Tagesdosis 21.12.2017 – Junge Welt – Sag mir wo du stehst?

Ein offener Leserbrief von Bernhard Loyen.

Dies wird ein offener Leserbrief an die Zeitung junge Welt. Ich möchte begründen, warum ich nach gut 20 Jahren mein Abonnement bei dieser Gazette kündigen werde.

Wo anfangen? Der politische Umbruch 1989/1990 beeindruckte mich Anfang 20jährig, hauptsächlich dahingehend, mit welcher Vehemenz unmittelbar im Anschluss auf dieses kleine Land DDR eingedroschen wurde. Sozialisiert in der alten BRD, geprägt vom Oppositionsgedanken Grün zu wählen, gegen die Politik einer seit Jahrzehnten andauernden Bande von CDU, SPD und FDP. Opposition versuchen, gegen permanente Aufrüstung, gegen den kalten Krieg & für Frieden, gegen Sozialabbau und soziale Missstände.

Lies doch mal die junge Welt empfahl mir ein Bekannter, solltest Du keinerlei Vorurteile besitzen. Die gab es nämlich schon in der DDR. Das machte sie für mich nur interessanter. Ich wollte verstehen. Ihr öffnetet mir ungeahnte gedankliche Türen. Ich las über die Jahre tausende Artikel von Euch. Zudem habt ihr mich motiviert zu Veranstaltungen & Demos zu gehen, wo ich mein heutiges politisches Grundwissen erlernte und vertiefte.

Ihr wart das einzige Medium, das konsequent gegen den Jugoslawien Krieg Stellung bezog. Ihr wart für alle die oppositionelle Stimme, die nicht den Weg der Grünen und der SPD, den Weg der TAZ, der Berliner Zeitung, des Spiegels gehen wollten. Dafür danke ich euch auch noch heute.

Kommen wir zur Gegenwart. Ja, euer Feuilleton ist weiterhin schwerlich zu ertragen. Euer Humor selten lustig. Der Sportteil eigentlich auch annähernd überflüssig. Ihr habt definitiv eure Stärken in den Kernthemen Politik, Kapitalismuskritik, Wirtschaftsanalysen, geschichtliche Betrachtungen und historische Aufklärungen.

Stutzig wurde ich erstmalig 2014. Ihr äußertet eure Irritationen und Ablehnungen gegenüber den Montagsmahnwachen und der neuen Friedensbewegung. Die  Berührungs– und Kontaktängste zu jungen und alten Menschen waren schwer nachvollziehbar, da diese Gruppen sich schlicht an den Themen orientierten, die eure Kernthemen sind. Angst gegen Krieg, Angst gegen Sozialabbau & Arbeitslosigkeit, Verschwendung von Steuergeldern, gegen die Lügen von Politik & Medien.

Tja, und dann nahm alles so seinen Lauf. Ich kürze ab. Ihr mögt schlicht Ken Jebsen nicht. Er ist Westler, er ist zu laut, er trägt rosa Socken, er ist eine Rampensau, er hat Erfolg. Das ist nicht eure Welt. Das habt ihr alles nicht! Also bei den rosa Socken wisst ihr natürlich mehr.

Hat Ken Jebsen kooperative Momente angeboten? Gab es Gespräche von der Geschäftsführung mit Ken Jebsen, in Anwesenheit eines Moderatoren ? Warum schreibt doch gleich Rainer Rupp nicht mehr für euch?

Ken Jebsen ist neugierig. Ken teilt sehr gerne, er ist solidarisch und hilft, wo er helfen kann. Er unterstützt und das alles mit einem großen Herz und ungezügeltem Enthusiasmus. Er ist geduldig. Wirklich kennen tun ihn sehr, sehr wenige. Irgendwann ist dann aber auch bei ihm ein Ende der berühmten Hutschnur erreicht. Wir sprachen oft über euch und eure permanente Kritik an seiner Person. In seiner impulsiven Art formulierte er, diese Zeitung braucht kein Mensch. Das ist genauso falsch, wie eure persönlichen Ressentiments gegenüber Ken Jebsen. Ich habe euch verteidigt, habe euch regelmäßig in meinen Kolumnen zitiert und euch empfohlen. Ich wollte auf diesem Weg versuchen, auch euch zu zeigen, wir müssen in diesen Zeiten kooperieren, uns solidarisieren, zusammen kämpfen, gegen gemeinsame Feinde und Themenblöcke. Erklären und Aufklären. Kräfte bündeln.

