Tagesdosis 18.2.2019 – Ohne Analyse keine Lösung

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Die Welt gleicht einer Katastrophe. Der Raubbau an der Natur zum Zweck der Profitmaximierung hat bedrohliche Ausmaße angenommen. Landstriche verwüsten, Insekten und Pflanzen sterben aus, Inseln verschwinden im Meer. Die Slums wachsen, jeder siebte Erdbewohner leidet – trotz Überproduktion – an Hunger. Kein Wunder: Die Flüchtlings- und Migranten-Ströme in Richtung der Imperien, wo volle Warenhäuser locken, reißen nicht ab. Doch die Macht schläft nicht. Immer neue Ressourcenkriege zettelt das imperialistische Bündnis aus USA und EU an. Dafür stockt Deutschland den Rüstungsetat auf. Um die Menschen in diesem Chaos gefügig zu halten, berät die Finanzwelt darüber, das Bargeld abzuschaffen.

In Wahrheit tobt dieser Krieg seit vielen Jahrzehnten. Es ist ein barbarisches Gerangel um Zugriff auf Ressourcen und Märkte auf der einen sowie Verteilung, Teilhabe und soziale Rechte auf der anderen Seite. In der Peripherie hat sich längst kapitalistische Anarchie ausgebreitet, mit schlimmen sozialen Folgen. Lange bekam das deutsche Kleinbürgertum davon nicht viel mit. Mit den Flüchtlingen, der wachsenden Zahl Obdachloser unter Brücken deutscher Großstädte, mit der Wohnungsnot und der Prekarisierung des Arbeitsmarktes kommt die Ahnung: Der Kelch wird am Flecken Deutschland nicht vorübergehen.

Das macht Angst und frustriert. Hände ringend suchen viele nach Lösungen – verständlich. Die einen rufen nach Abschottung Deutschlands vor all dem bedrohlichen Unheil. Manche schreiben visionäre Konzepte, zum Beispiel für ein Bedingungsloses Grundeinkommen, kurz: BGE. Andere geißeln das „verzinste Geldsystem“ als Ursache allen Übels und trommeln dafür, es abzuschaffen. Und sehr viele empören sich immer wieder aufs Neue: Warum hat Deutschlands Kriegsministerium unter Ursula von der Leyen so viel Geld für die Aufrüstung übrig, während es für Soziales angeblich nicht reicht?

Viele kritisieren, die Autorin bringe nur Analysen, aber keine Lösungskonzepte. Doch sie selbst scheitern an der kapitalistischen Realität. Die Regierung tut einfach nicht, was sie fordern. Nein, tut sie auch nicht. Sie hat nämlich die Aufgabe, die Verhältnisse zu managen, und zwar im Sinne ihrer Auftraggeber. Das sind die Profiteure. Der Rest, die Masse, hat gefälligst Profite für diese Klientel zu erwirtschaften. Der Kapitalismus, in dem wir leben, funktioniert so. Er hat nur einen irrationalen Selbstzweck: Profitmaximierung in den Taschen der Besitzer der Produktionsmittel – mit allen Mitteln und allen verfügbaren Waffen.

Was mit einer Regierung geschieht, die das anders sieht, sieht man unter anderem an Griechenland, Venezuela, Libyen, Syrien, der Ukraine. Die ökonomische Erpressung, das Anzetteln von Bürgerkriegen und Regimechanges gehören in den Werkzeugkasten der militärischen Großmächte. Die Geschichte, wonach der kapitalistische Staat wir alle seien, gehört ins Reich der Märchen und Mythen. Dass er das Instrument der herrschenden Minderheit ist, um die Mehrheit zu unterdrücken, zeigen auch Tausende schwerverletzte und Dutzende verstümmelte Demonstranten in Frankreich. Die Waffengewalt liegt beim Staat. Und er nutzt sie immer, wenn die bürgerliche Demokratie nicht den Interessen der Macht genügt.

An diesem Staat, dessen Aufgabe es ist, das System zu verteidigen, muss erst einmal vorbei, wer es ändern will. Ein Konzept, das dies nicht berücksichtigt, mag visionär sein. Doch es ist nicht umsetzbar. Auch die BGE-Freunde scheitern an der kapitalistischen Realität. Denken wir, was geschähe, gäbe es für jeden Erwachsenen 1.000 und jedes Kind 500 Euro. Dann hätte die Mehrheit der Familien mit Mutter, Vater, Kind künftig zusammen mit Erwerbseinkommen und BGE statt 2.500 nun 5.000 Euro zur Verfügung. Was täten Miethaie, Bahngesellschaften und die übrigen Kapitalisten? Sie würden die Preise erhöhen. Warum sollen sie 900 Euro für eine Vierzimmer-Wohnung nehmen, wenn die Masse 2.000 zahlen kann?

Das heißt: Vom BGE allein könnte niemand mehr leben. Wer es müsste, sollte sich schon mal einen Platz unter einer Brücke sichern. Mitnichten würde es vom Zwang zur Lohnarbeit befreien. Und auch die Löhne selbst gerieten in den freien Fall. Welcher Unternehmer wird 18 Euro pro Stunde zahlen, wenn seine Arbeiter dank BGE auch mit zehn Euro nicht verhungern? Die Regierung spielte mit, um das Wirtschaftswachstum nicht zu gefährden. Außerdem: Auch ein BGE würde letztlich aus Steuern berappt. Und die stammen aus Profit, der immer von Lohnarbeit abgeschöpft wird. Ein BGE unter kapitalistischen Bedingungen wäre nutzlos, weil es die Herrschenden und ihr Apparat wieder einkassieren. So funktioniert das System.

Eine Bewegung, die für soziale Rechte im Kapitalismus eintritt, muss sich dessen bewusst sein. Unter diesen Umständen ist es einzig sinnvoll, eine höhere und repressionsfreie, aber bedarfsgeprüfte und am Warenkorb orientierte Grundsicherung zu verlangen. Dies würde im Gegensatz zu allen BGE-Modellen auch zu Lohnsteigerungen führen. Nur wenn jemand keine Angst vor dem bodenlosen Absturz haben muss, wird er nicht mehr freiwillig für Billiglöhne mit allen Folgen schuften. Doch das will der Staat gar nicht.

An der Realität scheitern auch jene, die das Geldsystem als einziges Übel geißeln, aber die Eigentumsverhältnisse ausblenden. Abgesehen davon, dass auch hier der Staat nicht eingreifen wird, weil er eben als territorialer Manager des globalen Kapitalismus fungiert, sollte man einigen Fragen nachgehen. Was ist Geld, Kapital und Zins eigentlich? Was hat es mit der Geldschöpfung aus dem Nichts auf sich?

Geld ist ein Tauschäquivalent und Wertspeicher. Es beziffert den Tauschwert eines jeden Produktes oder natürlichen Gutes, das der Profitmaschine – dem Markt – unterworfen und so zur Ware wurde. Ein solches Äquivalent ist für den Tausch in einem gigantischen Warenlager unabdingbar. Und es funktioniert nur mit Waren, die jemandem gehören. Das ist im Kapitalismus erst mal der Eigentümer der Produktionsmittel.

Geld wird, wie Arbeitskraft und Produktionsmittel aller Art, erst dann zu Kapital, wenn es zum Zweck der Profitmaximierung in den Verwertungsprozess eingebracht wird. Es wird kapitalisiert. Darum heißt das System Kapitalismus. Die Bank verleiht Geld. Sie agiert als Dienstleister, um den Prozess der Kapitalisierung – die Vulgärökonomen sprechen vom Wirtschaftswachstum – anzukurbeln. Die Staaten erlauben es Banken, Geld aus dem Nichts zu schöpfen. Aber es bleibt nicht nichts:

Leiht sich ein Kapitalist Geld, um eine modernere Maschine zu kaufen, mit der er mehr und schneller als die Konkurrenz produzieren kann, wird real-wirtschaftlich Neues geschaffen, das ihm Profit bringt. Das aus dem Nichts geschöpfte Geld wird in Produktionsmittel und Arbeitskraft investiert. Es bringt reale Güter hervor. An dem Profit, den der Kreditnehmer einfährt, lässt sich die Bank als Dienstleister beteiligen. Sie fordert ihren Anteil in Form des Zinses. Der Zins ist also nichts weiter als ein Profitanteil für die Bank für ihre Dienstleistung. Auch die Werbeindustrie fordert als Dienstleister Anteile am Profit ihrer Auftraggeber.

Nimmt sich ein Arbeiter einen Kredit, um ein Haus zu bauen, entsteht ebenso real-wirtschaftlich Neues. Für die Zinsen muss er wiederum lohnarbeiten. Er schuftet also nicht nur zum Teil für den Profit seiner Chefs, sondern zu einem weiteren Teil für die Bank. Die Bank schöpft ihren Anteil in diesem Fall direkt vom Arbeiter ab. Man kann es auch so sagen: Die Bank herrscht über die Arbeit – so oder so.

