Tagesdosis 21.9.2017 – Jede Stimme zählt!

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Am kommenden Sonntag können die Bürger unseres Landes wählen zwischen der AFD und der – AFD.

Die Alternative für Deutschland ist eine Partei, die auch als ein Ergebnis, eine Reaktion auf die Regierungspolitik der letzten Jahre erklärt werden kann. Beginnend mit Euro-Kritik, über schlichte allgemeine Unzufriedenheit, bis hin zur desaströsen Innen- und Außenpolitik der aktuellen Regierung, schöpft sie geschickt die gärenden Defizite ab, rührt sie mit dem Stimmungsbild der Gesellschaft zusammen und schon existiert die effektive Protestpartei.

Die andere AFD hat ihr historisches Vorbild dem Jahre 1990 entnommen. Ein Land, die DDR, stand wirtschaftlich und innenpolitisch geschwächt mit dem Rücken zur Wand. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung war immens. Es kam zur anstehenden Volkskammerwahl und im Februar des Jahres entstand die AFD – die Allianz für Deutschland[1]. Die damaligen Protagonisten waren die DDR Blockpartei CDU und die neu formierten Parteien DSU (Deutsche Soziale Union) und der DA (Demokratischer Aufbruch). Die Geschichtsbücher informieren: die AFD bildete ein in der rechten Mitte des Parteienspektrums angesiedeltes Wahlbündnis, das Allianz für Deutschland genannt wurde.

Ein Mitglied der Partei DA hieß – Angela Merkel. Die Volkskammerwahl endete für die DA mit einem 0,9-Prozent-Desaster. Dank der unerwarteten 41% für den Bündnispartner Ost-CDU (durch tatkräftig finanzielle und logistische Unterstützung der West-CDU) wurde die gemeinsame Allianz für Deutschland jedoch mit 48% Wahlergebnis faktischer Wahlsieger[2]. Das schlechte Abschneiden des Demokratischen Aufbruchs bei der Wahl und die Entwicklung der nächsten Monate nötigten zu einer Anlehnung des DA an die CDU, die von Merkel mitgetragen wurde. Am 4. August 1990 stimmte auf einem Sonderparteitag des Demokratischen Aufbruchs eine Mehrheit für einen Beitritt zur westdeutschen CDU nach vorhergehender Fusion mit der Ost-CDU. Merkel war eine von drei Delegierten, die der DA zum Vereinigungsparteitag der CDU in Hamburg am 1. und 2. Oktober 1990 schickte.

Dort entdeckte sie ein gewisser Herr Kohl. Der war wiederum, politisch schon abgeschrieben und kurz vor der Abwahl, nur westdeutscher Bundeskanzler geworden, weil eine sog. Mauer fiel. Es kam zur deutschen Wiedervereinigung und der Rest ist allbekannte Geschichte.

Die Allianz für Deutschland feiert nun voraussichtlich am 24.09.2017 eine Wiederauferstehung. Die beteiligten Parteien sind diesmal die CDU, die FDP und die neu formierte Partei GA. Grüner Auswurf. Die Wahl der GA endet jedoch mit einem Desaster und nötigt sie zu einer Anlehnung an eine der beiden anderen Parteien. Welche ist ihr eigentlich egal, Hauptsache mitregieren.

Heute konnte man auf Spiegel Online erlesen: Projekt Strassenwahl, auch Obdachlose dürfen wählen[3]. In Hamburg, so erfährt man, kümmert sich der Verein Straßenblues, um die schwächsten Bürger unseres Landes, die Obdachlosen. In einer Tagesaufenthaltsstätte für Obdachlose hängen sie morgens ein Schild an die Wand. Aufruf zur Bundestagswahl. Allen Ernstes werden die Anwesenden an Tablets genötigt, den Wahl-O-Mat zu verstehen.

Der Leser lernt: Denn Obdach- und Wohnungslose in Deutschland sind wahlberechtigt – auch ohne Personalausweis und festen Wohnsitz. Als Deutsche können sie einen Antrag auf Eintragung ins Wählerverzeichnis stellen. Darin müssen sie „an Eides statt“ versichern, dass Sie deutsche Staatsbürger sind und zusätzlich bestätigen, dass sie in den drei Monaten vor der Wahl in Hamburg übernachtet haben und nirgends für eine Wohnung gemeldet sind. Familienname, Vorname, Geburtstag und Unterschrift – fertig ist der Antrag.

