Tagesdosis 22.5.2019 – Flammende Anklage

Westliche Kulturdenkmäler wie Notre-Dame wurden auf dem Rücken der Armen errichtet.

Von Peter Koenig.

Das Herz Frankreichs brennt. Ein Inferno hat Frankreich erschüttert. Notre-Dame, kulturelles Symbol Frankreichs und UNESCO-Weltkulturerbe, stand in Flammen. Das Feuer hat den hölzernen Dachstuhl und die Turmspitze zerstört. Auf den ersten Blick hat es nur leichte Schäden an der Struktur der Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert und den historischen Schätzen verursacht, da die meisten dieser Kostbarkeiten entweder bereits zuvor für die andauernden Renovierungen oder gerade rechtzeitig von der Feuerwehr beiseite geschafft wurden.

Manche der Schäden an den religiösen Artefakten könnten die enormen Wassermengen angerichtet haben, die 500 Feuerwehrleute zur Eindämmung des Feuers einsetzten. Dessen vollständige Löschung dauerte fast zwölf Stunden. Angesichts der Umstände — ein Dach und eine Turmspitze aus knochentrockenem Holz, größtenteils ohne Brandschutz — gleicht es einem Wunder, dass das 850 Jahre alte gotische Meisterwerk überhaupt gerettet werden konnte.

Während bisher nicht — oder jedenfalls nicht öffentlich — bekannt ist, wie das Feuer entstand, ist klar, dass die Brandschutzmaßnahmen ungenügend waren. Zum einen wurde die Entzündbarkeit von hunderte Jahre altem massivem Eichenholz unterschätzt. Zum anderen war — wie Benjamin Mouton, der Architekt, der die Brandschutzmaßnahmen überwachte, laut New York Times sagte:

„… das System auf der Annahme errichtet, dass, sollte die Kathedrale je Feuer fangen, die jahrhundertealten Eichenbalken im Dachstuhl langsam brennen würden, sodass genug Zeit bliebe, die Flammen zu bekämpfen. (…) Der Feueralarm in Notre-Dame benachrichtigte die Feuerwehrzentrale nicht sofort. Stattdessen musste ein Aufseher der Kathedrale zunächst eine steile Treppe in den Dachstuhl hinaufsteigen — wofür ein ‚fitter‘ Mensch sechs Minuten brauchen würde.“

Daher gab es bereits eine einprogrammierte Verzögerung von etwa 20 Minuten, bis die Feuerwehr mit der Bekämpfung der Flammen beginnen konnte — eine entscheidende Zeitspanne zu Beginn eines Brandes.

Dies ist ein bedeutsames Detail, angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich die Flammen im hölzernen Dachstuhl und in der Turmspitze ausbreiteten. Einige Islamfeinde sprechen schon von einem Terrorangriff auf ein christliches Gotteshaus in der Woche vor Ostern, der Auferstehung Christi, dem wichtigsten christlichen Feiertag.

Spenden statt Steuern

Der in sozialer Hinsicht verstörendste Aspekt ist die Geschwindigkeit, mit der französische Milliardäre — später gesellten sich auch internationale Oligarchen hinzu — erklärten, sie würden steuerlich absetzbare — Spenden bereitstellen, um die Kathedrale zu reparieren. Innerhalb weniger Tage sicherten die reichsten der reichen französischen Milliardäre mehr als eine Milliarde Euro an Spenden zu. Erste Schätzungen der Schadenssumme beliefen sich auf 500 bis 700 Millionen Euro. Sobald die Zusicherungen gemacht waren, sprach niemand mehr über Kostenschätzungen. Es wird interessant sein zu sehen, wer das überschüssige Geld bekommt. Vielleicht die armen Franzosen, die mit nur 500 Euro im Monat überleben müssen? Die auf der Straße hausen oder in Zeltstädten am Rande von Paris, und deren Kinder abends hungrig zu Bett gehen — wenn sie überhaupt ein Bett haben? Ich glaube allerdings nicht, dass die Milliardäre beabsichtigten, die ‚Überschüsse‘ an die Armen weiterzugeben.

Macron erschien mit glänzenden Augen im Fernsehen für ihn die Gelegenheit, um von seinen erbitterten Gegnern, den Gelbwesten, abzulenken — und er versprach: „Wir werden dieses Denkmal noch schöner als zuvor wiederaufbauen.“

Er rief zu einer internationalen Ausschreibung auf, um sicher zu stellen, dass die besten Architekten an der Rekonstruktion dieser weltbekannten Ikone der Baukunst zu arbeiten.

