Tagesdosis 19.2.2018 – Die Welt am Abgrund

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Eines muss man Sigmar Gabriel lassen. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz am Wochenende brachte der Noch-Außenminister einen richtigen Satz in medialen Umlauf: »Die Welt steht am Abgrund«, warnte der SPD-Mann vor den anwesenden Staatschefs. Und: Europa stehe an einer Wegscheide, wie die Welt sie nur alle paar Jahrhunderte sehe. Er appellierte an die »Vernunft« der Anwesenden.

Was Gabriel nicht sagt, aber weiß: Die globale Wirtschaftsordnung namens Kapitalismus ist nicht vernünftig. Ihr einziges Ziel ist es, die ökonomische Herrschaft der Besitzenden durch stete Kapitalakkumulation in ihren Händen sowie effektive Ausbeutung von Ressourcen und Lohnarbeit zu festigen. Manager dieses Spiels sind die Regierungen der Staaten, deren politisches Personal am Wochenende in München zugegen war.

Das Prinzip des Spiels ist so einfach wie brutal: Viel Kapital schafft viel Profit. Mehr Kapital schafft noch mehr Profit. Kapitalmehrung schafft vor allem eins: Macht. Es wirkt der bekannte »Matthäus-Effekt«: »Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen«. Das sorgt für Probleme: Was sich oben sammelt, fehlt unten. Dort streiten immer mehr Betroffene um immer weniger. Die Zahl der Opfer wächst – weltweit.

Das kapitalistische Prinzip ist die Ursache für eine Vielzahl von Symptomen, die Angst und Druck erzeugen. Wo die Wirtschaft durch Kriege und Ressourcenklau zerrüttet ist, müssen Menschen fliehen. Wo Unternehmen abwandern, Jobs schwinden, bittere Armut sich ausbreitet, ziehen Arbeitsmigranten auf der Suche nach einem Broterwerb umher. Menschen haben nun einmal materielle Grundbedürfnisse. Und der Kapitalismus strebt seit jeher die Globalisierung der Wirtschaft an. Dazu gehören auch die Arbeitsmärkte.

Das Elend macht an Grenzen nicht halt: Wo Immobilienkonzerne aus Wohnraum Maximalprofit schlagen, steigt die Zahl der Obdachlosen. Ein Staat, dessen Schulden bei Privatiers in die Höhe klettern, zockt seine lohnabhängig Beschäftigten immer dreister ab. Damit er das kann, hält er das Großkapital mit allerlei Zugeständnissen im Land. Ein solcher Staat kürzt Sozialleistungen und privatisiert, wo es geht.

Die Auswirkungen erleben wir direkt. In Krankenhäusern und Pflegeheimen herrschen katastrophale Zustände. In vielen Einrichtungen vegetieren Patienten und Bewohner mehr vor sich hin, als dass ihnen geholfen wird. Die inzwischen 937 Tafeln in Deutschland mit über 2.100 Ausgabestellen – Tendenz steigend – »feiern« an diesem Donnerstag ihr 25jähriges Bestehen. Sie spielen sich auf als Lebensmittelretter und Umweltschützer, während sie sprichwörtlich die abgenagten Knochen unter den Tischen der Reichen aufsammeln, um sie dem bittenden Bettler gnädig – natürlich nur auf Antrag – zu gewähren.

Wir erinnern uns: Als 1993 die ersten Tafeln mildtätig ihre karitativen, gewissenserleichternden Privatdienste anboten, war die Flüchtlingskrise noch weit weg. Ebenso wie im Jahr 2005, als Bundesregierung Hartz IV einführte, um den größten Niedriglohnsektor im reichsten Land Europas zu errichten.

Ja, die deutsche Bourgeoisie macht richtig Kasse. Mit ihren Exportüberschüssen steht sie weltweit an der Spitze. Und sie verteidigt ihre Vormachtstellung gegenüber der Peripherie mit Bravour. Auch Sigmar Gabriel hat seine Loyalität zum Großkapital bewiesen. Die Rüstungsgeschäfte boomen, den deutschen Konzernen geht es prächtig. Kriegsmissionen im Verbund mit der NATO sichern ihre Einflusssphären auf dem globalen Markt. Aus Sicht der Profiteure läuft es bestens.

Rentenklau, soziale Kürzungen, Niedriglöhne, Obdachlosigkeit, Suppenküchen, Privilegien für die einen, Duminglöhne und Minijobs für die anderen: Je uneiniger sich die unterdrückten Klassen sind, desto widerstandsloser nehmen sie es hin. Natürlich missbrauchen die Herrschenden dafür auch die Flüchtlinge. Wer das negiert, hat die Realität verschlafen.

Nichts einfacher als das: Man rüstet auf, ruiniert die Wirtschaft fremder Länder und konfrontiert einheimische Lohnabhängige mit geflohenen Lohnabhängigen. Fremde Sprachen, andere Lebensgewohnheiten verhindern die Kommunikation zwischen ihnen. Man teilt sie mit moralischen Attributen in Gruppen und hält einige von ihnen besonders arm. Das schürt die Kriminalität. Wo das zusammen kommt, wächst Hass wie Gras auf Humus. Feindbilder hat man auch gleich parat: Faule Arbeitslose, Flüchtlinge und Moslems. Die Spezialisten auf dem Gebiet der Massenpsychologie haben im vergangenen Jahrhundert nicht geschlafen.

Ja, Gabriel hat Recht: Die Welt steht am Abgrund, an einer Wegscheide. Das zeigen auch die Nichtergebnisse der Münchner Sicherheitskonferenz, die eigentlich Konferenz für Kriegsmanagement heißen müsste. Kurz reflektiert: Die Imperien rasseln mit den Säbeln, allen voran die USA im Zweckverbund mit Europa. Es gilt, jedes Fleckchen bewohnte Erde marktkonform einzufrieden. Es gilt, alles aus allem herauszuholen, notfalls – auch das wurde deutlich – mit Atomwaffen.

Auch wenn einige so tun: Dieser Abgrund war nicht plötzlich da.  Die Krisen bahnen sich nicht nur seit langem an: Man weiß seit 150 Jahren, dass der Widerspruch zwischen Kapitalbesitz und Lohnarbeit immer schneller immer brutalere Krisen produziert. Man weiß, dass diese in Kriegen münden, mit denen der ökonomische Besitz und damit die Machtverhältnisse neu aufgeteilt werden. So kann das Spiel neu starten.

Nur einer profitiert davon nie: Die große Masse der Lohnabhängigen, die auf den Verkauf ihrer Arbeitskraft mangels Kapitalbesitz existenziell angewiesen ist. Gestern schrieb der Deutschlandfunk, die Protagonisten in München hätten »viele Analysen, keine Lösungen« geliefert.