Ja Potz Blitz, so einfach kann das Bürgerdasein leuchten? Weiter gehts im Text: Nur wenige heben den Blick von der Zeitung oder unterbrechen ihr Gespräch. Nikolas Migut, Gründer des Projekts „Straßenblues“, versucht es ebenfalls, spricht etwas lauter: „Jede Stimme zählt“, sagt er nachdrücklich. Noch immer hält sich die Aufmerksamkeit in Grenzen. Schließlich legen die Helfer einfach los.

Noch vor wenigen Wochen war in dem gleichen Magazin zu lesen: Obdachlose zwischen den Fronten. Schutzlos im Straßenkrawall: Wer kümmert sich bei den G20-Protesten um Hamburgs Wohnungslose? Behörden und Polizei sehen sich nicht in der Verantwortung[4].

Was die Motivation dieser Aktion für den Verein darstellt, ist schwer nachvollziehbar. Die aktuelle Politik ist verantwortlich für Sozialabbau, für steigende Mieten, für Obdachlosigkeit, für unsichere Arbeitsplätze, für Hartz4, für Armut. Für eine stetig wachsende Spaltung der Bevölkerung, in diesem Land.

Möge die Wahl und das damit verbundene Ergebnis einer weiterführenden Politik gegen die Bürger etwaig eine Wiederauferstehung des Jahres 1989 mit sich bringen. Die der Massen auf der Strasse. Die des Protestes gegen eine menschenverachtende Politik der AFD, der Allianz für Deutschland.

Quellen

[1] – https://de.wikipedia.org/wiki/Allianz_f%C3%BCr_Deutschland

[2] – https://de.wikipedia.org/wiki/Angela_Merkel#Politische_Laufbahn

[3] – http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/projekt-strassenwahl-auch-obdachlose-duerfen-waehlen-a-1167600.html

[4] – http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/g20-gipfel-in-hamburg-obdachlose-zwischen-den-fronten-a-1156567.html

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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5 Kommentare zu: “Tagesdosis 21.9.2017 – Jede Stimme zählt!

  1. Wird hier zusammengeworfen, was nicht zusammengehört?

    „Die Geschichtsbücher informieren: die AFD bildete ein in der rechten Mitte des Parteienspektrums angesiedeltes Wahlbündnis, das Allianz für Deutschland genannt wurde.

    Ein Mitglied der Partei DA hieß – Angela Merkel.“

    Die AfD ist nicht die Partei Demokratischer Aufbruch. Wenigstens sind die Inhalte durch einen Absatz voneinander getrennt, aber mir drängt sich auf, hier wird versucht zu suggerieren, Merkel sei synonym für AfD.

    Und auch hier nochmal: „Die Allianz für Deutschland feiert nun voraussichtlich am 24.09.2017 eine Wiederauferstehung.“

    Eine WIEDERauferstehung?????

    Ich werde auch am Sonntag gegen die AfD wählen, und hoffentlich viele von den Arbeitslosen. Die Motivation des Vereins? Vielleicht den Leuten klar machen, welche Partei sie am besten repräsentiert?

  2. Nach der Wahl in Frankreich wurden Stimmen der Bürger eingefangen,und ein junger Mann sagte,wir haben ja nun einen neuen Geschäftsführer gewählt.Der Mann hatte recht-weil das im Mainstream-Fernsehen gezeigt wurde,wollte man vielleicht mal wissen,ob die große Masse das interessiert!?-Aber das juckt keinen.Zu viele Menschen sind total abgestumpft und gleichgültig.

    Die alte Geschäftsführerin wird bei uns auch die neue sein.Das kann man dem Tönen des Mainstream entnehmen.
    Auch wenn Merkel in meiner Heimatstadt ausgepfiffen wurde,so dass sie kaum zu verstehen war während ihres Wahlkampfauftrittes-und anders wird es in anderen Städten und Städtchen auch nicht gewesen sein. Trotzdem wird die Gewinnerin schon feststehen. Die ziehen das durch.

