Tagesdosis 23.8.2018 – Die Bildungsmisere, eine gesamtgesellschaftliche Offenbarung

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Montag dieser Woche startete in entsprechenden Bundesländern wieder die Schule. Ein sich schon länger abzeichnender Prozess nähert sich dem Volldesaster. Deutschland leistet sich viel, möchte aber partout weiterhin nicht in die Bildung investieren. Man trocknet die bildungspolitische Zukunft mutwillig aus. Es naht der Bildungsnotstand in einem sehr reichen Land. Traurig und erbärmlich zugleich.

Man fragt sich, ob dieses Drama die amtierende Bundesbildungsministerin beschäftigt. Politiker teilen sich ja neuerdings sehr gern per Twitter mit. Was schreibt denn so Ministerin Anja Karliczek von der CDU zu der Tatsache eines sich anbahnenden Schulkollaps? Zum Thema Bildungsmisere findet man erstmal nichts, ausser die berüchtigten Zukunftspläne. Am 1. August wurde jubilierend getwittert: „Das Bundeskabinett hat heute den Weg frei gemacht für die Finanzierung des Digital Pakts Schule. Damit ist klar: Ab 2019 kann die Digitalisierung der Schulen in Deutschland in großen Schritten vorankommen. Dazu wird ein Fonds ‚Digitale Infrastruktur‘ eingerichtet, der als Grundfinanzierung mit 2,4 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt ausgestattet wird.“ (1) Es sticht heraus: frei machen, einrichten, ausstatten, vorankommen = Phrasensprache, anstatt handeln und direkte Umsetzung.

Die Zeitung Die Zeit informierte am 20. August: Bildungsnotstand: Lehrerverband sieht größten Pädagogenmangel seit Jahrzehnten. Man müsse schon von einem Bildungsnotstand sprechen. Besonders an Grund- und Förderschulen fehlt laut Lehrerverband Personal, vor allem in Berlin und Sachsen. Später im Text: An Deutschlands Schulen fehlen nach Darstellung des Deutschen Lehrerverbands fast 40.000 Pädagogen…Derzeit sind rund 10.000 Lehrerstellen nicht besetzt. Dazu kommen etwa 30.000 Stellen, die notdürftig mit Nicht-Lehrern, Seiteneinsteigern, Pensionären und Studenten besetzt werden.(2)

Aktuell notwendige Reaktionen & Maßnahmen der Politik auf Länderebene? Berufseinsteiger erhalten größtenteils befristete Verträge(3). In Berlin sind weit über 50% der Neueinstellungen, sogenannte Quereinsteiger(4).

Wo liegen die Wurzeln dieser Problematik? Schauen wir zehn Jahre zurück. Es findet sich der unter Politikern sehr beliebte „Wir müssen“- Satz. Damals lautete er: „Wir müssen die Bildungsrepublik Deutschland werden“. Tja, hat nicht so ganz geklappt. Ausgesprochen hatte ihn  Bundeskanzlerin Angela Merkel. Was hatte sie denn noch so für ehrgeizige Ziele zum Wohle der Bürger: „Wohlstand für alle heißt heute und morgen: Bildung für alle“, sagte die Kanzlerin unmittelbar vor Vorlage des zweiten nationalen Bildungsberichts. Das klingt ambitioniert, aber wie sah dann die Realität bereits 2008 aus?: Während Mitte der 90er Jahre noch 6,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Bildung geflossen seien, habe der Staat 2006 nur noch 6,2 Prozent dafür ausgegeben…Die Qualifikation der Schulabgänger sei erschreckend gering. Dann ein aufschlussreicher Hinweis: Auch Migrantenkinder werden dem Bericht zufolge nicht ausreichend gefördert, obgleich das Problem seit Jahren bekannt sei. Abschließend: Ein „ernsthaftes Problem“ stelle zudem der ungedeckte Bedarf an Erziehern und Lehrern dar.(5)

Es lässt sich resümieren, die Regierung, die verantwortliche Politik, hat schon die damaligen Alarmglocken wie üblich ausläuten lassen und entsprechende gesetzliche Maßnahmen schlicht unterlassen. Fahrlässig unterlassen. Inzwischen haben die Investitionen in bundesrepublikanische Grundschulen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukts einen Tiefstand erreicht(6). Unfassbar bei bekannten Ausgaben, z.B. für das Militär.

