Tagesdosis 20.6.2018 – Lösungswege Teil 2: Das Friedensprinzip

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Das Camputop

Es gibt vier Lösungswege für die Friedensbewegung.

Erstens: Wir besetzen das Pentagon und das NATO-Hauptquartier. Zweitens: Wir wählen uns dumm und duselig, bis der/die richtigen im Amt sind, die dann das richtige Bündnis in der Welt zusammentragen, damit sich Frieden auf Erden verbreiten kann. Drittens: Wir fangen an zu begreifen, dass der beste Weg für das eigene Leben der ist, sich selbst daran zu beteiligen. Was glaubst Du, welcher dieser drei Wege wäre der Beste? Den vierten Weg, selbst zum Terroristen zu werden, schließe ich hier natürlich aus.

Stell Dir einmal vor, ein Kampfsportlehrer würde dich ausbilden und dir sagen, dass der beste Kampf  der ist, an dem du erstens nicht teilnimmst und zweitens, für den du gar keine Option darstellst.

Was würdest du ihm entgegnen? Du würdest vielleicht grübeln und dich fragen, was denn dieser ganze Unsinn soll. Schon spricht dein Trainer weiter und sagt dir, dass das Leben daraus besteht, nicht in Kämpfe verwickelt zu werden, nicht in sie einzuwilligen und schon gar nicht, Kämpfe selbst zu beginnen. Er würde dir  weiter sagen, dass er eine Prüfung für dich hat. Er sagt: Höre auf gegen dich, gegen andere und gegen andere Dinge oder Ideen anzukämpfen. Halte dich ab heute für nur einen Monat aus allen Kampfaufforderungen heraus. Vielleicht wirst du etwas verwirrt nach Hause gehen und nicht so recht wissen, was du mit den Anweisungen anfangen sollst. Schließlich hast du nicht nur gelernt, sondern viel mehr auch erfahren, dass das Leben doch ein ständiger Kampf ist. Und wenn du jetzt damit aufhören sollst, dann landest du bei Hartz IV. Scheiß Rat!, fluchst du vor dich hin und überlegst, den Trainer zu wechseln.

Rubikon, das Magazin für die kritische Masse, hat am 16. Juni 2018 ein bemerkenswertes Interview veröffentlicht(1), dass Dir genau diesen Nichtkampf-Rat konsequent aufzeigt. Dort diskutieren Franz Rupert, er ist Traumaforscher, und Daniele Ganser, er ist Historiker, um genau diese Aspekte der Sinnlosigkeit. Daniele Ganser erkennt dort, dass Traumen wie Fraktale auf alle Bereiche des menschlichen Lebens übertragen werden und das diese Traumen auch die Ursachen für Kriege sind. Eine Theorie die mich selbst veranlasste 2008 mein Buch Die Fratze der Gewalt zu schreiben, welches auf meinem vorherigen Buch Das Nichtkampf-Prinzip aufbaut.

Unser Psychotop konstruiert unser Soziotop und somit das Politotop und dann das Camputop. Das Camputop ist das Schlachtfeld, der Krieg. Abgeleitet aus dem Wortstamm Campus, aus dem der Begriff Kampf entstanden ist. Innere Konflikte, die uns über die Erziehung und die gesellschaftlichen Prägungen konditionieren, so dass wir sie nach aussen transformieren und so unserem inneren Terror nach aussen zur Gestalt werden lassen. Eine wirklich schwere Nuss für viele. Haben sie doch gelernt, dass nur Psychopathen den ganzen Murks anrichten. Dabei haben sie den Part verdrängt, den sehr viele von uns darstellen. Nämlich das Geschehenlassen von all dem Murks, das unsere eigenen Anteile gelebter Unmenschlichkeit unverhohlen deutlich macht.

Der Verrat am Selbst

Was daraus für die Friedensforschung folgt ist von größter Bedeutung. Frieden ist demnach nur möglich, wenn wir uns als Kollektiv darüber gewahr werden, dass wir fast alle traumatischem Erleben in den unterschiedlichsten Formen ausgesetzt waren und diese auch nach aussen hin ausleben. Entweder als innereres Blockiertsein oder nach aussen hin als Zweikämpfer gegen alles Mögliche. Traumen bilden, als Gesamtphänomen gesehen, das gesamte Spektrum menschlicher Destruktivität ab. Suizid, Genozid, Homozid, Ökozid, Geozid. Transgenerative Traumen, verursacht durch Kriegserlebnisse, bewirken, dass Eltern ihre erlebten Traumen oft über Erziehung in die Seelen ihrer Kinder einpflanzen.

Der Psychoanalytiker Arno Gruen hat sie wohl am deutlichsten aus unserem Verhalten herausgeschält und nennt sein Ergebnis Der Verrat am Selbst und sein Überleben Die Strategie der Pose, dessen erstes verheerendes Menschenbeispiel er an der Person Adolf Hitler festmachte. Da wir den Großteil unseres emotionalen Konzepts quasi von uns abgeraspelt bekamen, nämlich über die elterliche und gesellschaftliche Erziehung und Konditionierung, leben wir ein Scheinselbst, das wir in einer Pose vor uns her leben. Die Psyche greift hier auf einen Trick zurück, der uns überleben lässt, so der Professor für Psychologie, Franz Rupert in dem oben erwähnten Video. Daraus folgt, dass die gesamte Friedensbewegung sich bisher nur einseitig dem Problem des Krieges zugewandt hat. Johann Galtung hat zwar auf die strukturelle Gewalt hingewiesen. Jedoch gab es bisher niemanden, der in der Friedensbewegung auf eben dieses in uns liegende Problem aufmerksam gemacht hat. Ausser mir selbst. Ich tue das seit 2013 intensiv und habe meine Forschungen zur Gewaltpsychologie genutzt, um Aktivist zu werden.

Der Imperialismus ist heilbar

Wir merken das nicht bewusst und haben auch keinen Zugriff darauf, selbst zu entscheiden, ob wir so oder so leben oder diese oder jene Persönlichkeit entwickeln wollen. Was ja auch kein Wunder ist, versteht man, dass unser Gehirn nicht dazu da ist, um glorreiche Ideen zu entfalten. Das Kerngeschäft unseres Gehirns ist der Selbsterhalt, das tagtägliche Überleben unserer Person.

Konflikte, das Ergebnis von Traumen, wirken wie Kämpfe in unserer Psyche, die sich gegen uns selbst richten. Das Gehirn übernimmt hier den Kampfrichter und wandelt das Trauma so um, dass es uns nicht zerstört. Jetzt aber haben wir die Chance, das Trauma aus unserem Unbewussten heraus zu holen, um es aufzuarbeiten und mit positiven Erlebnissen zu überdecken. Nur so wird dann das Trauma nicht mehr als Dirigent das Orchester des Gehirns unterwandern. Sprich, die gesamten Instrumente derart verstimmen und uns Glauben machen, dass die verstimmten Instrumente wohltemperierten Noten folgen.

