Tagesdosis 23.2.2018 – Ursache des Afrin-Konflikts: Kriminelle Dumm-Dreistigkeit

Ein Kommentar von Rainer Rupp.

In den letzten Tagen sind einige Hunderte para-militärische Kämpfer aus regierungstreuen, syrischen Einheiten in dem vom türkischen Militär belagerten und beschossenen nord-syrischen Kurdengebiet Afrin eingetroffen, wo sie der progressiven YPG-Miliz bei der Verteidigung der syrischen Heimat beistehen wollen. Nur, bis vor kurzem war die YPG-Führung noch auf einem separatistischen Kurs und ein klares Bekenntnis von ihr zur Bewahrung der territorialen Integrität Syriens fehlt immer noch. Stattdessen erklärte der Sprecher der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG, Nouri Mahmud, am Dienstag den 20. Februar vollmundig, dass die Regierung in Damaskus nun endlich ihrer Pflicht nachkomme, sich an der Verteidigung von Afrin zu beteiligen. Aufgabe der Regierungskräfte sei schließlich der Schutz der Grenzen und die Verteidigung der Einheit Syriens. Darüber berichtete ein Autor der linken Tageszeitung „junge Welt (j.W.)“ einen Tag später am 21. Februar 2018 mit sichtlichem Wohlwollen. Auf die Frechheit, Anmaßung und Dreistigkeit dieser Erklärung des YPG-Sprechers ging das Blatt mit keinem Wort ein.

Um das Ausmaß dieser Frechheit, Anmaßung und Dreistigkeit sowohl des YPG-Sprechers als auch der j.W. Autors zu verstehen bedarf es eines kurzen Rückblicks. Bis vor wenigen Tagen wurde bis weit in die europäische Linke, besonders aber von deutschen Unterstützern der YPG behauptet, dass die „Rojava-Kurden“ in der nord-syrischen Region Afrin „von allen Seiten allein gelassen“ würden. Die YPG ist zwar in Afrin tonangebend, aber im gesamten nordsyrischen Kurdengebiet nur eine Minderheit.

Weil nun diese angeblich im Stich gelassenen YPG-Kämpfer in Afrin niemand anders um Hilfe bitten könnten, seien sie gezwungen „die zeitweilige Unterstützung durch die USA zu akzeptieren“, heiß es auch hierzulande in linken Kreisen als Entschuldigung für die Tatsache, dass die YPG mit den Unterstützern und Ausbildern der islamistischen Halsabschneider, nämlich mit den amerikanischen Chef-Terroristen eng zusammenarbeiten. Beide Parteien, YPG und Amis, hatten dabei das Ziel, die territoriale Integrität Syriens zu zerstören; die Amerikaner, weil sie erklärter Maßen immer noch den Regimewechsel in Damaskus betreiben und die YPG, um ihre eigenen, separatistischen Wunschträume zu erfüllen und sich zugleich ganz nebenbei die Öl- und Gas-Förderstätten in den angrenzenden, nicht-kurdischen Regionen Syriens mit Hilfe der Amis unter den Nagel zu reißen. Eine wahrhaft tolle Symbiose, die unter linken YPG-Fans hierzulande bedingungslose Unterstützung fand.

Allerdings war abzusehen, dass die Türkei bei diesem Spielchen Washingtons, nämlich die YPG-Kurden zu einer hochmodernen und schlagkräftigen, 30 Tausend Mann starken Armee aufzurüsten und auszubilden, nicht mitmachen würde. Eine solche Destabilisierung an ihrer Grenze würde Ankara nicht dulden und auch vor einem Konflikt mit den hinter den YPG-Kurden stehenden USA nicht zurückschrecken. So kam es, dass die Region und Stadt Afrin, eine der wenigen Gebiete, die noch relativ unbeschädigt waren, unter Beschuss von türkischen Bomben und Granaten kam. Diese Zerstörung und die damit verbundenen Toten und Verwundeten hätte allerdings von Anfang an verhindert werden können, wenn, ja wenn die YPG-Führung ein Jota von Vernunft und strategischem Sachverstand gezeigt und das Angebot der russischen und syrischen Regierung angenommen hätte.