Nun bewirkt der Zwang zur Profitmaximierung automatisch, dass sich das Kapital ganz oben konzentriert. Bank- und Industriekapital verschmelzen miteinander. Die multinationalen Monopole zeugen davon. Man spricht vom Finanzkapital. Auf den Finanzmärkten wird kräftig spekuliert. Das erweckt den Anschein, sie seien völlig abgekoppelt von der Wirtschaft. Der Schein trügt. Zwar generieren Spekulanten zuweilen gigantische Einzelprofite. Doch so entstehen Blasen, die regelmäßig platzen und Krisen produzieren, wenn in der Realwirtschaft nicht entsprechende Profite durch Arbeit erbracht werden können. 

Die kurzfristigen Einzelprofite durch Spekulationen mit Aktien und Wertpapieren machen zwar einige Menschen sehr reich, wodurch sich auch Eigentums- und Machtverhältnisse verschieben. An der Gesamt-Profitrate ändern sie nichts. Und diese befindet sich im Fall, und zwar aufgrund der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung. Man kann sich das wie folgt vorstellen:

Ein Kapitalist kauft die neueste modernste Maschine. Damit kann er mit halb so vielen Arbeitskräften doppelt so viel produzieren wie seine Konkurrenten. Er entlässt einen Teil seiner Lohnarbeiter in die Armut, spart so Kosten, und bringt trotzdem doppelt so viele Produkte wie zuvor auf den Markt. Wegen der Masse kann er sie billiger verkaufen, als die Konkurrenz. Er fährt kurzfristig sehr hohe Renditen ein, sein Unternehmen boomt. Doch die Konkurrenz zieht technologisch nach, um nicht unter zu gehen.

Dieses Gerangel mündet in einem Preiskampf nach unten. Dann geht es um Marktanteile. Es mag einer den Markt für sich gewinnen, wenn er die anderen in die Pleite treibt. Insgesamt aber wird für die Produkte immer weniger Profit eingefahren, derweil sich das Kapital konzentriert und sich die Sozialausgaben des Staats für entlassene Lohnabhängige erhöhen. Kurz gesagt: Erhöht sich der Anteil von konstantem Kapital gegenüber dem variablen Kapital, also der Arbeitskraft, sinkt die Gesamt-Profitrate. Um dagegen zu halten, verschärfen Staat und Kapitalisten das Spiel weiter: Die Reallöhne sinken, der Staat schröpft die im Produktionsprozess verbliebenen Arbeiter immer stärker, bis nichts mehr geht und für den Krieg aufgerüstet wird.

Das ist die Realität. Wer sich dieser verweigert, kann schöne Utopien produzieren, aber keine Lösungen. Letztere ergeben sich aus der Analyse des Ist-Zustandes. Die beste Software nützt auch nichts, wenn keiner versteht, wie der Computer funktioniert. Schon Rosa Luxemburg schrieb im Weltkriegsjahr 1915 nieder: „Zu sagen, was ist, bleibt die revolutionärste Tat.“ Die Handlungsoptionen sind aktuell ziemlich eindeutig. Ich habe mich schon öfter dazu geäußert. Dass sie den meisten nicht gefallen, ändert nichts an der Realität und daran, dass die Konsequenz des Nichthandelns das „Weiter so“ ist – mit allen Folgen. Und die werden – so viel ist sicher – für die Mehrheit der Menschen alles andere als glimpflich enden.

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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43 Kommentare zu: “Tagesdosis 18.2.2019 – Ohne Analyse keine Lösung

  1. Die Regierung tut einfach nicht, was sie fordern. Nein, tut sie auch nicht. Sie hat nämlich die Aufgabe, die Verhältnisse zu managen, und zwar im Sinne ihrer Auftraggeber. Das sind die Profiteure.

    Den Satz sollte man sich unbedingt merken, und hervorholen, wenn die Träume, was man tun könnte, in den Himmel wachsen

    Es ist Zeit die Realität anzuerkennen, auch wenn sie nicht gefällt und schon gar nicht ins Konzept passt.
    (Sagte nicht Herr Dr. Ruppert auch sowas von erst einmal anerkennen, auch wenn es weh tut)

  2. Schonmal danke für die schöne Zusammenfassung! 🙂

    Mehr Klarheit bei ökonomischer Analyse

    „Geld ist ein Tauschäquivalent und Wertspeicher. Es beziffert den Tauschwert eines jeden Produktes oder natürlichen Gutes, das der Profitmaschine – dem Markt – unterworfen und so zur Ware wurde.“

    Geld ist Kaufkraft, Geld ist nicht Abbildung von Güten und Dienstleistungen. Mit den Mitteln der Neoklassik (BIP, Profit, ‚Inflation‘, usw.) lässt sich nicht sagen wie nützlich Arbeit ist, wie nützlich die Natur ist, es kann keine Aussage darüber getroffen werden was ökonomisch machbar wäre mit anderer Verteilung der Kaufkraft.

    Ein Ansatz für bessere Wirtschaftsanalyse: Arbeit die gerne gemacht wird wird günstig bis umsonst gemacht. Arbeit die z.B. sinnlos ist, ineffektiv ist oder Firmen dient Verantwortung abzuwehren muss groß entlohnt werden. Z.B. den Insulinkranken krank halten ist gut fürs BIP, ihn (auch mit Hilfe von Fastenzeiten) heilen ist schlecht dafür. Human Resources Abteilung löst Probleme nicht wirklich, spricht aber von Verantwortung bei Missständen frei.

    ‚An der Gesamt-Profitrate ändern sie nichts. Und diese befindet sich im Fall, und zwar aufgrund der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung.‘

    Hier wird noch im Neoklassischen gedacht. Die Automatismen der Geldschöpfung bedenken in der Analyse. Die Probleme hatten wir schon im alten Rom, der Ausweg hies anfangs noch ‚Schuldenjubiläum‘ und später dann ’schleichender Verfall‘.

    Realistische Aussagen über die Wirtschaft kommen nicht davon, dass wir uns die Wirtschaft primär von privater Buchgeldschöpfung abhängig anschauen, dass wir uns deren Messwerte anschauen (Geldströme). Großes Problem: Neuer Unternehmerkredit der den Zins hebt, der ist gleichzeitig Nachfrage nach Kapitalgütern. Ein relativ hoher Zins ist gutes Signal für mehr Investment nicht weniger. (Hat es mit Lohnarbeit ähnlich. Niemand will die Arbeit an sich sondern nur Produkt der Arbeit geldwert verkaufen.)

    Dieses ‚euphorische‘ Verhalten der Unternehmer (Kreditnehmer) in guten Zeiten verknappt die Nachfrage nach Arbeit, Kredit, Produkten in marginal schlechteren Zeiten extrem da die Kunden massiv Zinsen bedienen müssen da wo netto Neukreditaufnahme die Zinsen nichtmehr bedient.

    In Bildern ausgedrückt:
    https://theconversation.com/i-predicted-the-last-financial-crisis-now-soaring-global-debt-levels-pose-risk-of-another-84136

    Hier noch Ansätze einer energiebezogenen ökonomischen Modellierung:
    https://www.youtube.com/watch?v=lU61fWNObmw

    Eine Analyse die plausibel und leicht erklärt die Wirtschaftstheorie revolutioniert kann Menschen bewegen. Warum versagen Märkte? Weil die Roboter kommen? Ich denke nicht. Eigentum, Arbeit und Erwartungen, da muss die Analyse zentral ansetzen glaube ich.

    Deutungshoheit über Nutzen, Sinn, liegt (auch) beim Individuum.

    Seine Arbeit vergibt man nicht irgendwie wenn man weniger Geld hat sondern wenn man sich entscheidet: Hier arbeite ich.

    Da macht Grundeinkommen im Sozialismus und Anderswo Sinn, ausser alles ist tatsächlich kostenlos durch Allmende/Commons organsiert: Die Mittel um politisch aktiv zu werden, um gemeinschaftlich was zu erleben online oder offline, um Unternehmungen vorzunehmen also die Welt besser zu machen. Ohne dabei ständig bei dem einen oder anderen Amt Rechenschaft ablegen zu müssen.

    Der Mensch, befreit vom Motiv des Gelderwerbs als einziger Sinnstifter und einzige Rechtfertigung (z.B. für Gegenseitigkeit), der kann durchaus auch selbstbestimmt und eigenverantwortlich in der Gemeinschaft handeln. Vertrauen wird möglich da Mündigkeit erlernt wird.

    Kein Geldsystem und keine Authorität kann in der Gänze Abhängigkeiten, Chancen und Risiken vollständig und zeitig erkennen. Wir wissen nicht wer wie viel beiträgt, welche Art und Weise der Umsetzung preferiert wird, gut geeignet (würdevoll) ist für diverse Arbeiten.

    Wenn ich vom BGE rede dann auch von 24-Stunden Vollzeit Woche und kostenfreiem Wohnen für Endnutzer. Nicht nur sind dies Themen auf der Höhe der Zeit sondern sind sie auch geeignet um Denkmuster bezüglich Neoklassik,’Freier Markt‘ und Verdienst aufbrechen.

