Tagesdosis 19.9.2019 – maiLab is your Lab, Rezo erklärt wieso …

und Herbert Grönemeyer bleibt auch nur ein Mensch.

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Die Clickbaits Technik. Ehrlich? Ich gebe zu, ich gestehe. Die heutige Überschrift habe ich mir ein bisschen von Mai Thi Nguyen-Kim abgeguckt. Die ist eher jüngeren YouTube Zuschauern bekannt, als Betreiberin des Kanals maiLab – Ein Liebesbrief an die Wissenschaft. Sie ist dazu gerngesehene Aushilfskraft in den Sendungen “Quarks”, “Planet Wissen” und “Terra X Lesch & Co”, des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. 2018 gewann sie mit ihrem YouTube Channel den Grimme-Online Award (1).

Bevor ich jedoch versuche zu erläutern, möchte ich folgenden Satz zitieren. Er wird später hinsichtlich der heutigen Gedankendosis eine wichtige Rolle spielen. Bitte daher schon mal wirken lassen:

„Wir brauchen keine Gesinnungspolizei oder Meinungsüberwachung, sondern hoffentlich 80 Millionen verschiedene Köpfe und Wahrheiten“

Noch ein Geständnis. Ich maße mir an zuzugeben, den Klimawandel, die Klimaveränderungen nicht erläutern zu können. Dafür gibt es Fachleute, sogenannte Wissenschaftler. Generell hole ich mir bei komplexer Thematik gerne mehrere Meinungsbilder und Einschätzungen ab und bilde mir dann meine ganz eigene Meinung und damit kommen wir zum eigentlichen Thema.

Am Freitag kommt es zum kollektiven Klima-Demorausch in Deutschland, mit seinem Organisations-Höhepunkt in Berlin, federführend kommuniziert über die Fridays For Future Organisation. Die Fridays For Future Bewegung will nach eigenen Angaben den größten Klimastreik aller Zeiten auf die Beine stellen (2). Das Motto lautet: „Alle fürs Klima“. Diese Veranstaltung wird quer durch die Gesellschaft gefördert, durch entsprechende Medien und Institutionen, also über einen sehr breiten Konsens promotet. Soweit, so legitim.

Der etwas irritierende, inzwischen ansatzweise anstrengende Nebenaspekt, ist die fast schon aggressive Aufforderung diesem Highlight der Demo-Saison beiwohnen – zu müssen. Wer nicht hingeht, Schule oder Arbeit nicht schwänzt; Lehrer, Direktor oder Arbeitgeber nicht argumentativ für die Sache überzeugt, hat schlicht die Zeichen der Zeit vermeintlich noch nicht erkannt, weil – #AlleFürsKlima (3)

Erkannt hat dies Mai Thi, also maiLab. Das aktuelle Video trägt daher den Namen: Klimawandel: Das ist jetzt zu tun! (feat. Rezo) (4). Die Zuschauer ersehen sofort – jetzt, nicht morgen oder nächstes Jahr. Dann noch das Ausrufezeichen und der Clickbait-Trick feat.Rezo (ganze sieben Sekunden von 26 Minuten). Schon geht es nach fünf Tagen auf die 600.000 Klicks zu, potentielle Klimawandel-Versteher und Demobesucher.

Bleiben wir noch kurz in Berlin. Die Berliner Zeitung meldete gestern, Zitat: Klimastreik. Berliner Schüler bekommen für Groß-Demo kein schulfrei – heftige Kritik (5). Dezente Gegenfrage, warum sollte die Senatsverwaltung den Schülern frei geben? Dies beantwortet die Mitorganisatorin von Fridays For Future, Zitat: „Das ist eine Art Green Washing“, so (Franziska) Wessel. Green Washing beschreibt den Versuch von Unternehmen, sich selbst ein umweltfreundliches Image zu geben, ohne dass sie sich tatsächlich für Umweltschutz engagieren. „Die Berliner Politik sollte bei sich anfangen und endlich aktiv werden.“(5). In einem späteren Satz weiß sie aber, Zitat: Wessel bestätigt, dass die Probleme gar nicht so groß seien, „weil der öffentliche Druck besteht, weil die Menschen hinter uns stehen, weil sie sehen, dass wir es ernst meinen.“(5).

Druck ist schon mal schwierig, ist generell nicht gut, speziell für junge Menschen. In der Berliner Zeitung findet sich am 17.09 ein Artikel. Der Artikel handelt über Zwang, wie aus einer Begeisterung langsam Nötigung wird, Zitat: Klimastreik mit aller Macht. Schüler unter Druck – wer nicht mitmacht, hat ein Problem. Es ist die Geschichte eines Schülers, der am kommenden Freitag lieber zum Klavierunterricht gehen möchte und daher seine Lehrerin fragt, ob man an dem Klimastreik eigentlich teilnehmen müsse. Die beeindruckende Antwort, Zitat: „Wenn Dir Deine Zukunft egal ist, dann brauchst Du natürlich nicht hinzugehen“ (6).

Wer baut diesen Druck auf, der vermeintlich alle, zumindest viele Menschen dieses Landes im Anliegen vereint? Etwaig die Kinder und Eltern, generell die Bürger langsam überfordert: Im Bündnis Alle fürs Klima engagieren sich inzwischen neben Jugendlichen auch Umwelt-, Wohlfahrts-, Kultur- und Entwicklungsverbände, Kirchen, Klimaschutz-Initiativen, Vereine und soziale Bewegungen. Auch Unternehmen und Gewerkschaften mobilisieren zur Teilnahme. Die Gewerkschaft Verdi beispielsweise hat ihre zwei Millionen Mitglieder aufgerufen, sich den „Fridays for Future“-Protesten anzuschließen (7). Fehlen darf natürlich auch nicht die annähernd komplette Parteienlandschaft des Landes.

Skurril, nicht wahr, weil mit etwas Abstand betrachtet, sind das größtenteils alles Institutionen und Organisationen, die es nicht erst seit dem letztem Jahr gibt. In gewisser Hinsicht Menschen, die schon mitverantwortlich sind für die jahrzehntelange Missachtung, Ausbeutung und Schändung unserer Umwelt. Zumindest aber die Entwicklungen hingenommen, also stillschweigend über sehr lange Zeiträume geduldet haben. Oder egal war?

Es gibt aber auch neuere Koalitionen, z.b. die „Entrepreneurs for Future“, eine Unternehmer-Initiative. Mehr als 2800 Unternehmen haben unterschrieben, darunter größere Firmen wie der Entsorgungskonzern Remondis, aber auch Start-ups und viele Freiberufler (8). Auch mehr als 100 Digitalunternehmer rufen als „Leaders for Climate Action“ zum Streik am 20. September auf, darunter u.a. Zalando. Da wird es dann wieder skurril. Zalando also, mit seinem Verpackungs-und Logistik Irrsinn.

Ist das den jungen DemonstrantInnen vielleicht nicht bekannt, wirklich so bewußt oder ist es ihnen egal, nach dem Motto – Jetzt, also sofort, packen wir das. Alle? Woher kommt diese Gewissheit, das Selbstbewusstsein, wir werden die Zu- und Umstände natürlich ändern, mit diesen Unterstützern und Verstehern?

Bewusstsein zu entwickeln, zu lernen ist etwas hervorragendes. Die Frage jedoch, worüber, durch wen die Erkenntnis zustande kommt, ist die elementare Frage. Hierbei geht es um Macht und Interessen im Hintergrund. Diese werden dann entsprechend vermarktet, offeriert und der Zielgruppe vermittelt und verkauft, zum Beispiel über zwei Influencer namens maiLab und Rezo. Ja, Klimawandel, schwerer Atmer, so beginnt das Video. maiLab weiß, dass es einen Plan gibt, einen wirklich guten Plan, einen wissenschaftlichen Plan. Dafür gibt es einen Fake-Stempel mit der Aufschrift: Scientifically Approved und den Hinweis an die Politiker – den müsst ihr euch anhören. Und dann der Zusatz, nicht nur die, sondern – auch jeder einzelne von euch, also die jungen Zuschauer.

Ich werde diesen Masterplan nicht darlegen, sondern das Problem. Für maiLab, Rezo, Greta, Luisa Neubauer, Yoko Winterscheidt (9) und alle anderen Gesichter und Sprecher der Bewegung gibt es eben nur einen Masterplan. Die Gegenfrage – ist dem so?, wird nicht geduldet. Diese Gegenfrage wird schlicht nicht akzeptiert, sondern entsprechend der Alternativ-Empörung variabel als Blödsinn, Schwachsinn oder Lügen bezeichnet.

Im Video stellt maiLab dann die entscheidende Frage: Was kann ich als Einzelperson gegen den Klimawandel tun? Sie nennt zwei sehr wichtige Dinge, sie fordert:

  • 1. Zitat: Hört auf mit Scheinargumenten. Die Klimadebatte sei nämlich verpestet durch Scheinargumente. Diese dienen nur der Ablenkung von den eigentlichen Problemen und werden, Zitat: oft von Leuten, denen das Klima egal ist oder die die Wissenschaft verweigern, ganz bewußt eingesetzt, um abzulenken… Als Bonmot für die Gegenargumentation lernen die jungen Zuschauer – ein Scheinargument kann man auch argumentum ad hominem nennen. Sollte ihnen also die Tage von jungen Menschen – du und deine Scheiß argumentum ad hominem entgegengeworfen werden; gelernt auf YouTube, nicht in der Schule.
  • 2. Zitat: An die Öffentlichkeit gehen. Es gäbe nämlich immer mehr Menschen die zeigen, dass ihnen Nachhaltigkeit und Umweltschutz sehr wichtig sind. Das sehe man z.B. so maiLab, an Influencern, die das vorleben oder an Leuten, die mit der Fridays-For-Future Bewegung auf die Straße gehen. Und diese Kombination, sei, Zitat: verdammt einflussreich (10).

Zusammenfassend, so einfach – vorlebende Influencer und Fridays-For-Future Teilnehmer, ohne argumentum ad hominem, haben einen scientifically approved Masterplan, der jetzt nur noch über die Straße, also über die wissenden Jugendlichen und den bekehrten Erwachsenen, den Politikern vor den Latz geknallt, also mit Nachdruck vermittelt werden muss. Die sind nämlich Schuld am ganzen Dilemma. Dies erreicht man z.B. am Freitag bundesweit auf der Straße #AlleFürsKlima oder wie es sich Luisa Neubauer von Fridays-For-Future vorstellt, denn Zitat:

Luisa Neubauer hält Flughafenblockaden für legitim…Die „Fridays for Future“-Aktivistin versteht außerdem gut, das System des gewinnbasierten Wirtschaftens infrage zu stellen (…) die Hauptorganisatorinnen der „Fridays for Future“-Demonstrationen, finden es vertretbar, Brücken oder Flughäfen lahmzulegen, um den Forderungen von Klimaschützern Nachdruck zu verleihen (11). Sicherlich würden zukünftig solche Aktionen, hinsichtlich des prallen Terminkalenders von Frau Neubauer, entsprechend mit ihr abgesprochen.