Dadurch, so Franz Rupert, könnten wir effektiv Kriege und die Destruktivität der Menschheit in ein Minimum verwandeln und endlich einen Weg der Menschen gehen, der ohne Welteroberungsfantasien, also ohne imperialistisches Weltbild auskommt. Ich schrieb es in der letzten Tagesdosis schon, was viele irritierte: Imperialismus ist wandelbar, meint nun auch Professor Franz Rupert. Solange der einzelne Mensch, sich nicht darum bemüht, seine Traumen aufzulösen und sie nicht mehr als Energiepotenzial für Kriege, Lebens- und Naturzerstörungen nutzt, solange können wir wählen und machen was wir wollen. Wir werden weiter in der Unterjochung und in Kriegen leben müssen. Denn unsere unbewussten traumatisierten Weltbilder werden all unsere destruktiven Verhaltensweisen nach oben kehren und unser Menschenbild auch weiterhin in Richtung Zerstörung navigieren.

Wir können die menschliche Destruktivität überwinden,

wenn wir in uns gehen und diese inneren Traumen und Konflikte lösen. Der Frieden mit sich selbst führt zum Frieden der Menschen untereinander. Oder wie es Gandhi sagte: Es gibt keinen Weg zum Frieden. Frieden ist er Weg. Und noch eines seiner Zitate ist zutreffend: Werde selbst zu der Veränderung, die du in der Welt haben willst. Diese Veränderung wollen die meisten Menschen jedoch immer nur von anderen Menschen verwirklicht sehen. Das tun sie deswegen, weil ihr Weg zu ihren eigenen Ressourcen und der eigenen Potenzialität durch die eigenen Traumen versperrt ist. Deshalb wählen die meisten Menschen auch ihnen unbekannte Personen, damit diese Unbekannten sie dahin führen, wozu sie sich selbst für unfähig halten. Meistens glauben sie, dass sie an ihrem Fortkommen durch die strukturelle Gewalt gehindert werden, was nur zum Teil stimmt. Ein Mensch der in sich ruht und seine Konflikte angeht und löst, benötigt diesen ganzen Überbau an Verdrängung des eigenen Selbst nicht. Er geht selbst los und benötigt diesen ganzen Ausrede-Komplex nicht mehr als Ersatzhandlung für seine Selbstsabotage.

Das meint auch Franz Rupert in dem Video. Und es klingt ziemlich einleuchtend. Wir werden zu dem, was wir fühlen und denken. Und wenn ich denke, das geht nicht und auch kein Gefühl für das Gelingen habe, dann wird es auch nicht klappen. Natürlich ist damit nicht gemeint, dass man von Heute auf Morgen alles verändern kann. Es braucht Zeit. Selbstentwicklung und das Auflösen von Traumen ist zunächst einmal sehr anstrengend und zeitaufwendig.

Der Konflikt oder das Trauma ist also der Motor für Destruktivität ganz allgemein. Es ist NICHT die Aggressivität! Das gilt es endlich zu verstehen.(2) Nicht nur in Fachkreisen, auch im Mainstream der Friedensbewegung.

„Aggressivität dessen Wortstamm aus den lateinischen Begriffen ›aggredioraggrediaggredere ad-gredere‹ hervorgegangen ist, ist schlichtweg ein Grundprinzip von Entwicklung und entspricht im biologischen Sinn dem Wandel der Arten in der Evolution. Aggressivität bedeutet seinem Wortstamm nach ein ›Herangehen an etwas‹ im Sinne eines ›Sich Annäherns‹, des ›Vorwärtsgehens‹, des ›Herangehens an eine Grenze‹, des ›Darauf-Zugehens‹, ›etwas Neues beginnen‹, ›etwas ergreifen‹, ›ein initiatives Herangehen an eine Aufgabe‹. Dies meint der ursprüngliche lateinische Wortsinn von ad-gredere.“ Aus: Die Fratze der Gewalt, von Rüdiger Lenz, 2012.

Motivationale Konzepte finden wir in der gesamten biologischen Welt. Lebensformen sind dazu bestimmt, gemäß ihren eigenen Ressourcen, also ihrem ganz speziellen Gewordensein, Lebensqualität in der äußeren Welt abzugreifen. Es gilt entweder ich erhöhe meine Lebensqualität oder sie bleibt so, wie sie jetzt gerade ist. Das ist ein Entwicklungsgesetz und klingt banal, ist aber von großer Tragweite für eine Friedenstheorie. Schneidet man nämlich eine Lebensform von diesem Prinzip ab, beginnt sie sich destruktiv gegen die Um- oder die Mitwelt zu verhalten und zu positionieren. Das nach innen erzeugte Trauma, also die dabei entstehende negative Energie wird zu einem nach aussen gerichteten destruktiven Verhalten umfunktioniert.

Der Motor von Gewalt ist somit der innere Konflikt. Aggressivität ist die Energiedichte, mit der wir Konflikte ausleben oder sie in konstruktive Lösungen überführen.

Wenn Menschen Menschen töten

brauchen sie a) Legitimationsstrategien und b) Rechtfertigungsgründe, um Destruktivität maximal und somit effektiv zu übertragen. Dies findet immer über Bagatellisierungen statt.

Sadam Hussein ist ein neuer Adolf Hitler – das ist die Bagatelle, die zur Legitimität von Krieg führen soll. Danach folgt die Rechtfertigung: Soldaten Sadams nehmen Babys aus den Brutkästen und schmeißen sie zu Boden. Was jetzt damit realisiert wird, ist ein Feld, ein Schlachtfeld ein Kriegszenario, um Gewalt überhaupt erst offiziell übertragen zu können. Die Masse kann jetzt nicht mehr sagen, dass man den neuen Hitler nicht stoppen muss. Sie wird zum Krieg-führen-wollen bekehrt, also politisch legitimiert. Das ist ein Grundschema, das alle Gewalttäter genau so auch anwenden.

Gewalt, Konflikte oder Traumen sind Fraktale in unserer Welt. Beide können in allen Systemen, von der Ohrfeige bis zum Atomkrieg, genutzt und auch benutzt werden. Konflikte und Traumen sind deren in uns liegende Motoren dazu. Das muss uns endlich klarer werden, als bisher. Ich lasse jetzt absichtlich die  ganzen Beispiele psychologischer Erkenntnisse dazu hier unausgesprochen. Bin mir also der Lückenhaftigkeit dieses Textes bewusst.

Der Mensch will mittels seiner eigenen Ressourcen, aus denen er besteht, seine Lebensqualität festigen. Gelingt ihm dies, öffnet er sich zu seinen inneren menschlichen Anlagen und besteht sein Leben fast mühelos. Wenn man dem Menschen seinen Kampf, den er mit sich selbst und gegen sich selbst führt, nimmt, gelingt ihm Menschlichkeit.

Negative Aggressivität erzwingt Gewaltabsichten, weil der Einzelne nicht mittels seiner natürlichen Ressourcen sein Leben auf Erfolgskurs bringen kann. Denn seine Psyche ist zu falschen Wahrheiten und zu falschem Verhalten dazu konditioniert worden. Weil die inneren Konflikte oder Traumen ihn dazu zwingen, seinen inneren Kampf in einen äusseren Kampf umzuwandeln.

