Tagesdosis 19.6.2019 – Zeitbomben der Gesellschaft

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Einerseits glauben viele, sie hätten alles erkannt und wüssten bescheid. Andererseits jedoch jammern sie und bleiben in ihrer Opfer-Täter-Dynamik verfangen. 

Manfred, 1,98 Meter groß, 115 Kilogramm muskelbepackt, klar definiert, ist hellwach. Er weiß noch genau, wo er am Abend zuvor sein Militärgewehr hingehangen hat. Er steht auf und fühlt den Sand unter seinen Füßen. Auch den Hubschrauber seiner Spezialeinheit, der zu Erkundungsflügen gerade abgehoben hat, hört er. Er sieht aus seinem Zelt den Sonnenaufgang. Plötzlich hört er Feuergefecht, Rufe, Schreie, Maschinengewehrsalven! Der Feind ist im Lager eingebrochen, durchfährt es ihn. Eine Bombe kracht! Rauch und Sand, Körperteile fliegen umher. In seinem Zelt ein feindlicher Soldat, rennt auf ihn zu, umpackt seinen Hals entriegelt eine Handgranate und … . In diesem Moment wird Manfred wach. Er hört Schreie, spürt ein Ziehen und ein Schlagen auf seinem Rücken, sieht sein Messer, das bereit ist zuzustechen. Jetzt, jetzt will er mit aller Wucht auf die unter ihm liegende Gestalt einstechen, da hört und sieht er es. Langsam erkennt er sie. Er liegt auf seiner Frau, ihr tränendurchnässtes Gesicht, ihr Ohgott, Nein!, Manfred, bitte nicht nimmt er wie in Trance wahr. Da spürt er, dass seine kleine Tochter völlig verzweifelt an seinem Hals hängt und ihn ebenfalls anfleht, nicht zuzustechen. In diesem Augenblick wirft er sein Messer seitwärts weg, rollt wimmernd aus seinem Bett und schreit weinend sich die Kehle aus seinem Leib. Im selben Moment zieht er seine Pistole aus dem Halfter, die auf seinem Rücken befestigt ist und hält sich den Lauf vor die Schläfe. Papi, hört er fast wie aus mehreren Kilometern entfernt in seinem Kopf, Paaapppiiii, dann fällt er zur Seite, in einen tiefen Schlaf hinein. 

Krieg ist eine Krankheit

Am selben Tag noch zieht Manfred aus seiner ehelichen Wohnung aus, übernachtet zunächst bei einem Freund, einen Kameraden seiner Einheit und sucht sich ein möbliertes Zimmer. Dann sucht er einen Trauma-Psychologen auf. Manfred war im Afghanistan-Krieg, er war in Somalia und musste dort auf Kindersoldaten schießen. Hätte ich nicht abgedrückt, sagte er mir, so wäre ich heute nicht hier. Er war im Irak-Krieg und bildete dort Spezialeinheiten aus. Alles geheim. Ich gehörte zu den Besten, die die Bundeswehr damals hatte, sagte er mir, ich weiß nicht, wie viele Menschen ich getötet habe. Es müssen viele gewesen sein, auch viele Kindersoldaten. Heute steht Manfred, dessen Namen ich hier geändert habe, noch immer unter starken Medikamenten und lebt alleine. Seine Frau und seine Kinder besucht er nur in öffentlichen Lokalen. Alles andere, so sagt er, ist viel zu gefährlich. Sobald er die Dosis seiner Medikamente niedrig hält, kommen die Flashbacks. Er will nicht mehr zu seiner Familie zurück, er kann es nicht. Noch bin ich viel zu gefährlich für meine Frau und meine Kinder. Manfred leidet unter PTBS, der höchsten Traumastufe, unter der ein Mensch leiden kann. Manfred ist in seinem normalen Leben Sportstudiobesitzer. Selbstverteidigungsexperte und körperlich total fit. Doch mental ist er ein Wrack. Er kann nicht einen einzigen Tag ohne seine Medikamente überleben. Überleben definiert Manfred so: Ich kann nicht ohne die Medikamente leben. Sie verhindern die Flashbacks. Früher, als ich diese Flashbacks hatte, passierte es beim Einkaufen, Zuhause, oder als ich spazieren ging. Plötzlich hörte ich die Geschütze und Gewehrschüsse, die Schreie von Kindern und sah vor meinen Augen oft Menschenmengen zerplatzen, von Granaten getroffen. Oft werde ich heute mitten in der Nacht wach und sehe die Frauen und Kinder, die an Türen genagelt wurden, von den Feinden, um uns und die Dorfbewohner abzuschrecken. Ich höre ihre Schreie noch immer. Ich bin jetzt seit sechs Jahren nicht mehr Soldat. Ich bin wegen dir in der Friedensbewegung, weil ich weiß, was Krieg mit einem macht und was Krieg anrichtet mit allen. Du nimmst ihn mit nach Hause und er ist in deinem Kopf. Er bleibt im Kopf und du wirst ihn nicht mehr los. Er übernimmt dich ganz, er steuert dich, er wird zu dir. Und du entkommst ihm nicht mehr. Ich habe schon oft an Selbstmord gedacht und ganz ehrlich, das wäre das Beste für meine Frau und meine Kinder. So wäre ich für sie keine Bedrohung mehr. Ich weiß nicht, wann das aufhört, wann der Krieg sich in mir verabschiedet. Die Leute müssen wissen, dass der Krieg nicht nur tötet. Er zerstört auch die, die zerstören und überleben. 

ICD-10

Manfred ist einer von vielen kriegsgeschädigten Soldaten, denen ich half, ihre Krankheit im Kopf zu verstehen. Sie kamen von anderen Psychologen zu mir und ich dachte damals schon: Was sollen die bei mir? Die haben kein Aggressionsproblem. Ihr Aggressionsproblem ist bloß ein Symptom, nicht aber die Ursache ihres Verhaltens. Sie sind heftigst traumatisiert und müssen zu einem Spezialisten, einem Trauma-Psychologen, dessen Adresse ich ihnen immer gab. Da ich den niedersächsischen Traumaverband für Migranten mitgegründet hatte, bekamen sie meine Adresse. Doch ich bin kein Traumatherapeut. Die posttraumatische Belastungsstörung PTBS ist das, was Traumapsychologen als die höchste und schlimmste Form eines Traumas bezeichnen. Und man kann diese Störung nicht nur in Kriegen bekommen. Neulich outete sich der Gründer des Rubikon, Jens Wernicke, selbst als Traumageschädigter und benannte dort nicht nur seine Störung, sondern viel mehr noch. Er benannte den Zustand eines Menschen, der an einer starken Traumastörung leidet und die fehlenden Spezialisten, das Martyrium, das man im Leben durchläuft, wenn man zunächst einmal selbst nicht weiß, was mit einem nicht stimmt. Darauf, dass man selbst an einem Trauma leidet, kommt man lange Zeit gar nicht(1). Traumatherapeuten sind nämlich rar gesät. Die gesamte Praxispsychologie bezieht ihre Anwendung auf die ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen. Das kleine Büchlein ist voll von symptomerkennenden Beschreibungen. Seinen Überbau, das Trauma selbst, findet man dort kurz und knapp auf Seite 173. Danach beginnen dann die dissoziativen Störungen, also die Symptomisierungen der unterschiedlichsten Traumazustände, die fehlende Integration der unterschiedlichsten Identitästsmuster einer Persönlichkeit. Böse Zungen könnten nun behaupten: Da tut sich ein Eldorado an Krankheitsmustern auf und ist gut für die Existenz solcher Psychologen und für die Legitimation der Anordnungspunkte der Krankenkassen. Ist natürlich nur eine Vermutung und stimmt ganz sicher nicht.

Keine Gewalttherapie, bis heute

Immer, ohne Ausnahme, wenn man sich eines nicht im Mainstream verankerten größeren Problems hinwendet und dieses Problem komplett umrundet, stellt man fest, dass die Lösungen dazu sich fast ausschließlich in einem tabuisierten Raum befinden. Anders gesagt, man eckt an, wenn man die Lösungen dazu veröffentlicht. Es ist nicht gewollt, dass diese Lösungen auf das Problem angewendet werden. Im zweiten Schritt, nach dem man sich fragt, wieso das so ist, kommt man unweigerlich auf das Geldmachen können mit diesen Problemmustern, auf das Hindernis, wieso die herausgefundene Ursache nicht gewollt ist. Ich habe in meiner Laufbahn als Therapeut für Gewaltstraftäter so gut wie bei jedem von ihnen ein Trauma feststellen können. Und zwar ein starkes Trauma. Da gibt es den Fünfjährigen, der zur Strafe mit seinen Füßen in kochendes Wasser gesteckt wurde, den siebenjährigen, der von seinem Vater gezwungen wird, seine eigene Mutter, die fest verschnürt im Bett liegt, zu vergewaltigen, den Jugendlichen, der, seit er denken kann, von seiner Mutter missbraucht wurde und von seinem Vater tagtäglich geschlagen wird, den sechsjährigen, der nicht weiß, mit welcher Strafe er heute Abend noch zu rechnen hat, wenn sein Vater betrunken in sein Zimmer torkelt, den Zehnjährigen, der von seinem größeren Bruder dazu gezwungen wird, seine jüngere Schwester mit zu vergewaltigen und und und. Einzelheiten dazu erspare ich mir hier lieber aufzuzeigen. Doch die gängige Methode, diese dann später für die Täter als helfende Mittel scheint die Diagnose Depression zu sein. Als folge einer Persönlichkeitsstörung. Die gibt es nämlich zahlreich vertreten in der ICD-10. Doch auch diese Störung ist bloß ein Symptom, nicht die Ursache. Das deren spätere Gewalttaten auf einem Trauma beruhen und dieses als Bewältigungsstrategie ebenfalls mittels Gewalt antwortet, darauf kommen gängige Psychologen überhaupt nicht. Kein Wunder, steht dies alles doch nicht in der ICD-10 und der Anordnung der Krankenkassen. Als ich noch intensiv mit Gewaltstraftätern gearbeitet habe, wunderte ich mich, dass es gar keine Gewalttherapie gibt. Das ist bis heute so geblieben.