Ja, ziviler Ungehorsam ist in diesen Zeiten durchaus angebracht, sollte sogar öfters in Erscheinung treten. Bindet man jedoch Teile der Gesellschaft durch angekündigte Aktionen, wie für den kommenden Freitag?, z.B. seitens Extinction Rebellion, Zitat: Während der Demonstrationen für mehr Klimaschutz an diesem Freitag will die Umweltbewegung Extinction Rebellion strategisch wichtige Punkte in der Hauptstadt Berlin blockieren (12).

Wer ist der Leidtragende, wer soll durch solche Aktionen aufgerüttelt werden? Der gestresste Normalbürger, ob Fahrer, Lieferant, der Berufstätige? Das kann schnell geklärt werden, Zitat: «Die Teilnahme am Generalstreik mag für manche Menschen persönliche Konsequenzen haben. Aber nichts gegen die Klimakrise zu unternehmen, hat definitiv fatale Konsequenzen», sagte Carola Rackete, Sea-Watch-Kapitänin und Aktivistin bei Extinction Rebellion. Schon jetzt litten Menschen in der ganzen Welt an der Klimakrise, wie an der Hitze in Indien oder Hurrikans wie Dorian (12). Noch Fragen, Herr und Frau Normalbürger? Action ist angesagt, nicht der Alltags-Routinetunnel.

Dieser künstliche Druck, wird irgendwann nach hinten losgehen. Es gipfelt in Bevormundung und nicht im solidarischen Kampf, gegen die wahren Gegner. Gibt es in Berlin nicht genug Möglichkeiten genau diese Gegner zu blockieren und nicht Bürger zu gängeln, zu nötigen, nur des Aktionismus wegen? Wie vermittelt sich Ignoranz und vermeintliche politische Unmündigkeit, als die gängige Gesellschaftsordnung der Gegenwart?

Wenn, wie aktuell, mehrheitlich jüngere Demonstranten einer Gruppierung SandImGetriebe, Familien, Väter und Söhne, schlicht Interessierte, den Zugang zur IAA blockieren und höhnisch – Ihr könnt nachhause gehen (13) – anstimmen; dies über Twitter zudem feiern mit dem Satz: Brecht die Macht der Autokonzerne – der Haupteingang ist dicht (14), wird diese Aktion nur ein Ergebnis erreichen. Die böse Automobilindustrie wird müde lächeln und mit Sicherheit werden Großteile der Bevölkerung nur geringe Sympathien mit dieser jungen Protestbewegung entwickeln.

Was viele stört, ist die Tendenz zum Meinungsdiktat. Individuelle Sichtweisen werden zunehmend nicht geduldet und massiv angegangen. Ausgewogene Diskussionen scheinen unmöglich. Der Irrsinn, jeder normal denkende Bürger sieht doch die Probleme der Gegenwart, hat auch ein Interesse diese zu ändern. Die nun aktuell sich forcierende Verbal-Brechstange aus dem sog. Links-grünem bürgerlichen Milieu, konservativ bis in die Fingerspitzen, aber notfalls ein – und untergehakt mit dem Lager der NoNations-NoBorders-Antifa-WirWollenDasSo-Fraktion bündelt und zündelt an einer atmosphärischen Gemengelage, die diesem Land nicht gut tut.

Kommen wir zum eigentlichen Aufreger der Woche. Herbert Grönemeyers Antifa-Minutes-Of-Fame in Wien. Der entscheidende Satz lautet, Zitat: …an uns liegt es, zu diktieren, wie diese Gesellschaft auszusehen hat“. Da ist es, das Meinungsdiktat – radikal, unflexibel, unverrückbar. Gab es da nicht den berühmten Ausspruch des Philosophen Max Horkheimer aus dem Jahre 1939? „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.

Rückblick, Deutschland im November 2015. Ein Mensch, ein Künstler hat einen differenzierten Blick auf die gesellschaftliche Stimmung und entsprechenden Themen. Er stellt Fragen, die nicht gehört werden wollen. Er hört denen zu, die nicht gehört werden wollen. Er formuliert Sätze, die nicht geduldet werden.

Er heißt Xavier Naidoo, der Vorwurf, Zitat: In den vergangenen Jahren hatte er jedoch mehrfach Diskussionen ausgelöst – etwa als er am Tag der Deutschen Einheit 2014 vor Rechtspopulisten namens „Reichsbürgern“ sprach(…).

Naidoo konnte sich glücklich schätzen. Er hatte prominente Verteidiger. Einer dieser Verteidiger formulierte „empört“ folgende Sätze, Zitat: „Was jetzt auf seinem Rücken für ein absurdes Theater abgefertigt wird, ist unverständlich.“ Dann folgte folgender Satz, Zitat: „Wir brauchen keine Gesinnungspolizei oder Meinungsüberwachung, sondern hoffentlich 80 Millionen verschiedene Köpfe und Wahrheiten“

Dieser klar denkende Verteidiger hieß – Herbert Grönemeyer (15). Grönemeyer wird persönliche Gründe haben, vier Jahre später sich so zu präsentieren, wie jüngst in Wien. Die Forderung an individuelle Köpfe und Wahrheiten möchte wir ihm aber zugute halten und ihn und seine begeisterten Sympathisanten gerne daran erinnern.

Nur gemeinsam werden wir Lösungsmodelle für Gegenwart und Zukunft finden, nicht jedoch über das Diktat einzelner, gipfelnd in gesellschaftlichen Meinungsdiktaturen.

Quellen:

  1. https://www.grimme-online-award.de/archiv/2018/preistraeger/p/d/mailab-1/
  2. https://www.berliner-zeitung.de/wissen/klimawandel/klimastreik-in-berlin-firmen-ermutigen-mitarbeiter-zur-demo—schulfrei-gibt-es-nicht-33161246
  3. https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/
  4. https://www.youtube.com/watch?time_continue=53&v=4K2Pm82lBi8
  5. https://www.berliner-zeitung.de/wissen/klimawandel/klimastreik-berliner-schueler-bekommen-fuer-gross-demo-kein-schulfrei—heftige-kritik-33172410
  6. https://www.berliner-zeitung.de/politik/meinung/klimastreik-mit-aller-macht-schueler-unter-druck—wer-nicht-mitmacht–hat-ein-problem-33178602
  7. https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2019/09/klimastreik-weltklimastreik-20-september-berlin-brandenburg-fridays-for-future.html
  8. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/entrepreneurs-for-future-unternehmen-unterstuetzen-die-klimaaktivisten/25014364.html
  9. https://twitter.com/campact/status/1174244255583408129
  10. https://www.youtube.com/watch?time_continue=53&v=4K2Pm82lBi8
  11. https://www.welt.de/politik/deutschland/article200502934/Extinction-Rebellion-Luisa-Neubauer-haelt-Flughafenblockaden-fuer-legitim.html?wtrid=socialmedia.socialflow….socialflow_twitter
  12. https://www.welt.de/regionales/berlin/article200370962/Klimaprotest-Extinction-Rebellion-plant-Blockaden-in-Berlin.html
  13. https://twitter.com/sascha_p/status/1173195340020879360
  14. https://twitter.com/Sand_imGetriebe/status/1173129456074051586
  15. https://www.welt.de/vermischtes/article149245086/Absurdes-Theater-Groenemeyer-verteidigt-Naidoo.html

Bildhinweis:  Screenshot YT 19.09.2019 maiLab

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25 Kommentare zu: “Tagesdosis 19.9.2019 – maiLab is your Lab, Rezo erklärt wieso …

  1. Was hat denn dieser B. Loyen für ein Problem?
    Der "mündige" Bürger dürfe nicht "gezwungen" werden, in seinem eigenen Interesse zivilen Ungehorsam zu begehen, wenn er nunmal lieber seiner marktkonformen Konditionierung folgen will?
    Demonstrationen dürfen nur da stattfinden, wo sie den Pendelverkehr der willigen Sklaven des Systems nicht behindern?
    Wie krank ist das denn?
    Pseudo-"Demokratie" erlaubt eben folgenlose "Proteste" als Alibi, weil sie folgenlos bleiben: ohne den begleitenden (in Deutschland "verbotenen") Generalstreik wäre die 68er-Bewegung in Frankreich noch grandioser gescheitert, als eh schon und als die in Deutschland, und ohne die Flughafen-Blockade wäre die Honkonger "Regenschirm"-Bewegung (woher auch immer sie stammt) bedeutungslos…
    Was nützt "Meinungsfreiheit", wenn sie praktisch nichts bewirkt? Und bewirken tut sie nur etwas, wenn sie Sand ins Getriebe streut, sei es per Generalstreik oder auch nur durch Störung der Pendlerströme oder Bereicherung der Glaser-Innung an ein paar "Allianz"-versicherten Bank-Filialen-Scheiben…
    Daß das "autonome" Individuum sich per se Massenbewegungen verweigern soll, ist da wenig konstruktiv, sondern eher "neo-liberal" antirevolutionär und zum Kotzen: es drückt bestenfalls eine allgemein zögernde "intellektuelle" Haltung aus, die zu nichts führt: leicht kann man in Rußland oder China "Meinungsfreiheit" nach "westlichen Maßstäben" einfordern, wenn man sie hier längst unter Kontrolle hat und mit medialer Macht jeden Unterschied zwischen "Lechz" und "Rinks" verwischt, wie es R. Lenz in diesem Portal mit seinem überlangen und verwirrten Kommentar zu einer PR-Aktion des eigentlich völlig unpolitisch und belanglos rum-nasalisierenden H. Grönemeyer getan hat, den einige Konsumenten auch noch toll fanden…

  2. Mein Gott, ich fass es noch weniger:
    In einem weiteren "Durchhalteartikel" zum aktuellen Klimakrieg auf "Spektrum. de"……….

    https://www.spektrum.de/wissen/die-gaengigsten-mythen-zum-klimawandel/1674472

    ……….. wird im Schlussabsatz ganz offen zugegeben dass sehr wahrscheinlich auch die maximalsten CO2 – Einsparungsmaßnahmen innerghalb der Bundesrepublik Deutschlands ( wenn nicht gar Europas bzw, aller Industrienationen) an der gobalen ( ! ) Situation bezüglich aller Klimarelevanten Gase fast überhaupt nichts verändern würden.

    Man müsse aber trotzdem (aus rein politpropagandistischen Gründen) dafür sein , denn sonst würde der Rest der Welt eventuell überhaupt nichts unternehmen und es käme wegen des globalen Nichtstuns zum Klimakollaps. Wenn man aber realisiert. dass dieser "Rest der Welt" überwiegend durch den Ausstoß von Methan zur (angeblichen oder tatsächlichen) Erwärmung beiträgt, dann bedeutet das :
    Man gibt zumindest indirekt zu, dass es sein könnte, dass (sehr) viel weniger das CO2, sonder wohl weit überwiegend die anderen "Klimagase " wie z.B. Methan oder Wasserdampfbzw Wolkenbildung usw. die viel wichtigeren Einflussfaktoren bezüglich des Klimas sein könnten.

    Wir planen also in Deutschland umfangreiche Infrastruktumaßnahmen unter Aufbringung erhebliche öffentlicher und privatinvestiver Mittel einzig und allein zur Erzielung eine Propagandaeffektes auf "den Rest der Welt" bzw. um "die Anderen" zu bringen, auch bzw. selbst etwas "gegen das Klima " zu tun ?