Ja, kann man wirklich ernsthaft annehmen, dass die Verursacher selbst die Probleme auch nur ansatzweise lösen wollten? Wer gibt schon freiwillig Macht und Luxus auf Kosten anderer her? Wenn eines sicher ist, dann das: Die Profiteure haben jenes ausgeprägte Klassenbewusstsein, dass ihre Propaganda-Apparate der Mehrheit erfolgreich abtrainiert haben. Und sie wissen ganz genau: Wer Panik, Angst und Zwietracht sät, muss Gegenwehr nicht fürchten. Der herrscht auch morgen noch erfolgreich.

+++

Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

+++

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

Alle weiteren Beiträge aus der Rubrik „Tagesdosis“ findest Du auf unserer Homepage: hier und auf unserer KenFM App.

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

45 Kommentare zu: “Tagesdosis 19.2.2018 – Die Welt am Abgrund

  1. Bei allem Theoretisieren sollte man eines nicht aus den Augen lassen, man kann in Deutschland nicht ohne Geld leben, auch wenn man allem Konsum entsagt. Es ist schlicht nicht möglich, da man zwangsläufig kriminalisiert wird. Egal ob ich auf der Straße lebe oder mich im Wald verstecke, die Forderung nach Geld, welches in Form von Steuern, Versicherungen oder Gebühren an den einzelnen Bürger gerichtet wird, ist immer Gegenwärtig. Aus diesem System gibt es kein Entrinnen.
    Die Höhe der Forderungen legen Politiker fest.
    Diese Macht gewähren wir unseren Volksvertretern.
    Ein Ausstieg ist zu keinem Zeitpunkt möglich.
    Einzig der Tod bleibt als alternative.
    Leider vergegenwärtigen sich die Menschen dieses nicht, oder wollen nicht darüber nachdenken, sonst würden sie ja verzweifeln in ihrem goldenen Käfig. Und eventuell würden sie ihre sogenannten Volksvertreter vom Hof jagen um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
    Wer sich in dem System gut eingerichtet hat, wird den Kopf schütteln, wer aber an die Seite geschoben wird, kann nur die Faust ballen.

  2. Susan, heute muß ich Dir sehr deutlich widersprechen:

    Kapitalismus ist die pure Vernunft!
    Er gründet auf Empirismus und Utilitarismus, das ist auch ggleichzeitig ethische Grundlage.
    Die Vernunft ist eine moralische Kategorie!
    Die Vernunft ist keine Tätigkeit, der Mensch kann die Welt nicht vernünftigen!
    Mathematik ist eine Kategorie der Vernunft. Keiner wird sagen, Mathematik sei unvernünftig, obwohl mathematische Objekte nicht existieren.

    Mir ist klar, daß mundartlich die Vernunft mit dem Verstand gleichgesetzt wird, das ist aber nicht richtig, das ist sogar nichts anderes als Neusprech. Der Mensch kann die Welt mittels Verstand verstehen, er kann sie, wie bereits erwähnt, aber nicht mittels Vernunft vernünftigen.

    Es ist die Vernunft, die Moral, die auf die Würde des Menschen scheiXt und nicht umgekehrt!

    • Nicht zu vergessen

      Es ist der _rationale_ homo oeconomicus, der vernünftige ökonomische Mensch, der das offensichtliche erkennen kann…

  3. Ich habe vor wenigen Wochen etliche eMails an Politiker, insbesondere von den Parteien CDU/ CSU, SPD und Grüne verschickt und die Funktionsweise unseres schneeballartigen Geldsystems erklärt.

    Sigmar Gabriel habe ich dabei nicht vergessen.

    Bis vor kurzem war er noch der Ansicht, dass es zur GroKo keine Alternativen gibt.

    Allerdings hat vor allem die CDU/ CSU bislang keine nennenswerten Inhalte geliefert.

    Ich kann dies sehr genau beurteilen, weil ich zu einer Wahlkampfveranstaltung mit Herrn Schäuble war.

    Daher frage ich mich, warum diese Partei so viele Stimmen bekommen hat.

    Ein Systemwechsel wird zumindest sehr wahrscheinlich erst nach einem großen Finanzcrash möglich sein.

    Wir werden danach nicht völlig ohne Geld auskommen.
    Das Geldwesen muss aber völlig anders funktionieren.

    Bislang wissen wir es vermutlich nur teilweise, wie das Geldwesen besser funktionieren könnte.

    • Ich habe noch nie verstanden, weshalb ich etwas benötige, hier Geld, das nicht existiert.

      Die Währung ist immer nur (verlogene) Moral.

      Also weshalb genau benötige ich jetzt GLAUBEN?
      Weshalb genau benötige ich jetzt URTEILE?
      Weshalb genau benötige ich jetzt GUT & BÖSE?

  4. der gemeinsame Nenner ihrer Kritik ist das Falsch-Geldsystem, also die Herstellung von sogenanntem Geld durch bits & bytes in rauhen Mengen – bei 1 % Mindestreserve.
    Denn dadurch lässt sich problemlos eine 3-stellige Eigenkapital-Rendite zaubern. Gerade für Krieg, Landgrabbing, gesponserte Medien.

    Voraussetzung – Inhaber einer Banklizenz bzw. deren Lobbyisten und gewählte Lautsprecher.

    Der Crash des starren Eurosystems für 17 Euro-Länder steht bis 2019 an.
    Bis dahin scheinen alle Eliten sehr daran interessiert zu sein, die Welt in ein Blutbad zu verwandeln – um die Ursachen, die im Geldsystem liegen, zu verschleiern und weiterhin Kasse zu machen.
    Wie wäre es für MACHER, Vertreter von Komplementärwährungen zu interviewen ?
    WIR-Franken, Fureai kippu – Zeitwährung, Tauschbörsen, Barter-System … um – trotz fehlender Banklizenz, vom starren Euro etwas unabhängiger zu werden.

    • Und dann machen wir mit „WIR-Franken, Fureai kippu – Zeitwährung, Tauschbörsen, Bartee-System“ unseren eigene Sache?
      Das funktioniert vielleicht in einer kleinen Dorfgemeinschaft, aber eine Insel der Glückseligkeit gibt es nicht.
      Ein kleines gallisches Dorf und rundherum stehen die Legionen der Römer.
      Wie wollen sie Wohlstand in einem Ort, unabhängig vom System organisieren.
      Wo bekommen sie Strom her, wo ist die nächste Klinik (Krankenversicherung), wer sorgt für Sie, wenn sie krank werden.
      Sie werden, auch wenn sie versuchen autark zu leben, vom System abhängig bleiben.

    • schwarz ist weiß

      Genau DAS ist das Problem. Mangelnde Vorstellungskraft, dass es anders gehen könnte. Wir hatten das Thema doch vor ein paar Tagen. Wenn wir denken es geht nicht – dann geht es auch nicht!

