Tagesdosis 19.3.2018 – Privatisiertes Chaos

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Menschenmassen im Bahnhof, ratlose und bange Gesichter in Zügen, die irgendwo in der Pampa stehen bleiben, Hunderte Meter lange Schlangen vor dem einzigen Informationsschalter, verzweifelt Suchende, weit und breit kein auskunftsfähiger Angestellter, kein Zurück, kein Ankommen, in den Sand gesetzte Fahrkosten: Zehn Zentimeter Schnee im März legten am Wochenende den gesamten öffentlichen Nahverkehr an mehreren Verkehrsknotenpunkten in Ostdeutschland lahm. Ein paar Flocken und Minusgrade genügten, um die schöne moderne kapitalistische Technik komplett zum Erliegen zu bringen. Oder waren es doch Putins Hacker? Die Deutsche Bahn sprach von »höherer Gewalt«. Eine Odyssee:

Samstagmorgen rieseln Schneeflocken vom Himmel. Eine weiße Schicht überzieht Wiesen und Wege, ein eisiger Wind wiegt die kahlen Wipfel der Bäume hin und her. Ich schalte die Nachrichten ein. Auf der Autobahn soll sich der Verkehr bereits an mehreren Stellen stauen. Es mangelt offenbar am Winterdienst. In meinem Gehirn aktiviert sich die Mär vom Fachkräftemangel. Das will ich mir nicht geben. Ein Zug soll mich in anderthalb Stunden von Magdeburg nach Leipzig zu einem Treffen bringen. Laut Internet ist alles in bester Ordnung. Meine Entscheidung ist der Anfang einer Reise durchs totale Chaos.

Am Magdeburger Hauptbahnhof ist kaum ein Durchkommen. Menschen drängen sich in der Halle. Der Zug nach Köln soll zwei Stunden Verspätung haben, lese ich. Bei der Bahn nach Hannover sind es nur 45 Minuten. Doch die Fahrt nach Leipzig ist ganz normal ausgeschildert. Dem Himmel sei dank, denke ich.

Mit meiner für 22 Euro erworbenen Fahrkarte kämpfe ich mich zum Bahnsteig 7 durch. Eine Gruppe älterer Damen macht mir Platz, so gut es geht. Dass sie zum Flughafen wollen, zeigen die Schilder an den Griffen ihres Gepäcks. Die allermeisten aber haben ein anderes Ziel: Die Buchmesse. Um mich herum drängen sich Dutzende Gruppen verkleideter junger Leute – offensichtlich Manga-Fans.

Wortfetzen fliegen aus allen Richtungen an mein Ohr: Ob es bald weitergeht? Ein Mädchen reißt einen Witz über unerwartete Wintereinbrüche im März, eine Frau frotzelt über Putins »Russenpeitsche«. Ob die Leute hier alle in einen Zug passen, will einer wissen. Das frage ich mich allerdings auch. Ich bereite mich innerlich auf eine Chaosfahrt vor.

20 Minuten nach der geplanten Abfahrt ist noch immer kein Zug zu sehen. Dann verkündet die Durchsage 60 Minuten Verspätung. Ein Seufzen durchzieht die Massen wie eine Welle. Eine Woge schiebt mich gen Treppe. Ich lande mit hunderten Menschen in der Bahnhofshalle. Noch ist die Schlange am Backstand nicht allzu lang. Ich ergattere einen Kaffee und starre die große Tafel an. Plötzlich verschwindet mein Zug.

»Der ist gerade im Ausfall«, erklärt mir eine Frau von der Bahnaufsicht, nachdem sie minutenlang über Funk diskutiert hat. Doch sie weiß eine Lösung: »Sie können in fünf Minuten über Halle fahren«, versichert sie. Dort laufe alles. Ich vertraue ihr und denke: Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Mit mir schieben sich ungezählte Manga-Fans wieder in Richtung Bahnsteig. Tatsächlich fährt der Zug ein – und verspätet auch wieder los. Ich ergattere sogar einen Sitzplatz. Neben mir lässt sich eine freundliche junge Marokkanerin fallen. Ihr Spitzname ist Mimi. Sie will jemanden besuchen, sagt sie.