    Ich verzichte jetzt der Kürze halber darauf, auf die weiteren (eher naturwissenschaftlichen) "Argumentationspunkte" des oben verlinkten Spektrum- Artikels einzugehen. Jeder wäre eines weiteren kritischen Kommentars würdig.

  3. Zu all dem im Artikel goldrichtig Kritisierten passen zwei Artikel im populärwissenschaftlichen Portal "Spektrum.de":

    1. https://www.spektrum.de/news/sollten-wissenschaftler-fuers-klima-protestieren/1674400

    Ich überlege gerade , ob im ersten Absatz meines Zitats unten jemand versucht , die Zahnspangenrevolutionäre zu einer Art von ökologischem "Dreißigjahresplan- Stalinismus" aufzuwiegeln.
    Denn Demokratie sei zwar irgendwie schon eine gute Sache ( allerdings wohl nur wenn da Politik so läuft, wei ers sich das wünscht ?) , aber er vermutet hier auch öffentlich , dass man zur Durchsetzung des höheren Zieles der Klimarevolution wohl ( weil es nun mal kaum anders geht) zumindest zeitweilig bzw. bis zur Erfüllung seines klimatischen 30- Jahres -Planes die Demokratie hintanstellen bzw. außer Kraft setzen müsse.

    Mein lieber Mann, ich fass es kaum:
    Für solche Sätze hat man im Baden- Würrtemberg der 1970er Jahre Lehrerstudenten und Eisenbahn- Beamtenanwärter lebenslang die Verbeamtung verweigert ! Manche von denen prozessieren bis heute dagegen. Ohne Erfolg.
    Und heute erheben Leute Verfassungsbeschwerden , die Jugendliche auf die Idee bringen, dass man eventuell zur Erreichung der Klimaziele die Demokratie einschränken oder abschaffen müsse.

    Ich überlege nun , ob ich als Beamtenpensionist (gesetzlich) dazu verpflichtet bin , solche Leute als zumindest potentielle Verfassungsfeinde bei den zuständigen Behörden zu melden. Denn ich hab mal schwören müssen, mich zeitlebens und jederzeit für die "demokratischen Grundwerte" einzusetzen.

    Und ob der Herr Hans von Storch (vom letzten Absatz des Zitats) gerade (z. B. in Heidelberg) große Chancen bezüglich einer (Fest-) Anstellung im akademischen Bereich hätte, bezeifle ich.

    EinTextauszug aus dem verlinkten Spektrum- Artikel:

    "…….Zeit für eine Revolution also? »Demokratie ist eine gute Sache«, sagt Quaschning. Sie habe starke Selbsterhaltungskräfte und könne radikale Veränderungen abfedern. Ob sie jedoch in der Lage sei, adäquat auf die Klimakrise zu reagieren, wisse er nicht. Der mitteilsame Energiesystem-Professor hat sich fürs Erste entschlossen, auf die bestehenden Gesetze und Verträge zu dringen. Gemeinsam mit weiteren Einzelpersonen und Verbänden hat er im November 2018 eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Sie richtet sich gegen das Unterlassen geeigneter gesetzlicher Vorschriften und Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels durch die Bundesrepublik Deutschland…."

    "…
    Kritiker der Klimaproteste:

    Wer mit mehreren Scientists-for-Future-Anhängern redet, kann leicht vergessen, dass es auch innerhalb der Wissenschaft abweichende Stimmen gibt. Längst nicht alle werden am Freitag fürs Klima demonstrieren. Hans von Storch wird es sicher nicht tun, das weiß er schon im Vorfeld. »Den meisten geht es doch darum, zu zelebrieren: Ich bin besser als mein Nachbar«, sagt der Klimaforscher vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht.

    Grundsätzlich kann von Storch den Wunsch nachvollziehen, als Bürger aktiv zu werden und etwa an einer Demonstration teilzunehmen. Schwierig wird es seiner Meinung nach, wenn sich seine Kollegen als Forscher präsentieren und den Klimaschutz als wichtigste Aufgabe darstellen. »Wissenschaftler sind nicht per se schlauer als Handwerker oder Frisöre«, findet er. »Sie haben in ihrem Fachgebiet Ahnung, doch das ist nur ein winziger Ausschnitt dessen, was die Gesellschaft ausmacht.«
    (Zitatende Spektrum -Artikel)

  4. RHYTHMUS
    „Alles fließt, aus und ein; alles hat seine Gezeiten; alles hebt sich und fällt; der Schwung des Pendels äußert sich in allem; der Ausschlag des Pendels nach rechts ist das Maß für den Ausschlag nach links; Rhythmus gleicht aus.“ Das Kybalion

    Die naechste faschistische Bewegung kommt als Chlorphyll- und Anti-faschistisch daher.
    Der naechste Angriffskrieg als Friedensmission .

    Wirst Du gelebt oder l(i)ebst Du schon?
    Noch Fragen?
    https://youtu.be/vofvDLm4v5o

  5. Das Einzige das real und schnell und zuverlässig helfen würde, wäre ein drastischer Konsumverzicht, sonst nichts.
    Eine CO2-Bepreisung, die den Konsum selbst nicht reduziert, nützt dem Umweltschutz gar nichts.
    Aber an den Konsumverzicht wollen ja die Wirtschaftswachstums-Apologeten nicht ran.
    Weil
    a) natürlich dann kein Wirtschaftswachstum möglich und somit eine Profit-/Dividenden-Minus entstünde und
    b) weil das gesamte Sozialsystem, das ja in hohem Maße auf den wirtschaftlichen Beiträgen beruht, nicht mehr finanzierbar wäre. Und nicht zuletzt
    c) weil Konsumverzicht die Autarkie erhöhen würde, was für jede 'Dollar'-Despotie (wahlweise andere Währung einsetzen) von erheblichem Nachteil wäre.

    Das Video von MaiLab ist pure Volksverdummung und unverschämte Augenwischerei.

    Das 'Diktieren' von vorgeblichem Klimaschutzverhalten krankt bereits an der Legitimierung des Anspruchs und stirbt letztlich an argumentativer Ver(bl)ödung.
    Wer noch nicht mal die bescheidene Komplexität eines Berliner Flughafens oder das Retten von Grundwasserreservoiren gemanagt bekommt, der sollte erst mal seine Kompetenzen vervollständigen, bevor er mit dem Megaphon anderen die Ohren zutrötet mit agitatorischer Lärmerpressung.

    • Moin, Birkat Kohanim,
      "Das Einzige das real und schnell und zuverlässig helfen würde, wäre ein drastischer Konsumverzicht, sonst nichts."
      Damit gehen Sie leider den Herrschenden voll auf den Leim. Aus keinem anderen Grunde wurde und wird die "Klimakatastrophe" herbeigelogen!
      Damit will man uns zum Verzicht drängen: Beispielsweise keine französische Kueche, keine italienischen Pizzen, sondern stattdessen den USA-Frass von Mcdonalds oder anderen Ketten.
      Das einzige, was wirklich nachhaltig hilft ist eine Reduzierung der Menschen auf dem Globus.

      Fuer eine Geburtenreduzierung/Kontrolle.

      mfG

    • Nun, ich denke, ich gehe da niemandem auf den Leim, weil Konsumverzicht bei mir bedeutet, dass man auf ca. 80% des aktuellen Standards verzichten müsste, das schließt McDonalds GANZ SICHER mit ein 😉

      Das Bevölkerungsproblem ist zweifellos eines der größten, aber kein Lösungsansatz, da selbst ein sofortiger globaler Geburtenstopp frühestens in ca. 30 Jahren eine maßgebliche Reduzierung zur Folge hätte.
      Aber selbst gesetzt den Fall, es gäbe die Möglichkeit sofort 1/3 der Weltbevölkerung fort zu beamen, bliebe der Fakt, dass der Konsum wächst und die Einsparung an Menschen durch Erhöhung des Konsumanspruches global kompensiert würde.
      Für den Umweltschutz also eine Nullnummer insofern als die verfügbaren Zeiträume nicht ausreichen.
      Je nachdem, welche Zielgröße man da favorisierte, wären es mehrere Generationen also mindestens 100 Jahre.
      Die Ein-Kind-Politik hat China z.B. auch nicht schrumpfen lassen sondern nur langsamer wachsen lassen.
      Da ein radikaler Geburtenstopp global weder machbar noch sinnvoll wäre, bleibt es also beim Bevölkerungswachstum.
      Das Durchsetzen von etwaigen Privilegierungen (nur ausgesuchte Paare dürfen überhaupt Kinder bekommen) ist sozial und de facto unmöglich.
      Also: die Bevölkerung bleibt mindestens auf dem status quo und infolge davon lässt sich nichts ändern, durch welche Form von Reglementierung auch immer.

    • Nachtrag @ Hog1951:

      Pro Tag sterben weltweit 150.000 Menschen.
      Macht im Jahr ca. 55 Millionen.
      Macht nach 30 Jahren ca. 1,65 Milliarden.
      Es verbleiben dann (bei einem totalen Geburtsstopp global) immer noch 6 Milliarden Menschen.
      Noch Fragen?

    • Nachtrag 2 @ Hog 1951

      Die Zahl von 6 Milliarden hatten wir 1999 erreicht.
      Also selbst mit einer totalen Geburtenkontrolle von 0 Neugeburten haben wir nach 30 Jahren gerademal den Verbrauchsstatus von 1999 erreicht.
      Das ist für die Umwelt keinerlei Gewinn.

    • "Aber an den Konsumverzicht wollen ja die Wirtschaftswachstums-Apologeten nicht ran."

      Die provisorische Utopie Chinas:

      Alberto Moravia, Die Kulturrevolution in China, Rowohlt 1972

      Einleitung

      B: Du warst in China.
      B: Ja, ich war in China.
      B: Was hat dich in China am stärksten beeindruckt?
      A: Die Armut.
      B: Die Chinesen sind also arm
      A: Nach dem westlichen Begriff vom Wohlstand sind sie sehr arm.
      B: Was hat ihre Armut in dir ausgelöst?
      A: Erleichterung.
      B: Wieso? Soviel ich weiß, bedeutet Armut Herabwürdigung. Du dagegen hast dich erleichtert gefühlt. Wie ist das möglich?
      A: ich habe es so empfunden. Dessen bin ich sicher. Diese Gefühle trügen nicht. Ich habe das während meines ganzen Aufenthalts in China gefühlt….
      B: Im Westen löst Armut keine Erleichterung aus. Im Gegenteil. Sie bedrückt, und man lehnt sich dagegen auf. Nimm zum Beispiel die Neger in Amerika, die ihre Ghettos anzünden.
      A: in den Vereinigten Staaten gibt es Arme und Reiche. Die Armen sind arm, weil es Reiche gibt; und die Reichen sind reich, weil es Arme gibt. In China aber gibt es nur Arme.
      B: Ich verstehe: In China sind alle arm. Das hätte ich mir denken können.
      A: Ja, alle. Aber es ist nicht richtig, sie arm zu nennen. Man müßte es anders ausdrücken.
      B: Wie denn?
      A: ich weiß es nicht. Es gibt noch keine Wort, das einen Armen an und für sich bezeichnet, ohne Vergleich mit dem Reichen.
      B: Worin besteht also die chinesische Armut?
      A: ich würde sagen, daß es eine Armut ohne Reichtum, oder genauer betrachtet, der normale Zustand des Menschen ist.
      B: Erkläre das etwas deutlicher.
      A: Das ist doch ganz einfach. Der Mensch kommt ohne alles auf die Wetl, nackt wie die Tiere im Wald. Wenn er geboren wird, ist der Mensch noch kein Mensch. Um Mensch zu werden, muß er sich mit den Dingen versehen, die aus ihm einen Menschen machen. Anders gesagt, mit dem Nötigen, das den Menschen vom Tier unterscheidet. Und das nur, weil der Mensch fast in allem ein Tier geblieben ist – weshalb man sich oft fragt, ob es der Mühe wert war, daß er Mensch wurde. Aber so ist es nun einmal: der Mensch wollte Mensch werden. Das Notwendige, um Mensch zu werden, bleibt innerhalb der Grenzen der Armut: nicht mehr, nicht weniger. Jenseits dieser Grenze beginnt der Reichtum, das heißt das Überflüssige. Aber die Armut ist der normale Zustand des Menschen, denn durch den Reichtum, der Überfluß ist, wird er nicht menschlicher als durch die Armut.
      B: Reich sein wäre also deiner Meinung nach eine unnatürliche Lebensbedingung für den Menschen?
      A: Unnatürlich und deshalb unmenschlich.
      B: Worin besteht diese Unmenschlichkeit?
      A: Sie besteht darin, daß sie allem Überflüssigen eine wichtige Funktion zuschreibt.
      B: Und hat das Überflüssige keine solche Funktion?
      A: Offensichtlich nicht. Sonst wäre es nicht überflüssig.
      B: Sag mir, wann überschreitet der Mensch die Grenze vom Notwendigen zum Überflüssigen und deshalb Unmenschlichen?
      A: Kehren wir nach China zurück. Nach dem zu urteilen, was man auf den Straßen sieht, haben die Chinesen das Notwendigste, aber nicht das Überflüssige, wenigstens bis jetzt nicht. Sie sind arm, das habe ich bereits gesagt; aber niemand könnte daran zweifeln, daß sie sich in einem ganz und gar menschlichen Zustand befinden, das heißt, es fehlt ihrem Menschsein nichts, was erst durch den Reichtum, den Überfluß erworben werden könnte. Vor dreißig Jahren war ich schon einmal in China. Damals gab es arme Chinesen, die nur das Notwendigste hatten, und reiche Chinesen, die im Überfluß lebten. Die ersten waren herabgewürdigt, die zweiten unmenschlich. Seitdem die Reichen mit ihrem Überfluß verschwunden sind, sind die Armen sofort wieder menschlich geworden, obwohl sie auch heute nur das Notwendigste besitzen.
      B: Und doch hat die Fülle etwas Festliches, Frohes, Lebendiges. Dein Notwendiges mag menschlich sein, das bestreite ich nicht, aber es ist trist.
      A: In der modernen Welt gibt es keine Fülle; es gibt Produktion, die weder festlich noch froh noch lebendig ist.
      B: Wo liegt der Unterschied zwischen Fülle und Produktion?
      A: Fülle ist ein Geschenk der Natur. Sie kostet weder Mühe noch Geld noch Zeit. Sie dient nicht dem Verbrauch, sondern der Phantasie. Die Produktion dagegen kostet Mühe, Zeit und Geld, und deshalb ist sie niemals Fülle. Sie ist ein Ablauf, das heißt, sie besteht in der Vervielfältigung eines einzelnen Produkts mit dem Ziel größeren Verbrauchs.
      B: Das mag sein. Du wirst aber zugeben müssen, daß die Chinesen auch protestieren könnten, wenn ich zu ihnen ginge, um ihnen zu sagen, daß die Armut der normale Zustand des Menschen sei. Wahrscheinlich möchte die Mehrheit der Chinesen weniger arm, oder – mit den Mitteln und in den Grenzen des Kommunismus – sogar reich sein.
      A: Vielleicht hast du recht. Ich aber spreche von China, wie es heute ist, und setze dabei voraus – was sicherlich gewagt sein mag -, daß es sich nicht ändern wird. Mit anderen Worten: China ist für mich eine verwirklichte Utopie, vielleicht ungewollt, vielleicht zufällig, das ist nicht wichtig. Sie ist verwirklicht, und ich nehme sie als Beispiel für meine Überlegungen. In der Folge wird sich vielleicht auch China in ein Land wie alle anderen verwandeln (eingeschlossen die kommunistischen Länder, deren Vorbild die Sowjetunion ist, und in denen es Arme gibt, weil es Reiche gibt, und umgekehrt.) Bis jetzt aber ist China ein armes Land ohne Reiche, ein Land, in dem die Armut normal ist.
      B: Nun gut. Produktion und Verbrauch über das Notwendige hinaus sind also unmenschlich. Aber wer entscheidet darüber, was der Mensch braucht und was nicht?
      A: Der Mensch selbst oder der Gemeinsinn.
      B: Es gab geschichtliche Epochen, in denen man, um ein Mensch zu sein, vor allem besitzen mußte und das Überflüssige zur Schau trug. Die Renaissance beispielsweise. Was sagst du dazu?
      A: Ich sage, geschichtliche Epochen interessieren mich nicht, wie mich die Geschichte, ganz allgemein, nicht interessiert. Das, was mich interessiert, ist die Gegenwart.
      B: Sprechen wir also von der Gegenwart. Ich wiederhole: Wer entscheidet darüber, wo das Notwendige oder das Menschliche und Normale aufhört und das Überflüssige oder Unmenschliche und Anomale beginnt?
      A: Ich sage es doch: der Gemeinsinn.
      B: Du setzt großes Vertrauen in den Gemeinsinn.
      A: Ja, ich traue dem Gemeinsinn der einfachen Leute: für das, was die weltlichen Dinge angeht, resultiert er nicht so sehr aus der Intelligenz, als vielmehr – wie kann man es sagen? – aus Hunger und Sättigung, aus Vergnügen und Langeweile, aus Verlangen und Befriedigung und so weiter. Der einfache Mensch mit Gemeinsinn wird eines Tages genug davon haben, unmenschlich zu sein oder dauernd vom Reichtum entmenschlicht zu werden. Dann wird er sich frei machen, auch wenn die Philosphen und die Hersteller des Überflüssigen ihn beschwören, daß er unrecht habe.
      B: Wie wird der Gemeinsinn gegenüber dem Reichtum funktionieren? Wie wird er es fertigbringen, sich vom Reichtum zu befreien?
      A: Der Gemeinsinn wird dem Reichtum gegenüber in gewisser Weise automatisch reagieren: wenn der Mensch auf dem Gipfel der Unmenschlichkeit angekommen ist, wird er verlangen, arm zu werden, und sein Verlangen wird erfüllt.
      B: Automatisch? Die Automatismen der Menscheit sind in Wirklichkeit lange, verschlungene, schwere und kostspieleige Vorgänge.
      A: Es wird ein menschlicher Vorgang sein. Der Mensch ist langsam.
      B: Und was wird die Menschheit tun, um zur Armut zurückzukehren, nachdem sie reich war?
      A: Sie wird nichts tun.
      B: Was soll das heißen?
      A: Das soll heißen, daß sie nur das Notwendigste verbrauchen wird, und deshalb wird sie nur das Notwendigste herstellen.
      B: Aber der Mensch liebt es, herzustellen und zu verbrauchen.
      A: Welcher Mensch?
      B: Der Mensch im allgemeinen.
      A: Vom Menschen im allgemeinen weiß ich nichts. Der heutige Mensch liebt es, wie du sagst, herzustellen und zu verbrauchen. Aber der Mensch von morgen könnte vollkommen anders sein.
      B: Werden wir konkret. Sprechen wir von wirklicher Armut und wirklichem Reichtum , wie man sie heute in der Welt sieht. Wo besteht heute die menschlichste Armut?
      A: Nach meiner Meinung in China. Aber verstehen wir uns recht: im heutigen China, in diesem Augenblick. Es ist nicht sicher, ob China die Utopie, die es heute provisorisch verkörpert und darstellt, in eine dauerhafte Wirklichkeit verwandeln will oder kann. Es ist also nicht sicher, daß die chinesischen Lebensbedingungen von morgen den heutigen gleichen. Die Utopien müssen Dauer gewinnen, wenn sie aufhören wollen, Utopien zu sein.
      B: Und nun sag mir, wo heute der unmenschlichste Reichtum ist.
      A: Meiner Meinung nach, heute, im Westen.
      B: Gehen wir der Reihe nach vor. Sprechen wir zuerst von China. Nehmen wir an, daß sich die Utopie der Armut, deinen Worten nach, in eine dauerhafte Wirklichkeit verwandelt. Was werden die Chinesen tun, um dieses Ergebnis beizubehalten?
      A: Sie müßten einfach fortfahren das zu tun, was sie heute tun.
      B: Du weißt doch sehr gut, daß sie das Agrarland China in ein Industrieland umwandeln müssen. Ihre Armut ist deshalb nur die normale Folge der Kapitalinvestierung, die notwendig ist, um die industrielle Revolution durchzuführen.
      A: Das weiß ich. Die Chinesen tun heute das, was die Russen vor vierzig Jahren und was der Westen vor einem Jahrhundert getan haben.
      B: Nehmen wir an, daß die industrielle Revolution verwirklicht wurde; daß immer größere Erträge sich anhäufen, daß die Notwendigkeit der Geldinvestierung immer mehr abnimmt. Was werden die Chinesen mit diesem Kapital anfangen, das fortlaufend anwächst? Sie werden die Gehälter erhöhen und eine Leichtindustrie für den Verbrauch schaffen müssen, damit die Gelder umgesetzt werden können. Und dadurch wird China ein Land wie alle anderen, nämlich reich werden.
      A: Ja, das ist wahr, aber vergiß nicht, daß wir von Utopie gesprochen haben. In China herrscht eine Utopie, oder richtiger, es gibt dort den Versuch, die Utopie in geschichtliche Wirklichkeit umzusetzen. Die Utopie führt zwangsweise zu utopischen Lösungen.
      B: Ich bin wirklich sehr neugierig zu erfahren, welche utopischen Lösungen China finden könnte, um arm zu bleiben, oder den Reichtum wieder loszuwerden, falls es inzwischen reich wäre.
      A: Die Utopie muß vor allem erst einmal bewußt werden. Wenn dieses Bewußtsein geschaffen ist, wird die Lösung darin bestehen, den Reichtum als eine Schuld, eine Sühne, als ein Unrecht zu empfinden.
      B: Das hat man mit Hilfe des Christentums versucht, jedoch ohne viel Erfolg.
      A: Dem Christentum ist es gelungen, einige Jahrhunderte hindurch, die Armut als ideale Lebensbedingung hinzustellen. Das wäre, auch heute noch, ein nennenswertes Resultat. Du mußt nämlich daran denken, daß ich von diesen Dingen nicht absolut, sondern relativ spreche, nicht außerhalb der Zeit und des Raumes, sondern in Beziehung zur Zeit und zur Welt, in der wir leben. Allerdings muß ich zugeben, daß die vom Christentum vorgeschlagene Lebensbedingung allein durch das Beiwort "ideal" von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Nein, diesmal darf man sich nicht mehr darauf beschränken, die Armut als "idealen Zustand" zu preisen. Sie müßte vielmehr der einzige, der wirkliche, der normale Zustand des Menschen sein.
      B: Und wie kann das geschehen?
      A: Zum erstenmal in ihrer eigentlich zu kurzen Geschichte wird die Menschheit die Möglichkeit haben, daß alle wohlhabend sein und alle sich des Überflusses erfreuen könnten. Nicht nur ein Teil, sondern alle Menschen werden diesmal wissen, was es heißt, reich zu sein. Wenn also die gesamte Menscheit die Unmenschlichkeit des Reichtums erfahren hat, wird sie wünschen, arm zu sein.
      B: Nehmen wir das einen Moment lang an. Obwohl, wenigstens bis heute, zwei Drittel der Menschheit nicht nur weit vom Reichtum entfernt, sondern so arm sind, daß sie sich nicht einmal satt essen können. Nehmen wir es also an. Der Reichtum wird als eine Sünde, eine Schuld, ein Unrecht betrachtet. Aber der Reichtum ist dann doch vorhanden, wenn auch hauptsächlich in den Staatskassen. Was tut man mit diesem Reichtum?
      A: Das habe ich erwogen. Hast du niemals von den Pharaonen gehört?