Kommen wir zur aktuellen Kampagne. Kommen wir zum Donnerstag, den 14.12.2017, dem Tag der Verleihung des Karlspreises an Ken Jebsen. Dem Tag, als ich beschloss, mich von der Zeitung  junge Welt zu verabschieden. Warum erfolgte keinerlei Solidarität von eurer Seite, als er zum dritten Mal nach Broder & Ditfurth, durch die Presselandschaft geprügelt wurde? Schlichte Solidarität unter Pressekollegen. Habt ihr geschwiegen, weil er für euch kein Kollege ist?

Zuerst habt ihr geschwiegen, dann habt ihr Georg Fülberth zitiert, um zum krönenden Abschluss am Verleihungstag in der JW euren persönlichen Dolchstoß zu präsentieren. Eine zweiseitige Abrechnung mit Ken Jebsen. Kens Welt[1]. Ein schlimmer, blöder und dummer Artikel. Vollgepackt mit Klischees & Halbwahrheiten. Inhalte, wurden nach einer bekannten Methode aus dem Zusammenhang gerissen, um Mutmaßungen, Unterstellungen und diskreditierende Lügen zusammen zu kleistern. Dieser Artikel macht mich noch heute fassungslos.

Es wird viel von Querfronten gesprochen. Ihr seid ja vermeintliche Kenner dieser Theorie. Nun erfolgte in der Ausgabe der JW vom 16.12.2017 noch ein Artikel zur Preisverleihung der NRhZ im Babylon Kino. Er bestärkte mich nur in meiner Entscheidung[2].

Der Artikel beginnt mit den Worten des Babylon Geschäftsführers vom 14.12.2017. Ihr schreibt: Der Hausherr hatte sich an diesem Abend keine Freunde gemacht. Denn er verriet, was er von dem Mann hält, den zu ehren am Donnerstag etwa 200 Menschen im städtisch finanzierten Kino Babylon in Berlin zusammengekommen waren. »Herr Jebsen, Sie haben fast alle Tabus zum Holocaust gebrochen!, sagte der Babylon-Geschäftsführer Timothy Grossmann. Das Publikum protestierte lautstark.

Zu recht finde ich. Ihr anscheinend nicht. Weiter aus eurem Text: Ein weiterer Redner nahm sich die Berichterstattung der Presse über Jebsen vor und bezeichnete bei der Gelegenheit junge Welt als »ganz neue Dreckschleuder«. Dieser Redner war Ullrich Mies und er bezog sich auf den von mir erwähnten Artikel vom 14.12.2017. So und jetzt kommts. Dieses Zitat aus dem Artikel bekommt einen eigenen Abschnitt:

…Die der sogenannten Truther-Szene angehörenden Buchautoren Daniele Ganser und Matthias Bröckers ließen per Videobotschaft grüßen und verbreiteten ihre in diesem Milieu sehr geschätzte alternative Sicht auf die Ereignisse…

Diesem Milieu? Junge Welt? WAS IST DENN BITTE BLOß LOS MIT EUCH? Gaga? Zuviel gepanschter Glühwein? Ab heute heißt es also für die Berliner Presselandschaft resümierend – Junge Welt, TAZ, Bild, B.Z., Berliner Kurier, Berliner Zeitung, Tagesspiegel = die wahre Querfront gegen alternativen unabhängigen Journalismus.

Fertig? Nein. Da müsst ihr jetzt durch. Am Donnerstagabend gesellte sich ein Mann zu der Gegendemonstration in Höhe des Grünen Salons. Er hielt sein Smartphone in die Höhe und rief in die Gruppe: Jemand interessiert an der privaten Mobilnummer von Ken Jebsen? Ein Scherz? Nein. Der Mann ist bekannt. Der Vorgang wurde dokumentiert. Es gibt Zeugen. Es ist Patrick R., ehemaliger Mitarbeiter oder Praktikant bei – jungen Welt . Die Nummer hat er durch eine Interviewanfrage an Ken Jebsen von diesem bekommen, u.a. weil er sich als Mitarbeiter der jungen Welt ausgab. Entsprechende Aufforderungen in Form von Konsequenzen wurden schon an die Geschäftsführung adressiert.

Ihr beruft euch oft auf DDR Traditionen. Ich möchte abschließen, mit einer Textzeile des Oktoberklubs, einer Liedgruppe aus der DDR. Ja, ich weiß, in Strophe eins lautet es: Zurück oder vorwärts, du musst dich entschließen. Wir bringen die Zeit nach vorn Stück um Stück. Du kannst nicht bei uns und bei ihnen genießen, denn wenn du im Kreis gehst, dann bleibst du zurück.

Doch kann man- in vielerlei Hinsicht. Ein Beispiel für die dogmatischen Zwänge der sog. Linken. Ich möchte dann die 2.Strophe nutzen, um mich hiermit als Abonnent zu verabschieden, was nicht bedeutet, dass ich sie nicht mehr partiell lesen werde:

Du gibst, wenn du redest, vielleicht dir die Blöße, noch nie überlegt zu haben, wohin. Schmälerst durch Schweigen die eigene Größe. Ich sag dir, dann fehlt deinem Leben der Sinn. Sag mir wo du stehst, sag mir wo du stehst, sag mir wo du stehst und welchen Weg du gehst.

