Tagesdosis 19.10.2017 – Schocktober für den Smombie

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Schocktober tönte es aus dem morgenlichen Radio. Schocktober lautet die aktuelle Werbekampagne einer großen Handelskette. Angebote, die elektrisieren, verspricht der Elektromarkt Saturn seinen digitalen Jüngern. Geht man auf die Startseite des Unternehmens strahlt es den Leser sofort an – ein neues Smartphone für lächerliche 249€.

Aktuelle Studien berichten von einem neuen Angstphänomen. Der Nomophobie[1]. Dieser Begriff ist die Abkürzung für No-Mobile-Phone-Phobia. Bedauerlicher Weise kein Witz, sondern die konsequente Fortführung menschlicher Schwächen in digitalen Zeiten. Erwachsene, Jugendliche & Kinder erleben das Angstgefühl, vermeintlich etwas zu verpassen. Die modernen Datendealer, wie Instagram und Twitter, sog. Influencer auf youtube, bishin zur berüchtigten Wetter App, versorgen die alten, wie jungen Süchtigen mit ihrem Stoff. Bilder, Filmchen, Trends, Likes, eben zuviel Überflüssiges und noch mehr Dummes hindern und halten vom wirklichen Leben ab.

Manfred Spitzer, Autor des sehr empfehlenswerten Buches Digitale Demenz, umschreibt in seinem 2015 erschienenen Werk Cyberkrank, die weiterhin extrem unterschätze Gefahr von unkontrollierter Dauernutzung dieses Gerätes. In einem aktuellen Interview, weißt er auf die Tatsache hin, dass der extreme Gebrauch natürlich auch Auswirkungen auf das Gehirn beinhaltet. Er erklärt: Wenn sie sich täglich mehrere hundert Mal vom Smartphone ablenken lassen, trainieren sie sich leichte Ablenkbarkeit und einen ineffizienten Arbeitsstil an.

Bei Kindern leiden nachweisslich geistige Leistungsfähigkeit und die Fähigkeit zu planen, zu entscheiden, kritisch und vernünftig zu denken. Die steigende Unfähigkeit der sozialen Einfühlung nehme, laut Studien aus den USA und Asien bei Nutzungszeiten von bis zu acht Stunden täglich, extreme Maße an, so M.Spitzer weiter im Interview.

Warum sollte es in Europa, in Deutschland anders ausschauen? Der folgende Satz vom Gehirnforscher Spitzer, sollte Eltern die unkritisch Minderjährigen das Gerät überlassen, kurz inne halten lassen:

Empathie lässt sich nicht vor dem Bildschirm lernen.

Smombie war das Jugendwort des Jahres 2015[2]. Es ist die Wortkomposition aus Smartphone und Zombie. Neben den Auswirkungen auf das Gehirn, belegen medizinische Studien, dass die Sehfähigkeit von Jugendlichen sich extrem verschlechtert, bzw. verändert hat. Spitzer informiert, dass im durchdigitalisiertem Südkorea die Kurzsichtigkeit bei Jugendlichen inzwischen bei [sic] 90% läge, in Europa immerhin schon bei 30%.

Es ist die Kombination, die die Entwicklung unserer Gesellschaft so bedenklich erscheinen läßt. Erwachsene leben den Kinder und Jugendlichen eine Parallelwelt, abgelöst von der realen Welt vor. Sie vermitteln eine fatale Selbstverständlichkeit Bedürfnisse schnell und ohne Probleme befriedigen zu können. Kommunikation und selbständiges durchdachtes Handeln werden schlicht überflüssig, wenn die Macht in der Hand für den unbedarften, lebensunerfahrenen Jugendlichen das Denken abnimmt und für die persönliche Entwicklung wichtige Erfahrungen in der Alltagsroutine übernimmt.

Soziale Netzwerke suggerieren, eingebunden zu sein. Das bedeutet heute, nach der Schule trifft man sich im Chat und nicht im Park, oder auf dem verwaisten Bolzplatz. Erfahrungen der körperlichen und nicht nur der verbalen Auseinandersetzung, wie im Sportverein, oder schlicht in der Gruppe im Freizeitheim gehören nicht mehr zur Jugendkultur.

Eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergab, das 72 Prozent der Befragten daran interessiert seien, schon parallel zum Kinostart Filme online streamen und ansehen zu können. 75 Prozent der Befragten würden allerdings kein zusätzliches Geld für entsprechende Angebote ausgeben wollen, ausser den normalen Monatsgebühren. Warum auch die Wohnung überhaupt noch verlassen? Dieses Verständnis von schlicht dummer Gier und Bräsigkeit, wurde vielen Bürgern jahrelang von ihren Elektro Dealern eingeprügelt. Geiz ist geil, weil ich bin ja nicht blöd.

Das Qualität schlicht seinen Preis hat, ist aus dem Bewußtsein vieler Menschen verschwunden. Handwerk und gelernte Berufserfahrung erleben keinerlei Respekt beim Endverbraucher. Kinos müssen schließen, Innenstädte verwaisen.

Das Zukunftsmodell der Familie lautet also, Smombie sucht die Couch Potatoe im Magenta Smarthome?

Zu spät ist es nie. Schon Otto wuße: Großhirn an Kleinhirn, bitte melden.

Quellen

[1] – https://www.gesundheit.de/wissen/haetten-sie-es-gewusst/medizinische-begriffe/nomophobie-was-steckt-dahinter

[2] – https://www.langenscheidt.de/Pressemeldungen/Das-Jugendwort-steht-fest-Smombie-macht-das-Rennen

+++

Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

Alle weiteren Beiträge aus der Rubrik „Tagesdosis“ findest Du auf unserer Homepage: hier.

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

23 Kommentare zu: “Tagesdosis 19.10.2017 – Schocktober für den Smombie

    • Dann schmeiß deinen Fernseher und dein Smartphone auf den Müll. Fang als Erster an…
      TUN statt JAMMERN.
      Selberdenken ist wie googeln. Nur viel krasser.

  1. Nicht zu vergessen, was für ein gesundheitliches Desaster wir alle in wenigen Jahren erst erleben dürfen –
    dank der 5. Mobilfunkgeneration („5G“). Was hier von einigen blutjungen Technik-Hippstern jetzt noch gefeiert wird, könnte für uns ALLE, die wir dann uneingeschränkt davon betroffen werden sein, sehr schlimm enden.

    Deshalb eine eindringliche Warnung an alle mit der Bitte um Weiterverbreitung folgender Informationen:
    http://kompetenzinitiative.net/KIT/wp-content/uploads/2017/09/Scientist_5G-Appeal_de_sept_2017.pdf

    Die Zeit läuft auch hier gegen uns. Gegen all jene, die der jetzt schon viel zu dichte Nebel an Elektrodunst noch nicht alle Synapsen angegriffen hat, die noch in der Lage sind, klar zu denken und verantwortungsvoll zu handeln.

  2. super Beitrag.
    Hatte vor 15 Jahren mal ein Handy. So eins, mit dem man noch keine Fotos machen konnte.
    Nach 3 Jahren Gebrauch habe ich es eingemottet. Weil es mich nervte ständig erreichbar zu sein. Die Leute in meinem Umfeld hatten sich erstaunlich schnell daran gewöhnt, dass ich auf diesem Teil nicht mehr erreichbar war.
    Geht bis heute. Wir telefonieren vom Festnetz oder schreiben E-Mails. Verabredungen werden verbindlich getroffen.
    Funktioniert alles super gut. Bin auch nicht bei Fazzebuck oder sonstigen „asozialen“ Netzwerken.

    TV ist genauso fraglich.
    Die Wirkung des Fernsehens auf das Bewusstsein
    https://fassadenkratzer.wordpress.com/2014/11/28/die-wirkung-des-fernsehens-auf-das-bewusstsein/

    Immer wieder gut…………….
    wie konnten wir das noch überleben
    https://www.youtube.com/watch?v=kPzWASvy-5s

    • Hallo,

      danke für das Video. Bin etwas jünger, aber meine Kindheit war ähnlich. Bei dem letzten Satz musste ich allerdings schmunzeln: „Wir hatten die Freiheit, gute und schlechte Erfahrungen zu sammeln, zu lernen, was Verantwortung ist. Und wir lernten, diese Verantwortung zu tragen!“
      – Ach wirklich, habt „ihr“ das gemacht? Da habt „ihr“ „uns“ aber eine tolle Welt hinterlassen, in der „wir“ jetzt leben dürfen.
      Mal im Ernst, die Hippie-Generation und früher hatten zwar noch ein „Aufbegehren“, das heute fehlt, aber sie haben sich alle miteinander genauso vom Neoliberalismus über den Tisch ziehen lassen.
      Die Entscheidungen wurden Schritt für Schritt gefällt, und das schon seit mindestens 30 Jahren. Da braucht sich gerade die ältere Generation nicht auf die Schultern zu klopfen, was sie der jüngeren Generation „vermacht“ hat – der Spruch ist blanker Hohn. Sorry für das deutliche Statement.

