Tagesdosis 19.8.2019 – Hongkong: Die Finanzelite weist der Politik den Weg

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

Seitdem China auf Grund seiner Wirtschaftskraft zur zweitgrößten Weltmacht aufgestiegen ist, lassen die USA nichts unversucht, um ihren schärfsten Konkurrenten wirtschaftlich, finanziell oder politisch zu schwächen. 

Aus diesem Grund haben die US-Medien und die politische Führung der USA die immer wieder aufflammenden Proteste in Hongkong in den vergangenen Jahren und Monaten zum „Kampf für die Demokratie“ erklärt und nach Kräften ideell – und möglicherweise auch materiell – unterstützt.

Letzte Woche hat Präsident Trump, der die Gangart gegen China durch die Erhebung von Strafzöllen in den letzten Monaten erheblich verschärft hat, jedoch plötzlich einen vollkommen anderen Ton angeschlagen. 

Am 15. August schrieb er auf Twitter: „Wenn Präsident Xi direkt und persönlich mit den Demonstranten zusammentreffen würde, gäbe es ein glückliches und aufgeklärtes Ende des Hongkong-Problems. Daran habe ich keinen Zweifel!“ 

In einem zweiten Tweet nannte Trump Xi einen „großen Führer, der sehr viel Respekt vor seinem Volk habe“ und bot ihm im Konflikt um Hongkong sogar ein persönliches Treffen an.

Gleichzeitig distanzierten sich die US-Medien immer deutlicher von den Demonstranten und legten den Schwerpunkt ihrer Berichterstattung darauf, dass die Proteste in Gewalt umschlagen und die öffentliche Ordnung in Hongkong gefährden würden. 

Die Folgen dieser Wendung zeigten sich schnell: Wenige Stunden nach Trumps Tweets und den medial verbreiteten Bildern vermeintlicher Gewalttäter legten die Aktienkurse internationaler Großbanken, die in den Tagen zuvor stark nachgegeben und teilweise historische Tiefstände erreicht hatten, wieder zu. 

Kein Wunder: Investoren haben aus Sorge um die Entwicklung seit Jahresbeginn etwa 500 Milliarden Dollar aus Hongkong abgezogen, der Häusermarkt ist um mehr als 30 Prozent eingebrochen. Durch den neuen Kurs der US-Regierung kann die Finanzelite nun davon ausgehen, dass die Regierung Trump ab sofort alles dafür tun wird, ihr den nach New York und London drittwichtigsten Finanzplatz der Welt auch gegen den Widerstand der Bevölkerung und in Zusammenarbeit mit Widersacher China zu erhalten. 

Auch bei Chinas Führung dürfte Trumps neuer Kurs auf Wohlwollen stoßen. Die Regierung in Beijing ist ebenfalls an dem Erhalt des Finanz- und Handelsplatzes Hongkong interessiert, weil er bei der Errichtung der Neuen Seidenstraße und der Ausweitung ihrer Macht eine zentrale Rolle spielen soll.

Zwar ist Washington dieses Großprojekt ein Dorn im Auge, da es die Vormachtstellung der USA erheblich gefährdet, aber noch weniger gefällt beiden Seiten offenbar das Aufbegehren arbeitender Menschen, die nicht nur, wie häufig berichtet, gegen ein geplantes Gesetz, sondern vor allem gegen die Explosion der sozialen Ungleichheit protestieren und die zu Hunderttausenden (am Sonntag waren es 1,7 Millionen) gegen die weitere Verschlechterung ihres Lebensstandards auf die Straße gehen. 

Da ein Ende der Demonstrationen nicht abzusehen ist, ist eine Intervention der von China bereitgestellten Armeeeinheiten nicht mehr auszuschließen. Die Wendung der US-Regierung aber deutet an, dass sie sich einer gewaltsamen Niederschlagung der Proteste nicht mehr widersetzen, sondern den von Trump als „großen Führer“ bezeichneten Staatspräsidenten Xi sogar dabei unterstützten würde, die „Ruhe im Land“ wieder herzustellen.