Zunächst geht es im Schneckentempo voran. Es kommt sogar eine Schaffnerin und will die Fahrkarten sehen. Die Strecke Halle-Leipzig sei tot, erklärt sie zu unser aller Entsetzen. Aber wir sollten uns nicht sorgen, beruhigt sie. Es gebe Schienenersatzverkehr nach Leipzig. Sie werde uns später begleiten. Dann geht sie fort und kommt nie wieder. Irgendwo hinter einem Ort namens Stumsdorf verstummt alles. Die Bahn steht still inmitten einer romantisch weißen Wüste. Man wisse nicht, wann es weiter geht, verkündet der Lautsprecher. Neben uns öffnen Frauen zischend kleine Sektflaschen. Sie loben das Postkutschen-Zeitalter. Wir schwatzen und die Zeit vergeht wie im Flug.

Als Mimi und ich beginnen, uns wegen vergessener Wasser- und Nahrungsvorräte zu sorgen, ruckt es. Mit anderthalb Stunden Verspätung zuckelt der Zug weiter durch rieselnde Flocken. Tatsächlich fahren wir am Ende in Halle ein. Doch den angekündigten Schienenersatzverkehr gibt es nicht. Auch die Straßenbahn steht still. Die Schlange an der Information ist endlos. Ein Bahnmitarbeiter zuckt die Schultern. In Leipzig sei wohl auch Totalausfall, meint er. »Aber das ist höhere Gewalt, da werden Sie ihren Fahrpreis nicht erstattet bekommen.« Ja, wer konnte auch ahnen, dass es Mitte März schneien wird. Ich gebe dem Mann den Tipp, auf den Wetterbericht zu achten.

So sitzen wir am frühen Nachmittag in Halle und trinken Tee – kein Angebot der Bahn, wir müssen ihn bezahlen. Neben uns sorgt sich eine Rentnergruppe, ob sie in Halle übernachten muss. Schließlich schnappe ich mein Telefon. Zwei Freunde machen sich mit dem Auto auf den Weg. Eine dreiviertel Stunde später treffen sie ein. Wir nehmen auch die überglückliche Mimi mit an ihr Ziel. »Der Kapitalismus ist echt am Ende«, flucht sie. Nur, so ergänzt sie, »glauben die meisten Leute immer noch an diese Religion«.

Nach sieben Stunden Odyssee komme ich am Zielort an. Unsere Freunde jubeln vor Freude. An die geplante Rückfahrt am selben Abend ist nicht zu denken. Ich komme privat unter und noch zu einem proletarischen Bier. Wir versuchen, das abstruse Geschehen in einen wirtschaftlichen Kontext zu bringen.

Zu DDR-Zeiten holte die Bahn in solchen Fällen massenweise bezahlte Arbeiter heran, um eingefrorene Weichen rasch zu enteisen, erinnert sich ein Freund. »Notfalls auch die NVA«, ergänzt ein anderer. Doch die privatisierte Bahn muss Profit einfahren. Darum spart sie an Personal und Technik. Nicht funktionierende Klima-Anlagen im Sommer und regelmäßig vereiste Weichen im Winter sind die Folge. Wir stoßen an auf die Ära der Hochtechnologie und der viel beschworenen Digitalisierung.

Am nächsten Morgen lässt mich die Sonne hoffen. Sie hat sich durch die Wolken geschoben, es schneit nicht mehr. Das macht neuen Mut. Der schwindet in der Leipziger Bahnhofshalle. Mein Zug ist ausgeschildert, kommt aber nicht. Wie offenbar dutzende andere Züge auch. Menschen mit übermüdeten Gesichtern, Koffern, Rucksäcken und verlaufener Schminke belagern in zwei  Schlangen den Informationsschalter, die so lang sind, dass sie jede Panne bei einer Flughafenabfertigung in den Schatten stellen würden. An einem Schild steht in großen Lettern: »Alles fürs Reisen. Leben und genießen.« Mir fällt nichts Lustiges mehr ein.

Meine beiden Begleiter und ich stellen uns vor, wie es wohl wäre, wenn alle Computer der Arbeitsagenturen und Sozialämter einmal für ein paar Tage ausfallen würden. Acht Millionen Menschen, die am Monatsende pleite sind, bekämen keinen einzigen Cent und niemand wüsste etwas, so, wie am Wochenende auf den Bahnhöfen. Die Tafeln hielten dem Ansturm nicht stand und ließen verzweifelt ihr mildtätiges Engagement ruhen. Könnte das der berühmte Funke für einen Aufstand sein? Möglicherweise. Wahrscheinlich würde sich dieser aber wieder einmal gegen die Falschen richten.

