Tagesdosis 23.4.2019 – Watergate 1973 und Julian Assange 2019

Ein Kommentar von Dirk Pohlmann.

Watergate – Ein Zauberwort der amerikanischen Kultur. Zeitungsreporter, allen voran Bob Woodward und Carl Bernstein von der Washington Post deckten 1973 auf, dass die Einbrüche im Hauptquartier der Demokratischen Partei, bei denen Dokumente fotografiert und Abhörwanzen installiert werden sollten, letztlich auf das Konto von Präsident Nixon gingen. Eine Lawine von Ermittlungen der amerikanischen Presse folgte und die Verstrickung oder die direkte Urheberschaft der US Regierung in vielfältige Verbrechen und Korruptionsskandale wurde bekannt. Schließlich begann ein Amtsenthebungsverfahren gegen den US Präsidenten Richard Nixon, der am 9. August 1974 zurücktreten musste. 

Der Skandal zeigte auf vielfältige Weise, wozu die Regierungskaste der USA fähig war. Eine Erkenntnis, die in den 70er Jahren in den USA unausweichlich war. Der Vietnamkrieg bewies es tagtäglich, aber auch die Ermittlungsergebnisse des Church Committees aus dem Jahr 1975, eines Untersuchungsausschusses, der unter anderem aufdeckte, dass die CIA z.B. Mordanschläge gegen unliebsame fremde Machthaber durchführte, wie Patrice Lumumba, Fidel Castro oder auch den chilenischen General Rene Schneider, der loyal zu Allende war, dass die CIA unter dem Decknamen MKUltra geheime Menschenexperimente mit Todesfolge unternahm, um Bewusstseinskontrolle zu erproben und das FBI die illegale Überwachung, Diskreditierung und aktive Manipulation verschiedener Bürgerrechtsgruppen und linker Aktivisten praktizierte.

Beim Watergate Skandal war es der Whistleblower Mark Felt, Vizedirektor des FBI, der als Informant mit dem Tarnnamen Deep Throat den beiden Journalisten Woodward und Bernstein Tips gab, um sie auf die richtige Spur zu lenken. Er gab ihnen also illegal geheime Regierungsinformationen preis, und die Washington Post agierte wie die Informationsbeschaffung eines Geheimdienstes, um diese Informationen zu verifizieren. Eine Tätigkeit, die als Investigativjournalismus bezeichnet wird, die in freiheitlichen Demokratien geschützt ist, weil sie eine systemrelevante Korrekturfunktion darstellt.

Oder als Verbrechen und Verrat bezeichnet wird, die mit schärfsten Strafen geahndet werden. Aber das geschieht nur in autoritär regierten Ländern, die faschistisch oder auf dem Weg in den Faschismus sind.

Watergate war ein Tiefpunkt in der Geschichte der USA, die sich selbst als exzeptionell, also außergewöhnlich oder einzigartig unter den Staaten einordnet, als demokratisches Vorbild. Die Aufklärung der Affäre durch Journalisten aber war die Ehrenrettung, der Nachweis, dass gerade die Demokratie sich erfolgreich selbst am Schopf aus dem Sumpf ziehen kann. Ja, es war offenbar geworden, wie verkommen die USA sein können, aber gleichzeitig waren ja die Kräfte der Selbstreinigung und Reparatur des defekten Staatsapperates aktiv geworden – und sie hatten gesiegt! Das System hatte funktioniert. Der daraus abgeleitete Lehrsatz: Die Demokratie funktioniert meistens gut, aber wenn sie Verfallsformen zeigt, ist sie als einziges Gesellschaftssystem  in der Lage, die Funktionsfähigkeit selbstständig wieder herzustellen.

Ganz im Gegensatz zu anderen Gesellschaftsformen, vor allem dem Sozialismus/Kommunismus, aber auch Militärdiktaturen (die trotzdem erstaunlich oft von den USA unterstützt und genutzt wurden und werden) die durchgehend korrupt und despotisch seien und ihre Kritiker mundtot machten und in Straflagern verschwinden ließen. 

