Tagesdosis 22.8.2018 – Täuschung und Gefangenschaft der Menschen (Podcast)

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Einst waren wir Jäger und Sammler. Haben der Natur getrotzt und ihr genommen, was sie uns anbot. Wir lebten fast wie die Tiere, in den Tag hinein und dachten nicht darüber nach, was die Zukunft uns bieten könnte. Wir lebten an einem Fluss, aßen Früchte, Fleisch, Kräuter und Gemüse. Hatten einen großen Fundus an Heilkräutern und lernten von- und miteinander.

Schulen gab es nicht. Traditionen und Rituale waren die Schulen. Dann, irgendwann später, wurde uns unsere Sterblichkeit bewusst und wir dachten intensiver über die Zeit und unser Leben nach. Das Zeitbewusstsein prägte sich aus. Und dann geschah es. Wir ängstigten uns, weil wir anfingen in Begriffen wie Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit zu assoziieren. Wir wollten die Drei irgendwie kontrollieren und festhalten. In dieser Zeit muss es gewesen sein, dass einer daherkam, und dachte: Mit dieser Kontrolle werde ich etwas anfangen. Ich werde sie nutzen, um mich über sie zu stellen. Sie werden mir folgen. Die Menschen werden nun meine Ressource, die ich über ihre Ängste kontrollieren kann. Ich werde genau das mit ihnen machen, was wir bisher mit den Tieren taten. Ich werde sie mir halten, und ich werde ihnen nicht nur Angst machen, damit sie etwas tun, so wie ein Tier, das ich abrichte. Ich werde ihnen über ihr zukünftiges Leben Angst einflößen. Der Mensch wird alles tun, wenn ich ihm seine Zukunft, sein zukünftiges Leben bedrohe. So oder so ähnlich begann die Sklaverei.

Der Unterschied ist, dass man Tieren Schmerzen zufügen kann, aber sie verspüren nicht den Verlust von Freiheit oder die Bedeutung von Gefangenschaft oder das Androhen von Folter. Sie empfinden nicht die Zeit, die wir empfinden, Gegenwart vielleicht, Zukunft und Vergangenheit eher nicht. Man kann auf ein Tier keine Waffe richten und es zwingen, etwas zu tun. Denn ein Tier weiß nicht, dass die Waffe es töten kann. Der Mensch aber weiß darum und folglich kann man ihn zwingen, sich gegen seinen Tod mit seinem Leben einzusetzen. Tiere wissen nicht, dass ein Messer sie töten kann.

Wenn ich mit einer Fackel auf ein Maisfeld zurenne, dann weiß das Maisfeld nicht, dass ich es anzünden kann. Ich kann ihm also nicht drohen, mehr zu wachsen. Der Mensch aber, er wird alles tun, wenn ich unter Gewaltandrohung etwas von ihm begehre. Man kann einem Menschen all seine Habe wegnehmen, er wird seine Freiheit aufgeben, wenn man ihn deswegen bedroht. Diese Form der Haltung, also der Menschhaltung, wurde damals wohl begonnen und ist bis in unsere Tage hinein die ertragreichste Form des Speziesismus. Und dieser Zaun, der um uns Menschen zur Haltung aufgebaut wurde, nennt sich Zivilisation. Sie ist unser Käfig, unser geistiges Gefängnis. Angst steuert uns bis heute. Angst ist damit finanzstärkste Wirtschaftszweig und paart man ihn mit Zerstörung, dann gibt es nichts, was ihm gleichkommt. Die gesamte Menschheit folgt heute diesem Prinzip und ist daher nichts anderes als eine Viehhaltung unter besonderen Bewusstseinsbedingungen.

Nichts ist nun weiter von der Realität entfernt, als dass man glauben könnte, die Obrigkeit meine es gut mit ihren Menschen. Sie meint es ausschließlich gut mit sich selbst. Nicht ohne Grund haben die Unterdrückten irgendwann damit angefangen, die Menschengruppen in Klassen einzuteilen. Landwirte bieten ja auch Schutz und Nahrung für ihre Tiere an, helfen ihnen wenn sie krank werden und schicken einen Veterinär, wenn es sein muss. Das tun sie aber nur aus einem einzigen Grund. Damit sie ihre Tiere bestmöglichst ausbeuten können. Ist das Maß der Fürsorge überschritten, wird das Tier verkauft, an den Schlachthof. Die ganze Geschichte des Ackerbaus und der Viehzucht ist eine Geschichte perfektionierter Ausbeutung an Tieren und Pflanzen.

Wenn man erst einmal in Gedanken so weit geht, um das zu verstehen, werden einem die ganzen Schichten dieser menschlichen Gefangenschaft klar. Um uns einzubläuen und uns davon fernzuhalten, dass bewusst zu erfassen, was ich hier schreibe, haben die Herrschenden mit den Jahrhunderten eine enorme Vielzahl an Angeboten geschaffen, uns diese Gefangenschaft nicht spüren zu lassen. Daraus wurde bis heute der Konsum.

