Tagesdosis 22.7.2017 – Wahlkampf 2017: Scheingefechte statt Informationen (Podcast)

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

Am Sonntag trennen uns noch zwei Monate von der nächsten Bundestagswahl. Zwei Monate, in denen Politiker sich Auseinandersetzungen liefern werden, die sich vor allem durch eines auszeichnen: Sie werden die brennenden Probleme unserer Zeit sorgfältig ignorieren.

In endlosen Talkshow-Runden werden die Kontrahenten in den Mainstream-Medien aufeinander losgehen, sich in Szene setzen und dabei peinlich genau darauf achten, die drei größten Gefahren von heute nicht anzusprechen:

  • die Explosion der sozialen Ungleichheit,
  • die Gefahr eines Crashs
  • die Bedrohung der Welt durch einen Krieg.

Wir werden nicht hören, dass das Gefälle zwischen Arm und Reich noch nie so stark zugenommen hat wie seit der letzten Wahl. Dass das gegenwärtige globale Finanzsystem nur noch künstlich am Leben erhalten wird und dass die Finanzspekulation, die zur Krise von 2007/2008 geführt hat, inzwischen ein weitaus größeres und gefährlicheres Ausmaß angenommen hat als vor zehn Jahren.

Kein Wort wird darüber fallen, dass die Bargeldabschaffung rasant voranschreitet, dass die Niedrig- und Nullzinspolitik eine unaufhaltsame Lawine der Altersarmut in Gang gesetzt hat und dass derzeit ein internationaler Rüstungswettlauf stattfindet, zu dem Deutschland 2016 als drittgrößter Waffenexporteur der Welt erheblich beigetragen hat.

Nichts von alledem werden die Wahlkämpfer in den kommenden zwei Monaten ansprechen. Stattdessen werden sie sich in Nebensächlichkeiten ergehen und einander medienwirksam inszenierte Scheingefechte liefern.

Warum?

Weil es eine stillschweigende Rollenverteilung zwischen ihnen und der Finanzelite gibt: Die Rolle der Politik besteht darin, der Finanzelite den Rücken freizuhalten, indem sie dem Volk deren Interessen als die eigenen verkauft und die öffentliche Aufmerksamkeit, wenn nötig, auf Nebenschauplätze lenkt. Zum Lohn dafür erhalten Politiker Vergünstigungen und Privilegien, die von hohen Diäten über großzügige Altersversorgungen bis hin zu lukrativen Jobs in den Führungsetagen von Großkonzernen reichen.

Damit diese Arbeitsteilung auch in Zukunft gut funktioniert, müssen sich die Politiker allerdings auch diesmal wieder hart ins Zeug legen. Schließlich gilt es, um jeden Preis zu verhindern, dass wir sie und das sie begünstigende System in Frage stellen und möglicherweise erkennen,

  • dass die wirklichen Entscheidungen über unsere Zukunft gar nicht von ihnen, sondern in den Vorstandsetagen von Hedgefonds, Großbanken und globalen Konzernen getroffen werden
  • und dass sie als Politiker kein Teil der Lösung, sondern Teil des Systems und deshalb ein ganz entscheidender Teil des Problems sind.


Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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11 Kommentare zu: “Tagesdosis 22.7.2017 – Wahlkampf 2017: Scheingefechte statt Informationen (Podcast)

  1. Und wir werden im Wahlkampf nichts darüber hören, daß derzeit der größte Massenmord an Tieren stattfindet, mit 620 Millionen Toten täglich. Außerdem werden wir nichts über die Zerstörung der Natur hören, also der Vernichtung unserer Lebensgrundlagen.
    Die deutsche Politik wäre eine Lachnummer, wenn sie nicht so schreckliche Konsequenzen hätte.

    • Ja, Torsten. Diesen letzten Satz von Dir muss auch ich immer wieder denken. Wie kann es sein, dass solche Vollidioten am Ende unser ganzes Leben – den ganzen Planeten ruinieren!? Kann das wirklich sein?
      Ich war mir nicht sicher, ob ich diesmal überhaupt wähle. Aber jetzt, wo Hamburg so fies und betrügerisch dafür benutzt wurde, der Linkspartei zu schaden, werde ich wohl die wählen.