Die Pressefreiheit ist der Universalreiniger der Demokratie. Freie Medien, die als Spürhunde nach Vergehen des Staates suchen, sind unverzichtbarer Bestandteil der Demokratie und werden deshalb auch als Die 4. Gewalt bezeichnet. Was aber einen schweren gedanklichen Webfehler beinhaltet, denn sie sind ja eben nicht Teil des Staates, sondern der Zivilgesellschaft. Die Weisheit der Demokratie besteht aber darin, in dieser Form Macht zu gestatten, die zu Beginn gegen den Staat gerichtet ist, aber letztlich das System aufrecht erhält. Siehe Watergate. Das ist auch in Deutschland verfassungsrechtlich so geregelt.

Unter erwachsenen Menschen war und ist der Watergate Skandal deshalb immer auch ein Synonym für die Überlegenheit der Demokratie. Wer so die Kurve kriegt, wie es die USA angesichts dieses Skandals in den 70er Jahren taten, kann mit Recht auf sich stolz sein. In den 70er Jahren waren die USA vital, auch kulturell, sie produzierten zwar politisch im großen Stil Seuchen, aber auch die Medikamente dagegen, und das ganze war unterlegt mit dem besten Soundtrack der Weltgeschichte. Es war nicht alles schlecht und vieles richtig gut in Amiland. 

Diese Analyse war das Glaubensbekenntnis und der Konsens der Demokraten in West-Deutschland, von links bis rechts, so wurde das an Schulen und Universitäten gelehrt. Wie das in Ost-Deutschland gesehen wurde, müssen Ost-Deutsche kommentieren. Ich weiß es wirklich nicht und will nicht ins Blaue raten.

Sie ahnen aber wahrscheinlich bereits, worauf ich hinaus will. Mit dem jetzt teilweise selbst von Journalisten geäußerten Jubel über den Verrat an Julian Assange, seine Inhaftierung und bevorstehende Auslieferung an die rachsüchtige politische Elite der USA wird dieser Konsens aufgekündigt. Wie so viele unverzichtbare Bestandteile des demokratischen Rechtsstaates, die seit einiger Zeit auf Rudis Resterampe zu haben sind. Wie Schutz vor Überwachung, Folterverbot, Verbot von Angriffskriegen usw, usw. 

Der Verrat des von Korruptionsskandalen geschwächten und auf einen 4.2 Milliarden Kredit des Weltwährungsfonds angewiesenen ecuadorianischen Präsidenten Moreno wird den Ruf des Landes für die nächsten Jahrzehnte prägen. Moreno und die Ecuadorianer sollten sich an die Weisheit Napoleons erinnern: Ich liebe den Verrat, doch ich hasse den Verräter. Moreno ist zum kurzzeitig nützlichen Vasallen der USA aufgestiegen, er hat seine 30 Silberlinge erhalten, wird aber bereits mittelfristig abtreten müssen, um dann als Cracknutte in die Annalen der Historie eingehen.

Es passt ins Bild, dass die jetzige ecuadorianische Regierung nicht davor zurückschreckt, Assange  allen Ernstes vorzuwerfen, ungewaschen gerochen zu haben und die Wände der Botschaft mit Exkrementen vollgeschmiert zu haben. Vollkommen klar also, dass man Assange ausliefern und 4.2 Milliarden einstreichen musste, oder ??? 

Wobei man der ecuadorianischen Regierung zugute halten muss, dass sie echte Experten für das Schleudern von Dreck, Smear Campaigns und Exkremente aufzuweisen hat, die außerdem aus eigener Anschauung genau wissen, wie es im Enddarm der US Regierung aussieht, riecht und schmeckt.