    Platformen/Betriebe demokratisch mitgestallten wird dann auf einmal interessant wenn man das Marktversagen denken kann. Auf einmal ist es meine, deine, unsere Verantwortung das zu entwickeln.

    Mit dem Wissen macht Machtergreifung auf einmal ganz schnell Sinn und Spaß.

    Ein paar Begrifflichkeiten

    ‚Warenkorb‘ ist tricky. Heute ist im Warenkorb nicht genug Wohnraum weil Wohnungen immer größer werden. Geldwerte Nachfrage kommt immer mehr vom Investor- und Luxussegment. ‚Angemessener‘ Wohnraum wird da schnell Mangelware. ‚Echte‘ Bedarfsorientierung macht natürlich Sinn.

    ‚Bedarfsprüfung‘ kann (und sollte mMn.) unabhängig von Einkommensgarantie gesehen werden, ‚false negatives‘ können und brauchen wir uns nicht leisten, also Leute die Recht haben auf Anteil aber diesen nicht bekommen. Dann doch lieber prüfen wo Eigentum/Renten sich anhäufen und da rann gehen. Dem politischen Willen dafür würde es jedenfalls nicht schaden das Thema BGE mehr mit einzubeziehen, mehr zu beanspruchen. Nein, uns geht die Arbeit nicht aus, dafür brauchen wir kein Grundeinkommen. Grundeinkommen brauchen wir um gute und wichtige Arbeit gerne zu machen.

    Moralische Sentiments lassen sich damit brauchbar kommunizieren und im Umkehrschluss schreckt man vielleicht Sympathisanten ab wenn man pauschal dagegen wettert.

    Hoffe dass ich zu mehr Klarheit beitragen konnte! Schönen Tag auch noch. 🙂

    P.S. „Zu sagen, was ist, bleibt die revolutionärste Tat.“
    Tatsache! Und was tatsächlich ist, das zu erkennen ist garnicht mal so einfach. Marx gab uns die Aufgabe sein Werk zu vollenden. Bei Denkern wie Yanis Varoufakis, Steve Keen, Mary Mellor, Guy Standing, Silvia Federici und vielen Anderen ist die Nachricht auch schon angekommen.

    • Moin, RaoulW, Ideen gibts sicherlich viele! Doch die entscheidende Frage bleibt nach wie vor, wer die Mehrproduktion schafft in einer Gesellschaft, d.h. wer arbeitet länger als es fuer seine Wiederherstellung seiner Arbeitskraft nötig wäre, aber vor allen Dingen, wer eignet sich diesen Wert an, um seine Macht auszubauen, einen Repressionsapparat zu schaffen, eine/viele Lehranstalten zu schaffen, wo nur das gelehrt wird was in Herrschers Sinne ist, einen Richter und Gesetzesapparat zu unterhalten, der dafuer sorgt, dass keiner aus der Reihe tanzen kann? Sie beschreiben viel, und ich weiss noch nicht einmal, ob es vernuenftig ist oder nicht, aber ich weiss, dass Sie mit ihrem Kommentar zumindest nicht bei mir fuer mehr Klarheit gesorgt haben.
      mfG

  3. „Eine Bewegung, die für soziale Rechte im Kapitalismus eintritt, muss sich dessen bewusst sein. Unter diesen Umständen ist es einzig sinnvoll, eine höhere und repressionsfreie, aber bedarfsgeprüfte und am Warenkorb orientierte Grundsicherung zu verlangen. Dies würde im Gegensatz zu allen BGE-Modellen auch zu Lohnsteigerungen führen. Nur wenn jemand keine Angst vor dem bodenlosen Absturz haben muss, wird er nicht mehr freiwillig für Billiglöhne mit allen Folgen schuften. Doch das will der Staat gar nicht.“
    Das bestehende Modell Grundsicherung in SGB II mit Bedarfsprüfung und Sanktionsregime hat, relativ zur Produktivität, zum größten Niedriglohnsektor Europas geführt. Das jetzt vor dem Bundesverfassungsgericht die Frage nach der Verfassungsmäßigkeit von Sanktionen in SGBII gestellt wird ist mit ein Verdienst der BGE Bewegung, die immer schon die Sanktionierung des Existenzminimums auf das Schärfste kritisiert hat. Ja, das herkömmliche BGE ist nicht geeignet den Kapitalismus abzuschaffen. Genau wie die Gewerkschaften nicht für Systemumsturz zuständig sind. BGE und Gewerkschaft kümmern sich in erster Linie um die Verbesserung der Lage von Menschen, die sich im Repressionsregime der Jobcenter oder in der diktatorischen Umklammerung von Unternehmen und Konzernen befinden und mehr können diese Bewegungen auch nicht leisten.
    Jede Weiterentwicklung des BGE zu einem GE oder ähnlichem ist zu begrüßen.

  4. was nicht erwähnt wird das die Tiere die Insekten wie Bienen und pflanzen durch die 5G oder 4G funk türme schon schaden bekommen haben wir haben schaden dadurch bekommen aber er wird nicht erwähnt, ja ist doch super schneller weiter besser. nein wir werden nur schneller und weiter in der Zukunft gekillt dadurch nicht nur wir alles um uns herum. Schaft 5G funk Türme ab und auch 4G

  5. Liebe Frau Bonath,

    Danke für Ihre Gedankengänge. Ich bin unter anderen jemand, der die jetzige Form der Geldschöpfung und den (nicht mitgeschöpften) Zinseszins als Ursache für die jetzigen (also eigentlich seit der Gründung der Bank von England) von uns allen wahrgenommenen Auswirkungen sehe.

    Was würde Ihrer Meinung nach mit dem Kapitalismus (also dem Wachstumszwang) passieren, wenn (nur theoretisch) die Mehrheit der Staaten das Geld direkt in der Zentralbank schöpfen und dies als Investitionen, Helikoptergeld o.ä. direkt in den Wirtschaftskreislauf geben würden. Weiterhin würden die Banken nur noch real bestehendes Geld der Kunden als Kredite weiterreichen können.

    Meiner Meinung nach würde der Wachstumszwang entfallen. Haben ich damit Recht? In welche Richtung würde sich dann unser Wirtschaftssystem entwickeln? Dazu noch eine gerechte Besteuerung, Kreislaufwirtschaft, echte Demokratie usw.

    Ich weiss, dass diese Wünsche utopisch sind. Trotzdem freue mich auf Ihr Gedankengänge… Natürlich auch von allen anderen in diesem Forum.

    Jones

    • Hallo Jones,

      ich versuche mal, darauf zu antworten.

      1. Die privaten Banken müssen schon jetzt Geld bei den Zentralbanken leihen. Daraus resultiert der Leitzins. Es gibt die Buchführung. Auch Banken können nicht einfach tun und lassen, was sie wollen.

      2. Kredite, die Banken generieren, sind nichts weiter als Vorschüsse auf reale Profite. Ich schrieb: Das „geschöpfte Geld“ bleibt nicht nichts. Es wird genommen, um es in Produktionsmittel + Arbeitskraft zu investieren, wodurch reale Werte entstehen:

      3. Was bitte ist „real bestehendes Geld“? Auch wenn ich nicht verstehe, was Sie meinen, will ich mal folgendes dazu sagen: Wenn ‚Geld ein Tauschäquivalent und demzufolge auch Wertspeicher ist, also etwas, mit Produkte miteinander vergleichen, Tauschwerte beziffert werden, dann ist es völlig egal, wie viel davon da ist. An der Ökonomie ändert sich nichts. Der Wert des Geldes, das im Wirtschaftskreislauf ist, ist immer abhängig davon, wie viele reale Waren dieser Geldmenge gegenüberstehen. Sie sehen das am Beispiel der Inflation. 1919 spülte die Regierung viel Geld in den Wirtschaftskreislauf. Ruckzuck war die Inflation da, denn: Es standen der Geldmenge nicht genügend reale Waren gegenüber. Ähnlich ist es in Venezuela aktuell.

      Falls sie auf eine bspw. goldgedeckte Währung anspielen, weil Gold ja ein reales Produkt ist, sage ich: Das würde heute bei dem gigantischen Wirtschaftswachstum gar nicht mehr funktionieren mit einer begrenzten Ressource als Tauschäquivalent. Der Kapitalismus würde schon vorher crashen.

      4. Der Wachstumszwang, von dem ja auch alle Politiker reden, hat mitnichten mit dem Geldsystem zu tun, obwohl Geld natürlich für das „Funktionieren“ der Profitmaschine unabdingbar ist – ja auch für den Tauschwarenmarkt in diesem gigantischen Ausmaß. Um den Wachstumszwang zu verstehen, müsste man eigentlich erst mal ein paar Grundlagen wissen.

