Tagesdosis 20.1.2020 – 1920: Vertrag von Versailles – Nach dem Krieg ist vor dem Krieg

Ein Kommentar von Hermann Ploppa.

Es ist nun über hundert Jahre her, dass am 10. Januar 1920 der „Friedensvertrag“ von Versailles in Kraft trat. Auch nach hundert Jahren können dieser Vertrag und seine Folgen die Gemüter der Nachgeborenen noch erhitzen. Der Versailler Vertrag besagte, dass Deutschland als allein schuldiger Verursacher des Ersten Weltkriegs festgestellt wurde. Aus diesem Grund sollte Deutschland über viele Jahrzehnte hinweg eine astronomische Summe an Geld sowie immense Sachleistungen an Großbritannien und Frankreich abliefern. Zudem sollte Deutschland Abschnitte seines Staatsterritoriums an seine Nachbarländer abtreten.

Das alles wurde in dem Vertrag von Versailles geregelt, der am 28. Juni 1919 unterzeichnet wurde.

War denn die Übereinkunft von Versailles überhaupt ein richtiger Vertrag?

Das kann man verneinen. Denn ein Vertrag wird zwischen zwei gleichberechtigten Parteien nach freien Verhandlungen abgeschlossen. So wurde nach der Niederlage des napoleonischen Frankreichs bei der Wiener Konferenz im Jahre 1815 der Vertreter der Verlierernation, Talleyrand, als gleichberechtigter Verhandlungspartner zugelassen. Talleyrand konnte am Verhandlungstisch für Frankreich vorteilhafte Regelungen aushandeln.

Als nun der Präsident der USA, Woodrow Wilson, in der Endphase des Ersten Weltkrieges nach Europa signalisierte, dass im Falle eines Waffenstillstands Deutschland faire Verhandlungen erwarten konnte, wurde ihm Glauben geschenkt. So schloss am 11. November 1918 eine deutsche Delegation mit den Vertretern Großbritanniens und Frankreichs einen Waffenstillstandsvertrag ab. Die Deutschen erwarteten nun eine Einladung zu den Friedensverhandlungen, die in Paris stattfinden sollten. Als allerdings die Staatsoberhäupter der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Italiens in Paris die Verhandlungen eröffneten, wurde die deutsche Delegation in einem Pariser Hotel unter Hausarrest gestellt. An einen Zugang zu den Verhandlungsräumen war überhaupt nicht zu denken. Was dort verhandelt wurde, erfuhr die deutsche Delegation nur sehr lückenhaft. Die Deutschen konnten sich überhaupt nur durch schriftliche Eingaben zur Sache äußern. Als Angeklagte wurden die deutschen Zivilpolitiker durch ein Spalier von Kriegsversehrten nach vorne geführt, um dann das Urteil anzuhören. Gedemütigt wurden hier die zivilen deutschen Politiker, die jetzt aus Pflichtgefühl die politische Verantwortung übernehmen  mussten für eine Niederlage, die sie gar nicht zu verantworten hatten. Politiker wurden als Angeklagte vorgeführt, die sich gegen den Krieg ihrer Militärjunta unter Ludendorff gewehrt hatten. Offenkundig ging es den Siegermächten auch darum, der neuen demokratischen Regierung gleich ein tödliches Stigma auf die Stirn zu brennen, um der jungen deutschen Demokratie umgehend das Genick zu brechen.

Die Urteilsverkündung fand übrigens im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles, etliche Kilometer vor den Toren von Paris, statt. Ein geschickt gewählter Ort. Hier regierte dereinst in absolutistischer Machtvollkommenheit König Ludwig der Vierzehnte, der gar sagte: „Der Staat bin ich!“ Und es war kein Geringerer als der hochgelobte deutsche Kanzler Otto von Bismarck, der nach dem Sieg der deutschen Truppen über Frankreich im Jahre 1871 die Neugründung des Deutschen Reichs mit der Kaiserkrönung Wilhelms des Ersten von Hohenzollern in eben diesem für die Franzosen so heiligen Spiegelsaal von Versailles besiegeln ließ. Bismarck wollte den „gallischen Hahn“, wie er sich auszudrücken pflegte, hemmungslos mit dieser Aktion demütigen. Bismarck war es ja auch, der dem unterworfenen Frankreich knochenharte Friedensbedingungen auferlegte, die, so sagte der Eiserne Kanzler von Blut und Schwert, den Franzosen nur noch ihre zwei Augen übrig lassen sollten, mit denen sie dann über ihre „Verluste weinen konnten“.

Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es auch wieder heraus. Das unverschämte Benehmen Bismarcks gegen Frankreich hatte nun zur Folge, dass die französische Regierung den Deutschen diese Maßlosigkeit heimzahlen wollte, indem es die an der Niederlage vollkommen unbeteiligten deutschen Zivilpolitiker in eben diesem Spiegelsaal von Versailles erniedrigen und demütigen ließ.

Auf Seiten der Siegermächte USA, Großbritannien und Frankreich gab es durchaus vehementen Widerstand gegen den Diktatfrieden von Versailles, mit weitreichenden politischen Folgen in den betroffenen Ländern selber. Der klarsichtigste Kritiker auf englischer Seite war der bedeutende Ökonom John Maynard Keynes. Keynes gehörte als Abgesandter des britischen Finanzministeriums zur Verhandlungsdelegation und hatte Zugang zu den innersten Kreisen. Als Keynes mit seinen Warnungen gegen die Unmäßigkeit der alliierten Forderungen an Deutschland nicht durchkam, trat er von seinem Posten zurück und alarmierte die Weltöffentlichkeit mit seinem Buch: *„Die Konsequenzen des Friedens“. Keynes gibt uns zunächst einen hautnahen Einblick in die Atmosphäre bei diesen geheimen Verhandlungen. Da thront als autistischer Mittelpunkt der amerikanische Präsident Woodrow Wilson. Welche Erwartungen waren diesem Geschichtsprofessor aus den amerikanischen Südstaaten auf seinem Weg nach Europa vorausgeeilt! In Paris fuhr er als bejubelter Messias durch Menschenmassen, auf seinem Weg zum Verhandlungsort. Wilson hatte mit seinen berühmten Vierzehn Punkten Hoffnung auf Frieden in Europa geweckt. Die Völker sollten in Zukunft frei und selbstbestimmt ihr Schicksal gestalten können. Ein Völkerbund sollte Konflikte entschärfen, bevor es zum Krieg kommen konnte. Und nun hockt Wilson stumm herum und tut rein gar nichts. Stattdessen wuseln suspekte Gestalten um die Verhandlungstische herum. Die alten Männer der französischen Delegation leben in der Vergangenheit und sinnen nach Rache für die Schmach von 1871. Die Briten und die Franzosen wiederum wollen aus Deutschland gigantische Vermögenswerte rauspressen in Form von so genannten Reparationen. Denn Frankreich und Großbritannien haben sich im Laufe des viel zu langen Krieges hoffnungslos bei amerikanischen Banken verschuldet, und müssen jetzt irgendwie die Schulden abzahlen. Das soll das deutsche Volk für sie besorgen. Durch Geld- und Sachleistungen. Und man will Deutschland noch Sahnestücke aus dessen Staatsterritorium herausschneiden. Das alles hat nun allerdings herzlich wenig mit einer Friedensregelung zu tun, findet John Maynard Keynes. Haben denn die Macher der Verträge überhaupt kein Bewusstsein dafür, dass das Versailler Diktat geradewegs in ein Massenelend, in Chaos und letztendlich in einen neuen Krieg führen wird? Dieser so genannte „Friedensvertrag“ wird direkt in einen neuen Krieg in zwanzig Jahren führen, warnt Keynes. Anstatt aus den besiegten Ländern immense Mittel abzuziehen, müsste man Kredite und andere Starthilfen hineinpumpen, damit die Staaten wieder auf die Beine kommen können, meint Keynes.

