclan gehabt? überzeugt mich nicht!

    • Wer sagt denn, das er Angst hat? Er verteidigt einfach „Erziehung“ an sich, und die ist auch nichts schlechtes. Gab es schon immer, Menschen waren schon immer ein Gemeinschaftswesen und haben in sozialer Gesellschaft gelebt.
      Nur weil „die Gesellschaft“ teilweise kranke Normen verkörpert, heißt das nicht, dass Erziehung per se schlecht ist.

    • @keeneahnung: „aha, dann hatten die „menschen“ in Vorkapitalistischen Zeiten alle im buddelkasten ein glückliches leben in ihren familienclan gehabt? überzeugt mich nicht!“

      Das ist natürlich Unsinn. Falls es Sie interessiert, empfehle ich Ihnen das Buch von Lloyd deMause „Hört ihr die Kinder weinen: Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit“.
      Ein Zitat: „Die Geschichte der Kindheit ist ein Alptraum aus dem wir gerade erst erwachen. Je weiter wir in der Geschichte der Kindheit zurückgehen, desto unzureichender wird die Pflege der Kinder, die Fürsorge für sie, und desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß Kinder getötet, ausgesetzt, geschlagen, gequält und sexuell mißbraucht wurden.“

      Wenn auch die psychische und körperliche Gewalt in der Erziehung seit Juni 2000 verboten ist, heißt das nicht, dass sie nicht immer noch stattfindet. Körperliche Gewalt ist den meisten klar, doch wo die psychische Gewalt anfängt, ist vielen Menschen nicht so deutlich.
      Wie oft höre ich junge Mütter zu ihren noch sehr kleinen Kindern sagen: wenn du jetzt nicht kommst, dann gehe ich ohne dich. Und wenn die Mutter sich dann auch noch entfernt, bekommt das Kind Angst und läuft ihr weinend nach. Das wird dann als „Erziehungserfolg“ bewertet, dabei wird das Kind in Angst und Schrecken versetzt.

      Eine weitere Empfehlung sind die Bücher von Alice Miller: „Am Anfang war Erziehung“ und „Das Drama des begabten Kindes“. Auch wenn Alice Miller selbst eine schwertraumatisierte Frau war und ihre eigenen Kinder nicht vor Gewalt geschützt hat, wie wir heute von ihrem Sohn Martin Miller wissen, sind ihre Bücher dennoch von großen Wert, auch für die heutige Elterngeneration.

    • @ Rüdiger Lenz
      kann ich nicht nachvollziehen, wie man aus dem von mir dargelegten Fragen/hinweise auf angst schließt?

      @ volume
      sehe ich genauso!

  15. Rührt nicht jede Art von Gewalt aus einem latenten Selbsthass heraus?!

    Nach den Büchern von Erich Fromm und Arno Gruen bin ich davon überzeugt.

    Aber Menschen wie diese Autoren werden nicht gern verbreitet von denjenigen,die die Hauptschalter bedienen.
    Denn sie stellen den Menschen in seinem gesellschaftlichen Zusammenhang dar, und erkannten,dass nicht die Menschen selbst Schuld sind sondern die sozio-ökonomischen Verhältnisse.

    Wenn Menschen an einem System wie dem unsrigen verzweifeln,werden die Symptome bekämpft,und sie kriegen Antidepressiva und andere Drogen,die dann natürlich legitim sind ,weil die Pharmaindustrie daran verdient.Das ist einfacher als ein ganzes System menschlicher zu gestalten.

    Nach der Lektüre von Stanley Diamond weiß ich ,dass in den Primitiven Gesellschaften die Menschen in Wahrheit ihr Selbst bewahren und entfalten konnten. Dabei wird immer das Gegenteil behauptet,nämlich dass nur in der Zivilisation die Menschen wirklich individuell sind. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wenn es um Äußerlichkeiten geht ,um Klamotten und solche Sachen ,mag das stimmen-aber das Innere ist entscheidend.

    In der Zivilisation trifft man immer seltener Menschen mit eigenen Gedanken und die nicht konformistisch sind.