Die Rechnung zahlt wieder mal die Bevölkerung, trotz immenser Steuerabgaben. Eltern, Lehrer, Pädagogen und vor allem die Kinder. Schüler & Auszubildende. Die verfahrene Situation hat sich durch bekannte Ereignisse seit dem Jahre 2015 nochmals dynamisiert. Nein, dramatisiert.

Solvente Bürger finanzieren die Zukunft ihrer Sprösslinge aus der Portokasse. Privatschulen boomen, für die, die es sich leisten können. Wie verhält sich das „Normalvolk“, der mehrheitliche Rest der Betroffenen? Man kann nicht behaupten, die Medien würden die Tatsachen unterschlagen. Es werden jedoch weiterhin verantwortliche Parteien jedweder Couleur gewählt. Wie nennt man so was? Erfahrungsresistenz? Pragmatische Sippenhaft? Gesamtgesellschaftliche Bequemlichkeit? Desasterlethargie?

Der letzte größere Lehrerstreik erfolgte 2017(7). Er scheint die Politik nicht wirklich beeindruckt zu haben. Von der Politik ist initiativ nichts zu erwarten. Daher: der Druck auf die Politik kann nur über die Bürger, die Betroffenen selbst erfolgen. Eine Verbesserung der Gesamtsituation kann nur durch Beharrlichkeit erreicht werden. Ein Beispiel zeigt der verlinkte Artikel: Lichtenberg Zu viele Schüler, zu wenig Schulen – Eltern gehen auf die Barrikaden(8). Barrikaden, das klingt schon mal gut.

Quellen:

(1) https://twitter.com/anjakarliczek?lang=de
(2) https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2018-08/bildungsnotstand-lehrermangel-schulen-deutscher-lehrerverband
(3) https://www.zeit.de/arbeit/2018-08/lehrerinnen-vertretungslehrer-befristung-vertraege-belastung
(4) https://www.berliner-zeitung.de/berlin/lehrermangel-berlin-streicht-schulstunden-30603560
(5) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/nationaler-bildungsbericht-merkel-ruft-bildungsrepublik-aus-1545858.html
(6) https://www.deutschlandinzahlen.de/no_cache/tab/deutschland/bildung/bildungsausgaben/oeffentliche-bildungsausgaben-in-prozent-des-bip?tx_diztables_pi1%5BsortBy%5D=col_2&tx_diztables_pi1%5BsortDirection%5D=asc&tx_diztables_pi1%5Bstart%5D=0
(7) http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/lehrer-streik-in-mehreren-bundeslaendern-a-1132676.html
(8) https://www.berliner-zeitung.de/berlin/lichtenberg-zu-viele-schueler–zu-wenig-schulen—eltern-gehen-auf-die-barrikaden-30707228

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24 Kommentare zu: “Tagesdosis 23.8.2018 – Die Bildungsmisere, eine gesamtgesellschaftliche Offenbarung

