Tagesdosis 22.10.2018 – Arbeiten bis zum Umfallen? Das Renten-Märchen der Marktheiligen

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Arbeiten bis zum Umfallen? Mit dem umfassenden Kürzungsprogramm im Zuge der Agenda 2010 senkt die Bundesregierung das Rentenniveau auf unter 45 Prozent und hebt das Eintrittsalter in den Ruhestand schrittweise auf 67 Jahre an. Begleitet von wachsender Altersarmut und ein bisschen nachträglicher SPD-Makulatur ist das Programm noch nicht einmal komplett vollzogen, da rufen erneut die »Markt-Experten« danach, das Rentenalter weiter zu erhöhen. Sonst drohe der Kollaps des Versicherungssystems, tönen sie.

Hintergrund sind neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Jeder sechste Rentner geht danach inzwischen einem Nebenjob nach – Tendenz steigend. Springers Welt weiß natürlich ganz genau warum: Die meisten täten es nicht aus wirtschaftlicher Not. Sie hätten vielmehr einfach Spaß daran, titelte das Blatt.

Einer der Vulgärökonomen, die körperlich schwere Arbeit nur vom Hörensagen kennen und selbst nicht mit Altersarmut kämpfen werden, ist Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Man müsse bis zum Jahr 2050 die Altersgrenze 70 anpeilen. Wer nicht mehr gesund sei, könne ja Erwerbsminderungsrente beantragen, sagte Weidmann zynisch gegenüber dem Handelsblatt.

Auch der Ex-Chef der sogenannten »Wirtschaftsweisen«, Bert Rürup, tauchte 74-jährig aus der Versenkung auf. Der Rheinischen Post erklärte er: »Selbst höhere Zuwanderung kann nicht verhindern, dass in den Jahren 2025 bis 2045 die Erwerbsbevölkerung deutlich zurückgehen und das Wirtschaftswachstum bremsen wird.« Und Rürup setzte auf die Story noch eins drauf: »Nur eine weitere Anhebung des Rentenalters in kleinen Schritten würde die in der Bevölkerungsentwicklung angelegte Wachstumsbremse lockern.«

Untersuchen wir die Realität: Die Arbeiter, vor allem die Niedriglöhner, sollen arbeiten, bis sie in die Kiste fallen, um sich Brot, Butter und Miete leisten zu können. Derweil stecken sich Deutschlands Großaktionäre Milliarden fürs Nichtstun ein. Deutschlands reichste Familie Quandt/Klatten, die sich ihr Vermögen unter anderem durch tödliche Ausbeutung von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen (mit hoher »Fluktuation«) im »dritten Reich« zusammen geraubt hatte, kassiert zum Beispiel drei Millionen Euro – PRO TAG!

So mancher glaubt nun, die wachsende Altersarmut liege, wie der neoliberale Sozialabbau insgesamt, an einer aus unerklärlichen Gründen wachsenden Schicht vermeintlicher Faulpelze. Eingewanderte und Geflüchtete sind, neben Hartz-IV-Beziehern, ganz besonders beliebte Sündenböcke. Fehlanzeige: Ökonomie funktioniert nicht wie das Portemonnaie der schwäbischen Hausfrau.

Denn das Beste, was man uns nicht erzählen will, ist Folgendes: Die jährlichen Quandt-Milliarden fließen defacto aus demselben Topf wie die Armutsrenten, die Hartz-IV-Hungerleistungen und andere sozialen »Gaben«, aber auch die Rüstungskosten, sämtliche Staatseinnahmen und Profite aller Unternehmer. Warum? Weil alles, was verteilt wird, letztlich aus dem abgepressten Mehrwert aus produktiver Arbeit stammt. Es hat seinen Grund, warum sich Arbeiter immer mehr ausgeplündert fühlen.