Langsam fühle ich mich traumatisiert von imaginären Zügen und nichtswissenden Uniformierten. Ich greife zu meinem Notbehelf: Eine Freundin, die fast in dieselbe Richtung will, nimmt mich mit. Wir gewinnen den Kampf auf der mangelhaft geräumten Autobahn gegen Eis und Schneewehen. Vielleicht, denken wir, hat das Chaos sein Gutes. Könnte ja sein, dass ein paar mehr Leute gemerkt haben, dass Privatwirtschaft nicht den Interessen der Allgemeinheit, sondern dem eigenen Geldbeutel dient. Komme was da wolle. Wo zehn Zentimeter Schnee ganze Streckennetze zum Erliegen bringen, wo die Bahn innerhalb von zwei Tagen nicht einmal Ersatzbusse stellen kann, ist der Kapitalismus wahrlich am Ende. Wo Mimi Recht hat, hat sie Recht.

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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31 Kommentare zu: “Tagesdosis 19.3.2018 – Privatisiertes Chaos

  1. Meine (Billig)Fahrt aus Berlin ins Allgäu dauerte 12 Stunden. Der Zug blieb in Stuttgart liegen. Wegen technischer Probleme. Der Ersatz kam über eine Stunde später. Was auch die Anschlußzüge unerreichbar machte.
    Die Frage ist: warum hat die DB die Mittel nicht mehr?

    Und was hier natürlich gar nicht gern gehört wird: eine Dunkelhäutige hatte kein Ticket (für das ich gut bezahlt habe).
    Personalien aufgenommen?
    Njet.

    „Kümmern Sie sich das nächste Mal doch bitte vor Antritt der Fahrt um eine Fahrkarte.“
    Und die Schaffnerin ging weiter.

    Zweierlei.

    • Ticket, für das du gut bezahlt hast?
      Sehr aufschlussreicher Satz. 🙁
      German Neid vom Feinsten! Gönn doch der Frau einfach ihre Freifahrt. Sowas läuft unter Nächstenliebe!
      Oder bist du die Bahn? Geh lieber und beschwer dich bei den Aktionären, wegen denen die Bahn so am Limit fährt. Bist du vielleicht Aktionär?

      Hättest du uns dieses kleine Intermezzo auch mitgeteilt, wenn der Schwarzfahrer a echt bayrischer Bua gewesen wär?

    • Hören Sie doch einfach mal mit diesem infantilen Projektionswahn auf, den ich in Ihren Kommentaren immer wieder lesen muß. Ich habe diese Frau weder beneidet noch ihr irgendwas mißgönnt. Ich habe berichtet, ohne irgendwas reinzulegen; berichtet, was ich selbst erlebt habe – und zwar vor einigen Stunden. Der Rest ist von Ihnen.
      Honi soit qui mal y pense.
      Sind sie eine Rassistin?
      Hört sich nämlich so an.
      Mir selbst ist es völlig wurscht, ob jemand ein braunes oder weißes Gesicht hat.
      Aber es soll ja Leute geben, die jetzt, aus political correctness, sogar den Schauspielern verbieten wollen, den Othello mit dunkel geschminktem Gesicht auftreten zu lassen.
      Es darf die Stirn gerunzelt werden.
      ——————————
      Es gibt Synchronizitäten und ein absichtsloses Handeln.
      Einfach deshalb, weil es geschieht.
      Und dabei bist Du noch nicht einmal der Handelnde.
      Aber mit dieser Sicht bin ich hier wohl weitgehend allein.

    • Ups… Sind wir wieder beim „Sie“? Ernsthaft? 😉

      Deine Fassade kannste knicken! Es ist dir eben nicht egal, welche Farbe oder Religion jemand hat. Hör auf hier die Leute verarschen zu wollen.
      Noch schlimmer als bekennende „Rechte“ sind die, die so tun als wären sie liberal und nett und dann von hinten durchs Auge versuchen die anderen in ihre Schmuddelecke zu ziehen.