      Wir könnten uns von jedem Leistungssportler, der einen Mentaltrainer hat, etwas abschauen. Ohne die Gewissheit, dass es machbar ist, klappt es nicht. Gewissheit ist das Zauberwort! Placebo/Nocebo-Effekt!

      Alle großen Geister der letzten 3000/4000 Jahre haben davon geredet. Warum hören wir nicht zu? Warum lassen wir uns von den Herrschenden immer erzählen, die Schatten an der Wand unserer Höhle wären die Realität?

    • Ich könnte es mir jetzt einfach machen und sagen: Sollen doch die, deren Vorstellungskraft ausreicht, was machen.
      Ich für meinen Teil finde das ja gut.
      Für mich stellt sich erst einmal die Frage, was will ich?
      Besteht eine reale Chance, das was ich will, zu erreichen?
      Ich bin kein Leistungssportler und auch nicht größenwahnsinnig.
      Meine Selbstwahrnehmung funktioniert noch ganz gut.
      Für mich stellt sich die Frage, halte ich noch ein paar Jahre durch ? – und bleibe anständig dabei!
      Es reicht nicht zu wissen, dass man am liebsten aussteigen will, man muss auch wissen wo man einsteigen will.
      Ich bin meist auf der Suche. Angebote gibt es – aber keine, die ich annehmen kann oder will.

    • „Sollen doch die, deren Vorstellungskraft ausreicht, was machen.“

      Hihi… So funktionierts leider nicht. Das wäre cool, ja!

      Bleiben wir mal bei Platons Höhlengleichnis. Da sitzen also die Neandertaler und starren auf die Schatten. Dann kommt vielleicht einer auf die Idee, doch vor die Tür zu gehen und zu schauen, was da noch so ist. Weil er überzeugt ist, dass da mehr sein muss. Was machen wohl die anderen? Sie werden ihn zurück halten. Mit allen Mitteln, sie haben Angst vor dem, was vor der Höhle sein könnte. Weil ihr Höhlenguru ihnen erzählt hat, da draußen wartet der böse Wolf. Sie meinen es ja nur gut mit dem Abweichler… Sie wollen nichts Böses. Ihnen fehlt lediglich der Glaube an etwas Besseres, als die dunkle Höhle.

      Bei dem Beispiel mit dem Leistungssportler, geht es lediglich um den BEWEIS unserer geistigen Fähigkeiten. Wir sind Riesen, die sich einreden lassen, dass sie Zwerge seien. Und die Sportler beweisen das!

      Ich werde niemandem sagen, was er tun soll oder muss. Kann immer nur aus eigener Erfahrung sprechen.
      Ziele = Problem
      Etwas erreichen wollen = Problem
      Ein Ziel zu haben beinhaltet schon die Möglichkeit des Scheiterns, des kämpfen müssen…
      Annehmen was so daher kommt und etwas Gutes daraus machen, wäre meine Idee. Gut in dieser Beziehung habe ich es einfach. Hab schon immer „der Weg ist das Ziel“ gedacht. 😉 Ein paar Jahre habe ich dieses Denken vergraben und das gesellschaftliche Dogma des „Ziele muss man haben“ geglaubt. Und dann die Erfahrung gemacht, dass die Dinge, die ich erreichen wollte immer schief gingen, oder das Ziel lange nicht so toll war, wie die Vorstellung davon. Andererseits sind die besten Dinge meines Lebens immer einfach auf mich zugeflogen.

    • Euch beherrscht lediglich der GLAUBE, an die Existenz von Systemen.
      Euch beherrscht lediglich der GLAUBE, an die Existenz von Teilen.
      Euch beherrscht lediglich der GLAUBE, an die Existenz von Gewißheit.
      Euch beherrscht lediglich der GLAUBE, an die Existenz von einer einzig wahren Wahrheit.
      Euch beherrscht lediglich der GLAUBE, an höhere Wesen (juristische Personen).
      Euch beherrscht lediglich der GLAUBE!

    • Das beste was uns passieren kann ist, dass sich der Kapitalismus verabschiedet wie er gekommen ist, ohne das Chaos ausbricht.
      Das ewiges Wachstum nicht funktioniert ist ja den meisten hier klar.
      Kapitalismus ohne Wachstum geht nicht.

    • @ schwarz ist weiß
      natürlich sind Regionalwährungen nur eine Behelfs-Stütze, solange Art. 128 AEUV gilt. Hier wird nur der Euro als Zahlungsmittel anerkannt. Solange aber sogenannte Geschäftsbanken Geld schöpfen mit 1% MR, solange ist das ungedeckt und damit defakto „Falschgeld.“
      Würde aber z.B. festgesetzt, dass notleidende Geschäftsbanken (demnächst in Italien zu bewundern) solange Aktien ihrer Bank zu 1% anbieten müssen, bis die Schieflage der Geschäftsbank aufgehoben ist, also die Bank in die Hände der Bürger kommt, Ja dann sähe doch das Spiel mit dem „Geld aus dem Nichts“ bei 1% Aufwand und xxx% Eigenkapital-Rendite schon ganz anders aus.
      Hier der überarbeitete Link der Regionalgelder weltweit.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Regionalgelder#Bestehende_Initiativen_mit_Umlaufsicherung

    • Kapitalismus ist nur _eine_ Form des Glaubens.
      Mit dem Kapitalismus verschwindet nicht der GLAUBE.
      Eine Form des Glaubens mit einer andere Form zu ersetzen halte ich nicht für sonderlich erstrebenswert.

      Walter Benjamin nannte den Kapitalismus eine Religion, ein Glaubenssystem, er ist aber nicht die einzige Religion, das einzige Glaubenssystem.

    • Es ist vollkommen gleichgültig, wer Geld, wer die Moral schöpft…es ist jedoch immer eine Herrschaft. Es geht immer um die Unterwerfung unter eine vorherrschende Moral.

