Tagesdosis 2.3.2019 – Die Sündenbock-Propaganda der Markt-Mythologen

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Makroökonomen sind eine merkwürdige Spezies. Mit Feuereifer erforschen sie „die Märkte“ wie einen ominösen Gott. Mal wanken „die Märkte“, mal zwingen sie zu „Personalabbau“ in Größenordnung, mal „drohen“ sie mit einer Rezession. Seit die neoliberale Kaste diese Religion zur Wissenschaft erklärt hat, trompeten ihre Protagonisten als „Experten“ oder gar „Weise“ auf der politischen Bühne lauthals mit. Von der FDP über die AfD, CDU und CSU bis hin zur SPD, den Grünen und sogar Teilen der Linkspartei: Sie alle haben diesen Wahn verinnerlicht. Wer das für Schwachsinn hält, gilt gemeinhin als „realitätsfern“.

Kürzlich tauchte Andreas Peichl, Leiter des Zentrums für Makroökonomie im besonders regierungsnahen Münchner Ifo-Institut, aus dem Äther auf. Er präsentierte sein neuestes Unterdrückungs-, Verzeihung: Hartz-IV-Konzept. Nun weiß man, dass von den hochbezahlten Ifo-Märchenerfindern niemals etwas Gutes für für die Ärmeren herauskommt. So gilt der hübsche Titel „Raus aus der Niedriglohnfalle“ in Wahrheit alleine für den Staat: Der nämlich soll sich künftig die Hartz-IV-Zuschüsse für das Gros der Niedriglöhner sparen.

Bisher hat, wer wenig Lohn bekommt, mehr in der Tasche als jemand, der erwerbslos ist. Denn wenn er mit Hartz IV aufstockt, erhält er Freibeträge auf sein Erwerbseinkommen, die nicht angerechnet werden. Das sind die ersten 100 Euro und 20 Prozent auf den Rest bis 1.000 Euro netto. Wer einem 450-Euro-Minijob nachgeht, hat damit 170 Euro mehr als ein Nur-Hartz-IV-Bezieher. Auch bei 1.000 Euro netto erhält ein Alleinstehender meist noch einen kleinen Zuschuss. Ihm werden nämlich nur 720 Euro angerechnet.

Nun möchte Makroökonom Peichl nicht öffentlich als Menschenschinder dastehen. Er will die Freibeträge zwar erst für Einkommen oberhalb von 630 Euro gewähren, sie aber auf 40 Prozent erhöhen. Und wer kleine Kinder betreuen muss, für den soll es so bleiben, wie es ist. Clever gedacht: Kinder werden rasch älter, während der prekäre Sektor weiter boomt. Und der Rest gerät so schnell an die Obergrenze, dass ihm am Ende weit weniger als heute bleibt. Ein Mindestlöhner mit einer 30-Stunden-Woche kommt heute auf rund 800 Euro netto. Heute ziehen ihm das Jobcenter 560 Euro ab, nach dem Ifo-Papier wären es 742.

Das Ifo-Konzept findet Anklang bei Union und FDP. Man darf davon ausgehen: In diese Richtung wird es gehen, nach dem Motto: Weniger ist mehr. Mehr arbeiten, weniger Geld – und immer schön die auch von SPD und AfD sehr geliebte Sanktions-Peitsche schwingen. Der CDU-Jungpolitiker im Bundestag, Kai Whittaker – wie viele im BWL-Studium markt-theologisch gehirngewaschen, dann erfolgreich in der Jungen Union hoch geschlafen und von Hartz IV kaum mehr Ahnung als ein Meerschwein vom Computer – , hat bereits mit einem eigenen Konzept in ähnlicher Ausrichtung nachgelegt. Brav gemacht, Herr Whittaker. So kann der Abbau der Reallöhne ungehindert weiterlaufen.

Und das liebe Kleinbürgertum, gefangen im Hamsterrad und schwelgend in projizierter Autoaggression, wird mehrheitlich dazu rufen: Genau, straft die „Faulen“! Schließlich geht’s mir auch so, wenn ich meinem Chef nicht gehorche. „Faulpelz“ ist, wer sich nicht mit Haut und Haaren dem heiligen Markt unterwirft, nicht für Peanuts malochen und das Lohngefüge drücken will. Böse als „Sozialschmarotzer“ und hämisch als „Bedürftiger“ betitelt, ist er beliebter Sündenbock der für den Profit ihrer Herren strampelnden Mittelschicht.

Dabei ist nichts lächerlicher, als wenn Politiker all die Aufstocker und Erwerbslosen „bedürftig“ nennen, während sie selbst mit geradezu narzisstischer Bedürftigkeit um Beachtung und Beifall buhlen und an möglichst gute Futterplätze am großen Trog drängen. Jeder ist bedürftig, nicht nur nach Nahrung, Wärme und Obdach, sondern auch nach Anerkennung und Zuspruch.

Doch die Versagens-Angst in der feindseligen Maschine des Kapitalverwertungsprozesses ist gewaltig. Der Statusakrobat sucht Zuflucht in Nation, Kultur und Fußballclub. Da passt der Ausländer nicht rein. Das weiß auch Makroökonom Daniel Stelter. Bediente der doch kürzlich im Interview mit der rechten Postille Focus online Sündenbock Nummer zwei: Die Migranten. Die, so suggerierte Stelter, seien in Wahrheit Schuld am vorangetriebenen Sozialabbau. Man dürfe eben nur ökonomisch Nutzbare hereinlassen. Lasse man dann alle länger arbeiten und automatisiere zugleich eifrig, klappe das mit der Rente schon.

Mal abgesehen von dem widerwärtigen Menschenbild dahinter: So viel Bullshit auf einen Haufen ist selten. Man kann annehmen: Stelter lügt vermutlich ganz bewusst. Denn was er sagt, ist folgendes: Die deutsche Wirtschaft soll so exzessiv wachsen, dass alle Brauchbaren im Land bis 80 dafür strampeln können – Trotz Automatisierung. Möge sie doch alle Weltmärkte erobert – ein wie blöde rotierendes und exportierendes, immer gigantischer werdendes Hamsterrad. Dummerweise legt so was andere Volkswirtschaften lahm und produziert neue Arbeits-Migranten in Massen. Leben will schließlich jeder. Was mit diesen dann in Stelters Fantasie geschieht, sagt er lieber nicht. Hauptsache, das Feindbild steht. Was, zum Teufel, geht in so einem Hirnkasten vor sich?

Und dann tut dieser „Experte“ so, als funktioniere eine Volkswirtschaft wie Oma Ernas Portemonnaie. Dabei kann sich bereits ein Grundschüler zusammenrechnen: Automatisierung ist gleich Massenproduktion mit immer weniger Arbeitskräften und immer mehr Erwerbslosen. Es kommt also immer mehr vom Band, während immer mehr Arme sich nichts kaufen können. Und damit die Preise trotzdem nicht sinken, hält man sie künstlich oben: durch gezielte Inflation und Warenvernichtung. Schließlich sollen die Profite sprudeln. Tun sie aber irgendwann nicht mehr. Denn Kapital – auch Humankapital – wird schleichend ineffizienter und überflüssig. Neue Investitionen rentieren sich nicht mehr. Es kommt zur Rezession. Wenn da nicht – wie Stelter ausnahmsweise doch noch richtig feststellte – die Zentralbanken mit ihren Infusionen wären.

Zum Beispiel die Europäische Zentralbank – kurz: EZB. Die Kurve ihres Leitzinses fällt seit Jahrzehnten kontinuierlich, wie die fast aller anderen Zentralbanken auch. Seit 2015 ist er auf null. Der Leitzins beziffert die Kosten, zu denen sich die Banken bei den Zentralbanken Geld leihen können. Sind sie hoch, geben die Institute das an ihre Kunden weiter, Kredite werden teuer. Senken die Zentralbanken den Leitzins, bringen sie billiges Geld in Umlauf, den die Kreditzinsen sinken. Ziel ist es, Investitionen anzukurbeln.