      B: Was haben die Pharaonen damit zu tun?
      A: Hast du dich niemals gefragt, warum die Pyramiden so groß sind und soviel Zeit, Arbeit und Geld gekostet haben?
      B: Sag also, warum.
      A: Weil man etwas tun mußte, damit der Mensch nur das Notwendigste besaß: Der Rest mußte vernichtet werden. Die Pyramide ist in Friedenszeiten das, was der Krieg in Kriegszeiten ist. Eine Sache, durch die man den Reichtum vernichten kann und den Menschen dazu zwingt, arm zu bleiben.
      B: Aber wo sind unsere Pyramiden?
      A: Unsere Pyramiden sind die wissenschaftlichen Projekte, um den Mars oder die Venus oder den Mond zu erobern; um durch den Weltraum zu fahren. Diese wissenschafltichen Projekte sind, auf Grund ihrer unmäßigen Kosten, der riesigen Menge von Menschen, die sie beschäftigen, und der ungeheuren Mühe, die sie erfordern, das genaue Äquivalent der Pyramiden. Übrigens war die Pyramide nicht eine absurde Laune einer despotischen Priesterschaft. Sie war der Angelpunkt, das Zentrum einer vollkommnen Gesellschaft. So wie es heute unsere interplanetarischen Flüge sind.
      B: Aber die Vereinigten Staaten, um nur ein Beispiel anzuführen, machen Krieg und haben gleichzeitig ihre Pyramiden, das heißt, ihre Projekte zur Eroberung des Weltraums – und sie sind trotzdem reich.
      A: Die Vereinigten Staaten sind "provisorisch" reich, wie China "provisorisch" arm ist. Und wie mir China, in seiner heutigen Lage, als Beispiel für die arme, das heißt die normale und menschliche Menschheit gedient hat, so sind für mich die Vereinigten Staaten ein Beispiel für die reiche, als die anomale und unmenschliche Menschheit.
      B: Die Vereinigten Staaten oder der Westen allgemein?
      A: Die Vereinigten Staaten als ein typisches westliches Land. In Wirklichkeit der Westen selbst.
      B: Du glaubst also, daß der Westen nicht immer reich bleiben wird?
      A: Gewiß nicht. Er tut im Gegenteil alles, um arm zu werden. Aber lassen wir die Zukunft beiseite. Halten wir uns an die Gegenwart. Wir wollen sehen, warum der Reichtum unmenschlich und anomal ist.
      B: Warum also?
      A: Nehmen wir irgendein Individuum, das durch die Erfindung eines neuen und absolut überflüssigen Gegenstandes reich werden will. Zum Beispiel durch einen Schuh, der bei jedem Tritt Musik ertönen läßt. Was wird der Erfinder mit einem solchen Schuh tun, um ihn in Serie herzustellen und ihn dem Großhandel zum Verkauf anzubieten?
      B: Wahrscheinlich Reklame machen.
      A: Richtig! Reklame. Er muß das Bedürfnis für den Musikschuh erzeugen; ein Bedürfnis, das – versteh mich recht – absolut nicht bestanden hat, bevor der genannte Schuh zum Verkauf kam. Kein Hersteller wird aber jemals sagen: "Ich verkaufe euch etwas, das ihr nicht braucht." Er wird immmer sagen: "Ich verkaufe euch ein Ding, ohne das ihr nicht auskommen könnt." Diese Verwandlung des Überflüssigen in Notwendiges schafft den sogenannten Konsumenten.
      B: Es gibt überall Konsumenten. Auch der Chinese, wenn er sich eine Hose kauft, ist ein Konsument.
      A: Nein, er ist kein Konsument; er ist ein Mann, der ein Kleidungsstück kauft, das nach der Vorstellung, die er sich vom Menschen macht, notwendig ist. Ein Kleidungssütck, um die Beine, den Bauch, das Gesäß zu bedecken und so weiter. Der Konsument dagegen ist eine Art Gedärm.
      B: Was behauptest du da?
      A: Ich meine, der Konsument ist insofern eine Art Gedärm, als er den einfachen Urorganismen ähnelt, die fast nur aus Darm und im übrigen aus Mund und After bestehen. Diese Organismen tun nichts weiter als schlingen, verdauen und ausscheiden.
      B: Aber dann ist auch der chinesische Käufer der Hose nicht anders, wenigstens im Hinblick auf die Herstellung von Hosen.
      A: Da ist ein Unterschied. Der Konsument ist nicht so sehr eine Art Gedärm, weil er konsumiert, als viielmehr, weil er überzeugt ist, daß es seine Pflicht sei, zu konsumieren. Der Chinese, der arme, kauft dagegen die Hose, um nicht nackt zu bleiben. Der Konsument ist für jegliche Art Konsum verfügbar, so wie der Regenwurm bereit ist, jegliche Art Erde durch seinen Darmschlauch gehen zu lassen.
      B: Da wäre der Konsument also auch noch ein Wurm.
      A: Wenn dir Worte wie Gedärm und Regenwurm zuwider sind, weil sie zu herabsetzend klingen, dann sagen wir eben, daß der Konsument nichts weiter ist als das Bindeglied zwische Produktion und Konsum. Produzent und Konsument – der eine ist dann das Vorderteil, der andere das Hinterteil des genannten Wurms.
      B: Produzent und Konsument – und nichts anderes? Und wo bleibt der Arzt, der Künsteler, der Arbeiter oder der Bauer? Gibt es nichts weiter als Produzenten und Konsumenten?
      A:Unter den Begriff Produktion und unter den Begriff Konsum fallen alle Produkte, auch die feinsten und ungewöhnlichsten, und ihr Umsatz.