Das Angebot, übrigens in Absprache mit Ankara, sah vor, dass Einheiten der Syrisch Arabischen Armee von Präsident Assad mit russischer Unterstützung in Afrin ein- und bis zur türkischen Grenze vorrücken und dort Stellung beziehen sollten. In Afrin sollte die YPG ihre Waffen behalten und in den Dörfern und Städten die Ordnung und Sicherheit für die Bevölkerung garantieren. Der Vorteil für alle Beteiligten wäre gewesen, dass

a) die Türken keine bewaffneten Übergriffe von YPG-Kurden auf ihr Territorium zu befürchten hätten,

b) dass die YPG-Kurden keine Übergriffe der Türken zu befürchten hätten, da die zuerst die russisch unterstützten Einheiten der syrischen Regierungsarmee an der Grenze hätten angreifen müssen, und

c) dass der Vorteil für die Regierung in Damaskus darin gelegen hätte, dass die US-Pläne zur Aufteilung Syriens gestoppt worden wären. Zudem hatte die YPG die Zusicherung zu einer weitgehenden Teilautonomie und die Zusage für einen fairen Anteil am Einkommen aus den nicht-kurdischen Öl-und Gasquellen bekommen.

Die Russen hatten lange zwischen Ankara, Damaskus und mit der YPG-Führung in Afrin verhandelt. Das wäre eine Win-Win-Strategie für alle lokalen und regionalen Parteien gewesen, mit Ausnahme der amerikanischen Terroristen, die ohnehin mal wieder total völkerrechtswidrig auf fremden Territorien Mord und Chaos sähen. Aber egal ob es der YPG-Führung an strategischem Sachverstand mangelte oder ob sie unter totaler Selbstüberschätzung litt, sie wies den russisch-syrischen Kompromissvorschlag zurück. Sie glaubte offensichtlich, mit den Amerikanern im Rücken wäre sie vor allen Angriffen sicher.

Von totalem Realitätsverlust zeugt auch, dass die YPG-Führung nach den ersten türkischen Angriffen ihr Emissäre nach Washington schickte, um dort Lobbying zu betreiben, damit die Trump-Regierung mehr Druck auf Ankara ausübt, um die türkische Offensive in Afrin zu stoppen. Nur Traumtänzer können an den Erfolg eines solchen Unterfangens glauben. Derweil musste die Bevölkerung in Afrin als Resultat und der geradezu kriminellen Fehlleistungen der YPG-Führung einen hohen Blutzoll zahlen. Dessen ungeachtet hatte die YPG unter deutschen Linken unerschütterliche Unterstützer, die auch noch jede Dummheit der YPG als heroische Tat des Widerstands glorifizierten. Den Russen warfen dagegen auch hochrangige linke Politiker sogar Verrat an der Bevölkerung Afrins vor, weil sie ihre Soldaten nicht für den YPG-Wahn im Kampf gegen die Türkei verheizen wollten. In Punkto Realitätsverlust, oder sollte man es besser gefährlichen Schwachsinn nennen, haben sich damit diese deutschen Linken der YPG-Führung durchaus ebenbürtig gezeigt.

Der Win-Win-Plan der Russen sollte einen bewaffneten Konflikt zwischen den Parteien verhindern und trotzdem allen Beteiligten Sicherheit bringen. Die Forderungen der deutschen Linken, auf Seiten der YPG-Führungen in die bereits begonnen Kämpfe einzugreifen, hätte eine dramatische Eskalation des aus Dummheit der YPG herbeigeführten Konfliktes bedeutet, mit ungewissem Ausgang.