Nun ist der Leitzins ein Spiegelbild für die gesamtwirtschaftliche Profitrate. Fällt sie, ist auch für die Banken weniger zu holen. Die Zentralbanken dienen dazu, dies mit ihrer Geldpolitik auszugleichen. Das ermöglicht dem einen oder anderen Großinvestor noch mal ordentlich Einzelprofit. Mehr aber auch nicht. Letztlich ist dieses Mittel der Tropf am Krankenbett des maroden Kapitalverwertungsprozesses im längst über-akkumulierten Stadium, in welchem jeder Großaktionär nur einem nachjagt: Dem Profit.

Die fallenden Leitzinsen überall machen deutlich: Der Patient liegt schon im Koma. Die Folgen der künstlichen Beatmung bekommen immer mehr Kleinkapitalisten, vor allem aber alle Nicht-Kapitaleigentümer zu spüren: Insolvenzen, Lohndrückerei, Sozialabbau, Rentenkürzungen. Doch spätestens an dieser Stelle setzt der Verstand der Markt-Religiösen regelmäßig aus, egal ob hayekscher oder keynescher Prägung.

Immerhin: Für das Volk haben die Seehofers und Schäubles, von der Leyens und Gaulands, Lindners und Weidels eine Erklärung. Die Opfer sind schuld, erzählen sie ihnen. Also wahlweise Erwerbslose, Migranten oder Flüchtlinge. Damit sie nur die irrationale Vorstellung von Oma Ernas Portemonnaie im Kopf behalten und nicht auf die Idee kommen, über die rotierende Kapitalverwertungsmaschine nachzudenken, an deren Ende die Quandts, Albrechts, Müllers und Co. sich all die Pfründe einstecken.

Und dann sind da noch die, die vorgeben, die Opposition fürs Volk zu sein. Die schwatzen dann auch schon mal von einer gierigen Finanzmafia, die schlicht aus moralisch niederen Beweggründen handele, wie sie handelt. Dass die kapitalistische Produktionsweise selbst der niedere Beweggrund ist, wird aber ausgeblendet. Das Volk muss ja nicht alles wissen.

Und am Ende stehen wieder der „faule Hartzer“, der Migrant und der Asylbewerber. Letzterer würde vom Großkapital importiert, plappern politisch Denkfaule rechten Vorbetern nach. Was sie nicht geschnallt haben: Dem Großkapital ist es egal, woher die Sklaven kommen. Und Fabriken bauen kann es auch im Kongo. Da warten schon die Kindersklaven, die nichts zu beißen haben. Um Leute mit deutscher Geburtsurkunde für Dumpinglöhne zu verpflichten, reichen das Hartz-IV-Regime und eine nach unten tretende Mittelschicht völlig aus. Die meisten Deutschen waren schon immer gute Untertanen. Das weiß auch das Großkapital.

Und solange das Gros der Mittelschicht in bekannter Manier nach oben buckelt und dorthin tritt, wo es niemals landen will, obwohl viele dem weit näher stehen, als sie glauben, läuft das Spiel weiter, bis nichts mehr geht. Die eifrigen Radfahrer im Hamsterrad sollten sich nur eines bewusst machen: Die technologische Entwicklung schläft nicht, Menschen können arbeitslos oder krank werden und Aktien wertlos. Schon morgen könnten auch sie zu den Überflüssigen gehören, verhöhnt vom Staat, von der Politik und all den anderen Knechten, die sich noch über ihnen wähnen. Ob sie dann immer noch den Markt-Mythologen nachbeten und den Armen, also sich selbst, die Schuld an allem in die Schuhe schieben?

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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42 Kommentare zu: “Tagesdosis 2.3.2019 – Die Sündenbock-Propaganda der Markt-Mythologen

  1. In einigen, wenn auch keineswegs in allen Punkten könnte ich Susan Bonaths politischer Analyse folgen, wenn mich nicht ihr ungeheuer aggressiv-herablassender Tonfall abstoßen würde, der sich nicht nur gegen die Profiteure des Spätfeudalismus richtet, sondern gleich gegen alle, die nicht zur Gruppe der Erwerbslosen, Flüchtlinge oder Migranten gehören. Ich gehöre zu keiner dieser drei Gruppen, ich übe einen Beruf aus, der vielen Menschen hilft und wie viele helfende Berufe schlecht bezahlt ist. Damit gehöre ich zur Gruppe derjenigen, die Bonath als „wahnhaft, schwelgend in projizierter Autoaggression, missgünstig, hämisch, politisch denkfaul, nach oben buckelnd und nach unten tretend“ usw. abwertet.
    Warum nur glauben manche linke AutorInnen, mit solch aggressiv-pauschalen Verurteilungen (gegen die sie sich zu recht bei Erwerbslosen, Migranten und Flüchtlingen wenden) könnten sie positive Veränderungen in dieser Gesellschaft bewirken? Ist es nicht psycho-logisch, dass solche undifferenzierten und ungerechten Abwertungs-Kanonaden kaum ein offenes Ohr und ein Nachdenken über neue Lösungen in Gang bringen werden, sondern nur auf berechtigte verärgerte Abwehr stoßen?

    Wir sind Menschen, wir haben das Privileg – und die Last – der Handlungsfreiheit. Jeden Tag, jede Minute neu können wir Gutes tun und Falsches unterlassen. Es geht darum, unsere Fähigkeit zu stärken, das Richtige vom Falschen, das Gute vom Schlechten zu unterscheiden und entsprechend zu handeln – auch gegen Widerstände, innere wie äußere. Ein Pamphlet wie Bonaths Tagesdosis wird das nicht bewirken – schade um die verschwendete Energie dieser scharfblickenden Autorin!

    • Der Vorkommentatorin ist beizupflichten. Die Guten ins Töpfchen und die Bösen ins Kröpfchen wie im Märchen vom Aschenputtel führt zu einer gesellschaftlichen Spaltung, die einen Proletkult befördern und Lenins Arbeitserziehungslager aus der Vampirgruft auferstehen lassen würde! No, don’t!

      Zugegeben, bietet die Mittelschicht nicht gerade ein Bild heldenhaften Mitgefühls für die gesellschaftlich Untenstehenden. Und sicherlich hat sie die Hosen genauso voll wie das ruhmreiche sozialdemokratische, von der AfD bis zur Linkspartei reichende Proletariat. So voll wie alle, die die Tassen noch im Schrank haben!

      Die chronische und mit technischen Effizienzsteigerungen sich zudem weiter verschärfen müssende Profitkrise erzeugt eine gesellschaftliche Situation, die sich bildlich sehr einfach zeichnen läßt. Eine mit dicht aneinandergedrängt stehenden Pinguinen bis an den Rand bedeckte Eisscholle treibt nach Süden. Außen die Unterschicht, dann die Mittelschicht, und zur Mitte hin die Oberschicht.

      Die Mittelschicht verhält sich logisch. Sie weiß, daß sie es sein wird, die demnächst außen am Rand stehen wird, und sie verdrängt diese beängstigende Tatsache mithilfe der naiven Annahme, daß die am Rand Stehenden deswegen dort stehen, weil sie schlicht zu blöde oder zu undiszipliniert seien.

      Was offen zu kommunizieren ist, ist die allhin und allein schon aus Erfahrung bekannte menschenverachtende Brutalität des Kapitals, das keine Freunde kennt, wenn es um seine Fortdauer geht. Dies Kommunizieren darf ruhig und gern spitzfindig und leise ironisierend geschehen, aber bitte nicht mit dem Habitus des Vorwurfs und der moralischen Empörung. Ein „Wie blöd bist du denn, du bescheuerter Mittelschichtler!“ beendet jegliches Zusammengehen, noch bevor es begonnen hat. Sagen wir doch einfach und ehrlich: „Verdammt, ich hab eine Scheißangst!“

      Wollen wir das Nichtmenschliche besiegen, das Kapital, dann können wir das nur gemeinsam schaffen. Nicht als soziologischer Schichtkäse, sondern als verschworene und unendlich clevere Truppe. Wir benötigen Guerilla-Qualitäten. Da liegt die Latte, daunter wird es nicht gelingen.