    • @ Volume
      Ich stimme Dir zu.
      Aber es geht hier nicht um Schuld, ich war ja auch der Überzeugung, daß uns die Technik weiterhilft. Das war an vielen Stellen viel zu blauäugig. Allerdings war in den 80ern die Otto Graf Lambsdorff-Fraktion noch nicht auf dem totalen Marktschreier-Weg.
      Richtig los ging es erst nach dem Mauerfall.

      Vergiß bei allem Gram bitte nicht, daß auch den Babyboomern eine völlig andere Zukunft versprochen wurde. Alle gingen zunächst davon aus, daß es so weitergehen würde, gerade im Zuge des Zusammenbruches der alten Feindbilder.
      Viele sind heute einfach nur ratlos, zumindest wenn sie ehrlich sind.

    • @volume. Dein Ge$innungs-Ideologie-Gedankenfehler ist, daß du allen Ernstes glaubst, ca 10 – 20 000 Hippies weltweit hätten dir DIESE WELT hinterlassen, und nicht etwa die 1000 ELITEN und die etwa 100 000 000 Mitläufer-Mittäter-Untertanen und willfähigen Schreibtischtäter-Ma$$engröhler-Maulaffen, die tagtäglich zu ihren JUNK-Göttern in den SHOPPING-Mals pilgern und heutzutage jeden Konsum-Dreck vorleben!!! Die solltest du anpöbeln, nicht die Verweigerer-Hippies. Die haben uns eine andere Welt hinterlassen.
      Zu diesem Klientel der Geiz-ist-Geil-Drittgeneration auf Mamis-Couch-Comfortzone mit 150Mbit/WLAN gehörst du offensichtlich auch.

      Googel: Familienlandsitze

      https://www.google.de/search?client=ubuntu&hs=tmx&channel=fs&dcr=0&biw=1215&bih=671&q=Familienlandsitze&oq=Familienlandsitze&gs_l=psy-ab.3..0l5.575605.579474.0.579949.17.17.0.0.0.0.212.2781.0j13j2.15.0….0…1.1.64.psy-ab..2.15.2771…0i67k1j0i131k1.0.nIHzuU5rKvI

  3. Es kommt drauf an, was man draus macht.

    Das Phänomen Brot- und Spiele ist ja jetzt nicht gerade neu. Manfred Spitzer (und Kollegen) hat auch ein paar mehr als fragwürdige Äußerungen getätigt, die sehr einfach zu widerlegen sind. (Felix Hasler – Neuromythologie läßt schön grüßen)
    Die Gewißheitsverkünder haben einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet. Sowohl Aussagetechnisch als auch im Bezug zur Pharmaindustrie. Nur mal so.

    Technik ist nicht neutral, zumal nicht in den Händen Süchtiger, in aller erster Linie sind das auch keine jugendliche Kids, beispielsweise beim Militär und deren Fans. Deren Spielzeug ist weit weniger harmlos.

    Das Dramadreieck, das auf der Erde in allen möglichen Varianten gespielt wird, erzeugt pathologische Spieler. Die besten Zocker werden auch entsprechend belohnt.

    Letztlich haben über 75% Wähler allein hier das System legitimiert, das das Leben verrechtlich, damit versachlicht und entsprechend verwertet. Das ist so die Parodie des Lebens, wenn beispielsweise ein Veganer genau diesem System als Wähler zustimmt, das für die Massentierhaltung und dessen Zustände gesorgt hat. Nicht anders der Feminismus, der das bitterböse Patriarchat bekämpft, um den paternalistischen Staat zu rufen. Emanzipation? Fehlanzeige. Egal ob Job, Karriereleiter im Hamsterrad, prekäre Beschäftigung, überall Angstmacheritis drumrum und jede Menge Ausreden wieso es nicht aufhören _kann_.