Als schließlich die YPG-Führung endlich anfing die Ausweglosigkeit ihrer Lage zu begreifen und sich Hilfe suchend an Damaskus wandte, war es schon zu spät. Das Kind war bereits in den tiefen Brunnen gefallen. Um eine Eskalation zu vermeiden, können sich weder Russland noch die Syrisch Arabische Armee (SAA) in Afrin in die Kämpfe gegen die Türkei einmischen. Da die türkische Armee aber Interesse hat, ihre Verluste in Afrin niedrig zu halten, besteht die Chance, sie davon zu überzeugen, Russlands Win-Win-Plan nochmals ins Auge zu fassen, zumal die YPG-Führung nun Berichten zufolge bereit zu sein scheint, die SAA bis an die türkische Grenze durchzulassen. Angeblich sei Moskau bereits dabei, in Ankara in dieser Richtung erneut zu sondieren. Zugleich ist aus Afrin eine weitere Steigerung der Frechheit, Anmaßung und Dreistigkeit der YPG-Führung zu vernehmen, welche von der Zeitung „junge Welt“ als Erfolgsmeldung am Donnerstag den 22. Februar verbreitet wurde:

»Unsere Kräfte haben von der Regierung und der Armee Syriens gefordert, ihrer Aufgabe bei der Verteidigung Afrins und der Grenzen nachzukommen«, erklärte YPG-Sprecher Nuri Mahmud. »Auf dieser Grundlage hat die syrische Regierung Militäreinheiten in die Region entsendet. Diese Einheiten werden an der Grenzlinie stationiert, um die Grenzen sowie die territoriale Gesamtheit Syriens zu verteidigen.« Bei so viel dümmlicher Arroganz, die Tod und Verderben über ihre Landsleute in Afrin provoziert hat, kann man über die YPG-Führung samt ihrer blinden linken Unterstützer hierzulande nur noch den Kopf schütteln.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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12 Kommentare zu: “Tagesdosis 23.2.2018 – Ursache des Afrin-Konflikts: Kriminelle Dumm-Dreistigkeit

    • Natürlich gefällt es ihnen wenn die systemischen Probleme nicht zur Sprache kommen. Zeter und Mordio der üblichen Verdächtigen gibt es meist bei Frau Bonath und Herrn Wolff.

    • @ box
      ja,ja
      würden sie und fr. bonath, r.lenz u. a. diese „systemischen Probleme“erkennen, hätte ich kein Problem. leider versteht ihr im kern nicht, dass System in dem ihr lebt, demzufolge scheitert die Erkenntnis immer an der falschen Diagnose. wenn man einen zugang zur Öffentlichkeit hat, sollte dieser nicht mit pauschaler leere/Klischees gefüllt sein.

      wenn sich z.b. hr. wolf, berechtigterweise über das geldsystem/finanzsystem schreibt, ist es ja löblich, nur eine Einschätzung, dass die „anlagen“-Inflation durchschlägt auf die „konsum“-inflation ist einfach nur lächerlich. oder das der „monetarismus“ zu irgendwas führen soll, gibt überhaupt kein grund dafür! ein wenig mehr Empirie, würde nicht schaden!

      fr. bonath die permanente kapitalismus-Kritik anbringt, ohne zu verstehen, dass es DEN „Kapitalismus“ nicht gibt. es gibt einen Kapitalismus, der sich im zuge der zeit, bei falscher Politik selber destabilisiert und es gibt einen gesteuerten Kapitalismus, der einer Gesellschaft von nutzen sein kann! dafür ist es aber erforderlich den „nützlichen Kapitalismus“ zu verstehen. eines darf man bei all seiner Kritik auch nicht vergessen, auch andere Systemen, brauchen funktionierende Institutionen (geldsysteme) usw. Beispiel Ecuador!

      hr. lenz naja, er lebt wohl in einem micro-Kosmos, mit seiner kleinen schwester Claudia Roth oder so!