Nehmen wir die H&M-Verkäuferin. Dazu müssen zunächst zur indischen Baumwollspinnerin blicken: Sie stellt Kleidung aus zuvor gepflückter Baumwolle her. Sie schafft etwas Neues, das vermarktet werden muss. Ihr Konzern verkauft die Ware und gibt der Arbeiterin einen Teil als Lohn. Vom Rest zahlt er die Zinsen der Bank, die ihm Kapital vorgeschossen hat, wartet seine Maschinen und steckt sich Profit ein, aus dem er auch Steuern an den jeweiligen Staat abführt.

Der Transportarbeiter bringt sodann die Ware nach Deutschland, wo H&M den Mehrwert durch Verkauf realisieren will. Die Transportkosten, von denen wiederum ein kleiner Teil als Lohn an die Arbeiter geht, zahlt die Handelskette H&M, und schlägt sie am Ende auf die Preise drauf. Ebenso verfährt  sie mit dem Lohn der Verkäuferinnen, den Kosten für Zinsen, Werbung, Verkaufsräume, Entsorgung von Überproduktion und Steuern. Obendrauf auf den Warenpreis kommt noch der Profit. Geschaffen haben den Mehrwert letztlich doch die Hungerlöhnerinnen in Indien.

Somit sind auch die Steuern, die der Staat beansprucht, nichts anderes als der Anteil vom Mehrwert aus produktiver Arbeit. Ganz egal, ob es um Lohn- oder Unternehmenssteuern geht. Genauso ist es mit den Abgaben für die Kranken- und die Rentenkasse. Mit den Beiträgen aus seinem Lohn soll der Arbeiter selbst seine Arbeitskraft erhalten, nichts sonst. Die Kassen schöpfen Geld aus seiner Arbeitskraft ab, versorgen damit nicht nur ihn, sondern einen ganzen Apparat.

Noch einmal ein Blick zu den Reichen: Die Familie Quandt/Klatten tut im Endeffekt nichts anderes: Sie schöpft Mehrwert kraft ihrer Aktienpakete aus jener Arbeit ab, die in den Firmen schuften, an denen sie beteiligt ist.

Nun tritt folgendes Szenario ein: Technologie ersetzt menschliche Arbeitskraft. Die Produktion braucht immer weniger Arbeiter. Ausbeutbar ist letztlich aber nur ihre Tätigkeit. Maschinen geben lediglich ihren Kaufpreis in die Waren ab und drücken damit die Preise der Waren im Konkurrenzkampf. Die Folge: Wo es immer weniger Arbeitskraft auszubeuten gibt, sinkt die gesamtwirtschaftliche Profitrate.

Sinkt die Profitrate, weichen die Banken auf Spekulationsgeschäfte aus. Heißt: Sie spekulieren auf noch nicht realisierte Arbeit oder noch nicht realisierten Mehrwert und handeln mit derlei Anleihen. Werden Arbeit oder Mehrwert letztlich nicht realisiert, platzen die berühmten Spekulationsblasen. Die Wirtschaftskrise nimmt ihren Lauf. Firmen gehen pleite, Arbeiter verlieren ihre Jobs. Die Profitrate sinkt schneller, die Armut steigt. Der Staat kürzt den Sozialetat, denn er kann weniger abzweigen.

Dafür, dass sich die gesamtwirtschaftliche Profitrate im steten Fall befindet, gibt es ein ziemlich sicheres Zeichen: Seit 2016 hält die Europäische Zentralbank den Leitzins auf Null. Heißt: Banken kommen billig an Geld. Kredite werden also billiger. Man hofft, so den Mut der Anleger zu beflügeln, neue Profitquellen zu erschließen. Problem: Der Planet ist begrenzt, die öffentliche Daseinsvorsorge großteils ausverkauft und der technologische Fortschritt legt keine Pause ein. Ein Dilemma für Marktgläubige.