Um aber als traumatisierter und konfliktverhafteter Mensch Erfolg zu bekommen, muss dieser Mensch ständig andere Menschen oder Ereignisse in eine Auseinandersetzung zwingen, um Recht (Selbstwert) oder Lebensqualität ( Wohlstand) zu bekommen. Das ist die Geburtsstunde der Gewaltpsyche im Menschen. Wobei ich, als Gewaltfachmann, Gewalt erheblich umfassender definiere, als es der User hier wohl tun wird.

Aggressivität, die den Konflikt oder das Trauma füttert, führt zu Ersatzhandlungen, den so genannten ersatzbefriedigenden Bedürfnissen. Sie inszenieren oft ein Suchtverhalten und verfestigen selbstsabotierendes Verhalten, um wenigstens ein Minimum an Lebensqualität noch abgreifen zu können. Die Selbstsabotage wird jedoch als richtiges Verhalten kognitiv konstruiert. Bei Gewalttätern steht häufig der Selbstwert noch über dem Abschöpfen von Wohlstand, weil sie ihre Gewaltsucht antreibt und sie unfähig werden, die Selbstsabotage zu erkennen.

Und noch etwas. Kriegshetzer benutzen Gewalt wie eine Zeitmaschine. Denn ein Krieg erwirtschaftet Mittel zu Produktionsgütern, die ohne den Raub durch einen Krieg wohl erst viel später und auch viel langsamer dem erhofften Markt zur Verfügung gestellt würden. Krieg, sowie der Kapitalismus, welche ja im Grunde eins sind, sind ein krankhafter Ausdruck einer inneren echten Störung im Menschen. Echter Handel ist etwas anderes als Kapitalismus oder besser noch als Korporatismus. Krieg ist eine Krankheit. Die Finanzwirtschaft und unser Bankensystem sind Krankheitssymptome. In ihrem Buch, Lilith und die Dämonen des Kapitals (3)- Die Ökonomie auf Freuds Coach, haben die Autoren Tomáš Sedláček und Oliver Tanzer das haarfein herausgearbeitet.

Das Friedensprinzip besteht also darin, dass wir uns nicht mehr gegen uns selbst stellen sollten. Wir würden dann unsere echte Menschlichkeit leben können und der Spuk des ungerecht Ökonomischen wäre endlich vorbei. Es ist an der Zeit, dass dieses Wissen bei den Menschen zu Allgemeinwissen wird. Die Abspaltung von unserer Menschlichkeit, zu der wir Menschen in unseren Gesellschaftssystemen verführt und konditioniert werden, können wir nur selbst übernehmen, um sie zu überwinden.

Der ärgste, stärkste und listenreichste Feind versteckt sich dort, wo wir ihn am wenigsten vermuten. Wir jagen, konstruieren und projizieren ihn in die äussere Welt, machen ihn zu einem Tier, um ihn töten zu können. Doch streng genommen gibt es gar keine äusseren Feinde mehr. Der Feind das sind wir selbst. Sich von diesem inneren Feind zu befreien ist der Weg zum Frieden. Es wird Zeit, sich von ihm zu befreien.

Quellen

1) – https://www.youtube.com/watch?v=0L1YvxI6q2g&feature=youtu.be

2) – https://www.youtube.com/watch?v=TfhVZSwZZmo&t=2s

3) – Tomáš Sedláček und Oliver Tanzer, Lilith und die Dämonen des Kapitals: Die Ökonomie auf Freuds Couch, München 2015

4) – Franz Rupert und Harald Banzhaf, Mein Körper, mein Trauma, mein Ich, München 2017

5) – Rüdiger Lenz, Die Fratze der Gewalt, Versuch einer Aufklärung, Frankfurt am Main, 2012

6) – Rüdiger Lenz, Das Nichtkampf-Prinzip, Lengerich 2005

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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27 Kommentare zu: “Tagesdosis 20.6.2018 – Lösungswege Teil 2: Das Friedensprinzip

  1. Einverstanden, Rüdiger Lenz,
    es geht nur so, dass wir uns selbst beteiligen.
    einmal indem wir bei uns selbst anfangen.
    Dieses haben Sie ausführlich beschrieben.
    Aber doch auch, indem wir daran arbeiten,
    unser Gemeinwesen zu redemokratisieren.
    Wir waren ja schon einmal nah‘ dran an
    wirklich demokratischen Verhältnissen.
    Das beschreibt Paul Schreyer sehr gut
    (im Gespräch mit Ken Jebsen am 10.6.18) und
    wird von der Professorin Ingeborg Maus,
    aber auch von Prof. Mausfeld thematisiert.

    Die Stichwörter heißen Wertepluralismus
    wie es ihn zur Weimarer Zeit zunächst noch
    gab. (Paul Schreyer beschreibt nicht nur, wie
    es kam, dass die Volksabstimmung verhindert
    wurde und auch nicht Eingang ins Grundgesetz
    fand, sondern sagt sogar wer es ‚verbockt‘ hat.
    Ingeborg Maus erklärt den Vorhalt, der die
    Auswahlmöglichkeiten der Wähler z.B. auf dem
    Gebiet der Wirtschaft von vornherein einschränkt.

    Daran müssen wir ebenfalls und gemeinschaftlich
    arbeiten: mehr Demokratie, direkte Demokratie,
    Bürgerkandidaten, die rückgekoppelt sind mit ihren
    Wählern und abgewählt werden, wenn sie ‚ihr eigenes
    Ding‘ machen oder ‚anderen dienen‘.
    Bei der Bundestagswahl 2017
    gab es in meinem Bundesland keinen Bürgerkandidaten,
    erst recht keine Partei der Bürgerkandidaten, so dass ich
    weder Erst- noch Zweitstimme an sie vergeben konnte.
    Christoph Hörstels Partei wiederum konnte ich nur die
    Zweitstimme geben, weil es keinen direkten Kandidaten
    gab. Meine Erststimme konnte ich aber dem Kandidaten
    der Linken geben (von dem ich weiß dass er sich stets
    gegen Krieg positioniert hat).
    Dieses Wahlverhalten habe ich nie bereut. Hätten andere
    ähnlich gewählt, hätte es durchaus Bewegung geben können
    im Kreis der ‚Volksvertreter‘.
    In einer linken Sammelbewegung mitzumachen/mitzumischen
    ist sicher sinnvoll.
    Wie auch immer: wir können uns doch nicht – so wie Glaubens-
    gemeinschaften – allein aufs Private zurückziehen.
    Einmal ganz abgesehen davon, dass es meiner Meinung nach
    noch länger dauern würde, bis sich eine ‚kritische Masse‘
    an innerlich Freien gebildet hat, die ihre positive Wirkung
    im großen Miteinander der Menschheitsfamilie entfaltet, als
    wenn jetzt möglichst viele an der Organisation einer wirksamen
    Volksvertretung arbeiten.