Macron vertagte sogar die „endlosen“ Gespräche über Reformmaßnahmen, die er nach dreimonatiger „Debatte“ plante, um die wöchentlichen Gelbwesten-Proteste zu beenden. Doch er verkündete keine Reformen. Und selbst wenn er enorme Zugeständnisse gemacht hätte, würde das die Proteste nicht beenden — es sei denn, er träte zurück. Dies ist das Maß an Vertrauen, das ihm bleibt. Die Proteste sind heftiger denn je, denn die Menschen müssen mit ansehen, dass die Reichen problemlos hunderte Millionen spenden — gleichsam in einem Wettbewerb nach dem Motto unternehmerischer Propaganda: „Ich steche dich aus“ —, während sie nur geringee oder gar keine Steuern zahlen.

Würden sie angemessene Steuern zahlen, so argumentieren die Gelbwesten zu Recht, dann wären keine Spenden nötig. Der Fonds für die Restaurierung von Kulturgüternhätte dann ausreichend Geld, und außerdem gäbe es keine Rechtfertigung die Steuern für Geringverdiener zu erhöhen. Doch genau das ist es, was Macron weiterhin tut, er besteuert die Armen bis zum Ruin. Am Samstag, dem 20. April, einen Tag vor Ostern, protestierten 28.000 Gelbwesten in Paris gegen die Oligarchen, die großzügig und aus egozentrischen, selbstdarstellerischen Motiven spenden, doch sich weigern, ihre Steuern so zu zahlen, dass alle Franzosen und Französinnen ein anständiges Leben führen können.

Die Gelbwesten zogen an den geschwärzten Ruinen von Notre-Dame vorbei, um dem Kulturdenkmal ihre Ehre zu erweisen und so zu zeigen, dass ihre Proteste sich nicht gegen den Wiederaufbau der Kirche richteten, sondern vielmehr dagegen, dass das straffreie Umschichten von immer mehr Vermögen aus den unteren Schichten der Gesellschaft zu den Milliardären einen Punkt erreicht hat, an dem es nicht länger hinnehmbar ist.

Es ist ein Skandal, und die Gelbwesten werden ihren Ruf nach Gerechtigkeit nicht eher beenden, als Macron zurücktritt und eine direkte Demokratie errichtet wird. Dafür kämpfen sie — und das bereits seit genau sechs Monaten. Sie sind entschlossen, nicht aufzugeben, egal, auf welche Weise Notre-Dame wieder aufgebaut werden wird.

Mit Diebesgut erbaut

Das Ganze hat einen noch schändlicheren Aspekt — der sich auch auf andere Bauwerke bezieht: Hunderte von Jahren, in denen Frankreich seine afrikanischen Kolonien ausgebeutet hat, in denen es versklavt, missbraucht, verwüstet, getötet und afrikanische Ressourcen geplündert hat, haben es ihm und vielen anderen europäischen Staaten erlaubt, unglaubliche Mengen an Raubgut anzuhäufen — Vermögen, mit dem diese Länder die Denkmäler, Schlösser und Kirchen gebaut haben, mit denen sie nun prahlen und mit dessen Hilfe sie ihre damaligen Imperien und ihre heutigen Reiche aufrechterhalten haben.

Diebstahl und Plünderungen bilden die Basis der reichen Kultur und der berühmten Heiligtümer, die die wagemutigen und weisen Europäer erdacht und erbaut haben.

Notre-Dame — ein Haus Jesu — ist eines der Bauwerke, die heute möglicherweise nicht existierten, hätte Frankreich nicht über die illegal gewonnenen Ressourcen aus Kriegen und der Plünderung des afrikanischen Kontinents verfügt — ein Erbe, das seine Fortsetzung im heutigen französische Neokolonialismus findet: Die „ehemaligen“ französischen Kolonien in West- und Zentralafrika stehen unter der Kontrolle der Banque de France. Dies ist ein weiterer beschämender und bis heute währender Vorgang, über den niemand zu sprechen wagt — was es Frankreich erlaubt, arme afrikanische Staaten unermesslicher Milliarden zu berauben und so sicherzustellen, dass deren Entwicklung gebremst wird. Solange in diesen Staaten Marionetten-Diktatoren an der Macht gehalten werden, wird dies kein Ende haben.