[1] – https://www.jungewelt.de/artikel/323566.kens-welt.html

[2] – https://www.jungewelt.de/artikel/323667.wir-machen-alles-richtig.html

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Danke an den Autoren für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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36 Kommentare zu: “Tagesdosis 21.12.2017 – Junge Welt – Sag mir wo du stehst?

  1. Ich frage mich jetzt immer noch:Haben die Linken und die ehemaligen JW-Abonnenten eigentlich alle gar nicht gewusst, das der langjährige Chefredakteur dieser Zeitung Arnold Schölzel ein Stasi -Spitzel der eifrigsten Art gewesen ist? Oder war das denen völlig egal- nicht wert drüber nachzudenken, drüber zu diskutieren? Mir völlig unverständlich.

  2. Der Autor hat leider sehr recht. Und in der heutigen Ausgabe (22.12.) setzt der Chefredakteur Stephan Huth und Michael Maerz noch mit zwei Artikel nach. Und diese Artikel sind noch übler. Hat mich auch schon seit einiger Zeit der Gedanke beschlichen, dass mich mit meinem Geld eine auf Abwege geratene Zeitung finanziere, so bin ich mir dessen jetzt sicher.
    Da ist nicht nur die Querfront-Debatte, da ist noch viel mehr. Und schon seit langem hat die JW Probleme mit ihr nicht genehmen Meinungen. Darüber hat 2009 schon Gerhard Brandstner geklagt.
    In den letzten Jahren ist aber alles schlimmer geworden. Ich spare mit die Aufzählung.

    Eigentlich wäre es schön, wenn die JW gerettet werden könnte. Da zu bedarf es aber zweier Dinge:
    1. Müsste Koschmieder und Huth eine neue Stelle finden, die ihnen besser liegt, als die, die sie jetzt bekleiden. Das wäre Aufgabe der Verlagsgenossenschaft, der LPG (wie sie sich nennt). Die Verlagsgenossenschaft sollte eigentlich merken, dass der Kahn brennt.
    2. Wäre es schon nicht schlecht, wenn man Ken Jebsen und Stephan Huth an einen Tisch zum Streitgespräch bringen würde. Das bedürfte aber eines starken Moderators. Und das wäre besser dieser indirekte Streit über Artikel und Statements. Wer immer es mit Demokratie und Humanismus ernst meint, kann das nicht ablehnen. Und wer sich verkriecht und ablehnt, ist sicher unten durch. Es gibt viele gut Internetkanäle. Greift zu Leute, das bringt garantierte Popularität und ehrlich verdienten Ruhm.

  3. Aus meiner Sicht geht es hier – wie immer – auch um Macht, Einfluss und Deutungshoheit, hier innerhalb des linken Spektrums in Deutschland. Jedenfalls von Seiten einiger alteingesessener Leute bei der „Jungen Welt“, der Linkspartei, usw., die endgültig ihre Felle davon schwimmen sehen, v.a. an Ken Jebsen. So bewerte ich übrigens auch das Verhalten von Herrn Lederer. Es überzeugt mich nicht, dass das angeblich Teil der nötigen Vorarbeit für Rot-Rot-Grün sein soll oder dass er sogar persönlich korrumpiert sei. Nein: Die Linke in Deutschland ist leider so schwach, die muss man als deren Gegner gar nicht noch weiter spalten.

    Und das alles, obwohl Ken Jebsen ja gar keine persönlichen politischen Ambitionen hegt, was ich ihm voll und ganz abnehme.

  4. **“Ich rate dazu, nicht alle über einen Kamm zu scheren und nicht den Spaltpilzen auf den Leim zugehen und nun von Eurer Seite „Nicht-Solidarität“ zu leben. Keine Change für Divide et impera!“**

    Genau das ist das „Problem“ – Menschen ver-ändern sich.

    Wir sollten und müssten Menschen immer nur an ihren aktuellen Handlungen messen. Dann ergibt sich aber ein anderes Problem. Manche Menschen ver-ändern sich schneller, als andere die Unterwäsche wechseln – Stichwort auch Fähnchen im Winde…

    Früher war alles besser, weil einfacher, klarer – viel einfacher und klarer. Ein Mensch kann relativ einfach und mühelos eine gewachsene Gemeinschaft spalten. Solch ein Mensch war leicht zu lokalisieren, zu enttarnen und wurde aus der Gruppe entfernt.