  2. Liebe Leute! Wissenschaft und Philosophie sind nach der Masse der Erkenntnisse bis heute zwar toll, aber nicht religionsartig diskutabel!
    Was eine oder einer oder die, die zwischen ihm und ihr und es herumdümpeln (liebe Genderirre und Geschlechtsverweigerer) mal gesagt haben ist schön und sollte nun nicht nur in trauter Rotweinrunde am herrschaftlichen Kamin beplaudert werden oder in Foren seziert werden, sondern praktisch umgesetzt werden! Was ich meine? Werdet tätig, statt euch Zitate und Standpunkte Anderer oder Toter um die Ohren zu hauen! Protzen mit: Ich haben den und den gelesen und vermeintlich verstanden (auch wenn es bei dem gar nichts zu verstehen geben könnte), bringt heute nichts. Warum? Weil immer die zur Zeit des Verfassers entsprechender Schriften herrschenden Wirren der Zeit außer Acht gelassen werden und Interessen Damaliger (bis heute andauernde) vernachlässigt werden. Ebenso wird regelmäßig die Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaften oder Sippen der „Weisen“ veruntreut, die nur allzu oft den wahren Hintergrund der jeweiligen Sprüche verschleiert.
    Worte sind toll, aber nur tatkräftige Hände schaffen Veränderungen…Grüße!

    • Lieber Axel,
      Die Pauschalabwertung aller anderen Kommentare hier, die Ihrem Kommentar zu entnehmen ist, finde ich reichlich überheblich und unangemessen.
      Es liegt auch in der Natur der Sache, dass sich in einem Thread mit Worten geäußert wird. Dafür sind sie da!
      Und das Menschen -ganz allgemein gesprochen – sich dazu äußern und dabei auch von anderen Quellen berichten, zeigt, dass sie sich mit dem Thema auseinandersetzten und darüber mit anderen in Kontakt treten. Das sind bereits Taten und ein erster Schritt. Wenn auch schlußendlich nicht ausreichend, aber sehr wohl interessant, und wenn es nur eine Orientierung darüber ist, wie Andere über diese oder jene Sache denken.

      und der Satz: „Worte sind toll, aber nur tatkräftige Hände schaffen Veränderungen“ ist zwar richtig oder nachvollziehbar, jedoch ohne weitere Ausführung auch nicht mehr als eine Binsenweisheit, die erst recht nicht dazu geeignet ist alles andere in den Kommentaren geschriebe abzuwerten.

  3. ca. 100 Mio. Kriegstote allein im letzten Jahrhundert sollten einen am angeblich „gesunden Menschenverstand“ verzweifeln lassen. „Das Kerngeschäft unseres Gehirns ist der Selbsterhalt, das tagtägliche Überleben unserer Person“ ist individuell betrachtet nachvollziehbar. Biologisch betrachtet geht es allerdings um Arterhalt. Dies schließt zwar indivuelles Überleben ein, ist aber nur ein untergeordnetes Ziel. Nicht die entwicklungsgeschichtlich jüngeren Anteile des Gehirn üben Kontrolle über Wut, Trauer, Freude, Liebe, Aggression, Angst….. aus, sondern die Bewertung von Emotionen findet ohne Umweg über das Bewusstsein im ältesten Teil des Nervensystems statt. Z.B. die Amygdala kontrolliert das Bewusstsein und umgekehrt hat das Bewusstsein kaum Einfluß auf die Amygdala. Was will ich damit sagen? Traumatisierte Menschen und ich denke davon gibt es sehr, sehr viele, sollten nicht glauben, dass sie die Bewältigung eines Traumas nur ihrem Bewusstsein überlassen können. Das wird nur schwer gelingen. Eher wird das Trauma sich auf irgendeine Art und Weise äußern und/oder weitergegeben. Das kognitive Gehirn ist sehr einfallsreich darin sich wichtig zu machen und zu verschleiern, dass es in großen Teilen eigentlich von einem autonomen Nervensystem kontrolliert wird. Aber auch ich glaube es besteht Chance auf Heilung und Besserung. Denn ich denke nicht, dass die Verbindung zwischen Bewusstsein und autonomen Nervensystem eine völlige Einbahnstraße ist.

  4. Hier bringt es jemand auf den Punkt. Danke sehr dafür.
    Hier wird etwas auf eine Ebene gebracht, auf der seit Jahrhunderten, beispielsweise über den Schamanismus, und bis heute gerabeitet wird. Spätestens seit ich Chuck Spezzano für mich entdeckt habe, der einst als Psychologe traumatisierte Soldaten behandelt hat, weiß ich, dass es nur auf diese Art und Weise funktioniert: Dem eigenen (kleinen oder großen) Trauma begegnen, es gefühlt(!) nochmal (und nochmal …) zu erleben – bis es sich aufzulösen beginnt.
    An der Geschichte von Dr. Chuck Spezzano, der sich irgendwann geweigert hat, weiter für das Militär zu arbeiten, erkenne ich auch den sublimierenden Charakter des Menschen. Denn, wenn ich mir vorstelle, dass es in elitären militanten Kreisen nicht nur dieses Wissen um die Traumaforschung gibt, sondern dass es auch gnadenlos angewendet wird, um beispielsweise traumatisierte GI`s wieder ins perfide Spiel von Gewalt und Gegengewalt zu bringen, kann ich nur erahnen, welche ungeheure Aufgabe wir als Friedensstifter in letzter Konsequenz zu bewältigen haben.
    Umsomehr ein großes Dankeschön für diesen Artikel als Impuls. Auch am Besipiel Rubikon erkenne ich, wie ernst es inzwischen engagierten Menschen unter uns ist, die Problematiken einer traumatisierten Welt anzugehen. Freude macht sich breit in mir. Sehr sehr große Freude – und Hoffnung…….

  5. Vielen Dank Herr Lenz für diese Tagesdosis! . . Es kann ja gar nicht oft genug darüber gesprochen werden . . .

    “ . .. Unser Psychotop konstruiert unser Soziotop und somit das Politotop und dann das Camputop. . . .“

    Georg Lakkoff u. Mark Johnson sprechen in ihrem Buch „Leben mit Metaphern“ vom „Konzeptualisieren“. Wir strukturieren/ konzeptualisieren die Welt, die wir wahrnehmen und die Erfahrungen, welche wir in Interaktionen mit anderen Menschen u. Menschengemeinschaften machen in Konzepten. Hierbei nutzen wir metaphorische Konzepte Konzepte, die wir aus ganz unmittelbaren Erfahrungen in und mit der „Welt“ (unmittelbare erlebte Umgebung) heraus ableiten.

    Wir brauchen dieses Konzeptualisieren, um Abstraktes und für uns eigentlich nicht „greifbares“, wie Emotionen, Ideen, Arten von Interaktionen und Kommunkikationen eben „greifbarer“ zu machen, bzw. „handhabbar“ strukturieren zu können.
    Hierzu gehören auch Vorstellungen über mich selbst, Gemeinschaft und Gesellschaft, die wir als aller erstes in der eigenen Familie lernen und ausbilden (wenn erforderlich auch traumatisieren) und dann auf die nächst größeren Gemeinschaften, quasi in jedem Maßstab ( Familie, Verwandschaft, Gemeinde, Region, Nation, Kontinent, Erde, etc . .) übertragen.