    • Sonja und Loup, da habt Ihr im wesentlichen Recht. Ich kann Frau Bonath’s Hass „nachvollziehen“, wie es so schön neudeutsch heißt, aber Hass macht genauso blind wie Liebe. Und bei allen berechtigten Klagen über die Lage unserer „prekären Schichten“, man darf nicht vergessen, das es auch denen immer noch weniger schlecht geht, als beispielsweise der Näherin in Bangla Desh. „Unser“ Lebensstandard ist nur möglich auf der Ausbeutung der Menschen in der Dritten Welt, deren Rohstoffen usw. Wir müssten uns also alle selber hassen und das wäre kaum zielführend.

    • Denke ich an Mielkes Erich („„Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen“), dann will man schon nicht in der Nähe sein müssen, wenn diese Ihre Form der Liebe pflegen; was aber dann, wenn sie erst einmal zu hassen begonnen haben?
      Was soll dabei schon Gutes rauskommen?
      Oder stimmen all diese Berichte über politische Gefangene nicht, die uns aus Ländern erreiche, die von Sozialisten beherrscht und zuweilen unterdrückt und ruiniert werden? Sitzt Billy Six nicht seit Monaten in einem dunklen Loch in einem ehemals linken Vorzeigemodellstaat?
      Irgendwie enden solche hochtrabenden sozialen und menschenfreundlichen Experimente erschreckenderweise vergleichbar scheußlich – zumindest für die Opfer.
      Oder müssen diese in Kauf genommen werden für den großen Plan?

    • Da bin ich sehr beruhigt, dass sich ein friedliches Wirtschaftssystem mit einem übersichtlichen Menschenbild durchgesetzt hat. Es belastet auch nicht durch komplexe Zusammenhänge, sondern beschränkt sich auf die maximale Profitrate, die aus der Arbeitskraft herausgeholt werden kann. Konkurrierende System müssen dann schon mal Sanktionen in Kauf nehmen, die hundertausende Menschen töten. Diese Werte sind den Preis wert, so die ehemalige US-Außenministerin Albright. Es gibt eine Klasse, die ein sehr ausgeprägtes Klassenbewußtsein hat. Wenn man dem Großinvestor Warren Buffet glauben darf, dann ist es seine Klasse die Krieg führt und diesen gewinnt. Klingt dann doch sehr aggressiv oder täusche ich mich nur?

    • Was die Frage betrifft, wer nun friedfertig ist, wer als gut oder böse zu gelten hat, bin ich sehr vorsichtig geworden. So mancher schien eine konstruktive Agenda zu fahren, nur um sich dann als einer zu erweisen, der eben Teil des Spieles war. Vermutlich, ohne es zu merken. Dennoch bleiben oft genug Zweifel.

      Sanktionen sind ätzend, dennoch muss die Frage zu stellen sein, wo denn die Öl-Knete hin ist. Ich meine doch, dass da stattliche Beträge geflossen sind.

      Was haben die denn mit dem Schotter angestellt?

      Im Übrigen bleibt die Frage, ob das alles so ein schrecklicher Unfall war, dass in einem der wichtigsten Öl-Länder ein Sozialist an die Macht kommt.

      Kein Staatsanwalt kommt ohne Gesinnungsprüfung weiter auf der Karriereleiter und den USA soll Chavez und Maduro nicht aufgefallen sein?

      Klingt nicht überzeugend.

      https://www.americanthinker.com/blog/2012/05/hugo_chavez_and_the_anti-fracking_movement.html
      https://www.investors.com/politics/editorials/why-is-obama-protecting-venezuelan-dictator-hugo-chavez/

    • Moin, Sonja, nun bin ich ueberhaupt nicht einverstanden mit allem was Bonath schreibt, jedoch sollten wir so tolerant sein, ihr den ihr eigenen Schreibstil zuzugestehen. Was doch viel interessanter ist, ist doch die Frage um die richtigen oder falschen Inhalte, die man erkennt.
      “ jede Minute neu können wir Gutes tun und Falsches unterlassen“
      Das wird doch eine interessante Diskussion, zu erörtern, was man als gut oder schlecht ausmacht.

      Moin, Loup, haben Sie mehr Informationen zu den angeblichen Arbeitslagern Lenins?

    • „Wahrscheinlich bereits im Juli 1918 erhielt die Tscheka die Erlaubnis, eigene Konzentrationslager einzurichten, die der Isolierung und Internierung politischer Gegner ohne Gerichtsverfahren und -urteil dienten.“

      aus: 1000dokumente.de/index.html/index.html?c=dokument_ru&dokument=0001_tsc&object=context&st=&l=de

    • Da wäre noch was:

      „Bereits damals trat Lenin für die Entfaltung des Massenterrors ein: „Genosse GlossarZinov’ev! Erst heute haben wir im CK erfahren, daß die Arbeiter in Petrograd auf Volodarskijs Ermordung mit dem Massenterror antworten wollen, und daß sie sie davon abgehalten haben. Ich bin entschieden dagegen!… Man muß deren Energie und den massenhaften Charakter des Terrors fördern“.“

      aus:

      1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0006_ter&object=context&st=&l=de

    • Moin, D1, da haben Sie ja ein ganz interessantes Dokument ausgegraben (gefördert vom Innenministerium des Bundes). Dazu möchte ich nur anmerken, dass die Gewalthaber/die Herrschende Klasse nicht das geringste Zugeständnis an uns machen werden. Wie in Frankreich gut erkennbar, sogar gegen friedlichen Protest militärisch vorgehen. Das von uns erarbeitete Mehrprodukt wird solange der Klasse der Kapitalisten zugefuehrt, bis wir ein Stop setzen.
      Genauso uebrigens wie beim Kronstadt Aufstand, als die Imperialisten versuchten den Umsturz/die Revolution wieder umzukehren. Es war damals jener Felix Dzerschinski (Schreibweise möglicherweise falsch) der dieses Vorhaben der Imperialisten vereiteln konnte. Wie gesagt, es wird kein Kapitalist freiwillig etwas hergeben, das muessen wir uns schon selber holen. Ich wundere mich nur, dass sie dieses reaktionäre Pamphlet hier als ein Beweis anfuhren fuer Lenins angebliche Arbeitslager. Etwas duerftig ist das schon!

    • @hog1951, 04.03., 16:51

      Schnell aus der Erinnerung gesagt, ist das wahrscheinlich aus einem taz-Bericht über ein französisches „Schwarzbuch“ zum Thema des roten Terrors. Ich kümmer mich drum, aber dauert etwas, da im Moment wenig Zeit. (Ich kann Französisch und komm vielleicht an das Original heran.)

      Was ebenfalls interessant sein könnte, sind die regelmäßigen Treffen von Lenin und dem späteren, von Kennedy nach der Schweinebuchtinvasion geschaßten CIA-Chef Allen Dulles in der Zeit vor der russischen Revolution in der Schweiz, ich glaube, in Basel. (Hier Quelle, aus der Erinnerung, ist wahrscheinlich eines der Bücher des US-Historikers Anton Chaitkin)

      Sehen wir es geopolitisch, schickte Wilhelm II. Lenin in der Hoffnung nach Rußland, den WK I beenden zu können. Nun aber war das russische Militär mit dem Zaren nicht zufrieden. Dies geht jedenfalls mehr als deutlich aus den Memoiren des russischen Militäroffiziers (hab dessen Namen gerade nicht präsent, aber ein berühmtes Buch) hervor, der das Attentat auf Rasputin verübte. Da Lenin als Marxist ein industrieorientierter Modernisierer war (z.B. Elektrifizierung), war er eine für das russische Militär interessante Option, woraus sich zuletzt die Einstufung der UdSSR als vom Militär geleitete „Entwicklungsdiktatur“ herleitet. So war nun übrigens auch Allen Dulles, der imperiale US-Seemachtinteressen vertrat und dessen Familie eng mit der Bush-Familie verbündet ist,, sehr geholfen, da er annehmen durfte, ein leninistisch-sozialistisches Rußland würde industriell stark werden und deshalb wenig Interesse entwickeln, sich mit Westeuropa, speziell mit Deutschland, zu verbünden (das deutsch-russische Bündnis ist der Stoff, aus dem die geopolitischen Albträume aller seegestützten Imperien sind).