Und die USA heute sind auch nicht die USA der Nixon, Ford und Carter Jahre. Die 70er Jahre waren die Zeit, in der die USA noch vital waren, an ihre Ideale glaubten, aber auch scharfe Kritik an sich selbst produzierten. Dazu gehört das Versprechen, dass jeder nach seiner Facon selig werden darf und Sympathie für den Rebellen an sich. Dieser Individualismus und die tatsächlich hohe Wertschätzung der Ausdrucksfreiheit waren ein dauerhaft wirksames Gegengift gegen Spießigkeit und Enge. Für die USA galt das Hölderlin Wort: Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.

Diese Zeiten sind vorbei. 

Das US Militär hat aus dem Vietnamkrieg die Lehre gezogen, dass es im Zusammenhang mit Krieg nie wieder Pressefreiheit zulassen wird. Jetzt wird embedded berichtet und Fahneschwenken gehört zur Grundausbildung in Militär und Journalismus. Wer nicht genug Enthusiamus dabei zeigt, muss sich einen anderen Job suchen. Oder bei RT anheuern.

Die US Politik hat aus ihrer eigenen Geschichte, aus dem Sündenfall der Staats-Morde an John F.  und  Robert Kennedy, Martin Luther King und Malcolm X die Lehre gezogen, dass machiavellistische  Clevernis den Weg zum Erfolg ebnet. Alles andere sei Schönwetter-Ethik für Pfadfindertreffen und Kindergeburtstage. The Winner takes it all. Jeder wollte Irak angreifen. Echte Männer wollen Iran angreifen. Und wenn irgend so ein Ausländer richtig stört, siehe Olof Palme, dann…

Die US Politik hat sich dazu entschlossen, nur noch Gesetze und Verträge zu akzeptieren, die sie selbst erstellt oder verbrochen haben. Wenn sie Verträge abschießen, dann nur mit Staaten, die einsehen, dass die Konditionen der Verträge im Zweifelsfall nicht für die USA gelten.

Sie haben die Folter, das Lager und die extralegale Hinrichtung eingeführt und sind dabei die Pressefreiheit abzuschaffen. Denn wenn Assange im Gefängnis oder schlimmerem landet, ist der Kernbestand der Pressefreiheit nicht bedroht, sondern zerstört.

Kurz gesagt, die USA sind zu einem autoritären Regime der Geschmacksrichtung „Faschismus“ geworden, mit einem pompöööösen Präsidenten, der die Phänomenologie des Größenwahns auf die Spitze treibt, ein Staat dessen Lebenselixier und Naturzustand der Krieg ist, ein Staat, der die Konstruktion der dazu gehörigen komplexen Lügengebilde beherrscht wie kein zweiter, die er dann durch willfährige Medien zur Akklamation durch den Pöbel freigibt. Ein Staat, dessen Medienlandschaf mit Ausnahme seiner Alternativmedien mittlerweile wahlweise zum Lachen oder Heulen ist. Ein Staat der sein Militär als Schule der Nation feiert, als Goldenes Kalb umtanzt und Gewalt in Hochfrequenz produziert, auch in seiner Medienproduktion. 

Ein Staat, der so agiert und soviel Geld für sein Militär ausgibt, wie die nächsten 8 Staaten zusammen, hat sicher nicht vor, sein politisches Hauptwerkzeug ungenutzt zu lassen.

Ein Staat, der die Welt totalüberwacht, seine politische Gegner zersetzt, den Australier Julian Assange in Großbritannien festnehmen lässt, um ihn an die USA auszuliefern, der Whistleblower mit jahrzehntelanger Lagerhaft bestraft, hat nicht vor, den politischen Diskurs in Freiheit stattfinden zu lassen, damit seine Bürger gemeinsam nach den bestmöglichen Lösungen suchen können.