Heute ist es die NATO — mit ihren unvermittelten Kriegen und Amokläufen —, die den Kolonialismus am Leben hält, für den Ressourcenfluss vom Süden in den Norden sorgt, und damit den Süden verarmen lässt, ihn spaltet, indem sie Chaos verursacht, um sich selbst bessere Kontrolle zu verschaffen — und insbesondere um den Diebstahl fortzuführen, der die Eliten bereichert.

Mögen Notre-Dame — das Haus Gottes — und ihr Wiederaufbau uns daran erinnern, dass Frankreichs Oligarchen noch immer von dem entsetzlichen und illegalen Ablass wirtschaftlicher Ressourcen aus Afrika und dem Nahen Osten profitieren — und daran, dass solche Ungerechtigkeit aufhören muss.

+++

(https://www.amazon.com/Implosion-Economic-Environmental-Destruction-Corporate/dp/059545349X) sowie Ko-Autor von The World Order and Revolution! — Essays from the Resistance

(https://www.amazon.com/World-Order-Revolution-Essays-Resistance/dp/6027005874). Außerdem ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Centre for Research on Globalization

(https://www.globalresearch.ca/).Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Notre-Dame — Glory or Shame?“

(https://www.globalresearch.ca/notre-dame-glory-shame/5675423). Er wurde von Melina Cenicero aus dem ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam (https://www.rubikon.news/kontakt) übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratsteam (https://www.rubikon.news/kontakt) lektoriert.

+++

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

+++

Dieser Beitrag erschien am 21.05.2019 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

+++

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

Alle weiteren Beiträge aus der Rubrik „Tagesdosis“ findest Du auf unserer Homepage: hier und auf unserer KenFM App.

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

+++

Jetzt kannst Du uns auch mit Bitcoins unterstützen.

BitCoin Adresse: 18FpEnH1Dh83GXXGpRNqSoW5TL1z1PZgZK

23 Kommentare zu: “Tagesdosis 22.5.2019 – Flammende Anklage

  1. Hallo liebe Redaktion,

    Notre-Dame wurde 1345 fertiggestellt. Die französische Kolonialismus begann erst danach. Trotzdem wird es in dieser Tagesdosis so hingestellt, dass die Erbauung von Notre-Dame eben mit dem französischen Kolonialismus zusammenhängen würde(siehe erster Satz nach Unterüberschrift „Mit Diebesgut erbaut“) . Das stimmt einfach nicht und lässt sich eben sehr leicht nachprüfen.
    Ich weiß, dass ich nicht der Erste bin der versucht das richtigzustellen. Hier gibt es schon ein Kommentar darüber und auf youtube auch mehrere.
    Trotzdem wollte ich mich hier melden und die Redaktion bzw Peter Koenig bitten, das zu korrigieren oder zumindest Stellung dazu zu nehmen. Ken Jebsen hat seine Abonnenten im neuen MMM ausdrücklich aufgefordert, neue Abonnenten anzuwerben. KenFM ist mit Abstand, zusammen mit den nachdenkseiten, mein Lieblings-Alternativmedium. Habe alle „KenFM im Gespräch“ angehört, teilweise mehrfach. Manche fand ich Extraklasse, manche weniger packend aber trotzdem nicht schlecht. Daher bin ich auch sehr dankbar für die guten Interviews und natürlich auch die ganzen tollen Bücher der Autoren.
    Ist doch klar, dass jedem mal ein Fehler passiert oder man sich irrt. Aber ich gehe davon aus, dass Herr Koenig oder zumindest jemand von der Redaktion inzwischen einen „unserer“ Kommentare gelesen hat. 2 der 4 ersten Kommentare auf yt handeln davon. Warum gibt es keine Korrektur oder zumindest eine kleine Stellungnahme? Bleiben Sie, Herr Koenig, der Meinung, dass Notre-Dame zu den Bauwerken gehört, die mit Diebesgut aus afrikanischen Kolonien errichtet wurden? Oder wollen Sie sich ein Fehler nicht eingestehen und schweigen lieber darüber?
    Man könnte sicher ganze Bibliotheken mit dem Unrecht und Leid füllen, dass durch die Kolonialisierung verursacht wurde. Aber gerade deswegen finde ich es haarsträubend wenn dann solche Zusammehänge konstruiert werden, die nicht einmal oberflächlich recherchiert wurden.
    Für mich eine große Enttäuschung und ehrlich gesagt würde mich sowas auch davon abhalten KenFM meinen Freunden oder meiner Familie weiter zu empfehlen.