  2. „Die Rolle der Politik besteht darin, der Finanzelite den Rücken freizuhalten, indem sie dem Volk deren Interessen als die eigenen verkauft und die öffentliche Aufmerksamkeit, wenn nötig, auf Nebenschauplätze lenkt.“

    Naja, die wären schön blöd, wenn sie das nicht machen, wo man es doch problemlos machen kann…

    Auch bei der jetzt kommenden Bundestagswahl, werden wie immer zwei Drittel der Deutschen ihre Stimme abgeben. Über 90% von diesen wird sein Kreuzchen bei einer der 5 Einheitsparteien machen und damit, schon jetzt ganz klar vorhersagbar, für das weiterlaufen des Status Quo sorgen.

    Und was erscheint auf kenfm? Das übliche Gut-Menschen Gedöns! „Diese böse Finanzelite und die korrupten Politiker…..“

    Und wie IMMER nicht ein Wort über den ganz banalen Grund eines Problems…

    Und was man auch hier schreibt… Antworten von euch Autoren?????
    Fehlanzeige, welch eine Horde feiger Grossmäuler… Gut-Menschen halt.

    • Michel, ich kann Ihren Kommentaren immer zu 95 % zustimmen. Aber Ihrer negativen Bedeutung des Wortes „Gutmenschen“ kann ich nicht folgen. Für mich hat das Wort eine positive Bedeutung, genauso wie „Verschwörungstheoretiker“. Ich finde Gutmenschen eindeutig besser als Schlechtmenschen.

    • @Michel Eyquem

      Es hat niemand etwas versprochen, gehofft,schon gar nicht eine Verhaltensänderung von Bürgern, denn wer die will der kommt nicht hier her, und wer kein Interesse hat, der auch nicht!
      Aber beschäftigt werden wir schon, zugegebenermaßen wenigstens mit Niveau!

    • Annette: Das stimmt nicht, denn erst kommt die Erweiterung des Bewusstseins und dann die richtige Handlung dazu. Wer hier liest und schreibt, kann immer etwas dazulernen – mindestens über sich selbst. Und das ist ja sogar das Wichtigste.

    • @Specht,
      erst kommt die Erweiterung des Bewusstseins und dann die richtige Handlung dazu. …

      Das habe ich nicht in Abrede gestellt!!!
      Doch dachte ich anfangs, es ging darum mehr Menschen mit Informationen erreichen zu wollen…selbstverständlich gelingt das auch, aber immer wieder zu dem Typus, der sowieso mehr wissen will, sich Klarheiten schaffen möchte.Und das gegenüber der Bevölkerung gesehen, eine große Minderheit ,die in 2 Monaten zur Wahlurne gehen!
      Was wird man erreicht haben,war die Zeit zu kurz , oder will man gar keine positiven Resultate und macht einfach weiter wie bisher?
      Vielleicht bin ich auch nur zu ungeduldig!

    • @torstenfende

      Ich möchte nie im Leben ein Gutmensch sein…dafür kenne ich zu viele, so wie die, die einem Bettler den Weg zeigen, wo er günstig essen gehen kann..

    • Zunächst muss sich doch jeder Mensch um mein eigenes Bewusstsein kümmern. Ich habe jetzt z.B. hier bei KenFM ganz konkret dazugelernt, dass bei den wichtigen Demos der schwarze Blog nur noch als Instrument der herrschenden Regierung angesehen werden kann. Ich habe auch jetzt erst durch eine Verlinkung der Dokumentation(auf dem Blog „Statement zu Hamburg“) über Genua 1001 erfahren, was da wirklich für Schwerverbrechen seitens der Herrschenden begangen wprden sind. Dadurch habe ich jetzt auch durchschaut, wie und warum das in Hamburg so abgelaufen ist mit der entsprechenden lügnerischen Berichterstattung der MSM. Daß nämlich hier zur Abwechslung mal wieder die Linken als Gewalttäter dargestellt werden sollten und zwar jetzt aktuell aus wahlkampdtechnischen Gründen. Das hat mich zum Überlegen gebracht, ob ich nicht, anstatt diesmal gar nicht erst zu wählen, gerade erst recht die Linken wählen sollte. Denn wenn die linken für Merkel so unbequem sind, dass jetzt zu solchen Mitteln gegriffen wurde, dann müssen sie ja von allen noch die besten sein.

    • Sorry, Verschreiber: es muß sich natürlich nicht jeder Mensch um MEIN eigenes Bewusstsein kümmern, sondern um SEIN eigenes. 🙂

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