Offensichtlich sahen das viele Menschen in den USA und Großbritannien ganz genauso wie Keynes. Denn sein Buch wurde ein Bestseller. Als 1920 in den USA eine neue Regierung gewählt wurde, gewann Warren Gamaliel Harding von der republikanischen Opposition die Präsidentschaft, und auch im Kongress verzeichneten die Republikaner einen Erdrutschsieg. Der neue Präsident versprach, zur Normalität zurückzukehren und mit Deutschland einen separaten eigenen Vertrag zu unterzeichnen. Der Washingtoner Kongress lehnte die Versailler Verträge rundweg ab und die USA traten auch nicht dem von ihrem ehemaligen Präsidenten Wilson erschaffenen Völkerbund bei. Im Laufe der 1920er Jahre folgten dann amerikanische Banken dem Rat von Keynes und schnürten ein Kreditpaket für Deutschland, das dann als Dawes-Plan 1924 die deutsche Gesellschaft wesentlich subtiler unter amerikanische Kontrolle nehmen sollte als alle Raubverträge und Annexionen der Briten und Franzosen zuvor.

Und die Reaktion in Deutschland? Die zivilen Instanzen, die Reichsregierung und das Parlament, aber auch Kaiser Wilhelm der Zweite, waren im Krieg sukzessive in den Hintergrund geschoben worden. Die Generäle Hindenburg und Ludendorff hielten Deutschland in Schach und regierten selbstherrlich als Militärjunta. Ludendorff hatte die deutsche Niederlage mit seiner Irrsinnsstrategie geradezu erzwungen. Mit der Anordnung des bedingungslosen U-Boot-Krieges gegen alle Schiffe im Atlantik hatte Ludendorff die Steilvorlage für den Eintritt der USA in den europäischen Krieg geliefert. Die potentiellen Verbündeten aus der neuen bolschewistischen russischen Regierung hatte er gegen sich aufgebracht mit unverschämten Forderungen im Vertrag von Brest-Litowsk. Nachdem seine neue Strategie an der Westfront kläglich gescheitert war, kam Ludendorff im September 1918 auf die perfide Idee, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Ab sofort sollte in dieser hoffnungslosen Situation eine parlamentarisch legitimierte Reichsregierung die von Ludendorff in den Dreck gefahrene Karre wieder herausziehen. Ludendorff verkrümelte sich mit einem gefälschten Pass nach Schweden und tauchte erst in Deutschland wieder auf, als die Luft rein war. Jetzt durfte am 11. November 1918 der neue Finanzminister Erzberger, der mit dem Kriegsverlauf rein gar nichts zu tun hatte, anstelle von Hindenburg und Ludendorff den Waffenstillstand im Eisenbahnwaggon im französischen Compiègne unterzeichnen, flankiert von zwei relativ unbedeutenden Generälen aus dem deutschen Heer und der Marine.

Und auch hier wiederholt sich die Niederlage Frankreichs im Jahre 1871, diesmal mit umgekehrten Vorzeichen: 1871 hatte die französische Elite komplett abgewirtschaftet, und Bürgerkomitees übernahmen in Paris die Verwaltung und die Ordnung. Die französischen Eliten krochen unter die Fittiche Bismarcks und ließen mit deutschem Geld und deutscher Munition über 30.000 Pariser Bürger abschlachten. Nun 1918: auch hier war der Totalbankrott der bisherigen militärpolitischen Eliten offensichtlich. Auch in Deutschland begannen sich die Bürger selber zu organisieren. Jetzt krochen die deutschen Eliten unter die Fittiche der Briten und Franzosen. Der deutsche Unternehmer Karl Helfferich sammelte 500 Millionen Reichsmark für den Antibolschewistenfond und ließ aus traumatisierten gedemütigten Soldaten eine Killertruppe aufbauen, die in der jungen Weimarer Republik als Freikorpsverbände schreckliche Leichenberge aufschichtete. Der so genannte Kapp-Putsch 1920 wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom englischen Geheimdienst gesteuert und sollte die Weimarer Demokratie durch eine Militärdiktatur ersetzen. Politiker, die sich dem Diktat von Versailles entgegenstellten und die versuchten, mit der Sowjetunion zusammen ein souveränes Deutschland zu errichten, wurden von Schergen der Helfferich-Verbände ermordet oder schwer verletzt. Hier sind stellvertretend für viele zu nennen: Finanzminister Erzberger, Außenminister Walther Rathenau und Philipp Scheidemann. In absurder Umkehrung der Tatsachen wurde dann verbreitet, man habe diese Männer angegriffen, weil sie „Erfüllungspolitiker“ seien: sie hätten also das Versailler Diktat besonders eifrig unterstützt.