    Das ist heute gänzlich anders. Spalter, Verbrecher und anderer übelster Abschaum – ich kann Menschen die sagen 500.000 tote Kinder „waren es wert“ [gemeint ist das mit militärischen Mitteln durchgeführte Abschlachten und anschließenden Santionen aus rein hegemonialen, geopolitischen, monetären Gründen] nicht mehr anders benennen – werden extrem belohnt. Sie bekommen höchste Posten und gigantische Korruptionsgelder usw usf.

    Was also bleibt (zu tun)?

  5. Das Abo zu kündigen ist nachvollziehbar.
    Verärgert zu sein ist nachvollziehbar.

    Aber ich würde es wie Ken halten, der sagt: Der rechte, radiakale Block ist nicht „die Linke“.

    Ich rate dazu, nicht alle über einen Kamm zu scheren und nicht den Spaltpilzen auf den Leim zugehen und nun von Eurer Seite „Nicht-Solidarität“ zu leben.

    Der Ansatz, dass wir (Nicht-Heuschrecken, Nicht-Korrupte, Nicht-Machtgeile, Nicht-Kriegsgeile, Nicht-Antidemokraten) zusammenhalten.

    Keine Change für Divide et impera!

    • Schade, dass man seine Kommentare nicht editieren kann.

      Das Abo zu kündigen ist nachvollziehbar.
      Verärgert zu sein ist nachvollziehbar.

      Aber ich würde es wie Ken halten, der sagt: Der rechte, radiakale Block in der LInken ist nicht „die Linke“.

      Ich rate dazu, nicht alle über einen Kamm zu scheren und nicht den Spaltpilzen auf den Leim zugehen und nun von Eurer Seite „Nicht-Solidarität“ zu leben. Genau das will man ja.

      Der Ansatz, dass wir (Nicht-Heuschrecken, Nicht-Korrupte, Nicht-Machtgeile, Nicht-Kriegsgeile, Nicht-Antidemokraten) zusammenhalten ist wichtig. Ich war sehr froh, das von Ken gehört zu haben. Nur so gehts. Genau das ist der Schlüssel! Dazu gehört auch und vor allem ein Großteil der Mitglieder, Wähler und Unterstützer von „Die Linke“.

      Keine Change für „Divide et impera“!

    • Das Etikettieren birgt eben auch immer die Gefahr in sich, dass mehrere Menschen en bloque beurteilt werden.
      Und damit tut man eigentlich jedem einzelnen mehr oder weniger Unrecht. Denn keiner ist so wie ein anderer.
      Ich finde, dass es nicht schwer herauszufinden ist, ob ein Mensch machtorientiert ist und nur mit Dir spricht, um Dich auszuhorchen, um sich dann noch wieder besser über Dich stellen oder auf Dich drauf setzten zu können, oder ob ein Mensch an einem echten geistigen Austausch mit Dir interessiert ist, der dann beiden gleichwertig zugute kommt. Für mich gibt es, grob gesehen, nur diese beiden Kategorien. Ein Mensch, der andere ohne jede Rücksicht belügt und betrügt und sich damit auch im Nachhinein immer noch im Recht fühlen kann, gehört jedenfalls eindeutig zur ersten Kategorie, ganz egal, ob er sich nun als links, rechts, oder mittig bezeichnet.

  6. Wenn man die junge welt wegen ihrer Kritik zu den Montagsaktionen diffamieren möchte, sollte sich das Ergebnis dieser Aktionen aktuell anschauen… Wer da einen Abgesang für die junge welt anstimmt, müsste dies in gleicher Weise für diese tun… seit die Teilnehmer vor ca. 2 Jahren nochmals einen Aufschwung durch den „Fall Lisa“ bekamen… hat sich die Klientel in ihre russland-deutschen Vororte wieder zurückgezogen…Wenn nun weiterhin bemängelt würde, man gehe nicht freundlich genug mit Herrn Jebsen um, so gilt auch hier wohl das Sprichwort mit dem Wald und dem Echo… Bleibt unter dem Strich, dass die Linke in Deutschland derzeit kein gutes Bild abgibt… die Putin-nahe Gruppe um Jebsen und die alteingefahrenen Organisationen eines untergegangenen Deutschen Experiments gehen sicher weiterhin getrennte Wege… für beide Seiten gilt aber sicher auch in der Zukunft.. „Mehr Schein als Sein“..

    • Was will uns der Schreiber eigentlich sagen?
      Die eine Seite übt Kritik und die andere diffamiert?
      Sie verachten beide ? – Die “ Putin-nahe Gruppe um Jebsen und die alteingefahrenen Organisationen eines untergegangenen Deutschen Experiments“?
      Haben sie auch was Konstruktives? Oder nur Schadenfreude?