Die Bombe im Gehirn

Unsere ganze Gesellschaft ist in einem Traumaschwamm gefangen und sobald jemand daran drückt, kommen die traumatisierten Personen zum Vorschein. Traumen haben den Vorteil, dass sie mit der Zeit in der Erinnerung verschwinden. Sie haben aber dann den Nachteil, dass die emotionalen Bindeglieder dieses Traumas bestehen bleiben und einem das Leben versauen können. So haben die beiden Hambürger, Dirk C. Fleck und Jens Lehrich erst kürzlich ein Hambürger-Spezial mit Carmen G. veröffentlicht(2), in dem das sehr deutlich wird. Und noch ein Tag bevor ich dieses Video sah, hat mir eine Frau fast das gleiche Muster mit der gleichen Wirkung über sich selbst erklärt. Carmen G. Erzählt dort sehr eindringlich, wie ihr Trauma es bis heute verhindert hat, sich auf die Liebe eines Mannes einlassen zu können. Diese Liebe verwandelt sie in das kleine zerbrechliche Mädchen, das vom Vater traumatisiert wurde und nun Liebe vom Vater will. Jetzt aber ist sie Mutter und muss für ihr Kind stark sein und stark bleiben. Das wirklich herzzerreißende für mich ist dabei die Tatsache, wie lange es braucht, um sich dessen gewahr zu werden, mit dem Trauma entsprechend umzugehen, ohne dabei in einem Beziehungschaos zu landen und sein Leben zu verlieren. Auch Jens Wernicke, dem Gründer des Magazins Rubikons, ergeht es genau so. Das Drama eines Traumas ist, dass man selbst sein eigenes gewolltes oder auch geplantes Leben nicht mehr leben kann. Ein Trauma ist vergleichbar mit einer gezündeten Bombe in der Psyche eines Menschen. Der Radius der Zerstörung hinterlässt ein riesiges Trümmerfeld und zerstört folglich den Zugang zum emotionalen System dieses Menschen. Die Abwehr dieser Zerstörung besteht darin, dass man ab dato der Traumatisierung nur noch so tun kann, als ob man funktioniert. Solche Menschen legen sich daher mit der Zeit zahlreiche Scheinidentitäten zu, die sie perfekt beherrschen. Sie modellieren sich zu jemandem, der sein Menschsein nur noch simuliert. Das ist das wirkliche Drama dieser Menschen. Arno Gruen nannte dies die Pose, die ein Mensch anstelle dieses Verrates am eigenen Selbst nun leben muss.

Das Leben im falschen Leben

Die Frage ist: Warum erzeugt unsere Gesellschaft so viele Traumen, also Täter, die ein großes Lebensdrama in die Seelen ihrer Opfer transplantieren? Warum braucht das System so viele Opfer? Die Antwort ist ganz einfach: Weil wir in einem System leben, das den Schein wahrt, um sich selbst am Leben zu erhalten. Konsumbarometer, Bruttoinlandsprodukt und freie Wahlen werden uns als Lebensglück dieses Systems verkauft. Doch die Demokratie ist nur eine Scheindemokratie. In Wahrheit ist dieses System zutiefst verkommen, mörderisch und immun gegen emotionale Schreie, gegen Menschlichkeit. Kalt wie ein toter Fisch zu sein, das ist die Metamorphose die uns erst den Eintritt in ein Mitmachen in dieses System gewährt. Wir achten nicht die Gefühle der anderen und spiegeln dies als eine Norm für alle. Uns allen wird möglichst viel von unserer Menschlichkeit zertrümmert, herausgerissen und filetiert. Um das dann wieder halbwegs zu fragmentieren, werden uns politische Doktrinen, idealistische Prinzipien und unendliches Wirtschaftswachstum verkauft. Mit dem Preis, dass wir die Guten und die Anderen immer die Bösen sind. Eine Art Superprojektion gesellschaftlicher Traumen, die zum Töten anderer legalisiert. Das nennt sich dann Verteidigungsarmee und ist in Wahrheit skrupelloses Töten. Wer also keinen Weg back to the emotional Roots wagt, der bleibt in seinem individuellen Traumagefängnis gefangen, ist, übergeordnet, dabei ein gutes Vorbild für das Geschäft mit dem Geld und dem Krieg. Egal ob das der Krieg mit der Waffe oder der Krieg im sozialen ist. Er ist so dann ein tatkräftiges mustergültiges Vorbild für dieses System im Ganzen. Wer in diesem System überlebt, dem hat der andere gefälligst völlig egal zu sein, Punkt! Emotionaler Geist, also Empathiefähigkeit wird ab Werk als ein Angriff gegen das System verstanden. Wir alle überleben in diesem System. Wir Leben aber nicht dabei. Weil wir emotional abgestumpft wurden. Dieses Überleben müssen ist das, was ein Trauma in seinen Besitzern erzeugt, ein Überlebensmodus, der vom willentlichen Lebensmodus abgetrennt wird. Die meisten von uns leben ein Leben im falschen Leben. 

Das Traumatozän

Wenn man als Therapeut seinen ersten Traumaklienten bekommt, wirkt dies unmittelbar auch im Therapeuten lange nach. Warum? Weil man schlagartig mit einem riesenhaften Tabuthema konfrontiert wird, das der transgenerativen Traumaweitergabe. Was heißt das? Als ich dem Mann in meiner Praxis sagte, dass all sein Verhalten darauf schließt, dass er vergewaltigt wurde, brach er zusammen und fiel vom Stuhl. Krümmte sich wie ein Embryo und sprach mit kindlicher Stimme, dass er von seiner Mutter bis ins Jugendalter hinein sexuell vergewaltigt und sexuell bestraft wurde. In der Therapie kam heraus, dass auch seine Mutter vergewaltigt wurde und auch sein Großvater. In sehr vielen Fällen werden die eigenen erlittenen Traumen an die nächste Generation weitergegeben. Vor allem Kriegstraumen, die Mutter wurde von ihrem Vater, einem SS-Offizier auch sexuell vergewaltigt und sexuell bestraft, werden über die Erziehungsstile in die Seelen der eigenen Kinder weiter tradiert. Es ist in Wirklichkeit ein Geflecht aus Opfertätern und Täteropfern, die sich bedingen, ohne das man die Zuschreibung einer Schuld der Übertragung wirklich machen kann; zumindest in den meisten Fällen ist das so. Täter produzieren so die Opfer und Opfer werden dann sehr häufig zu Tätern und produzieren wiederum Opfer, usw. Wichtig erscheint mir an dieser Stelle die Botschaft an euch alle da draußen: Wacht nicht nur geostrategisch auf. Wacht tief in eurem Inneren auch auf. Denn so lange der Krieg in unseren Seelen tobt, so lange wird der Krieg auch in unserer Gesellschaft toben. Solange es transgenerative Traumen gibt, wir diese auf unsere Kinder sozial übertragen, also tradieren, solange werden innere Kriege auch als Projektionsverstärker Kriege im Außen miterzeugen können. Transgenerative Traumen sind Kriegsmultiplikatoren. Das muss uns bewusster werden als bisher. Solange der emotionale Herzverstand in uns Menschen außer Kraft gesetzt werden kann, solange werden wir mehrheitlich auch bei all den Schweinereien wegschauen können, die wir vermeintlich benötigen, um selbst überleben zu können. Natürlich ist das ein Irrglaube, aber er wird wahnhaft kollektiv gebraucht und ist daher eine Konsequenz der Gesellschaftsform, in der wir alle leben. Wie wichtig solche Themen für die Gesellschaft sind, kann man an den Klickzahlen entsprechender Interviews sehen. Gibt es Interviews mit möglichst deep-state-Garantie, dann schießt das durch die Decke. Gibt es Interviews mit deep-soul-Garantie, dann fallen solche eher spärlich aus. Klingt nach Verdrängung, ist auch Verdrängung. Solange der Mensch seine deep-Soul nicht selbst anpackt, solange wird er an einer Außenwelt festhalten, die seinem inneren Terror viel näher kommt als seiner inneren Menschlichkeit. Das Trauma zerstört das Menschliche in uns, wir wissen das genau. Erst wenn wir die Bedingungen für weitere flächendeckende Traumatisierungen verhindern, ja eben diese Trauma-Milieu-Bedingungen abschaffen, erst dann wird die Menschheit ihre Blütezeit bekommen. Denn die Blütezeit der Menschen gleicht heute eher einem Traumatozän, in dem wir alle leben, leider.

Quellen

(1) https://www.rubikon.news/artikel/die-sehnsucht-nach-leben-2?fbclid=IwAR1aZJ01AE-Lm1GqAJVBMXBO4Ubdu9Yv1EOEfR7p3TO91I8SQ_1bnV_TmKI

(2) https://www.youtube.com/watch?v=bPGn9gORfZ8

Empfehlung des Autors zu diesem Text: https://kenfm.de/positionen-17/

+++

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

+++

Bildquelle: agsandrew /Shutterstock.com

+++

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

Alle weiteren Beiträge aus der Rubrik „Tagesdosis“ findest Du auf unserer Homepage: hier und auf unserer KenFM App.

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

+++

Jetzt kannst Du uns auch mit Bitcoins unterstützen.

BitCoin Adresse: 18FpEnH1Dh83GXXGpRNqSoW5TL1z1PZgZK

39 Kommentare zu: “Tagesdosis 19.6.2019 – Zeitbomben der Gesellschaft

  1. z.B. von Mamomi am 23.06.:
    ,,Josef Gabriel Twickel, Sie bringen es mit Ihrem Kommentar auf den Punkt: Manfred müsste einmal für sich herausfinden, wie es passieren konnte, dass er Soldat wurde. Meine Vermutung ist, dass sich dahinter eine traumatisierte Kindheit verbirgt. Und dann wäre der erste Schritt, dass er sich als Opfer annehmen kann und dass er daran keine Schuld hat. Der nächste Schritt wäre zu erkennen, dass er zum Täter geworden ist und für diese Täterschaft die volle Verantwortung übernimmt.Meine Erfahrung mit Tätern ist, dass es ihnen leichter fällt, die Verantwortung für ihr Tätersein zu übernehmen, als mit ihrem Opfersein als Kind in Kontakt zu kommen.Manfred über nimmt in dem Bericht von Rüdiger die Verantwortung für sein Tätersein, in dem er sich von seiner Familie zurückzieht, aus Angst sie zu gefährden. … “

    Das heißt, das Manfred sich nur als Täter wahrnimmt, zu Zeitpunkten in denen er seine Familie bedroht. Seine Taten im Ausland scheint er nicht als die Verbrechen die sie sind, wahrzunehmen. Die PTBS muss nicht mal zwingend ein Eingeständnis seiner kranken Seele, gegenüber seinen Opfern sein. Denn sonst würden ja keine Soldaten an PTBS erkranken „die nur schlimme Dinge gesehen“ haben, Feuerwehrleute, Katastrophenhelfer etc.