  2. ja, genau das ist die(!) Systemkritik, die ich mir lobe. Wir sind es auch und vor allem selbt. Wir denken in alten Paradigmen; denen des Kap… oder auch Sozialismus, Kommunismus, Protestantismus, Digitalismus, … Blödsinn! – Nein. Denn wir denken in den Paradigmen von Verehrung der materiellen Präsentation, vom „Alle sind Gleich“-Glauben (…sind aber durch Wettbewerb bewertbar und kategorisierbar), der Verachtung des Individiums, weil nicht vergleichbar, der Vergötterung des „Optimums“. Diese Paradigen werden uns aber zwangsläufig wandeln; und zwar zu systemrelevante, seine Teilaufgaben-erfüllende und gut funktionierende Funktionseinheiten degradieren, d.h. zu Maschinen transformieren. Das Zeichen unserer Zeit ist eigentlich der Kampf der letzten menschlich-natürlichen Regungen in noch vielen Menschen vor dem gerade präsenten Optimierungsprozess dieser wachstumsabhängigen Umwelt. Unser seit vllt. Jahrtausenden vorbestimmtes soziales Umfeld (angefangen mit der Bildung/Erziehung) ist nur ein Faktor als Katalysators dieser unmenschlichen Welt.

    • Die Rebellen schon vergessen??? Diese Paradigmen werden NICHT zwangsläufig uns ALLE wandeln!!! Die Mehrheit vielleicht schon, aber es gab und gibt schon immer Menschen, die nicht auf Druck zurückweichen, sondern Rückrat und Eier besitzen.

  3. Für die Kontroverse: Im Jahrhundertwinter 78/79 buken und verteilten die Russen per Panzer Brot aus den Militärbäckereien an die eingeschlossenen Bürger Mitteldeutschlands (Ostdeutschland ist woanders)…

  4. Frau Bonath, sie sahen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Susann oder auch die sich dem Licht der Erkenntnis Verweigernde (habe ich gerade erfunden).
    Die DB AG ist die von ihnen ersehnte Revolution. Sie arbeitet bereits nach dem buddhistischen Motto „Der Weg ist das Ziel!“ Nie waren sie dem Ziel allen Seins so nahe, wie ehedem. Nirvana! Alle Bahnen stehen still, wenn es ein Schneeflöckchen will!
    p.s. Diesen und andere Wahnsinne hält man nur mit Meditation und Drogen aus.

  5. Also wirklich. Wo waren denn da die PR-Berater der Bahn? Haben alle im Schnee festgesteckt. Da hätte man doch sone schöne Geschichte draus basteln können. Ne kleine Terrorwarnung, wär das mindeste was ich da erwartet hätte. Kam keiner drauf? Schlimm… Nicht mal mehr auf die Propagandisten ist Verlass. 😉

  6. Das war sicher nur ein nicht-repräsentativer Einzelfall. Gepaart mit individuellem Fehlverhalten von einzelnen Bahnangestellten. Aber generell funktioniert das System Bahn (und Kapitalismus) doch einwandfrei. 😉

    • Machen wir uns nichts vor. Wir sind schlicht und ergreifend am Ende angelangt. Wie sagte Herr Wolff neulich so schön? Das System hängt an der Apparate-Medizin.

      „….und unser Licht durchbricht die Nacht – in dem Glauben daran
      dies ist die dunkelste Stunde – vor dem Sonnenaufgang“ (Thomas D.)

    • So sieht das aus. Fragt sich nur, wie lange das Siechtum des Systems noch dauern wird, viele überleben ja noch lange dank der Apparate-Medizin. Und ob es danach wirklich wieder heller wird. Ich möchte es gerne glauben. 🙂

    • :-))) Also bis der Kapitalismus sich gegenüber dem Feudalismus durchgesetzt hatte, dauerte es so etwa schlappe 500 Jahre (vom 13. bis 18. Jh.) ;-)) Und bis heute sind letzte Reliquien des Feudalismus und sogar der Sklavenhaltergesellschaft noch nicht mal vollständig verschwunden. Das Ding ist ja: Irgendwann überholen die Produktivkräfte die Produktionsverhältnisse. Dann beginnen letztere, erstere massiv zu behindern. Aktuell stecken wir mittendrin. Heißt: Die Produktionsverhältnisse (Kapital auf der einen, abhängige Lohnarbeit auf der anderen Seite) behindern selbst den Zweck des Kapitalismus aus Sicht der Kapitalbesitzenden, also Maximalprofite. Diese können mehr und mehr nur noch mit Zerstörung und Krieg generiert werden. Und der technologische Fortschritt, der dem einzelnen Kapitalisten zur Überbietung der Konkurrenten dienen sollte – und den es ja trotz allem gibt -, kommt immer öfter aus finanziellen Gründen nicht mal zum Einsatz, denn Kapitalisten müssen ja auch Ausgaben „sparen“, wenn der Rubel nicht mehr so rollt. Hinzu kommt noch die Umweltzerstörung: Alles muss in Profit verwandelt werden. So werden alte Technologien (bspw. Kohle, Erdgas) zulasten neuerer Technologien weiter genutzt, da man ja noch alles rausholen muss.