Hier liegt der Kern des systemisch verordneten steten Wirtschaftswachstum, von dem die »Markt-Experten« schwadronieren. Angefeuert nebenher von Unterbietungs-Wettbewerben mit der Konkurrenz, soll das endlose Wachstum letzten Endes den Fall der Profitrate bremsen. Und zwar durch Erhalt von produktiver, billiger Lohnarbeit en masse. Auf deren Ausbeutung beruht das gesamte System.

Das hat noch eine weitere Folge: Exorbitante Überproduktion. Hierzu muss man nur die jüngsten Schlagzeilen durchforsten. Bleiben wir zunächst bei H&M: Jedes Jahr verbrennt die Modekette tonnenweise neuwertige Waren, wie jüngst publik wurde. Bei Amazon und anderen Händler läuft es nicht anders. Im März jammerte die Stahlindustrie: Gigantische Überproduktion sorge für sinkende Preise und Strafzölle. Nordzucker rechnet ebenfalls mit Preisverfall durch Überproduktion, berichtete kürzlich die Osnabrücker Zeitung. Grund seien Ausweitungen der Produktion in Indien und Thailand in Verbindung mit der mitteleuropäischen Dürre in diesem Sommer. Kurz: Nordzucker muss mit hohen Profit-Einbußen rechnen, weil billiger Zucker aus Asien kommt und der Konzern seine Preise nicht erhöhen kann.

Am 4. Oktober beklagte die Umweltorganisation WWF die massenhafte Vernichtung von nicht verkauften Backwaren. Im April wetterte der Bundesverband deutscher Milchviehhalter auf der Agrarminister-Konferenz in Münster über eine erneute »Milchschwemme«. Zur Erinnerung: kurz zuvor war bekannt geworden, dass die EU auf 380.000 Tonnen Milchpulver aus staatlich abgekaufter Überproduktion sitzt, das in Lagerhäusern verrottet – während in anderen Teilen der Welt täglich Tausende Kinder verhungern.

Die Vernichtung der Überproduktion hat einen Grund: Würde die Wirtschaft die Waren billig an Bedürftige verteilen, wäre ein Preisverfall nicht aufzuhalten. Da lässt das Establishment dann doch lieber Waren vernichten und Menschen verhungern, und zwar jene, die nicht mehr verwertbar sind im Produktionsprozess. Da kürzt dann auch der Staat die Renten und Sozialleistungen, um alles so zu lassen, wie es ist – solange es noch irgend geht. Dazu passt ein bekanntes Zitat von SPD-Ex-Arbeitsminister Franz Müntefering: »Wer nicht arbeitet, soll nicht essen.«

Stellen wir fest: Längst herrscht kein Mangel mehr. Mit immer weniger Arbeit produziert die Menschheit immer mehr Überfluss. Rational Denkende würden sagen: Teilen wir die Arbeit gerechter auf und regeln wir Produktion und Verteilung endlich vernünftig.

Das Gegenteil passiert jedoch: Riesige Mengen an Überproduktion landen auf den Müllhalden, während anderswo Armut, Elend und Perspektivlosigkeit grassiert. Das zwingt Millionen auf die Flucht, schafft Ghettos und führt zu Verteilungskämpfen, die sich in Konflikten zwischen Generationen oder ethnischen, sozialen und nationalen Gruppen manifestieren. Denn blöderweise gehört die Wirtschaft wenigen Privatiers, und der Staat managt in ihrem Sinne das irre Spiel.

Während also Quandt und Co. immer reicher werden, sorgt der Staat andererseits für Arbeitszwang, Niedriglohn, Hungerrenten und gut bezahlte Pseudoexperten, die uns derlei Märchen als alternativlos verkaufen. Und höchstwahrscheinlich lauert ein dritter Weltkrieg schon in den Startlöchern. Kurzum: Alles für den Markt. Wer mangels Eigentum nicht abzocken kann, soll schuften bis zum Tod. Ein Teufelskreislauf, der nur im totalen Crash enden kann. Für alle, nicht nur für die Rentner.