    JGT, 23.06., 15:02 Uhr (den Kommentar poste ich hier nicht erneut) Auch die Auszüge über Dr. Eger liefern weder Anhaltspunkte, noch Beweise über eine Argumentation, dass einer Täterrolle zwingend eine Opferrolle zu Grunde liegt und somit über Generationen hinweg getragen wird.

    JGT: 23.06., 02:24 Uhr „…Mir ist in Bezug auf die Täter eigentlich nur eines wichtig, dass sie einsehen, was sie verkehrt gemacht haben und einen Weg finden, umzukehren – damit sie nicht wieder und wieder Täter werden. Dass aus einem Soldat ein Dachdecker werden kann – der seinem früheren Opfer dann einen Freundschaftspreis macht, wenn er ihm das Dach deckt; oder seinen Angehörigen, wenn er getötet hatte.“

    Erst mit einer tatsächlichen Eingeständnis seiner Schuld, in Form eines Gerichtsprozesses, würde er einsehen das er etwas falsch gemacht hat. Doch weder Sie noch Herr Lenz gehen darauf ein. Herr Lenz hat da ja auch eine andere Verantwortung gegenüber seinem Patienten. Und auch wenn ich nun verallgemeinere, ist es doch sehr häufig von Soldaten bei YT, Facebook oder sonst wo zu hören: Wir verteidigen Deutschland! oder noch besser: ich war da unten, damit du hier Auto fahren kannst! Kaum einer dieser Tarnanzug-Trottel ist sich dessen bewusst, das sie illegal dort sind und das es gegen das Völkerrecht verstößt. Und den Spruch von Ihnen mit dem Freundschaftspreis… zeigt erst in was für einer verdrehten Erlebenswelt sie stecken. Wenn Sie es so meinen, wie Sie es da geschrieben haben, dann sind Sie einfach nur gestört oder eben ich befinde mich doch auf einem Satireportal. Aber letzteres haben sie ja schon verneint.

    Und da komme ich wieder zu dem, was ich die ganze Zeit sage: Unwissenheit/Dummheit schützt vor Strafe nicht! Und am Ende geht es immer noch um Mord!!! Niemand zwang Manfred in die BW einzutreten. Er hätte maximal seine Wehrpflicht ausüben müssen und sich dann was anderes suchen können. Doch er ließ sich verpflichten, weil ihm das Geld wichtiger war als sein Gewissen. Um eine Waffe mit nach Hause nehmen zu müssen, bedarf es nämlich eines gewissen Dienstgrades.
    Und genauso ist jeder ein Täter der sich direkt oder indirekt an der Waffenproduktion oder am Militär beteiligt und daran verdient. Solange Menschen wie Sie Mitgefühl mit Gerechtigkeit gleichsetzen und verwechseln, wird es weitere Manfreds und Höhere geben, die weiteren Hass und Tod in der Welt säen, welche uns immer wieder heimsuchen werden.

    • Hofnarr, Sie machen genau das, was Sie mir und anderen hier vorwerfen: sie ignorieren die klarsten Fakten, weil sie in einem „Gerechtigkeits“fanatismus gefangen sind.

      1. In unserer Gesellschaft gibt es niemanden, der Manfred, einen Militär, einen Waffenproduzent vor ein ordentliches Gericht bringen kann, weil er sich zum Soldatsein bzw. zur Waffenproduktion entschieden hat und im Laufe seiner Tätigkeit viele Menschen direkt oder indirekt getötet hat. Auch Ihnen ist das in Ihrem Bekanntenkreis von Soldaten nicht gelungen. Oder ?
      Wir leben in einer gewaltbereiten Gesellschaft, die Kriege und Soldatsein legalisiert hat.
      Mit Ihrer gebetsmühlenartig wiederholten Forderung, Manfred müsste verurteilt werden ignorieren sie diese Tatsache und unsere gesellschaftlichen Realitäten weltweit.

      2. Selbstverständlich ist es Fakt, dass fast alle Gewalttäter in ihrer Entwicklung traumatisiert wurden. Aber auch diese Tatsache und entsprechende Aussagen von Herrn Lenz und allen relevanten Therapeuten ignorieren Sie.

      3. Sie reden permanent davon, dass doch das Opfer im Fokus stehen müsse. Dass aber, wie gesagt, fast jeder Täter auch Opfer gewesen ist, ignorieren Sie. Deswegen verschließen Sie sich dem Offensichtlichen: mit meinem und Lenz‘ Fokus auf das Opfer im Täter und darauf, wie es geheilt werden kann, entsprechen wir voll Ihrer Intention, dass nämlich das Opfer im Fokus stehe müsse.

      4. Es kommt darauf an, wie die Kette Opfer – Täter – Opfer – Täter … usw. unterbrochen werden kann. Nur dann kann unsere Gesellschaft gerechter und friedlicher werden. Ich hoffe darin sind wir uns immerhin einig.

      Aber dann kommen Sie und fordern nur und zuallererst die Übergabe des Täters an die Justiz, damit Gerechtigkeit hergestellt wird – und bezeichnen dabei die Notwendigkeit therapeutischer Hilfe für die Täter, als ungerechtes Mitleid mit dem Täter.
      Damit ignorieren Sie den Fakt, dass therapeutische Hilfe unabdingbar ist, damit die Täter – Opfer Kette aufgebrochen wird und wir zu einer gerechteren und friedlicheren Gesellschaft kommen.

      Was wollen Sie: Ihre Fiktion von Gerechtigkeit, die von keiner irdischen Justiz herbeigeführt werden kann. Oder einen realen Fortschritt unsere Gesellschaft in Richtung auf Frieden und Gerechtigkeit ?

    • Sie ignorieren vehement das sowohl die Einsätze in Afghanistan, als auch Somalia völkerrechtswidrig sind.

      Es gibt Initiativen und Anwälte die immer wieder, leider Erfolglos, vor Den Haag oder anderen Gerichten in Deutschland klagen. Einen meiner engsten Freunde konnte ich die Augen öffnen und ich sage auch ihm, das wenn die Welt gerecht wäre er heute nicht hier wäre und mit mir reden könnte. Der andere Freund kapiert es leider nicht, wird er wohl auch nie. Und Soldat sein wäre i.O., vorausgesetzt sie würden sich eben daran halten: Das von deutschem Boden aus nie wieder Krieg in die Welt getragen würde. Doch das ist seit 98 nicht mehr der Fall und somit das Soldat sein, in einer Zeit in der es keine Wehrpflicht mehr gibt, aller spätestens nach der Ausbildung, obsolet.

      Zu 2. Ignoriere ich nicht aber es ist eklatant falsch es zu einer Ausrede für das spätere Täter sein zu machen. Sie bedienen durch ihre falsches Streiten, welches Sie für gerecht empfinden für Manfred, eben diesen Kreislauf. Manfred kann überhaupt kein Bewusstsein als Täter entwickeln, wen er nicht auch entsprechend verurteilt wird. Würde das was sie sagen, das fast jeder Täterrolle ein Opfer sein zu Grunde liegt, wie würde es wohl tatsächlich in Afrika und Asien aussehen. Demnach würde sich fast jeder Bewohner im Gaza in die Luft sprengen etc, doch es genau umgekehrt, die Täter machen nur einen Bruchteil aus. Oder bei den Flüchtlingen die nach Deutschland kommen. Zu Recht hierherkommen, denn es ist unsere Art zu Leben, die sie ausbeutet. Doch eben Manfred und Konsorten sind aktiv geworden um sich zu holen, was dem Westen „gehört“. Ein Polizist zum Beispiel schießt für gewöhnlich nur, wenn es nicht anders geht. Beim Soldaten ist es umgekehrt.

      Und inwieweit Manfred tatsächlich Opfer war, bevor er seine PTBS hatte, geht nicht aus dem Text hervor. Und selbst wenn, kann er diese Therapie im Gefängnis haben. Da bin ich so dreist und würde sogar Fordern, das seine Frau, wenn die Beiden schon zu diesem Zeitpunkt verheiratet waren, dafür mit aufkommt. Das kann man ja mal „eiskalt“ durchrechnen. So wie die Kosten per Kill berechnet werden.

      Die Spirale oder Kette von Täter-Opfer-Täter kann erst durch eine Gesellschaft durchbrochen werden, welcher klar ist, welche Verbrechen der rücksichtslose Konsum und Gier verursachen! Hagen Rether sagte Sinngemäß: Glauben sie ernsthaft, die sind so blöd und lassen sich weitere 600 Jahre ausbeuten?

      Meine Forderung nach Gerechtigkeit bedarf lediglich einer revolutionären Gesellschaft, die diese auch versteht und sucht und anerkennt, womit ich eindeutig sehr viel mehr als nur die Übergabe des Täters an die Justiz fordere. Ich nannte diverse Ursachen für das sein unserer Gesellschaft wie sie ist. Diese Ursachen zu bekämpfen/zu ändern ist ja nur mehr als logisch aber ich hätte auch nicht angenommen, dies explizit aufschreiben zu müssen. Sie fordern eine Evolution einer Gesellschaft die sich seit Jahrhunderten nicht bewusst werden will, was sie weltweit anrichtet, doch hat sich der Mensch nie durch eine eigene gedankliche Evolution reformiert/geändert. Klar bevorzuge ich Ihren Weg, doch ist die Zeit zum Träumen 1. schon lange vorbei und 2. endet sie bei Mord, egal wo auf der Erde. Jetzt können sich gerne Biologen und Philosophen und Soziologen streiten was eher eintritt.

    • Also, Hofnarr, jetzt erfinden Sie sogar noch. Wie kommen Sie darauf, mir zu schreiben: „Sie ignorieren vehement das sowohl die Einsätze in Afghanistan, als auch Somalia völkerrechtswidrig sind.“ ?

      Ich bin ganz einig mit Ihnen, dass wir Kriegsverbrecher vor ordentliche Gerichte bringen sollen. So, wie es in den Nürnberger Prozessen mit etlichen Nazitätern geschehen ist, sollten auch die NATO Verantwortlichen für den völkerrechtswidrigen Angriff auf Afghanistan, wo die NATO Truppen bis heute die geostrategischen Interessen der US Regierungen blutig vertreten, vor Gericht gestellt werden.
      (Über die Lage in Somalia bin ich nicht gut informiert.)

