Tagesdosis 22.1.2019 – JFK, RFK, MLK, Malcolm X (Podcast)

Eine neue Petition an den US-Kongress fordert die Aufklärung von vier politischen Morden in den 1960er Jahren.

Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

Seit 1986 ist in den Vereinigten Staaten an jedem dritten Montag im Januar „Martin Luther King Day“, ein staatlicher Feiertag, der an den 1968 erschossenen Bürgerrechtler und gewaltfreien Kämpfer gegen die Rassentrennung erinnert. Für den Mord an King, der am 15. Januar 90 Jahre alt geworden wäre, wurde der vorbestrafte und aus dem Gefängnis ausgebrochene James Earl Ray verurteilt, der auf Anraten seines Anwalts um die Todesstrafe zu vermeiden die Tat zuerst gestand, dann aber sein Geständnis widerrief und bis zu seinem Tod im Gefängnis 1998 vergeblich versuchte, eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu erreichen. Das „House Select Committee on Assassinations“, ein Ermittlungsauschuss des US-Kongresses, der 1979 die Ermordung von John F. Kennedy und seines Bruders Robert F. Kennedy untersuchte, nahm auch die Umstände des Mordes an Martin Luther King unter die Lupe. Und kam wie im Fall JFK zwar zu dem Ergebnis, dass eine Verschwörung mehrerer Täter dahinter steckte, hielt aber James Earl Ray weiter für den Todeschützen. Es schenkte seiner Geschichte, dass ein Mann names „Raul“ ihn für den Kauf des Gewehrs und zur Anmietung des Zimmers gegenüber von Kings Hotelbalkon bezahlt hätte, keinen Glauben.

Erst 1993 kam sein Fall wieder in die Schlagzeilen, als Loyd Jowers, ein ehemaliger Polizist und Besitzer des gegenüber liegenden Grillrestaurants, der Ray ein Gästezimmer vermietet hatte, in der TV-Sendung Prime Time Live eine höchst brisante Aussage machte. Ein mit der Mafia verbundener Geschäftsmann aus Memphis, Frank Liberto, habe ihm über einen Kurier 100.000 Dollar gezahlt, um bei dem Mord zu helfen. Einen Tag zuvor sei ihm von einem Mann namens »Raul« ein Gewehr gebracht worden. Zur Mordzeit habe er die Hintertür seines Restaurants, die auf einen mit hohen Büschen bestandenen Hof führte, offen gelassen. Diese Büsche waren von etlichen Augenzeugen als der Standort des Schützen ausgemacht worden. Sie wurden am Tag nach dem Mord von der Polizei Memphis entfernt. Nach dem Schuss auf King sei das noch rauchende Gewehr an seiner Hintertür abgelegt worden, und er habe es aufbewahrt, bis es am folgenden Tag von »Raul« abgeholt worden sei.

Nach diesem sensationellen Geständnis kam das Gericht in Memphis nicht mehr umhin, ein neues Verfahren zuzulassen. Dort berief sich Jowers, da er selbst angeklagt war, aber auf sein Aussageverweigerungsrecht und wiederholte seine Aussage nicht, was die Richter unglaubwürdig fanden. Auch die Mainstream-Medien beeilten sich, das sensationelle Geständnis als unglaubwürdig darzustellen – bis sich ein weiterer Zeuge für diesen ominösen „Raul“ meldete. Der ehemalige FBI Agent Donald G. Wilson, der bei der Fahndung nach Ray dabei war, als dessen Auto gefunden wurde. Dort sei beim Öffnen der Tür ein Briefumschlag herausgefallen, in dem ein Ausriss aus einem Telefonbuch und ein Blatt mit Namen und Telefonnummern steckten. Darauf sei die Nummer des FBI in Atlanta notiert gewesen, die er kannte, sowie weitere Nummern unter anderem mit den Namen »Raul« und »H.L. Hunt«. Aus Angst, einen Fehler zu machen – und möglicherweise einen verdeckten FBI-Agenten zu enttarnen –, habe er das Couvert eingesteckt, seinem Kollegen nichts davon erzählt und es nicht zu den im Auto sichergestellten Dingen gegeben. Er blieb nicht lange beim FBI und arbeitet später als Lehrer, doch die gefundenen Papiere behielt er und erzählte dreißig Jahre niemandem davon – bis er zufällig im Fernsehen sah, dass Martin Luther Kings Ehefrau Coretta einen Prozess gegen Loyd Jowers und seine Mitverschwörer anstrengte. Er setzte sich mit den Kings in Verbindung und nahm an einer Pressekonferenz in Atlanta teil, worauf seitens des FBI ein Sturm über ihn hereinbrach. Die Dokumente wurden als Fälschung und er selbst als Lügner bezeichnet, der bei der Durchsuchung des Wagens 1968 gar nicht dabei gewesen sei. Doch die Fälscher und Lügner, das zeigte das von der Familie King durchgesetzte Verfahren 1999, in das 70 Zeugen unter Eid und 4000 Seiten Transkripte eingebracht wurden, waren und sind andere. Nach nur 59 Minuten kam die Jury in dem Zivilverfahren zu ihrem Urteil: Sie sprach der Familie die verlangten 100.000 Dollar Entschädigung zu und stellte fest, dass Martin Luther King einer »Verschwörung unter Beteiligung von Regierungsbehörden« zum Opfer gefallen ist.