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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12 Kommentare zu: “Tagesdosis 22.10.2018 – Arbeiten bis zum Umfallen? Das Renten-Märchen der Marktheiligen

  1. Frau Bonath hat den Finger in die Wunde des Kapitalismus gelegt. Es ist der tendienzielle Fall der Profitrate wenn die Kapitalisten wegen Konkurenzdruck, genötigt werden, lebendige Arbeit (Lohnarbeiter) zu ersetzen durch tote Arbeit(Maschienen,Roboter) Das ist was wir jetzt erleben durch den tendiziellen Fall der Zinsen, der angeblich durch UNO-Komissare (Stichwort Brodi) bewirkt sei. Nein, Frau Bonath hat das alles klar gelegt, sie ist wieder bei Marx unter seinem Banner. Vielleicht geht der Kapitalismus endlich daran zugrunde, vielleicht aber auch nicht und wer im Kapital an dieser Stelle nachliest(in der Kröner Ausgabe ist das Seite 614, drittes Buch, vierter Abschnitt: Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate), findet dass Marx voller Zweifel war und befürchtet hat, dass die Kapitalisten doch neue Möglichkeiten finden, dem Fall der Mehrwertrate (sprich :Zinsen) entgegenzuwirken und zwar skrupellos.

  2. Es dürfte inzwischen jedem einleuchten, dass das Finanzsystem nicht funktioniert.

    Wir sehen es beispielsweise bei Donald Trump, dass er keine Reformen anstrebt, sondern stattdessen seine Rüstungsausgaben steigert.

    Man hat ein wenig den Eindruck, dass Goldman Sachs etwas zu viel Einfluss auf seine Regierungsarbeit hat und mitunter ist auch von Government Sachs die Rede.

    Daher haben wir auch wenig Vertrauen, dass er seinen Laden im Griff hat.

    Schließlich haben wir ein Finanzsystem, das in Wirklichkeit eine Schuldenlawine ist.

    Das System kann nur mit immer mehr Schulden, aber niemals mit Schuldenabbau weiter fortbestehen.

    Selbst wenn die Politik wirklich Reformen wollte, dann wären diese nur weltweit möglich, weil ein einzelnes Land nichts machen kann.

    Regierungen haben derzeit keine Kontrolle über das Geld.

    Wahrscheinlich würde ein Geldwesen mit fließendem Geld im Sinne von Silvio Gesell funktionieren.
    Ebenso könnte ggf. Informationsgeld infrage kommen. Ich kann das nicht so genau beurteilen.

    Hier wird mitunter eingewendet, dass ein anderes Geldwesen nur funktionieren könnte, wenn alle Staaten weltweit mitmachen.

    Unabhängig davon bräuchte man zudem eine längere Umstellungsphase von mindestens zwei Jahren, bis man ein anderes Geldwesen überhaupt in Betrieb nehmen kann.

  3. Moin, Frau Bonath, dass die Profitrate sinkt ist wohl augenscheinlich. Doch neben den von Ihnen angefuehrten Alternativen, ist das Hereinwinken von billigen Arbeitskräften, die sich unter dem Mindestlohn verdingen duerfen, eine weitere Massnahme, die die Herrschenden versuchen. Merkel und ein Teil der Linken, u.a. leider auch Sie, Frau Bonath, steigen auf das Pferd auf und versuchen mit allerlei kruden Argumenten diese Willkommenskultur der Herrschenden zu verteidigen.
    Ein Verdrehen der Begrifflichkeit von Caritas und Solidarität!