    • Reine Ideologie ohne konkretes Wissen.
      Das böse dunkle Mittelalter. Huhuhuhu.

      Es liest sich wie ein Erguss eines Kreuzworträtselwissens aus einer linker Parteizeitung.

  2. Ich schätze Peter Koenig sehr.
    Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich Ihm eine Frage stellen ,die mich schon lange umtreibt , und auf die ich bisher nirgends eine Antwort gefunden habe.
    Da ich weiß, dass Peter Koenig Ökonom ist, würde er sicher eine Antwort wissen!

    Was ich mich frage ist, ob in das Bruttosozialprodukt eines Staates alle Waren und Produkte eingerechnet werden, die in einem Jahr produziert wurden,-auch jene Produkte, die nicht verkauft wurden und nur Stapelware darstellen ?

    Wir wissen ja ,dass die Schädigung des Planeten beim BIP keine Rolle spielt-würde die Naturverschmutzung mit eingerechnet, hätten alle Länder des Westens ein negatives BIP!?

    Aber mir geht es hier ,wie gesagt, um die nicht verkauften Produkte !?

  3. Hier mal ein GROSSES DANKESCHÖN an Peter Köning in der Hoffnung Sie anzusprechen.
    Seit Jahren schon verfolge ich Ihre gelungenen Artikel auf Globalresearch.ca und thesaker.is und Glueckwunsch zu der Zivilcourage.

    Ein Mensch mit dem ich gerne mal einen Tag verbringen würde, als Maus im Ärmel.

    Weiter so!

  4. …alles richtig, alles gut- bis auf die verbandelung des Baus von N.D. und den kolonialistischen Sauereien… da könnten wir uns eher über die „bösen“ Templer (die in einer für damalige Zeit beispiellosen Aktion-CIA und andere hätten das nicht hingekriegt- innerhalb einiger Tage dingfest gemacht und getötigt wurden),die das geld gaben, unterhalten… das war im 13.JHD…..noch kein Amerika oder andere Kolonialmöglichkeiten.

  5. Abschaffung der Elitedemokratie, 97 % Kapitalsteuer bei Vermögen über 10 Millionen und Kriege verbieten, das macht bis auf die 1% alle Menschen glücklich! Damit lässt sich vieles restaurieren inklusive Harz4.

    • Eigentlich ist alles im Überfluss auf unserem Planeten vorhanden.
      Was nicht vorhanden ist, fertigen Menschen an.

      In den Märkten stapeln sich die Waren, die produzierten Autos stehen zu Tausenden fertig zum Abholen auf riesen Plätzen der Autoindustrie,-alle Waren die der Mensch benötigt sind vorhanden-sie stapeln sich wie gesagt, geradezu.
      Wenn sie alle sind,werden neue produziert ,-aber heute stapeln sie sich eher,weil es da ein Problem gibt.Das Problem ist der Mangel an Papierscheinen.
      Alles ist vorhanden,und doch kann ein Teil der Bevölkerung nicht dahin kommen, die Früchte der Arbeit der Menschen selbst zu nutzen-weil das Geld das verhindert,denn sie haben trotz Arbeit zu wenig davon.

      Die Menschheit wird seit Ewigkeiten im künstlichen Mangel gehalten,-durch das Geld. Etwas absurderes kann man sich nicht denken.

      Das Geld ist das Instrument zur Versklavung.