  1. Danke Herr Loyen!
    Versucht es mal mit Bertram Stern und anderen Gebildeten, um zu verstehen, dass es Sytem ist, uns hier schon in der Hasenschule zu spalten und auf die Rampe zur Selektion zu schicken! Elite hier, Dummkopf da und der Rest, den bekommt die Agentur für Arbeit! Warum? Damit der Kommerz stimmt und das Kastenwesen bestehen kann! Nautik für die Dummen, damit sie besser ins Maul der trägen Haie finden…war um 1920 in der 3-Groschen-Oper Thema! Dieses Schulsystem – nicht das der DDR wohlgemerkt – bereitet Rollen für die künftigen Laiendarsteller vor! Allein der staatliche Schulzwang ist ein Verstoss gegen Menschenrechte, da es ein Recht auf Bildung gibt, aber nicht auf Desinformation und Indoktrienierung!
    Erst wenn man Kinder durch diese Knochenmühle des Unbildungssystemes begleiten durfte, erfährt man, was es heisst, Teil von etwas zu sein, was erziehen will aber keine Freigeister zulässt! Versiffte Schulen und unterbezahlte, sowie verhöhnte Lehrer mit dem gesellschaftlichen Status einer Ratte sind gewollt und keine Mangelerscheinung! Ebenso die in Leereinrichtungen der staatlichen Stellen involvierte Kriminalität und das Mobbing als Einführung in das Berufsleben eines Steuerzahlers und Sklaven des Geldes und Banken auf Lebenszeit! Gute Nacht liebe Mitbürger und Hinzugezogenen!

  2. Danke an Bernhard Loyen für das Schreiben dieses Artikels und an das KenFM-Team für die Veröffentlichung desselben.

    Es ist alles noch viel schlimmer als es der gute Artikel von Bernhard Loyen beschreibt.

    Nicht nur in Berlin ist die Situation dramatisch, auch im Land, in dem man kein Hochdeutsch spricht: Die Stuttgarter Zeitung, das Zentralorgan für die Veröffentlichung guter Nachrichten zu Stuttgart 21, sorgt sich um den Nachwuchs für „deutsche“ Konzerne (Siemens ist z.B. kein wirklich deutscher Konzern mehr – Stichwort Aktionärsstruktur):

    Schulwechsler in Stuttgart – Hilferuf der Schulleiter erschüttert Stadträte
    Von Inge Jacobs 07. Februar 2018

    Fünftklässler, die überfordert und verzweifelt sind und ihre Klassenarbeiten zerreißen – und Lehrer, die gesundheitlich an der Grenze sind: Diese Situation schilderte Holger zur Hausen, geschäftsführender Leiter der Stuttgarter Gymnasien, im Schulbeirat – und löste damit Erschütterung bei Stadträten und der Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) aus. (…) Der Ausgangspunkt: 328 Gymnasiasten haben zu diesem Schuljahr das Gymnasium verlassen, weil sie dort nicht mitkamen, und wechselten vor allem auf die Realschulen. (…) Zur Hausen verdeutlichte dem Gremium die Problemlage. Seit jeder, der will, aufs Gymnasium darf, sei das Niveau in Klasse fünf und sechs gesunken, weil die Lehrer vor allem damit beschäftigt seien, Sozialverhalten zu vermitteln.

    https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.schulwechsler-in-stuttgart-hilferuf-der-schulleiter-erschuettert-stadtraete.02ab339f-a1b3-43b7-ab04-dd734baddd9f.html

    Mehr Infos zur Stuttgarter Zeitung:

    Die Stuttgarter Zeitung beziehungsweise ihr Verlag, die Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, gehört zu 100 Prozent der Mediengruppe Süd GmbH (MSG), die wiederum zu 82 Prozent der Südwestdeutschen Medien Holding (SWMH), der Obergesellschaft der Zeitungsgruppe Stuttgart, sowie zu 18 Prozent der Schwarzwälder Bote GmbH & Co. KG gehört.(…) Die Mediengruppe Süd ist über die Württemberger Zeitung GmbH unter anderem mit 80 Prozent an den Stuttgarter Nachrichten beteiligt. 2002 beteiligte die SWMH sich mit 18,75 Prozent am Süddeutschen Verlag, München (Süddeutsche Zeitung). Zum 29. Februar 2008 verkauften vier Gesellschafterfamilien ihre Anteile am Verlag der Süddeutschen Zeitung an die Südwestdeutsche Medien Holding, die damit ihren Anteil auf 81,25 Prozent aufstockte.