    • Nein… nichts Konstruktives!Nur die Beschreibung der Lage… die ist beidseitig trostlos… habe irgendwo gelesen, dass ca 200 Leute bei der Demo vor Ort gewesen seien… fast jede Hochzeitsfeier hat mehr Gäste… auch nur eine Beschreibung!

  7. Die jW existiert zu fast 100% durch ihre (im Moment etwas über 11.000) Abbonenten. Ohne diese könnte die Zeitung komplett einpacken. Mit dem (woander üblichen) Anzeigengeschäft setzt dieses Blatt nämlich keine müde Mark um. Außer die Partei DIE LINKE oder vereinzelte linke Foren wie aktuell die Rosa Luxemburg-Konferenz schaltet dort niemand Werbung. Da sie sich nun nicht mehr nur gegen Konzerninteressen wendet sondern obendrein auch noch gegen die Interessen des kleinen Mannes, kommt wie ich finde einem Suizid gleich. Ich gebe diesem Blatt bei gleichbleibendem Kurs noch maximal 24 Monate. Dann wars das.

  8. und ich schreibe mitunter für die Junge Welt, da sie für den Widerstand gegen die Nato-Strategie, die den nuklearen Erstschlag mit beinhaltet [http://www.voltairenet.org/IMG/pdf/NATO_new_Strategy-2.pdf] und für die Friedenskräfte eine wichtige Informations-und Aufklärungsquelle ist.
    Ein Absolutheitsanspruch an die 100%ig widerspruchsfreie Medien- und Bündnisarbeit schwächt uns alle, wie mir scheint. Man kann Kritiken an absolutistisch daherkommenden und dadurch selbstlähmenden Positionen in den Bewegungen gegen das System des Terrors des Profits z.B. auch in Schriften Lenins vor ca. 100 Jahren finden – etwa im >>Der „Linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus<< [https://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1920/linksrad/index.html]. Vor diesem Absolutheitsanspruch warne ich genauso wie vor dem Freigeben der Positionen, nach dem Motto 'Hauptsache wir sind viele', egal ob rechts oder links.

    • Mir erscheint Ihre Einstellung zu sehr Wischiwaschi. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie den Ereignissen und Instrumentalisierungen auf den Grund blicken. Es gibt für mich bestimmte Grenzen, die nicht verwischt werden dürfen.

    • Herr Trautvetter,
      das klingt ja vernünftig, was Sie schreiben. Aber was sagen Sie zu den Anschuldigungen, die Ken Jebsen gegen den Herausgeber der „Jungen Welt“ im Rubikon-Interview erhebt?

      Aus meiner Sicht sind diese absolut nachvollziehbar und berechtigt. Und Ken Jebsen hat ja sogar noch explizit dazu aufgerufen, sich darüber zu empören und das nicht einfach zu akzeptieren!

      Finden Sie, das sind alles persönliche Streitereien, um die wir uns nicht weiter kümmern sollten, weil der gemeinsame Kampf für den Frieden wichtiger ist? Also, ich bin auch gegen Ausschließeritis, wenn irgendwie möglich. Aber wenn solche massiven Anschuldigungen im Raum stehen, dann kann es keine Gemeinsamkeiten mehr geben, weil ich diesem Menschen nicht mehr abnehmen kann, ernsthaft und von ganzem Herzen für den Frieden einzutreten!

    • Benjamin: Ja, das sehe ich auch so. Als Ken das erzählte, ist mir ja das mit Arnold Schölzel überhaupt erst wieder eingefallen, weil es beides die selbe menschliche Kälte wiederspiegelt. Es kommt mir so vor, als ob manche Menschen glauben, sie bräuchten nur für die traditionell bisher links stehenden marxistischen Positionen stehen und damit wäre der Menschlichkeit vollauf genüge getan. Ein Links-Automatismus ist auch nicht besser als ein Rechts-Automatismus. Man lese da auch mal das Buch „Eine Jüdin in Prag“ von Heda Margolius Kovály. Sie hat nacheinander den rechten und den linken Terror durchlebt. Und ich selbst habe auch schon meine direkten Erfahrungen mit der Linkspartei gemacht. Ich weiß genau, worüber ich schreibe. Partei? nein danke!

    • Herr Trautvetter,
      ich bedaure. Irgendwann ist auch mal gut mit „Augenmaß und Toleranz“. Bei mir findet das in dem Moment statt, wo es einen nachprüfbaren Sachverhalt gibt.
      Ich möchte das etwas drastischer formulieren: Wenn mir jemand daherkommt und mir plausibel zu machen versucht, dass die Erde in Wirklichkeit eine Scheibe ist (solche Dumpfbacken gibt es wirklich), ruft das bei mir eine eindeutige Reaktion hervor: Künftige Ignoranz zu 100%

      Ich habe (Stichwort Hausaufgaben) den Artikel der Neuen Welt durchgearbeitet, wie von Herrn Loyen unter [1] beschrieben.
      Vieles kann man da durch die Brille Andersdenkender sehen. Das stimmt.