    • Moin, Redmer,
      „Das Geld ist das Instrument zur Versklavung.“
      Falsch, Der Nichtbesitz von Produktionmitteln ist das Instrument zur Versklavung! Dadurch schaffen sich die Besitzer der Produktionsmittel den Vorteil, dass sie uns (die Nichtbesitzenden) fuer sich schuften lassen, und zwar, so lange, wie wir benötigen, um unsere Arbeitskraft wieder zu reproduzieren, das sind z.Z. ca. 2 bis 3 Std am Tag. Den Rest arbeiten wir fuer den Unternehmer (Besitzer der Produktionsmittel).
      Das Geld ist im Wesentlichen ein Tauschhilfsmittel (natuerlich auch Spekulationselement) und birgt nicht die Eigenschaft in sich Menschen zu versklaven. Was man allerdings sehr wohl erkennen kann ist, dass die Unternehmen aus Konkurrrenzgruenden, und weil das so prima klappt mit dem Neoliberalismus, die Löhne permanent nach unten „korrigiert“. Der Staat macht seit Schröders Agenda 2010 kräftig mit, so dass wir eine ständig zunehmende Verarmung feststellen. Das geht sogar soweit, dass Menschen in einem Vollzeitjob aus ihrer Wohnung vertrieben werden, weil der Lohn fuer die Miete nicht mehr reicht.

      mfG

    • Moin Hog 🙂

      Da ist es wieder. Das Grundproblem zwischen Links und Spirit. Sei nicht so hart bitte (Falsch, basta!). Woher kommt wohl der Begriff „Geld verdirbt den Charakter“? Denn das tut es wirklich. Schlimmer noch; mMn schränkt es massiv das Bewusstsein ein – bewirkt also das Gegenteil von Erleuchtung. Cäsaren-Wahn ist real.

      Es ist das Geld und die Einstellung unserer Gesellschaft, das die Arbeiter versklavt. Niemand steht mit der Waffe hinter denen und zwingt sie zum Schuften. Aber die ihnen tief indoktrinierte Gier nach dem neuesten Wasauchimmer, die Überzeugung Arbeit würde adeln, oder die Einbildung, man müsste „etwas darstellen“ verhindert, dass sie sich befreien können. Wir bräuchten also dringend, die mit Geld nicht zu erreichende, Erleuchtung. 🙂

    • Moin, Kristana, ja, vielleicht hast Du recht mit dem Einwand, doch finde ich hat keiner einen Vorteil, wenn man diplomatisch versucht, seinen Standpunkt zu verklickern, ich habe es eigentlich gerne direkt. Aber ich will mich bemuehen …
      Um das Thema etwas zu vertiefen, stelle ich mir vor, was mit mir geschähe, wenn ich nicht arbeiten wuerde, besser gesagt gearbeitet hätte, ich bin schliesslich Rentner. Wovon hätte ich mir meine Nahrungsmittel kaufen sollen, wovon meine Miete bezahlen sollen? Ich denke es leuchtet ein, dass wir erpresst werden uns zu verdingen um uns am Leben zu erhalten.
      Du weisst sicherlich, dass ich mit Kategorien wie *Spirit* und *Erleuchtung* wenig anfangen kann (ich hatte mich deshalb auch aus der Debatte um Madonna herausgehalten) ?
      Worin ich Dir recht gebe, ist, dass ich ebenfalls denke, dass gewisse Errungenschaften der Technik nicht unbedingt lebensnotwendig sind, und so lange nicht jeder sich eine Ferrari o.ä. leisten kann, halte ich solch ein Auto eher fuer eine Penisverlängerung, als eine Notwendigkeit.
      Und natuerlich hast Du recht, wenn Du kritisierst, dass die Herrschenden uns ueber Radio, Glotze, Werbung o.ä. versuchen zu erzählen, dass man diese Statussymbole unbedingt erwerben muss! Aber das wissen wir doch spätestens seit Satisfaction von den Stones?

      mfG

    • Hey Hog 🙂
      direkt ist ja auch gut. Nur einfach „falsch!“ zu sagen, fand ich so mhhhmmm… radikal! 😉 Du weißt was ich meine.

      Du wirst lachen. Diese Fragen zu dem „wovon soll ich essen und wohnen“ machen viel weniger Probleme, wenn man (ich kanns leider nicht eleganter ausdrücken, deshalb sorry, etwas platt) Gottvertrauen hat. Hört sich komisch an, ist aber so.
      Jetzt geh ich mal leicht oftopic, obwohl man nen Bogen zu Notre Dame schlagen könnte. 😉

      Ich hab richtig harte Zeiten hinter mir. Finanziell, emotional und moralisch. Es ist für dich jetzt sicher wie bei den Herren Grimm, aber ich kann dir versichern, dass ich wirklich Wunder erlebt habe. Gebete werden erhört. Auch in finanzieller Hinsicht. Ich musste nie hungern und nie frieren. Irgendwo kam immer im entscheidenden Moment Hilfe her. Sogar der Arzt, der mir das System vom Leib hält, ist eine Gebetserhörung.