      B: Der westliche Mensch denkt demnach nur daran, zu produzieren und zu konsumieren?
      A: So ist es. Der Konsum stempelt den Menschen zum Konsumenten (es gibt keinen Produzenten, der nicht konsumiert, sonst würde er Hungers sterben, aber es gibt sehr wohl Konsumenten, die nchts produzieren, in allen kapitalisteischen und kommunistischen Ländern). Wir können ruhig sagen, daß der Zweck der modernen Gesellschaft der Konsum ist – also das Exkrement.
      B: Exkrement – ?
      A: Ja, das Exkrement. Das Ausscheiden alles dessen aus dem Körper, was nach der Verdauung übriggeblieben ist. Man verbraucht so viel wie möglich und so viele verschiedene Dinge wie möglich: Der Verbraucher sieht sein Ideal im Vebrauch, er sieht sich gezwungen, dieses Ideal anzustreben. Das letzte Ergebnis aber ist das Exkrement: Die Konsumgesellschaft manisfestiert sich in einem Haufen Kot. Die vom Konsumenten ausgeschiedene Kotmenge ist in der Tat der beste Beweis dafür, daß der Konsument konsumiert.
      B: Gut, das ist eine Metapher und im übrigen keine sehr geschmackvolle. Bleibt zu beweisen, daß sie nicht nur einen Buchstabensinn hat. Daß man sie anwenden kann. Es gibt nicht allein Nahrungsmittel in dieser Welt.
      A: Die Metapher gilt auch für alles, was nicht unbedingt mit der Nahrung zusammenhängt, aber ebenfalls konsumiert wird. Sie gilt vor allem für die Industrieproduktion im allgemeinen.
      B: Und das wäre?
      A: In den modernen Städten sind Produktion und Konsum, das, was den Industrieprozeß in Gang hält, und das Exkrement, das davon übrigbleibt, immer dicht beieinander, wie in modernen Wohnungen Küche und Abort oft nebeneinander liegen. Geh in die Vorstädte, fern vom Zentrum: Du wirst die Fabriken mit ihren Hallen und Schornsteinen finden, wo produziert wird, und nicht weit von den Fabriken das kahle Gelände, wo der Müll, der Schutt, die Scherben abgeladen werden. Die Stadt hat das Produkt verbraucht, sie hat es verschlungen und die Überbleibsel ausgeschieden.
      B: In einer modernen Großstadt gibt es nicht nur die industrielle Produktion. Es gibt viele andere Dinge, beispielsweise die Kultur.
      A: Ja, es gibt die Kultur. Büchereinen, Zeitungskioske, Filme, Fernsehen, Radio. Bücher in Kurzfassungen, Volksausgaben, Taschenbücher, Lexika, Übersetzungen. Aber diese Kultur wird in der gleichen Weise konsumiert wie die industriellen Produkte. Sie wird verschlungen, verdaut und in Form eines riesigen Haufens von Gemeinplätzen ausgeschieden. Die alles fressenden Kulturkonsumenten nähren sich nicht von der Kultur, sondern sie konsumieren die Kultur und bleiben, im kulturellen Sinn, ewig unterernährt. Der Kulturkonsum hat nur kulturellen Kot zur Folge – nichts weiter.
      B: Kommt dir das alles nicht etwas – wie soll ich sagen – schematisch vor?
      A: Gewiß. Aber so ist die moderne Wetl der Herstellung und des Verbrauchs. Hinter einer scheinbaren Vielfalt verbirgt sich ein einziger Gedanke, oder besser, ein einziger Beweggrund.
      B: Und der wäre? Die Idee des Profits?
      A: Nein, nicht die Idee des Profits. Es ist etwas anderes. Ein neuer Gedanke, ein neuer Beweggrund, den es vorher nicht gab.
      B: Du machst mich neugierig. Was ist das?
      A: Bei einem so schnellen Geldumlauf wie dem, welcher den Zyklus Herstellung-Verbrauch begleitet, ist der Profit zweitrangig, er ist nicht mehr ein Zweck, sondern nur ein Mittel, um den Fortlauf des Zyklus zu sichern. Nein, der Profit ist nicht der Ursprung der großen, Kot erzeugenden Maschinerie, sondern etwas anderes.
      B: Was ist es dann?
      A: Es ist schwer zu sagen. Man könnte es Machtwillen nennen; in Wirklichkeit kommt man der Sache aber näher, wenn man es Angst vor der Ohnmacht nennt. Was ist Macht in der Industriegesellschaft? Sie besteht in der Fähigkeit des Hervorbringens; das heißt im Grunde einer Nachäffung der Natur. Die Natur ist mächtig, weil sie ohne Stillstand und unbegrenzt hervorbringt; der natürliche Mensch ist mächtig, weil er sich vermehrt. Deshalb bedeutet Macht in der Produktions- und Konsumgesellschaft die Fähigkeit, so viel als möglich zu produzieren. Der Produktonsprozeß findet seine Fortsetzung im Konsum, denn es ist klar, daß es ohne den Verbrauch keine Produktion gäbe.
      B: Was willst du damit sagen? Daß die Industriegesellschaft mit der Natur wetteifert?
      A: Ja, genau das wollte ich sagen. Die Angst vor der Machtlosigkeit und die Lust an der Macht, die einen Kraftwagenerzeuger dazu bringen, eine immer größere Zahl von Fahrzeugen herzustellen, haben ursprünglich den gleichen blinden, schöpferischen Impuls, aus dem heraus eine Sardine Millionen Eier laicht, also Millionen möglicher Sardinen in die Welt setzt. Glücklicherweise werden diese Eier von anderen Fischen gefressen, die selbst wieder Millionen Eier für den Vebrauch anderer Fische laichen und so weiter. Die Industriegesellschaft ist eine genaue Kopie dieses unaufhörlichen produktiven Naturprozesses. Und wie die Natur zielt auch die Industriegesellschaft darauf hin, sich aus der Zeit hinaus zu begeben, aus dem Maß, der Dauer menschlichen Lebens, mit jenem ewigen Abwechseln von Herstellung und Verbrauch, das im Grunde das Äquivalent der natürlichen Ewigkeit ist. Aber es besteht ein Unterschied zwischen der industriellen und der natürlchen Ewigkeit.
      B: Welcher?
      A: Die Natur weiß nicht, was sie tut, und vielleicht macht sie deshalb alles richtig. Die Industriegesellschaft dagegen kennt einen einzigen Augenblick wenigstens des Bewußtseins, und das genügt, um den Wettstreit mti der Natur zu verlieren.
      B: Wo liegt dieser Augenblick des Bewußtseins?
      A: Das ist der Moment, in dem der Mensch, als unentbehrliches Glied zwischen Herstellung und Verbrauch, sich selbst sieht. Sich selbst betrachtet. Dann wird er diese Art von Ewigkeit ablehnen, die die Industrie für ihn bereithält.
      B: Der Verbraucher wäre dazu fähig?
      A: Der Vebraucher ist schließlich ein Mensch. Menschliches an ihm ist immerhin die Fähigkeit, Überlegungen anzustellen. Er sieht sich…und wird sich darüber klar, daß zwar die Natur für die Ewigkeit erzeugt und verbraucht, die Menschheit aber nicht dazu angehalten ist, unbeschränkt zu produzieren und zu konsumieren. Vielmehr muß der Mensch, innerhalb der Grenzen von Zeit und Raum, die er selbst festlegt, sich ausdrücken und verwirklichen können.
      B: Das wäre also der Unterschied zwischen Natur und Menschheit? Die eine erzeugt und verbraucht, die andere dagegen drückt sich aus?
      A: Ja, ich glaube, so ist es.
      B: Kann man sich nicht auch herstellend und verbrauchend ausdrücken?
      A: Wir haben bereits geklärt, daß die Industriegesellschaft "exkrementierend" ist, das heißt, daß ihr Endresultat notgedrungen ein Exkrement wird. Was tut nun der Mensch, der sich entleert? Drückt er sich etwa aus?
      B: Das nicht. Er erleichtert sich wohl eher.
      A: Richtig, er erleichtert sich. Er bereitet sich darauf vor, von neuem zu verbrauchen. Diese Erleichterung ist ja der Moment der Entleerung. Es kommt aber vor, daß der Mensch zu viel herstellt und demzufolge zu viel verbraucht, davon bekommt er eine Verdauungsstörung. Dagegen gibt es das große Abführmittel: den Krieg. Im Zyklus Herstellung-Verbrauch scheint der Krieg unentbehrlich und unvermeidlich zu sein, um den periodischen Verstopfungen der produzierenden und konsumierenden Gesellschaft Erleichterung zu verschaffen. Während des Krieges wird in der Tat der normale Verbraucher der Friedenszeiten durch den Soldaten ersetzt, der ein außergewöhnlicher Verbraucher ist, was Intensität, Quantität, Vielfalt und Schnelligkeit betrifft. Man verbraucht an einem Kriegstag mehr als in Friedenszeiten in einem Jahr. Schließlich verbraucht der Soldat, der sich nicht damit begnügt, Güter und Reichtümer zu verbrauchen, auch Menschenleben, erst die seiner Feinde, dann sein eigenes. Man darf nämlich nicht vergessen, daß der wahre herstellend-verbrauchende Mensch vor allem auch fähig sein muß, sich zu vermehren und zum Mörder zu werden. Ohne Überbevölkerung gibt es keine Serienproduktion, ohne Serienproduktion gibt es keine Überschußproduktion, und ohne Überschußproduktion gibt es keinen Krieg. Der Mord ist nichts weiter als als die Kehrseite der Vermehrung.
      B: Der Krieg wäre also, mehr noch als ein Verbrauch von Gütern, ein Verbrauch von Menschen.
      A: So ist es. Man hat ihn auch einen nachgeholten Kindermord genannt. In Wirklichkeit ist der Krieg aber ein Verbrauch von Menschen, der mit verschiedenen Mitteln durchgeführt wird, vom Bajonett bis zur Atombombe. Natürlich ist das Bajonett für die Überbevölkerung der modernen Welt ungeeignet, und deshalb haben wir die Atombombe. Aber zwischen den beiden Waffen besteht kein grundsätzlicher Unterschied; nur der Grad der Verbrauchsmöglickeit ist verschieden. Die Bombe ist übrigens an die Überbevölkerung gebunden wie die Überbevölkerung an die Bombe. Ich will damit sagen: Wenn es keine Überbevölkerung gäbe, wäre die Bombe nicht da; das heißt, man hätte sie nicht erfunden, denn sie wäre nicht notwendig gewesen. Die Bombe ist erst entstanden, als Metropolen mit fünf bis zehn Millionen Einwohnern entstanden waren. Zwischen der Bombe und der Überbevölkerung besteht also – wie soll man es nennen – fast könnte man sagen: eine gegenseitige Anziehung. Die großen Metropolen der Welt bieten die größte Menschenproduktion an, die es jemals in der Geschichte gegeben hat. Und die Bombe ist die einzig mögliche Verbraucherin für eine so riesenhafte Produktion. Es scheint unvermeidlich, daß zu einem gewissen Zeitpunkt Produktion und Verbrauch sich begegnen und gemeinsam, in Liebe und Eintracht, ihre Probleme lösen. Die Bombe ist im Grunde malthusianisch. Malthus hatte Hungersnot als Ausgleich für die Überbevölkerung vorausgesehen. Man erfand aber die Bombe. Malthus stellte jedoch seine Überlegungen in den Grenzen der vorindustriellen Gesellschaft an; er konnte nicht voraussehen, daß der Mensch schon sehr bald aufhören würde, das Zentrum der Welt zu sein, daß er, wie gesagt, nichts weiter als ein Bindeglied zwischen Produktionsvorgang und dem des Verbrauchs werden sollte.
      Heute würd Malthus, glaube ich, gern anerkennen, daß die Bombe als Verbraucherin dem Hunger vorzuziehen sei.
      B: Entschuldige, aber jetzt kann ich nicht mehr ganz folgen. Der Mensch, würde ich sagen, kann sich in jedem Fall fortpflanzen, sowohl in der humanistischen Gesellschaft, die sich auf den Menschen gründet, wie in der modernen Gesellschaft, die sich auf Produktion und Verbrauch gründet. Du sagst sehr richtig, wenn es keine Vermehrung gäbe, könnte auch keine Serienproduktion und demzufolge kein unaufhörlicher und quälender Zyklus Herstellung-Verbrauch existieren. Aber der Mensch ist immer ein Erzeuger und demzufolge ein Verbraucher von Menschen gewesen. Auch als er noch kein Erzeuger und Verbraucher von Serienprodukten war.
      A: Der bevölkerungspolitische Druck in der antiken Welt war nicht so wie wie in der modernen Welt. Alles geschah auf natürlichem Weg, wie bei den Tieren. Einer außergewöhnlichen Menschenproduktion bot die Natur und nicht der Mensch Einhalt, indem sie immer wieder außergewöhnlichen Verbrauch durch Hungersnot und Epidemien hervorrief. Auch die Kriege schienen eine natürliche Folgeerscheinung des Hungers und der Epidemien. In der modernen Welt geschieht dagegen alles auf industriellem Niveau, auch die Vermehrung des Menschen. Es gibt, so scheint mir, eine sehr enge Beziehung zwischen dem bevölkerungspolitischen Druck, beziehungsweise der Tatsache, daß der Mensch nicht nur Erzeuger von Waren, sondern auch Erzeuger von Menschen ist, und der Arzneimittelindustrie und Krankenfürsorge. Der wichtigse Punkt bei der Produktion von Menschen liegt heute weniger in der dunklen und instinktiven Intimität des ehelichen Bettes, sondern erst hinterher in den Kliniken und Operationssälen mit den weißen Kitteln der Ärzte, Schwestern und Krankenpfleger. Dort, an den Orten einer mechanischen Perfektion, die etwas von leistungsfähigen Fabriken hat, wird der Mensch wahrhaft ein Hersteller von Menschen; nicht zu Hause im eigenen Bett. Denn an diesen Orten werden die zukünftigen Verbraucher und die zukünftigen Produzenten vor dem Tode bewahrt, dem die ungerechte und weitblckende Natur sie wohl sonst preisgeben würde. Die Kliniken erzeugen Menschen, wie die Fabriken Konserven und Autos erzeugen.
      B: Deiner Meinung nach ist der moderne Mensch also zwangsläufig nur ein Hersteller un Verbraucher von Gürtern und Menschen?
      A: Ja.
      B: Aus der Art, wie du dein Urteil ausdrückst, glaube ich zu ersehen, daß dir das mißfällt, nicht wahr?
      A: In der Tat.
      B: Welche Lösung schlägst du also vor?
      A: Ich sehe nur eine Lösung. Übrigens die einzige Lösung, die dirket vom Menschen abhängt.
      B: Das wäre?
      A: Keuschheit.
      B: Keuschheit? Eine etwas radikale Lösung, meinst du nicht?
      A: Ja, die Keuschheit. Die Armut und die Keuschheit sind, wenn man es genauer betrachtet, die beiden normalen Lebensbedingungen des Menschen, wenigstens müßten sie es heute in dieser Welt sein. Denn ich sehe nicht, wie der Mensch heute und in dieser Welt aufhören kann, ein Produzent-Konsument zu sein, wenn nicht durch Armut und Keuschheit.
      B: Wenn ich recht verstehe: der arme Mensch konsumiert nicht und hat es deshalb nicht nötig, zu produzieren. Der keusche Mensch, seinerseits, setzt keine Kinder in die Welt, und so nimmter er letzlich der Verbrauchergesellschaft ihren spezifischen Gehalt, das heißt, die Notwendigkeit, die Bedürfnisse der Massen zu befriedigen. Keine Kinder, keine Massen – ohne Massen keine Produktion und kein Verbrauch. Richtig, allzu richtig.
      A: Du hast mich wunderbar verstanden. Beachte bitte außerdem die Ähnlichkeit zwischen dem Vorgang, der zur Überschußproduktion führt, und dem, der zur Überbevölkerung führt. Wenn du das Funktionieren der Maschinenteile in der Werkzeughalle gleichsetzt mit der ebenso mechanischen Umarmung des menschlichen Paares in seinem Bett – was kommt dabei heraus? Das Serienprodukt. Wo liegt der Unterschied? Im Dunkeln, in der Zone des Unbewußten, zwischen Wachen und Schlafen wird ein Mensch gezeugt; im gleichen Moment werden in tausend Fabriken unter ohrenbetäubendem Lärm für den soeben gezeugten Menschen die tausend Produkte hergstellt, der er verbrauchen wird, sobald er geboren, sobald er ein Knabe, sobald er ein Erwachsener ist. Dieser Mensch wird seinerseits nicht nur Verbraucher bleiben, sondern sehr bald auch Hersteller werden. Der Kreis schließt sich. Wenn aber die Produktion der Menschen geringer ist als die Produktion von Konsumgütern, dann haben wir eine Überschußproduktion. Wenn die Gleichgewichtsstörung umgekehrt liegt, kommt es zur Überbevölkerung. Nur Enthaltsamkeit kann diesen Zyklus durchbrechen, die Überbevölkerung und die Überschußproduktion abschaffen, mit ihrer ewigen Wechselwirkung von Kriegen, Hungersnöten und Elend. Nur die Keuschheit und natürlich die Armut.
      B: Du vergißt, daß das von dir mit so viel ungerechter Antipathie beschriebene Paar, während es den Menschen zeugt – dem es beschieden ist, zu verbrauchen und herzustellen – , doch ein so erhabene und geheimnisvolle Sache wie den Liebesakt vollführt.
      A: Warum sprechen wir von Liebe, wenn es sich eigentlich nur um eine automatische Mechanik handelt? Das männliche Glied bewegt sich wie ein Kolben im weiblichen Geschlechtsorgan. In einem gewissen Erregungszustand, der durch die Reibung ausgelöst wird, tritt der Samen aus, und das Kind ist gezeugt. Was hat das mit Liebe zu tun?
      B: Die beiden haben sich geliebt. Es ist doch möglich, daß sie sich wirklich liebten! Was wissen wir denn.
      A: Die Liebe führt nicht zur sexuellen Beziehung, sie führt zur Keuschheit.
      B: Das höre ich zum erstenmal.
      A: Heute und hier, in dieser Welt, verstehen wir uns recht. Vergangenheit und Zukunft, nicht wahr, interessieren mich nicht.
      B: Erkläre das bitte. Ich verstehe dich nicht.
      A: Heute und hier, in dieser Welt, sind Liebe und sexuelle Beziehung einander fremd, ja sie sind einander entgegengesetzt und feind. Der sexuelle Akt ist nichts weiter als Produktion geworden. Liebe dagegen – Liebe ist Liebe: Erleuchtung, Erfüllung, Erkenntnis, Schöpfung, Vergöttlichung, Einklang, Identifizierung…alles, außer der Herstellung von Serienprodukten.
      B: Der sexuelle Akt ist nicht nur Hervorbringung, nicht nur Herstellung, wie du annimmst und offenbar bis zu Überdruß zu wiederholen gedenkst. Oft wird er vom Mann und von der Frau doch ausgeführt, um sich gegenseitig Freude zu verschaffen. Die Erotik ist keine Produktion; oft kann sie eine Art des Einander-Erkennens sein.
      A: Wenn sie es nur wäre! Gewiß, so war es in unserer archaischen, primitiven, magischen Vergangenheit. Aber heute ist sie meist nichts weiter als ein Produktionsvorgang ohne Produkt. Damit will ich sagen, daß heute das Vergnügen, das sich Mann und Frau gegenseitig verschaffen, keine Erkenntnis zum Ziel hat. Im Grunde unterscheidet es sich nur scheinbar von der Prostitution, die eine klare Form des Konsums ist.
      B: Schade, ich hätte gern gesehen, wenn du wenigstens für die Erotik, die auch dem Erkennen des anderen dient, eine Ausnahme gemacht hättest. Jedenfalls ist dieser arme und keusche Mann, den du glorifizierst, von einem raschen Aussterben bedroht. Nicht produzieren, nicht vebrauchen, nicht zeugen… Die Menscheit wird sehr bald verschwinden.
      A: Ich sage nicht, daß die Menscheit verschwinden soll; obwohl man heute nicht recht begreift, warum die Menschheit eigentlich fortfährt zu existieren. Ich meine, daß sie – wie kann man es sagen – daß sie zusammenschrumpfen, daß sie, statt wie heute üppig zu wuchern, sich auf ihr angemessenes Maß beschränken müßte. Überdies würde die Menschheit, wenn sie dem Aussterben nahe wäre, dank eben jener Liebe, die sie heute fast zum Erlöschen bringen würde, andere neuere triftige Beweggründe finden, um sich von neuem zu vermehren. Die menschliche Entwicklung ist wie die der Natur nicht unbedingt folgerichtig; sie bewegt sich nicht immer von Ursache zu Wirkung, sondern macht qualitative Sprünge. Ich finde nichts dabei, wenn der Gesellschaft der Überbevölkerung und der Überschußproduktion eine andere Gesellschaft mit entgegengesetzten Eigenschaften folgt.
      B: Mir scheint, daß du in Vorstellungen zurückfällst, die wir schon hinter uns haben. Vor dir haben manche ein neues Mittelalter vorgeschlagen. Dann hat man gesehen, daß das doch nur ein ästhetisierendes und romantisches Gegenbild zur Industriegesellschaft war.
      A: Warum auf die Vergangenheit zurückgreifen? Lassen wir das Mittelalter. Wir wollen eine Welt für Menschen und nicht für Fetische.
      B: Aber die Technologie, die heute von so großer Bedeutung ist, scheint nicht zu dieser Welt zu führen. Im Gegenteil.
      A: Die Technologie kommt heute den Bedürfnissen der produzierenden und verbrauchenden Massen entgegen. Aber morgen könnte sie sehr gut ihre Richtung ändern und wenigen armen und sich kaum vermehrenden Menschengruppen entgegenkommen.
      B: Was soll da? Prosperos Insel im "Sturm" mit dem weisen, technologischen Zauberer und wenigen Frauen und Männern: schön, jung und ohne Nachwuchs, über den einsamen Strand spazierend, begleite von ätherischen Klängen, geheimnisvollen Stimmen, boshaften und unsichtbaren Geistern?
      A: Ich weiß es nicht. Es wurde bereits erwähnt: Über Dinge, von denen man nicht reden kann, ist es besser zu schweigen.
      B: Mir scheint, daß wir uns sehr weit von China entfernt haben, das doch der Ausgangspunkt unserer Diskussion war. Und diese ist schließlich nichts weiter als eine Einleitung zu einem kleinen Buch über die Kulturrevolution. Also: was hat China mit alldem zu tun? Die Chinesen sind arm, das ist wahr, aber nur provisorisch und ungewollt, wie du zugegeben hast. Was die Keuschheit betrifft – nun, keusch sind sie gewiß nicht, wenn sie wohl auch nicht mehr so erotisch sind, wie sie einmal gewesen sein sollen. Sie neigen jedenfalls ganz besonders dazu, sich zu vermehren, weshalb der Staat ihnen rät, sich nicht vor dem 30. Lebensjahr zu verheiraten. Was machen wir nun also mit China?
      A: Wir machen gar nichts damit. Ich beschränke mich darauf zu wiederholen, daß ich dir und mir den Grund für die Erleichterung erklären wollte, die ich angesichts der chinesischen Armut empfunden hatte. Das is alles. Ob nun die Utopie Chinas dauern wird, oder ob sie nur provisorisch und vorübergehend ist, das ist eine andere Frage. Mir genügt es, daß wir so einen Vorwand hatten, unser Gespräch zu führen.