      – Die Machtverhältnisse orientieren sich am Besitz. Der Sohn eines Kapitalisten geht zur Bank, um sich zwei Mio Kredit zu nehmen und davon Produktionsmittel zu kaufen und Profit einzufahren. Er kriegt ihn, da er Sicherheiten vorweisen kann (Papa). Der Arbeitersohn ohne Sicherheiten kriegt ihn nicht.

      – Wie die Lohnabhängigen um Jobs und Wohnungen konkurrieren die Kapitalisten gegeneinander um Marktanteile. Denn sie müssen so viel wie möglich verkaufen, um Profit zu machen. Das geschieht unter anderem durch Preiskampf. Kurz: Ein sehr reicher Kapitalist kann es sich leisten und setzt mal für drei Monate die Preise radikal runter. Was passiert mit seinem schwächeren Konkurrenten? Er geht pleite, weil er nichts mehr verkaufen kann. Der reichere hat den Markt erobert. Nennt sich auch fortschreitende Monopolisierung.

      – Dieser Preiskampf wird auch technologisch geführt. Der reichere K. kann sich die teuerste modernste Maschine kaufen und produziert doppelt so viel wie der Konkurrent. Die Produktion wird billiger. Denn erstens kommt mehr vom Band in der gleichen Zeit, zweitens kann der K. Arbeiter entlassen und Lohnkosten sparen. Der Markt wird mit seiner billigen Massenproduktion geflutet, zugleich sinkt die Kaufkraft der Konsumenten durch mehr Arbeitslose. Die Folge: Die Preise sinken.

      – Dieses Spiel muss man sich mit vielen Kapitalisten vorstellen. Ich schrieb oben: Die Konkurrenz (so sie kann) zieht nach. Immer mehr billiger produzierte Waren kommen auf den Markt. Die kurzfristig hohen Einzelprofite des einen reichen Kapitalisten schrumpfen wieder, weil die Konkurrenz nachzieht. Insgesamt fallen die Preise, zudem schrumpft die Zahl der Kapitalisten (Kleinere werden platt gemacht), die wenigen werden größer, die Kaufkraft schwindet wegen der Automatisierung und die Gesamt-Profitrate fällt.

      – Damit die Warenpreise nicht ins Bodenlose fallen, vernichten Konzerne aus der Massenproduktion stammende Waren irgendwann, wenn sich ihre Menge so erhöht, dass sie wegen schwindender Kaufkraft (global gesehen) immer mehr runtergesetzt werden müssten. Und sie bauen Schwachstellen ein (geplante Obsoleszenz), damit wieder früher Waren nachgekauft werden müssen. Es entstehen gigantische Müllhalden.

      – Jeder Kapitalist muss bestrebt sein, seine Einzelprofite hoch zu halten. Denn er MUSS ständig in neues konstantes Kapital (neue Technologie) investieren, um die Konkurrenz zu übertrumpfen und den Preiskampf am Markt zu gewinnen. Was bedeutet es, immer neu zu investieren? Richtig: Immer mehr und noch neuere Produktionsmittel müssen ran, mit denen sich immer größere Massen produzieren lassen. Die Einzelkapitale müssen wachsen, um am Markt zu bestehen. Das ist der Konkurrenz und dem Kampf gegen die gesamtwirtschaftlich fallende Profitrate geschuldet. Weil der Staat der Gesamtkapitalist ist, managt er das ganze Spiel. Somit dreht sich alles um Wachstum.

      5. Da das Geld virtuell geworden ist, kann theoretisch beliebig viel Geld dabei kursieren. Ist es auf dem Markt, entscheidet sich sein Wert halt nach der Menge an realen Produkten. Das sagen sogar die Vulgärökonomen. Das mit den Spekulationen habe ich oben erklärt. Dadurch ist zwar die irgendwie im Umlauf befindliche Geldmenge weitaus höher, als das weltweite BIP, aber das sind alles Blasen, die irgendwann aufgrund einer der Menge nicht entsprechenden Wirtschaftsleistung platzen werden. Oder aber es käme zu einer Hyperinflation. Dann kostet ein Brot halt irgendwann eine Mio Euro. Merke: Geld kann man nicht essen, nur das Brot.

      6. Die Zinspolitik bestimmen, wie Sie sicher wissen, die Zentralbanken. Auch dazu noch ein paar Worte. Sie können anhand dieser Tabellen hier sehen, dass bei so gut wie allen Zentralbanken die Leitzinssätze tendenziell fallen. Die EZB hält ihn seit 2015 auf NULL. In Schweden und der Schweiz ist er sogar seit einiger Zeit im Negativen. Das bedeutet: Die Privatbanken kommen viel billiger an Geld. Sie müssen weniger zahlen für ihre Anleihen, ist er negativ, bekommen sie sogar noch was dafür. Das hat das Ziel, Investitionen anzukurbeln.

      Denn betrachten Sie den ganzen kapitalistischen Ablauf (Monopolisierung, Kapitalkonzentration/Akkumulation in wenigen Händen, Kaufkraftverlust, Preisverfall, tendenzieller Fall der Profitrate), sehen Sie, dass es zunehmend schwieriger wird, Produktionsmittel und Arbeitskraft zu kapitalisieren. Gelingt das nicht mehr, wird Kapital (auch Humankapital = Menschen) überflüssig. Überflüssiges Kapital wird mit Krieg vernichtet, denn es ist aus kapitalistischer Logik unbrauchbar.

      Das Absenken der Leitzinsen ist ein Mittel der Zentralbanken, billigere Kredite in die Wirtschaft zu blasen, damit diese trotzdem investiert, auch wenn diese Investitionen zunehmend unproduktiver, also weniger profitträchtig werden. Da fast alles kapitalisiert ist und neue Märkte kaum noch zu erschließen sind, zieht der Staat nach, indem er alles privatisiert, was geht (Krankenhäuser, Pflegeheime, Autobahnen, Parks, Seen, Schlösser, Freizeitparks, Schwimmbäder etc. pp….)

      7. Dass die Zinsen nichts weiter sind, als Profitanteile, die die Banken für ihre Dienstleistung des Geldverleihs für dessen Kapitalisierung von ihren Kreditnehmern verlangen (darum auch auch die unendlichen Sicherheiten), habe ich gesagt. Sie halten also nicht nur die Profitmaschine am Laufen, sondern auch die Reichen reich. Trotzdem ist dies ganz normales kapitalistisches Gebaren. Jeder Kapitalist, auch jeder Dienstleister, tut sein Ding für Profit.

      8. Mal abgesehen davon, dass diese Geldpolitik den Eigentums- und Konkurrenzverhältnissen geschuldet ist, also darauf fußt, und der Staat als Gesamtkapitalist nichts in eine Richtung ändern würde, die der kap. Logik widerspricht, würde sich auch, selbst wenn er ihre Vorschläge berücksichtigen würde, nichts ändern. Denn die Eigentums- und Konkurrenzverhältnisse sind ja nicht aufgehoben. Die Kapitalisten würden ja weiterhin aus einem einzigen Zweck prokduzieren: Profitmaximierung.

      Der Wachstumszwang wird erst dann entfallen, wenn die Wirtschaft für den Bedarf der Menschen produziert. Das wird sie aber nur, wenn sie allen gehört, nicht Einzelnen, die damit Profite maximieren. Und allen gehören kann die Wirtschaft nur dann, wenn wir dafür sorgen, dass der Staat nicht länger mit Waffengewalt diese Eigentumsverhältnisse schützt.

      So, puh, ich hoffe, ich war verständlich. Und ich hoffe nicht, dass morgen die Polizei vor meiner Tür steht wegen meiner Systemfeindlichkeit. Ich hoffe, Sie holen mich dann raus. 😉

    • Danke für die weiteren Erläuterungen.

      „Der Wachstumszwang, von dem ja auch alle Politiker reden, hat mitnichten mit dem Geldsystem zu tun, obwohl…“

      Wenn ich Ihnen auch größten Teils (idealistisch) zustimme, kann ich beim Geldsystem nicht so einfach nachgeben. Haben Sie schon einmal den Film von „Neue Impulse e.V.“ gesehen? Der Film „Goldschmid Fabian – Gib mir die Welt plus 5%“ skizziert die Wirkungsweise unseres Geldsystems und den Einfluss von Zins und Zinseszins auf die Länder und die jeweilige Bevölkerung.

      https://www.youtube.com/watch?v=_h0ozLvUTb0

    • @Jones

      Die Vorstellung, Reichtum habe in der Form von Geld ein von den Waren unabhängiges Eigendasein gefunden und könne sich per Zins vermehren, bewitzelte Marx mit der Bemerkung, dann müsse Geld ja wohl ein „Automat mit Lieb‘ im Leib“ sein. Geld, jenes dezent bunt bedruckte Papier, ist lediglich ein Dienstbote für die Vermittlung des Warentausches. Auch wenn dieser Dienstbote noch so hübsch livriert sein sollte, ist er nicht mit dem Herrn zu verwechseln. Geld hilft lediglich, die Mühen und Umständlichkeiten des direkten Warentausches (fragen Sie mal einen Manager nach Bartergeschäften!) zu umgehen.