      Last not least führt die Geschichtsforschung heute an, der Sturm auf das Winterpalais habe nie stattgefunden, ein Medien-Fake also. Tatsächlich habe es sich bei der Oktoberrevolution um einen simplen Putsch des Militärs gegen den Zaren gehandelt.

      Sorry, ich war damals nicht dabei und kann dies alles weder bestätigen noch dementieren. Aber mein politischer Instinkt sagt mir erstens, daß die revolutionäre Linke eine ziemlich schlechte Version der katholischen Kirche ist, und daß es zweitens genau so war, wie hier oben gerade skizziert. Und auch mit Marx/Engels gesehen, war die UdSSR eine bürokratische Variante des kapitalistischen Business as usual! (Band II und III von *Das Kapital* sind erst nach Marxens Tod erschienen; Marx hatte das Interesse an diesem Projekt verloren, weil er besser als jeder andere verstand, daß sich der Sozialismus nicht verwirklichen lassen würde.) Wird die UdSSR aus der hier skizzierten Sicht gesehen, erklären sich auch Petrow (Farewell) und der Untergang der UdSSR sehr einfach: Der sozialistische Mohr hatte seine geopolitische Schuldigkeit getan und wurde nicht mehr gebraucht. Mitnahmeeffekt war, daß die Einwohnerschaft Rußlands durch die Arbeitserziehung nun zur industriell brauchbaren bzw. profitabel ausbeutbaren Arbeitskraft dressiert worden war.

      Gut, das ist im Grunde alles Schnee von gestern und zählt heute nicht mehr. Mögen alte Männer sich darüber streiten, mit den jüngeren Generationen aber hat das alles nichts mehr zu tun. Welches Glück!

    • Hog1951, primär stellt sich doch die Frage, ob das Zitat stimmt oder nicht. Daran lässt sich doch bemessen, ob die Quelle seriös in Bezug auf das Zitat gearbeitet hat.

      Was man danach als Interpretation für sich daraus macht, ist doch eine ganz andere Frage.

      Es ging doch um die Frage, ob es solche Einrichtungen gab oder nicht. Also gab es sie nun, sollen wir der Quelle diesbezüglich trauen oder stellen Sie das ganz generell in Frage?

      Und wenn nicht: Was würde es bedeuten, dass es diese Einrichtunegn gab?

    • Zu D1, 06.03., 07:51

      Sorry, wenn ich mich einmische. D1: „Was würde es bedeuten, daß es diese Einrichtungen gab?“

      Es würde bedeuten, daß unsere politischen Klassifizierungen in Links und Rechts allesamt hinfällig sind. Es gibt im Grunde nur eine einzige politische Partei in der Moderne.

      Wie sollte diese Partei genannt werden? Gerhard Schröder (ja der, der Wie-war-ich-Doris) personifiziert diese Partei. Die Sozialdemokratie reicht von extrem links bis extrem rechts, sie verkörpert quasi das globale moderne „Volk“ in allen seinen bunten Spielarten und Facetten.

      Das *Programm* jener globalen modernen Volkseinheitspartei findet sich in der banalen Anschauung der deutschen Politik in den Jahren von 1998 bis 2005: Terror und Krieg nach innen ( wie z.B. Hartz IV und die im Jahre 2001 22 Mrd. € für die Betreiber von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Weiterbildungen) und nach außen (völkerrechtswidriger Angriffskrieg).

      Falls Lenin Arbeitserziehungslager eingeführt hätte, wäre dies folglich lediglich logisch. (Und selbstverständlich gab es die!) Allgemeiner gesagt, löst sich derzeit gerade die große Illusion auf, die politischen Parteien und Richtungen seien etwas anderes als Frontorganisationen der SEM, der Sozialdemokratischen Einheitspartei der Moderne.

    • „Das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit bilden eine Einheit.“ (Art. 24 [2] einer brühmten deutschen Verfassung)
      Das fällr mir sponatn dazu sein.

    • Moin, D1 und loup!
      Es ist ja schön, dass sich 2 Antikommunisten so sehr schnell gefunden haben!
      Fuer mich sind die Geschichtsforschung genauso wie die von D1 angegebenen Links nicht mehr als das ABBA-Lied vom Gewinner, der alles bekommt. Diese Meinungen reihen sich ein in die pausenlose Beschallung von deutschen oder besser europäischen Medien, die auf der einen Seite den Hitlerfaschismus versuchen runterzuspielen, aber zeitgleich damit kommen, aber ….. die Kommunisten hatten ja auch …. . Es vergeht nicht eine Woche, in der nicht mindestens in 2 Dokus versucht wird alles was irgendwie mit Sozialismus zu tun haben könnte zu diskreditieren. Nein, das ist zu unerquicklich, darauf einzugehen, liebe Mitforisten.

    • zu Hog1951

      Was meine Person betrifft, bin ich nicht nur Antikommunist. Ich bin Antisozialdemokratist. Was den Antikommunisten und alles sonstige Politische, Ideologische und Religiöse miteinschließt. Zugleich bin ich für die Überwindung der Herrschaft des Kapitals bzw. der Moderne. Das ist nebulös, ja. Auf das Recht, nebulös zu sein, ist allerdings fest zu bestehen. Alle kreativen Prozesse beginnen im Ungefähren der Intuition. Dies gilt selbst auch für den Prozeß der Entstehung des Geist-Materie-Dualismus, aus dem die Moderne einst hervorgekommen ist.

      Wer glaubt, für Gesellschafts- und Kulturentwicklung bedürfe es klarer Befehlsstrukturen bzw. Handlungsanweisungen, irrt.

  2. Den nachfolgenden Text können sie, mit einigen geringfügigen Anpassungen, ohne weiteres auf Deutschland oder ein beliebiges anderes Land übertragen:

    Grünes Licht für ein Monopol

    Innerhalb weniger Stunden nach Powells Erklärung wies ein Bundesberufungsgericht die Kartellrechtsklage des Justizministeriums gegen die Fusion des US-Telekommunikationsriesen AT&T und des Medienkonzerns Time Warner ab. Da das Justizministerium erklärt hat, dass es das Urteil nicht anfechten wird, steht damit einer der größten Unternehmensübernahmen in der Geschichte der USA nichts mehr im Weg.

    Mit diesem Deal entsteht ein riesiges Monopol, bei dem derselbe Konzern, der ein Drittel des gesamten Handyverkehrs und ein Sechstel des Breitband-Internets kontrolliert, nun auch den Fernsehprogrammanbieter HBO, die Film- und Fernsehgesellschaft Warner Bros. und den Sender CNN besitzt.

    Dieser Schritt ist Teil einer ganzen Welle wettbewerbswidriger Aktivitäten, zu denen auch das Ende der Netzneutralität gehört. Es ist zu erwarten, dass die jüngste Fusion die Verbraucherpreise nicht nur für Internet- und Telefondienste, sondern auch für die Verbreitung digitaler Inhalte anheben wird, wobei die Gewinne an die Milliardeninvestoren fließen.

    Steigende Aktienrückkäufe

    Die Aktienrückkäufe schnellen bereits in die Höhe, um bald den Rekord von eine Billion Dollar an Rückkaufaktivitäten vom vergangenen Jahr zu übertreffen. CNN berichtete, dass die Rückkäufe von Firmenkunden der Bank of America Merrill Lynch in diesem Jahr um erstaunliche 91 Prozent gestiegen sind, was die Vereinigten Staaten „mit Tempo einem weiteren Rekordjahr“ näher bringe. Bei einem Aktienrückkauf erwerben Unternehmen ihre eigenen Wertpapiere und reduzieren damit meist die Anzahl ihrer Aktien, so dass der Wert pro Aktie und damit auch die Dividende steigt. So ziehen Unternehmen immer größere Summen aus Vermögensanleihen ab und setzen sie ein, um ihre eigenen Aktienkurse zu stärken.