    Aber der größte Fehler ist der ,überhaupt wählen zu gehen.Denn mit der Teilnahme an der „Wahl“erklärt man sich einverstanden mit einem System,das nicht legitimiert ist ,Wahlen abzuhalten. Man denke nur an den fehlenden Friedensvertrag.

  3. Die NWO freut sich über Ken Jebsen, denn er hat in ihrem Sinne alles richtig gemacht. Erst baut er Vertrauen auf mit wirklich guten Reden und lässt mit kritischer journalistischer Arbeit die gleichgeschalteten Medien auffliegen, aber dann empfiehlt er seinen Fans in letzter Konsequenz, auf eine Stimmabgabe bei der Wahl am 24. zu verzichten. Ich selbst habe im Bekanntenkreis selbst ein paar Leute, die auf Grund von Kens “Aufklärungsarbeit“ nie mehr wählen gehen wollen. Sein Einfluss ist so groß, dass er die AfD als einzige Partei, die nicht von der Atlantikbrücke gesteuert wird, viele Stimmen kosten wird. Dabei hatte Ken uns doch aufgezeigt, dass eine Einteilung in Rechts und Links ein System der “Teilenden und Herrschenden“ ist. Auch mal ein Lob für eine unverdorbene Partei, die vom etablierten globalen Einheitsbrei mit aller Medienmacht bekämpft wird, weil eben noch nicht fernsteuerbar, wäre also mehr als angebracht gewesen. Stattdessen sagt er uns voraus, dass jede neue Partei sowieso einmal im Sinne der Herrschenden unterwandert wird. Pessimismus und Resignation pur, denn Demos gegen das System können verboten werden und bewirken viel weniger als das Wählen einer echten und einzigen oppositionellen Kraft. Die Grünen, Linken, SPD, CDU haben sich als Marionetten der Geldelite erwiesen, nur die karrieregeilsten Befehlsempfänger kommen ans Ruder. Echte Patrioten hingegen dürften nicht so leicht zu steuern sein. Nationales Denken ist nicht immer schlecht. Ken hat Deutschland also einen Bärendienst erwiesen, eine richtig gute Chance torpediert. Ich hoffe, seine Fans lassen ihn nicht in allen Punkten vordenken und gehen am Sonntag doch zur Wahl. Der Feind ist nicht die Wahl, mit der das Volk noch direkten Einfluss hat, sondern der Feind sind die Medien, das betreute Denken, die Propaganda und die Gehirnwäsche, die die Menschen weiterhin die Besatzer-Atlantikbrücke, die Nato, Ramstein wählen lassen. Aufklärung mit dem Verzicht auf das einzig noch verbliebene Machtmittel des selbständig denkenden Menschen ist nichts wert!

    • KenFm ist eine Alternative, eine Alternative zur Fremdbestimmung, eine Stimme für SelbstbeStimmung.

      Die AfD ist m.E. sowas von gesteuert. Glauben Sie nicht alles, was Sie über die NWO hören/lesen.

  4. Anbei noch einige weiterführende links:

    Gnadenlos marktradikal
    Die angebliche Protestpartei AfD wird die Macht der Superreichen weiter ausbauen helfen.
    von Hermann Ploppa

    Neofaschismus? Viel schlimmer! Uns steht in einem abgekarteten Spiel eine neofeudale Unterjochung ins Haus, die in der Geschichte ohne Beispiel ist. Viele Wähler der AfD, die alles andere sind als Nazis, haben den ehrlichen Wunsch, aus der Nummer mit der ewigen Antäuschung durch Politiker, die nur noch Schauspieler sind, herauszukommen. Sie werden aber alle böse enttäuscht. Sie sind dann vom Regen in die Traufe gekommen.

    Denn da, wo AfD draufsteht, ist auch FDP drin. Und CDU/CSU. Eine eingespielte Fußballmannschaft sozusagen. Die AfD ist der rechte Flügelstürmer, die FDP der linke Flügelstürmer, und die CDU/CSU verteidigt den hinteren Raum.