      Bloß haben wir heute die reale Situation: Bush und Obama und Blair und Schröder/Fischer ( Afghanistan, Irak ..und.. und.. ) und Schröder/Scharping/Fischer ( Jugoslavien ) und Hillary Clinton und Sakozy und Merkel und… (Libyen) kommen vor kein Kriegsgericht, denn sie waren und sind die „Sieger“, die sich weiter tummeln unter dem Schutz der schrecklichsten Terrormaschinerie der Menschheit, der NATO. Offenbar guten Gewissens, da sie ja für „Freiheit, Demokratie und Menschenrechte“, für die „Westlichen Werte“ „Verantwortung“ übernahmen, indem sie bomben ließen. Tatsächlich sind sie hauptverantwortlich für die völlig illegale Ermordung von Millionen Menschen, Nato-Soldaten und Einwohnern der überfallenen Länder.

      Mir sieht es so aus, dass den Genannten ihre eigenen Traumatisierungen, wann auch immer in ihrem Leben erlitten, nicht annähernd deutlich genug bewusst geworden sind. Deshalb tun sie selber das, was mit ihnen getan wurde. Ihre Eltern und Erzieher hatten sie aus erzieherischen „Verantwortungs“gefühlen heraus sich selbst, ihrem Kind- und Mensch-sein entfremdet. So sind ihnen auch die anderen Menschen fremd geworden. Und nun, da sie groß geworden sind und Macht errungen haben, da müssen die Anderen nach ihrem Willen leben. Wenn sie das nicht tun, dann gibt es kein Mitgefühl, keine Nachsicht. Dann wird die erzieherische Agenda durchgezogen: für „Freiheit, Demokratie und Menschenrechte“, bis zum bitteren Ende. Ihre tatsächlichen Interessen werden nie öffentlich eingestanden von diesen selbstentfremdeten Menschen

      Also noch mal: Täter müssen tiefen Zugang zu ihrer eigenen Traumatisierung bekommen. Sonst traumatisieren sie weiter. Wie konnten Sie Ihrem Freund die Augen öffnen ? Indem Sie ihm sagten „Wenn die Welt gerecht wäre, wärst du heute nicht hier und könntest nicht mit mir reden“ ?

      Deswegen ist mein „falsches Streiten“ für Manfred mitnichten Bereitstellen „einer Ausrede“ für sein Tätersein. Es ist Befürwortung einer Traumatherapie. Und die ist zunächst eine totale Zumutung. Die anzunehmen, das ist allein die Entscheidung des Täters. Wenn er es tut, ist das seine Tat, die Entscheidung, sich dem eigenen Trauma zu stellen, nach vielen Jahren Vermeidung. All den darin geballten und verdrängten, gar dissoziierten Gefühlen, vom Vernichtetwerden bis hin zum eigenen Hass und Vernichtenwollen, nie gefühlten Schmerzen, Ohnmacht und Trauer. Genau deswegen schauen wohl die meisten Täter ihr eigenes Trauma nicht an – und sorgen für den Fortbestand der Gewalt und ungerechten Unterdrückung des Schwächeren durch den Stärkeren.
      Ich denke, dass nur der, der die Kraft, die Ehrlichkeit und den Mut hat, sich dem eigenen Trauma zu stellen und es zu heilen, dass nur der auch die Kraft , den Mut und die Ehrlichkeit findet, seine eigenen Verbrechen wirklich anzusehen und sie sein zu lassen.

      Zu guter Letzt: kennen Sie eine Justizvollzugsanstalt mit echten Traumatherapieangeboten ?

    • Zuerst Danke das, Sie sich die Mühe machen und mit mir weiter Streiten/Diskutieren. Das rechne ich Ihnen hoch an.

      Als Basis für Ihren ersten Satz, in dem Sie meinen das ich erfinden würde nahm ich folgende Aussage von Ihnen auf:,,…Mir ist in Bezug auf die Täter eigentlich nur eines wichtig, dass sie einsehen, was sie verkehrt gemacht haben und einen Weg finden, umzukehren – damit sie nicht wieder und wieder Täter werden. Dass aus einem Soldat ein Dachdecker werden kann – der seinem früheren Opfer dann einen Freundschaftspreis macht, wenn er ihm das Dach deckt; oder seinen Angehörigen, wenn er getötet hatte.“
      – Für mich hat sich da in keinster Weise ergeben, das Sie nicht in diesen zwei Kriegen eine Täterschaft von Manfred anerkennen. Und im letzten Teil des Satzes sah ich eben den von mir angesprochenen Zynismus.

      Und ob Merkel, Bush oder weiß der Geier von ganz Oben bis hinab zu Manfred traumatisiert wurden vorher oder nicht ist mir gleich. Das man eben noch nicht an eine Merkel usw herankommt ist natürlich tragisch und widerlich und zeigt zugleich was sich ändern muss. So kann man aber dennoch an Manfred und seinen hörigen Kameraden ein Exempel statuieren und all jene warnen, die bisher noch nicht getötet haben, was passiert, sollten sie doch freiwillig, bewusst in den Krieg ziehen. Sie mit ihrer passiven Täterschaft konfrontieren und eben auch den Familien klar machen womit konkret das eigene, schöne Leben finanziert wird.

      Auf einen meiner Freunde habe ich fast 8 Jahre eingeredet, jedesmal wenn das Thema irgendwie aufkam. Er und ich kennen uns nun 25 Jahre. Aber ich sage ihm auch das alles was er hat mit Blut gekauft wurde. Ob er tatsächlich jemanden im Einsatz getötet hat oder nicht spielt für mich dabei keine Rolle, für jemanden der aktives Mitglied in der Bundeswehr ist oder wahr. Der andere Freund, wie gesagt… er wird es nie kapieren. Ein dritter, mir ebenfalls sehr guter Freund, der ging nach dem Abitur zur Bundeswehr und war in einer Kaserne stationiert, in der die „Rückkehrer“ erstmal aufgenommen wurden. Er blieb ab und an an Wochenenden in der Kaserne und unterhielt sich mit seinen Kameraden, sofern diese sprechen konnten/wollten. Manche konnten zwar schlafen aber waren dennoch müde. Andere konnten gut schlafen aber keinen Blickkontakt herstellen und wieder andere schreiten die ganze Nacht. Ihm wurde so klar, was passiert wenn er sich über seine Wehrpflicht hinaus verpflichten lassen würde. Und alle drei kenne ich so gut das ich zu behaupten wage, das nicht mal im Ansatz Erlebnisse wie sie Herr Lenz schilderte, im Hintergrund standen.

      Und die Traumatherapie mag wichtig für den Täter sein, aber eben nur für Ihn, als Individuum. Es hilft keinem Opfer und auch nicht den Hinterbliebenen und noch weniger einer traumatisierten Gesellschaft. Gleich ob man das auf die BRD bezieht, oder auf die Länder und Völker die ausgebeutet und bombardiert werden. Sonst würde man im Endeffekt wieder eine Kollektivschuld generieren, die in der Nachkriegszeit durchaus ihre Berechtigung hatte, für die aktiven und passiven Täter. Dieses Phänomen gab es ja bei Afroamerikanern und zum Beispiel den Juden. Die am Ende so kaputt waren, das sie glaubten das sie alles was eben passiert ist, verdient haben. Die Shoah wird ja teilweise heute noch, von Juden als Reinigungsprozess betrachtet. Stellen Sie sich nur vor ein Somali würde sagen er habe Gott zornig gemacht, irgendwann und irgendwie und alles was er erlitten hat, sei seine gerechte Strafe. Deswegen bin ich der Ansicht, dass zuerst dem Opfer geholfen werden muss. Und dem Täter, wenn er denn bereit dazu ist, während er seine Strafe verbüßt.

      Und nein ich kenne keine JVA die diese Therapien anbietet, schlichtweg weil es mir egal ist. Außerdem hat Herr Lenz selber geschrieben das es ja keine richtigen Gewalttherapien gibt und das ICD nur an den Symptomen herumbastelt. Dann können Sie aber gerne noch in die Liste die ich postete gerne noch die JVA´s mit dazurechnen. Da bleibt bestimmt genug übrig um auch in den JVA´s entsprechen Therapiemöglichkeiten anzubieten.
      Bei 45,1 mrd. € sollte das machbar sein für 2020. Aktuell sind Summen zwischen 60 und 70 Mrd im Spiel für die Zukunft.

      Hier noch ein Video-Beispiel:
      https://www.youtube.com/watch?v=SjfuyKMgI7s

      Schauen SIe es sich bitte an und auch die Kommentare drunter. Dann werden Sie verstehen warum ich nicht verzeihen werde. Genau wegen dem was dort gesagt und eben auch nicht gesagt wird. Und das ist nur einer von vielen Beiträgen die sich in ähnlicher Weise auf YT tummeln. Diese Maschine muss zerschlagen werden, zur Not muss eben mit den kleinsten Teilen begonnen werden.

  2. KOSMOTRAUMA
    Die Schlange beisst sich in den Schwanz. Kein Wunder, dass sie dabei traumatisiert. Und wenn sie dann an ihrem Hinterkopf angekommen ist, ist Gott sei dank alles zu spät, aber das Problem bewältigt. Sie hat sich dank ihrer eigenen Gier traumatisiert und selbst zerstört.
    Die Schlange, die sich in den Schwanz beisst, ist das mystische Bild für diese Welt, für die Gier und den Konsum.
    Gut, dass die Welt so eingerichtet ist.
    Du sollst nicht mehr begehren als das Lebensnotwendige, damit du die Erde nicht zersrtörst und lange leben kannst auf ihr.
    Das hatte der erste grosse Umweltschützer doch mahnend gelehrt.
    Aber nun ist alles zu spät, denn Eva pflückt grad die neuesten Apple oder sonstige verbotene Digitalfrüchte vom Baum der Erkenntnis bezüglich des Guten und des Bösen, vom Baum der verbotenen Früchte.
    Doch welche Schlange, welches Monster und welches Weib interessiert sich für weise Mahnungen, solange man sich mit seinem Apple die nächste Pizza bestellen kann? Killermanfreds Frau ganz gewiss auch nicht.
    Money that’s what they want. Money that’s a hit. Poverty in freedom and peace is a big bullshit. The universal soldier lässt grüssen.