    Quelle: Wikipedia

    Verhaltensauffällige Kinder in Stuttgart – Ein Lernort für verzweifelte Seelen
    Von Viola Volland 09. Februar 201
    Wenn stark verhaltensauffällige Kinder die Regelschule verlassen müssen, kommen sie zum Beispiel zur Albert-Schweitzer-Schule. Wie unterrichtet man Jungen und Mädchen, bei denen man immer damit rechnen muss, dass vor Wut mit dem Stuhl geschmissen wird oder plötzlich Tränen fließen? (…) „Die Not ist groß. Wir haben viele dringende Anfragen – auch, ob nicht Wechsel mitten im Schuljahr möglich seien“, berichtet er. Doch alle Plätze seien belegt, sie hätten Wartelisten. Oft würden ihm tragische Geschichten erzählt, zum Teil von Erst- oder Zweitklässlern, die nicht mehr unterrichtet würden, berichtet er.

    https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.verhaltensauffaellige-kinder-in-stuttgart-ein-lernort-fuer-verzweifelte-seelen.575fbb94-8e06-4be3-8dcb-d137d0cbcbb6.html

    Man könnte die Artikel auch mit „Der Kapitalismus erreicht langsam seine Sollbruchstelle“ oder „Der Kapitalismus frisst seine Kinder“ betiteln.
    Die „Wirtschaft“ benötigt großen Nachschub an jungen, gesunden Menschen, von egal woher, nicht nur wegen der demographischen Situation, sondern auch wegen Bologna „Reform“, Turbo-Gymnasium G8, ADHS, Magersucht, Bulimie, Selbstverletzungen, Drogensucht, Tablettensucht, PC- und Fernsehschau degenierte Kinder oder solche mit sonstigen Verhaltensauffäligkeiten etc. Die „schönen“ Seiten des Kapitalismus wiegen immer weniger die „unschönen“ Seiten auf bzw. der Kapitalismus wird mehr und mehr zu teuer auch für die Bundesrepublik. Aber vielleicht ist das auch in Zukunft Dank Robotern, Automaten, Computern und Algorithmen egal?

    Hitze in Großstädten, jeden Tag mehr und längere Staus im Großraum Stuttgart Dank der Großbaustelle „Stuttgart 21“ und Flughafen- bzw. Messeerweiterung, sowie Autobahnausbau rund um Stuttgart, Dauerbaustelle Engelbergtunnel (Anhydrit!!!) etc. etc. Dies alles führt nicht zu mehr gemeinsamer Zeit von Eltern und Kindern. Ähnlich sieht es in und um München aus. Schöne neue Welt!

  3. Hallo! Es ist keine Misere…die Drei-Groschen-Oper wußte schon damals, dass die kleinen Fische Nautik gelehrt bekamen allein, um in die Mäuler der Haie finden zu können! Es muss Kasten geben, um die Macht bei den Herrschenden zu belassen. Das ist ein Sytem, Herr Loyen! Danke für den Beitrag, doch er ist obsolet, da der Zweck offensichtlich ist. Unser Schulsystem samt der Schulpflicht zur Selektionsrampe ist widerlich, menschenverachtend, selektiv und vor allem Elitedenken! So werden Zahnrädchen, Späne und Öle erzeugt! Es ist kein Versagen, es ist das System. Dumm frisst viel und Schlau bildet sich ein, der Preis einer Sache bestimmt den Wert! Aber alles konsumiert – adé Verstand, liebe Sklaven!

  4. Thilo Sarrazin, ‚Deutschland schafft sich ab, Wie wir unser Land aufs Spiel setzen‘, München 2010
    Was Sarrazin beschreibt ist übrigens eine Krankheit des ganzen Westen
    Christopher Lasch, ‚The Culture of Narcissism, American Life in an Age of Diminishing Expectations‘, 1979, 1980, London
    beschreibt einerseits das, um ein Jeder College mit guten Abschluss folgen zu lassen, Unsinn wie ‚gender studies‘ erfunden wurde, anderseits das zur Zeit von Watergate Wahrheit nicht mehr wichtig wurde.
    Ob durch schlecht USA Unterricht die Russische militäre Technologie, wie behauptet, nun viel besser ist als die USA Technologie, ich frage mich.
    Das politische Problem, wie Sarrazin schreibt, ist das gutes Unterricht die soziale Unterschiede vergrössert, und das ist ‚politisch nicht korrekt‘.
    Dabei, Unterricht lernt zu denken, ob die Politiker das noch wollen ?
    Vielleicht besser Propaganda, lernen was zu denken.
    Das damit die Europäische Kultur vernichtet wird, es scheint nicht wichtig zu sein.
    Ich frage mich wie die Welt heute wäre ohne Wissenschaft und Technik von Menschen in Europa während die letzte 400 Jahre.
    Noch immer glauben das die Sonne um die Erde dreht, usw ?