    Wer kann es dann denn Kids verdenken, daß sie vor dieser verlogenen Moral-Gesellschaft in eine heile unbefleckte virtuelle Welt flüchten?

    (Ich weiß, manche Kids sind mehr Kindsköpfe und tragen bereits Grautöne im Haar.)

  4. In den letzten 1 bis 3 Dekaden konnte in den Talk-Schows (Anne Will etc.) beobachtet werden, wie bestimmte Personen und deren Positionen konsequent „attackiert“ wurden, diese Personen derart in einer so unfairen Weise angegangen wurden, daß der Eindruck entstand, es ginge darum, sie und ihren Ruf zu vernichten. Mit dem Ergebnis, daß vom Meinungsdiktat abweichende Positionen bzw. deren Repräsentanten nicht mehr eingeladen werden (wollten, nehme ich an). Gehirnforscher Spitzer war einer von ihnen. Leider hat er nicht die „Abgebrühtheit“ und Erfahrung, wie einst ein Scholl-Latour, der es verstand, sich gegen apodiktisch und frech vorgetragene Unwissenheit und unfaires Meinungsdiktat (als Diskutant in der absoluten Minderheit) zu wehren.
    Je unreflektierter, reflexartiger und apodiktischer die Reaktion, desto wahrscheinlicher handelt es sich um eine Reaktion der
    Meinungsdiktatur. Und umso gefährlicher für die Meinungsdiktatur ist die unterdrückte Meinung, weshalb man sie sich besonders gut ansehen sollte.
    Unter den besonders heftigen und reflexartigen Reaktionen ist z.B. die, welche sich gegen die Meinung richtet, daß Mediengewalt in der Gesellschaft Gewalt erzeugt. Wer weiß, daß im Hollywood-Komplex ein Stockwerk für das US-Militär sich befindet und kein Film ohne das Militär entsteht, der hat eine Ahnung von der Meinungsmacht. Und wogegen jemand wie Spitzer sich „in Stellung“ befindet.

    • Spiele wie beispielsweise Cowboy & Indianer, Räuber & Gendarm, sind keine Neuerungen.
      Ein Verbot hat, welche Sache auch immer, eher interessanter gemacht. Daß das Problem wohl mehr in einer Schablonendenke begründet ist, kommt kaum noch einer:

      Das Leben selbst wird als Spiel betrachtet, erkennbar an den ‚Spielregeln‘. Ständiger Wechsel in eine neue Rolle der Schauspielerei.

      Aber bloß _nicht_ hinterfragen, ob das Problem zur Lösung erklärt wurde…

    • Manfred Spitzer hat inzwischen knurrend zu gegeben, dass er sich geirrt hat! Jede Generation hat seine eigenen medialen „Suchtmittel“. Zu meiner Zeit war das Lesen von Büchern gefährlich, man galt als Kind als faul und unsozial, wenn man sich mit seinen Büchern in eine ruhige Ecke verzog. Ich durfte mir noch anhören, dass ich mir die Augen verderbe, bei der vielen Leserei!
      Bei meinen Kindern war es dann der Fernseher, der sie dumm und inkompetent werden lässt und das Bücherlesen galt als gut und richtig, was ja der viele Fernsehkonsum verhindere…
      Okay, heute sind es die neuen und modernen Medien, halt die Handys und Co.

      Eine Sucht entwickelt sich aufgrund mangelnder liebevoller Beziehungen und durch Bindungslosigkeit…doch davon will niemand etwas wissen.
      Alles kann zur Sucht werden! Diese Verteuflung der neuen Medien ist einfach nur scheinheilig, um sich nicht den wahren Gründen zuzuwenden, an der unser Gesellschaftsystem krankt!
      Lieber suche ich den „Feind“ im außen, machen ihn dafür verantwortlich, wenn meine Kinder ihr Heil im süchtigen Medienkonsum suchen…Dass ich als Mutter oder Vater die eigentlich Verantwortung trage, weil ich eine Erziehung, wohin und wozu auch immer, für notwendiger erachte, als eine Beziehung, wird ungerne thematisiert.

      Verbote gehören im Übrigen zum Erziehungsprogramm, also Fernsehverbot, Handyverbot u.u.u.
      Genauso wie eine Regulierung des Konsums, also 1 Stunde am Tag wird erlaubt, weil mehr vermeintlich schadet! Dass es sich bei diesen Ver- und Geboten um die eigenen Ängste handelt, will niemanden einfallen…

    • @ F.M.A.