    • Auf existentieller Ebene ist es doch wohl so, dass auch Eva missbrauchtes Menschenmaterial ist.
      Auf geschlechtsspezifischer Ebene meinte z. B. Goethe: „Beide Geschlechter besitzen eine Grausamkeit gegeneinander, die sich vielleicht in jedem Individuum zu Zeiten regt, ohne gerade ausgelassen werden zu können: Bei den Männern die Grausamkeit der Wollust, bei den Weibern die des Undanks, der Unempfindlichkeit, des Quälens.“

  3. Sagen sie Herr Lenz, sind sie so blöd oder wollen sie uns verarschen.
    Sie funktionieren doch genauso wie der Papst: Seinen Klienten vergibt man, denn die sichern ja die Existenz. Und darum bezeichen sie ihre Klienten auch nicht als Mörder, sondern sagen die haben getötet. Und dann faseln sie genau wie der Papst auf der politischen Bühne vom Frieden…

  4. @ Josef Gabriel Twickel verurteilt habe ich ihn bereits mit meinen Worten. Doch würde ich sein Leben in die Hände der afghanischen und somalischen Regierung legen und diese sollten jeweils nach ihrem Strafmaß entscheiden, was angemessen wäre oder nicht. Sollten die Regierungen es nicht wissen, wäre zunächst Deen Haag verantwortlich und sollten diese sich ebenfalls nicht im Stande fühlen dann eben unsere Gerichte. Vom Kosovokrieg an bis ins hier und jetzt. Mord verjährt nicht!

    (Auch im privaten Umfeld kenne ich Soldaten und jeder von Ihnen kennt meine Haltung ihnen gegenüber. Keiner von ihnen war dort im Einsatz. Einer jedoch zur Grabpflege eingeteilt. Er erzählte fröhlich wie es da so war und hatte auch kein Problem mitzuteilen das es üblich war in der Unterkunft zu skandieren: ,,Tot und Verderben all den Serben!“
    Ich traue es der Bundeswehr zu!)

    Wie, wenn nicht durch einen Gerichtsprozess soll das von R. Lenz beschriebene Traumatozän durchbrochen werden, wenn nicht den wirklichen Opfern (den jeweiligen Bevölkerungen) Gerechtigkeit widerfährt? Vom Auge um Auge, Zahn um Zahn Prinzip ist man hier auch weit weg, da die Gesetze eindeutig sind.
    Ich möchte noch einen Schritt weiter machen und sogar behaupten das die Somali und Afghanen gar nicht wissen, welche Rolle tatsächlich Deutschland jeweils gespielt hat. Anders kann ich mir diese Propaganda-Schau von sich freuenden Kindern erklären, wenn dt. Soldaten durch die Gegend streifen. Versuchen sie auch einmal die Perspektive zu ändern, weg von Manfred und hin zu XY-Unbekannt, dessen Sohn etc nicht mehr lebt. Ausgelöscht, nicht auf Grund eines Unfalls, was ohnehin schwer genug zu „verstehen“ ist sondern auf Grund einer bewussten Kaltblütigkeit und Gier, sowie anderen von mir bereits erwähnten Faktoren. Ein Unfall ist zufällig, im schlimmsten Fall durch einen oder mehrere Akteure, durch Fehlverhalten provoziert. Ein Mord ist und bleibt geplant. Ein Soldat weiß wofür er sich verpflichtet hat. Auch jeden Autofahrer der zu schnell fährt, würde ich jedesmal mindestens wegen versuchten Totschlags mit Tötungsabsicht anklagen. Und jeden mit Alkohol oder anderen Drogen im Blut wegen Mord.

    Sie zielen vermutlich auf die Frage ab: Würden Sie dann auch die Urteile selber vollstrecken? Ich wüsste wirklich nicht, wie sehr es mich im Nachhinein seelisch belasten würde, es mich zerstört oder auch nicht oder nur in Teilen. Aber JA ich würde mich zu meiner Forderung bekennen und das Urteil auch vollstrecken. Und würde ich später durchdrehen und selber zum Täter werden, so würde ich ein entsprechendes Urteil verlangen, denn ich habe mich bewusst entschieden. So viel Konsequenz und Ehrlichkeit, wäre das mindeste was ich von mir selbst verlangen müsste, um auch nur im entferntesten Gerechtigkeit zu fordern. Wenn ich sie nicht fordere und bereit bin umzusetzen, bleiben wir in jetzigen Verhältnissen.

    • Sie schreiben „Wenn ich sie“ (die Gerechtigkeit) „nicht fordere und bereit bin umzusetzen, bleiben wir in jetzigen Verhältnissen“.

      Ich denke, dass unser Strafvollzug kaum zur Schaffung von Gerechtigkeit und zur Besserung der jetzigen Verhältnisse beitragen kann. Er ist, passend zu unserer gewaltbereiten Gesellschaft, eine absolute Notlösung, eben ein STRAFsystem, ein entmündigendes.
      Kaum jemand kommt da „gebessert“ heraus. Ich habe 8 Jahre in einer Wohngemeinschaft mit entlassenen Strafgefangenen gewohnt. Keiner von ihnen hat den Strafvollzug positiv, hilfreich erlebt. Das selbständige, freie Leben musste neu eingeübt werden.
      Wie es – was Sie wählen – in den Gefängnissen, im Strafvollzug in Afghanistan und Somalia zugeht, das kann ich mir noch einmal weniger als „Besserungs“anstalt vorstellen.

      Und dann: die dicken Fische, die Personen, die einen Krieg medial und real vorbereiten, über seinen Beginn entscheiden und ihn befehlen, die Medienmacher, Parlamentarier, Minister, Präsidenten und hohen Militärs, die werden so gut wie nie vor Gericht gestellt. Joffe, Kornelius, Kohler, Merkel, Schröder, Fischer, Scharping, von der Leyen, Kujat, usw. usw. usw. – um in Deutschland zu bleiben – bleiben ungeschoren von unserer Notlösung für die Bestrafung der kleinen Fische.

      Gerechtigkeit ?

      Hilft das den Opfern ?

      Den überlebenden Opfern kann auf vielfältige Weise konkret geholfen werden, durch medizinische Hilfe, durch psychologische, durch Entschädigungsleistungen, durch Hilfe beim Wiederaufbau, durch Gewährung von Asyl und ein tatsächliches Willkommen hier.

    • Gerechtigkeit zu erfahren, zu erleben ist denke ich schon ein wesentlicher Prozess für die Bewältigung eines solchen Traumas und somit Hilfreich für die Opfer. Die Kriegstreiber gehören ebenfalls dazu.

      Zum Thema Gerechtigkeit und Wichtigkeit für die Bewältigung eines Traum kann ja Herr Lenz vielleicht mal einen Artikel veröffentlichen, wenn er denn will. Nur brauch es eigentlich keinen Artikel dazu, denn allein wenn zwei Personen die selbe Arbeit verrichten aber unterschiedlich entlohnt werden, dann ist das natürlich kein Trauma aber sie können erahnen oder vielleicht auch nicht, was es mit dem Selbstwertgefühl und der damit in Verbindung stehenden Psyche und Physis anstellen kann. Und eben das ohne ein Trauma im Hintergrund.

      Und bis man in der BRD ins Gefängnis kommt, muss man schon einiges verbrochen haben. Die JVA ist da eher als „Endstation“ zu betrachten. Eine Straftat sollte auch eine Strafe nach sich ziehen und so empfunden und erlebt werden. Die reale Praxis in einer JVA erlaubt sicherlich aus rein finanziellen, denn personellen noch zeitlichen Aspekten heraus einem Täter seine Aufarbeitung mit seinen Erlebnissen und Auseinandersetzung mit seinem Trauma. Herr Lenz wird es wissen.

      Alle Maßnahmen die Sie im letzten Absatz schildern sind richtig und würden sicherlich ebenfalls helfen, doch wären sie gar nicht erst notwendig, hätten Manfred und all seine Kameraden sich für eine ehrliche, aufrichtige und anständige „Arbeit“ entschieden! Man hätte dem heutigen Hass, damals viel Nährboden entzogen.

    • Wie heißt es doch so schön? Geld ist da es wird nur falsch verteilt: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/regierungseinigung-verteidigungsetat-soll-2020-offenbar-auf-45-1-milliarden-euro-steigen/24108676.html?ticket=ST-1804400-D3KWPrpjYkKQRrtoVsng-ap2

      Entsprechende Fragen bei google spuckten folgendes aus:

      In Deutschland gibt es (Daten für 2015) 1.956 Krankenhäuser

      Insgesamt gab es im Schuljahr 2017/2018 in Deutschland 32.995 allgemeinbildende Schulen.

      https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Kindertagesbetreuung/Tabellen/kindertageseinrichtungen-traeger-2018.html;jsessionid=F45F40954AE43358B2E049DDFF1C9092.internet741
      rund 56.000 Kitas etc

      https://de.statista.com/themen/785/pflege-in-deutschland/
      macht 28.530 Pflegeheime und ambulante Pflegedienste.

      Das sind 119.525 Einrichtungen (sowohl privat als auch öffentlich). Rund 45 Mrd. € jährlich für eine „Armee“ oder 376.490 € für die genannten Einrichtungen. Wer weiß wie hoch die Zahlen wären, würde man nur die öffentlichen Stellen nutzen.

      Ich vergebe nicht, denn ich weiß was sie tun!

    • „Ich vergebe nicht, denn ich weiß was sie tun!“
      Ich denke, dass Sie sich gehörig irren, wenn Sie meinen, dass Sie wüssten, was sie tun.
      Sie schließen ja für sich selber nicht aus, dass Sie „durchdrehen“ könnten. Beim Durchdrehen wissen Sie nicht, was Sie tun. Viele Straftaten werden im Affekt begangen.
      Wie viele deutsche Soldaten, die schlimmste Gräuel begangen und befohlen haben im 2. Weltkrieg, hatten kein Schuldbewusstsein ? Sie gaben an, nur gehorsam gewesen zu sein, sie hätten den Befehlen gehorchen müssen. Das sei ihre Pflicht gewesen.
      Das sind nur wenige Beispiele, in denen Täter nicht wussten oder wissen, was sie tun.