    • Moin, Birkat Kohanim,
      "Aber an den Konsumverzicht wollen ja die Wirtschaftswachstums-Apologeten nicht ran."
      Wirtschaftswachstum ist die Grundvoraussetzung fuer einen funtionierenden Kapitalismus. An wen wendet sich Ihre Aufforderung? Nun, ich denke an die Konzerne direkt und vielleicht auch an deren Statthalter, die Regierung(en)?!
      Kommen Ihnen da nicht selbst Zweifel, ob gerade die Exponenten des Kapitalismus sich das Wasser selbst abgraben werden? Kurz mal bei Audi oder Mercedes vorbeigeschaut und den Deal perfekt gemacht? Naja, kleiner Scherz!
      Das wird auf keinen Fall zum Klappen kommen, weil dann deren Profite sich reduzieren.
      Aber das mit der Geburtenkontrolle zielt auf ganz andere Gesellschaftsmitglieder, die eben schon einen Vorteil davon hätten, wenn es weniger Erdenbewohner gäbe. Zumindest auf absehbare Zeit eine gesuendere Umwelt.
      Ich kann nicht erkennen, dass es einen Automatismus geben muss, der dann mehr Konsum erfordert.

      mfG

    • Moin, Birkat Kohanim
      Moin, Hog1951
      Ja: Was "real und schnell und zuverlässig helfen würde, wäre ein Konsumverzicht", aber weder als "das Einzige", noch "sonst nichts" und auch kein "drastischer" sondern ein intelligenter.
      Den Herrschenden gehen wir doch dann auf den Leim, wenn wir uns zu deren Profit ständig verlocken lassen zu immer neuen Konsumorgien. Dazu zähle ich noch lange nicht Französische Küche, italienischen Pizzen und noch einiges mehr, all das kann, soll und muss sein dürfen. Es muss ja nicht gleich im sündhaft teuren Schicki-Micki-Lokal sein.
      Richtschnur für einen uns gemäßen Konsum könnte sein, dass wir immer nur das konsumieren, was unsere Freiheit nicht ernsthaft tangiert, was uns nicht als abhängige, verkaufte arme Würstchen nur noch nach der Pfeife derjenigen tanzen lässt, die uns mit ihren unsinnigen und irrwitzig überteuerten Konsumartikeln von sich abhängig machen und abhängig halten wollen. Indem die sich Leute einfach kaufen, sichern sie sich jene Heere willfähriger Helfer, die ihnen jeden Blödsinn und jede Verantwortungslosigkeit beflissen von den Augen ablesen und dadurch die Verhältnisse schaffen, die wir beklagen. Man sollte sich stattdessen so wenig käuflich machen wie nur möglich. Dann setzt man ihrer Unersättlichkeit wirkungsvoll Grenzen, weil man nicht jeden Mist mitmachen muss, den sie befehlen.
      "Aber an den Konsumverzicht wollen ja die Wirtschaftswachstums-Apologeten nicht ran": Die viel wichtigere Frage ist doch, ob WIR da ran wollen oder ob wir lieber bequem weiterhin unserem gewohnten Konsum frönen wollen. Im letzteren Fall brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn sich nichts ändert und wir immer schön für die Finanzinteressen anderer mobilisierbar sind.
      Über Geburtenkontrolle will ich mir als einstmals "bewusst" und infolgedessen erfolgreich Kinderloser nichts anmaßen, denn längst zweifle ich daran und muss es daher anderen nicht unbedingt dringend empfehlen.

