Tagesdosis 20.3.2018 – Giftgas-Wochen bei McMedien

Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

Ich hoffe, Sie haben die Giftgas-Wochen bei McMedien bisher gut überstanden. Zwar ist der britische Fake-Mac mit der giftigen Soße „einer Art, wie sie in Russland entwickelt wurde“ weiter im Angebot, aber abkaufen will der britischen Regierung diesen Whopper eigentlich keiner mehr. Zumindest keiner, der noch halbwegs bei Verstand ist und das seit dem römischen Reich in Europa etablierte Rechtssystem in Grundzügen verstanden hat. Danach reichen einfache Behauptungen für eine Anklage nicht aus, es müssen Beweise oder Zeugen dafür beigebracht und nach dem Grundsatz „audiatur et altera pars“ auch die beschuldigte Seite angehört werden. Seit die Römer einst Britannien kolonisierten, sind diese Regeln dort bekannt und blieben auch nach ihrem Abzug allgemein anerkannt. Mit dem Brexit freilich scheinen sich die Angelsachsen davon jetzt verabschieden zu wollen. Nicht anders jedenfalls lässt sich erklären, dass Theresa May und ihr Außenminister zwar Russland beschuldigen, einen zu ihrem Geheimdienst MI-6 übergelaufenen Agenten vergiftet zu haben, einen Beweis oder eine Probe des Gifts aber nicht zur Verfügung stellen wollen und stattdessen ultimativ „Erklärungen“ von Russland verlangen.

Dass das Nervengift von einer Art sei, „wie sie in Russland entwickelt wurde“ kann ja zutreffen, aber sagt in etwa soviel wie ein Polizeibericht, nach dem ein Sportwagen italienischer Bauart einen Unfall verursachte. Einer Regierung, die da auf die Idee käme, „die Italiener“ zu beschuldigen, würde man zu Recht an den Kopf fühlen, die britischen Beschuldigungen werden landauf landab in jedem McMedien-Outlet verbreitet. Das ehemalige Nachrichtenmagazin „Spiegel“ – schon lange vom journalistischen „Sturmgeschütz der Demokratie“ zur Gulaschkanone der Nato verkommen – titelt gleich über „Todesgrüße aus Moskau“ – obwohl bis dato niente, nothing, njet bekannt ist, wer die Grüße überhaupt gesendet hat. Mit Journalismus hat das nichts mehr zu tun, es sind Kampagnen wie „Los Wochos“ bei McDonalds.

Nachdem 18 Monate „Russiagate“ in den USA samt Sonderkommissionen, Ermittlungsausschüssen und täglichem Pressewirbel zu der sagenhaften Anklage von 13 russischen Facebook-Trollen führte, die gegen Hillary und für Trump und Sanders gepostet haben sollen, nachdem also diese gigantische Zirkusnummer nicht einmal heiße, sondern nur lauwarme Luft produziert hat, musste die britische Regierung jetzt offenbar nochmal nachlegen, um weiter Druck auf dem anti-russischen Propaganda-Kessel zu halten.

Dass man mit Fakes Fakten schaffen und Kriege beginnen kann hatte ja zuletzt Tony Blair eindrucksvoll bewiesen, als er behauptete die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins könnten „in 45 Minuten“ Europa erreichen. Auch damals spielten die McMedien-Konzerne mit, verkauften den Fake ohne Nachfrage und Recherche als Realität und ein Großteil des Publikums lies sich noch in die Irre führen. Darauf hatte wohl auch Theresa May gesetzt, und die Regierungen Merkel und Macron halfen ihr ein wenig beim erzürnten Backen aufblasen gegen den bösen Iwan.