      aber am witzigsten sind eure Kommentare, die zeigen, dass ihr über das gesagte des interview-Partner oder Kommentator nicht einmal 3min nachdenkt, ob dieser, meinetwegen berechtigte Kritik anbringt, aber seine „lösungsansätze“ doch nur Unsinn ist. Beispiel vollgeldsystemee, bge, Wachstum, Klima, usw.
      daher bin ich mir sicher, dass in einer unaufgeklärten welt, sich auch nichts verändern wird! oder anders gesagt, die medien kenfm u.a. brauchen keine angst zu haben abgeschaltet zu werden, denn der erkenntnisgewinn ist nicht System-bedrohend!

      ende, und bevor du was schreibst bitte erst nachdenken

      gruß

    • Ich fürchte mal, dass der gesteuerte Kapitalismus in letzter Konsequenz auch bloß DER Kapitalismus ist.
      Gemäß seiner Natur muss er nach Maximalprofit streben, weil der untergeht, der das nicht tut. Dass er dazu üblicherweise auch über Leichen geht, ist bekannt.
      Dummerweise hat das mit der sozialistischen Alternative auch nicht funktioniert und ist sicher nicht ausschließlich dem Einwirken der umgebenden Kapitalisten zuzuschreiben.
      Die Frage ist eher, was nun.

      Das man weiß, was in der Welt passiert, schließt nicht aus, dass man um die systemischen Probleme weiß.
      Und liebe Kiste, wenn Sie glauben, es reicht sich damit zu befassen oder man müsse immer darüber reden, dann glaube ich das nun wieder nicht.
      Aber ich gebe Ihnen gern für hier frei, um sich zurückzuziehen und die großen Probleme der Welt systemisch zu lösen. Da brauchen Sie uns schließlich gar nicht zu (belehren).

    • @ Frowe Hulda
      darin liegt der unterschied! es ist offensichtlich nicht möglich, sich auf den kleinsten gemeinsamen nenner (in logischen zusammenhängen bzw. emperie) zu einigen bzw. einen Diskurs zu betreiben.
      deine Argumente sind einfach nur lächerlich.
      wenn du in der lage wärst über den tellerrand zu schauen, würdest du erkennen, was China in den letzen 40 jahren erreicht hat bzw. über welche wirkungsketten sich China von dem Status 3. welt (1980) bis heute, in Konkurrenz zum westlichen Kapitalismus, entwickelt hat. vielleicht erkennst du auch, dass der Kapitalismus in den letzten 200 jahren lediglich 2 dekaden (nach 45) erfolgreich war.

      weiterhin ist zu bemerken, dass du den Sozialismus auch nicht verstanden hast!

      ich will dich natürlich nicht belehren, nur wenig wissen führt in der regel zu nichts!

    • @ keeneahnung

      „…dass der Kapitalismus in den letzten 200 jahren lediglich 2 dekaden (nach 45) erfolgreich war. “

      Wo bitte soll denn das statt gefunden haben?

    • @ keeneahnung
      „darin liegt der unterschied! “
      Worin liegt welcher Unterschied?
      „es ist offensichtlich nicht möglich, sich auf den kleinsten gemeinsamen nenner (in logischen zusammenhängen bzw. emperie) zu einigen bzw. einen Diskurs zu betreiben.“
      Es wird nicht möglich sein sich auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen, solange Du bestimmen willst, wo der zu liegen hat.
      Logische Zusammenhänge scheinen Deine Stärke nicht gerade zu sein.
      Deine Argumente sind nicht folgerichtig dargestellt, sondern erscheinen mir eher nach Lust und Laune angewendet. Welche Gegenargumente Du bei Deinen Gedankenkonstrukten kühn unter den Tisch fallen lässt, kann man nur erahnen. Einen Diskurs versuchst Du hier bestimmt nicht zu führen, wenn Du schon ins Beleidigen verfällst, bloß weil jemand wagt, Deine Grundannahmen infrage zu stellen.