      Wer Regeln fordert, ist an Herrschaft interessiert.
      Wer Menschen zur Unterwerfung auffordert, tritt die ‚Würde des Menschen‘ in den Dreck…

  5. LIEBE SOFTWAREPROGRAMMIERER. Wann gibt es von euch die erste Open-Source-Währungsapp? Eine App, mit der jeder in einer selbst gewählten Gruppe von Währungsteilnehmern sein eigenes Geld kreieren, in einem austarierten Rahmen schöpfen und per Handy untereinander Gefälligkeiten und Waren per Kontobuchungen damit bezahlen könnte. Gäbe es so eine App, würde jede Währungsgemeinschaft, die damit herum experimentiert, bald merken, dass Geldschöpfung keine Hexerei und Geld kein Machtmittel ist, sondern einfach ein Werkzeug um untereinander unterschiedlichste arbeitsteilige Leistungen tauschen zu können. Durch solch eine Währungsapp gäbe es vielleicht ein spielerisches Interesse unter vielen Menschen ein eigenes Geld zu kreieren und eine Flut von „ehrlichen“ Währungen, unter denen sich einige in der Realität besonders ‚bewähren‘ würden und in der Masse Alternativen zum Betrugsgeldsystem bilden könnten. Wir BRAUCHEN vielleicht ein Evolution der Währungen. Der Tausch und Handel im Kleinen mittels alternativer Währungen, der sich sukzessive ausweiten könnte zu einem echten Widerstand gegen das große Betrugsgeld. Jede Währungsgruppe fing ganz klein an, was aber schon sehr praktische Konsequenzen haben könnte. Der eine Währungsteilnehmer bringt Gemüse aus dem eigenen Garten, der andere repariert etwas und der dritte passt auf die Kinder auf und das selbstkreierte elektronische Geld wandert den vereinbarten Preisen entsprechend, von Handykonto zu Handykonto. Und peu à peu kommen neue Währungsteilnehmer in die Gemeinschaft hinzu. Und das alles hat nichts mit Schulden machen und anderen demütigenden Betrügereien zu tun… Es gibt kein Minus, solange Geld nicht mit Geld bezahlt wird, weil immer zwei verhandelte, gleichwertige Produkte (und sei eines davon die Arbeitskraft) mittels des Geldes als Wertvermittler ausgetauscht würden. Es geht also überhaupt nicht um Reichtum, Wachstum und Macht; es geht um Geld als ENZYM und Schmiermittel einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Erst wenn die Liebe in einer Gesellschaft herrschte, wäre auch dieses aufrechnende Hilfsmittel überflüssig. Aber das dauert wahrscheinlich noch ein paar Jahrhunderte. – Mit der Währungs-App würde jedem wahrscheinlich ganz schnell klar, was es für ein perverser Betrug ist, für ein zentral geschöpftes Geld, den BETRAG des Geldes als Bezahlung zu verlangen und obendrein noch Zinsen von der Währungsgemeinschaft zu fordern. Erst hierdurch entsteht das Minus und die Schulden. Ab da an funktioniert der Handel in der kleinen Gruppe nämlich nicht mehr wie gewohnt, weil alles Geld und noch mehr vom Geldschöpfer (Vielleicht dem fünfjährigen etwas raffgierigen KLEINEN Klaus, der sich als Geldschöpfer vor gedrängelt hat und sich nun als großer Gläubiger aufspielt) als Bezahlung für seine Schöpfung zurückgefordert würde, womit er dann alle jemals gehandelten Waren und noch mehr kaufen könnte, was ja im Rahmen der Privatisierungen gerade überall im GROßEN tatsächlich geschieht. — Gradido ist ein die Perversion des Geldes eliminierendes Projekt und ihm gilt das Lob aus aller Welt 🙂 …https://gradido.net/wp/buch/lob-aus-aller-welt/

    • Vergesst die apps! EIN Sonnensturm und das wars mit den Smartphones. Unser Erdmagnetfeld hat fette Lücken und nimmt immer mehr ab. Ist nur eine Frage der Zeit.

      Außerdem ist die IT immer immer immer anfällig für Viren u Trojaner aller Art. Eine Einladung mit Schleifchen für jeden Verbrecher und jeden fanatischen Überwachungsfreak.

    • Ich verstehe einfach _nicht_, weshalb ihr unbedingt an nicht existentes GLAUBEN müßt.

  6. “ Was Gabriel nicht sagt, aber weiß: Die globale Wirtschaftsordnung namens Kapitalismus ist nicht vernünftig.“

    Ich frage mich ob Susan Bonath versteht was sie hier schreibt.
    Sie verurteilt hier mit nicht nur die EU, und weltweiten freien Handel, aber auch weltweiten freies Kapitalverkehr.

    Damit sind wir zurück bei die Nationalstaat, aber die ist slecht, verursachte zwei Weltkriege.
    Die Nationalstaat ist auch keine offene Gesellschaft, wenn der Nationalstaat seine Bürger schützen will kan es nicht so sein das ein jeder willkommen ist.

    Nach meinem Ansicht ist das das grosse Problem heute, die politisch korrekte Ideologie verursacht die Probleme, aber die politisch korrekte Ideologie kann nicht falsch sein, weil diese korrekte Ideologie alle alte Probleme löst.
    Dieses Dilemma entstand durch eine völlig falsche Geschichte Schreiberei über die Zeit seit 1870, meinem Ansicht.

    Der Nationalstaat Deutschland verursachte nicht zwei Weltkriege, der erste wurde hauptsachlich durch das Britische Empire verursacht, der zweite durch die USA die Weltbeherrschung wollte, ein Stalin die dasselbe Ziel hatte, und ein noch immer Grosses Brittanie was versuchte seine Weltbeherrschung fort zu setzen.
    Globalisiering, offene Gesellschaft, freies Kapitalverkehr, und EU, sollten eine bessere Welt bringen.

    Leider, eine Lösung, nicht basiert auf Fakten, bringt nur mehr Probleme.

  7. Langsam lichtet sich das Dunkel der Machtstrukturen und Mechanismen. Danke für diesen mal wieder genialen Beitrag von Bonath wie auch die anderen Beiträge von KenFM durchweg genial sind. In einem oberen Kommentar schrieb jemand, dass alle lamentieren und schimpfen, aber keiner etwas unternehme. Ja, so habe ich auch bis vor einiger Zeit gedacht. Die Unterschicht hat keinen Plan, außer den Reichen ihren Reichtum wegzunehmen und dann? Ja, dann? Genau das selbe wie vorher. Eben der Verfassungskreislauf nach Aristoteles. Diesmal scheint die Demokratie von der Oligarchie komplett übernommen zu werden. Wenn’s schlimm wird, wird die Sklaverei erst wirklich das, was sie unter den Römern und in den amerikanischen Südstaaten mal war. Aber bekannterweise ändert man die Verhältnisse nicht, indem man darüber schimpft, sondern indem man Konzepte erschafft, die das Alte überflüssig machen. Seit einiger Zeit kristallisieren sich bei mir neue Gesellschaftssysteme heraus und auch solche Vorhaben wie Human Connection sind sehr vielversprechend. Aber es gibt sie zu wenig, die großen Denker, die Wirtschaftssysteme hervorbringen und diskutieren. Man hetzt von einer Neuigkeit zur nächsten und das Fernsehen und die Medien geben vor, was in den Kopf kommt. Klar, dass niemand die Ruhe und Muße besitzt, sich neue Systeme auszudenken. Wenn man keinen Durchblick hat, ist man arbeitslos und schimpft auf die Reichen, ohne Durchblick, was man wie ändern könnte. Wenn man ein bisschen Durchblick hat, geht man arbeiten und ist am Abend so fertig, dass man sich nur noch mit TV zuknallen kann und ergo keine Revolution auszuhecken im Stande ist. Wo sind sie denn, die Marxens, Kants, Hegels, Lenins, Jesusse, Mohammeds, Bhagwans, die Revolutionäre die Visionen und Eier in der Hose haben, den Staat zu reformieren? Mir fehlt es an Leuten, die Gesellschaft planen, aber scheinbar hat und die Glotze unsere Ideen abgesaugt.