      Dann ist mir dieser Satz aufgefallen: (Zitat)
      „auch die These vom »Vasallenstaat« BRD findet sich bei Jebsen“

      Jemand, der so etwas öffentlich schreibt, ist entweder strunzblöd oder kriminell. ES STAND SOGAR IN DEN ZEITUNGEN DER MAINSTREAMPRESSSE!!!

      Und zwar 2003! Merkel wörtlich zu Bush „Schröder spricht nicht für alle Deutschen“ als dieser sich dem Irak-Krieg verweigerte.
      DAS ist die heutige Bundeskanzlerin!!! HALLO!!
      Diese Dame hat unseren Vasallenstatus mithilfe der Dame von der Leyen so weit ausgebaut, dass KEIN WEG mehr hinaus führt. Und dieser Möchtegernverein Junge Welt spricht von einer T H E S E ? Mir wird gleich schlecht!

    • Zu Arnold Schölzel schrieb Rainer Rupp: „Vollkommen unverständlich sind die jüngsten jW-Attacken gegen Ken Jebsen vor dem Hintergrund der Tatsache, dass auf Vermittlung des Autors dieser Zeilen am 16. Februar d.J. in seinem Beisein ein fast vier Stunden langes Gespräch zwischen Jebsen und dem Chefredakteur der jW, Arnold Schölzel, stattgefunden hatte. Dabei wurden so gut wie alle relevanten Themenkomplexe besprochen. Am Ende gab Arnold Schölzel der Meinung Ausdruck, dass Ken Jebsen zwar kein Marxist, aber bestimmt auch kein Rechter sei und er kein Gegner sondern ein potentieller Partner im Kampf für den Frieden und gegen soziale Ausbeutung sein könnte. Daher lud er ihn zu einem weiterführenden Gespräch mit anderen Kollegen in die jW-Redaktion ein. Zu diesem Treffen ist es dann jedoch nicht gekommen.“ [http://www.rationalgalerie.de/schmock/junge-welt.html] Wenn wir Menschen Wesen sind, in denen mitunter innere Prozesse ablaufen, die sich z.T. auch gegenseitig ausschließen, dann ist es mein Bestreben, da, wo der humanistische Grundkonsens Bezugsrahmen ist, Gegenüber im Konflikt nicht so zu behandeln, wie sie vielleicht mich behandeln, sondern so, wie sie sein könnten. Schließlich geht es um etwas Größeres, das Größte ist im Nein zum Krieg der Frieden, ohne den bekanntlich alles nichts ist.

    • Herr Trautvetter: Um genau zu sein, war Arnold Schölzel zu dem Zeitpunkt des beschriebenen Gespräches nur noch stellvertretender Chefredakteur. Mich interessierte aber sowieso einfach mal ihre persönliche Meinung über Arnold Schölzel, denn wenn Sie dort öfter mal geschrieben haben, kennen Sie Ihn ja vielleicht auch persönlich. Leider habe ich das Buch von Inga Wolfram verliehen, sonst könnte ich noch einiges daraus zitieren. Fest steht jedenfalls, dass er jahrelang 6 Leuten den verlässlichsten Freund und Vertrauten vorgespielt hat, während er sie ohne jede Rücksicht auf deren Gefährdung bespitzelt und verraten hat. Inga Wolfram ist ihm später, als alles geklärt war, einmal zufällig begegnet, worauf der feige die Flucht ergriffen hat. Sie wollte dieses schmerzhafte Kapitel ihres Lebens aber unbedingt mit einer persönlichen Stellungsnahme von ihm beenden und hat es dann doch zu einer Gegenüberstellung unter 4 Augen geschafft. Da hat er dann diesen zynischen Vergleich gezogen mit den 6 gefährdeten Leben gegen das Leben des übrigen DDR-Volkes, so als ob diese 6 tatsächlich das Leben der DDR-Bürger gefährdet hätten. Kein Wort, dass es ihm etwa leid täte, kein Wort der Entschuldigung.
      Genau die selbe unmenschliche Kälte in der Redaktion der JW hat Ken Jebsen jetzt auch wieder beschrieben. Diese Kälte hat diese Zeitung aber für mich auch schon ausgestrahlt, als ich die Geschichte mit Arnold Schölzel noch gar nicht kannte.
      Vielleicht hat ja Ken Jebsen diese Kälte auch gespürt bei seinem Gespräch mit Arnold Schölzel. Ken Jebsen ist zwar fair im Umgang mit Menschen und tolerant, in keiner Weise vorurteilsvoll. Aber er ist auch ein Instinkt-Mensch und das ist gut so.