    Da ist Nichts „krankes“ drann, wir funktionieren ebenso! Und da sehe ich dann auch die Verbindung, warum es eben so wichtig und sinnvoll ist, dass wir bei uns selbst anfangen und erkunden, wie wir als Mensch eigentlich unterwegs sind und uns in der „Welt“ begreifen und diese dann eben auch gestalten oder eben auch nicht.

    Stellt sich jedoch für mich die interessante Frage, wo fängt Trauma eigentlich an? Ist Trauma eigentlich positiv zu sehen? Lassen sich lebensnotwenige Konzeptualisierungen von Traumata abgrenzen? Wäre glaube ich mal interessant hier mal rein zu leuchten, oder ?
    Nach dem Interview mit Franz Ruppert und Daniele Ganser, musste ich auf jeden Fall auch an die metaphorischen Konzeptualisierungen denken, über die ich in dem oben zitierten Buch gelesen habe.

    In der Tagesdosis kommt es -aus meiner Sicht – ein bischen zu kurz, was denn alternativ an die Stellen von „Kämpfen“ treten kann. Schließlich wollen wir ja nicht alle „Nichtkämpfend“ und selbstzufrieden irgendwo auf dem Balkon, Garten, sonst wo sitzen und meditieren, oder . .
    Irgendwer muss ja auch den Müll runterbringen, den Strom erzeugen und das Gemüse anpflanzen, etc. . .
    (mir geht es dabei nicht, um fertige Lösungskonzepte, sondern um die Möglichkeit sich als Rezipient der Tagesdosis auch auf der anderen Seite der Medallie wiederfinden zu können, ohne das Gefühl, sich gleich beim Therapeuten auf die Couch legen zu müssen )

    Kooperation scheint hier das Zauberwort zu sein. Die soziale höfliche Interaktion, die ein gleichberechtigtes Wechselspiel im Miteinander zulässt, die Sicht auf das Ganze miteinbezieht und gemeinsames Tun und Denken ermöglicht, welches uns letztendlich dann auch erfüllt und uns das Gefühl geben kann, Teil haben und Mensch sein zu können.
    Kooperation als alternatives Handlungs- und Denkkonzept, im Kleinen wie auch im Großen, welches jeder bei sich entdecken und erproben kann. Eine Konzeptualisierung, die es uns ermöglicht auch im Alltag im Hier und Jetzt anzufangen und uns auf den Weg zu machen und auch aus dem Konsumkoma aufzuwachen.

    Das Kooperieren wird uns tagtäglich allzuoft in so ziemlich allen Bereichen abtrainiert. Manch einer liest ja seinen Kindern schon Abends, aus den Kontoauszügen, das Märchen von der schwarzen Null vor. Aber das muss nicht so sein!

  6. Sehr geehrter Herr Lenz,
    vielleicht sollten Sie auch einmal in anderen Bereichen Daniele Ganser (bzw. seiner Mutter) zuhören: Wenn Ihre Ausführungen so bedeutungsvoll für die Friedensbewegung und/ oder ein Lösungsweg für viele sein sollen, warum dann diese unsägliche Sprache? Sollen diese Satzkonstruktionen und „Fachbegriffe“ irgendwie wissenschaftlich wirken und die Bedeutung des Textes erhöhen? Oder soll der geneigte Leser zum Verständnis auf Ihre Bücher zurückgreifen, auf die Sie so subtil hinweisen?

    Ich würde mich ja gerne inhaltlich mit Ihren Thesen auseinandersetzen und endlich einmal verstehen, warum alles Übel der Welt automatisch endet, wenn ich mich mit 80 schließlich von meinem inneren Feind befreit habe. Aber es bereitet mir körperliche Schmerzen und erzeugt eine negative Aggressivität und Gewaltabsichten, mich durch Ihren Text zu kämpfen.

    Wieso schaffen es „linke Denker“ einfach nicht, dem Karl-Heinz zu erklären, dass der Ali nicht das Problem ist?

    • Ich werde Daniele mal nach seiner Mutter fragen 🙂 Die Version, die Sie wegen der Fachworte und der unsäglichen Sprache kritisieren, nehme ich gerne an. Ich hatte damit ein bestimmtes Publikum im Auge, als ich den Text verfasste und ihn ohne die üblichen Fremdworte verfasst. Es geht noch erheblich unsäglicher und unverständlicher 🙂

  7. Spätestens seit Freud, der den sog. „Aggressionstrieb“ erfunden hat, gibt es mit dem Begriff „Aggression“ Probleme. Es gibt nämlich gar keinen „Aggressionstrieb“, wie Prof.Dr.med.Joachim Bauer – auch anhand der oft sträflich missverstandenen Darwinschen Texte – in seinem Buch: „Schmerzgrenze“ klar darlegt. Viele Psychologen waren diesbezüglich darwinistischer als Darwin selbst. Aggression ist kein „gesunder und natürlicher Trieb“, wie es besonders in Zeiten des Nationalsozialismus gern propagiert wurde, sondern eine „Reaktion“, ein Programm, das unter bestimmten Umständen abgerufen wird, ursprünglich zur Selbstverteidigung bei Angriffen auf das Leben. Das ursprüngliche Triebziel ist bei Darwin z.B. soziale Akzeptanz und Vertrauen, also genau das Gegenteil, nämlich das Werben um Liebe und die Sehnsucht nach Harmonie. So sehe ich das auch.
    Dass wir als Menschen derart in Destruktion geraten sind, liegt m.E. an der Komplexität unserer Art, an der scheinbar unendlichen Anzahl von Möglichkeiten, Leben so oder so zu gestalten. Die Menschheit hat sich dabei in die verkehrte Richtung verrannt und es war ihr durch ihre vielseitigen Erfindungs – und Konstruktions- Begabungen möglich, diese ignorante Haltung gegenüber der Wirklichkeit, gegenüber den Naturgesetzen, immer noch weiter auszubauen. Ein anschauliches Beispiel dafür ist unsere hoch technologisierte Apparate-Medizin. Da wird extrem krankheitsgefährdend gelebt und gegessen und die Medizin hat parallel dazu alle möglichen Op-Techniken entwickelt, um die Menschen trotzdem am Leben zu erhalten. Da werden in Routine-Op’s Därme verkürzt, Gliedmaßen und Organe ausgewechselt und chemisch zusammengebraute Substanzen gegen Abstoßungsreaktionen eingenommen und es wird weiter genauso ignorant weitergelebt, wie vorher. Solche „Fortschritte“ sind aber in Wirklichkeit nur Fortschritte in Richtung Verderben und Ausstreben, genauso wie unsere hoch technisierten Kriege und das „Geo-Engineering“.
    Die Menschheit ist im Begriff, sich aus der Welt hinaus zu lügen auf allen möglichen Ebenen.