      Und da ich nicht die einzige bin, die solche Dinge erlebt hat, gehe ich naturgemäß davon aus, dass das sone Art kosmisches Gesetz ist. Mal ganz davon abgesehen, dass Jesus dieses Urvertrauen lehrt – es lebt sich so unfassbar viel entspannter. 😉

    • Moin, Kristana, Du hättest recht, wenn es bei dem Wort *falsch* geblieben wäre, ich hatte aber dazu noch ein paar argumentative Ergänzungen gegeben. Aber, egal, es kann sicher als Ueberheblichkeit ausgelegt werden, und das möchte ich schon vermeiden!
      Deine Schicksalsschläge, bzw. das Entrinnen aus diesen, wird sicherlich die Bindung zu dem, was Du Gott/Schöpfer nennst verfestigt haben. Das ist sicherlich keine Erörterung wert, weil es nur Dich persönlich angeht. Was ich etwas anders beurteile, ist die Frage, ob andere Menschen gleiche Erfahrungen haben. Wenn ich an all die Menschen denke, die zur Tafel gehen, die Pfandflaschen sammeln, oder gar unter Bruecken oder auf Parkbänken schlafen, dann frage ich mich, ob diese Menschen nur zu wenig *Gottvertrauen* haben? Vielleicht ist es etwas abwegig, aber haben die Reichen den besseren Draht zu ihrem Schöpfer?
      Was die*Lehre* von Jesus angeht, so habe ich da eine ganz andere Sicht als die paulinsche Interpretation, die sich schlichtweg durchgesetzt hat. Nur selbst diese Interpretation lässt Jesus auch zweifeln, was z. B. in dem Gleichnis vom Fuchs und dem Fuchsbau und eben dem Menschensohn gut beleuchtet wird.

      mfG

    • Hog

      Haben die Reichen einen besseren Draht zum Schöpfer?
      Gegenfrage
      Kannst du beiden Herren dienen? Gott und dem Mammon? 😉

      Es scheint vielleicht bei oberflächlichem Hinsehen so, als hätten die Reichen diesen Draht. Aber aus Erfahrung kann ich dir sagen, sie sind zu unglücklich. Wären sie ins Gottes Nähe, bräuchten sie den Reichtum nicht mehr als Ersatz für Liebe.
      Und es gibt noch ein Indiz. Die Armen sind großzügiger. Sie geben das bessere Trinkgeld und spenden, in Relation zum Einkommen, auch mehr, als die Reichen. Was ist wohl mehr in Gottes Sinn? 😉

      „haben die an den Tafeln und unter den Brücken nur nicht genug Gottvertrauen?“
      Diese Frage von dir ist berechtigt . Die hab ich mir schon so oft gestellt!!! Darauf hab ich keine Antwort. Leider kenne ich außer mir selbst niemanden, der so weit „unten“ ist. Sonst könnte ich mal jemanden fragen.

      Aber ich hab mal im Zug 3 Landstreicher kennen gelernt. Und einer von ihnen hatte den Christenfisch am Hut. Hab mich total lang und witzig mit denen unterhalten. Sie waren nicht unglücklich oder verbittert. Im Gegenteil. Sie hatten diesen freien Lebensstil schätzen gelernt und wollten gar nicht zurück ins bürgerliche Leben.

      Soll heißen, nur weil du an den Tafeln stehst oder kein Zuhause hast, heißt das nicht, dass du unglücklich sein musst. Ist eine Frage der inneren Einstellung. Heute weiß ich, wie Schopenhauer das gemeint hat.

    • Ja, Kristana, da geht’s ins Philosophische, und auf die meisten Fragen gibt es fuer mich keine Antworten, weil ich völlig anders gestrickt bin, ich glaube z.B. nicht an ein höheres Wesen, dass ich dann auch um etwas bitten könnte.
      Das mit dem grosszuegigen Trinkgld kann ich nachvollziehen, es ist ja so, dass man sagt von nichts kommt nichts und meint, dass der Geiz die Quell allen Reichtums ist. Naja.
      Die Mitreisenden, die Du trafst im Zug, und die trotz Armut *gut drauf* waren, haben u.U. ihre Situation gut geheissen, um noch ein wenig Legitimation in ihr Leben zu bekommen. Die Psychologie nennt sowas KDR (kognitive Dissonanz Reduktion).