    All diese Faktoren führen dazu, dass – wie sich der Ökonom Gabriel Zucman ausdrückt – die Gesellschaft zu dem Level der Ungleichheit des „Gilded Age“ im 19. Jahrhundert zurückkehrt. Gestützt auf ein Forschungspapier, das er Anfang des Jahres veröffentlichte, erklärt Zucman: „Die Daten zeigen, dass die Vermögenskonzentration in den Vereinigten Staaten auf das Niveau von 1920 zurückgekehrt ist. 40 Prozent des gesamten Haushaltsvermögens gehören dem obersten Prozent. Etwa 20 Prozent gehören den oberen 0,1 Prozent, was ungefähr dem Vermögensanteil der unteren 90 Prozent entspricht.“

    Das ist die Realität des Kapitalismus, die das Wiederaufleben des Klassenkampfs und des Interesses am Sozialismus entfacht hat. Die herrschende Klasse fürchtet sich vor den Folgen dieser Entwicklung und bereitet ihre Antwort vor.

    Ihre Gegenreaktion zeigte sich bereits in Trumps Kriegserklärung an den Sozialismus. In seiner Hetzrede vor einer Woche hatte der rechtsradikale US-Präsident verkündet: „In unserer Hemisphäre neigt sich die Zeit des Sozialismus dem Ende zu.“ Trump spricht nicht nur für sich selbst, sondern für die rücksichtslosesten Vertreter des kapitalistischen Systems, die in der wachsenden Unterstützung für Sozialismus das Gespenst der sozialen Revolution erblicken, das sie mit aller Macht des Staates niederschlagen wollen.

    Auf der anderen Seite versuchen verschiedene Politiker und Organisationen in und um die Demokratische Partei, die Fiktion zu verbreiten, dass Maßnahmen zur Bekämpfung der sozialen Ungleichheit ergriffen werden können, ohne den Reichtum der herrschenden Klasse und das kapitalistische System selbst direkt anzugreifen. Noch dazu soll diese Politik von der Demokratischen Partei gemacht werden, eine rechte kapitalistische Partei, die bei der massiven Umverteilung des Vermögens an die Reichen eine zentrale Rolle gespielt hat.
    (…)
    Keiner dieser selbsternannten Reformer verliert ein Wort darüber, wie diese äußerst bescheidenen Vorschläge angesichts einer rücksichtslosen und reaktionären herrschenden Elite umgesetzt werden sollen. Wenn die US-Notenbank die Zinsen nicht anheben kann, um die langfristigen Interessen des Kapitalismus zu wahren, und sich die Gerichte über die bestehenden Kartellgesetze einfach so hinwegsetzen können, dann kann man sich leicht vorstellen, wie die wütende Reaktion auf die kleinsten Bemühungen zur Erhöhung der Reichensteuern aussehen würde.

    Ein echter Kampf der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus erfordert die vollständige Enteignung der Finanzoligarchie und ihrer Machtquelle – der Ausbeutung der Menschen durch kapitalistische Eigentumsverhältnisse.

    Notwendig sind nicht „erstrebenswerte“ Vorschläge zur Steuererhöhung um einige Prozentpunkte – Maßnahmen, die im Kapitalismus ohnehin nie erreicht werden können –, sondern die Enteignung der herrschenden Klasse. Alle großen Unternehmen und Banken müssen in öffentliches Eigentum überführt und demokratischer Kontrolle unterstellt werden, um Wirtschaft und Gesellschaft aus dem Würgegriff der Finanzoligarchie zu befreien.

    Aus:

    Sozialismus und die Forderung nach Enteignung
    28. Februar 2019 https://www.wsws.org/de/articles/2019/02/28/pers-f28.html

    Oder nochmals hier:

    Im Jahr 1883 fand in Pittsburgh ein Anarchistenkongress statt. Er arbeitete ein Manifest aus:

    Alle Gesetze sind gegen die Arbeiterschaft gerichtet. … selbst die Schule dient lediglich dem Zweck, die Nachkömmlinge der Wohlhabenden mit jenene Qualitäten auszustatten, die nötig sind, um ihre Klassendominanz aufrecht zu erhalten. Die Kinder der Armen erhalten kaum überhaupt formelle Grundlagenbildung, und selbst diese richtet ihr Augenmerk auf solche Zweige, die dazu tendieren, Vorurteile, Arroganz und Unterwürfigkeit zu produzieren, kurz: einen Mangel an Verstand. Die Kirche schließlich versucht, aus der Masse komplette Idioten zu machen, und sie dazu zu bringen, auf das irdische Paradies zu verzichten, indem sie ihnen einen fiktiven Himmel verspricht. Die kapitalistische Presse andererseits sorgt für die Verwirrung der Vernunft im öffentlichen Leben. … Die Arbeiter können deshalb von keiner kapitalistischen Partei Hilfe bei ihrem Kampf gegen das derzeitige System erwarten. Sie müssen ihre Befreiung aus eigener Kraft erreichen. Eine privilegierte Klasse gibt niemals ihre Tyrannei auf. Das war in früheren Zeiten so, und ebenso wenig sollte man erwarten, dass die Kapitalisten dieser Tage ihre Herrschaft aufgeben, wenn man sie nicht dazu zwingt.
    (Howard Zinn, Eine Geschichte des amerikanischen Volkes, s. 262)

    • Gesellschaftliches Zielbild: Volle Rolle Kontrolle!

      Minute 43:40 Dr. Markus Krall: Der Crash kommt 2020 – Der Banken-Insider verrät die Gründe

      Ein Aufruf zum Kampf für die Freiheit!

      youtube.com/watch?v=y9_9HC63Jd4

  3. „Soylent-Grün ist Menschenfleisch!“ o.O
    Ansonsten wurde im Artikel und in den Kommentaren ja alles schon gesagt.

    Eins noch: Ist eigtl noch jemandem aufgefallen, dass – während der französischen Gelbwestenprotest – als hierzulande die Benzinpreise auf über 1,50€ stiegen, und als die ersten kleinen deutschen Grüppchen gelbe Westen anzogen, der Benzinpreis wieder um rd 20 ct fiel? Oder habe ich mir das eingebildet?

    PS: „Realitätsfern“, ich kann gar nicht zählen, wie oft ich das schon in allen Varianten gehört habe!

  4. Der Migrant/Asylbewerber wird nicht vom Grosskapital importiert? Die kommen von selber? Ja, aber jemand muss die Grenzen öffnen! Man kann die Flüchtlinge verstehen, wenn sie weg wollen; aber wer versteht denn dieses hier nicht: Auf 1000 Männer zw. 50 und 59 folgen in Deutschland 650 Jüngere zw. 15 und 19. Anders in Somalia, dort sind es 5700 Nachfolgende. Und wenn unsere 650 Jünglinge frech werden, immer mehr verdienen wollen, gar gelbe Westen anziehen und protestieren, was liegt denn da näher als andere, Willige ins Land zu holen. Wessen Interessen vertritt denn, wer solches verschleiert und die Verteter eines eingsschränkten politischen Asyls als rassistisch, Nazis etc beschimpft?

    • Und was liegt denn da näher, als mittels von Helferhumanität („Helfer sind immer die Guten“) die gesellschaftliche Triage zu rechtfertigen, ist zu ergänzen. Denn um demnächst Mindestlöhne und Grundsicherungssätze kürzen zu können, bietet es sich an, die einheimische Unterschicht und die Geflüchteten zueinander in Opferkonkurrenz zu stellen. Was die Lebenserwartung der 50 bis 59-Jährigen Unterschichtler drastisch verkürzen wird. Aber die Geflüchteten zurückschicken? Frage an routard, ob er denn den Drecksjob bei der „Rückführung“ von Flüchtlingen übernehmen möchte.

      Don’t panic, we’re on the Titanic, und zwar NACHDEM sie den Eisberg gerammt hat. Noch spielt die Kapelle… . Zeit genug also, den Puls runterzubekommen und kalt und kühl strategisch zu denken.

      Aus Beethovens Oper Fidelio die Mut-Arie des Kerkermeisters Rocco: So hab denn Mut, Söhnchen, Mut, so hab denn Mut, so hab denn Mut, dann wird’s dir auch gelingen. Mit kaltem Blut, mit kaltem Blut bei fürchterlichen Dingen.