  8. Franz Rupperts Traumata-Erklärungen fand ich sehr einleuchtend. Besonders, dass persönlich erlebte Traumen parallel auch auf Gesellschaftliche übertragbar sind. (Bespiel: kritische Fragen z.B. zu 9/11 abwehren, da diese das selbst erlebte Beziehungssystem-Trauma berühren)

    Ich hab das dann so verstanden, dass durch z.B. persönliche Traumen unser zweites „ICH“ – also das sogenannte „SELBST“ durch Anpassung, Wünsche, Neid, Tadel, Schulterklopfen, Bestätigung usw gesellschaftfähig wird.
    Man ist dann WER – oder auch NICHT.
    Das SELBST ist quasi korrumpiertes SELBSTBEWUSSTSEIN. Und ich bilde mir dann ein, dass sei dann wirklich ICH.
    Rüdiger Lenz fragt vermutlich danach – Weißt Du wer Du wirklich bist ? ICH oder jemand Aufgesetztes ?
    Denn wenn Du Dich veränderst, – also die Traumen abarbeitest und beerdigst und ICH wirst, hat das eine Auswirkung auf deine Umwelt. Denn die Umwelt ist der Spiegel deines ICHs.
    Und wenn Du Dich verändert, ändert sich demnach auch die Umwelt.
    Klingt ja logisch.
    Nur müssten alle mitmachen, sonst verändert sich gesellschaftlich NICHTS. Und …“dann gibt es kein zurück mehr“
    J.C.Junkers Traum ist dann unser Traumata.

    JASINNA hat ein gutes Video zum Thema:
    https://www.youtube.com/watch?v=7kBorZDx2WA

  9. Herr Lenz,
    sie versteigen sich in wahnwitzige Theorien denen zu folgen kaum einer bereit ist. Geht es auch eine Nummer einfacher oder sehen sie vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr? Sie haben schon einige gute Kommentare hier veröffentlicht, aber der heutige liegt voll daneben weil zu komplex und hoffnungslos in der Anwendung. So funktioniert die Welt nicht. Der Kapitalismus mit seinem Geld- und Finanzsystem hat die Hirne aufgeweicht und dieser Prozess ist unumkehrlich. Welches Naturvolk ist jemals zur Steinaxt zurück gekehrt nachdem die erste Metallaxt Einzug gehalten hatte. So geht es immer weiter…

  10. Herr Lenz,

    ich verstehe einfach nicht, worauf Sie hinauswollen.

    Angenommen, ich hätte alle Selbstkonflikte und Traumen überwunden und würde in völligem Einklang mit mir selbst sein – wie soll ich dann reagieren, wenn ich angegriffen werde? Gar nicht?

    Natürlich sollte man alles tun, um keine unnötigen Konflikte loszutreten oder gar aggressiv zu sein. Das ist für die Gewalttäter, mit denen Sie beruflich zu tun haben, sicher schon schwer genug – und nicht nur für diese. Aber richtig schwer wird es doch erst, richtig oder angemessen zu entscheiden, wenn man (z.B. von schwer traumatisierten Psychopathen) angegriffen wird.

    Die Gandhi-Methode der Gewaltlosigkeit konnte ja nur funktionieren, weil bei vielen britischen Soldaten und u.a. der britischen Gesellschaft noch eine gewisse Menschlichkeit vorhanden war. Sodass allen klar wurde, dass eine immer gewaltsamere Niederschlagung der Proteste moralisch nicht zu rechtfertigen ist. Aber einen Hitler (als Beispiel) und seine diktatorisch organisierte Gesellschaft hätte das wohl kaum stoppen können.

    • Wenn ich angegriffen werde, dann verteidige ich mich.
      Traumatisierte Psychopathen, die gibt es nicht.
      Einen Hitler hat nichts gestoppt.
      Benjamin, Sie sind, was meine Schlussfolgerungen angeht, auf einem völlig falschen Dampfer.

    • Herr Lenz,
      Ihre Replik „wenn ich angegriffen werde, dann verteidige ich mich“ auf den Beitrag von Benjamin, könnte auch lauten
      „wenn ich mich angegriffen FÜHLE … “ –
      Ich habe diesen seinen Beitrag so verstanden, dass hier jemand (noch) nicht verstehen kann, auf was Sie mit Ihrem
      Lösungsweg 2 „hinauswollen“, wie der oder die Wege zu Ihrer „Vision“ aussehen und diese praktisch umgesetzt werden können.
      Ich selbst stimme mit Ihrer Analyse, Ihren zutreffenden Begründungen überein – betrachte Ihre Ausführungen als interessante, zukunftsweisende Denkanstöße. Ob ihre hier kurz gefasste Konstruktion nachdenkenswerte, neue
      Geistes-Ansätze auf allgemeines Verständnis stoßen kann, bezweifle ich allerdings.
      Hätte ich mir in den letzten Jahren nicht auch jene Informationen (auf die Sie sich u.a. beziehen) in einer
      mir zur Verfügung stehenden „Frei“Zeit reingesogen, so wäre es wohl auch für mich vollkommen normal und auch für die meisten meiner Zeit- und Altersgenossen nachvollziehbar, dass ich auf Ihre „Lösungswege“ einen ähnlichen Kommentar abgegeben hätte … wie benjamin.
      Wenn ich dann von Ihnen einen Schluss-Satz hingeknallt bekommen hätte wie „Sie sind, was MEINE Schlussfolgerungen angeht, auf einem völlig falschen Dampfer“, so hätte diese Art der Kommentierung über mein offen zugegebenes Unverständnis über den doch so richtungsweisenden Beitrag von Herrn Lenz, sicherlich ein etwas negatives Gefühl der „Hilflosigkeit“ ausgelöst. Wenn mir die Brücke fehlt, wie ich auf den RICHTIGEN DAMPFER
      von Herrn Lenz mich hinbewegen kann, dann bliebe mir wohl nichts weiter übrig als in meiner Irritation resigniert festzustellen „Ohjeohje, mit mir die ganze Welt ist schlecht, da hat Herr Lenz wohl leider Recht … „

    • Herr Lenz,

      müsam und Zven (weiter oben) haben Recht: Ich fühle mich nicht gerade fürsorglich angeleitet durch Ihre Antwort – und Ihre Sprache (in der Tagesdosis) ist oft zu komplex. Falls ich bewusstseinstechnisch völlig „auf dem falschen Dampfer“ sein sollte, dann gilt das für 99,9% der restlichen Bevölkerung erst recht. Und es wäre doch schön, wenn Sie mehr von uns erreichen könnten. Oder nicht?

      Von daher: Können Sie Ihre Botschaften vereinfachen und klarer formulieren? Ansonsten bringt das hier nichts. Außer dass sich einige wenige hier ganz besonders erhaben vorkommen in ihrer kleinen Echokammer. Während unser gemeinsamer Planet zunehmend unwirtlicher wird.

    • Wieso gibt es eigentlich keine „traumatisierten Psychopathen“?

      Stören Sie sich am Begriff „Psychopath“ an sich? Gut, meinetwegen. Dann sagen Sie es doch.
      Oder wie war das sonst gemeint?