      Meinen Sie, dass Frau von der Leyen auch nur ansatzweise weiß, was Sie mit ihrem Tun letztlich alles zu verantworten hat, was sie tut ? Ich kann es mir jedenfalls nicht vorstellen, dass sie das weiß und trotzdem so handelt.
      Unsere Psyche ist so tief gestaffelt. Da gibt es jede Menge Platz für Verdrängung und Dissoziation. Ganz abgesehen von dem Riesenanteil des Unbewussten, das in unsere Entscheidungen hineinwirkt.

      Man muss schon sehr, sehr weise sein, um zu wissen, was man tut.
      Und noch viel weiser, wohl schon erwacht, um, wie Jesus, zu wissen, was im anderen vorgeht, aus welchen Gründen er handelt.

      Dabei ist natürlich richtig, dass es am besten wäre, es gäbe keine Soldaten, keine sonstigen Täter. Aber es gibt sie. Und für mich ist es , genau wie für Herr Lenz, notwendig, sowohl den Tätern wie den Opfern so zu begegnen, dass sie heilen können.

      Das „Ich vergebe nicht“ – wem hilft das ?

    • Von von der Leyen weiß sehr wohl was sie tut. Schäuble wusste sehr wohl welche Konsequenzen seine Sparpolitik für die Griechen haben wird. Powell und Bush, Blair, Sarkozy und hunderte andere, sie alle wussten was sie tun und lügen. Merkel, Schröder, Fischer, Scharping… Sie haben sie selbst schon aufgezählt. Immer wieder wirft man der Gesellschaft vor ihr fehle die Courage und da wo man sich, wenigstens verbal zu dieser bekennt, stellen sie die Täter auf die gleiche Stufe mit den Opfern und fordern Empathie?
      Wenn ich mir unsicher bin, was meine Entscheidungen angeht, setze ich mich hin und denke nach! Jeder Krieg ist geplant!

      Man soll nicht Menschenleben gegeneinander auf- oder abwerten. Doch es ist ähnlich wie im 2. Weltkrieg… gänzlich andere Dimensionen, die es notwendig machen, um auch nur Ansatzweise Gerechtigkeit herzustellen. Und die unverurteilten Kriegsverbrecher als „Verwirrte“ darzustellen ist bar jeder Vernunft und diskreditiert Sie in meinen Augen in ihrer Glaubhaftigkeit.
      ,, Das „Ich vergebe nicht“ – wem hilft das ?“ Den Opfern zu einem Minimum an Gerechtigkeit und mir selbst gegenüber als Mensch zu wissen, zu sehen was nicht sein darf und darauf hinzuweisen, selbst wenn es nur hier oder im blinden Freundeskreis ist, Kollegen oder sonstwem. Bewusstsein für Ungerechtigkeit zu haben und zu empfinden, eine der vielen Lehren die man aus dem 2. WK, selbst wenn man ihn glücklicherweise nur aus Büchern und TV kennt, mitnehmen sollte.

    • Ja, Hofnarr, ich hab den Eindruck, wir kommen nicht weiter miteinander.

      Ihnen ist die Bestrafung der Täter zentral wichtig und dass ihnen nicht vergeben wird – damit sie und die Opfer erleben, dass Gerechtigkeit geschieht.
      Dass es nicht genug Gefängnisse gibt, um alle Soldaten und sonstige Täter wegzusperren, dass unsere Justiz die dicken Fische durchs Netz lässt, nehmen Sie zähneknirschend hin.
      Empathie und Verständigung mit den Tätern kommt für Sie nicht in Frage, weil die wissen, was sie tun und sich dafür entschieden haben.

      Mir ist in Bezug auf die Täter eigentlich nur eines wichtig, dass sie einsehen, was sie verkehrt gemacht haben und einen Weg finden, umzukehren – damit sie nicht wieder und wieder Täter werden. Dass aus einem Soldat ein Dachdecker werden kann – der seinem früheren Opfer dann einen Freundschaftspreis macht, wenn er ihm das Dach deckt; oder seinen Angehörigen, wenn er getötet hatte.

    • Ein Nachtrag
      Hier das, worum es mir – und auch Herr Lenz – geht, aus dem berufeneren Mund von Edith Eva Eger:

      Von Andreas Gstettner-Brugger

      Sie ist durch die Hölle von Auschwitz, Mauthausen und Gunskirchen gegangen. Und genau diese Erfahrungen hat Dr. Edith Eva Eger zu einer der besten Traumatherapeutinnen gemacht. Ihr bewegendes Leben hat sie in einem spannenden und hoffnungsvollen Buch niedergeschrieben.

      „Wenn ich mein ganzes Leben zu einem Moment destillieren könnte, zu einem einzigen Standbild, dann wäre es dieses: drei Frauen in dunklen Wollmänteln warten Arm in Arm in einem tristen Hof. Sie sind erschöpft. Ihre Schuhe sind staubbedeckt. Sie stehen in einer langen Kolonne. Diese drei Frauen sind meine Mutter, meine Schwester Magda und ich. Dies ist unser letzter gemeinsamer Augenblick.“

      Mit sechzehn Jahren wird die ungarische Jüdin Edith Eva Eger mit ihren Eltern und ihrer Schwester nach Auschwitz gebracht. Mit nur einem Fingerzeig schickt der Konzentrationslagerarzt Mengele Ediths Mutter vor ihren Augen in den Tod. Dieses Bild begleitet die heute 91-jährige, klinische Psychologin ihr Leben lang.

      Wie sie es geschafft hat, es nicht nur zu überleben, sondern ihr Trauma zu überwinden und aus ihren schrecklichen Erfahrungen in Amerika eine lebensbejahende Therapie zu entwickeln, um anderen Menschen zu helfen, davon erzählt Dr. Edith Eva Egers Buch „Ich bin hier, und alles ist jetzt. Warum wir uns jederzeit für die Freiheit entscheiden können“.

      Mit der inneren Stimme zur Freiheit

      Ein amerikanischer Militärhauptmann sitzt in der psychotherapeutischen Praxis von Dr. Eger. Unter seinem Hemd hat er eine geladene Waffe. Sie sitzen sich gegenüber, beide traumatisiert, mit einem tief versteckten Geheimnis. Durch ihre eigenen Gewalterfahrungen schafft sie es, den verstörten Hauptmann aus seiner Trance zu führen und verwebt schon hier in dieser ersten Szene des Buchs ihre schmerzliche Lebensgeschichte mit den daraus gewonnenen Bewältigungsstrategien.

      Erst nach und nach erfahren wir von Edith Eva Egers Kindheit in Ungarn, ihrer großen Leidenschaft, dem Balletttanzen und dem bescheidenen Familienalltag. Als sie und ihre Familie 1944 ins Konzentrationslager nach Auschwitz verschleppt werden, beginnt die unglaublich beklemmend und intensiv geschilderte Überlebensgeschichte der jüdischen Teenagerin. Selbst als alle Wärter und Insassen ihr versichern, dass sie das Todeslager niemals lebend verlassen wird, erarbeitet sich die junge Tänzerin eine innere Stimme, die ihr eine alternative Geschichte erzählt.

      „Das ist nur vorübergehend, sagte ich mir immer wieder. Wenn ich den heutigen Tag überlebe, bin ich morgen frei.“

      Dieser Satz wird zu ihrem Mantra im Kopf, selbst als sie vor dem Lagerarzt Mengele zu dessen Unterhaltung tanzen muss. Ihre Neugier, was wohl am nächsten Tag passieren wird und ihr Beschützerinstinkt für ihre Schwester helfen ihr, den Todesmarsch nach Mauthausen zu überleben. Und selbst, als sie 1945 zwischen den Leichen im oberösterreichischen Außenlager Gunskirchen liegt, schafft sie es mit unglaublicher Willenskraft, einen amerikanischen Soldaten auf sich aufmerksam zu machen und wird gerettet.
      Die Therapie der Wahlfreiheit

      Es ist ein langer und schmerzlicher Prozess, durch den Edith Eva Eger von ihrer Befreiung bis hin zur anerkannten Therapeutin in Amerika gehen muss. Immer wieder werden sie und ihre Familie von der Vergangenheit eingeholt und erst über die Bekanntschaft und Freundschaft zum österreichischen Psychiater und Holocaust-Überlebenden Viktor Frankl gelingt ihr der Weg von der Verdrängung zur Verarbeitung.

      „Ich bin hier, und alles ist jetzt“ ist somit viel mehr als ein dramatischer Bericht einer Zeitzeugin. Es ist die spannende Geschichte einer Hoffnung gebenden Trauma-Aufarbeitung, die uns deutlich macht, wie viel Kraft unsere Gedanken haben und welche Wege uns aus der Opferrolle führen können. Die berührenden Fallbeispiele aus ihrer psychotherapeutischen Praxis zeigen uns, wie wir Stein für Stein das eigene Gefängnis im Kopf abtragen können, um wieder Alternativen wahrnehmen zu können. Und die beschriebenen Entwicklungen ihrer Patienten machen uns Mut, wie man trotz Schwierigkeiten und Rückschlägen ein authentisches und erfülltes Leben führen kann.

      „Müsste ich meiner Therapie einen Namen geben, würde ich sie vermutlich Therapie der Wahlfreiheit nennen, da es bei der Freiheit um die Freiheit der Wahl geht – darum, Mitgefühl, Humor, Optimismus, Intuition, Neugierde und Selbstentfaltung zu wählen. Und frei zu sein, im Hier und Jetzt zu leben.“

      „Ich bin hier, und alles ist jetzt“ ist wirklich ein Geschenk. Es ist ein Buch, das einen nicht nur tief bewegt und dessen Bilder lange im Kopf bleiben, sondern das einen auch positiv verändert zurücklässt. Es hilft uns, selbst in schwierigsten Situationen einen alternativen Blickwinkel einzunehmen und bestärkt einen, immer wieder die Wahl zu treffen, im Geist frei zu sein.

  5. Manfred erträgt sich selber nicht mehr, weiß nicht wie er mit der selbstzerstörerischen Schuld leben soll. Er verurteilt sich selber. Er will bestimmt kein Mitleid von irgend jemandem.
    Seine Lebensgeschichte kann vielleicht andere junge und naive Männer davor bewahren, in die Hochglanz-PR-Falle der Bundeswehr-Werber zu tappen und unreflektiert zum Mörder zu werden. Das ist ein Ziel, das seinem verkorksten Leben einen Sinn gibt, anstelle sich für Selbstmord oder betäubende Drogen zu entscheiden. Manfred verdient keinen Respekt für das, was er getan hat, aber für das, was er in der Gegenwart in der Friedensbewegung tut.