      mfG

  6. Die kapitalistische Produktionsweise trägt die Verantwortung für unzählige Verbrechen, für das tägliche Massaker an Zehntausenden von Kindern durch Unterernährung, Hunger und Hungerkrankheiten, für Epidemien, die schon lange von der Medizin besiegt wurden, für die Zerstörung unserer natürlichen Umwelt, die Vergiftung der Böden, des Grundwassers und der Meere, die Vernichtung der Wälder …

    Gegenwärtig sind wir 7,3 Milliarden Menschen auf unserem schutzlosen Planeten. 4,8 Milliarden, das heißt mehr als zwei Drittel, leben in einem Land der südlichen Hemisphäre, davon Hunderte Millionen unter unwürdigen Bedingungen. Die Mütter haben panische Angst vor dem Morgen, weil sie nicht wissen, weil sie nicht wissen wie sie ihre Kinder einen weiteren Tag ernähren sollen. Die Väter werden erniedrigt, verachtet bis in ihre Familie hinein, weil es ihnen nicht gelingt, Arbeit zu finden – sie sind Opfer der sogenannten Dauerarbeitslosigkeit. Die Kinder wachsen in Elend und Angst auf, häufig sind sie Opfer häuslicher Gewalt, ihre Kindheit liegt in Trümmern. Für zwei Milliarden Menschen – die gemäß Weltbank in ‚extremer Armut‘ leben – gibt es keine Freiheit. Ihre einzige Sorge ist ihr Überleben.
    Die verheerenden Auswirkungen der Unterentwicklung sind Hunger, Durst, Epidemien und Krieg. Sie vernichten jedes Jahr mehr Männer, Frauen und Kinder als die fürchterliche Schlächterei des Zweiten Weltkriegs in sechs Jahren. Was viele von uns zu der Auffassung bringt, dass für die Völker der Dritten Welt der ‚Dritte Weltkrieg‘ längst begonnen hat.
    (…)
    Zu Beginn unseres Jahrhunderts kommt die Menschheit zum ersten Mal in den Genuss eines Güterüberflusses. Der Planet ächzt unter seinen Reichtümern. Die verfügbaren Güter übersteigen die Grundbedürfnisse der Menschen um ein Vielfaches.

    Also hat der Kapitalismus auch seine guten Seiten?

    Die kannibalische Weltordnung, die er geschaffen hat, muss radikal zerstört werden, aber die wunderbaren Errungenschaften der Wissenschaft und Technik wollen wir nicht nur erhalten, sondern noch potenzieren. Die Arbeit, die Begabungen, der Erfindungsgeist des Menschen sollen dem Gemeinwohl – also allen Menschen – dienen und nicht nur der Bequemlichkeit, dem Luxus, der Macht einer Minderheit. Ich werde dir später erklären, unter welchen Bedingungen sich die neue Welt, von der die Männer und Frauen träumen, verwirklichen lässt. Im Augenblick lass mich dir erzählen, woher der Kapitalismus kommt.
    (Jean Ziegler, Was ist so schlimm am Kapitalismus – Antworten auf die Fragen meiner Enkelin, S. 10/11 u. 13/14)

    Ergänzend möchte ich noch anfügen; ich finde nicht ,daß man unter den Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise so wahnsinnig innovativ sein kann. Innovation im Kapitalismus ist eine Behauptung die niemals den Beweis antreten muß.
    Im Gegenteil empfinde ich diese Produktionsweise als Hemmnis in vielerlei Hinsicht. Auch schon unter den von Herrn Ziegler erwähnten Aspekten. „Ohne Moos nix los.“
    Deutlicher wird’s wenn man das Patentrecht und Monopole hinzunimmt. Was die eigene – Profit gleich Machtpostion – untergräbt, wird unterdrückt.

  7. Wieso erinnert mich das Ganze irgendwie an den Reichstagsbrand, nur ohne den entsprechend präsentieren Täter?
    Gibt es eigentlich schon was genaueres zur Brandursache? Ich hab einen Feuerwehrmann gefragt, wie so abgelagertes Kernholz in „Gange“ gebracht wird. Er meinte, bei genügend Energiezufuhr kriegt man das hin und wenn es erstmal richtig brennt, dann geht es richtig ab. Ist nur die Frage: technischer Defekt durch entsprechende Starkstromleitung, begünstigt von unsachgemäßer Lagerung einer entsprechenden Menge schnell entzündlichen Materials? Das schlimme daran ist, daß man sich auch andere Szenarien vorstellen kann.