Ein Staat, der mit aller Hingabe dafür sorgt, dass ein neues „Watergate“ nicht mehr repariert werden kann, der statt dessen Woodward und Bernstein im Gulag verschwinden oder irgenwo ermorden lassen will, wie es Hillary Clinton oder Sarah Palin oder Mitch McConnel oder Mike Huckabee oder CNN und Fox Moderator Bob Beckel und viele andere gefordert haben – hält nichts mehr von der Demokratie, von sich gegenseitig hemmender Macht, vom Rechtsstaat.

Wäre es vielleicht eine Idee, sich endlich nach anderen Freunden und Alliierten umzusehen? Bevor uns die USA auch noch das Haus über dem Kopf anzünden? Tschüss Evil Empire!

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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19 Kommentare zu: “Tagesdosis 23.4.2019 – Watergate 1973 und Julian Assange 2019

  1. Hallo Herr Pohlmann,
    vielen Dank für diesen grossartigen Kommentar! Die beschriebene Parallele zwischen Watergate und Julian Assange als auch die Herausarbeitung der Pressebedeutung als eine Korrekturfunktion in einer demokratische Gesellschaft waren äussert spannend. Das Lesen hat mir bei aller Ernsthaftigkeit des Themas sehr viel Spass gemacht. An einigen Stellen musste ich sogar lachen, um nicht zu weinen Angesichts der Traurigkeit, was aus der Presse als Wächtermacht geworden ist. Wenn mir eine kleine Anmerkung erlaubt sei: Die Metapher Moreno´s als „Cracknutte“ finde ich ehrlich gesagt, etwas zu zynisch.
    Ein Lob auch für die anderen Themen in Text- und Videobeiträgen, diese sind sehr couragiert aufgearbeitet!! Erst seit kurzem beschäftige ich mich intensiver mit diesem Themenkomplex. Dank Ihrer informativen und verständlichen Beiträge erschliesst sich für mich immer wieder ein kleines „Puzzleteilchen“. DANKE!!
    Bitte machen Sie unbedingt weiter so!!! … aber lassen Sie sich nicht vom Zynismus unterkriegen:-)

  2. In den 1970ern sah es im Ostblock gar nicht mal sooo schlecht aus, in der Systemkonkurrenz musste der „Westen“ und allen voran die Führungsmacht eine soziale und demokratische Maske tragen.
    1990 wurde die Maske fallen gelassen, egal was man sich anschaut, was seit 1990 im „Westen“ politisch passiert ist …
    Andererseits war der Ostblock eher eine ideologische und militärische „Bedrohung“ für die unipolare Weltmacht – aber keine ökonomische.

    Heute ist Russland militärisch wieder konsolidiert, aber China ist faktisch Wirtschaftsmacht Nr.1, im Windschatten Indien, lose Kooperation in BRICS.
    Kurz; die unipolare Weltordnung IST schon gebrochen, nur wollen die ideologischen Betonköpfe des „Westens“ das nicht wahr haben und drehen frei.

  3. D1 hat mich da auf ne Idee gebracht…

    Kennt Ihr „Cloud Atlas“ den Film? Wenn ein Maskenbildner es schafft, Tom Hanks so herzurichten, dass man ihn beim besten Willen nicht erkennt. Obwohl man aus dem Abspann des Films weiß, es ist Tom Hanks.

    Wieso kam kein Maskenbildner zu Assange? Dann hätte er unerkannt aus der Botschaft rausgehen können…

    Andere schaffen es aus Gefängnissen auszubrechen. 7 Jahre und das Köpfchen von Assange…
    Da müsste es doch Lösungen gegeben haben. Die Zeit hätte sogar gereicht nen Tunnel zu graben.

  4. Ja klar, liegt Pohlmann richtig, was die Istanalyse betrifft. Und seine moralische Entruestung ueber die Mitlaeufer, kleingeistigen Mitabkocher des Systems ist zutreffend. Es muss auch die gewaltige, heroische, sysiphushafte Arbeit bewaeltigt werden, unablaessig auf die schlimmsten Auswuechse uebler Verbrecher und Systemmitlaeufer hinzudeuten. Wie sonst kann denn ein Korrektiv eines Tages wirksam werden, falls das ueberhaupt noch hoffentlich rechtzeitig geschehen kann?