  6. Sei kein Täter , sei kein Opfer ! Wenn noch nicht alles verschüttet ist und du noch einen Funken Mitgefühl in dir trägst , dann besteht eine Chance , daS du dein Trauma verstehst und mit deinem Trauma leben kannst und damit den Gewaltzyklus durchbrechen und dich befreien kannst .

  7. DANKE für diesen Kommentar, Rüdiger Lenz !

    Ich finde es ganz großartig, dass bei Kenfm und bei Rubikon das Trauma, die Traumata und ihre Folgen jetzt großen Raum bekommen; dass sowohl Therapeuten wie Franz Ruppert, Gunther Moll, Birgit Assel und Hans Joachim Maaz zum Thema Plattformen bekommen, wie auch Jens Wernicke und Carmen G. als Klienten. Ich weise hier noch auf einen weiteren Traumatherapeuten hin, auf Gopal Ernst Klein in Dresden.

    Das Thema ist bei Kenfm geballt auf dem Tisch bei „Positionen 17: Ab auf die Couch! Wie gestört ist unsere Gesellschaft?“

    DANKE !

  8. Vielen Dank für diesen Artikel und die einordnende Übersicht!

    finde es kann gar nicht oft genung darauf hingewiesen werden, zumal wir erst recht heute in einer Zeit leben, wo der Schein um ein Vielfaches mehr zählt, als das Sein. (also Trauma-Milieu unterstützend)
    Will ja auch heißen, dass ich zunächst eine Wahrnehmung für das eigene Sein brauche, um dann überhaupt mich in Richtung „deepsoul“ bewegen zu können.
    Solange die Darstellung von „Irgendwas“, die „designte“ Identität, der designte Lifestile und letztendlich auch designte Realität als Freiheit und fortschrittlicher liberaler Pluralismus verstanden und verteidigt wird (proklamiert wirds ja an allen Ecken und Enden und auf allen Kanälen) kann da wohl noch oft auf die harten, kalten, grausamen Realitäten und Wirkzusammenhänge hingewiesen werden. Diese werden verdrängt und gar nicht wahrgenommen.

    Es ist mehr als an der Zeit, mal in die „bunten“ Verpackungen hineinzuschauen und zu gucken, was wirklich drinn ist . . .

    • . .mir fällt da noch so ein Slogan eines Fitnessportals ein: “ . . , damit Du auch wirklich Alles aus Dir rausholen kannst!“

      Rausholen für was? Um Fit zu sein für´s System?!
      Rausholen, ja was denn? Alles was Dich auch nur irgendwie daran erinnert, dass du als Mensch verletzlich, vergänglich und begrenzt bist? Also der perfekte Drill um zu verdrängen . .!!

  9. Der Artikel drängt mich selbst zu der Frage ob ich nun gestört bin, in welcher Art und Weise auch immer oder eben nicht.
    Soll ich ernsthaft Empathie oder gar Mitleid für Manfred empfinden, der sich bewusst für den „Beruf“ des Mörders entschieden hat? Soll ich Mitleid mit seiner Frau haben, die wusste welchen Beruf ihr Mann ausübt und was seine Aufgabe ist? Wer zu Bundeswehr geht und sich über den Dienst hinaus, insbesondere heute da es keine Wehrpflicht mehr gibt, verpflichten lässt, bettelt doch gerade zu darum in den Krieg zu wollen. Beide (Manfred und seine Frau) haben durch das viele Geld, was er nach Hause brachte direkt profitiert. Nur brachte er eben mehr mit. Ähnlich wie die widerlichen Sextouristen, die jedes Jahr nach Thailand etc fliegen. Wer Wind sät wird Sturm ernten.

    Herr Lenz, vielen Dank für diesen tollen Artikel und zu gleich wichtige Warnung. Doch werde ich nicht einen Funken Empathie für einen Manfred, seine Familie oder Kameraden aufkommen lassen. Da lebe ich lieber mit dem Vorwurf ein Unmensch zu sein etc. Besonders toll sind die Diskussionen, die man mit den Damen, solcher Soldaten führen kann bzw eben nicht kann. Wie sie das denn empfindet zu wissen, das sie in einem Haus lebt, mit ihren Kindern, finanziert durch Blut und Tod anderer Familien. Diese Form der Störung wird so gut wie nie angesprochen… Ein Hoch auf die Empathie die nur bis zum Geldkonto reicht! Hat das tatsächlich direkt etwas mit der Gesellschaft, wie wir sie heute erleben zu tun? Vielleicht ein ja! dazu. Doch ein viel größeres Nein! Manfred hat sich bewusst für den Krieg entschieden, wie viele abertausend andere auch, statt Dachdecker oder sonstwas zu werden.

    • Um ehrlich zu sein, Hofnarr, gibt es m. E. kaum Menschen in unserer Gesellschaft, die nicht irgendwelche Entwicklungstraumata haben. Sie und ich haben auch das Passende abbekommen, denke ich.

      Da ich jeden von uns als eine Einheit sehe aus Körper, Geist und Seele, die aus ganz bestimmten Gründen auf diese Welt gekommen ist, schrieb ich oben, wir hätten das ‚Passende‘ abbekommen, das passende Trauma. Aber auch das Passende, um es heilen zu können.
      Ich denke, dass ich in genau die Gesellschaft und in die Familie geboren wurde, die mir die Möglichkeit gegeben haben und geben, in diesem Leben das zu lernen, was in diesem Leben zu lernen meine selbst gewählte Aufgabe ist.

      Ob einer seine Aufgabe und seine Möglichkeiten erkennt, daran wächst, seine Möglichkeiten nutzt und die Aufgabe bewältigt – oder nicht – das entscheidet sicher auch darüber, ob jemand zum Frieden oder zum Krieg beiträgt.

      Dass jemand Soldat wurde und wird, in Kriegseinsätze geht und tötet, das hat sicher eine lange Vorgeschichte – die möglicherweise auch über mehrere Leben geht – und hat ganz sicher zu tun mit in den ersten Jahren dieses Lebens erlittenen Entwicklungstraumata. Mit Traumata, die er nicht heilen konnte, und deshalb selber weiter tötet und traumatisiert; so wie der Manfred im Kommentar von Rüdiger Lenz.

      Vielleicht findet Manfred, nachdem er so existenziell mit seinen Traumata konfrontiert ist und die ersten Schritte zur Überwindung getan hat, weitere Mitmenschen, einen Therapeuten, die nächste Schritte ermöglichen.

      Mir fallen da Sätze von Richard Rudd ein „Die Leute brauchen keine Hilfe, sie brauchen Liebe. Sie brauchen Erinnerung daran, wie es sich anfühlt, in Gegenwart von Liebe zu sein. So einfach ist das.“

    • „Vielleicht findet Manfred, nachdem er so existenziell mit seinen Traumata konfrontiert ist und die ersten Schritte zur Überwindung getan hat, weitere Mitmenschen, einen Therapeuten, die nächste Schritte ermöglichen.

      Mir fallen da Sätze von Richard Rudd ein „Die Leute brauchen keine Hilfe, sie brauchen Liebe. Sie brauchen Erinnerung daran, wie es sich anfühlt, in Gegenwart von Liebe zu sein. So einfach ist das.““

      Und das auf Kosten der Gerechtigkeit? Dem Preis der Sicherheit, sowohl der Nation die er gelobte zu verteidigen, als auch der Nation und Einheimischen die in verständlicher Weise auf Rache für ihre Angehörigen Sinnen?

      Manfred als Soldat, ist das Symbol für die geistige Faulheit, Arroganz, Bigotterie, Gier und der fehlenden Intelligenz die Diskrepanz zwischen seinem zum Beispiel geleisteten Eid und seinen Handlungen zu erkennen, welche sich zusehends in der „westlichen Wertegemeinschaft“ manifestiert hat.

      Sie scheinen ein spiritueller Mensch zu sein… davon halte ich nicht viel, also vom Glauben an ein Leben vor einem Leben oder ähnlichem. Wenn Ihnen das hilft, sich selbst oder andere besser zu verstehen, dann ist das so und es steht mir ohnehin nicht zu Ihnen das abzusprechen.

      Doch bitte ich SIe darum zu bedenken, dass ihre Vermutung der langen Vorgeschichte oder des evtl. Entwicklungstrauma, sehr schnell zur Generalausrede modifiziert werden kann.
      Jetzt flüchtet er sich krank und geschunden in die Friedensbewegung, um was zu tun….? Leuten zu erzählen wie beschissen der Krieg ist oder das der Krieg nur deswegen beschissen ist, weil er einen nicht mehr loslässt und kaputt macht? Braucht Manfred Hilfe? Ja! Aber Akzeptanz, Toleranz oder gar das Verständnis einer, hoffentlich irgendwann vernunftbegabten Gesellschaft, würde ich ihm absprechen. Doch zu Manfreds Glück sind wie davon weit entfernt.
      Er hat Verstand, Seele und Herz gegen Stiefel,Helm und Gewehr getauscht und hat billigend den Tod anderer und seinen in Kauf genommen. Und ich weiß es ist zynisch von mir aber übertragen Sie bitte einmal ihre Bitte und, für mich damit Verbundene Absurdität, auf die NS-Kriegsverbrecher vom hohen General bis hinab zum beispielsweise Ungarischen Pfeilkreuzler. Sie können es auch gerne auf einen anderen Teil der Welt übertragen.

    • Ich finde das Argument von „Hofnarr“, dass der Soldatenmörder kein Mitleid verdient, sehr einleuchtend. Es sollte ein Gemeinplatz sein, dass Handlungen nicht durch nachfolgende Reue, Gewissensbisse, meinetwegen auch Traumata ungeschehen, oder ‚weniger schlimm‘ werden. Ein SS Mann, der Reue zeigt: verdient der unser Mitleid? Warum braucht man immer Extrembeispiele, um etwas so Einfaches zu erklären? Unser Mitleid sollte den Opfern gehören, nicht den Tätern, Herr Lenz!
      Wählt man einen grösseren Bezugsrahmen, muss man über gesellschaftliche Zustände nachdenken, die solche Mörder hervorbringen. Oder über Institutionen wie der – auch in diesem Forum – so hochgelobten Kleinfamilie, deren Machthaber ihre Schutzbefohlenen oft genug schrecklich missbrauchen. Weder die misshandelnden Eltern noch die SS Schergen können aus dieser Perspektive etwas dafür, sie sind selber Opfer.
      Herr Lenz ist ein Psychologe und will helfen, das ehrt ihn – wenn er aber die Ursachen des psychischen Elends nicht mit gleicher Entschiedenheit angeht, ist er wie ein Arzt, der zwar die Lungentuberkulose behandelt, den Arbeits- und Lebensbedingungen gegenüber, die diese hervorbringen, aber nicht viel mehr als ein trauriges Gesicht zustande bringt.