    • Berechtigte Frage. Ich sehe es so: wer da ist, ist da, der weitere Zuzug sollte aber grundgesetzgemäss auf wirklich politisch o. religiös Verfolgte beschränkt sein. Einfach mal ein wenig Rechtstaat wäre wünschenswert, um noch zu retten, was zu retten ist. Sonst dürften wir bald das hier anstimmen:
      Va, pensiero sull’ali dorate
      va, ti posa sui clivi, sui colli,
      ove olezzano trepide e molli
      l’aure dolci del suolo natal!…

    • Ho pensato ai ’Klippen’, ma vede qui: Le principali particolarità lessicali di Va pensiero riguardano la presenza di termini aulici, come voleva la prassi di prosa e poesia ottocentesca.
      In particolare: clivi, olezzano, membranza, favella, fatidici, traggi, concento, nonché i nomi propri….. (Wikipedia ital),
      declivio = Hang

    • Danke an routard, 05.03., 08:42

      „Laß dich nieder, Gedanke, auf den Hügeln und Hängen…“

      Das schönste Liebespaar von allen sind die Poesie und die Musik. Hab soeben *What a wonderful world* von Eva Cassidy entdeckt. Sie macht die Vögel lauschen und träumen. Ich wollte es nicht glauben, als ich es sah.

  5. Es ist fast unmöglich wieder aus Hartz IV rauszukommen, wenn man da einmal drin ist. Hier könnte einem dann zwar der Staat helfen, indem er etwa Eingliederungsmaßnahmen finanziert, aber letztlich funktioniert dies nur mit dem fehlerhaften Prinzip „Gewinne privatisieren – Verluste sozialisieren“.

    Wir helfen den Hartz IV-Empfängern dadurch, indem wir uns ständig wieder von den Banken Geld ausleihen, die das Geld aus dem Nichts schöpfen und werden dadurch auch im internationalen Vergleich immer wettbewerbsfähiger. Wir machen dann mit dem Außenhandel immer mehr Profite, aber wir könnten unsere Exportwaren auch genauso gut verschenken, weil das Ausland seine Schulden niemals zurückzahlen kann.

    Ich habe ein abgeschlossenes Studium (FH Wirtschaft) und muss es zu meiner Schande gestehen, dass ich die Funktionsweise des Geldes und der Marktwirtschaft mit meinem Studium noch nicht verstanden hatte.

    Bei einem Studium arbeitet man allerdings auch dermaßen viel Stoff durch, dass für das Nachdenken über die Inhalte kaum noch Zeit ist.

    Aber die meisten Politiker im Bundestag haben doch kein Wirtschaftsstudium. Es gibt dort viel zu viele Juristen, zu denen auch Olaf Scholz zählt und gestern hat er auch noch bei Twitter für die Bankenunion geworben, was einem doch ein sehr großes Unbehagen bereiten müsste, wenn man das Geld verstanden hätte.

    Ebenso kritisiert das Handelsblatt ständig den Protektionismus von Donald Trump und mir kommt es so vor, als ginge es unseren Medien einzig und allein um die Interessen der Mächtigen dieser Welt.

    Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwierig sich in die tatsächliche Funktionsweise der Marktwirtschaft hineinzudenken.

    Bei unserer Marktwirtschaft ist es vor allem problematisch, dass Geld gleichzeitig eine Schuld gegenüber den Banken ist, die das Geld aus dem Nichts schöpfen.

    Sobald viele Personen etwa bei wenigen Supermarktketten einkaufen, dann müsste man es sich eigentlich denken können, dass dann vermutlich auch viele aus dem Nichts verliehene Kredite nicht mehr an die Banken zurückgezahlt werden können und dass insofern auch Staatsschulden möglicherweise nicht abgebaut werden. Schließlich befindet sich das Geld dann mit der Zeit immer mehr im Besitz weniger reicher Personen, die ihr Geld dann später nicht mehr ausgeben.

    Die Supermärkte versuchen es jedenfalls immer mehr Marktanteile zu bekommen, weil sie dann alles noch günstiger anbieten können. Nur so können sie am Markt bestehen. Allerdings wird es dann mit der Zeit fast schon unmöglich, dass es neue Wettbewerber gibt, weil diese mit den günstigen Preisen der großen Anbieter nicht mithalten können.

    Der Geldbesitz weniger großer Akteure der Wirtschaft hat jedenfalls den Nebeneffekt, dass immer mehr von dem Geld, das doch wegen der etwas sonderbaren Geldentstehung als Schuld immer mehr für die Schuldenrückzahlung benötigt werden müsste, dem Geldumlauf dauerhaft entzogen ist. Dadurch gibt es immer mehr Geld, das extrem ungleich verteilt ist und auch immer mehr Schulden, für die alle Bürger die Zinsen bezahlen müssen, obwohl diese doch gar keine Chancen haben ihre ständig ansteigenden Schulden jemals zu bezahlen.

    Das Nachlegen von Geld funktioniert nur als Schuld und weil die Normalbürger sich mit der Zeit immer weniger verschulden, was insbesondere beim Konsum passiert, tut es stattdessen der Staat bzw. die Allianz zwischen Politik und Banken. Es gibt dann mit der Zeit immer mehr Schulden, die auch die Geldmenge immer mehr ausweiten, aber der Schuldenabbau funktioniert nicht, weil die Reichen dieser Welt eben nicht konsumieren.

    Der sehr einfach zu verstehende Fehler unseres Geld, der auch gleichzeitig Kriege und immer schnellere Abholzung verursacht ist ganz einfach der Umstand, dass der Staat sich verschulden muss, um die Sparpläne der Privaten zu ermöglichen.

    Obwohl wir doch alles im Grunde genommen alles wissen, machen wir immer so weiter, weil die andere Alternative der große Finanzcrash ist, der aber mit jedem längeren Abwarten noch viel heftiger sein muss.

    Gleichzeitig kann man Veränderungen nur global erreichen und dafür müssten alle Länder weltweit mitmachen.
    Aber bei unseren Politikern bin ich mir durchaus nicht sicher, dass diese auf der internationalen Bühne wirklich für eine bessere Politik werben.

    Ich halte es für wahrscheinlich, dass es trotzdem demnächst zu Veränderungen kommen wird, weil die anderen Alternativen entweder ein Dritter Weltkrieg und/ oder ein Ökozid sind.

    • Wohl wahr.
      Aber wir könnten durchaus anders, sogar parallel zu dem bestehenden Idiotensystem und ohne jegliche Revolution. Einige arbeiten schon daran. Hauptsache, wir bleiben als anfängliches Pflaenzchen unterhalb des Wahrnehmungsradars der derzeitigen Profiteurwalzen.

    • @Ralf Becker

      Aber das aus dem Nichts geschöpfte Geld ist mitnichten das Problem. Das Problem entsteht erst in dem Moment, in dem die Geschäfte der Schuldner infolge des tendentiellen Falls der Profitrate keinen Gewinn und nicht einmal mehr alle Kosten einfahren, und die Schuldner nun ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können. Und genau dies charakterisiert die gegebene chronische Profitkrise des Kapitals.

  6. Wie war das gestern auf dem CAP Tag(glaube) ich in USA. Da haben sich die Militärs und co. versammelt. An oberster Front Mr. Pence. Und schön Phrasen dreschen“ Wir wollen Freiheit und nicht Sozialstaat“. Das sagt doch alles und da wir das System copy, paste übernommen haben wundert mich nichts mehr. Es kommt noch soweit, dass man die armen Menschen wie in LA wie Ratten irgendwo unterirdisch in den Untergrund der Großstadt drängt. Aus dem Auge aus dem Sinn. Es gibt kein Problem, die Sicht auf die Dinge ist das Problem nicht wahr liebe Parlamentsabgeordnete? Man muss das Glas halbvoll sehen. Ach so, auch Abgeordnete können arbeitslos werden. Ach ich vergaß nur die Loser, die Spezialisten nicht.