    • Ich hatte bisher nur Direktkontakte zu anderen MitarbeiterInnen der Jungen Welt. Berichte Dritter sind für mich keine solide Grundlage für qualifizierte Einschätzungen. Wenn ich Rainer Rupp hier zitiere, erfolgt das nur aufgrund der Tatsache, dass er dazu mehr als ich weiß. Mir ist es wichtig, dass wir angesichts der Gefährlichkeit des Militarismus [siehe z.B.: http://www.tagesspiegel.de/politik/experten-nato-braucht-plan-fuer-erstschlag/1147240.html%5D das große pazifistische Bündnis schmieden. Natürlich geht das nur ohne Nazis, die für den Frieden nach dem Sieg sind. Kriege enden nicht im Frieden.

    • Herr Trautvetter,

      Sie haben folgende Frage von mir noch nicht beantwortet, worüber ich mich freuen würde. (Oder wollten Sie dazu bewusst nichts sagen?)

      Was sagen Sie zu den Anschuldigungen, die Ken Jebsen gegen den Herausgeber der „Jungen Welt“ im Rubikon-Interview erhebt?

    • Herr Trautvetter: Nazis spielen doch in diesem ganzen Dilemma gar keine Rolle. Wo treten die denn dabei bedrohlich auf? Bedrohlich für unsere Demokratie und unsere Meinungsfreiheit ist hier das Agieren eines bekannter, marionettenhaften Linken-Politikers und ihm beipflichtende Leute aus dem Vorstand der Linkspartei und einer Zeitung, die ihm dabei noch voll unter die Arme greift.
      Ihre hehren Statements für Frieden greifen in dieser Sache einfach nicht. Ich sehe den Zusammenhang mit den realen Vorgängen und Ihren Texten nicht. Ich kann darin nur noch ein Sich-Drücken vor einer vermutlich für Sie zu schmerzhaften Kritik an der hier in Deutschland repräsentierten sog. „Linken“ vermuten. Diese Unlogik grenzt schon fast an Gewalt.

    • Ich will auch auf Kens Frage aus dem Rubikon-Interview eingehen, wie ich zu den Ärgernissen stehe. Ich nehme nichts billigend in Kauf. Ich selbst werde auch z.T. öffentlich abgestempelt, etwa aus dem antideutschen Spektrum, etwa den Ruhrbaronen… ich kenne solche Strukturen allerdings abgeschwächt selbst.
      Mir geht es darum, die Menschen, die man für das große erforderliche Bündnis gewinnen kann, dafür zu gewinnen. Wenn die alternativen Kräfte Medien wie die Junge Welt nicht mehr als Quelle für Informationen, die man sonst kaum findet, nicht mehr hätte, wäre das m.E. eine Amputation. Wenn ich das schreibe, dann heißt das nicht, dass ich dort alles hinnehme. Ich bringe meine Kritik sehr wohl ein. Nicht alles davon wird veröffentlicht, aber sie bewirken doch einen Austausch und eine Reflexion, wie ich aus Mails auch von dort her erfahre.
      Natürlich hat unser Tun etwas mit Achtsamkeit gegenüber Rechten zu tun: z.B. beim Friedenswinter-Abschluss am 10.Mai 2015 wollten sich Pegida-Aktive mit ihren Forderungen einreihen. NPD und AfD sind z.B. auch gegen Bundeswehr-Auslands’einsätze‘, die ja nicht Deutschland selbst „verteidigen“; aus ähnlichen Gründen sind sie gegen Waffenexport und gegen die von ihnen so gegeißelte Untergrabung deutscher ‚Souveränität‘ durch die Nato.

    • Bernhard Trautvetter: Sie schreiben „Berichte Dritter sind für mich keine solide Grundlage“. Aber dass z.B. Arnold Schölzel 6 Menschen über Jahre ohne Rücksicht auf die Gefährdung derer Leben bespitzelt und verraten hat und dies bis heute keiner Entschuldigung für würdig befand und sogar noch als sein gutes Recht verteidigt, ist eine erwiesene Tatsache und nicht nur „Berichte dritter“. Mit solchen Menschen sich für Frieden und Gerechtigkeit
      zusammen tun zu wollen, wie soll ich das benennen? Ich finde keine Worte dafür.

    • Herr Trautvetter,

      tut mir leid, ich habe Ihre Antwort auf meine Frage (zum Rubikon-Interview) noch immer nicht in Ihren Zeilen entdecken können. Mag natürlich an mir liegen. Andreas Wehr hat ja z.B. in der heutigen Tagesdosis seine Meinung dazu geäußert. Und zwar so, dass einfacher gestrickte Menschen wie ich es entdeckt haben.