Aber es scheint – und das ist die gute Nachricht – dass diese durchsichtigen Propagandanummern nicht mehr richtig ziehen. Da mögen im Vorfeld der Wahlen in Russland sämtliche TV-Kanäle im Dauerfeuer „Dokumentationen“ über „Putin den Schrecklichen“  senden, da können auch die Wetterberichte bei 5 Grad Frost und Ostwind dauernd von „Russenpeitsche“ reden und die „Bild“-Zeitung im „Stürmer“-Stil Russen-Hetze und Putin-Haß verbeiten – die Bürgerinnen und Bürger kaufen ihnen den Bullshit einfach nicht mehr ab. Nach einer aktuellen repräsentativen Umfrage fordert eine Mehrheit der Deutschen eine Annäherung an Russland – und dieser Wunsch geht quer durch sämtliche Parteien und Bundesländer. Selbst unter Anhängern von CDU und SPD sind nur 19% für die Beibehaltung der aktuellen Konfrontation. Die GroKo wäre also gut beraten, auf ihr Wahlvolk zu hören, statt den haltlosen Parolen einer scheiternden Brexit-Präsidentin Folge zu leisten.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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35 Kommentare zu: “Tagesdosis 20.3.2018 – Giftgas-Wochen bei McMedien

  1. Keine Ahnung, obs erlaubt ist, sich auch mal ein bißchen an den gekonnten Formulierungen zu freuen?!
    Peter Rühmkorf: “
    Aufgeräumt eine bereits im Abbruch befindliche Bühne betreten
    und aus Angsttrieben Luftschlangen ziehen,
    in großen Zügen das ist es.
    (…)
    Unter uns: daß in Deinem Abwinken
    immer noch mehr Kraft war als in anderer Leute Sonnenaufgängen.
    …………………………….
    Und am Ende siegt – na wer? Der den Sand der Arena frißt.“
    (Aus dem Gedicht:
    Der Fliederbusch, der Krüppel)

    Das wird haften bleiben: „“Spiegel“ – schon lange vom journalistischen „Sturmgeschütz der Demokratie“ zur Gulaschkanone der Nato verkommen…“

    Ha! Die Gulaschkanone der Nato, köstlich …

    • Auf jeden Fall ist Bröckers immer eine Erholung von der Kleingeistigkeit. Der Berliner Humor geht nicht unter.
      In altrömisch hieße es BEROLINUM, da ist LUMEN ORBI drin versteckt= das Licht der Welten.

  2. Bitte die Römer in Ruhe lassen! Sie hatten kein System, keine normativen Beweisverfahren der Subsumption unter abstrakte Normen und schon gar kein „materielles Recht“ moderner bürgerlicher Prägung. Audiatur et altera pars ist ein Verfahrensgrundsatz, bei dem es darum ging, dass alle Umstände in einem substantiellen (nicht über abstrakte Normen reguliertes) Gemeinwesen zur Sprache kamen. Dabei wurden Instanzen befragt, die jenseits der Leute angesiedelt waren, von denen sie aber „wussten“, wie sie da zu fragen hatten. „Altes Recht“ und „alte Rechte“ sind so völlig grundverschieden vom heutigen – letztlich heteronomen- Normen-Kodex, dass ein historistischer Rückgriff unstatthaft verschleiert, dass „Recht“ ganz anders sein kann als die Subsumption vorgeblich abstrakt-gleicher Subjekte auf das Prokrustes-Bett des bereits feststehenden Ergebnisses. „Gleiches (abstraktes) Recht für alle“ ist keine Errungenschaft, sondern ein Krisenphänomen einer untergegangenen Epoche, nämlich der religiösen Formation, welches von der Eigenart der einzelnen absieht.
    Ich schreibe dies nicht so dahin, sondern als Rechtshistorikerin. Es erschüttert immer wieder, wie die Leute auf Geschichte – moderne Universalgeschichte – als Legitimationsideologie hereinfallen und der Rechtsillusion erliegen. Mit modernem Recht ist nichts zu gewinnen, schon gar nicht für die (abstrakt) gleichen Individuen.

    • Ich bin zwar keine Rechtshistorikerin, aber an dieser Stelle mit dem römischen Recht hatte ich auch kurz gedanklich innegehalten. Rom war damals das Imperium und ein Imperium ist auf Machtdenken aufgebaut- in einer Zivilisation, die insgesamt auf Machtdenken und Gewaltherrschaft aufgebaut ist. Als tierlieber Mensch weiß ich auch schon seit ich denken kann, dass die Römer das Tier rechtlich zur Sache erklärt haben und das gilt bis heute.

    • Spinozas Gedanken ähneln denen des Sokrates. Und die beiden plädierten ganz sicher nicht für eine Gewaltherrschaft, auch nicht für eine kontrollierte.