Es gab indes tatsächlich einen „Erfüllungspolitiker“, der energisch die Intentionen des Versailler Vertrags durchgesetzt hat: ein Münchner Politiker namens Adolf Hitler. Zu den äußerst umstrittenen Regelungen des Versailler Vertrags gehörte die Übergabe des österreichischen Südtirols an Italien. In seinem Buch „Mein Kampf“ fordert Hitler ausdrücklich die Übergabe Südtirols an Italien. Zudem plädiert Hitler für die Unterordnung Deutschlands unter das Britische Weltreich. 1934 ist unter der Diktatur Hitlers ein wesentlicher Agendapunkt endlich erfüllt: Deutschland tritt als Juniorpartner Englands einem Staatenbund von Großbritannien, Italien und Frankreich bei. Von dort aus vergingen nur noch fünf Jahre, nach denen dann auch noch die Voraussage von John Maynard Keynes exakt eingetroffen ist: im Jahre 1939 begann bekanntlich der nächste große Krieg.

Anmerkungen

*John Maynard Keynes: The Consequences of the Peace. London 1919

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildhinweis: Everett Historical / Shutterstock

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18 Kommentare zu: “Tagesdosis 20.1.2020 – 1920: Vertrag von Versailles – Nach dem Krieg ist vor dem Krieg

  1. Wie damals, so auch heute – es wird niemand richten für die durch die Regierung vom Einfluß abgeschnittenen. Doch werden sie das jemals erkennen?

    Viel bequemer ist es doch, sich in persönlicher Ernährungsoptimierung oder Sinnsuche zu ergehen.

  2. Ich las bei Dr. John Coleman, über das Tavistock-Institut und deren Dazutun zum Untergang des Zarenreichs 1917; und ich kann mir einen Zusammenhang mit Deutschland rund um WK I und II mehr als gut vorstellen, denn es ging den Internationalisten der Bankenwelt immer um die "Integration". Und alle, die sich wollten, denen hat man den Terror geschickt! Das wird jetzt überzeugte Kommunisten und Anti-Deutsche nicht erfreuen. Aber weder war es eine russische Revolution und ich halte auch nichts vom Deutschen-Bashing wegen der Operation Hitler, bei der es um Geld ging. Geld, Geld, Geld. Der einzelne Täter ist damit nicht entlastet. Aber diese Form des Missbrauchs hätte viele Länder treffen können!

    Frei nach Dr. Coleman:

    Als die Romanow-Dynastie 1612 die russische Armee gegen Polen führte und große Teile des von den Polen besetzten Gebietes zurückeroberten, steigerte sich der Hass der Rothschilds (als Khasaren), und sie wurde der führende Architekt der Feindlichkeit gegen Russland.