      Darum ist es exakt so, wie Frau Bonath es sagt: Wird die Geldmenge freihändig vermehrt – heißt: wird Geld nicht als Kapital in die Produktion von Waren und warengleichen Dienstleistungen gepumpt, sondern fröhlich-flockig für den Kauf von Konsumwaren verausgabt – dann sinkt schlicht und ergreifend der Geldwert: Inflation.

    • @loup

      Dieses Prinzip (wenn Geldmenge > Waren/Dienstleistungen = Inflation) verstehe und akzeptiere ich. Leider zeigt das, dass Sie den Film nicht gesehen haben. Denn einen Betrag X zu erzeugen und dann zu verleihen und anschließend einen höheren Betrag (X+Zinsen) zurückzuverlangen, ist leider nicht möglich – wird aber so praktiziert. Meine Theorie und Überzeugung ist, dass diese Geschöpfungs-Vorgehensweise einen Wachstumszwang in unserem Wirtschaftssystem auslöst. Sozusagen der Anfang allen Übels.

      Schauen Sie den Film.

    • Sorry, Jones, aber die Dinge liegen viel einfacher. Zins ist nur ein vergleichsweise geringer Teil des von den in der Warenproduktion Tätigen geschaffenen Reichtums, der sozusagen als gesellschaftliches „Klötergeld“ vorliegt. Zeichnen Sie sich das einfache Bild der Warenströme, und alles liegt offen vor Augen. Nicht anders ist Marx vorgegangen. Einfach nur hinschauen und sehen, was zu sehen ist. Warum denn komplziert denken, wenn es auch einfach geht. Zinsen sind Klötergeld.

  6. Manche Leute (ich z.B.) „müssen“ mit 10,XX €/Stunde zurechtkommen. Das ohne BGE!
    Der Heilsbringer kann weder ein BGE noch sonst ein anderes „Konstruckt“ sein. Die Lösung ist man selbst.

    Man muss zum Glück nicht jeden Schrott kaufen und weniger ist oft viel mehr!

    • Moin, Neugier, ich weiss nicht, ob es mir gefallen wuerde mich fuer 10,XX Eur verdingen zu muessen. Aber ich denke, dass es nicht sein sollte, dass man diesen Zustand fuer seligmachend halten sollte. Wenn ich mir anschaue, was in diesem reichen Land erwirtschaftet wird, und es trotzdem z.B. flaschensammelnde Rentner gibt, oder Menschen, die nur 10,XX Eur (oder weniger) verdienen dann ist es nicht meine Vorstellung von Gerechtigkeit. Ich will ueberhaupt nicht fuer das BGE werben, weil ich davon ausgehe, dass das BGE einen verdammten Pferdefuss hat. Nein, es muss einen Kampf geben um mehr Geld. Punktaus.
      mfG

  7. Da hat aber jemand seinen Marx gut studiert. Gute Analyse. Vielen Dank. Denn vom tendenziellen Fall der Profitrate spricht ja niemand mehr und auch nicht von der Akkumulation des Kapitals. Naja, fehlt ja auch nicht mehr viel, dann ist es in einer Hand.

    • Bei der Akkumulation des Kapitals interessant ist vor allem die Überakkumulation, die es als temporäre (relative) und als chronische (absolute)gibt.

      Zu Marxens Zeiten gab es lediglich die temporäre Überakkumulation. In Zeiten lebhaften Geschäfts wollen viele auf den Profitzug aufspringen, und es wird viel Geld in Warenproduktionen investiert. Übersteigt das Warenangebot schließlich die zahlungskräftige Nachfrage, sinken die Verkaufserlöse, und die spät auf den Profitzug Aufgesprungenen können ihre Investitionskosten nicht mehr einfahren, machen Verlust und Pleite. Die Banken drehen nun den Kredithahn für alle zu, und es kommt zur sogenannten Überproduktionskrise. Nun schlucken starke Unternehmen die schwächeren (Kapitalkonzentration). Nach einer Phase allgemeiner Übelkeit aber geht es munter weiter.

      Bei der chronischen Überakkumulation findet Geld nicht mehr genügend Investitionsmöglichkeiten in der Warenproduktion (Investitionsnotstand), da die Produktivkräfte im Laufe der Zeit dermaßen hoch entwickelt worden sind, daß das konstante Kapital nun von einem Investitionszyklus zum nächsten hin BILLIGER wird (Technologiesprünge). Zu Marxens Zeit war dies noch nicht gegeben. Die chronische Überakkumulation aber führt in eine fortdauernde Profitkrise, die nur und allein durch die Entwicklung solcher völlig neuen Technologien gelöst werden kann, zu deren Einführung gewaltige Investitionen vonnöten sind (z.B. Wasserstoffauto, alternative Energien usw.), mittels welcher enorme Mengen lebendiger Arbeit unter das Kommando des Kapitals zu zwingen sind (lebendige Arbeit = Profit). Da eine solche Welle nicht in Aussicht steht, entstand aus dem Bemühen des Auftuns zusätzlicher Investitionsmöglichkeiten der allverhaßte Neoliberalismus. Den hat Frau Bonath bereits skizziert.

      Ja, Frau Bonath hat’s tatsächlich voll drauf, da schließe ich mich Ihnen an!

  8. An die Aufgewachten:
    Erst mal einen Euro abzwacken für eine Europaweite BUNTE WESTEN HILFE.
    Sollte so etwas wie eine Absicherung sein für medizinische und juristische und materielle Aufwendungen der Menschen die für die Mehrheit auf die Straße gehen und trotz Demonstrationsrecht Nachteile erfahren und evlt. sogar schwer verletzt werden. Die Rote Hilfe gibt es ja schon doch Seehofer will sie ja jetzt verbieten lassen.
    Vielleicht kann das ja mal von Webseitengestaltern gestemmt werden, evtl. mit Hilfe von Portalen wie HUMAN CONNECTION o. Ä.
    Dann ab und gewaltfrei auf die Straßen und Plätze …. noch ist die von der CIA mit Drogengeld bezahlten ANTIFA nicht so groß.

    https://www.youtube.com/watch?v=n4KT2DOXfAM

  9. Ich finde jede Zeile, welche sich damit beschäftigt, wie wir das System zu
    einem kooperativeren und menschenwürdigeren System transformieren können,
    wert, gehört und gelesen zu werden.

    Die Ursachen zu benennen ist ein erster wichtiger Schritt.
    Weshalb fordern manche hier von Frau Bonath in einer rotzigen Art und Weise
    Lösungen, zu welchen Politiker, Staatschefs, Vordenker, Philosophen und andere
    große Geister bis dato nicht fähig waren?

    Liebe Leute, alle Menschen sind im Grunde tief in uns geld- und machtgeil.
    In jedem Menschen wohnt das Streben nach Glück inne. Und seit 1990, als
    das Internet Tore und Türen öffnete, konnte jeder Bürger nun sehen, was
    in der Welt des Glitter und Glamours, in der Welt der Schönen und Reichen
    möglich war. Damals noch mit Fleiss, Wille und Tatkraft.

    Der Mensch ist des Menschen Wolf. Wir werden ohnehin nicht lernen,
    abzugeben, zu teilen, uns im Einkommen oder im Vermögen nach oben
    selbst zu beschränken, also braucht es den Supergau. Es braucht derartige
    Verwerfungen, dass ARM gegen REICH rebelliert. Aber die werden nicht
    gegen unbekannte Ultrareiche rebellieren, sondern gegen diejenigen,
    die diese Zeilen hier lesen. Weshalb verlassen immer mehr Menschen
    Deutschland in dünner besiedelte Gebiete? Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

    Wir sind zu arrogant, zu ignorant und zu lethargisch und apathisch,
    als dass Lösungen überhaupt funktionieren könnten. Denn:

    „Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, dass das System ihren Interessen feindlich ist.“ Rothschild, 1863

    • „Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, dass das System ihren Interessen feindlich ist.“ Rothschild, 1863

      Ja, abhängig von der Gunst des System sind fast Alle, vom Harzer bis zum Professor! Der „Militärisch- Industrielle-Banken Komplex“ ist 200 Jahre voraus im Erdenken von Strategien. Wenn an 50% der Apotheken – Praxis und Geschäftsraumtüren und Privaten Haushalten ein Aufkleber zu sehen ist “ Gelbe Westen Willkommen“ wird es genug BEWEGUNG geben.