    • molinari schreibt: „Unser Mitleid sollte den Opfern gehören, nicht den Tätern, Herr Lenz!“ Für mich geht Mitleid mit beiden nicht, weder mit dem Opfer noch mit dem Täter. Mitgefühl meinen Sie sicher. Und Mitgefühl habe ich mit beiden, mit dem Opfer und dem Täter. Kein Therapeut könnte Täter und Opfer gleichermaßen helfen, wenn er Rache oder Wut oder sonst was mit dem Täter empfinden würde. Ausserdem liegt hier auch ein juristisches Prinzip zugrunde, dass unserem vom früheren unterscheidet. Nämlich gerade das der Menschlichkeit. Wenn Sie das anders sehen, so kann ich nur hoffen, dass Sie kein Therapeut sind. Ist nicht böse gemeint. Man kann auch kein Richter, Staatsanwalt oder Rechtsanwalt werden, besser, sollte es nicht sein, wenn man nur an das Opfer oder an den Täter dabei denkt. Man muss das gesamtgesellschaftlich sehen.

    • hmm: Mitleid:
      „stärkere (sich in einem Impuls zum Helfen, Trösten o. Ä. äußernde) innere Anteilnahme am Leid, an der Not o. Ä. anderer“.
      So verstehe ich Ihren Impuls. Sicher, wenn ich ein Rechtsanwalt bin, fällt es schwer, einen gemeinen Mörder zu verteidigen, tue es aber doch, als Teil der Rechtspflege. So ist das mit einem Therapeuten auch, als Teil der Humanisierung der Gesellschaft, vielleicht…
      Jedoch dominiert für mich in Ihrer Tagedosis zu sehr die Sicht auf das Individuelle, obwohl in dieser Schilderung eines Leidenden auch die fatalen Folgen des Kriegsdienstes deutlich werden.

    • „Braucht Manfred Hilfe? Ja! Aber Akzeptanz, Toleranz oder gar das Verständnis einer, hoffentlich irgendwann vernunftbegabten Gesellschaft, würde ich ihm absprechen. Doch zu Manfreds Glück sind wie davon weit entfernt.“

      Hallo Hofnarr, wenn ich diese Sätze von Ihnen lese, wird mir fast schwindelig. Wie kriegen Sie das zusammen ?

      Wie wollen Sie Manfred begegnen ? Würden Sie ihn verurteilen und lebenslang wegsperren ?

    • Ja, Hofnarr, ich hab den Eindruck, wir kommen nicht weiter miteinander.

      Ihnen ist die Bestrafung der Täter zentral wichtig und dass ihnen nicht vergeben wird – damit sie und die Opfer erleben, dass Gerechtigkeit geschieht.
      Dass es nicht genug Gefängnisse gibt, um alle Soldaten und sonstige Täter wegzusperren, dass unsere Justiz die dicken Fische durchs Netz lässt, nehmen Sie zähneknirschend hin.
      Empathie und Verständigung mit den Tätern kommt für Sie nicht in Frage, weil die wissen, was sie tun und sich dafür entschieden haben.

      Mir ist in Bezug auf die Täter eigentlich nur eines wichtig, dass sie einsehen, was sie verkehrt gemacht haben und einen Weg finden, umzukehren – damit sie nicht wieder und wieder Täter werden. Dass aus einem Soldat ein Dachdecker werden kann – der seinem früheren Opfer dann einen Freundschaftspreis macht, wenn er ihm das Dach deckt; oder seinen Angehörigen, wenn er getötet hatte.

    • Josef Gabriel Twickel, Sie bringen es mit Ihrem Kommentar auf den Punkt: Manfred müsste einmal für sich herausfinden, wie es passieren konnte, dass er Soldat wurde. Meine Vermutung ist, dass sich dahinter eine traumatisierte Kindheit verbirgt. Und dann wäre der erste Schritt, dass er sich als Opfer annehmen kann und dass er daran keine Schuld hat. Der nächste Schritt wäre zu erkennen, dass er zum Täter geworden ist und für diese Täterschaft die volle Verantwortung übernimmt.
      Meine Erfahrung mit Tätern ist, dass es ihnen leichter fällt, die Verantwortung für ihr Tätersein zu übernehmen, als mit ihrem Opfersein als Kind in Kontakt zu kommen.
      Manfred über nimmt in dem Bericht von Rüdiger die Verantwortung für sein Tätersein, in dem er sich von seiner Familie zurückzieht, aus Angst sie zu gefährden. Die Frage, die sich mir stellt: kann er sich als Opfer fühlen? Und damit meine ich nicht die Opferhaltung – sondern den möglichen kindlichen Schmerz des emotionalen Missbrauchs durch die eigenen Eltern zu fühlen…? Ein Mensch mit einer gesunden Psyche wird kein Soldat und tötet andere Menschen – das halte ich für ausgeschlossen. Nicht der Krieg ist die Krankheit, der Krieg ist lediglich eine Traumafolgeerscheinung.

    • Ein Hoch auf die Generalausrede! Es ist erstaunlich welche Faktenresistenz hier vorherrscht.

      Mamomi: „Manfred über nimmt in dem Bericht von Rüdiger die Verantwortung für sein Tätersein, in dem er sich von seiner Familie zurückzieht, aus Angst sie zu gefährden.“

      JGT; „Mir ist in Bezug auf die Täter eigentlich nur eines wichtig, dass sie einsehen, was sie verkehrt gemacht haben und einen Weg finden, umzukehren – damit sie nicht wieder und wieder Täter werden. Dass aus einem Soldat ein Dachdecker werden kann – der seinem früheren Opfer dann einen Freundschaftspreis macht, wenn er ihm das Dach deckt; oder seinen Angehörigen, wenn er getötet hatte.“

      Ach jetzt habe ich verstanden… Wir sind hier auf einem Satireportal. So wird ein Schuh draus!

    • Ja, mamomi, natürlich haben die Kinder, die traumatisiert werden, keine Schuld und es ist ganz wichtig, dass Mensch das möglichst früh erkennt. Oft aber dauert es lange, länger, noch länger – und oft geschieht es gar nicht. Das ist ja das ganze Elend, das Lenz hier beschreibt

      „Wenn man als Therapeut seinen ersten Traumaklienten bekommt, wirkt dies unmittelbar auch im Therapeuten lange nach. Warum? Weil man schlagartig mit einem riesenhaften Tabuthema konfrontiert wird, das der transgenerativen Traumaweitergabe. Was heißt das? Als ich dem Mann in meiner Praxis sagte, dass all sein Verhalten darauf schließt, dass er vergewaltigt wurde, brach er zusammen und fiel vom Stuhl. Krümmte sich wie ein Embryo und sprach mit kindlicher Stimme, dass er von seiner Mutter bis ins Jugendalter hinein sexuell vergewaltigt und sexuell bestraft wurde. In der Therapie kam heraus, dass auch seine Mutter vergewaltigt wurde und auch sein Großvater. In sehr vielen Fällen werden die eigenen erlittenen Traumen an die nächste Generation weitergegeben. Vor allem Kriegstraumen, die Mutter wurde von ihrem Vater, einem SS-Offizier auch sexuell vergewaltigt und sexuell bestraft, werden über die Erziehungsstile in die Seelen der eigenen Kinder weiter tradiert. Es ist in Wirklichkeit ein Geflecht aus Opfertätern und Täteropfern, die sich bedingen, ohne das man die Zuschreibung einer Schuld der Übertragung wirklich machen kann; zumindest in den meisten Fällen ist das so. Täter produzieren so die Opfer und Opfer werden dann sehr häufig zu Tätern und produzieren wiederum Opfer, usw. Wichtig erscheint mir an dieser Stelle die Botschaft an euch alle da draußen: Wacht nicht nur geostrategisch auf. Wacht tief in eurem Inneren auch auf. Denn so lange der Krieg in unseren Seelen tobt, so lange wird der Krieg auch in unserer Gesellschaft toben. Solange es transgenerative Traumen gibt, wir diese auf unsere Kinder sozial übertragen, also tradieren, solange werden innere Kriege auch als Projektionsverstärker Kriege im Außen miterzeugen können. Transgenerative Traumen sind Kriegsmultiplikatoren. Das muss uns bewusster werden als bisher…“

      Der Schritt, das verdrängte Trauma auftauchen zu lassen, konkret mit seinen geballten Gefühlen, Schmerz, Ohnmacht, Verzweiflung einerseit und andererseits Zorn, Rachegefühl und Hass gegenüber dem damaligen Täter, das ist eigentlich der erste, und, wie Sie schreiben, oft sehr schwierige Schritt. Dazu ruft Lenz auf.

      Der ist erstmal zu tun ! Wahrnehmen: der Schmerz und der Hass – Beides ist meins, Beides bin ich ! Aber wie unglaublich wertvoll ist diese Wahrnehmung auch !
      Endlich beginne ich, Verständnis für meine ganze Person zu bekommen, endlich kann ich Dissoziation, Selbstverleugnung, Selbstverurteilung durchbrechen – die mir zunächst halfen, nach der Traumatisierung weiter zu leben. Endlich kann ich da hinsehen und kann beginnen, mich mit Licht und Schatten anzunehmen.
      Nur wenn ich meinen Schatten auch zutiefst verstehe, d. h. verstehe, warum ich ihn habe und wie er beschaffen ist, kann ich beginnen, ihn loszulassen.

    • Wenn Sie in der Lage sind, das hier am Ende satirisch als Inhalt eines Satireportals zu bezeichnen, was hier ausgetauscht wird – auch von Ihnen, hofnarr – dann kommt mir plötzlich der Wunsch, Ihnen Ihre Frage vom 19.6. an Sie selber noch einmal vor Augen zu stellen: „Der Artikel drängt mich selbst zu der Frage ob ich nun gestört bin, in welcher Art und Weise auch immer oder eben nicht.“

      Es wäre außerdem schön, wenn sie konkret werden könnten, wo hier von wem welche Fakten ignoriert werden.
      Bitteschön.

Hinterlasse eine Antwort