    • Nur Erleuchtete können sehen, daß es im Karma der Menschen liegt (an dem, was sie in tausenden vorhergehender Leben ausgesät und somit angerichtet haben), welche Rolle sie in diesem göttlichen Spiel zu erfüllen haben.
      „Equity“ ist ein Programm aus den Folterkellern und Retorten einer gewalttätigen, künstlichen Lebensberichtigung.

    • Wer spricht hier von Gewaltherrschaft.
      Es ist doch klar das in eine Anarchie kein Recht bestehen kann.
      Benedict de Spinoza, ´A Theologico- political Treatise and A Political Treatise, (1670), Mineola NY, 2004

    • Ich hatte von Gewaltherrschaft gesprochen. Oder hat das Römische Reich etwa nicht mit Gewalt geherrscht, so wie alle Herrschaften, die wir aus unserer Zivilisation kennen?

  3. Klasse wie (fast) immer, leider mit grobem Denkfehler: Die Regierung wird auf das Volk hören.
    Die Regierung wird nur auf das Volk hören, wenn die Masse auf der Straße groß genug ist. Man mag mich gerne als was auch immer bezeichnen, ich befürchte, das sich die Regierung (Geld und Kapital) einen Volksaufstand und Machtverlust wie 89 nicht gefallen lassen wird.

    • Hallo Huhu!

      Ich zerstör ungern deine Illusionen. Der „Aufstand 89“ war ein klassischer RegimeChange. Stichwort: Paneuropäisches Picknick, Otto von Habsburg…

      Nur wer an den Zufall aller Zufälle glaubt, glaubt dass die Maueröffnung vom Volk erzwungen wurde. Nicht mit diesem Datum. Ausgerechnet am Tag der Deutschen???? Alles Wichtige in diesem Land – seit 100 Jahren – passiert am 09. November.

    • Der „Machtverlust“ war ein gütiges Zeichen der Sowjetunion, welche Kredite erhielt für eine Marode Wirtschaft.
      Den „Anstoß“ gab bestimmt nicht das Volk.

    • Mir ist schon bewusst, das die Bewegung 89 gekapert war. Entsprechend wurde ja auch der 3. Weg abgebügelt und die Wiedervereinigung des Kapitals durchgezogen. Hat ja damals auch keiner das Volk gefragt, ob das „Volkseigentum“ privatisiert werden darf. Zumindest haben die Menschen damals (ich war auch dabei) den Arsch hochbekommen, unabhängig vom Resultat, wurde halt sehr gut propagandistisch gesteuert.
      Das grundlegende Problem sehe ich beim bestehenden System. Ich bin mehr als pessimistisch das es zu einem friedlichen Umbruch kommen kann, dafür haben die Herrschenden (Macht + Kapital) zu viel zu verlieren. Wir sollten uns im klaren sein, daß wir mittlerweile imperialistische Verhältnisse haben und da sind ALLE Mittel Recht um Besitz und Macht zu erhalten.

    • Ich als junger Mensch habe große Bedenken bezügl. eines „Umbruchs“.
      Mittlerweile stößt man vermehrt auf Menschen, die aufgewacht sind, selbst aber keinerlei
      Motivation haben Dinge in die Hand zu nehmen oder irgendetwas zu verändern, solange noch
      keinerlei tiefgreifende persönliche Konsequenzen spürbar sind.

      Wenn ich mir anschaue was an Hochschulen und Universitäten so verbreitet wird, dann müssen wird schnell handeln,
      denn die Zeit rennt uns davon, die Propaganda setzt sich fest in den jungen Menschen (auf Rubikon erschien ein Beitrag eines Studenten dazu, welcher sehr treffend war).

  4. Gelobt sei der Humor von Herrn Bröckers!! – Nach all den täglichen Schreckensmeldungen ist er Balsam für meine Seele.
    Humor ist einfach eine wunderbare Art, die Überflutung mit negativen Gefühlen und Eindrücken kreativ zu überschreiten.
    Danke für den Artikel!!