  8. so einfach kann eine “ Analyse“ sein.
    ja, ja, der „Kapitalismus“ ist an allen schuld!
    vielleicht sollte man sich doch mal eines differenzierten bildes bedienen und sich fragen, ob der „Kapitalismus“ in seiner 200jährigen geschichte schon immer solche Ausprägung hatte. wenn nicht, worin bestanden die unterschiede?
    und die wichtigste frage, wenn es nicht der „Kapitalismus“ sein soll, was denn dann? natürlich ist das nicht Bestandteil ihrer „Analyse“. stattdessen stellen sie sich in einer reihe mit den schwafelnen MS, Politikern, arbeitgebervertreten u.a. die den „Kapitalismus“ im kern nicht verstanden haben.

    • Kapitalismusanalyse und seit 150 Jahren weiß man ja glasklar und wissenschaftlich bewiesen Bescheid. So viel überlegenes Wissen, quasi Erleuchtung und doch so wenig Wirkung, das ist schon tragisch.
      Was soll Kapitalismus sein? Privatbesitz an Produktionsmitteln, freier Wettbewerb, schlanker Staat?

      Zumindest frei ist scho nlange nix mehr bei der Regulierungsdichte, und die Staats- und Abgabenquote ist auch eindeutig. Das ist schon eher nicht kapitalistisch.

      Bleiben die Besitzverhältnisse? Aber es ist doch schon konzentriert, oligarchisch. Da fällt der Wettbewerb aus.

      Vielleicht bräuchten wir mehr Privatbeseitz und Wettbewerb, weniger Staat und Regulierung, das hat oft ganz gute Ergebnisse für die Menschen gebracht.

      Und wenn etwas anderes gewünscht wird, dann würde ich gerne davon hören: Verstaatlichung oder Vergesellschaftung? Was soll es sein, wie kommen wir dorthin und wie halten wir das dann am Laufen?

    • Gloucester

      NOCH MEHR Privatbesitz und Wettbewerb? Sie wollen die Krankheit mit den Mitteln kurieren, die die Krankheit erst ausgelöst haben?

      Ich hatte ihnen geantwortet auf diese Frage. Tagesdosis 29.01. Weiß nicht, ob sie das gelesen hatten. Geantwortet hatten Sie nicht.

    • Wir sind alle zwangsweise Teilnehmer an diesem Korporatismus, der Allianz zwischen Kapital und Staat/deep state/Lobby.

      Und wenn wir das nicht brechen, werden wir ewig nichts verdienen oder das meiste beim Staat als Steuern abliefern, wo schon die Lobby sitzt und sich ob der sprudelnden Steuereinnahmen die Hände reibt.

      Ich will das Geld bei den Menschen belassen, die sollen über Konsum entscheiden, wo das Geld hinfließt.

      Da würden eher wenige Bomben kaufen, sondern womöglich sinnvoller ihr Geld einsetzen, auch in die Ausbildung der Kinder, mithin massiv in kartitativ-solidarische Modelle. Da würden neue Genossenschaften entstehen.
      Das Geld wäre vielelicht mehr, jedenfalls gleichen Ursprungs.

      Heute geht einer arbeiten, der Staat zwackt es ab und schiebt es weiter, im seltensten Fall sinnstiftend.

      Jetzt frage ich mich, woher ich die Hoffnung nehmen soll, dass – wenn wir weiter einen Staat haben – dies nicht über kurz oder lang so werden würde.

      Man kann Enteignen, aber dann wandert die Masse zum Staat, wo die Lobby bereits sitzt und einfach neu vereilt.

      Und das muss man ausschließen, sonst ist das für die Katz.

    • Und noch etwas zum viel geschmähten Wettbewerb: Ist nicht gerade dieses Portal eine Argument pro Wettbewerb?
      Einen Herrn Kleber kann die Atlantikbrücke oder sonst ein Club plazieren, aber jeden Kanal im Netz, das wird schwer. Nicht unmöglich, aber schwierig.

      Und das, was man als Wettbewerb im „Kapitalismus“ schmäht, ist doch betreutes Wirtschaften. Wo ist denn der Wettbewerb? Der ist doch mit Hilfe des Staates ausgeschaltet. Auch zum Teil Dank der Gewerkschaften, die schön Tarifverträge aushandeln (um dann mit Herrn Hartz in der Puff nach Rio zu fliegen), und damit jede Autonomie der Belegschaft aufgesaugt haben. Streik? Das ist dermaßen verrechtlicht und somit zu einer blutleeren Karnevalsveranstaltung verkommen.

      Gab es eigentlich im Sozialismus ein Streikrecht? Das ist jetzt nicht ketzterisch gemeint, nur diese Einehistgewerkschaft dort drüben war ja auch so ein Monopolist.

    • Mal zum Verständnis vom Kapitalismus:
      Ulrike Herrmann: Anfang und Ende des Kapitalismus –> YouTube

      (da gibt es sicher auch den einen oder anderen Kritikpunkt – aber geschenkt – der Krümelkacker findet immer etwas)

    • Gloucester

      Zuerst mal müssen wir uns verschiedene Dinge klar machen.
      Wir sitzen in einem Zug, der auf den Abgrund zurast und wechseln ständig die Lokführer oder verstellen ein paar Schräubchen an der Heizung. Der Zug rast aber doch ungebremst weiter. Wir müssen abspringen! Soll heißen, wir brauchen ganz neue Denkmodelle und Gesellschaftsmodelle.
      Der „Sozialismus“ löst bei den Leuten reflexhaft Gedanken an die DDR aus. Das hat das System sehr gut hingekriegt. Denken wir doch mal nach. Und lassen den ismus weg. SOZIAL ist doch was Gutes, oder wollen wir ASOZIAL weiter machen?

      Der Wettbewerb führt im Moment zu solchen Schildbürgerstreichen wie in NRW. Da müssen Brücken gebaut werden, aber durch den Wettbewerb wird der Stahl nicht ums Eck beim Nachbarn gekauft, sondern in China. Gleichzeitig erzählt man uns aber, wenn der Trump Strafzölle erhebt, trifft das den deutschen Stahlbau. Was gehtn da ab? Der Stahl ist zu teuer für hier Zuhause, aber billig genug um ihn zu exportieren? Da stimmt doch nichts mehr.
      Der Wettbewerb führt dazu, dass Schüler sich nicht gegenseitig helfen wollen, Ellenbogen sind angesagt, der Kampf um den Job später mal, fängt schon bei den Kleinsten an.
      Der Wettbewerb gebiert solchen Schund wie Dschungelcamp, Topmodel und diesen ganzen Dreck.