  10. Frau Bonath schreibt: „Die ökonomische Erpressung, das Anzetteln von Bürgerkriegen und Regimechanges gehören in den Werkzeugkasten der militärischen Großmächte. Die Geschichte, wonach der kapitalistische Staat wir alle seien, gehört ins Reich der Märchen und Mythen. Dass er das Instrument der herrschenden Minderheit ist, um die Mehrheit zu unterdrücken, zeigen auch Tausende schwerverletzte und Dutzende verstümmelte Demonstranten in Frankreich. Die Waffengewalt liegt beim Staat. Und er nutzt sie immer, wenn die bürgerliche Demokratie nicht den Interessen der Macht genügt.“

    Frau Bonath schreibt nicht, dass die Waffengewalt auch bei jedem von den vielzitierten 99% liegt, der die Waffen erfindet, fertigt, vekauft und als Soldat anwendet. Wieviel Macht die Waffen haben, hängt darüberhinaus direkt damit zusammen, wie wir übrigen 99% mit unserer Angst vor diesen Waffen umgehen – generell, wie wir mit unserer Angst vor dem Tod umgehen. Wohl fast jeder Mensch kennt diese Angst, mehr oder weniger.

    Angst. „Wovor hatte ich Angst? Praktisch vor allem: zu versagen, nicht gemocht zu werden, Menschen zu enttäuschen und nicht gut genug zu sein. Ebenso fürchtete ich mich vor Krankheiten, insbesondere vor Krebs und vor der Behandlung von Krebs. Ich hatte Angst vor dem Leben und noch größere Angst vor dem Sterben.“ schreibt Anita Moorjani in ihrem Buch ‚Heilung im Licht‘. Viele dieser Ängste finde ich auch in meinem Bewußtsein, einige weniger. Jeder von uns hat sich seine persönlichen Ängste geschaffen. Mit ihnen trennen wir uns vom wirklichen Leben.

    Warum leben die meisten von uns mit diesen Ängsten ? Weil schon unsere Eltern und Großeltern ihren Ängsten glaubten – die sie in den ersten und zweiten Weltkrieg führten.

    Reicht das nicht ? Wollen wir diesen zerstörerischen Ängsten weiterhin glauben ? Zeigen sie uns die Wirklichkeit ? Können sie uns Orientierung geben ? Hat Frau Bonath recht: „Kurz gesagt: Erhöht sich der Anteil von konstantem Kapital gegenüber dem variablen Kapital, also der Arbeitskraft, sinkt die Gesamt-Profitrate. Um dagegen zu halten, verschärfen Staat und Kapitalisten das Spiel weiter: Die Reallöhne sinken, der Staat schröpft die im Produktionsprozess verbliebenen Arbeiter immer stärker, bis nichts mehr geht und für den Krieg aufgerüstet wird. Das ist die Realität.“ Der kommende Krieg scheint unvermeidbare Realität für Frau Bonath.

    Nicht für mich. Wenn ich das Thema Angst in meinem Leben recht besehe, ist mein ganzes Leben ein einziger Weg durch Ängste hindurch und aus ihnen heraus gewesen. Ich weiß inzwischen, dass die meisten Ängste die Wirklichkeit entstellen. Sie lügen. Ich habe inzwischen eine Ahnung von der Alternative, der Wirklichkeit, die wir Liebe nennen.

    Ein kleiner Schwenk:
    Mathias Bröckers hat einen lesenswerten Artikel geschrieben „Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ – was nicht zynisch gemeint ist: https://www.broeckers.com/2019/02/13/wie-ich-lernte-die-bombe-zu-lieben/
    Dazu hab ich als Kommentar geschrieben: „So wichtig z.Zt. das Gleichgewicht des Schreckens ist – und damit die von M. Bröckers genannten Waffen der russischen Armee – so sind sie gleichzeitig – ebenso wie die Waffen der USA/NATO – schreckliche Ausgeburten von wahnsinniger Angst und Agression. Z. Zt. gibt uns dies Gleichgewicht aber noch Zeit, Zeit zur Besinnung, Zeit zur Umkehr. Insofern bin ich bei M. Bröckers’ Liebe.
    Aber meine eigene wahnsinnige Angst vor Feinden, welcher Art auch immer, die wahnsinnigen Ängste fast aller Menschen, tragen diesen völlig irren politischen Eiertanz mit immer zerstörerischen Waffen mit. Das ist meine Mitverantwortung, die Mitverantwortung von uns 99%, an diesem Wahnsinn.
    Weil ich mitverantwortlich bin, kann ich – Gott sei Dank – aber auch was daran ändern. Ich hab Einfluss darauf, ob der Wahnsinn verschwindet. Jeder von uns 99% hat Einfluss darauf.
    Ich beginne der Liebe mehr zu vertrauen als der Angst. Das ist der Schlüssel. Jeder kann ihn ergreifen – die Liebe in sich selber finden – und dabei die Angst als totalen Irrtum erkennen.
    Was kann mir passieren ? Bin ich ein geistiges Wesen mit einer Seele – ewig ? Was kann mir passieren ?
    Dann werde ich frei, zu handeln. Draußen. Dann kann ich mich klug und unerschrocken organisieren. Mit der anderen 99 %. Und wir werden nach und nach alles aus dem Weg räumen, was dem Kriegswahnsinn dient. Wir werden klar machen, dass wir keine Kriege mehr brauchen. “

    Frau Bonath schreibt: „Die Geschichte, wonach der kapitalistische Staat wir alle seien, gehört ins Reich der Märchen und Mythen.“ Dieser Satz leugnet die Realität und unsere Mitverantwortung. Er ist blind dafür. Deshalb zementiert er Ohnmachtsgefühle. Wie könnte der Kapitalismus heute ohne uns 99% funktionieren ? Wir alle spielen auf unsere Weise mit.

    Wir sind also mitverantwortlich für genau den heutigen Kapitalismus. Und genau deswegen kann jeder von uns auch seinen Teil dazu beitragen, dass wir ihn gemeinsam abschaffen. Die Gelbwesten sind dabei. Sie riskieren inzwischen Leib und Leben für das, was ihnen lebensnotwendig ist. Ihr Kampf ist ihr Weg. Es gibt also Wege. Welche finden wir, jeder an seinem Platz ?

    • Moin, Josef Gabriel Twickel,

      „Wir sind also mitverantwortlich für genau den heutigen Kapitalismus. Und genau deswegen kann jeder von uns auch seinen Teil dazu beitragen, dass wir ihn gemeinsam abschaffen. Die Gelbwesten sind dabei. Sie riskieren inzwischen Leib und Leben für das, was ihnen lebensnotwendig ist. Ihr Kampf ist ihr Weg. Es gibt also Wege. Welche finden wir, jeder an seinem Platz ?“
      Ja, da haben Sie was richtiges erkannt. Die Abschaffung des Kapitalismus geht ueber Kampf, besser gesagt ueber Klassenkampf. In Frankreich haben die Menschen ihr Schicksal in die Hand genommen.

      „Frau Bonath schreibt nicht, dass die Waffengewalt auch bei jedem von den vielzitierten 99% liegt, der die Waffen erfindet, fertigt, vekauft und als Soldat anwendet.“
      Hier machen Sie aber einen Gedankengang, der nur von Herrschers Stelle aus Sinn macht, indem man uns allen die Schuld fuer dieses verdammte System in die Schuhe schiebt. Ist Ihnen klar, dass hier die allerwenigsten Menschen freiwillig malochen fuer diese Almosen, die sie bekommen? Der Witz ist der, daß wir erpresst werden, fuer das Kapital den Buckel krumm zu machen. Ansonsten gibts nichts zu beissen! So einfach sind die Regeln hier. Und nur die wenigsten Menschen finden eine Nische, um nicht für den Kapitalisten arbeiten zu müssen.

    • Hallo Hog1951,
      ne,ne, der Gedankengang macht grad von uns aus Sinn. Wer erpresst den bestens Ausgebildeten, Waffen zu konstruieren, wer den Arbeiter, bei Heckler & Koch zu arbeiten, wer den Händler/Diplom Ökonomen, die „Schutzsysteme“ von Rheinmetall zu verkaufen, wer die Soldaten, in die Bundeswehr zu gehen ? Wer erpresst uns, zu unnötigem Konsum, zur Mitarbeit im Hartz IV Apparat ? Wer erpresst die Wissenschaftler, die uns als „Experten“ Glyphosat erfinden und als unschädlich verkaufen wollen ? Wer erpresst die Leute, SPD, die Grünen, FDP und CDU zu wählen ? Wer erpresst die Journalisten, uns die Lügen von der Alternativlosigkeit unsere NATO Politik und der Aggressivität Russlands aufzutischen ?
      Jeder hat Spielräume. Wir sind nicht ohnmächtig.
      Wir haben aber zu viel Angst.

    • Moin, Josef Gabriel Twickel, ich bin zwar kein Psychologe, aber Angst resultiert AUCH aus Vereinsamung, aus der nicht gelebten gesellschaftlichen Zusammengehörigkeit. Warum ist man in der Gemeinschaft stark? Sicherlich auch, weil man die Angst gemeinsam ueberwindet, zumindest zurueckdrängt. Wenn Sie also so auf die Angst der Individuen orientieren, so stellt sich mir schon die Frage, wie Sie dort herauskommen wollen? Eine Möglichkeit ist sicherlich wie in Frankreich zu beobachten, der gemeinsame Kampf. Im Kampf haben wir die Chance unsere Ängste zu kanalisieren.Dass wir heute mit der Individualisierung der Gesellschaft zu tun haben, liegt auch an dem Neoliberalismus, der seit Jahrzehnten ueber uns gekommen ist. Aber es ist kein Zustand, den wir durch kollektive Psychotherapie heilen können.