      Also, ganz ehrlich: Können Sie sich vorstellen, wie sich das anfühlen muss, wenn man – wie Ken es beschreibt – Morddrohungen (auch gegen die eigenen Kinder) erhält, dann jemanden um Hilfe bittet und von diesem belächelt wird? Ich finde, man braucht nicht wahnsinnig viel Empathie um nachfühlen zu können, wie sich das in etwa anfühlt. Mit solchen Leuten möchte ich kein noch so wichtiges und nötiges Bündnis für irgendwas eingehen.

    • Lieber Benjamin,
      ich hatte Sie gedanklich mit einbezogen, als ich um 16:19 antwortete und eingangs etwas zu Ken sagte.
      Ich übe intensiv kritisch Feedback mit der Schreibern jener Artikel.

      Liebe/r Enttäuschung,
      ich kann die Aussagen, die Sie Tätigen, entsprechend bewerten, wenn ich ein Gesamtbild habe. Solange sehe ich mich dazu außer Stande.

    • Lieber Herr Trautvetter,

      lassen wir es gut sein, wir werden in dieser Frage wohl nicht zur selben Meinung gelangen. Danke, dass Sie nochmal geantwortet haben. Ich weiß, dass Sie persönlich nur die besten Absichten haben, daran zweifle ich nicht.

      Frohe Weihnachten!

  9. Ich habe mich nie für diese Zeitung interessiert – man hat ja auch gewisse Instinkte. Und als ich dann durch eine Bücherlesung auf Inga Wolframs Buch: „Verraten: Sechs Freunde, ein Spitzel, mein Land und ein Traum“
    hingewiesen wurde und dieses auch gelesen hatte, wusste ich auch, warum.
    Arnold Stölzel, Mitbegründer und lange bis vor kurzem maßgeblicher Redakteur dieser Zeitung, war nämlich in diesem Lebensabschnittsbericht der Inga Wolfram der Verräter. Sechs Philosophiestudenten bildeten eine geheime revolutionäre Zelle mit konspirativen treffen. Es wurden unerlaubte Bücher informative Bücher aus dem Westen herein geschmuggelt und man arbeitete an einem Plan, wie man das Land verbessern könne. Arnold Stölzel hatte sich als angeblich Gleichgesinnter dort eingeschlichen und es fiel gar nicht auf, dass er dann irgendwann auch immer eine Aktentasche mit dabei hatte. In dieser war das Abhörgerät, mit dem dann alle Gespräche für die Stasi aufgenommen wurden. Inga Wolfram hat das alles hautnah miterlebt, denn sie gehörte selber mit zu diesem Freundeskreis.

    • Hallo Enttäuschung

      Du meinst, der Stölzel – einmal obrigkeitshörig, immer obrigkeitshörig? Der Gedanke ist verlockend, aber tun wir Menschen nicht Unrecht, wenn wir denken, Veränderung vom Saulus zum Paulus wäre nicht möglich?

      Gestern hat auch jemand geschrieben Barroso wäre Maoist (gewesen), heute ist Barroso Goldman Sachs Jünger. Oder nehmen wir Joschka Fischer, dem unterstell ich mal, dass er in der Startbahn-West Zeit wirklich noch grün war. Du selbst hast ja auch mal Fleisch gegessen und ich war mal neoliberal…

      Oder hast du Info’s, dass der Stölzel heute noch den Spitzel für die Herrschenden macht?

    • Das war in meinen Augen nicht „nur“ Obrigkeitshörigkeit, sondern grenzenlose gewissen-und gefühllose Heuchelei und Denunziantentum. Er hat damit diese Leute in Lebensgefahr gebracht. Politische Häftlinge wurden in DDR-Gefängnissen auch schon mal mit Strahlengiften behandelt. Bärbel Boley ist nicht lange nach dem Fall der Mauer an Krebs gestorben. Ich schrieb hier irgendwo auch schon , dass Schölzel das auch später nie bereut hat, geschweige denn, sich dafür entschuldigte. In einem Gespräch mit Inga Wolfram hat er sein Vorgehen sogar noch verteidigt, indem er 6 Leben gegen das Leben eines ganzen Staates(der DDR) aufrechnete. Ich halte einen Menschen, der so handelt und denkt für psychisch schwer gestört.

    • Zitat: „dass Schölzel das auch später nie bereut hat, geschweige denn, sich dafür entschuldigte. In einem Gespräch mit Inga Wolfram hat er sein Vorgehen sogar noch verteidigt, indem er 6 Leben gegen das Leben eines ganzen Staates(der DDR) aufrechnete.“

      Das ist ne Antwort auf meine Frage. Dann verstehe ich deine Abneigung gegen diesen Typen!

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