  5. Die Bildungsmisere wurde seit xx Jahren mehrfach voraus gesagt. Große Worte und viele Konzepte wurden vorgestellt, immer hieß es, es wäre ein Durchbruch.

    Nichts dergleichen. Warum? Der Mensch wurde vergessen, obwohl sich alle Theorien sich auf ihn beziehen. Am Ende waren es nur Phrasen. Der menschliche Bezug galt nur der Mehrheitsbeschaffung für wirklichkeitsferne Theorien, aber ein echtes Herzinteresse für den heranwachsenden Menschen war selten zu finden.

    Woher auch, wir „Aus“gebildeten sind abhängig Beschäftigte, Arbeitnehmer, Steuerzahler, Schuldner, Nörgler, Verbraucher, Konsumenten, Kostenfaktoren u.s.w. (ein Unwort jagt das nächste Unwort) … und unsere (mit Finanzschuld beladenen) Kinder sollen das richten, für uns sorgen und alles besser machen, aber dürfen keine freien Menschen werden und letztendlich wünscht man sich nur pflegeleichte und kapitalverfügbare Schüler.

    Genau das wird als Realität und Wirklichkeit dagestellt. „Das seien die Bedingungen unserer Gesellschaft und das darf man den Kindern nicht nehmen. Wir dürfen keine illusionäre Welt den Schhülern bieten, sondern müssen sie an das harte Leben vorbereiten. Wenn nicht jetzt, wann dann?“

    Sätze, die mir die Magensäfte nach oben drücken. „Laut Schreien und kaputt machen was kaputt macht“ wäre eine natürliche Wahrnehmung, aber wir erkennen unsere Wut nicht, lassen sie im stillen gären und wundern uns wenn sie ungehemmt ausbricht. Naja, die Schuldfrage wäre in diesem Fall gelöst und wir können weiter machen wie bisher und unsere Hände in Unschuld baden.

    Nur das Neue das noch nie dagewesene, diktiert aus den Etagen der Finanzsüchtigen, soll unsere Hoffnungen nähren. Digitalisierung und Privatisierung sind die Sclüsselwörter für eine schöne neue Welt ohne nennenswerten Problemen. Es graust mich vor soviel MENSCHENUNVERSTAND.

  6. Drei Hinweise, zum Angriff auf die Köpfe der Jüngsten der Gesellschaft:

    PACIFIC RIM 2: UPRISING und das neue Apple-Event – Kritik & Analyse

    Filmanalyse
    Am 03.04.2018 veröffentlicht
    Wie sehen die Propagandafilme der Gegenwart aus? Nun, so wie „Pacific Rim 2: Uprising“ und so wie das Video zum neuesten Apple-Event, mit dem der Konzern die Schulen mit Hardware und Software erobern und in die Köpfe der Schüler und Lehrer eindringen will. In beiden Propagandafilmen geht es darum, die Herrschaft über Kinder und Jugendliche zu erlangen. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt jun. im Video!
    https://www.youtube.com/watch?v=T2iaDBwG6is

    FACK JU GÖHTE 3 – FINAL FACK – Kritik & Analyse

    Filmanalyse
    Am 28.10.2017 veröffentlicht
    Das Abitur ist das lang ersehnte Ziel der Schüler des Goethe-Gymnasiums, doch was kommt danach? Sicher ist, sie wollen nicht die Berufe ausüben, die die Gesellschaft für sie vorsieht. „Fack ju Göhte 3 – Final Fack“ setzt nun aber alles daran, die rebellischen Schüler zu angepassten Mitgliedern der Gesellschaft zu machen. Es ist ein reaktionärer und zynischer Film. Mehr dazu Wolfgang M. Schmitt jun. im Video.