      Wettbewerb zwischen Menschen führt zu Jeder-gegen-Jeden. Wir sind aber soziale Wesen und kommen mit Kooperation viel viel weiter. Ganz altes Beispiel, aber sehr deutlich. Ohne Kooperation hätten unsere Vorfahren kein Mammut erlegen können. Jeder einzeln, am besten beim Jagen noch die anderen wegbeißen? Das Mammut hätt sich gefreut!
      Der Mensch ist viel „besser“, wenn er mit Freude und Leidenschaft Dinge erfindet, als wenn er unter Druck steht und ständig ums Überleben kämpfen muss. Das behindert nämlich unsere grauen Zellen massiv.

      Privatbesitz über ein zum Leben notwendiges Maß hinaus, macht unfrei. Angst, das Haus/den Job/das XYZ zu verlieren, Angst keinen Partner zu finden, Angst von den anderen schief angeschaut zu werden, wenn man nicht genug hat. Ängste Ängste Ängste… Nicht gesund! (Es gibt die Theorie, die biologisch gesehen völlig schlüssig ist, dass auch Angst ein Auslöser von Lungenkrebs ist)

      Und zum Thema „Regelung über Konsum“. Dann bestimmen nur die Reichen die Regeln. Die Armen können ja nicht großartig konsumieren. Und wenn wir das z.B. über MwSt regeln würden, würden auch die Ärmsten am schlimmsten getroffen. Dem Millionär ist egal, wenn die Butter 10,- kostet. Dem Arbeitslosen nicht…

    • „Wir müssen abspringen! Soll heißen, wir brauchen ganz neue Denkmodelle und Gesellschaftsmodelle.“

      Wo wollen Sie den hinspringen?
      Das Beispiel des rasenden Zuges ist gut.
      Springen Sie mal mit Kind und Kegel aus einem rasenden Zug ab. Da können Sie nur beten, das Sie am Leben bleiben und nicht voll unter die Räder kommen.
      Wenn die Menschen in die Puschen kommen sollen, brauchen sie eine Aussicht, das es ihnen danach besser geht als jetzt.
      Im Zug sitzen wir momentan noch relativ bequem und an den Bahngleisen ist es eher lebensfeindlich und mühsam.
      Das sind keine guten Aussichten.
      Ich kenne Kein Szenarium, für das man die Massen begeistern könnte.

    • Guten Morgen 🙂 schwarz ist weiß

      Um mal beim Beispiel des Zuges zu bleiben. Btw, ich verstehe deine Argumentation völlig! Wenn wir abspringen haben wir vielleicht eine Chance auf ne Wiese zu fallen. Das Risiko müssen wir vielleicht eingehen. Wenn wir nicht abspringen, ist der Tod 100% sicher. Den Abgrund überleben wir nicht.

      Müssen wir die Massen begeistern? Warten wir da nicht wieder auf einen Vorturner? Das ist das, was Ken immer und immer wieder sagt.
      Kann nicht jeder selbst begeistert werden und zieht dann ein paar andere automatisch mit. Dann passiert vielleicht irgendwann das Phänomen „des 100sten Affen“. Wenn wirs nicht versuchen, werden wir es nicht erfahren. Angst war noch nie ein guter Ratgeber und wirkt ganz oft kontraproduktiv. Beispiel im Moment – die SPD. Aus Angst vor Neuwahlen macht sie GroKo und nimmt ihren Tod in Kauf.

      Nimm mal die vielen unterdrückten Multi-Jobber. Aus Angst – wovor eigentlich? sie sind doch schon am untersten Ende der Skala – lassen sie sich gängeln, arbeiten sich kaputt und können trotzdem nicht das Geringste dagegen tun, dass sie arm sind und irgendwann Flaschen sammeln müssen. Wofür also dieses sich selbst Schinden?

      Die Ansätze für eine bessere Gesellschaft sind doch schon da. Immer mehr Menschen machen sich Gedanken, steigen aus, engagieren sich irgendwie. Jeder kann auf seine Weise ein bisschen dazu tun. Jeder nach seinen Fähigkeiten und Gegebenheiten. Wenn ich hier manche Beiträge lese, hab ich echt Hoffnung.

    • Natürlich ist es gut, wenn man sich engagiert und sich auch Gedanken macht, wie der ganze Laden läuft.

      Die Multi-und MiniJobber bleibt gar nichts anders übrig, als weiter zuarbeiten, wenn sie nicht Hartz IV beziehen wollen, wo sie dann noch sanktioniert werden können, wenn sie nicht spuren.
      Davor haben sie zu recht Angst.

      So richtige Hoffnung habe ich nicht. Wo soll die auch herkommen.
      Wenn die Menschen sich wenigstens für ihre Interessen einsetzen würden, gäbe es eine Hoffnung.
      Das sehe ich allerdings nicht.

      Es gibt Menschen die versuchen ihr eigenes Ding zu machen.
      Ich kenn da ne Menge Handwerker, die in Eigenregie mehr recht als schlecht über die Runden kommen.
      Krank werden dürfen sie nicht.
      Was mir bei diesen Leuten auffällt ist, das Sie der Meinung sind, alle sollten das so machen wie Sie.
      Leute die keine Arbeit haben, wollen nicht und sind Sozialschmarotzer.
      Was ich damit sagen will, die Zustände werden nicht gesehen. Jeder der es nicht schafft sich nicht zu verkaufen, ist selbst schuld.

    • „Leute die keine Arbeit haben, wollen nicht und sind Sozialschmarotzer….
      …die Zustände werden nicht gesehen. Jeder der es nicht schafft sich nicht zu verkaufen, ist selbst schuld.“

      Ja das ist ein Riesenproblem. Das seh ich auch! Dieses Denken hat unser System so heftig und seit ewigen Zeiten in die Köpfe geklopft, dass es mir regelrecht körperlich weh tut.

      Allerdings, auch da hab ich wieder Hoffnung. Immer mehr Leute, die so dachten, geraten in die Mühlen und erkennen, dass es eben nicht so ist. Das hört sich jetzt vielleicht ein bissi abgehoben an, aber da verlass ich mich echt aufs Karma. Habs am eigenen Leib erfahren (müssen/dürfen). Hab früher auch so gedacht. Bis es mich genau SO erwischt hat. Und dieser Automatismus greift noch weiter um sich. Als ich dann krank wurde, bevor ich anfing umzudenken, hat meine Umgebung mich als Hypochonder gesehen. Psyche pah… Und jetzt – sind genau diese beiden Leute, die mich für ne „Schauspielerin“ gehalten haben… Genau DIESE BEIDEN sind jetzt psychisch krank.