    Doch was ist der Kern des Falschlaufens allen dessen, was Pohlmann hier so eindringlich beschreibt?
    Was muss parallel zu allem Aufdecken himmelschreiender Missstaende und mensclichem, persoenlichem Moraldefizit aller Akteure nicht vergessen werden, um die persoenlichen Gefahren und Muehen der Aufklaerung nicht ergebnislos im Nichts versanden zu lassen?
    Es ist die Gemeinwohloekonomie, die es wiederzugewinnen gilt versus der eingerissenen Profitoekonomie.
    Ich will es an dieser Stelle bei diesem statement belassen. Bei anderer Gelegenheit ist das wieder aufzugreifen.

  5. Aggressivster Imperialismus seit Menschengedenken.
    ….die USA sind zu einem autoritären Regime der Geschmacksrichtung „Faschismus“ geworden, mit einem pompöööösen Präsidenten, der die Phänomenologie des Größenwahns auf die Spitze treibt, ein Staat dessen Lebenselixier und Naturzustand der Krieg ist,…

    Link:
    „….But given that the US has rejected anti-space weapons treaties, it is barely constrained by international law.

    In late-2017, Space.com reported on a $26.3m Department of Defense contract with Lockheed Martin to build lasers for fighter jets under the Laser Advancements for Next-generation Compact Environments program. The report says that the lasers will be ready by 2021…“

    counterpunch.org/2019/03/20/countdown-to-full-spectrum-dominance/

    • Julian Assange has been prevented from seeing his lawyers for the 11 days that he has been in prison!

      twitter.com/Suzi3D/status/1120492660312113154

  6. Lieber Herr Pohlmann,
    Sie schreiben:

    „Kurz gesagt, die USA sind zu einem autoritären Regime der Geschmacksrichtung „Faschismus“ geworden, mit einem pompöööösen Präsidenten, der die Phänomenologie des Größenwahns auf die Spitze treibt, ein Staat dessen Lebenselixier und Naturzustand der Krieg ist, ein Staat, der die Konstruktion der dazu gehörigen komplexen Lügengebilde beherrscht wie kein zweiter, die er dann durch willfährige Medien zur Akklamation durch den Pöbel freigibt. Ein Staat, dessen Medienlandschaf mit Ausnahme seiner Alternativmedien mittlerweile wahlweise zum Lachen oder Heulen ist.“