Eine weitere strafrechtliche Verfolgung gab es genauso wenig wie nach der Feststellung des HSCA von 1979, dass John F. Kennedy nicht dem Einzeltäter Lee Harvey Oswald, sondern „einer Verschwörung“ zum Opfer gefallen ist. Zum diesjährigen „Martin Luther King“-Tag fordert jetzt eine Gruppe von 60 bekannten Bürgerinnen und Bürgern und Mitgliedern der King- und  Kennedy-Familien in einer Petition an den Kongress ein öffentliches Tribunal zur Untersuchung dieser Mordfälle: „Wir fordern eine öffentliche Untersuchung der vier großen Attentate der 60er Jahre, die einen verheerenden Einfluss auf die amerikanische Geschichte hatten,“ heißt es in dem Schreiben, das neben der Ermordung der Kennedys und Kings auch den Fall des ermordeten Bürgerrechtlers Malcolm X neu untersuchen will:

„John F. Kennedy, Malcolm X, Martin Luther King und Robert F. Kennedy versuchten jeder auf seine eigene Weise die Vereinigten Staaten weg vom Krieg und hin zu Abrüstung und Frieden zu bringen, weg von Gewalt und Spaltung hin zu Einverständnis und Gerechtigkeit. Ihre Ermordungen waren ein brutaler, konzertierter Anschlag auf die amerikanische Demokratie, dessen tragischen Konsequenzen unsere Nation noch immer heimsuchen.“

Neben bekannten Historikern, Politikwissenschaftlern und Journalisten gehören auch einige Hollywood-Stars wie Alec Baldwin zu den Unterzeichnern, die ein Tribunal nach dem Modell fordern, wie es in Südafrika nach dem Fall der Apartheid stattfand. Sie betrachten ihr Schreiben an den Kongress als Start einer langen Kampagne. Seit diesen Ermordungen, so sagt der Unterzeichner James Douglass, „wandeln wir in einem Tal des Todes. In unserer Kampagne geht es darum, die Wahrheit der Bewegungen, die von diesen Männern geführt wurde, zurückzugewinnen.“

So sehr dieser Initiative Erfolg zu wünschen ist, so schwierig  dürfte das werden. Seine großspurige Ankündigung, sämtliche Dokumente zum Kennedy-Mord endlich freizugeben, hat Präsident Trump noch immer nicht umgesetzt. Wollte er sein Wahlkampfversprechen, den „Sumpf Washington trockenzulegen“ wirklich erfüllen –  genau hier, bei den historischen Morden an diesen vier Reformern und Bürgerechtlern, müsste die Aufklärung und Trockenlegung des „tiefen Staats“ beginnen.

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Mathias Bröckers schrieb über die Morde an JFK, RFK und MLK und die verurteilten „Einzeltäter“ Lee Harvey Oswald, James Earl Ray und Sirhan Sirhan in seinem Buch  „JFK –Staatstreich in Amerika“, Westendverlag 2017. Er bloggt auf broeckers.com

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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