    • @ Frowe Hulda
      es ist zwecklos. dann lebe deine Thesen und entziehe dich den logischen zwängen. hinterfrage möglichst nichts und nehme alles auf, was der erstbeste „Kritiker“ so raushaut!
      Beispiel: dein zitat “ Ich fürchte mal, dass der gesteuerte Kapitalismus in letzter Konsequenz auch bloß DER Kapitalismus ist.
      Gemäß seiner Natur muss er nach Maximalprofit streben“

      alles wird gut, viele grüsse

  1. Es ist schön das jemand noch eine Streit im Mitteleren Osten an eine Ursache zuschreiben kann.
    In eine Syrië Konferenz sassen etwa 25 Parteien am Tisch.
    Ich habe aufgehört zu versuchen zu verstehen wer gegen wen kämpt, warum, und von wem unterstützt.

  2. Anbei ein paar weiterführende links für Jene, die Interesse an diesem imperialen Gezänk haben. Wohlgemerkt ist das Interesse daran, daß der Konflikt im Nahen Osten und auch sonstwo nicht zu Ende geht, ein ganz spezielles Bedürfnis des noch amtierenden Imperiums, egal wie hoch sich die Leichen stapeln, solange es nicht die Eigene ist, kümmert das nicht.

    Zunächst Frau Abed in einer dreiteiligen Serie auf Voltairenet:

    Die Kurden: Washingtons Massen-Destabilisierungs-Waffe in Mittel-Ost
    von Sarah Abed

    Wie die Palästinenser hoffen die Kurden auf ihren eigenen Staat. Seit der Auflösung des Ottomanischen Reiches haben manche ihrer Führer eher Allianzen mit einigen Imperalistischen Mächten als mit ihren Nachbarn favorisiert. Diese Führer und die mit ihnen verbundenen Familien haben sich in imperialistische Joker verwandelt um den Mittleren Osten durcheinander zu bringen. Sie versuchten sukzessive Marionetten-Staaten in Iran, Iraq und Syrien zu etablieren, mit anderen Worten in den Ländern, welche sie mit offenen Armen aufgenommen und beschützt hatten. Sarah Abed erzählt uns ihre Geschichte.
    Voltaire Netzwerk | 8. September 2017
    http://www.voltairenet.org/article197792.html

    Die Kurdische Connection: Israel, ISIS und USA Anstrengungen zur Destabilisierung des Iran
    von Sarah Abed
    http://www.voltairenet.org/article197906.html

    Der Mythos Moderater Kurdischer Rebellen
    von Sarah Abed
    http://www.voltairenet.org/article197987.html

    Hier von Herrn Külbel, dazu, mit welchen Truppen Präsident Erdogan gedenkt, die Kurden zu „disziplinieren“ bzw. sein oder das NATO-Stück des Kuchens sicherzustellen:

    Eskalation in Syrien: Wie Erdogans Angriffskrieg den IS reanimiert
    19.02.2018 • 06:15 Uhr

    Die türkische Intervention in Syrien sorgt für zusätzliche Unruhe in einer destabilisierten Region. Doch was genau steckt hinter der Militärpolitik Erdogans: Sind es legitime Sicherheitsinteressen oder geht es einfach nur um Großmannssucht?

    von Jürgen Cain Külbel

    (…)
    Erdogan Seit‘ an Seit‘ mit Terroristen

    Geschätzte 6.000 türkische Soldaten und 10.000 Kämpfer der so genannten Freien Syrischen Armee (FSA) drangen am 20. Januar gemeinsam in die kurdische Enklave Afrin in Nordsyrien ein und „versprachen“, die YPG von dort zu vertreiben. Übersetzt heißt das: Die im Juli 2011 als eine Gruppe „säkularer“ Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gegründete FSA kämpft nunmehr im Januar 2018 gegen ihre eigenen Landsleute, die syrischen Kurden. Doch „die Freie Syrische Armee als solche existiert praktisch nicht“, sie ist eine Nebelkerze, sagte jüngst Kamal Sido, Experte für Nahost bei der Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), dem Deutschlandfunk. Hinter der Bezeichnung FSA verstecken sich mittlerweile auch „andere Namen, und wenn man sich die Namen anschaut, werden sie radikale islamistische, dschihadistische Gruppen finden“.
    https://deutsch.rt.com/meinung/65302-eskalation-in-syrien-erdogans-dreckiger-angriffskrieg/