  4. Einige bestätigende Ergänzungen:

    „Daß Angela Merkel zur mächtigsten Frau der Welt gekürt wurde, ist eine Farce. Sie ist noch nicht einmal die mächtigste Frau im eigenen Land. Daß die Zeitungen jetzt schreiben Ursula von der Leyen ist die zweitmächtigste Frau in Deutschland ist eine Vertölpelung, Verdummbeutelung von ihnen und zwar eine Bewußte, der Presse die es schreibt. Die mächtigsten beiden Frauen in diesem Land sind Liz Mohn und Friede Springer. Bertelsmann und Bild-Konzern. Die Bild-Zeitung, die den Analphabetismus bereits im Namen und in die Lande trägt. Bertelsmann und Bild, die lautstarken Herolde eines maroden Systems, das weltweit an den Fäden der Geldverleiher zappelt.
    Eine Handbewegung von Friede Springer genügt und die Lohnschreiber werden die Kanzlerin endgültig vom Thron holen und werfen sie ihrer eigenen Partei zum Fraß vor.
    Vielleicht erleben wir es schon demnächst. Die wahrhaft Mächtigen sind gewiss, daß sie die Gunst des Volkes schon verloren haben. Das macht die Kanzlerin so wertvoll, denn solange sie die Gunst des Volkes hat, solange wird sie gebraucht. Aber nur solange sie die Gunst der Macht hat, wird sie es tun können.
    Eine Symbiose nennt man das in der Biologie. Aber wenn es zu Lasten des Wirtstiers geht nennt man es eine parasitäre Symbiose.
    Und das Wirtstier, das sind bedauerlicherweise wir.“
    Prix Pantheon 2010 – Georg Schramm

    „In der medialen Wahrnehmung sind Milliardäre geisterhafte Wesen, die seltsam losgelöst von allem erscheinen und fast wie Märchenfiguren absichtslos und surreal über der Welt schweben. Doch dieser Eindruck täuscht: Keiner von ihnen handelt ohne Plan, und niemand ist so gut vernetzt wie die Milliardäre, bei denen schließlich alle finanziellen Fäden zusammenlaufen. (3)
    Man Weiß, dass sie mit ihren Milliarden gerne Stiftungen gründen, um Steuern zu sparen und ihren Familien über den Tod hinaus Macht und Einfluss zu sichern. Derzeit existieren allein in den USA mehr als fünfzig private Stiftungen reicher Familien und Firmen, die über so hohe Einnahmen verfügen, dass jede einzelne von ihnen mehr als 100 Millionen Dollar verteilen kann – wohlgemerkt pro Jahr. (4)
    Mit diesem Geld werden nicht nur wohltätige Initiativen gefördert, sondern auch sehr konkrete politische Ziele verfolgt.
    Eine der international mächtigsten Stiftungen, die Rockefeller Foundation, existiert seit 1913 und verfügt über ein Vermögen von mehreren Milliarden Dollar. Der Gründer John D. Rockefeller war seinerzeit der reichste Mensch der Welt. Sein Enkel David (1915-2017) galt als einer der politisch bestvernetzten Banker in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von 1950 bis 1985 gehörte er zur Führungsebene des Council on Foreign Relations, einer außenpolitischen Lobbygruppe. Er zählte den CIA-Gründer Allen Dulles zu seinen Vertrauten und verhalf unter anderem dem späteren Außenminister Henry Kissinger zum Aufstieg.