    Das scheint mir doch eine wichtige Differenzierung zu unterschlagen. Das klingt so, als ob dieser „pompööööse“ Trump nun dabei sei, der „Geschmacksrichtung Faschismus“ in die ganze Richtung verlängernder Kontinuität die Krone oder das Sahnehäubchen aufzusetzen. Ich bin bei weitem kein Befürworter Trumps, schon gar nicht in seiner Israel- oder Lateinamerikapolitik (oder seiner Außenpolitik bisher überhaupt), aber haben Sie nicht übersehen, dass Trump seit Amtsantritt, also seit zwei Jahren unter dem ständigen Beschuß der Mainstream-Medien steht? Dass unter dem frei erfundenen Vorwand von „Russiagate“ von der New York Times, der Washington Post, von CNN, MSNBC und wie sie alle heißen in fein abgestimmter Zusammenarbeit mit dem umfangreichen FBI-Sonderermittlungsteam von Robert Mueller zigtausende von Artikeln, Kommentaren, Interviews und TV-Beiträgen Millionen, wenn nicht Milliarden, verschwendet wurden, die in dem Land, das sich schon – nicht nur an seinen Rändern – lange kaum noch von einem verelendeten Dritte-Welt-Land unterscheidet, besser hätten dienen können? Diese faschistischen Tendenzen, die im wesentlichen vom Deep State, der überwiegenden Mehrheit der Demokratischen Partei und einem geringeren Teil auch von den Republikanern ausgehen – und anders ist dieser zu nichts führende riesige Aufwand, einem gewählten Präsidenten mit frei erfundenen Vorwürfen nicht nur aus dem Amt zu werfen, sondern nach dem Leben zu trachten (denn hinter dem „Russian-Collusion“-Vorwurf steht gleich der Vorwurf von „Treason“, was in den USA mit dem Tode bestraft werden kann), nicht zu erklären. Glauben Sie wirklich, dass ein Präsident unter diesem permanenten Druck und in ständiger Defensive in der Lage sein kann, seine Politik durchzuführen? Ich für meinen Teil kann nur hoffen, dass Trump in der Lage sein wird, sein Versprechen „to drain the swamp“ einlösen kann. Die Chancen dafür stehen nach der Nullnummer „Russiagate“ nicht so schlecht. Wenn jemand dazu die Mittel nun in der Hand hat, dann ist es Trump. Sehr schlechte Aussichten für Hillary Clinton, Obama etc.
    Und die einzige Chance dafür, dass nicht nur die Demokratische Partei sich erneuert, sondern dass das korrupte Zweiparteiensystem in den USA („Our only political party has two right wings, one called Republican, the other Democratic“ – Gore Vidal) endlich aufgebrochen wird und echte Oppositionsparteien Zugang ins öffentliche Bewußtsein und die Parteienlandschaft gewinnen. Wenn Trump in diese Richtung vor hat vorzugehen, sollte er von uns unterstützt werden.

    Vielleicht sollte nicht unerwähnt bleiben, dass fast die gesamte geballte westliche Mainstream-Medien-Macht – von BBC, Guardian, Tagesschau, ZDF, ZEIT etc. in nur leicht abgeschwächter Form auf der Russiagate-Klaviatur mitgespielt hat. Und wir wissen über welche Brücken…

    • Was ist, wenn Trump sich immer im Klaren war, dass die Untersuchungen nichts gegen ihn aufbringen würden, er aber in der Lage war, Indizien gegen den deep state einzubringen?
      Dann würde die Verhaftung von J.A. nämlich Sinn ergeben, da man ihn als Zeuge der Anklage gegen den deep state benötigt: Von wem kamen die Podestamails (Seth Rich?) und wer hat diese Quelle eliminiert? Dafür ist Assange eine guter Zeuge, oder nicht?

      Und würde er dies in einem Verfahren beweisen können, wird er sicher einen guten Deal bekommen. So wie Anfang der 90er in Australien für seine Hacks? Nur was könnte seinerzeit Inhalt des Deals gewesen sein???

      J.A. ist sicherlich nicht der König oder die Dame im Spiel, aber auch kein kleiner Bauer. Anzunehmen, dass er nie etwas mit Diensten zu tun hatte ist unglaublich naiv.

    • Hallo D1,
      diese Ihre Theorie halte ich nicht für völlig abwegig. Voraussetzung ist allerdings, dass garantiert werden kann, dass J.A. Großbritannien lebend und im Zustand geistiger Zurechenbarkeit verlassen kann. Ob es stimmt oder nicht, dass er im Auftrag der Rothschild-Bank eine Schweizer Bank (der Konkurrenz wegen) erfolgreich gehackt haben und in einem Prozess vor Gericht von Rothschilds Anwälten vertreten worden sein soll, weiß ich nicht. Das Gerücht existiert jedenfalls.

    • Trump erzählte im Wahlkampf, dass Hillary Clinton eingesperrt werden sollte. Die Clintons haben nachweislich aus ihrer Clinton-Foundation rund 90 Millionen Dollar für sich privat abgezweigt. Das belegt u.a. der veröffentlichte Emailverkehr von Hillary Clinton bei Wikileaks mit J.A., den Trump immer wieder angesprochen hat. Hillary war hier nämlich die treibende Kraft und für Vorträge in Saudi Arabien erhielt sie rund 500.000 Dollar Honorar, mehr als ihr Ehemann je für einen Vortrag erhielt.