Dass die US-Regierung auf diese Weise umschwenkt und einer von ihr selbst jahrelang geförderten Protestbewegung mit Unterstützung der Mainstream-Medien in den Rücken fällt, zeigt einmal mehr und in aller Deutlichkeit: Wenn ihre Interessen in Gefahr geraten, kann sich die globale Finanzelite voll und ganz auf die tatkräftige Unterstützung durch das Weiße Haus und die US-Medien verlassen.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Photoshop studio oneShutterstock

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9 Kommentare zu: “Tagesdosis 19.8.2019 – Hongkong: Die Finanzelite weist der Politik den Weg

  1. Demokratieindex:

    Das ist eine ausgesprochen pseudowissenschaftliche Erhebung, die im höchsten Maße suggestiven wie simplifizierenden wie spekulativen Fragen anheim fällt, die im Ergebnis lediglich den Charakter einer ‚Hot or Not‘-Challenge hat h ttps://de.wikipedia.org/wiki/Demokratieindex

    Durchführender ist eine englische Zeitung, die zu einer Investmentgruppe gehört, die wiederum der Familie Agnelli (Fiat/Italien) gehört. h ttps://de.wikipedia.org/wiki/Exor

    Hintergrund dieses vermeintlichen Demokratieindexes ist die Einstufung von Ländern in puncto Kreditwürdigkeit bzw. Investitionssicherheit.

    • Die Kernaussage kommt deutlich rüber. Und die stimmt unter dem Strich. Allei ´ Investitionssicherheit´müsste man ja hunderte von Seiten weise ausführen, um nur ein einigermaßen wissenschaftliches Niveau zu erreichen.

  2. Wobei es auch interessant waere wie sich die Bewertung des Demokratieindexes ergibt.
    Denn ein Land mit der Moeglichkeit zur direkten Demokratie (Schweiz) sollte hoeher bewertet werden als
    ein Land das dieses Moeglichkeit nicht bietet (Norwegen),sollte man meinen.
    Norwegen ist auf Platz 1 und die Schweiz auf Platz 2 von 167 ? Laendern.

  3. Für mich ein maximal effizienter Beitrag. Hatte mich damit noch nicht wirklich befasst, und seit das in Hongkong losging dazu immer nur ein paar nichtssagende Brocken im Mainstream aufgeschnappt. Ich konnte das überhaupt nicht einordnen, und hatte bisher auch keine Ahnung von einer Hongkonger Protestbewegung.
    Gut, dass ich mir die Zeit gespart habe, dieser Artikel liefert eigentlich alles Wissenswerte.

  4. Seit Henry Kissinger mit Onkel Zedong in den 60 Jahren gekuschelt hat ,
    wird China als Synthese aus Kapitalismus und Kommunismus von der Internationalen
    Finazelite fuer die Ein-Geld-Weltordnung 2.0 aufgebaut.

    Das jetzige US-Dollar-Leidwaehrungsystem ist wegen dem Triffin Dilemma
    (Die Leidwaehrungsfunktion vertraegt sich auf Dauer nicht mit der Funktion als nationale Waehrung)
    ein Auslaufmodell.
    Das gefaellt den patriotischen Eliten in USA und Grossbritannien (Commonwealth)
    so gar nicht.

    Aber die Federal Reserve Bank (FED)mit der Lei(d)waehrung gehoert den Internationalisten.

    Sie werden Trump als Patriot in eine Zwickmuehle gebracht haben ,damit er sich
    gegen die Demonstrationen positioniert.

    „Wer das Geld kontrolliert, der beherrscht die Welt! “
    -Henri Kissinger-

    • Yupp. Anbei, AIIB-Asian Infrastructure Investment Bank – Members and Prospective Members of the Bank:
      https://www.aiib.org/en/about-aiib/governance/members-of-bank/

      Und hier:

      Fünf erschossene Demonstranten im April 2016 in Bashkhali bei Chittagong. Ein weiterer getöteter Demonstrant im Februar 2017 an gleicher Stelle. Wieder hatte es Proteste gegeben, gegen ein von China finanziertes Kohlekraftwerk.

      Warum die Polizei gegen Anwohnerproteste tatkräftig unterstützt wird, zeigt, wer da Pekings Geschäftsinteressen durchsetzt: Selbst die konservative Bertelsmann Stiftung hat das wirtschaftlich aufstrebende Bangladesch zur Autokratie erklärt. Wohl auch wegen ihres besonderen Auslesesystems bei Wahlen.