    Dazu auch Herr Cartalucci:

    Turkey Establishing Long-Sought US “Safe Haven” in Northern Syria
    By Tony Cartalucci
    Global Research, February 04, 2018

    Turkey’s recent incursion into northern Syria is poised to finally establish the long-sought after “buffer zone” or “safe haven” called for by US policymakers since as early as 2012.

    (…)
    Going in Anyway

    Regardless, Turkey’s incursion – referred to as “Operation Olive Branch” – is creating precisely the zone of control described by US policymakers in 2012 with precisely the same US-armed and funded militant groups described in US policy papers meant to occupy the “safe haven.”

    Having tried and failed to maneuver geopolitically to establish the “safe haven” over the past 6 years – including through the citing of “humanitarian crises” and false flag attacks on Turkish territory – the US and Turkey have finally created a sufficiently chaotic intersection of mission creep, proxy groups, and opposing interests to justify the invasion. Turkey had been incrementally invading and occupying Syrian territory while bolstering an army of militants drawn from designated terrorist organizations including Al Qaeda for years in preparation for this recent invasion.
    (…)
    Northern “Safe Haven” Was US Policy Since 2012

    In a March 2012 document published by corporate-financier funded Brookings Institution titled, “Saving Syria: Assessing Options for Regime Change ” (PDF) it is stated specifically that (emphasis added):

    “An alternative is for diplomatic efforts to focus first on how to end the violence and how to gain humanitarian access, as is being done under Annan’s leadership. This may lead to the creation of safe-havens and humanitarian corridors, which would have to be backed by limited military power. This would, of course, fall short of U.S. goals for Syria and could preserve Asad in power. From that starting point, however, it is possible that a broad coalition with the appropriate international mandate could add further coercive action to its efforts.”
    Anbei der syrische Botschafter vor der UN:

    UN-Gesandter Syriens: „IS kämpft in Afrin unter türkischer und in Deir ez-Zor unter US-Flagge“
    https://www.youtube.com/watch?v=H-8bPtN7E5M&feature=youtu.be
    (…)
    Replacing Kurds with More Cooperative Terrorists

    Not only will Kurds west of the Euphrates be either pushed out or eliminated, they will be replaced by extremists armed and backed by the US, NATO, and the Gulf Cooperation Council (GCC) who will undoubtedly and eagerly continue fighting Syrian government forces.
    https://www.globalresearch.ca/turkey-establishing-long-sought-us-safe-haven-in-northern-syria/5628249

    Dann noch ein aktueller Artikel von Telepolis, der auch wegen der Kommentare interessant ist:

    Afrin: YPG in der Zwickmühle
    23. Februar 2018 Thomas Pany

    Es gibt Unterstützung gegen die türkischen Angriffe durch Milizen, die mit der syrischen Regierung verbunden sind, aber bislang nicht genügend. Für mehr steht die Beziehung zu den USA im Weg
    https://www.heise.de/tp/features/Afrin-YPG-in-der-Zwickmuehle-3976521.html?seite=all

    Bsp. Kommentar:

    23.02.2018 00:37
    nicht up to date – Status ist dieser:

    1) SAA-Einheiten sind in Afrin eingetroffen, also offizielle Regierungseinheiten, aber nicht viele

    2) russische Militärpolizei hat einen YPG-Konvoi bis zur Grenze begleitet

    3) in Aleppo wurden offiziell die noch von kurdischen Gruppen gehaltenen Stadtbereiche/Vororte an die SAA übergeben und die kurdischen Einheiten sollen (oder sind schon) nach Afrin unterwegs.