      Moin, Alexander, ja da gibt es keinen Zweifel! Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgerueckt?!

    • Tag, Hog, Tag Alexander,
      Borussia Dortmund hat zwar wieder nur einen Punkt mitgenommen – aber das muss mich nicht betrüben – und freut den Tabellenletzten. Und natürlich auch die Bayern. Nebenbei.
      Ja, wie mit den Ängsten umgehen ? Meine Erfahrung dazu hab ich oben schon ganz knapp auf den Punkt gebracht „Wenn ich das Thema Angst in meinem Leben recht besehe, ist mein ganzes Leben ein einziger Weg durch Ängste hindurch und aus ihnen heraus gewesen. Ich weiß inzwischen, dass die meisten Ängste die Wirklichkeit entstellen. Sie lügen. Ich habe inzwischen eine Ahnung von der Alternative, der Wirklichkeit, die wir Liebe nennen…Ich beginne der Liebe mehr zu vertrauen als der Angst. Das ist der Schlüssel. Jeder kann ihn ergreifen – die Liebe in sich selber finden – und dabei die Angst als totalen Irrtum erkennen.
      Was kann mir passieren ? Bin ich ein geistiges Wesen mit einer Seele – ewig ? Was kann mir passieren ?
      Dann werde ich frei, zu handeln. Draußen. Dann kann ich mich klug und unerschrocken organisieren. Mit der anderen 99 %. Und wir werden nach und nach alles aus dem Weg räumen, was dem Kriegswahnsinn dient. Wir werden klar machen, dass wir keine Kriege mehr brauchen. “
      Das ist ein Kampf mit versöhntem Herzen, der auch den achten und als Mensch betrachten kann, der anders denkt, der auf der anderen Seite steht. Ein Kampf, in dem ich den auf der anderen Seite nicht hasse, sondern unerschrocken für unsere Sache kämpfe – die ja letztlich auch die Sache der anderen Seite ist. Die hat’s bloß noch nicht kapiert.
      Wie Neugierig oben sagt „Die Lösung ist man selbst“.

  11. Ich kenne mich nicht mehr mit den Unterschieden von Bundessozialhilfegesetz, Arbeitslosengeld, Hartz IV etc. so gut aus. Aber wenn man Hartz IV ohne Sanktionen erhält, ist das doch schon mal ein guter Schritt hin zum Bedingungslosten Grundeinkommen oder verstehe ich das falsch?

    Die Auffassungen, wie BGE funktionieren sollte, sind m.E. ja auch verschieden. Es muss auch überhaupt nicht so verstanden werden, dass man glaubt, damit den Kapitalismus abschaffen zu wollen oder zu können. Mir fallen eine Menge Forderungen ein, die man evt. noch im Kapitalismus realisieren könnte/müßte, ohne zu glauben, dass der Kapitalismus damit sein Ende gefunden haben würde. Mir fällt dabei an vorderster Stelle die Forderung nach gleichem Lohn bei gleicher Arbeit und unabhängig vom Geschlecht ein. Man schaue sich nur an, wie beispielsweise in der Autoindustrie Leiharbeiter neben Stammarbeiter mit gutem Jahresbonus schaffen. Das Einfuhrverbot von Waren, die unter ungleichen Bedingungen produziert wurden, z.B. Textilien aus Bangladesh ist auch keine schlechte Forderung, die das Kapital behindern und das Leben in Bangladesh verbessern könnte.

    Das Argument, die Kapitalisten würden die Preise erhöhen, wenn es das BGE gibt, ist ziemlich quer. Es würde sich ja auch gegen jede Forderung nach Lohnerhöhung richten und natürlich wird jede Lohnerhöhung prinzipiell die Preise erhöhen.

    Dazu hat sich Frau Bonath schon geäußert. Man muss den Kapitalismus abschaffen. So weit, so klar. Aber wie? Dazu habe ich noch keinen vernünftigen Vorschlag gefunden und selber bin ich da auch ratlos. Ändert aber nichts daran, dass Analyse der erste Schritt ist.

    • Moin, hj_allemann1, geht’s Dir gut?
      Ich beobachte sehr interessiert die Entwicklung in Frankreich. So weit ich das beurteilen kann, haben wir hier weitestgehend demokratische/emanzipatorische Forderungen; also nichts mit rechter Unterwanderung! Natuerlich ist es eine riesengrosse Sauerei, dass Macron diese mutigen Menschen verstuemmeln läst, durch sog. Gummigeschosse. Aber der Widerstand, der sich fuer mich quasi aus dem Nichts entwickelte, lässt Hoffnung keimen.
      Ich habe leider auch noch keine Partei entdeckt, der ich vollends vertrauen wuerde meine Interessen bezueglich des Sturzes des Kapitalismus zu vertreten. Ich weiss nur, dass es ideologisch geschulte Fuehrer sein muessen, die uns in diesen Kampf fuehren. Ansonsten ist man sehr bald wieder bei dem Sozialdemokratismus angelangt. Es gab bislang noch nicht allzuviele Versuche. Einer (der 2., wenn man so will) fand in Russland statt. Aber auf Grund von Fehlern, im Demokratieverständnis, aber auch auf Grund von fehlendem ideologischem Geruest, ging die SU damals mit einem klagenden Furz unter. Leider!

    • Moin Hog,

      die SU ist bereits 1917 untergegangen! Der Eckstein ihrer Verfassung war das Direktionsrecht der Räte gegenüber dem Zentralkomitee der Partei (direkte Demokratie).

      Mit dem (nachvollziehbaren) Argument, sich im Krieg zu befinden und deshalb eine top down – Befehlsstruktur zu benötigen, setzte Lenin das Direktionsrecht der Räte zeitlich befristet, bis zum Kriegsende, aus.

      Diese Aussetzung wurde aber bis zum Ende der SU beibehalten. Der Eckstein der Verfassung der SU war zu keiner Zeit an seinem Platz.

    • Moin, loup, ja, das ist so, ich denke, dass das Problem auch zusammenhing mit der von Lenin initiierten „Neuen Ökonomischen Politik“ die eine Anleihe am Kapitalismus machte. Auch diese Politik wurde nie aus dem Verkehr gezogen. Nun ist es so, dass wir hier im Abstand von fast 100 Jahren diese Situation versuchen zu analysieren, und uns nicht im Geringsten vorstellen können, wie schwierig es damals war fuer die Menschen in der SU. Ich las neulich vom Kronstädter Aufstand. Es lagen diverse Kriegsschiffe der Imperialisten vor Reede, und warteten nur auf ein Zeichen der Konterrevolutionäre, anzugreifen. In der Situation kam der roten Armee das Wetter zur Hilfe, sodass sie die Insel zu Fuss erreichen konnte, und die Schiffe im Eis fest lagen. Was wäre ohne den Wetterumschwung gewesen? Die junge SU hatte mit allerhand Widrigkeiten zu kämpfen, und auch mit inneren Widerspruechen, es war sicherlich nicht leicht, den Grat zu finden.

    • Moin Hog, ich bin ok und Du hoffentlich auch

      Ich bleibe am Ball, bin nur zur Zeit anderweitig sehr beschäftigt. Wenn ich wüßte, wie man Kontakt aufnehmen kann, hätte ich das schon längst getan, ich glaube, wir hätten eine Menge zu reden.

      Was die Erfahrungen und Lehren aus der SU und China sind, paßt nun mal leider nicht in das Format dieser Kommentare.

      Das Einzige, was man kurz und knapp sagen kann, ist, dass die sogenannten Eliten sich jeden Tag besser vorbereiten. Die haben aus den Erfahrungen gelernt und Warren Buffet – ich nehme an das ist nichts Neues für Dich – hat ja auch exakt geschildert, dass die Reichen Krieg gegen die Armen führen und sie würde ihn gewinnen.

      Bezüglich der Siegesvorhersage gebe ich Warren Buffet nicht Recht, weil ich ein unverbesserlicher Optimist bin. Wir können und müssen was machen, auch wenn ich da immer noch ratlos bin. Aufklärung und Information ist das Wichtigste, Susan Bonath macht das bezüglich der Ökonomie super, muss man ihr lassen.