  9. Moin, Frau Bonath, ja der Analyse ist nicht viel hinzuzufuegen! Die Frage, die sich mir stellt: Was tun?
    Solange wir bei den guten bis knallharten Analysen verweilen, verändern wir doch ueberhaupt nichts!

    Die SPD zersemmelt sich selbst, die Linke ist im Absprung begriffen von der Linkspartei, es tummeln sich tausende von Linken, die eingesammelt werden wollen. Wir muessen es nur tun.
    M.M.n. sollten wir ueber diesen Punkt dikutieren und die Enlarvung des Systems nicht aus den Augen verlieren, aber frei nach Marx : bisher haben wir die Welt erklärt, nun gilt es sie zu verändern!

    • Reden sie mit den Menschen in ihrem Umfeld, informieren sie sie, weisen sie auf die Informationsmöglichkeiten hin, versuchen sie sie zu aktivieren, nehmen sie Themen auf die ihrem Gegenüber wichtig sind, aber seien sie nicht aufdringlich, das führt zur Blockade.

      Am Wochenende hatte ich ein Gespräch mit ein paar Leuten, ein Vater der zugegen war, welcher auch recht informiert ist, macht sich große Sorgen was aus seiner kleinen Tochter in dieser Welt werden wird.

      Warten sie nicht auf jemanden der alles zum Guten wendet.

    • Moin, Box, worum geht es? Es geht auf jeden Fall nicht um eine neue Graswuzelrevolution ( jeder macht alles ganz klasse in seinem eigenen Bereich) diese Ideen gibt es schon seit mindestsens 30 Jahren und sie haben zu nicht viel mehr als Muelltrennung und Flaschenpfand gefuehrt.
      Das Ende der Fahnenstange ist fuer den Kapitalismus erreicht. Wir sehen das daran, dass immer mehr Menschen verarmen nicht nur in DE sondern weltweit. Die Kriegsgefahr wächst fast stuendlich. Aber wir sind nur in der Lage, zu analysieren, anstatt zu handeln.
      Was mich brennend interessiert ist, sollen wir uns z.B. der Initiative von S. Wagenknecht anschliessen mit all ihrer Unvollkommenheit oder sollen wir eine kommunistische/sozialistische Partei gruenden oder soll man einfach ein anti-Kriegsbuendnis gruenden, dass z.B. die Forderung nach Austritt aus der Nato erhebt und die Entmilitarisierung Deutschlands?
      Nur denke ich, dass es in eine Richtung gehen sollte und dafuer muss man vorher ueberlegen/diskutieren was am Erfolgversprechendsten ist.

    • Sicher ist die Ungewissheit, den garantierten Erfolg gibt es nicht und das Internet ist und bleibt ein Placebo für persönliche Kommunikation.

  10. Warum nicht auch mal loben?

    Ihr zitiert Gabriel mit seiner Feststellung, dass wir an einem Abgrund stehen. Warum nicht auch mit dem viel wichtigeren und wuchtigeren Vorschlag, mit Russland in kleinen realistischen Schritten voranzukommen. Ist dieser m.E. mutige Versuch nichts wert, weil er womöglich ein Kamikaze Manöver des mutmasslich abgesetzten Aussenminsters ist? oder weil es zu spät kommt? Leute: Es ist nie zu spät! und es wurde von keinem anderen vorgebracht!

  11. Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen – sondern Stahlhelm und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins:
    Sag NEIN!
    Du. Besitzer der Fabrik. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst statt Puder und Kakao Schiesspulver verkaufen, dann gibt es nur eins:
    Sag NEIN!
    Du. Arzt am Krankenbett. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst die Männer kriegstauglich schreiben, dann gibt es nur eins:
    Sag NEIN!
    Du. Pfarrer auf der Kanzel. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst den Mord segnen und den Krieg heilig sprechen, dann gibt es nur eins:
    Sag NEIN!
    Du. Mutter in der Normandie und Mutter in der Ukraine – Mütter in allen Erdteilen, Mütter in der Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebären, Krankenschwestern fuer Kriegslazarette und neue Soldaten für neue Schlachten, Mütter in der Welt, dann gibt es nur eins:
    Sagt NEIN! Mütter, sagt NEIN!

    Denn wenn ihr nicht NEIN sagt, wenn IHR nicht nein sagt, Mütter, dann: dann:
    dann wird der letzte Mensch, mit zerfetzten Gedärmen und verpesteter Lunge, antwortlos und einsam unter der giftig glühenden Sonne und unter wankenden Gestirnen umherirren, einsam zwischen den unübersehbaren Massen-gräbern und den kalten Götzen der gigantischen betonklotzigen verödeten Städte, der letzte Mensch, dürr, wahnsinnig, lästernd, klagend – und seine furchtbare Klage: WARUM? wird ungehört in der Steppe verrinnen, durch die geborstenen Ruinen wehen, versickern im Schutt der Kirchen, gegen Hochbunker klatschen, in Blutlachen fallen, ungehört, antwortlos, letzter Tierschrei des letzten Tieres Mensch –

    all dieses wird eintreffen, morgen, morgen vielleicht, vielleicht heute nacht schon, vielleicht heute nacht, wenn — wenn — wenn ihr nicht NEIN sagt.

    DAS wären doch mal Thesen für die Türen des Kanzleramtes!

  12. Anbei noch ein paar ergänzende Stimmen:

    Mittwoch, 06. Dezember 2017, 12:00 Uhr
    ~46 Minuten Lesezeit
    100 Jahre Konterrevolution
    Eine Replik auf Arno Widmanns Mordphantasien zur Oktoberrevolution in der Frankfurter Rundschau.
    von Hans See

    (…)
    Viele Intellektuelle, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen kritisieren heute die total globalisierte Ausbeutungswirtschaft mit ihren mörderischen Kriegen, mit Massenflucht und Terror auslösenden Folgen unter den allzu harmlosen Begriffen wie Neoliberalismus oder Finanzkapitalismus. Damit wird aber suggeriert, der historische Wirtschaftsliberalismus, der frühere Handels- und spätere Industriekapitalismus wäre, ungeachtet dessen, ob wir ihn mit den Medici, mit Calvin oder Adam Smith beginnen lassen, auch nur eine Spur humaner gewesen. Dass jedoch Widmann das Blutbad, das dieser friedliche finanzkapitalistische Neoliberalismus weltweit verursacht, nicht einmal andeutet, interpretiere ich meinerseits als Versuch, mit der provokativ zugespitzten These, die Oktoberrevolution sei nichts weiter als „ein Verbrechen gegen die Menschheit“ gewesen, von den historischen und aktuellen Verbrechen derer abzulenken, die im Namen Gottes, der Eigentumsfreiheit und des Profits begangen werden. Wer aber den entpolitisierten und unwissenden jungen Menschen wissentlich ein Zerrbild über verzweifelte Versuche, sich aus dem überproduktiven Vernichtungslagern der kapitalistischen Demokratien zu befreien, vermittelt, verhindert die überlebenswichtig gewordene rationale Auseinandersetzung mit der tatsächlichen Geschichte des Kapitalismus.
    https://www.rubikon.news/artikel/100-jahre-konterrevolution