  16. Dies ist einer der besten und dichtesten Beiträge zum gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben Deutschlands, Europas, den ich seit langen gehört habe; ich habe ihn mir 3 oder 4 Mal angehört und werde ihn in den nächsten Tagen/Wochen wieder anhören.
    Der Autor dieses Kommentars hat während seiner ganzen Schulzeit in der Schulzeit Angst gehabt, Ja ANGST. Vor den Lehreren, den Mitschülern und den meist boshaften, selten kameradschaftlichen Kommentaren, schlechten Noten, usw. Dies setzte sich bis zum Abitur fort. Abhängig vom Lehrer gab es auch sehr offene und lebendige Diskussionen – dies war selten.
    Dass Herr Lenz mit diesem Beitrag das Thema des Traumas als einem alltäglichen Ereignis anspricht, ist Ihm sehr zu danken – es stimmt und es prägt unsere Gesellschaft. Die Auswirkungen wurden im Beitrag angesprochen, das habe ich erst beim 3. hören richtig zugeordent und eigentlich in der Tragweite immer noch nicht verstanden, vermutlich würde ich zum Revolutionär…, einem Wohnzimmer-Revolutionär, aber immerhin…;)
    Der Autor dieses Kommentars ist prom.Arzt, mit psychotherapeutischem Hintergrund. Der Medizinbetrieb ist hierzulande in ausgeprägter Weise autoritär geprägt, Hirarchie, Angst um die Stelle, ihre Befristung, bzw. Verlängerung, Konkurrenzdenken etc. Dies gilt für alle Bereiche unserer Gesellschaft.
    Dies ist ein sehr trauriger Zustand. Verbesserung können wir nur erwarten, wenn dieser Zustand den Menschen hierzulande zunehmend bewußt wird. Und dann im Alltag zunehmend Mitmenschlichkeit gelebt wird – in einem Verständnis, dass der andere gesehen wird, und mit der Aufmerksamkeit behandelt wird, die Mann und Frau selbst gerne spüren würde. Jeder müsste für erkennen und das Bewußtsein entwickeln, dass dies wichtig ist, und für das Zusammenleben einen bedeutenden Unterschied macht.
    Herzlichen Dank für diesen Kommentar, und die Veröffentlichung hier. Sie sollten ihn einmal in der Woche als Tagesdosis oder was-auch-immer bringen. Es lohnt sich ihn öfter anzuhören.

  17. Ach wie wahr doch dies!
    Ein Quell wichtiger Einisichten,
    Kleine Schuppen Glück,
    die zusammen Flügel bilden,
    einen Schmetterling,
    der durch die Luft tanzend,
    im Sonnenlicht fliegt.
    Allein, es sind immer die gleichen,
    die da lesen,
    die wissen schon,
    zumindest ungefähr.
    Es sind die, die sich da auflehnen,
    gegen Krieg
    und gegen Gewalt,
    es sind die Kranken im „Gesunden“,
    oder die Gesunden im Kranken,
    es sind meist die nicht Normalen,
    die mit den verrückten Ideen,
    die deren Fantasie sich noch bewegt,
    die, die den Schmerz in sich tragen,
    ob der Welt die uns umgibt…
    könnte sie soch ein Paradies sein,
    ein Garten Eden,
    in dem Liebe ist
    und Fülle.
    Nur wie?
    Wie erreichen wir die Anderen?

  18. Ich freue mich immer so sehr über solche Artikel, da ich der Meinung bin, daß die Traumen, die wir durch nicht gerechte Erziehung mit uns rumtragen, sehr lebensbestimmend sind und somit auch gesellschaftsbestimmend. Ich gehe jetzt nicht davon aus, daß jeder sich damit tiefgehend beschäftigen will oder kann, aber ich bin froh, daß dieses Thema in die Öffentlichkeit findet. Guter Artikel!

  19. Ich mag irren, aber ich meine mich zu erinnern, daß Herr Moll das ähnlich formulierte, das mit der traumatisierten Gesellschaft.

    KenFM im Gespräch mit: Gunther Moll („Der Umbruch“ / „DieKinderwagenRevolution“)

    Prof. Gunther Moll ist Kinderpsychiater an der Universitätsklinik Erlangen. Hier leitet er seit über zehn Jahren die Kinder- und Jugendabteilung für psychische Gesundheit.

    Moll hat selber fünf Kinder, ist also auch dann noch mit der Zielgruppe seines Berufes in Kontakt, wenn die Arbeit ruht.

    Das merkt man. Prof. Moll ist politisch engagiert und fordert die Bundesregierung immer wieder dazu auf, Politik nicht für, sondern MIT Kindern zu gestalten. Das ist bitter nötig, denn auch in einem der reichsten Länder der Erde, der BRD, leben zwei Millionen Kinder unterhalb der Armutsgrenze. Das hat Konsequenzen für ihr ganzes Leben.