    • @Benjamin: was Rüdiger vermutlich meinte, dass Menschen, die traumatisiert werden und das schon sehr früh in ihrem Leben, sich zu Psychopathen entwickeln können, weil kein Mensch als Psychopath auf die Welt kommt 😉
      Insofern gibt es keine traumatisierten Psychopathen…psychopahtisches Verhalten ist eine Beschreibung von traumatisierten Menschen, die kein Mitgefühl entwickeln konnten.
      Sie sind Meister darin, die Schwächen und die Bedürfnisse anderer Menschen wahrzunehmen, die sie dann zu ihren eigenen Vorteilen zur Ausbeutung benutzen.

      Wenn wir unsere Selbstkonflikte und Traumata überwunden und intergriert haben, dann erkenne ich sehr schnell die Täter und kann mich distanzieren, bevor ich ernsthaft angegriffen werden – und das meine ich bezogen auf die zwischenmenschliche Ebene. Ich begebe mich nicht mehr in Gefahr!

      Vor struktureller Gewalt – wie z.B. Krieg – können wir uns nicht wirklich schützen, doch wir können uns für den Frieden engagieren und entsprechend unserer Möglichkeiten, dazu beitragen:
      „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ (Václav Havel)

  11. Jein.
    Ja zu der These der Traumata-Begründung, der Forderung zur Überwindung.
    Nein zu Glaube/Hoffnung die ‚Erkrankten‘ zur Selbstreflektion und Selbstheilung zu bringen.
    Ja zur Notwendigkeit der Erkenntnis der Beteiligung aller – eben auch der ‚Friedlichen‘ – an dem Umstand des Kriegs als solchen.
    Nein zur völligen Ablehnung von Aggression, Destruktivität etc., da dies ebenfalls demselben Trugschluss unterliegt wie umgekehrt, dass Anwendung von Aggression, Destruktivität etc. einen einseitig orientierten Zustand absichern hülfe.
    Erstens will der Autor und Ähnliche ja selbst bestimmte Dinge abschaffen (Geldwirtschaft, Krieg etc.) was nur die Kehrseite der Beklagten darstellt, weil Unipolarität (nur Frieden, ewiger Frieden etc. als Ziel) angestrebt wird (eben nur von der anderen Seite), was nachweislich nie funktionieren kann.

    Ein sogenannter Systemfrieden ist nur möglich, wenn alle Unterschiede abgeschafft würden – die im metaphorischen Denken, in den Paradigmen, in den kulturellen Aspekten, im Lebenswandel etc.
    Aber dann sind wir wahlweise bei Mao oder Orwell – ernsthaft?

    Ich höre nie(!!!) Ideen, Überlegungen, Lösungsvorschläge wie man statt der einseitigen Abschaffung, der Unipolarität etc. es schafft, eine Integration der Unterschiedlichkeiten zu bewerkstelligen ohne Nivellierungsabsichten oder stigmatisierender Ablehnung in tuto?!

    Wäre es tatsächlich die beste Lösung für die Schafe, wenn alle Wölfe verschwänden?
    In der Natur ist absolut nichts ‚friedlich‘, da wird laufend irgendwer oder irgendetwas transformiert ohne sein Einverständnis.
    Transformation ohne Polarität ist unmöglich.
    Leben ohne Transformation ist unmöglich.
    Also ist Leben ohne Polarität (eben auch die ‚Bösen‘, der ‚Krieg‘ etc. inclusive) unmöglich.

    Man kann sich ernsthafte Gedanken über die Begrenzbarkeit, die Kompensationsmöglichkeiten, die punktuelle Prävention von Gewalt usw. machen, aber doch nicht über das Verschwindenlassen elementarster Bestandteile – unabhängig davon, ob sie einem passen, man sie goutiert, versteht oder nicht!?

    Ich rede hier nicht der Gewaltanwendung das Wort!
    Ich mache nur darauf aufmerksam, dass die Ausschlusslogik, die überall in unserer sogenannten Kultur Anwendung findet, keinerlei echte Lösung bietet, weil das Ausmerzen von Aspekten wahlweise zur Degenerierung des ‚geretteten‘ System führt oder Surrogate für das Abgeschaffte an anderer Stelle wieder auferstehen lässt, wodurch also in beiden Fällen nichts wirklich gewonnen würde.

    In der Religion hat z.B. deren Ausschlusslogik vieler menschlicher Aspekte wieviel Leid einerseits verhindert, aber andererseits verstärkt?
    Wurde auch nur 1 Aspekt dauerhaft dadurch kontrolliert, geschweige den abgeschafft?
    Die Medizin heilt heutzutage mehr als je zuvor – aber es gibt auch mehr Kranke als je zuvor und sogar neue Krankheiten, die es früher gar nicht gab – was wurde also konkret gewonnen im Versuch Krankheiten auszumerzen?

    Krieg ist nicht ‚heilbar‘.
    Traumata ja, aber der Krieg selbst ist weder ein Virus, noch ein eigenständiges Symptom, sondern ‚der Vater aller Dinge‘ (Heraklit) im Sinne einer unverzichtbaren Polarität oder eines tanzenden Shivas, dessen Tanz sowohl erschafft als auch zerstört und beides als notwendig erkannt wurde und somit gar nicht abgeschafft werden kann.
    So wenig wie der Tod selbst abgeschafft werden kann und nur das Leben ewig existieren kann.
    Was, nebenbei, dem Leben auch nichts nützen würde, wäre es tatsächlich möglich.

    Man kann vielleicht dafür Sorge tragen, dass er nicht mit der irrwitzigen Zerstörung durch atomare Arsenale ausgefochten wird oder mit geächteten Waffen wie Phosphor, Agent Orange etc., aber keiner wird das Konkurrenzdenken in tuto abschaffen und auf der Ebene geht es eben schon los.
    Der Krieg beginnt mit dem Kampf um Arbeitsplätze, um Nahrung, Wohnungen, Anerkennung, Partner, Chancenanteile, Gerechtigkeit, Freiheit usw.usf. und man muss bei solchen hehren Forderungen schon mal fragen dürfen, ob jemand ernsthaft überzeugend darlegen kann, wie er all diese Dinge zeitnah, realistisch, weltweit regulieren, korrigieren möchte ohne selbst dabei diktatorisch, (willkürlich) nivellierend tätig zu sein?!

    Man kann (leider) nicht OHNE diesen ganzen Scheiß leben, man muss lernen MIT diesem Scheiß zu leben.
    Das ist keine Ansichtsfrage, sondern nüchterne Bilanzierung der Tatsachen, die alle in dieselbe Richtung verweisen.
    Wer unipolar denkt und handelt verschlimmbessert die Situation nur.
    Und vielleicht – das darf man ruhig auch mal diskutieren – geht es ohne Katastrophen gar nicht weiter.
    Stanislav Lem (Das Katastrophenprinzip) hat mal sehr anschaulich dargestellt, wie extrem unsere Menschwerdung von einer Fülle maximaler Katastrophen, also Destruktivität, begleitet wurde, ohne die es uns gar nicht gäbe!
    Man kann das nicht einfach wegwünschen oder den Ausschluss herbeiphilosophieren etc. – hier greift einfach das anthropozentrische Weltbild viel zu kurz….