    Samstag, 10. Februar 2018, 15:55 Uhr
    ~9 Minuten Lesezeit
    Der Bankrott der Linken
    Linke begeistern heute niemanden mehr. Kein Wunder, übersehen sie doch in aller Regel, dass Konzernkapitalismus nicht reformierbar ist.
    von Chris Hedges

    Innerhalb des globalen Konzernkapitalismus wird es keine wirtschaftliche oder politische Gerechtigkeit für die Armen, die Nicht-Weißen, für Frauen oder Arbeiter geben. Der Konzernkapitalismus, der Identitätspolitik, Multikulturalismus und Rassengerechtigkeit als Politik ausgibt, wird niemals der wachsenden sozialen Ungleichheit, dem ungebändigten Militarismus, dem Ausweiden von Bürgerrechten und der Allmacht der Sicherheits- und Überwachungsorgane Einhalt gebieten. Der Konzernkapitalismus kann nicht reformiert werden, und wenn er sich noch so oft ein neues Image verpasst. Je länger diejenigen, die sich selbst als Linke und als Liberale definieren, versuchen, innerhalb eines Systems zu arbeiten, das der politische Philosoph Sheldon Wolin als „umgekehrten Totalitarismus“ bezeichnet, desto enger zieht sich die Schlinge um unseren Hals. Wenn wir nicht aufstehen, um die Regierung und die Finanzsysteme unter öffentliche Kontrolle zu bringen – und dazu gehört die Verstaatlichung der Banken, der fossilen Brennstoff- und der Waffen-Industrie – werden wir immer Opfer bleiben.
    https://www.rubikon.news/artikel/der-bankrott-der-linken

    Dienstag, 30. Januar 2018, 10:34 Uhr
    ~10 Minuten Lesezeit
    Die Farce-Demokratie
    „Demokratie ist die Staatsform des Bürgertums, wenn es sich noch nicht getraut, seinen Faschismus offen zu zeigen“, meint Volker Bräutigam.
    von Volker Bräutigam

    (…)
    Antagonismus

    Der Kapitalismus erlaubt keine Demokratie. Sie widerspricht seinem Wesen diametral und endet letztlich, wo Kapitalinteressen walten, also zum Beispiel vor jedem Fabriktor, vor jedem Bankeingang – und allemal vor dem Berliner Reichstag.
    Nein, Betriebsräte, das Betriebsverfassungsgesetz, die Mitbestimmung und Ähnliches – um nur diese zwei zu nennen – widerlegen meine Auffassung nicht, im Gegenteil! Sie basieren auf der Farce der Sozialpartnerschaft. Sie ist ein Popanz, eine contradictio in adiecto, weil die Gleichrangigkeit von Kapital und Arbeit in keiner Weise gegeben ist, solange es das uneingeschränkte Privateigentum an den Produktionsmitteln gibt. Aber sie ist dabei ein höchst unterhaltsamer Popanz. Dieser lenkt trickreich ab, beschönigt die tatsächlichen Machtverhältnisse, verhindert deren Korrektur und korrumpiert die Arbeiterschaft! Ich möchte hier nur an die Bordellbesuche des VW–Betriebsrats erinnern, es handelt sich um ein durchgängiges, systemisches Problem.
    https://www.rubikon.news/artikel/die-farce-demokratie

    Einen Teil aus Frau Bonaths Artikel, der wie stets punktgenau landet, möchte ich noch herausgreifen:

    „Man weiß seit 150 Jahren, dass der Widerspruch zwischen Kapitalbesitz und Lohnarbeit immer schneller immer brutalere Krisen produziert. Man weiß, dass diese in Kriegen münden, mit denen der ökonomische Besitz und damit die Machtverhältnisse neu aufgeteilt werden. So kann das Spiel neu starten.“

    Auch diesmal? Ohne das an einem bestimmten Zeitpunkt festmachen zu wollen; das Universum mag ja ewig und unendlich sein, wir und der Planet sind es nicht.

    • Doch, es gab die Münchner Friedenskonferenz als Gegenveranstaltung am 16.2.18 und eine Demonstration am 17.2.18 vom Stachus bis zum Marienplatz trotz Schneefall und Kälte.

  13. Mal ehrlich: Die Russen haben international (abgesehen von der Besetzung der Krim) gepunktet. Wirtschaftlich sind sie vom Westen nicht kleinzukriegen. Die alte Wirtschaftspropaganda des Westens gegen Russland ist nur noch selbstschädigend. Statt die persönliche Identität in einer korrupten EU aufgehen zu lassen, täte man gut daran, sich um Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu bemühen.
    Statt sich nun Russland anzudienen, welche mit ihrem Kniefall gegenüber der Wagner-Söldnerfirma bezüglich Ostukraine und Syrien ihr Image nicht gerade aufbessert, wäre eine auch wirtschaftlich neutrale Perspektive angebracht. Selbstversorgung und lokale Wirtschaftskreisläufe als Ziel, würde aus der Abwärtsspirale erlösen. Vermutlich geht das nur ohne EU, zumal man nicht sicher sein kann, dass TTIP nun hinter wirklich verschlossenen Türen klammheimlich einfach eingeführt wurde. Die korrupten Regierungen sind gewohnt zu schweigen. Mich würde dasselbe nicht wundern, wenn die USA heimlich das TTP ebenfalls heimlich doch umsetzen würden. So willfährig wie lokale Behörden sich der Verlockung des Geldes beugen wie im Falle des Wasserraubes durch die Schweizer Firma Nestlé.

    Eigentlich müsste die Schweizer Bundespolitik und deren Bankenplatz angeprangert werden, auch vom Ausland. Noch immer hat die Schweiz kein Vollgeld. Die korrupte Schweiz alleine ist Terrorfinanziererin Nr. 1. Hat man in Deutschland noch derart Angst vor Krieg, dass nicht direkt konfrontiert werden kann? Da fühle ich mich als nachhaltig denkender und auch politisch agierender Schweizer von der sogenannt europäischen Linken etwas alleine gelassen. Was für die Angsthasen aus Deutschland zum Bumerang werden könnte.
    Ich schlage vor: Lieber die Flucht nach vorne statt durch zunehmenden Identitätsverlust die Kirchen füllen! Persönlich hatte ich damit Erfolg. Vorerst.

    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2018/02/18/kampf-um-quellwasser-us-kleinstadt-stellt-sich-gegen-nestle/

Hinterlasse eine Antwort