      Obwohl die Opposition die Wahlen zwischen 2013 und 2017 boykottiert hat, kam es in dieser Zeit zu mehr als 1000 Toten politischer Gewalt und 53.000 Verletzten, weil sich vorwiegend Anhänger der Regierungspartei mit der Partei der Awami-Liga bekämpften. So ist garantiert, dass der Kandidat mit der besten Schlägertruppe vorort das Rennen macht.

      Später können diese Schlägertrupps Anwohner-Proteste gegen „Entwicklungs-Projekte“ niederknüppeln – dafür wird der gewählte lokale Kandidat der Awami Liga mit Aufträgen in Zusammenhang mit dem Projekt bedacht. Anschließend können die Schläger von der regierungstreuen Presse als Gegendemonstranten bezeichnet werden.
      Kohlekraftwerke „Öko“

      Ein weiteres chinesisches Kohlekraftwerk mit einer Leistung von 1320 Mw wird am Andharmanik Fluß im Patuakhali Distrikt gebaut, in dem zwei der großen Laichplätze des Hilsa liegen, des geschützten Nationalfisches des Landes.

      Da die Kohle für das Kraftwerk auch hier per Schiff transportiert wird, sind Verschmutzungen des Flusses vorprogrammiert, selbst ohne eines der häufigen Schiffsunglücke mit Kohlefrachtern. Ein Rundgang am Hafen in Gabtoli bei Dhaka zeigt, was Kohle schon vor der Verbrennung anrichtet: Im Umkreis von einem Quadratkilometer sind die Wege und das Ufer schwarz – der Fluss sowieso.
      (…)
      „Nicht anders als die westliche Konkurrenz“

      Die Weltbank ist Nepals größter Kreditgeber. Das chinesische Gegenstück zur Weltbank und dem Internationalen Währungsfond ist die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB). „Sie arbeitet nicht anders als die westliche Konkurrenz – nur drückt sich China gewählter aus“, sagt der Menschenrechtler Hasan Mehedi und fährt fort:

      Die chinesischen Verantwortlichen luden mich sogar nach Peking ein, wo ich meine Kritik gegen einige ihrer Projekte in Bangladesch vortragen durfte. Über eine Stunde nickten sie verständig und gelobten Besserung… nichts ist seitdem besser geworden. Zurzeit arbeite ich an einem Handbuch mit vielen Beispielen für den Umgang mit China, damit meine Kollegen wissen, dass sie sich nicht von den schönen Worten einlullen lassen dürfen. Unter dem Strich geht es auch Peking nur um Einfluss und darum, die Entwicklungsländer durch Kredite in die Schuldenabhängigkeit zu treiben.
      Hasan Mehedi

      Auch Pakistan hilft China mit Kohlekraftwerken auf die Sprünge. In Islamabad plant die Regierung die Stromgewinnung aus Kohle von unter Ein-Prozent auf über 50 Prozent zu steigern. Alleine aus der Wüste Thar sollen durch chinesische Firmen jedes Jahr 3,8 Millionen Tonnen abgebaut werden – die gesamten Kohlevorkommen in der Wüste Thar reichen aus, um die nächsten 100 Jahre jährlich 200.000 MW Strom zu produzieren.

      Doch die Kohleförderung ist sehr wasserintensiv und schon jetzt sind Grundwasserstöcke in der Nähe der Kohlegruben leer. In Anbetracht von Pakistans schweren Wasserproblemen fördert das den „Selbstmord auf Raten“ des Landes.

      Aus:
      China: Innen Hui, Außen Pfui
      15. Juni 2019 Gilbert Kolonko

      Ein Blick in die Nachbarländer Chinas zeigt: Für die Erde ist das „System China“ bisher nicht gesünder als der „freie Markt“ des Westens
      https://www.heise.de/tp/features/China-Innen-Hui-Aussen-Pfui-4442803.html?seite=all

      Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht!
      Amschel Meyer Rothschild
      (1744 – 1812), deutscher Adliger und Bankier

    • Ist die Synthese aus Kapitalismus und Kommunismus Faschismus?
      Was immer auch die Internationalisten sich unter Faschismus so vorstellen.
      Es wuerde mich nicht wundern,wenn es ihr Ideal waere.

    • Im Demokratieindex 2016 belegt die Volksrepublik China Platz 136 von 167 Ländern, womit es zu den autoritären Staatssystemen zählt
      (Quelle :Wikipedia)

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