      Was ist „das“ Problem“? „Ein“ Problem ist sicher Gewalt. Wenn Gewalt „das Problem“ ist, dann ist es offensichtlich zur Lösung erklärt worden. Wer das noch „hinterfragen“ muß, der spielt nicht, der ist Spielball.

    • @ F.M.A. + Mamomi

      Es ging (mir) nicht darum, wer „Recht“ hat, sondern um den demokratischen und respektvollen Umgang mit anderen Meinungen. Es ist schon erstaunlich, wie es sogleich reflexartig um die „Meinungshoheit“ zu gehen und das eigentliche Anliegen der Aufmerksamkeit zu entgehen scheint.

    • Es ging doch um die Thesen von Spitzer oder etwa nicht?
      Er wurde längst widerlegt, hat aber alle Spieler zu mindestens potentiellen Gewalttätern erklärt. Seltsamerweise tat er dies niemals im Bezug zur Bundeswehr oder Polizei, die ja mit echten Waffen trainieren.

      Es war sein Vorgehen das _nicht_ in Ordnung war, ganz einfach.
      Er hat in der Diskussion gerade nicht geholfen, andersrum wird ein Schuh daraus.

  5. Allgemein gehaltene Kritik gegen „neuartige“ Elemente der Kultur. Habe ich so schon gehört und gelesen bei Fernsehen, Video, Comics (in den Sechzigern). Was solls.

    Defizite in Sozialkultur ergeben sich nie aus neuen Kulturtechniken, sondern ausschließlich aus dem unmittelbaren familiären und sozialen Umfeld.

    Und, nicht zu vergessen. Die wichtigste Entwicklung findet statt in den ersten drei Lebensjahren.

    • Wer Comics, Fernsehen und Videos gelesen und gehört hat, der hat freilich schon alles gehört und gelesen.

    • Iwo-Kulturdefizite in Sozialkultur kommen nicht aus neuen Kulturtechniken! Ich kann beweisen, dass bei meinen vier Kindern der direkte Einfluss der „neuen Kulturtechnik“ ihre Spuren hinterlassen hat. Heute, wo sie erwachsen sind, verfügen sie über unmengen an Entwicklungsdefiziten das sie kaum noch lebensfähig sind. Eben genau solche Ansagen wie diese hier haben mich damals ausgehebelt und das pädagogische Schulsystem tat auch seinen Part dazu. Null Chance hat man da als Elternteil und es ist ein Kampf gegen Windmühlen gleich. Habe Anne Will mit Spitzer auch erlebt. Guter Mann mit der bhuddistischen Ruhe eines Wissenschaftlers. Ich glaube ich hätte die Will wie Kinski genommen, aber mal so richtig eben. Hier was zum lernen: https://www.youtube.com/watch?v=yB-BCHWDdLo

      Handys sind nun mal Dreck…ist eben so.

  6. Dazu ergänzend vom Rubikon:

    Der Digitalisierungswahn
    Innovationsopportunisten blasen zum Angriff auf unsere Kultur.
    von Roland Rottenfußer

    Eigentlich ist es absurd: In Deutschland werden Tausende in die Armut getrieben, durch miese Renten und Löhne, überhöhte Mieten, Steuern und Abgaben. Überall auf der Welt brennt es, sterben und verhungern Menschen – und Politiker halten es für vordringlich, zu fordern, dass mehr Informationseinheiten im Datenverkehr in Nullen und Einsen umgerechnet werden. Kinder und Jugendliche können ihre Blicke schon jetzt kaum noch von den flimmernden Bildschirmen der Smartphones, Tablets und Notebooks lösen – und Christian Lindner fordert, zu Heilungszwecken die Dosis des Gifts zu erhöhen. Unsere Gesellschaft befindet sich im Würgegriff einer immer aggressiver agierenden Elektronikindustrie, sekundiert von ihren Lobbyisten in den Parteien, die im Chor das Mantra „Digitalisierung“ intonieren. Das Ziel der Kampagne ist nicht nur, Arbeitnehmerrechte aufzuweichen; intendiert ist eine Cyborg-Menschheit, die für die Zwecke der Wirtschaft leichter handhabbar ist.