    Die erste von Tavistock gelenkte Gelegenheit ergab sich 1905 mit dem Angriff Japans, der die russische Flotte völlig überraschte, gegen das Zarenreich vorzugehen.
    Die Japaner wurden von Jacob Schiff, einem Wallstreet-Banker, der mit den Rothschilds verwandt war, finanziert. Das Geld wurde aber tatsächlich vom „Rockefellers Allgemeiner Bildungsrat“ geliefert. Dessen nach außen vorgetäuschte Aufgabe, die Finanzierung der Erziehung der Neger, war. Die gesamte Propaganda und Werbung dieses Bildungs- und Erziehungsrates wurde von den Tavistock-Sozialwissenschaftlern geschrieben und zur Tarnung ausgedacht.
    1941 gab eine weitere Rockefeller-Frontorganisation große Summen Geldes an ihren japanischen Partner in Tokio. Das Geld wurde dann – von dem Meisterspion Richard Sorge- an ein Mitglied der Kaiserfamilie weitergegeben zu dem Zweck, Japan dazu zu bringen, in Pearl Harbor die Vereinigten Staaten zu attackieren. Durch ein strenges Wirtschaftsembargo wurde Japan zusätzlich unter Druck gesetzt.
    Die russische Revolution war keine russische Revolution, sondern eine ausländische Ideologie, die primär vom „Komitee der 300“ und seinem rechten Arm, dem „Tavistock Institut“ ausgeheckt worden ist.
    Diese Ideologie wurde dem sich im Kriegschaos befindlichen russischen Volk aufgezwungen. Die gnadenlose massenmörderische bolschewistische Revolution wäre ohne Toynbee, Bruce Lockhart vom britischen Geheimdienst MI6 und ohne die Mittäterschaft von mindestens 5 europäischen Nationen eine Totgeburt gewesen.
    Lenin ging zu Lord Milner, als er Geld für die Revolution brauchte und legte ihm den Plan für den Sturz der Romanows und dessen christlichen Russlands dar. Milner stimmte unter der Bedingung zu, dass er seinen Agenten Bruce Lockhart vom MI6 schicken würde, um zu berichten und die täglichen Geschäfte zu überwachen. Lord Rothschild und die Rockefellers verlangten Sidney Reilly nach Russland zu schicken, um den Transfer der natürlichen Bodenschätze und der Goldrubel aus der Zentralbank nach London zu überwachen. Lenin und später auch Trotzki stimmten dem zu. Um den Handel zu besiegeln, übergab Milner von den Rothschilds 60 Millionen Pfund und von den Rockefellers 40 Millionen Pfund. Auch die USA waren involviert, denn Trotzki erhielt von Präsident Wilson einen amerikanischen Pass, obwohl er kein amerikanischer Staatsbürger war.

    Tja, bei Umwälzungen dieses monströsen Ausmaßes schließe ich für mich aus, dass es keine Verschwörung gab.

    • Das Lenin mit britischem Geld aus der Schweiz nach Russland kam, kann man bei russischen Historikern nachlesen. Auch das Interesse des Westens an einem Zusammenbruch des Zarenreiches. Aber Ihre Analyse endet zu früh. Lenin hat das Geld brav zurückgezahlt, aber dann was auch Schluß mit lustig. Anstatt das Land den britischen Investoren zu öffnen und zu filetieren, hat er seine Oktoberrevolution konsequent fortgesetzt und den ersten sozialistischen Staat dieses Planeten errichtet. Gnadenlos waren danach die kapitalistischen Staaten mit ihren Weißgardisten, die sich das nicht gefallen lassen wollten. Erst Jelzin hat dieses dann nachgeholt. In diesem Sinn kann man Putin als legitimen Nachfolger Lenins betrachten, denn er hat die staatliche Integrität und Souveränität Russlands wiederherstellt. Den Sozialismus als "ausländische Ideologie" des Komitee der 300 zu bezeichnen, zeigt nur die Unwissenheit über selbigen.

    • Es ist dies nicht meineAnalyse, sondern die von Dr. Coleman, dem ja auch zu verdanken ist, dass wir über den Osthandel und Technologietransfer unter Vizepräsident Nelson (?) Rockefeller in den 70 ern etwas erfahren haben.

      Eine System-"Feindschaft" für die Bühne, eine Show? Ein fake Antagonismus?

      Hat er den Briten getrotzt oder nicht deren Planspiel umgesetzt?

      Ein Zitat des Fabianers George Bernard Shaw lässt mich da hellhörig werden:

      "I also made it quite clear that Socialism means equality of income or nothing, and that under socialism you would not be allowed to be poor. You would be forcibly feed, clothed, lodged, taught, and employed whether you like it or not. If it were discovered that you had not character enough to be worth all this trouble, you might possibly be executed in a kindly manner; but whilst you were permitted to live you would have to live well."

      aus: The Intelligent Woman's Guide to Socialism and Capitalism

      in a kindly manner…

    • Moin, Milchgesicht, auch wenn diese Gedanken nicht auf ihrem Mist gewachsen sind, so nehme ich an, dass Sie sich damit weitestgehend identifizieren?!