  12. Moin, Frau Bonath,
    „(…) Um dagegen zu halten, verschärfen Staat und Kapitalisten das Spiel weiter: Die Reallöhne sinken, der Staat schröpft die im Produktionsprozess verbliebenen Arbeiter immer stärker, bis nichts mehr geht und für den Krieg aufgerüstet wird.“

    Sie haben leider hier vergessen den Zwischenschritt, der Ihnen doch sonst so wichtig ist, zu erwähnen:
    Die Flutung mit Migranten und co., die ueber verschiedene Konstrukte eingeschleust werden im Sinne des Kapitals, wie UN-Migrationspakt, oder Facharbeiterzuwanderungsgesetz und mehr, um den Reallohn in Europa noch weiter zu senken. Das hätte dann eben zur Folge, dass sich die Profitrate wieder etwas erholen könnte.
    Ich wundere mich, dass diesmal kein Hinweis erfolgt auf ihr Lieblingsthema?!
    Oder sollte sich Ihre Meinung diesbezueglich geändert haben?
    mfG

    • Ich bin froh über jeden Migranten „und co.“. Verbündete im Kampf gegen die, die uns ausbeuten und sie zu Flüchtlingen machen. Tun wir uns zusammen und unser beider Probleme sind gelöst.

    • Moin, Alexander, das ist so einfach nicht! Alle, die hierher gelockt werden um mehr Geld zu verdienen als in ihrer Heimat, wurden z.T. dort teuer ausgebildet. Das gilt nicht nur fuer diejenigen, die heute kommen, sondern galt auch vordem. Ich erinnere hier an alle die ehemaligen DDR’ler, die in der Nachwendezeit in den „goldenen“ Westen gekommen sind, und eine Wuestenei hinterlassen haben, jedenfalls was tuechtige Fachkräfte anbelangte. Es ist so etwas wie Kolonialismus, wenn wir befuerworten, dass gut ausgebildete Fachkräfte nach Europa strömen duerfen um damit den Exitus zu beschliessen fuer ihre Heimatländer. Wer bezahlte die Ausbildung derjenigen?
      Auf einem anderen Blatt steht, aber das haben wir hier x-mal diskutiert, wer davon profitiert, dass sich Menschen in Europa unter dem Mindestlohn verdingen muessen. Ich erfuhr neulich, dass Bäckereien keine Fachkräfte (Bäcker) mehr bekommen. Sie also froh sind, dass Fachkräfte aus dem Ausland zu uns kommen. Nun, da brauchts nicht viel Analysevermögen, um zu erkennen, dass fuer die Nachtabeit der Bäcker ganz einfach zu wenig Lohn bezahlt wird. Aber wo steht in Stein gemeisselt, dass der Bäcker nur mit dem Mindestlohn bezahlt werden darf? Wenn der Unternehmer mehr bezahlt fuer seine unbequeme Nachtarbeit, dann werden sich auch wieder hier ausgebildete Bäcker melden, die diesen Job erledigen wollen.

  13. Liebe Frau Bonath,
    ich zitiere sie „Das ist die Realität. Wer sich dieser verweigert, kann schöne Utopien produzieren, aber keine Lösungen. “
    Vollkommen richtig, nun warte ich also auf ihren 2ten Teil der Analyse mit den Lösungen.
    Das ist doch sicher ein Klacks für sie.
    Vielen Dank schon mal.

    • Erwachsenen Menschen fertige Lösungen und das Milupa-Fläschchen geben, ist ganz offenkundig nicht der Stil auf diesem Portal. SELBST und zusammen mit vielen anderen Lösungen, Milch und Fläschchen produzieren! Genau dazu gibt es die Kommentar-Funktion. Also los! 😷

    • Es ist immer wieder für mich spannend, wie Menschen, die nicht für sich selbst in die Verantwortung gehen wollen, Lösungen von anderen Menschen erwarten. Ohne Ursachenforschung bzw. Analyse ist eine Lösung überhaupt nicht möglich, doch wenn die Ursache gefunden ist – wenn vielleicht auch nicht in ihrer ganzen Komplexität – dann ist jeder selbst gefragt, in seine Handlungskompetenz zu kommen, Veränderungen in die Wege zu leiten. Das macht niemand anders, es sei denn, wir bleiben in der „Verantwortungslosigkeit“ und warten auf einen „Heilsbringer“.

    • Frau Kosubek: Sie haben ja selbst gerade gesagt, daß sie bei politischen Themen zumindest etwas pessimistisch sind. Und das wäre auch noch eine weitere Kritik, daß sie ebenso keine Lösung anbieten, nicht wirklich, und auch keine Hoffnung. Also kein gutes Hoffnungsmanagement, wenn man so will. Vielleicht können sie dazu etwas sagen. Es erscheint alles so aussichtslos.

      Herr Mausfeld: Nein, es hängt alles … die Situation in der wir uns befinden, hängt von menschlichen Entscheidungen ab. Kann also im Prinzip, ich sag’s mal ganz vorsichtig, im Prinzip durch menschliche Entscheidungen korrigiert oder auch aufgehoben werden. Das ist die Ausgangssituation, das ist nicht aussichtslos.
      Mein Pessimismus bezieht sich auf die gigantische Asymmetrie von Machtverhältnissen.
      Das hat es in der Geschichte … selbst im Fall des Feudalismus, da sah man den König, man wußte wohin man die Aggression richten kann … hat es in der Geschichte nicht gegeben. Also mein Pessimismus bezieht sich darauf, wir hatten noch nie eine so schlechte Ausgangssituation, was die Asymmetrie von Machtverhältnissen angeht.

      Jetzt ihre Frage mit den Lösungsvorschlägen, jetzt muß ich natürlich wieder mit Denkmethodologie kommen, jetzt müssen wir erstmal zurücktreten und sagen: „Was ist damit eigentlich gemeint?“
      Da sind zwei Fragen mit drin. Einmal die Frage der Beziehung von Diagnose und Therapie, die andere: „Was ist ein Lösungsvorschlag?“

      Die Beziehung von Diagnose und Therapie ist; nehmen wir mal ein drastisches Bsp., sexueller Mißbrauch durch Priester. Zehntausende von Kindern sind sexuell mißbraucht worden, die Kirche betreibt systematische Vertuschung und behindert die Aufklärungsarbeit. Jemandem der diese Arbeit dokumentiert würden sie nicht die Dokumentation vom Tisch wischen und sagen „du hast ja keinen Vorschlag wie man es besser machen kann, außer dem trivialen lass das mal.“
      Das gleiche gilt für die Folterberichte von Amnesty International und anderen Organisationen. Würden sie sagen, „das ist ja schrecklich, auf 500 Seiten Folter dokumentiert. Ihr habt ja gar keinen Lösungsvorschlag.“
      Nein, die Diagnose ist eigenständig, sie können eine Diagnose nicht einfach vom Tisch wischen, dadurch daß sie sagen, „der hat aber gar keinen Lösungsvorschlag.“ Die Diagnose ist erstmal etwas eigenständiges.

      Jetzt die Frage, was ist eigentlich ein Lösungsvorschlag? (…) Das Gleiche habe ich jetzt im politischen Bereich, wo es genauso läuft, daß die Lösungsvorschläge, die auf dem Tisch liegen, eigentlich gar nicht berücksichtigt werden. Wir haben in allen Bereichen, nehmen sie Wirtschaft, nehmen sie Banken und Finanzwesen, nehmen sie Schulwesen, nehmen sie Altenpflege, nehmen sie Gesundheitswesen, nehmen sie Ökologie … Bibliotheken von Leuten die unendlich viel Kraft und Energie reingesteckt haben Lösungen zu entwickeln. Sie können wirklich riesige Bibliotheken damit bestücken.
      Jetzt stellt sich auf einer Meta-Ebene die Frage, warum ist diese ganze Energie … das ist das Potential einer Hochkultur, daß so viele Menschen so viel Energie reinstecken in Lösungsvorschläge … warum kommen diese Lösungsvorschläge gar nicht erst in den öffentlichen Debattenraum und die werden auch gar nicht erst diskutiert. Weil nämlich die, die betroffen wären von diesen Lösungsvorschlägen sagen, „das sind zwar Lösungsvorschläge, die sind aber nicht vernünftig.
      Alles was an die Wurzel geht, wird von Anfang an verworfen, d.h. der mögliche Lösungsraum wird auf das beschränkt, was eigentlich, muß man sagen, an den gegenwärtigen Machtverhältnissen nichts ändert.
      Sobald etwas etwas an den Machtverhältnissen ändert, sagt man, „diese Lösung ist nicht vernünftig.“ Wir werfen also das kreative Potential einer ganzen Gesellschaft einfach weg, indem wir sagen diese Lösungen sind ja eigentlich nicht vernünftig.
      Aber es gibt sie. Es gibt sie in allen Bereichen.
      Also das tiefere Problem worauf das führt mit den Lösungsvorschlägen, ist, warum perlen eigentlich alle Lösungsvorschläge die gemacht werden, und da gibt es hochentwickelte tolle Lösungsvorschläge, die perlen an den gegenwärtigen Machtstrukturen einfach ab, wie Wasser auf einem Lotusblatt.

      Aus: Rainer Mausfeld zu den „Gelbwesten“, Neoliberalismus, Migration und Elitendemokratie

      Ansonsten ist abwarten natürlich auch eine feine Sache, denn so kommt man evtl., vlt. auch ohne eigenes zutun, zu seinem Platz an der Sonne … auch dann, wenn die schließlich um Mitternacht aufgeht.

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