      Aber wer klagt in den USA einen EX-Präsidenten und seine Ehefrau an ? Niemand.

      Alt-Kanzler Helmut Kohl hatte bis zu seinem Tod über die illegalen CDU-Spenden geschwiegen und wurde auch nicht weiter belangt.

    • Gehen wir davon aus, der Fall ist so wie er uns dargestellt wird (und da bin ich schon skeptisch, denn warum sollte ich das einfach glauben?), dann müssen wir uns zunächstfragen, wie das US-System in Fragen der Auslieferung funktioniert?

      Kann das Justitzsystem ohne den Potus agieren? Und hätte Trump überhaupt ein Veto-Recht dagegen? Könnte er alleine handeln?

      Also:

      Wer hat diese Verhaftung veranlasst und wer hatte Kenntnis und hatte Trump denn zwingend Kenntnis zu haben oder hat man sie ihm verwehrt? Gibt es Indizien für einen Alleingang am Potus vorbei?

      Wenn ja, dann ist J.A. erst einmal nicht der Gefangene von Trump. Oder?

      Wenn es doch Trumps Aktion ist oder er diese gebilligt hat, dann ist die Frage, ob er ihn schlicht einbuchten will oder ihn als Kronzeugen sogar braucht und ihn u.U. mit der Aktion sogar schützt vor einem Zugriff? Vielleicht war ihm die Clinton-Mafia schon aufden Fersen? Gab es nicht längst Gerüchte, dass er gar nicht mehr in der Botschaft weilt?
      (J.A. war schon in London doch sehr prominent „geparkt“, man schien zuzulassen, dass er im Blick der Öffentlichkeit bleibt, aber das ist nur eine Nebengeschichte, die muss man hier nichr eröffnen.)

      Ich seh enoch lange nicht durch und weigere mich bocksbeinig mit den Wölfen zu heulen, auch wenn die aus dem Spektrum der „Alternativen“ kommen.

    • Ja.
      Es stinkt toedlich im wahrsten Sinne. Ebenso bei Merz, bei Gabriel, Fischer, Schroeder und wie alle diese elenden Parteipolitfuzzies noch sonst so heissen moegen. Aber bei allen Gestank im Enddarm kann es aber immer noch vorkommen, dass Fauliges wenigstens hinterm Schliessmuskel verbleibt. War zumindest bei Brandt und Helmut Schmidt so. Die Jetzigen sind unfaehig, Ihre Muskeln alle zu kontrollieren. Und muessen daher weg aus den Funktionen.

  7. Genau so ist es, Herr Pohlmann! Es handelt sich ja um den aggressivsten Imperialismus, der sich herausgebildet hat, seit wir zurueckdenken können. Doch auch dort gibt es widerstrebende Fraktionen der herrschenden Klasse, die die Geschichte zu ihrem Gunsten verbiegen will. Wir können das m.M.n. deutlich an der Politik von Trump erkennnen, dass er mitunter zurueckgepfiffen wird, wenn er sich nach Meinung seiner Gegner zu weit rausgehängt hat.
    Und dazu gehört auch, dass man sich Feigenblätter umhängt, um zu scheinen, dass es noch soetwas wie Demokratie gibt. Und das machte man mit Assange.
    Der Klassengegner hat leider nur zu gut gelernt. Er besitzt ja heute eben die Deutung aller relevanten Nachrichten und kann selbst die Verzichtsideologen auf seine Fährte locken (siehe Thunberg und andere). Aber was solls, auch das römische Imperium ist zerbrochen. Was wir machen können, ist lediglich in Gesprächen Menschen aufzuklären, die dem Mainstream noch aufsitzen.
    Auch hier zeigt sich, dass es Veränderungen gibt. War es bis vor wenigen Jahrzehnten noch so, dass die Kirche (hautsächlich die katholische) die Meinung bestimmte, so ist sie heute so gut wie aus dem Rennen, heute ist es wohl die Glotze, die Zugang zu den Gehirnwindungen findet.