    Prof. Moll ist der Autor mehrerer Bücher, die sich vor allem mit der Gehirn-Entwicklung des Kindes beschäftigen. 2012 veröffentlichte er zusammen mit seinem Sohn die Broschüre „Die Kinderwagen-Revolution“. Es geht um Menschenrechte, die, so Moll, keine Empfehlung sind, sondern Verpflichtung für die Politik.

    Wer sich wie Prof. Moll tagtäglich mit schwer psychisch erkrankten Kindern beschäftigt, stößt dabei permanent auf eine der Hauptursachen. Es ist unser genereller Umgang mit dem eigenen Nachwuchs. Kinder gelten in Deutschland sehr oft als Störfaktor. Wer Kinder hat, ist nicht „flexibel“ genug, um im Neoliberalismus bestehen zu können.

    Was ist von einer Gesellschaft zu halten, die die eigenen Nachkommen daher immer häufiger an die Verhältnisse „anpasst“ und Kinder mit Medikamenten ruhigstellt?

    Wie muss man es bewerten, dass Kinder, die nicht kindgerecht aufwachsen, da sie z.B. unter Bewegungsmangel leiden, von der Pharma-Industrie als höchstprofitable Kunden vermarktet werden und dabei auch noch von der Politik unterstützt werden?

    Wer wie Prof. Moll diese Fakten benennt, bekommt sehr schnell Probleme und wird verleumdet, denn er gefährdet ein Milliarden-Geschäft mit dem „Dauerpatient“ Kind.

    Prof. Moll redet im Gespräch mit KenFM nicht um den heißen Brei. Er will, dass die Opfer dieser Politik, Kinder, endlich zu Wort kommen: „Wenn erst einmal ein paar 14-Jährige im Bundestag sitzen, dann wird unsere Demokratie erst lebendig“.

    Wäre das so, dann hätten wir in diesem Land mehr Lehrer, kleinere Klassen und Schulen, die nicht aussehen, als könnte man sich ihre Instandhaltung nicht leisten. Wie immer hängt es am Geld, das erst fließt, wenn Kinder in Behandlung müssen.

    Parallel plant unsere Regierung, 70 Milliarden in Rüstung zu investieren, während die Kinder von Hartz IV-Empfängern sozial auf dem Abstellgleis landen. Hier ist Krankheit vorprogrammiert. Das ist kein Zufall, das hat System.

    Prof. Moll legt als einer der renommiertesten Kinder-Psychiater der Bundesrepublik Deutschland den Finger in die Wunde.
    https://kenfm.de/gunther-moll/

    • In diesem Zusammenhang mag auch Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm „Alphabet: Angst oder Liebe (2013)“ von Interesse sein:

      Unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem wird durch krisenhafte Entwicklungen zunehmend in Frage gestellt, und eine Antwort ist nicht in Sicht. Die politischen und wirtschaftlich Mächtigen wurden zum Großteil an den besten Schulen und Universitäten ausgebildet. Ihre Ratlosigkeit ist deutlich zu spüren, und an die Stelle einer langfristigen Perspektive ist kurzatmiger Aktionismus getreten. Mit erschreckender Deutlichkeit wird nun sichtbar, dass uns die Grenzen unseres Denkens von Kindheit an zu eng gesteckt wurden. Egal welche Schule wir besucht haben, bewegen wir uns in Denkmustern, die aus der Frühzeit der Industrialisierung stammen. Die Lehrinhalte haben sich seither stark verändert und die Schule ist auch kein Ort des autoritären Drills mehr. Doch die Fixierung auf normierte Standards beherrscht den Unterricht mehr denn je. Denn neuerdings weht an den Schulen ein rauer Wind. „Leistung“ als Fetisch der Wettbewerbsgesellschaft ist weltweit zum unerbittlichen Maß aller Dinge geworden. Doch die einseitige Ausrichtung auf technokratische Lernziele und auf die fehlerfreie Wiedergabe isolierter Wissensinhalte läßt genau jene spielerische Kreativität verkümmern, die uns helfen könnte, ohne Angst vor dem Scheitern nach neuen Lösungen zu suchen. Erwin Wagenhofer dokumentiert verschiedene Ansätze, sich dem Thema Bildung, Bildungsinhalte, Wissensvermittlung etc. zu nähern und sich kritisch damit auseinanderzusetzen.

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