    Der Einfluss der Rockefeller Foundation in den vergangenen hundert Jahren ist kaum zu ermessen. Im 4. Kapitel wurde bereits geschildert, wie die Stiftung gemeinsam mit der Ford Foundation ab 1948 verdeckt die Programme für eine europäische Einigung finanzierte, aus denen später die EU hervorging. Ziel war es damals, Westeuropa gegenüber dem sowjetischen Kommunismus fest zusammenzuschweißen. Moskau stellte das Privateigentum infrage und damit den Kern der Macht von Familien wie Rockefeller und Ford. In den 1960er Jahren, während der Hochphase des Kalten Kriegs, ernannte der frisch zum US-Präsidenten gewählte Hoffnungsträger John F. Kennedy den Chef der Rockefeller Foundation zu seinem Außenminister.
    Die Stiftung wurde aber schon früher politisch aktiv.
    (…)
    Der Zweite Weltkrieg erscheint in diesem Licht als Konkurrenzkampf zwischen Eigentümereliten verschiedener Nationen, der den jeweiligen Völkern auf allen Seiten als hochmoralische Notwendigkeit verkauft wurde, in dem die politischen Kriegsziele aber sowohl in den USA wie auch in Deutschland von kleinen privaten Gruppen aus der Oberschicht bestimmt wurden.
    (…)
    Die vom Nürnberger Kriegsverbrechertribunal bereits verurteilten deutschen Großindustriellen Friedrich Flick und Alfried Krupp, die zur gleichen Oberschicht wie Rockefeller gehörten, begnadigte McCloy 1951. Er setzte ebenfalls durch, dass beide ihr beschlagnahmtes Firmenvermögen zurückerhielten. Auch Hitlers Finanzminister Graf Schwerin von Krosigk – Großvater der heutigen AfD-Politikerin Beatrix von Storch – begnadigte er, ebenso den Nazi-Diplomaten Ernst von Weizsäcker, Vater des späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Eine Elite schützte die Andere.
    McCloy wurde danach zum Vorsitzenden der Ford Foundation berufen, dann Chef von Rockefellers Chase Manhattan Bank. Schließlich wechselte er in den Vorstand des Council on Foreign Relations und gründete nebenbei den Lobbyverband Atlantik-Brücke. Deutlich wird bei Betrachtung einer solchen Karriere, wie der ganze internationale diplomatische Apparat auf die Interessen einzelner Bankiers und Milliardäre zugeschnitten ist und dass deren verschiedene politische Institutionen wie gut geschmierte Zahnräder ineinander greifen.
    Das betrifft nicht bloß die USA. In Deutschland arbeitet seit vierzig Jahren die Bertelsmann Stiftung, die zwar keine Kriege plant, mit ihren Millionen aber ebenfalls massiv Politik betreibt.“
    (Paul Schreyer, Die Angst der Eliten – wer fürchtet die Demokratie?, S. 109-110, 113-114)