  8. Danke für diesen Beitrag Herr Pohlmann.

    Das System, hat dazu gelernt.

    Geschichten wie Watergate (Clinton Emails) werden jetzt einfach zu einer ausländischen Einflussnahme/Wahlbeeinflussung umgeschrieben. Möglich wird diese kollektive Gehirnwäsche durch eine vorgeblich freie Presse, die aber, wenn man sich die Eigentümerstruktur einmal genauer anschaut, von wenigen Familien oder Konzernen beherrscht wird.

    Die Öffentlich-Rechtlichen Medieanstalten – die letzte Bastion der ausgewogenen Berichterstattung – wurde bereits von diesem korrupten System durchsetzt, mit 1.) politisch überzeugten, handverlesenen Personen und 2.) systemkonformen Feiglingen und Speichelleckern an einscheidenden Stellen. Die normalen Redakteure und Freiberufler kennen die roten Linien und riskieren nicht ihre berufliche Stellung. Die pseudo Kontrollgremien wurden von Altpolitikern gekapert. Jegliche nochso berechtigte Kritik an der teils einseitigen und unvollständigen Berichtserstattung, wird von diesen Kontollorganen hinweggefegt. Also selbst die Kontrolle der (Demokratie)Kontrolle ist durchsetzt von diesen Leuten. Wie konnte es soweit kommen?

    Das ist alles sehr erschreckend und macht mir Angst.

  9. Mich beschleicht eher die Ahnung, dass das System mittlerweile so dazu gelernt hat, dass es uns auch noch die Quertreiber liefert, die dann als kontrollierte Opposition an und abgeschaltet werden kann.
    Alles, was in so groß rauskommt als Opposition, Gegenbewegung etc. ist für mich schon verdächtig.
    Warum sollen denn die Systemmedien solche Figuren, Skandale, neue Parteien etc. hochschreiben?
    Sind die denn urplötzlich doch auf der Seite der Wahrheit?

    Wenn jemand wirklich eine Gefahr ist, wird er totgeschwiegen und nicht öffentlichkeitswirksam in LONDON auf einem Balkon zur Schau gestellt. Das wirkt doch arg inszeniert und hat im Resultat mehr Wahrnehmung und Sympathie erzeugt und damit kanalisiert als dem System doch recht gewesen sein konnte.

    Solche Plots sind geradezu wie gemacht für Hollywood und ich kann da nicht mitmachen beim Marsch der Empörung.

    • „Alles, was in so groß rauskommt als Opposition, Gegenbewegung etc. ist für mich schon verdächtig.“

      Ja so ähnliche Wege gehen meine Gedanken auch.

      Mir drängt sich bei sowas immer dieselbe Vision auf:
      Am Ende sitzt Obama, mit Bin Laden, Kim, Assange, Franziskus und MBS auf ner netten Insel am Pool des 7*Hotels, rasiert und in Armani Anzügen, beim Dom Perignon und bepissen sich vor Lachen über die völlig gehirngewaschene, domestizierte Menschheit.

    • Ich kann mich gar nicht auf Namen festlegen, bei so manchem hat man sich schon vertan und ich würde mir wünschen, J.A. ist ein Lamm und ist im Namen der Wahrheit unterwegs. Doch schon seine milde, fast lächerliche Strafe in Australien Anfang der 90er müssten Fragen aufwerfen. Gab es einen Deal?

      Steht A. für eine gute Sache?

      Mir fehlt der Glaube.

      Und Beweise habe ich keine.

      Der Ex-Kollege von Assage (Daniel Domscheit-Berg) ist auch so eine Type, bei der man leicht an eine System-Kreatur denken könnte. Er war beteiligt an der Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union…

      OK, Assange hat harte Jahre hinter sich. So sagt man wenigstens.

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