    • Ich glaube, sie tuen den Leuten, die täglich zur Arbeit gehen, unrecht.
      Wollen Sie, für alle die aus Überzeugung zu Hause bleiben, den Lebensunterhalt bezahlen?
      🙂

  5. ACHTUNG – unten wichtiges Video verlinkt !!!!!!!!!!!!!!!

    Grade hatte ich mich noch gefreut über die positive Richtung in der Tagesdosis.
    Dass Viele nicht mehr (so leicht) auf die Lügen hereinfallen, war auch mein Eindruck, wenn ich anderswo Kommentare zu „Staatsfunk“-Sendungen höre.

    Bei Christoph Hörstel höre ich aber auch mal gerne nach – und heute rutscht mir das Herz wirklich in die Hose !
    Bitte schaut Euch das Video unbedingt an:

    https://www.youtube.com/watch?v=P2mLdy2xSI8

    • Danke für den link! Ja, es ist in diesem Jahr wahrscheinlich so weit. Die Menschheit lügt sich aus der Welt hinaus.

    • In diesem Zusammenhang zu sehen :
      Sputnik meldet erstmals offiziell, dass das russische elektronische Kampfsystem Rychag-AV in Syrien eingetroffen ist.
      Dieses System soll elektronische Systeme eines Gegners über hunderte Kilometer unwirksam machen .

    • Hoffen wir mal, dass die NATO-Schergen wenigstens noch in militärischen Belangen „rational“ überlegen. Denn dann müsste doch eigentlich klar sein, dass ein ernsthafter Angriff auf Russland und seine Verbündeten nicht zu gewinnen ist.

    • Benjamin:

      „die NATO-Schergen wenigstens noch in militärischen Belangen „rational“ überlegen“ – in welchen Belangen denn sonst ? NATO denkt doch nur militärisch, oder ? Weiß ich da was nicht ?
      Und, hilf mir Dummi mal weiter: ist denn Russland so überlegen ? Ich dachte bisher, dass das „der Westen“ sei ?

    • Matti

      Ich bin nun wirklich kein Militärexperte, aber da Du mich nach meiner Einschätzung gefragt hast:

      In dem von Dir verlinkten Video wird ja ein Beispiel genannt (Su-400 Raketenabwehrsystem, oder so), das offenbar technisch überlegen ist. Das trifft offenbar auch auf einige weitere russische Waffensysteme zu. Trotz viel geringerer finanzieller Mittel haben sie m.E. einfach die besseren Ingenieure als die Amerikaner.

      Außerdem, ganz allgemein: Ein Krieg gegen eine Nuklearmacht ist ja wohl absolut wahnsinnig und nicht zu kontrollieren oder lokal zu begrenzen. Die Träume einiger Psychopathen, einen perfekten Raketenabwehrschirm aufzuspannen und dann selbst den Feind Russland mit einem atomaren Erstschlag auszulöschen, sind aus meiner Sicht – zum Glück – technisch nicht realisierbar.

  6. Normaler weise sind wir ja die Experten, wenn es ums Gas geht.
    Das wusste schon der böse Goldfinger.
    Böse sind aus meiner Sicht auch die Schalker, da in der Bundesliega vor meinen Leverkusenern stehen.
    Und das, obwohl Bayer doch der erfahrenere Hersteller ist.
    Aber was kann man schon gegen Gasprom ausrichten.
    Jetzt läuft uns der böse Putin da auch noch den Rang ab.
    „BLIND“ sollte mit der Überschrift titeln
    „Gemein: Deutschland nicht mehr Weltmeister im Vergasen.“

    • Wie können Sie es moralisch vor sich selbst rechtfertigen, Fan von BAYER Leverkusen zu sein?

      P.S.: Ist nicht ganz so ernst gemeint. 😉

  7. Vielen Dank für Ihre Ausführungen Herr Bröckers!

    Eine köstliche passende Umschreibung mit „Los Wochos“, über das was da auf uns niederprasselte in den letzten Wochen.

    Es ist aber auch wirklich der unermüdlichen Aufklärung der „alternativen Medien“ zu verdanken (Danke Kenfm, Danke Nachdenkseiten, Danke Rubikon, Danke Propagandaschau, Danke . .Danke . . Danke . . ) , dass „wir“ als Medien- und Informationskonsumenten nicht mehr so leicht verschaukelt werden können.

    Hier fruchtet Eure Arbeit immer mehr!

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