    „Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht.“
    (Mayer Amschel Rothschild)

  5. Vielleicht veröffentlicht ja Sahra Wagenknecht ihren nächsten Bestseller beim Verlag 8. Mai und die machen dann richtig Kohle. Steigen die Gehälter bei der *jungen welt* dann nicht, wird Frau Bonath – bei gleicher Arbeitsleistung versteht sich – mehr ausgebeutet als vor Erscheinen des Buches; habe ich das jetzt endlich kapiert? 😉

    Der erste Teil der Tagesdosis ist dessen ungeachtet aber natürlich richtig und die Zustände sind skandalös. Leider ist das Kräfteverhältnis derzeit nicht so, daß die Linken viel reißen können, zumal sie sich ja mit anderen Themen beschäftigen.

  6. Liebe Frau Bonath.
    Sie haben des Pudels Kern erkannt,um mit Goethes“Faust“zu sprechen.
    Fragt sich nur wie wir jetzt sauber aus dem Packt mit dem Teufel wieder raus kommen?
    Revolution,Krieg,Saeuchen (grosse Naturkatastrophen),Staatenzusammenbrueche sind keine Optionen mehr !
    (Der Teufel versteht mich schon dialektisch)

    Es wuerde sich die Synthese aus Planwirtschaft und Marktwirtschaft als der globale goldene Mittelweg anbieten.
    Und das mit gemeinuetzigem Vollgeld und direkter Demokratie.
    Wenn Sie so wollen eine alternativlose Ein-Weltordnung mit dem Zentralrad als weise Steuerungsexecutive.
    Das waere doch schon mal was?
    Herzland nach Halford Mackinder verbindet sich grade mit China und Asien.
    Patriotismus ist die Raupenhuelle der Vergangenheit.
    China uebernimmt gerade die technologische Fuehrung zu sensationellen Preisen.
    Die vernuenftige Kooperation weist den Weg aus dem Dilemma der dominanten Konkurrenz.
    Der dialektische Idealismus (wir)soll uns den Weg leuchten und nicht unserer innerer Affe im
    Paradigma der dominanten Konkurrenz und des dialektischen Materialismuses des Ego-ichs.
    Das Dilemma kennen wir schon und studieren es an uns selbst Tag taeglich.
    Der Quantensprung der Menschheit aus dem Packt mit dem Teufel steht kurz bevor.
    Hoffentlich kriegen wir die Kurve sauber.
    Die Welt ist wunderbar aber eben unvollendet.
    https://youtu.be/dlxZmkwu6Wo
    https://youtu.be/JVyAdd3IYfU

    • Das es in der Markwirtschaft keine Planung gibt, ist ein Märchen.
      Welches Unternehmen investiert einfach mal so ein par Millionen in den Blauen Dunst?
      Meist sitzt auch der Staat mit im Boot.
      Risiken werden abgesichert, sonst könnte es sehr schnell den Untergang des Unternehmens bedeuten.

    • Die Art der Planlosigkeit wie ich sie meine laesst sich ganz gut am Beispiel des „Hotelings Gesetz“zeigen.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Hotellings_Gesetz
      Die dominante Konkurrenz im Kapitalismus fuehrt im Kulminationspunkt dazu das Mensch das paradox zertsoert um was er zu kaempfen glaubt .
      Nur die vernuenftige Kooperation kann dieses Dilemma zukunftsweisend ueberbruecken.

      Auch der verschwenderische umgang mit Ressourcen wie bei der „Geplante Obsoleszenz“ ist nicht die Art der Planung
      wie ich sie meine.

      Vernuenftige Planung ziehlt auf langfristige dynamische Balance im Raum-Zeit-Kontinuum der Menschheitsfamilie .

      Wie lange koennen und sollen wir noch mit dem ungebremsten Wachstumszwang des Fiat-Geldsystems des
      Kapitalismuses krebsartig wuchern?

      Cancer was never the answer!Oder grade meint Mephisto!

      Noch Beispiele fuer sinnlose Planung:

      Werbung
      Die Gesamtnachfrage beispielsweise nach Waschmitteln sei stabil. Die einzelne Unternehmung kann aber durch Werbung ihren Marktanteil zu Lasten der Konkurrenz ausdehnen. Machen das aber alle Waschmittelhersteller, dann steigen für alle die Werbeausgaben, ohne dass dadurch der Umsatz der Waschmittelbranche insgesamt steigt, so dass die Gewinne damit sogar fallen.

      Ladenöffnungszeit
      Angenommen, der Gesetzgeber verlängert die erlaubte Ladenöffnungszeit um zwei Stunden. Nutzt nun ein einzelnes Ladengeschäft die neuen Öffnungszeiten aus, muss es zwar mehr Arbeit bezahlen, kann jedoch auch mehr Umsatz und damit mehr Gewinn machen. Nutzen jedoch alle Ladengeschäfte die verlängerten Ladenöffnungszeiten, können die Kunden wieder auf andere Geschäfte (mit ähnlichem Angebot) ausweichen, und der Umsatz, der durch die Kauflust der Kunden möglich ist, verteilt sich wieder auf alle (vergleichbaren) Geschäfte.

      Lohnpolitik
      Für jedes einzelne Land gilt: Durch eine zurückhaltende Lohnpolitik kann ein Staat seine preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Staaten im Vergleich verbessern. Daraus folgt aber eben nicht, dass, wenn alle Staaten gleichzeitig eine zurückhaltende Lohnpolitik betreiben, auch alle ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern (können).