    Und der Trainer? Ein anderer Österreicher, diesmal mit Manieren, namens Friedrich von Hayek. Doch eins nach dem anderen.
    https://www.rubikon.news/artikel/gnadenlos-marktradikal

    Neoliberal und fremdenfeindlich
    Den Klassenkämpfern von oben dient die AfD als millionenschweres Anlageobjekt.
    von Tomasz Konicz
    https://www.rubikon.news/artikel/neoliberal-und-fremdenfeindlich

    Marktradikal und unsozial: Union, FDP und AfD im Vergleich

    Die Zahl der Obdachlosen beträgt bereits eine halbe Million Menschen. Jeder 10. Bundesbürger lebt auf Sozialhilfeniveau. Ebenso viele arbeiten für Niedriglohn. 3 Millionen Kinder gelten als arm. Die sozialen Missstände in Deutschland sind offensichtlich. Doch adäquate Lösungsvorschläge haben weder CDU/CSU, noch AfD oder FDP.
    von Susan Bonath
    https://deutsch.rt.com/inland/57595-marktradikal-und-unsozial-union-fdp-afd/

    Und warum erfährt diese „Politik“ dennoch Zuspruch?

    Es reicht nicht, die AfD als neoliberal zu entlarven
    23. August 2017 Peter Nowak

    Die Partei wird nicht trotz, sondern wegen ihrer marktradikalen Sozial- und Wirtschaftspolitik gewählt
    (…)
    Daher warnt Dietl auch vor der naiven Vorstellung, man müsse die AfD nur als neoliberale Partei entlarven, damit sie die Wähler aus der Arbeiterklasse verliert. Die wählen oft die AfD nicht trotz, sondern wegen ihrer Mischung aus Sozialchauvinismus, Rassismus und Marktradikalismus, weil auch sie für einen starken Wirtschaftsstandort Deutschland Opfer bringen wollen und sich gegen alle die wenden, die das ablehnen.
    (…)
    Wenn dann immer besonders skandalisiert wird, dass doch Lohnabhängige gegen ihre Interessen wählen, wenn sie Parteien wie der AfD oder der FPÖ ihre Stimme geben, übersieht man, dass es kein ontologische Arbeiterbewusstsein gibt, dass nur entdeckt werden muss. Tatsächlich hängt die Positionierung der Menschen zu gesellschaftlichen Fragen davon ab, wie sie ihre Stellung im Kapitalismus oder ihre Abstiegsängste in der Krise interpretieren.
    https://www.heise.de/tp/features/Es-reicht-nicht-die-AfD-als-neoliberal-zu-entlarven-3810377.html

    Über den Erfolg des rechten Populismus
    15. Juni 2017 Bernd Murawski

    Nicht raffinierte Propaganda, sondern die veränderte wirtschaftliche Lage veranlasst Globalisierungsverlierer, rechte Populisten zu wählen. Grundwerte werden dabei aufgegeben
    (…)
    Dass Teile der Unterschichten sich dem Kampf für eine Verbesserung ihrer sozialen Lage entziehen und von ihren Interessenvertretungen abwenden, wurde bereits von Karl Marx thematisiert. Er verweist auf das Lumpenproletariat, das er in die Nähe von Kriminellen rückt. Es lebe von den Abfällen der Gesellschaft, sei käuflich und tauge nicht als Bündnispartner. Letzteres gilt ebenfalls für die von Marx beschriebene, später von Wladimir Iljitsch Lenin begrifflich erweiterte Arbeiteraristokratie, die als Erklärung für die Wurzeln des Reformismus diente. Eine Elite innerhalb der Arbeiterschaft profitiere von der kapitalistischen Ausbeutung und sei bemüht, ihre privilegierte Stellung durch Kumpanei mit dem Kapital zu erhalten.
    (…)
    Es dürfte kein Zufall sein, dass sich Protestverhalten besonders in Staaten artikuliert, deren Regierungen sich leidenschaftlich dem Neoliberalismus verschrieben haben. Einerseits sind dort in bedeutendem Umfang Arbeitsplätze verschwunden und Beschäftigungsverhältnisse prekarisiert worden. Andererseits wurde der Einfluss von gewerkschaftlichen und anderen Interessenvertretungen zurückgedrängt, sodass individuelle Problembewältigung recht verbreitet ist.
    https://www.heise.de/tp/features/Ueber-den-Erfolg-des-rechten-Populismus-3735555.html

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