  7. @Hog1951
    @Freischwimmer

    «Ich höre mir die ganzen Diskussionen genau an, euch beide und andere gebildete Leute in der Stadt; ich lese auch Zeitungen und Zeitschriften. Und je mehr ich euch zuhöre, desto mehr überzeuge ich mich davon, dass die meisten dieser mündlichen oder schriftlichen Diskussionen mit dem Leben und seinen wirklichen Anforderungen und Problemen nichts zu tun haben. Denn das Leben, das wirkliche Leben, betrachte ich aus allernächster Nähe, ich sehe es bei den anderen, und ich spüre es am eigenen Leib. Kann sein, dass ich mich täusche und dass ich mich nicht gut ausdrücken kann, aber mir drängt sich oft der Gedanke auf, dass der technische Fortschritt und der relative Friede in der Welt eine Art Windstille geschaffen haben, eine besondere, künstliche und unwirkliche Atmosphäre, in der eine Klasse von Menschen die sogenannten Intellektuellen, sich frei dem müssigen und interessanten Spiel mit Ideen und Lebens- und Weltanschauungen hingeben können. Eine Art geistiges Treibhaus, mit künstlichem Klima und einer exotischen Flora, aber ohne jede Verbindung mit der Erde, mit dem wirklichen und harten Boden, auf dem sich die Massen der Menschen bewegen. Ihr glaubt, ihr diskutiert über das Schicksal dieser Massen und ihren Einsatz in den Kämpfen zur Erringung der höheren Ziele, die ihr ihnen setzt, aber in Wirklichkeit haben die Räder, die sich in euren Köpfen drehen, weder etwas mit dem Leben der Masse noch mit dem Leben überhaupt zu tun. Hier wird euer Spiel gefährlich oder kann es wenigstens werden, sowohl für die anderen als auch für euch selbst»

    • Moin, Kari, dass Diskussionen immer in gewisser Weise abstrakt sind, ergibt sich alleine daraus, dass wir im Gegensatz zu manch anderem Lebewesen um uns herum abstrahieren können. So ergibt sich fuer uns Menschen auch die Möglichkeit ueber uns selbst nachzudenken.
      Inwieweit aber diese Diskussionen speziell hier im Forum “ mit dem Leben und seinen wirklichen Anforderungen und Problemen nichts zu tun haben“, erschliesst sich mir nicht. Gerade die Kommentare von S.Bonath und die Erwiderungen darauf sind doch in aller Regel sehr konkret und am wirklichen Leben orientiert.
      Die entscheidenden Fragen sind doch oftmals die nach einer Orientierung: „Wie stelle ich mir ein gesellschaftliches Miteinander vor, das nicht von Raub und Krieg dominiert ist?“

      „der technische Fortschritt und der relative Friede in der Welt (…)“
      Nun ich sehe keinen relativen Frieden. Ich sehe Krieg, wohin ich nur schaue. Das fängt mit Syrien an, ueber Lybien, Irak und mehr und geht weiter ueber den alltäglichen Raub an unserem Gemeinwohl. Wenn z.B. in DE (gilt aber in fast allen Staaten) das von den Werktätigen geschaffene nicht an sie wieder zurueckgefuehrt wird, sondern von den Herrschenden abgegriffen wird, und uns nur das allernotwendigste ueber bleibt, dann nenne ich diesen Raubbau auch ‚Krieg‘, der gegen uns gefuehrt wird. Wie nennst Du das, wenn der US-Imperialismus das Volksvermögen Venezuelas beschlagnahmt? Wenn Sanktionen gegen die halbe Welt verhängt werden, sodass, wie seinerzeit im Irak deswegen millionen Tote zu beklagen waren? Soetwas nenne ich nicht „relativen Frieden“, sondern Krieg. Wenn in Frankreich die Gelbwesten mit Gummigeschossen verstuemmelt werden, dann nenne ich das Krieg.
      Dass das alles und noch viel mehr keine Bodenhaftung hätte und dass das „weder etwas mit dem Leben der Masse noch mit dem Leben überhaupt zu tun“ hat, das muss man mir erst noch erklären.
      mfG

    • Möglicherweise in diesem Zusammenhang von Interesse:

      Samstag, 02. März 2019, 15:57 Uhr
      ~5 Minuten Lesezeit
      Marktgerechter Frieden
      Der Neoliberalismus hat die Wissenschaft entpolitisiert und sie den Gesetzen der Rentabilität unterworfen.
      von Werner Ruf

      Die Friedensforschung, einst beliebtes Forschungsgebiet von Akademikern, die auch in der Friedensbewegung aktiv waren, hat sich im Laufe der Jahre von der politischen Bewegung abgespalten. Dies ist symptomatisch für eine Wissenschaft, die sich an das herrschende Dogma des Wettbewerbs anpasst.

      In ihrer Gründungsphase definierte die Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK) auf einer Tagung in Berlin-Wannsee am 24. und 25. April 1971 ihr Selbstverständnis folgendermaßen:

      „Kritische Friedensforscher/innen lehnen eine am Status quo orientierte Befriedungsforschung ab. … Kritische Friedensforscher/innen begreifen sich als wissenschaftliche Parteigänger von Menschen, die durch die ungleiche Verteilung sozialer und ökonomischer Lebenschancen in und zwischen Nationen, das heißt durch strukturelle Gewalt, betroffen sind: von Ausgebeuteten, von sozial Diskriminierten und von unmittelbar in ihrer physischen Existenz Bedrohten“ (1).

      Wird Friedensforschung konsequent gedacht, kann sie sich nicht auf Kriege in Form zwischenstaatlicher bewaffneter Auseinandersetzung beschränken, sondern sie muss die Frage nach dem Ursprung und den Ursachen von Gewalt stellen. Forschungsgegenstand werden dann alle Formen struktureller Gewalt, wie Johan Galtung sie versteht, ebenso — als Gegenmodell zum gewaltförmigen Widerstand — Formen der Gewaltfreiheit, wie Gandhi sie praktizierte.
      https://www.rubikon.news/artikel/marktgerechter-frieden

      Ergänzend zum Thema „Erfolgsmodell“ Gandhi.. Denn es zählt doch wohl was dabei herauskam und nicht was man sich dabei wunschgedachte:

      Dienstag, 29. Januar 2019, 16:00 Uhr
      ~16 Minuten Lesezeit
      Gefährliche Friedfertigkeit
      Wenn die Menschen die Unwirksamkeit des Pazifismus erkennen, droht noch mehr Gewalt.
      von Jochen Mitschka

      Pazifismus ist viel mehr als „Gewaltlosigkeit“. Für diesen Begriff gibt es viele Definitionen und Wikipedia beschreibt ausführlich die Geschichte dessen, was sich Pazifismus nannte. In der Neuzeit galt friedlicher Widerstand vorwiegend als Waffe, mit der Schwächere ein politisches Ziel gegen einen deutlich stärkeren Machthaber durchsetzen wollten. Dass dies aber schon immer mit Gewalt auch der angeblich „Gewaltlosen“ verbunden war, und auch zu noch mehr Gewalt und Leid führen konnte, ist nur wenigen bewusst.

      (…)
      Dass Pazifismus heute ebenfalls seine Wirkung auf die Gesellschaft verloren hat, ist nicht wegen des Verlustes des Sakralen und Transzendenten, sondern weil diejenigen, gegen die sich Pazifismus richtet, die Vertreter der herrschenden Strukturen des Establishments, jede Moral und Ethik aufgegeben haben, ohne die Pazifismus, interpretiert als Gewaltlosigkeit, aber nicht funktioniert.