    „Digitalisierung“, sagte Christian Lindner. „Digitalisierung“ sagte Angela Merkel. „Digitalisierung“ sagten auch Horst Seehofer, Martin Schulz und Cem Özdemir. Vielfalt ist derzeit angesagt in der Angebotspalette der deutschen Politik. Keiner entgeht der Digitalisierung in diesen Tagen. Schon bekommt die strauchelnde SPD von den Presse-Meinungsführern wohlmeinende Ratschläge serviert: Statt der „Rezepte von gestern –Umverteilung und soziale Gerechtigkeit – solle sie sich lieber „modernen“ Themen widmen, die die Bürger „wirklich bewegen“: Sicherheit, Zuwanderung und das beklagenswerte Hinterherhinken Deutschlands in der Digitalisierungsfrage.
    https://www.rubikon.news/artikel/der-digitalisierungswahn

    • @ Box

      An dieser Stelle endlich meine Anerkennung für Ihre Beiträge. Wollte ich schon seit längerer Zeit.

      Zum „Angriff auf unsere Kultur“: Karl Kraus – „Die Kultur endet, indem die Barbaren aus ihr ausbrechen.“

      Kultur wurde von den Corporate Entities usurpiert und ist heute zur Unternehmenskultur verkommen. Als solche Begriffe aufkamen, fühlte ich ein inneres Aufbegehren. Corporate Culture, Corporate Governance…etc. Von Experten und Politikern höre ich nur noch wie von Maschinen vorgestanzte markt- und körperschaftskonforme Formulierungen, besser und zeitgerechter (oder wie man heute sagt: „zeitnaher“ – zwar modern, aber grammatikalisch grottenfalsch) ausgedrückt: digitale 0-und-1-Formulierungen, um nicht zu sagen: Nullachtfünzig-Formulierungen. Aber jeder hat einen BA oder MA. Digitale Idioten, die sich einbilden, smart zu sein, weil sie smarte Technik bedienen, tatsächlich aber von der smarten Technik verblödet und versklavt werden. Aussage eines Zukunftsforschers: Es wird die geben, die Robotern sagen, was sie zu tun haben, und die, denen Roboter sagen, was sie zu tun haben. Wahrscheinlicher scheint mir, daß es die, welche Robotern sagen, was sie zu tun haben, sehr schnell obsolet werden.

    • Besten Dank auch. Auch für ihre Ergänzungen. Ich denke das ist es, was Herr Mausfeld mit Fehl-, bzw. Falschidentitäten bezeichnet.

      Eine böse Zunge meinte einst, „it’s the times of the smart phones and the dumb people,“ und zu ihrem letzten Satz möchte ich eine Stelle aus dem Spielfilm „Ex Machina“ ergänzen:

      Caleb (der Tester einer KI) ist zutiefst betreten, da er von Nathan (dem Entwickler einer KI) erfährt, daß AVA (die KI) getötet werden soll, da sie noch nicht den ultimativen Durchbruch bedeutet:
      „Hast du Mitleid mit AVA? Hab Mitleid mit dir selbst Mann … irgendwann sehen uns die KIs rückblickend genauso wie wir irgendwelche fossilen Skelette in der Wüste von Afrika sehen … als aufrecht gehende Affen, die durch den Staub rennen, mit rudimentärer Sprache und Werkzeugen, dazu verdammt auszusterben.“

      Zum Schluß zurück in die noch Gegenwart. Ich möchte anmerken weshalb ich den einen Satz hervorhob; den Meinungshütern des Meinungskorridors ist es offenbar bereits zuviel, daß innerhalb der SPD, die soziale Frage, im Wahlkampf, zu recht kläglichen Propagandazwecken eingesetzt wurde.
      Den Meinungshütern gilt wohl: Wovon man nicht redet, daran wird auch nicht gedacht, es existiert dann nicht mehr.
      Dann sind wir bei Orwell und den Ausgaben des Neusprechdiktionärs.

  7. Völlig zutreffende Kurzkritik; schade nur, daß sie – wie so viele andere gute Anmerkungen – sozusagen nur im „Kreis der Eingeweihten“ zirkuliert. – Ach – gäbe es doch verläßliche Wege, aus diesem kleinen Kreislauf auszubrechen und in den großen (Mainstream) zu gelangen und dort mit solchen Botschaften – endlich auch ausreichend Gehör zu finden!

Hinterlasse eine Antwort