    4) Tel RIfaad wurde offiziell von der YPG an die SAA übergeben

    5) Ost-Ghouta: SAA benutzt Brandmunition, um Hammurayah diese Nacht zu bedecken (Quelle fragwürdig https://twitter.com/abdalrahmanhar/status/966800730647678977 )

    6) Exclusive#Russia deploying its brand new fifth generation fighter jet the Su-57 in #Khmemeim AB #Syria

    2 Su-57
    4 Su-35
    4 Su-25
    1 A-50U were deployed in the #RuAF AB in Latakia/Jableh today pic.twitter.com/MA4NIKyMW7

    also vermutlich u.a. 2 der neuen Stelth Jäger und 1 russisches AWACS

    7) Türkei hat YPG-Konvoi bombardiert

    Nachtrag:
    – nach meinem Verständnis ziehen die Kurden alles in Afrin zusammen und räumen dafür die bislang nch besetzt gehaltenen anderen Teile zugunsten der SAA
    – Russland versucht, eine Eskalation durch Präsenz zu verhindern, ohne selbst einzugreifen
    – Die SAA ist vollständig mit Ost-Ghouta beschräftigt und kann / will nur Hilfe direkt für Afrin leisten, um die Stadt zu schützen, aber nicht das Umland

    Damit bleibt allen Beteiligten noch diplomatischer Spielraum zum Begrenzen der Aktionen, wobei Ost-Ghouta (was den USA und den Westmedien besonders „am Herzen“ liegt, entweder aufgibt (wurde von den dortigen Al-Kaida Gruppen und anderen abgelehnt) oder (O-Ton Lwrow) werden zerstört werden. (In dem Punkt scheint Russland fest zu sein, Ost-Ghouta muss gecleant werden, so oder so)
    https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Afrin-YPG-in-der-Zwickmuehle/nicht-up-to-date-Status-ist-dieser/posting-31915952/show/

    Was im Kommentar erwähnt steht, habe ich teilweise bei Sputnik oder RT nachgelesen, ist aber so schon lange genug. Bei Interesse, einfach selbst nachschauen.

    Auch stand da, daß der Präsident der russischen Föderation, Putin, beim Präsidenten der Türkei, Erdogan, angerufen hat. Sicherlich nicht um guten Tag zu sagen.
    Daß der Präsident Frankreichs sich darin übt Giftgasanschläge in Syrien anzukündigen, um dann eingreifen zu können, hat sich derweil wohl herumgesprochen und daß Frau Kanzlerin Merkel die europäischen Lande ermuntert sich stärker in Syrien zu „engagieren“ wohl auch.

    Um die Verwirrung zum Schluß zu komplettieren, Herr Meyssan:

    Verwirrung der Diplomaten und Militärs in der MSC 2018
    von Thierry Meyssan

    Die von den Deutschen organisierte Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) hat sich in ein globales Forum der Minister für auswärtige Angelegenheiten und der Verteidigung verwandelt. Jeder wollte die politische Entwicklung der aktuellen Situation antizipieren, während die Organisatoren versuchten, ihre Causa der Aufrüstung voranzutreiben. Auch wenn die Standpunkte der Einen und der Anderen klarer geworden sind, bleibt letztlich die Frage nach den neuen Regeln des Spiels noch offen.
    Voltaire Netzwerk | Damaskus (Syrien) | 21. Februar 2018
    http://www.voltairenet.org/article199788.html

    „Und wie sie sehen, sehen sie nichts“

    • “ Konflikt im Nahen Osten und auch sonstwo nicht zu Ende geht, ein ganz spezielles Bedürfnis des noch amtierenden Imperiums, egal wie hoch sich die Leichen stapeln, solange es nicht die Eigene ist, kümmert das nicht. “

      Nichts Neues im Osten.
      Während der blutige Krieg zwischen Iran und Irak sagte jemand bei BBCW, damals noch im PKW zu empfängen, und objektiv, ‚das Beste ist das sie weiter Krieg führen‘.

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