Sie fälschten die Geschichte, vor allem alles, was mit dem Altertum und davor zusammen fällt. Aus vielen Göttern machten sie den Einen. Sie schlugen einen Halbnackten an ein Kreuz und sagten uns, dass wir fortan selbst die Schuldigen seien, und Leiden im Diesseits völlig normal sei, ja der Urzustand allen Empfindens ist. Im Jenseits käme das wahre Leben, wenn wir brav und artig tun, was man uns aufträgt. Dann erschien der Handel auf dem Globus. Und dieser schuf größere Geldmengen, Güter und Wohlstand. Unser Auslauf unsere Bewegungsfreiheit wurde plötzlich vergrößert. Das ließen die Herrschenden nicht ohne Berechnung zu. Denn sie wussten, geben wir ihnen mehr Freiheit und mehr Auslauf, dann werden sie uns mehr von Nutzen sein. Sie werden sorgsamer Arbeiten, auch wenn wir ihnen drohen, noch mehr zu arbeiten. Dann fiel einem Herrscher ein, dass er nun, weil die Gefangenen immer mehr Geld selbst verdienten, einen Zehntel von allem erwirtschafteten Geld einstreichen werde. Das nicht zu tun, sei fortan mit dem Tode zu bestrafen, denn man wäre sodann ein Gottloser und würde sich am Lehensherren bereichern. Aus dem Ablass der Bischöfe wurde die Steuer der Fürsten, Könige und der Kaiser. Dem Menschenvieh wurde erklärt, man beschütze es fortan und baue große Gebäude, voller Herrlichkeit und Pracht, um Gott zu huldigen, dessen Abgesandter auf Erden man ja sei. Ein Sklave, so schrieb es ihr Philosophenkönig Aristoteles, sei ein beseeltes Werkzeug.

Es geht nur um die Steigerung des Profits. Das ist der eigentliche Grund dafür, dass es uns überhaupt in so großer Zahl gibt. Ab Werk, also ab Geburt gehören wir ihnen. Unser Dasein ist ihre Ertragsgarantie. Die Natur dieses Gefängnisses ist Menschenhandel, und zwar in allen Richtungen. Alle Menschen, die, um Geld zu verdienen, arbeiten, also einen Tagesplan vollführen, der ihr Überleben, nicht aber ihr Leben, garantiert, sind verhandelte Menschen innerhalb der Zivilisation. Politiker sind Wärter der Zivilisation und Erfüllungsgehilfen der Großbanken, der Geldschöpfer und der Gelddrucker.

Gewaltanwendung erzeugt Widerstand. Und dieser Widerstand war lange Zeit eine Bremse für die Herrschenden. Erst mit der Technik und den größeren Steuereinnahmen kam auch das Bequeme. Und mit dem Bequemen kam dann auch die rationale, empirische Wissenschaft. Sie wurde zunächst nur für die Erweiterung des Ertrags, also als Militärtechnik angewendet. Doch etwas später kam auch das eigene Denken hinzu, also das Erfinden von Theorien, die zunächst einmal völlig ohne Zweck erschienen. Die Städte vergrößerten sich und zu ihnen gesellten sich immer mehr Menschen, sodass Menschen immer billiger und in großen Mengen zu gegenseitigen Konkurrenten am Markt erschienen. Damit erhöhten sie das Maß des Zwangs und auch die Konkurrenz unter den Marktspielern nahm nun zu. Durch die Vielfalt der Marktanbieter wuchs auch die Produktion und damit auch die Vielzahl an unterschiedlichen Produkten, für die nun ein Markt her musste. Und so kauften die Gefangenen ihre eigenen Produkte und bezahlten mit ihrem Lohn nun wiederum die Marktanbieter. Ein Kreislauf entstand, der einen ungeheuren Mehrwert produzierte, der so groß wurde, dass die eigenen Gefangenen, die nun fast überall Bevölkerung, Volk und Bürger genannt wurden, nicht mehr abnehmen konnten. So entstand die Doktrin für mehr Land und Boden zu sorgen. Diese Doktrin gab es zwar schon immer, doch sie schoß quasi dadurch empor, da es nun viele Herrscher gab, die für mehr Boden und Land warben, weil sie Überschüsse produzierten, also Waren herstellten, die nicht mehr im eigenen Territorium gekauft wurden.

Immer setzten sich einer oder mehrere Herrscher durch, verbündeten sich und vergrößerten so ihren Bereich. Nichts änderte sich. Heute zahlen die Menschen so viele Steuern wie nie zuvor. Der Trick dabei ist, dass die Menschen in das System hineingeboren werden und somit glauben, es sei alles normal so wie es ist. Sie lernen einen Freiheitsbegriff, ein Freiheitsgefühl als normal zu akzeptieren, der und das in Wahrheit noch immer ein Unfreiheitssystem ist.