      Fakt ist: Wenn die Produktivkräfte die Verhältnisse überholen, wird es einen Umbruch geben. Wenn nicht genügend von uns etwas dagegen unternehmen, wird es eben eine neue Art der Herrschaftsordnung geben. Problem: Wir sind heute fast acht Mrd. Menschen, die Rohstoffe gehen zur Neige, und wir haben nicht mehr 500 Jahre Zeit. Ich denke, wenn wir nicht aktiv werden, wird diese Umbruchphase Milliarden Opfer kosten, wegen der ökologischen Problematik und aufgrund brutaler Ausrottungskriege.

    • Da bin ich leider etwas pessimistischer. Die Zeit zum aktiv werden ist vorbei. 🙁 Die Möglichkeiten des Systems – Überwachung/Zensur/Gesetze/moderne Waffen – sind bereits viel zu weit gediehen. Die Jugend pennt, die Alten sind festgefahren in Zwängen und Dogmen und nicht mehr fähig sich eine andere Welt vorzustellen. Und die Generation dazwischen läuft im Hamsterrad aus Stress, Angst und Druck.

      Es wird definitiv Mrd Leben kosten. Aber bis dahin kann trotzdem jeder von uns, jeden Tag, versuchen die Welt ein kleines bisschen schöner/besser zu machen. 🙂

    • @ Susan Bonath
      daher fr. bonath gibt es immer Kritik. ich weiß nicht woher ihre weisheiten kommen (bild-Zeitung o. 1-2 sätze aus kapital), eins kann man festhalten, sie haben nicht die blasse Ahnung was Kapitalismus ist und in welcher Ausprägung dieser existiert. es ist schon traurig wie sie ihre Leser verdummen.
      solange mimi zustimmt , ist ja alles in bester ordnung

    • Susan Bonath, Kristana:
      Ich sehe das ja leider auch so wie Ihr. Im Grunde genommen hoffe ich mittlerweile eher darauf, dass ein großer Krieg (NATO/Russland) ausbleibt, weil ihn de facto keiner gewinnen könnte. Und dass sich beim baldigen totalen Zusammenbruch „unserer“ Zivilisation die Solidarität und Mitmenschlichkeit durchsetzen und nicht der Kampf „Jeder-gegen-jeden“. Die Hoffnung stirbt zuletzt…

      keeneahnung:
      Meine Güte, was ist denn mit Dir los seit ein paar Tagen? Bist mir früher nicht so aggressiv aufgefallen. Will keiner mit Dir spielen?

    • Der Streit geht doch am Ende darum, was das System ist. Was für einen Staat und was für einen Kapitalismus haben wir denn? Schon hier ist das vermutlich nicht so eindeutig.
      Insgesamt würde ich mich für eine Serie von Frau Bonath interssieren, in der der sie ihre Sicht auf den Kapitalismus darstellt und ihre Alternative aufzeigt.
      Aber dann muss mehr kommen als Versatzstücke sozialistischer Rhetorik von ehedem, denn die Welt hat sich verändert, denn die Form des „Kapitalismus“ zeichnez sich vor allem dadurch aus, dass sie sich anpassen kann und nicht auf Lehrsätze aus dem 19. Jahrhundert pocht.
      Hier versammeln sich diffus Unzufriedene und beklatschen jedes Bashing des ominösen Systems. Aber konkret?
      Zentralbankensysten, Zinskritik? Man muss sich dann schon auch mal den Argumenten der Gegnseite stellen, vielleicht kann Frau Bonath ja diese widerlegen?
      Es gibt dazu viel Pro und Contra, aber hier den Sozialismus als Allheilmittel unausgesprochen und unerklärt zu verjubeln…Naja, paar Tausend Klicks gehen immer, aber Relevanz? Eher weniger, die einen glauben ganz fest und nahezu unverstanden an die Heilslehre andere wie ich sind skeptisch, auch wenn ich vorgehalten bekomme, dass alles sei ja wissenschaftlich bewiesen.