      Leistungsbilanz
      Ein Leistungsbilanzüberschuss geht auf Kosten eines Leistungsbilanzdefizits eines anderen Staates – insofern können nicht alle gleichzeitig ihre Leistungsbilanz verbessern, im Gegenteil – wenn alle gleichzeitig beginnen ihre Importe einzuschränken, sinkt bei allen letztlich der Saldo ihrer jeweiligen Leistungsbilanz.

      Währungsabwertung
      Ein einzelner Staat, der über eine eigene Währung verfügt, kann mittels Währungsabwertung die Preise seiner Exportgüter im Ausland senken. Alle Staaten gemeinsam können dies nicht. Unterbieten sich die Staaten in ihren Abwertungen gegenseitig, resultiert daraus die Gefahr des Währungskriegs mit der Konsequenz einer Abwertungsspirale.

    • Na so einfach ist es nun auch nicht.

      ihr Beispiel: Werbung (um nur eins zu nehmen)
      „Die Gesamtnachfrage beispielsweise nach Waschmitteln sei stabil. Die einzelne Unternehmung kann aber durch Werbung ihren Marktanteil zu Lasten der Konkurrenz ausdehnen. Machen das aber alle Waschmittelhersteller, dann steigen für alle die Werbeausgaben, ohne dass dadurch der Umsatz der Waschmittelbranche insgesamt steigt, so dass die Gewinne damit sogar fallen.“ –> nee bei Werbung steigen erst mal die Preise.

      Die Gesamtnachfrage wird auch durch Erschließung neuer Markte erhöht. (Osteuropa, Asien)
      Da geht es um Schnelligkeit und „Kooperation“ mit Ausländischen Handelsketten.
      Ist das ausgeschöpft, kann man auch Werbung schalten aber auch vermeintlich neue Produkte z.B. Tabs (anderer Namen mit ansprechenderer Verpackung, andere Verpackungsgrößen) auf den „Markt“ werfen.
      Mann kann exklusive Verträge mit Reinigungsunternehmen oder Hotelketten abschließen und hält so die Konkurrenz außen vor. Möglichkeiten gibt es da viele. Natürlich können nicht alle „erfolgreich“ sein.
      Bringt das keine Steigerung, wird man versuchen Mitbewerber zu kaufen oder kaputt zu konkurrieren.
      Die „Großen“ werden Ihre Produktion in Niedriglohnländer oder Regionen auslagern.
      Der Hauptsitz wird dahin verlagert, in ein Land, in dem man weniger Steuern bezahlt.
      So kommt die Konzentration von immer mehr Reichtum in immer weniger Hände.

      Das Werbung zu Preissteigerungen führen sieht man doch im Einzelhandel.
      No-name-Produkte sind billiger!

    • Die Beispiele wie Sie sie nennen, sind nicht falsch.
      Das sind aber Reaktionen auf einen gesättigten Markt.
      Das ist Konkurrenzkampf.
      Ich meinte neue Produkte, die platziert werden sollen. z.B. neue Medikamente, Investitionen in die Infrastruktur u.ä.
      Da wird ganz klar geplant.

  7. Alle, die ihr Vermögen für sich arbeiten lassen, statt selber Hand anzulegen, sollten auch nicht essen dürfen, da hat Müntefering recht. Vor allem die Volksvertreter in den Parlamenten, die sich die Gesetze von den Anwaltskanzleien der Konzerne und Banken schreiben zu lassen, sind überflüssig und sollten nichts zu essen kriegen.
    Andererseits sollten alle, die mitgeholfen haben Arbeitsplätze überflüssig zu machen, durch Digitalisierung und Roboterbau, ein lebenslanges bedingungsloses Grundeinkommen von 1500 Euro erhalten, mit jährlicher Inflationsanpassung, dass die Kaufkraft erhalten bleibt.
    Da Autos keine Autos kaufen (Ford), haben wir auch gar keine Wahl. wenn wir die Weltzerstörung nicht wollen.

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