      "Die russische Revolution war keine russische Revolution, sondern eine ausländische Ideologie, die primär vom „Komitee der 300“ und seinem rechten Arm, dem „Tavistock Institut“ ausgeheckt worden ist."
      Was ist das fuer ein ausgemachter Nonsens?!

      Wo bleibt die Logik hier? Eine Revolution ist keine Revolution, sondern eine Ideologie?
      Also, wenn Sie Däneken zitiert hätten, wäre nicht weniger Dummheit zu lesen gewesen!

      " Die gnadenlose massenmörderische bolschewistische Revolution (…) "
      Im Gegenteil war die russische Revolution sogar eine relativ unblutige R.!
      Erst der Versuch des internationalen Kapitals hat mit der weissen Armee eine Konterrevolution in Gange gesetzt. die blutig niedergeschlagen wurde.
      Aber diese Fakten sind sicherlich nicht so interessant, fuer solche Hetzer wie Sie, bzw. Diejenigen, die Sie zitieren?

      mfG

    • Ob nun Dr. Coleman ein Hetzer ist, das würde ich anzweifeln. Ach so nein, Sie meinen ja mich?

      Wie dem auch sein, Coleman ist doch gerade unter den Aufgewachten eine sehr geschätze Quelle. Also unter solchen, die einen offenen Verstand sich bewahrt haben.

      Für Herrn Shaw scheint mir das mit dem Hetzer eher schon zu stimmen. Nun gut, er ist halt Kommunist, da gehört es zum guten Ton.

      Ihre Beleidigungen in meine Richtung nehme ich nicht persönlich, machen Sie sich keine Sorgen, aber verschonen Sie mich bitte mit einer Entschuldigung, auch wenn dies unter kultivierten Menschen eigentlich angezeigt wäre.

    • Ja, offensichtlich, so hat der Username auch eine positive Bedeutung? Oder nur neutral? Tja, selbst Worte können zweideutig sein.

    • Ich bin gerne unvoreingenommen. Vielleicht so etwas in der Art. Noch nicht unfrei durch ideologische Fixierung, Schubladendenken oder artverwandte Reflexe der Zustimmung oder Ablehnung.

      Würde mich mit jedem an einen Tisch setzen, auch wenn man das naiv nennen kann. Und sei die weltanschauliche Differenz noch so groß.

      Nur wenn das Benehmen wie vom dem Typen da oben mit seinen Ausfälligkeiten nicht stimmt, dann eben nicht. Dafür reicht meine Toleranz nicht.

    • Moin, Milchgesicht !
      ” Nur wenn das Benehmen wie vom dem Typen da oben mit seinen Ausfälligkeiten nicht stimmt, dann eben nicht. Dafür reicht meine Toleranz nicht.”
      Wenn ich das richtig verstehe, bezieht sich der Hinweis wohl auf mich.
      Was hate ich geschrieben, bzw. hinterfragt?
      "Die russische Revolution war keine russische Revolution, sondern eine ausländische Ideologie, die primär vom „Komitee der 300“ und seinem rechten Arm, dem „Tavistock Institut“ ausgeheckt worden ist."
      Ich hatte diesen Satz als Nonsens bezeichnet, weil man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen kann! Aber selbst, wenn wir dem Geschriebenen Aufmerksamkeit zollen, so ist die Frage: woher die Ideologie kommt doch zweitrangig. Wenn die Bolschewiken die Ideologie (oder einfacher die Idee) von Marx und Engels haben, was haben Sie daran auszusetzen? Dürfen die Russen damit keinen Umsturz der Besitzverhältnisse wagen, und sich von der zaristischen Unterdrückung befreien? Ich meine, dass die Gedanken NOCH frei sind (bzw. damals auch noch waren) und jeder diese Gedanken umsetzen durfte, wenn er denn konnte.
      Der andere Stolperstein war die Aussage: „Die russische Revolution war keine russische Revolution (…)“
      Ja, was war sie dann? Ihr Dr. Coleman nimmt es offensichtlich nicht so genau mit den Fakten! Ist ja wohl auch besser ein paar unbewiesene Behauptungen hinauszujagen …
      Und damit kommen wir wohl zu dem Aufreger in meinem Post:“ Aber diese Fakten sind sicherlich nicht so interessant, für solche Hetzer wie Sie, bzw. Diejenigen, die Sie zitieren?“
      Wir haben heute mit dem Sachverhalt zu tun, dass es nur (nach westlicher Lesart nur 3 Alliierte gab, die den Faschismus 1945 besiegt hatten. Die Sowjetunion mit ihren mehr als 20 Mio. Toten fallen hierbei mal eben unter den Tisch. Putin wurde (als Präsident des Nachfolgestaates) erst gar nicht eingeladen zur Feier der Befreiung. Die Polen hetzen gegen Putin, und behaupten, dass Stalin gemeinsam mit Hitler den 2. WK begonnen hätte.
      In einer solchen Situation kommen solche Figuren wie Ihr Dr. Coleman dann auch gut an bei der willigen Leserschaft. Spielt ja keine Rolle wie groß der Wahrheitsgehalt ist, Hauptsache es reiht sich ein in die vorherrschende Meinungsbildung.
      „Wie dem auch sein, Coleman ist doch gerade unter den Aufgewachten eine sehr geschätzte Quelle. Also unter solchen, die einen offenen Verstand sich bewahrt haben.“
      Dass Sie ihn schätzen glaube ich schon, aber dass es für die Aufgewachten allgemein gilt, halte ich eher für einen frommen Wunsch Ihrerseits.