      Wer führt hier bitte für uns alle den wissenschaftlichen Beweis, dass nur der Sozialismus oder Kommunismus die Lösung ist? Freiwillige vor!

    • Gloucester
      „Wer führt hier bitte für uns alle den wissenschaftlichen Beweis, dass nur der Sozialismus oder Kommunismus die Lösung ist? Freiwillige vor!“

      Mal ehrlich – die Antwort interessiert sie doch gar nicht. Sie wollen einfach nur provokant fragen. Außer mir haben schon mehrere Leute hier auf ihren Fragen geantwortet. Dann kommt von Ihnen nur noch heiße Luft… Ich mach mir die Arbeit jedenfalls nicht nochmal.

      Aber nen Gegenbeweis hab ich für Sie: schauen Sie aus dem Fenster, schauen Sie TV, lesen Sie im Netz. Und Sie können deutlich sehen, WOHIN uns Kapitalismus und Neoliberalismus gebracht haben. Wer das nicht sieht, dem ist einfach nicht zu helfen!

    • @ Benjamin
      wieso aggressiv?
      mir ist schon aufgefallen, dass du kein Diskussionspartner sein kannst. (sieheTagesdosis 17.3.2018 08:38/16:48 uhr
      du wiedersprichst dich innerhalb von 2 Kommentaren!
      mehr als “ ein toller beitrag“ kommt ja von dir nicht!
      nun zu meiner Kritik, wenn sich ein alternatives medium mit seinen Kommentatoren und gästen als progressiv versteht und am schluss eines solchen kommentars oder gesprächs die frage stellt “ was kann man tun“ ist die einfache antwort „Aufklärung“! Aufklärung sollte immer in kausalen/logischen zusammenhängen stattfinden.
      wenn z.b. fr. bonath mit marxscher Mehrwerttheorie argumentiert, weiß ich, dass sie unsinn redet. Denn hier folgt eine einfache makro-frage, wer soll denn die mehr produzierten güter (der kapitalist will ja mehr verdienen, beim sinkenden/ stagnierenden lohn laut fr. bonath) am ende kaufen?? Wie soll der kapitalist bei dieser Logik langfristig reich werden? Stimmt, geht nicht! Wenn ich der bonath`schen logik folge, stellt sich gleich die nächste frage: wieso sind denn die westlichen gesellschaften, gegenüber den 3. Welt ländern reicher? Ist der kapitalist bei uns lieber/netter oder was? Ich will ja marx nicht klein reden, nur hatte er seine perspektive im 19.jahrhundert (frühkapitalismus).

    • keeneahnung

      Da war kein Widerspruch in meinen Aussagen. Du hattest auf einmal statt 1970 als Vergleichsjahr umgeschwenkt auf „in den Siebzigern“. So viel nur dazu…

      Und auch Deine Einwände an dem, was Du in Susan Bonaths Aussagen immer hineininterpretierst, kommen mir reichlich konstruiert vor.

      Es hilft der Welt auch nicht, wenn man versucht, auf-Teufel-komm-raus Recht haben zu wollen. Und dadurch potenzielle Mitstreiter verprellt wegen irgendwelchen Haarspaltereien.

    • Benjamin
      egal,
      dann scheinst du die Argumentation in ihrer kapitalismuskritik von fr. bonath nicht zu verstehen!

    • Der heutige Neoliberalismus wird doch u.a. von der marxistischen Arbeitswertideologie angetrieben.
      Eine Theorie, die ich für vollkommen falsch halte.
      Diese Verbindung von Wert und Arbeit ist der Beitrag von Marx zum Neoliberalismus.

      Wer nix arbeitet, der verdient auch nichts. Kam das nicht von Stalin oder Bebel? Wer nicht arbeitet, der braucht auch nichts zu essen.
      Die Zeiten von industry 4.0 sind aber ganzlich andere geworden.

      Aber das ist nur eine theoretische Schwäche des ganen Marxismus und da hier keine offene Diskussion über die Dogmen des Karl M.. zu führen ist, muss ich auch nicht weiter lesen. Bleibt unter Euch und bestärkt Euch weiterhin gegenseitig in Euren Glaubenssätzen.