Das ganze Gefängnis der Zivilisations-Kultur ist schon sehr alt und immer wurde es perfektioniert hinsichtlich der Menschenhaltung. Heute übt kein Herrscher in diesem Land mehr Gewalt aus, um uns in die gewünschte Richtung zu bringen. Wir sind es selbst geworden, die gegenseitig Zwang auf uns ausüben, indem wir zuvor in Kindergärten und Schulen dazu konditioniert wurden. Sie drillen uns ein Weltbild ein, dass aus Schwarz Weiß und aus Weiß Schwarz macht. Fast die gesamten Kenntnisse der Psychologie werden heute gegen uns verwendet. Ja die Psychologie und die Verhaltensforschung sind nur einzig zu diesem Zweck überhaupt gegründet worden. Und so bekamen sie eine perfekte Gebrauchsanleitung für die Menschenhaltung: Nehme ihnen ihr Mitgefühl, ihre Empathie, dann gehorchen sie auch dann, wenn man sie gegen ihre eigenen Interessen führt. Heute bemerkt so gut wie niemand die eigene Sklavenhaltung und wenn sie jemand bemerkt und sie anderen kundtut, dann kann er sein blaues Wunder erleben. So gut funktioniert die Psychologie, die sie gegen uns verwenden. Denn mittlerweile verwenden wir sie sogar gegen uns selbst; ohne dass es uns in den Sinn käme, dass wir unser eigener Feind geworden sind. Ein Multiplikator für das beherrscht werden Wollen. Der gute Sklave will gar keine größeren Freiheiten. Viel lieber will er Aufseher werden.

Heute wissen viele, dass sie von Verbrechern regiert werden und dass es das ganze Zivilisations-System ist, das uns bedroht und das wir gegen die äußere und unsere Natur in Stellung gebracht haben. Wir haben es sogar so weit gebracht, dass uns das Leben um uns herum nur noch sehr wenig interessiert. Selbst unsere eigene Lebenskraft ist uns völlig egal geworden. Zumindest bei der Mehrheit ist das so. Die Vielzahl an Verbrechern und der Drang, zu überleben, sind heute so vielen bewusst, dass die Mehrheit dennoch nichts dagegen unternimmt, sondern viel eher die eigenen Verdrändungsmechanismen stärkt. Auch die Herrschenden sind sich nicht mehr unisono einig darüber, ob sie die Zivilisation und die Menschehaltung noch weiterhin als Betrugssystem aufrecht erhalten möchten. Die Zwickmühle, in der sie jedoch alle feststecken ist folgende: Welche Gruppe von ihnen auch immer mit diesem gesamten System bricht, um allen Menschen wieder ihre natürliche Freiheiten zu geben, sie würde dabei große Macht- und Geldverluste hinnehmen. Und das ist das Tragische daran. Die Reichsten und Mächtigsten dieser Welt wissen, dass eine Wende hin zu mehr Freiheit und Gerechtigkeit, zu mehr Frieden und Menschlichkeit ihr Machtende bedeuten würde.

Ich habe diese eingestauchte kurze Geschichte des Verrats an der Menschheit hier nur sehr bruchstückhaft und holprig dargelegt. Bin mir also der Unvollständigkeit bewusst. Wichtig ist mir, dass diese Geschichte bewusster wahrgenommen wird. Das alles, was wir seit gut 5000 Jahren mit uns machen lassen, wahrscheinlich noch viel länger, zeigt auf, dass wir bloß die Zeitspanne eines Lebens überblicken. Unseres Lebens. Daraus ziehen wir Schlüsse, die in Wiederholungen enden. Immer und immer wieder hoffen wir auf gute Menschen, die uns da herausholen. Politiker, denen wir folgen wollen und glauben, sie seien die guten Hirten. Es ist all zu menschlich, so zu denken, doch die Geschichte zeigt ein anderes Bild. Die guten Hirten folgen sich selbst und wenn sie eine Heerschar an Menschen umzingelt und klatscht, dann gibt das ihnen Macht, weil diese Heerschar ihnen diese gibt. Das ist eine Ressource, die verführerischer nicht sein kann. Was Buddha, Jesus und anderen gelang, das gelingt Politikern nie. Die Uneigennützigkeit. Trotzdem denken wir weiterhin, dass diese oder jene Politiker, Parteien oder politischen Bewegungen uns alle retten werden. Die Geschichte zeigt, dass wir uns da gründlich irren. Uns rettet niemand, kein Kaiser, kein Politiker und auch nicht der Sohn Gottes. Wir müssen uns selbst retten. Mit einem anderen Bewusstsein.

Wenn wir unser Dasein als Menschenhaltung erkennen, dann könnten wir uns darüber bewusst werden: Artgerecht ist nur die Freiheit! Deine Freiheit und meine Freiheit unterscheiden sich aber. Und daher ist unsere Freiheit niemals die Freiheit, die uns irgendeine Gruppe geben kann. Darin liegt ein großer und mächtiger Betrug. Staaten werden von korrupten Gruppen geleitet und von mafiösen Strukturen gelenkt. Schaut euch um. Wo gibt es Ausnahmen? Es sind wenige. Wenn du aufgibst zu sein, was sie aus dir gemacht haben, dann bist du frei. Nicht wirklich ganz frei, aber freier, als du es in der Menschenhaltung je sein kannst. Denn eines besitzen sie bis heute nicht: Deinen freien Willen, auszubrechen und neu einzusteigen.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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