      mfG

    • Coleman nimmt es überaus genau mit den Fakten.
      Davon gibt es immer mehr. Vielleicht wird uns auch Putin einmal überraschen und Archive öffnen. So wie er jetzt versucht, die Rolle Polens zu entmystifizieren. Polen hat sich zum Werkzeug gemacht und ist damit böse angegangen.
      Aber die reine Opferrolle schien mir schon länger unhaltbar, was keine einzige Tat der Nazis rechtfertigt, wenn es sich um Kriegsverbechen handelt.
      Auf dem Kontinent haben sich lautet britische Marionetten bekämpft. Nur dass es nichts mehr genutzt hat. Oder es sollte die Orchestrierung des Umzugs von London nach NY sein. Lass es wie Zufall aussehen.
      Und Russland hatte eben seine zugewiesene Rolle. Der Zar spielte nicht mit, weil er ein Patriot war.
      Die Internationalisten dagegen haben das Land wie bestellt zugerichtet.

      Das war bisher ja nur bei Revisionisten zu lesen.

      Die Zeiten ändern sich. Ein Glück. Es leben die Fakten und die Aufklärung.

  3. Ehrlich gesagt bin ich ein bisschen enttäuscht von diesem Text. Er wirkt etwas schnell, schnell hingeschrieben. Das ist man eigentlich von Herrn Ploppa nicht gewohnt, der doch sonst akribisch recherchiert.
    Zum Beispiel der Satz:
    "…flankiert von zwei relativ unbedeutenden Generälen aus dem deutschen Heer und der Marine."
    Gibt es denn in der Marine "Generäle"? Heißt es in der Marine nicht "Admiral" ?

    Und ob das mit Bismarck so stimmt, sollte man auch noch nachprüfen. Ich habe da meine Zweifel.

    Wer von den Lesern sich zum Thema "Versailles" informieren möchte, dem empfehle ich Wolfgang Effenbergers Buch: "Europas Verhängnis 14/18 "Revolution, Rätewirren und Versailles." Höhr-Grenzhausen 2019.

    • Dem kann ich nicht zustimmen. Was spielt es für eine Rolle, ob man den Rang des Militärs vollkommen korrekt benennt – es geht doch nicht darum, diese Personen zu glorifizieren sondern endlich einmal zu verhindern, daß sich Geschichte andauernd wiederholt.

      Natürlich dürfen keine Ereignisse verfälscht sein – insofern werde ich das empfohlene Buch auch lesen, obwohl mir diese Themen extrem zäh von der Hand gehen ob der Sinnlosigkeit dieser mitlitärischen Raubzüge. ebenso das im Text genannte Buch von Keynes…

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