  7. Liebe Frau Bonath

    bleiben Sie ganz ruhig,, atmen Sie tief durch und denken Sie an die vielen netten Menschen mit denen Sie ins Gespräch gekommen sind.
    Es war doch bestimmt auch eine schöne Zeit, oder nicht . . . . . .

    Diesen Unberechenbar-Service bietet die DB doch schon seit Jahren an.

    Ein Nervenkitzel für lau, das ist doch was, oder . . . .
    Unbeabsichtigt, oder nicht, fordert die DB so immer wieder von breiten Teilen der Bevölkerung, sich in Gelassenheit zu üben, flexibel zu bleiben und bereit sich auf Neues einzulassen. Bringt „wildfremde Menschen“ ins Gespräch und auf abenteuerlichste Erkundungstouren. . . .

    Das hat doch was . . . .

    Wirklich schade ist, dass es so wenig Sitzplätze auf den Bahnhöfen gibt, wo man/frau/Kind sich gemeinsam hinsetzen und austauschen kann. Hier sollte wirklich mehr investiert werden. Und das könnte vielleicht auch klappen, da die Bänke ja, in der Regel, nur einmal festgeschraubt werden und sich dann eben nicht mehr bewegen müssen. Solches (Im)mobliar kriegt vielleicht auch die DB hin, oder . . . .

    Also, hoffen Sie nicht – vergebens – auf Veränderungen des Bahnverkehrs. Das fällt nämlich aus , wegen Is nicht!

    Plädieren Sie für mehr Sitzplätze (vielleicht kleine Talkinseln, mit Blumen o. Grünpflanzen, etc . . )
    und für mehr Gelassenheit.

    Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen und erfüllten Tag!

    Lieber Gruß

    • Man wird doch recht bescheiden. Sitzplätze am Bahnhof?

      Das Chaos und die Zerstörung, welches Frau Bonath hier anhand eines Beispiels schildert, dürfen sie gerne auf weite Teile der Privatwirtschaft übertragen.
      Und bei der Bahn hat’s auch schon Todesopfer gefordert. Was man anhand der englischen Bahnprivatisierung hätte wissen können und schließlich wußte man es auch; nur war und ist es ziemlich egal.

      Noch mehr Tote gibt’s bei Gesundheit und Pflege. Aber sicherlich kann man auch dem etwas Positives abgewinnen, „wer früher stirbt ist länger tot.“

      Sitzplätze am Bahnhof, da passt auch noch dieses:

      „Infolgedessen wurde der gemeinsame Widerstand zersplittert. An Teilproblemen orientierte Protestbewegungen – zum Schutz der Umwelt, gegen die Globalisierung, für den Frieden, für die Rechte von Frauen, Schwulen, Lesben, Bi-und Transsexuellen – werden gezielt und großzügig gefördert, um eine Massenbewegung gegen den globalen Kapitalismus zu verhindern.“

      Aus:

      Zur Rolle der „Progressiven“ in der Antikriegsbewegung
      Die „linken Intellektuellen“ des Imperiums fordern Regime-Change
      Von Michel Chossudovsky / LUFPOST
      http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24597

      Und am Ende vielleicht noch diesen:

      Ich lasse mir das nicht mehr länger gefallen! (Howard Beale – Network 1976)
      Am 28.11.2010 veröffentlicht
      Ausschnitt aus dem Film „Network“ von 1976 – er ist heute vermutlich genauso aktuell wie damals!
      https://www.youtube.com/watch?v=lCX3_CQzXnU

    • Kirk an Scotty, bitte den Verfasser in eine Hütte im Jemen beamen.
      Letzes Stück vom Fladenbrot in der Hand.
      Kein Wasser.
      Kein Feuerholz.
      Keine Aussicht.

      Horrido, ist es doch gemütlich hier in deutschen Landen.

    • „Deutsch Nation – Endstation.“
      Was hat das Versagen einer Gesellschaft oder eines Apparates mit dem Ende (offensichtlich bejubelten) einer Herkunft zu tun? Typisch deutsch wäre die perfekte Organisation in Härtefällen, nicht die anglo-amerikanische Weicheiermentalität! Man sprach im Beitrag vom Einsatz Freiwilliger oder Bezahlter und dem Heer in Härtefällen.

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