    • Moin, citoyen invisible, in einer Gesellschaft, die ich mir vorstelle, sollten
      die Meisten
      so gut wie möglich
      so lange wie möglich
      leben können.
      Das heisst fuer meine Vision, dass es keine Reglementierungen hinsichtlich des Levels irgendeines Luxusartikels geben sollte. Ich habe so den Verdacht, dass diejenigen, die damals die "Misswirtschaft" der eh. DDR verhöhnt haben heute bei der "Guertel enger schnallen" Fraktion angelangt sind.
      Um noch einmal auf das französische Essen zurueckzukommen, ich habe vor ein paar Jahren einen Kommentar eines Repräsentanten der US-Administration gelesen, der sich zum europäischen Essen äusserte und feststellte, es gut nur qualitativ viel zu hochwertig!
      Ähnlich werden auch die Errungenschaften der Arbeiter-und Gewerkschaftskämpfe beurteilt. Mit der EU haben sich die Herrschenden ein Werkzeug geschaffen, um die Massen zu gängeln und auf ein Niveau zu druecken, das ihnen genehm ist. Und da kommen wir auch wieder zu der CO2-Debatte, die m.M.n. auch zu dem Zweck vom Zaun gebrochen wird, weil Ueberlegungen in eine andere Richtung nicht erwuenscht sind.
      Fuer mich bleibt unterm Strich als einzige ernsthafte Alternative nur die Geburtenreduzierung in Frage.

      mfG

  6. Diese Frau habe ich bis jetzt nur wissenschaftlich argumentieren sehen… UND scheinargumente zu enttarnen ist nun mal unglaublich wichtig. Egal in welcher Debatte, ob es umd die Umlagefinanzierte Rente, hartzIV oder Kriege geht..

    1. kommt von der "Skeptiker- seite" einfach wenig stichhaltiges oder sachliches,… "IPCC ist eine Klimasekte…" "Die Daten sind gelogen" "aber selber ein Smartphone haben" "aber selber in das Flugzeug steigen"
    man nimmt Wissenschaft nur noch sehr selektiv und ohne Vernunft wahr, und bei den persönlichen Bemerkungen ist Scheinargument noch ein Euphemismus. Man soll ja nur als "unglaubwürdig" dargestellt werden.. würde man im Lendenschurrz daherkommen und Barfußlaufen, wäre man wiederum ein Spinner…

    2. wo ist das Problem die Debatte in die Öffentlichkeit zutragen?

    Wird die Debatte rauer? defintiv, und das ist nicht wünschenswert… das ist tatäschlich berechtigte Kritik..DANKE!
    schauen wir kurz auf das Video bevor es darum geht was Einzelpersonen zutun haben:
    sie geht dabei grundsätzlich sachlich vor, das ist ja genau das was wir brauchen oder nicht?

    maiLab sagt im Video : "Co2 bepreisung ist wichtig, sie muss aber auch sozialgerecht sein!" das ist doch ein ganz normales Argument was sie sogar belegt.. sie stellt dar das die Wirtschaftsleistung nicht darunter leidet.. (das kann man sicher auch anders sehen, aber dann kann man das doch selbst Kritisieren…)
    Und jetzt wichtig: Co2 Bepreisung reicht nicht aus! es müssen Alternativen geschaffen werden.. (Auch sehr wichtig, für den gesamtkontext)

    Da frage ich mich tatsächlich ist das jetzt Clickbait? 😀

  7. Ist es jetzt soweit? Eine Art Farbrevolution zur Einführung der Technokratie?

    .. die Forderungen kommen schon bei 1:50
    Was muß getan werden? Einziger Vorschlag CO2 Bepreisung. Schwachsinn.

    Wie ist sichergestellt, daß die Gelder tatsächlich für die CO2 Speicherung verwendet werden? (mir bekannte Maßnahmen, aufforsten und Moore wieder fluten) Dtl ist schon zu 1/3 mit Wald bedeckt. Dürfen wir auch irgendwo leben und Landwirtschaft betreiben? 2/3 dieser freien Fläche verbrennt jedes Jahr an Regenwald (158T qkm, Global Forest Watch, 2017) Das eingelagerte C verbrennt wieder zu CO2…

    • Co2- bepreisung ist wenn es unsere Politiker machen sicher real eine ziemliche scheiß idee… die gute Frau erklärt aber auch das es Co2 sozial gerecht bepreist werden sollte. Dabei gibt sie auch weitere beispiele an. Das als Gesamtkonzept ist erstmal kein "Schwachsinn" . Kann natürlich sein, dass das real nicht umgesetzt wird, aber die politische Forderung ist legitim und kann ja diskutiert werden. wie man es macht das man in zukunft weniger Ressourcen verbraucht.. und Co2 ist dabei einfach das Gas was entsteht wenn viel Energie verbraten wird..

    • Hallo Phil,
      Klickbat nicht, eher ist's ein abgekartetes Spiel: Die ganze Umweltdebatte wird mit einer CO2 Bepreisung und ein wenig Wirtschaftsförderung abgebügelt werden.

      Die Politik berät die ganze Zeit über die Frage welche Art der Bepreisung es denn nun sein soll und die Influencer fordern genau die vorüberlegten Lösungen.

      Maßnahmen, die den Ressourcenverbrauch tatsächlich begrenzen würden kollidieren fast immer mit dem Wunsch nach immerwährendem Wirtschaftswachstum.
      – Verbot der geplanten Obsoleszens
      – lokale Kreislaufwirtschaft und damit Entfall der weltweiten Transportwege mindestens bei Nahrungsmitteln
      – Auslandseinsätze der Bundeswehr beenden
      – Ausbau und Förderung des öffentlichen Verkehrs/(E)Fahrrad als Alternative zum Auto/LKW
      Such noch Zahlen für die Bundeswehr, wenn ich was finde, gehe ich morgen mal hin.

    • Da gebe ich dir recht…
      trotzdem kann eine Co2 Bepreisung sinnvoll sein..
      Bei den Dienswagen-Priveleg oder auch bei vielen anderen Lebenskosten geht es darum, das das konventionelle unwirtschaftlich gegenüber dem nachhaltigen werden muss..
      Der Energieträger ist dabei entscheident… relativ Co2-freie Erneurbare Energie oder Kohle und Öl…

      Das unsere Politiker nur für besserverdiener Politik machen ist nichts neues.. Ich bin per se kein Freund dieser Co2-Steuer, das aber alle sagen "das ist nicht sinnvoll" ist irgendwie auch nicht korrekt.
      Wie beim BGE gibt es unterschiedliche Konzepte. Und da möchte ich drüber reden. Da Steuern bei uns nicht zweckgebunden sind (leider), ist es natürlich wichtig auch über die Umsetzbarkeit zu sprechen…

      Dann können wir auch ehrlich sein mit der momentanen Elite wird es gar nicht möglich sein… trotzdem brauchen wir (kleine) Schritte in die richtige Richtung.
      Das unser Wirtschaftsystem nicht geändert wird, was sogar bei FFF öfters gefordert wird, ist auch klar.. soviel realist bin ich schon.
      Bei deinen vorschlägen gebe ich dir absolut Recht.

      Aber ich sehe eine Co2-Steuer als mögliches Mittel zur Umverteilung von oben nach unten, ob das unsere Politik umsetzt ist mehr als fraglich. Aber dahin muss die Debatte gedrückt werden… Wer sagt: das wird alles abzocke, hat nicht ganz unrecht.. aber nur wenn man es geschehen lässt…

    • Die Bepreisung beinhaltet eben auch schädliche Aspekte:

      ein neuer Markt entsteht (der Zertifikatehandel hat in den ersten Jahren zu zunehmender Emisson geführt)

      durch Zwang der Bevölkerung (Sachzwang – die Wissenschaftler fordern) Eigentlich ist es Aufgabe der Wissenschaft, Modelle allgemeinverständlich zu gestalten, die Handlungsentscheidungen fällt dann die Bevölkerung (oder eben deren Repräsentanten). Ich weiß nicht, ob ich das hier deutlich zu machen vermag, insbesondere die Einschränkung des Blicks auf Klimamodelle, die wirklich niemand exakt vorherzusagen vermag (Habe mir dein Extrakt angesehen, einfachstes Beispiel – Wärmeeintrag im Meer führt wieder zu CO2 Freisetzung) und Vernachlässigung all der vielen offensichtlichen durch Menschen verursachten Umweltschäden kann in eine Technokratie führen. Dabei wird der Weg verkürzt, gleich die Wissenschaft – die auch nicht unabhängig von Forschungsgeldern und Zeitgeist zu arbeiten vermag – bestimmt die Handlungsoption. Damit wird der letzte Rest demokratischer Mitbestimmung ausgehebelt.

      Einzig die Möglichkeit der CO2-Dividende böte eine Chance, die CO2 Bepreisung halbwegs neutral zu gestalten.
      Dazu müßte aber die gesamte eingenommene CO2 Steuer unter den Einzahlern gleichmäßig ausgeschüttet werden. (im Video wird auf einen angenommenen Mittelwert verwiesen)

      Dann wäre sichergestellt, daß die zusätzlichen Einnahmen nicht bei den Unternehmen als Gewinne hängenblieben und auch nicht vom Staat zweckentfremdet verwendet werden können.
      Dann hätte man zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, den CO2 Ausstoß umzurechnen und tatsächlich ein Mittel, die Bürger zu gemäßigtem Verbrauch anzuhalten. (unterdurchschnittlicher Verbrauch ist im Portemonnaie) zu sehen.

      Doch schon durch Fördermaßnahmen (Hausdämmung usw.) ergäben sich wieder Verzerrungen, diese stehen Niedriglöhnern nicht offen. (Also Verzerrung nur, wenn die Förderungen aus diesen Einnahmen gezahlt werden.)

  8. Welche Relevanz hat die Tatsache, dass sie promovierte… In Chemie… Offensichtlich kein klimabezogenes Fach, wenn sie sich doch selbst – um ihre Zielgruppe bedacht – dümmer darstellt als sie ist… Ein interessantes Muster mag man dort erkennen, auch wenn sie wenigstens den Umweg um simplifizierte Prozesse geht und nicht – wie das Prachtexemplar des Widerstandes – sich im Vermurkse deutscher Sprache übt.

    Aber hey, wenn das Eindruck schinden "tut" wieso nicht…

    Am Rande: So haben wir wenigstens beide an der Kernaussage: "Dem Meinungsdiktat" vorbei fabuliert… Eine Teilmenge sogar absichtlich…

  9. Mai ist eine Wissenschaftlerin, die Chemie studiert hat und einen Doktortitel trägt. Warum wurde diese Information den Lesern vorenthalten? Stattdessen wird hier eine promovierte Wissenschaftlerin als eine "Aushilfskraft" hingestellt und dadurch suggeriert, daß sie nur eine Influencerin, mit einer Meinung sei.
    Dabei behandelt Mai auf ihrem YouTube-Channel Themen, die sie mit wissenschaftlichen Standards überprüft. Man mag von den wissenschaftlichen Standards halten was man will – das kennt die Wissenschaft schon lange von Seiten der Religion und weiß damit umzugehen – man kann aber Mai diese Standards nicht absprechen. Das tut aber diese Tagesdosis suggestiv.

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