    • @ Huhu!
      Es könnte auch Brandstiftung gewesen sein, aber wozu?
      Sooo viel war da jetzt politisch oder finanziell nicht rauszuholen, sprich mir fehlt da ein ausreichendes Motiv für eine kriminelle Tat.
      Nur weil es vieles gibt, wo die offizielle Darstellung der Ereignisse falsch ist, muss nicht bei allem die offizielle Darstellung falsch sein, in alle Richtungen denken bedeutet auch, dass eine offizielle Darstellung auch richtig sein könnte (jedenfalls hauptsächlich^^).

      Wer jemals auf einer Baustelle gearbeitet hat, der weiß, was da teilweise für Idioten rumrennen; die kriegen Sachen hin, so blöd kann man gar nicht denken.
      Was man sich denken kann, das ist ein für Feuer optimaler Luftzug durch einen Dachstuhl während Bauarbeiten. Also ja, solche Balken muss man erstmal zum Brennen kriegen, aber wenn einer brennt und die Bedingungen sind für Feuer optimal, dann geht es sehr schnell.

    • p.s.: Eine Starkstromleitung wäre nicht zu unterschätzen, da bräuchte es u.U. nichtmal zusätzlich leicht entzündliches Material, es käme nur auf die Umstände an, es müsste sich ein Stromkreis schließen und ein Teil eines Balkens müsste „günstig“ drin sein (Metallschellen o.ä. wegen der Bauarbeiten?), alles in allem unwahrscheinlich aber nicht unmöglich.
      Mit der Menge der Energiezufuhr hätte eine Starkstromleitung jedenfalls keine Probleme, Starkstromleitungen sind dafür gemacht viel Energie zu transportieren, deswegen sollte damit auch äußerst achtsam umgegangen werden.^^

    • Andreas, -nach einer Stunde brannte der Dachstuhl lichterloh-bei dem riesen Gebäude. Das müsste man erstmal bei einem Einfamilienhaus hinkriegen…

      Viele Feuerwehrleute sagten, dass hätten sie so noch nie erlebt. Ohne Brandbeschleuniger unmöglich
      Ein geschwächter Präsident durch die Proteste der Gelbwesten seit Wochen-hinterher stellt sich dieser Präsident als der Retter des Wahrzeichens dahin und verspricht seinen Aufbau innerhalb kürzester Zeit.

      Erinnert ich an Bush, wie er sich nach dem Einsturz des WTC als Retter der Nation präsentiert, indem er sein Land in den Irak- Krieg führt als „Wiedergutmachung“

  8. Peter König-schön etwas von Ihnen zu lesen.

    Aber zu den jahrhundertealten Eichenbalken wäre noch zu sagen, dass diese nach so langer Zeit eine bestimmte Eigenschaft entwickeln,-sie versteinern geradezu.
    Viele Experten sind sich einig, dass es viel Aufwand benötigen würde,um einen solchen Dachstuhl in solch kurzer Zeit in ein loderndes Inferno zu verwandeln. Um solch altes Eichenholz in Brand zu setzen ist mehr nötig als ein Feuerzeug oder Lötlampe.

    • Dem stimme ich zu.

      Dazu ist das folgende Video interessant, in dem ein Holzhandwerker einen ähnlich alten Holzbalken auch mit „schweren Geschützen“ zu Leibe rückt, ohne dass es ihm gelingen will, diesen auch nur im Ansatz in Brand zu setzen.

      Eine vergessene Zigarette oder die Flamme eines Schweißgerätes kommen da dann eher auch nicht als Ursache in Frage …

      https://www.youtube.com/watch?v=fL4b8Zetkmo

  9. Macron vertagte sogar die „endlosen“ Gespräche über Reformmaßnahmen…

    Ja der menschenfreundliche Macron, wie er sich geopfert hat an diesem Abend. So hingebungsvoll und aufopferungsbereit für sein Volk. Wie gern hätte er selbst die Uniform der Feuerwehr getragen und unter Einsatz seines Lebens dieses Kleinod gerettet.

    Sogar? OMG…

Hinterlasse eine Antwort