    • Wenn die Natur „alles andere als friedlich“ ist, wie Sie schreiben, wieso kann sich dann Mensch in möglichst unberührter Natur am besten vom menschlich bedingten Alltagsstress erholen?
      Nietzsche schrieb einmal, dass uns die Natur so gut tut, weil sie „keine Meinung über uns hat“.
      Es gibt (für mich) nichts beängstigenderes als den Hass und den gibt es in der Natur nicht. Der Mensch ist zwar ein Säugetier und insofern ein Stück Natur wie andere Säugetiere , aber er ist das einzige Tier, das einzige Element in der Natur, das sich schuldig machen kann- sich offensichtlich schuldig gemacht hat an der Schöpfung. Das ist ein nicht einfach so weg zu diskutierender Unterschied. Arroganz und Ignoranz sind rein menschliche Erscheinungen. Da ist durch die Komplexität der Möglichkeiten wohl irgendwann etwas durcheinander geraten- bis zur völligen Verkehrung. Wir sind auf dem Irrweg- die übrige Natur nicht. Der Unfriede ist durch Irrtum entstanden. Die Kriege und der tagtägliche übliche traditionelle Qualfrass sind die deutlichsten Symptome dafür.

  12. Moin, Rueduger Lenz, Bei der Aufzählung der Lösungswege am Anfang des Artikels, vergassen Sie das Beten. Auch oder gerade beim Beten/Meditieren kommt man auf keine bösen Gedanken.

    Aber im Ernst: Sie hantieren leider mit einem sehr ungenuegenden Begriff des Imperialismus:“ (…) endlich einen Weg der Menschen gehen, der ohne Welteroberungsfantasien, also ohne imperialistisches Weltbild auskommt.“

    Ich will nicht belehrend sein, aber der Imperialismus ist weit mehr, als „nur“ eine Welteroberungsfantasie. Wie ich schon an anderer Stelle schrieb, ist der Imperialismus die höchste Form des Kapitalismus. Wenige Monopole teilen sich die Märkte. Schön zu sehen u.a. bei der Zusammenlegung von Monsanto und Bayer. Es gibt quasi keine entsprechend konkurrenzfähigen Mitbewerber. Der Bayer/Monsanto-Konzern hat sich aller Konkurrenten entledigt. Diese Entwicklung ist auf fast allen Gebieten der imperialistischen Weltordnung zu erkennen. Das bedeutet, dass nur wenige Kapitaleigner ueber die weitere ihrer Konzern-Entwicklung bestimmen. Hier im Fall Bayer/Monsanto ist ebenfalls gut zu beobachten, dass der Konzern sich einen Sch….dreck darum schert, ob mit der durch ihn geschaffenen Monokultur die bestäubenden Insekten aussterben und damit ein riesiges zusätzliches Problemfeld geschaffen wird.
    Wie wollen Sie die Anteilseigner dieser gigantischen Giftfabrik zur Umkehr bewegen? Man wird sicherlich (fiktiv) antworten, dass das nur gemacht wuerde um die milliarden von Menschen ernähren zu können.
    Dabei kommt mir eine 6. Lösungsmöglichkeit in den Sinn: Werbung fuer die 1-Kind Ehe. M.M.n. seinerzeit von Mao propagiert. Wenn ich mich nicht täusche, sogar mit Erfolg. Weniger Menschen benötigen weniger Recoursen und weniger Waren, sodass viele Gruende fuer Feindseligkeiten schon von daher entfielen.
    Um aber nocheinmal auf den Imperialismus zurueckzukommen: die Kapitaleigner wollen (wie im Falle der US-Frackingindustrie) natuerlich ihre vorher investierten mio. wieder mit Gewinn reinholen. Das erleben wir gerade in dem Konflikt mit dem Iran. Steigt der Öl-Preis auf ueber 100 Dollar/ Barrel, so kann der US-Imperialismus sein Frackinggas zu seinen guenstigen Bedingungen exportieren (dass darueber grosse Landstriche in den USA unbewohnbar wuerden nimmt er in Kauf).
    Zu Ihrer Eingangsfrage: Ich denke, dass die Besetzung des Pentagon und des Nato-Hauptquartiers (wie abwegig es auch scheint) wohl den grösseren Erfolg verspricht, gegeenueber der Möglichkeit sich mit Kampfsportweisheiten zu befassen, die die Welt verändern sollen.

    • aha, ich wusste gar nicht, dass das römische o. griechische Imperium im Kapitalismus steckte.
      so kann man natürlich auch alles umdeuten

    • Moin, keeneahnung, bei den gennanten Grossmächten sprechen wir von Imperium/Imperien. hier ging die Diskussion um den Imperialismus!

  13. Was Leben heisst ist, wie wir wissen, schon seit Jahrtausenden bekannt. Braucht nicht neu erfunden zu werden. Hat die Welt darauf gewartet, dass Deutschland, die Schweiz, der «zivilisierte», «fortschrittliche», «aufgeklärte» Westen, auch Daniele Ganser, Rainer Mausfeld und ähnliche ihr das neu erklären, das Rad neu erfinden und erklären wie Krieg heilbar ist?

    Bei den «Alternativ-Medien» wie bei der «Friedensbewegung», bei beiden fehlen Menschen welche selbstkritisch unsere («zivilisierten», «fortschrittlichen», «aufgeklärten») gesellschaftlichen Strukturen resp. deren Machtstrukturen mit ihren Vernetzungen selbstkritisch hinterfragen, in Frage stellen. Warum wohl?

    Bei beiden fehlen die Menschen welche ganz aktiv konkrete Möglichkeiten von Ungehorsam (Arno Gruen) und Verweigerung beim Namen nennen und auch publizieren. Warum wohl?

    Bei beiden fehlt noch viel anderes mehr um glaubwürdig und vertrauenswürdig eine Frie-densbewegung zu sein. Darunter wohl auch selbstkritische Einsicht und Bescheidenheit.

  14. Meister Lenz, Sie haben das fünfte Element ausgelassen: Das Geldsystem. Ein auf Zins und Zinseszins basiertes geldsystem ist exakt dafür erfunden worden, den Wohlstand von fleißig nach reich umzuverteilen.
    Das sind äußere Konflikte, die die inneren erst auslösen. Das ist der Kern des Bösen.
    Jetzt mal nur so zum Spaß ;o)
    Sie und ich stehen im Ring. Sie hauen mir eine rein, und der Schiedsrichter sagt, ich muss Ihnen nun 1,07 reinhauen, um auf Null zu kommen, weil das die Regeln (Zinsen) sind.
    Wer wird da im Verlauf wohl als erster KO gehen?
    Und wer würde unter solchen Umständen wohl ZORNIG werden? Und alle Symptome aufweisen, die Sie so trefflich beschrieben haben?
    Nur so’n Gedanke.. ;o)

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