      Dabei wird davon ausgegangen, dass die Wirkung des Pazifismus daraus besteht, die Gewalt des Stärkeren so deutlich werden zu lassen, dass dieser und die Welt um ihn herum zur Einsicht kommen, dass die Gewalt unmoralisch, unethisch wäre. Waren diese Herrscher während der großen Konfrontation der Mächte im Westen und Osten noch in einem Wettbewerb der Systeme, in denen die Moral und Ethik als Waffe eingesetzt wurde, benötigte man nach der Aufgabe der Ideen des Kommunismus im Osten diese Waffe nicht mehr. Aber der Pazifismus, wenn er denn als Gewaltlosigkeit definiert wird, benötigt einen Rest von Moral und Ethik, damit er überhaupt wirken kann.
      (…)
      Gandhi soll also gegen Unterdrückung und für soziale Gerechtigkeit gekämpft haben. Hier findet man keine Einschränkung, dass er dies nur für Inder aktiv betrieb. Dazu bemerkt der Sozialwissenschaftler Rainer Roth in seinem Buch Sklaverei als Menschenrecht:

      „Gandhi sah die Beteiligung indischer Truppen im Rahmen der britischen Armee als entscheidende Voraussetzung dafür an, dass Indien im Rahmen des Britischen Empire gleiche Rechte auf Selbstregierung zugestanden wurden wie Australien und Kanada.
      (…)
      Hier lesen wir also, dass es nicht um „Unterdrückte“ ging, die unterstützt werden sollten, sondern darum, dass die indische Bourgeoisie von der britischen als gleichberechtigt anerkannt wurde.
      (…)
      Demnach wollte Gandhi dem britischen Empire sogar bewaffnete indische Militäreinheiten zur Verfügung stellen, um damit noch besser Zulus zu unterdrücken. Eine Tatsache, die weitgehend verschwiegen wird, zum Beispiel auch in Wikipedia.
      (…)
      usw. auch recht lesenswert
      https://www.rubikon.news/artikel/gefahrliche-friedfertigkeit

      Abschließend noch zwei grundlegende Anmerkungen:

      “Es wurde lange Krieg [Anm.d.Red. frei nach W. Buffet] gegen die Bevölkerung geführt, jetzt wehrt sie sich. […] Hartz-IV ist ein Gewaltregime, das weiß jeder, der ihm unterworfen ist. […] Wir haben eine ganze Reihe von Mechanismen struktureller Gewalt. […] Gewalt der Schwachen wird verurteilt. Gewalt der Starken wird nicht diskutiert.”
      (Rainer Mausfeld)

      Zweitens jedoch sind emanzipatorische, zivilisatorische Errungenschaften immer nur in oft langen und sehr mühsamen sozialen Kämpfen errungen worden. Das ist ein schwieriger Punkt für uns, denn wir mögen eigentlich Kämpfe nicht. Denn Kämpfe suggerieren Gefahr und Unsicherheit. Was wir aber eigentlich suchen, ist Harmonie und Sicherheit.
      Daher versuchen wir Konflikte mit anderen in der Regel durch Austausch, Dialog und Verständigung zu lösen. Es ist gut, dass wir dieses natürliche Bedürfnis und eine natürliche Aversion gegen Kämpfe haben.
      Das macht uns aber anfällig für einen sehr folgenschweren Kategorienfehler. Wir neigen nämlich dazu, interpersonale Kategorien der Konfliktlösung wie Dialog und Verständigung auch auf gesellschaftliche Antagonismen, also auf asymmetrische Machtverhältnisse, zu übertragen. Das ist ein sehr schwieriger Punkt. – Man kann ihn sich aber ganz einfach klarmachen – wieder durch einen Blick auf die Geschichte. Soziale Errungenschaften wurden den Mächtigen stets abgetrotzt, in sozialen Kämpfen. Sie können die gesamte Geschichte zurückgehen: Soziale Errungenschaften wurden immer in sozialen Kämpfen den Mächtigen abgetrotzt – und nicht etwa in einem empathischen Dialog errungen.“
      (Rainer Mausfeld, 28. Pleisweiler Gespräche)

    • @Karl

      Sie können sich mehr als gut ausdrücken! Das war sehr gut. Aber gefährlicher, als es bereits ist, kann alles müßige Geschwätz es auch nicht mehr machen. Ansonsten vielen Dank für den beherzten Stich ins Wespennest 😐.

  8. Ach Frau Bonath, ich kann es mir nicht erklären, denn alles was sie schreiben ist in sich schlüssig und doch bleibt ein schaler Geschmack im Mund. Während die „Oberschicht“ klare Ziele verfolgt, versagt die „Mittelschicht“ und die „Untewrschicht“ versteht die Welt nicht, denn das Volk, das liebe dumme Volk tappt in die Falle aufgrund von Selbsterhaltungsansprüchen. Ist das wirklich so? Ich bin mir da nicht so sicher. Es macht doch keinen Sinn, Menschen auf der Welt neu zu verteilen und zu hoffen, dass sie sich solidarisieren. Eine Hoffnung die sich nimmer erfüllen wird, am Ende ist jeder traumatisiert und seiner Kultur beraubt. Schon jetzt gibt es Philosophen, die den Menschen als überfordert erleben und Entscheidungen der Maschinenwelt überlassen wollen. Die künstlich erzeugte Bildungsmissere ist ja nicht nur eine Frage des Geldes, sondern liegt auch darin begründet, dass Vertrauen und Geborgenheitsgefühle abhanden kommen. Eines ist sicher, dass der Leidensweg noch kein Ende gefunden hat, zumindest darin scheint mir ein gewisser gemeinsamer Konsens zu bestehen.

  9. Ach, Frau Bonath, da brauchen Sie ganze 15 Absätze, um endlich an ihr Lieblingsthema zu kommen?!

    „Und am Ende stehen wieder der „faule Hartzer“, der Migrant und der Asylbewerber. Letzterer würde vom Großkapital importiert, plappern politisch Denkfaule rechten Vorbetern nach. Was sie nicht geschnallt haben: Dem Großkapital ist es egal, woher die Sklaven kommen. Und Fabriken bauen kann es auch im Kongo.“

    Wenn Sie schon so tun, als wenn Sie 1 und 1 zusammenzählen könnten, dann muesste Ihnen doch wohl klar sein, dass es wesentlich kostenaufwendiger wäre eine Fabrik im Kongo aufzubauen, als die Kongolesen beispw. in De auszubeuten ?
    Gibt es einen Grund, warum das Kapital das tun sollte, wo es doch so hilfreich unterstuetzt wird, Fluechtlinge und Migranten ins Land zu schleusen, von all den Systemparteien einschliesslich solcher sich links duenkenden Personen wie Bonath und Co.?

    • Die imperialistischen Mächte haben am Kongo nur ein Interesse: Die Rohstoffe auszubeuten und den Reichtum Kongos und der übrigen afrikanischen Länder abzuschöpfen. Die Menschen dort sind ihnen völlig egal. Die werden in Hunger und Elend gelassen. Jean Ziegler sagte sinngemäß: Die Dritte Welt braucht nicht unsere Hilfe. Wir sollten einfach aufhören, sie zu bestehlen. (Mit „uns“ meinte er etwas unscharf einfach den kapitalistischen globalen Norden. Nicht Sie und mich persönlich.)

      Menschen neigen dazu, überleben zu wollen. Wenn sie das durch den Raub der Konzerne in ihren Ländern nicht können, dann versuchen sie es woanders. In der nächsten Stadt, in der Hauptstadt, im Nachbarland oder in Europa. Hier reihen sie sich in das Heer der Ausgebeuteten als unsere Klassengeschwister ein. Wir müssen, wenn wir uns selbst helfen wollen, auch ihnen helfen. Denn Solidarität ist die schärfste Waffe der unterdrückten Klasse.

    • Moin, Alexander, mal angenommen, die -zig millionen kommen tatsächlich hierher, wo sollen sie nächtigen, die Unterkünfte sind doch wirklich begrenzt. Die Arbeitsplätze ebenso, es sei denn man schraubt das Lohnniveau noch weiter runter.
      Ich halte folgende Aussage: „Hier reihen sie sich in das Heer der Ausgebeuteten als unsere Klassengeschwister ein. Wir müssen, wenn wir uns selbst helfen wollen, auch ihnen helfen. Denn Solidarität ist die schärfste Waffe der unterdrückten Klasse.“ Für ein reines Stoßgebet gen Himmel, wohl wissend, daß das im Chaos enden würde.

  10. Ach Frau Bonath, ich liebe Ihr wording!!! Auch wenn das bestimmt wieder einige Gehirne triggert. Man muss es so klar und krass ausdrücken, damit der Untertan es vielleicht, eventuell, mit viel Glück, hoffentlich irgendwann mal schnallt.

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