    Literatur:
    Michel Foucault: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Suhrkamp.
    https://www.youtube.com/watch?v=BYgePpvB400

    Disneys Propaganda für Kinder: CHRISTOPHER ROBIN – Kritik & Analyse

    Filmanalyse
    Am 19.08.2018 veröffentlicht
    Was hat Disney bloß Pu angetan? Das fragt man sich angesichts des Films „Christopher Robin“ von Marc Forster mit Ewan McGregor in der Titelrolle. Der Klassiker der Kinderliteratur wird mit diesem Film ideologisch vereinnahmt. Es ist geradezu widerwärtig, was hier geschieht: Disney trichtert seinen jungen Zuschauern die marktliberale Ideologie ein – „Christopher Robin“ ist ein reiner Propagandafilm, der die eigentlich für Propagandazwecke ungeeignete Vorlage mißbraucht. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt jun. im Video!

    Literatur:
    A. A. Milne: Pu der Bär. Gesamtausgabe. Übersetzt von Harry Rowohlt, Dressler.
    Luc Boltanski und Ève Chiapello: Der neue Geist der Kapitalismus. Herbert von Harlem Verlag.
    https://www.youtube.com/watch?v=aeU_WzF6-ms

  7. Interessanterweise habe ich gestern beim Besuch des Schulrats von einer auch wartenden Mutter die Information erhalten, dass es anscheinend Kooperationen zwischen einigen Schulen und Eltern gibt, die ihre Kinder zu Hause unterrichten und das Kind ab und zu zur Überprüfung in die Schule geht. Das wäre doch ein Lösungsansatz. Legal ist das nicht, aber anscheinend suchen auch andere – sowohl Eltern als auch Schulen – nach Lösungen. Der Schulrat hatte auch ein paar Vorschläge anzubieten, u.a. den Wechsel auf die 6. Schule für meinen Sohn und auch eine Schuldzuweisung für mich. Eltern sind ja immer an allem schuld. Eine Diskussion über das unzureichende Bildungssystem, die verfehlte Bildungspolitik und die Überlastung war ihm zu viel, denn ich würde damit die Interessen meines Kindes aus dem Blick verlieren – so seine Ansage. Wenn alle Stricke reißen, suche ich mir halt ein anderes Land, Deutschland ist neben Schweden das einzige Land der Welt mit Schulzwang und ohne Lösungsansatz für auftretende Probleme, Wünsche und Potentialentwicklung. Ich werde es herausfinden!

    • @Goldstaub18
      Es gibt in Deutschland auch gute Schulen. Dazu gibt es z.B. den Film „Treibhäuser der Zukunft“:

      Ganztagsschulen – Informationen zum Film
      „Treibhäuser der Zukunft – Wie in Deutschland Schulen gelingen“ ist ein Film von Reinhard Kahl, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde.

      Viel Beachtung erfuhr bereits Kahls Kurzversion von „Treibhäuser der Zukunft“. Dort lenkte der Journalist und Filmautor den Blick auf die PISA-Gewinner Finnland, Schweden und Kanada und entdeckte das Geheimnis gelungener Schulen: Erfolgreiches Lernen findet dann statt, wenn Schulen Lebensorte sind. Nach einem Jahr Vorarbeit hat Kahl nun zahlreiche Beispiele gelungener Ganztagsschulen in Deutschland recherchiert und in filmisch eingängiger Weise aufgearbeitet.

      https://www.ganztagsschulen.org/archiv/1841.php

      Man muss allerdings darauf hinweisen, dass der gleiche Filmautor Reinhard Kahl einen anderen Film über Kinderkrippen gemacht hat und darin wird gesagt, dass Kinderkrippen etwas Gutes seien. Da bin ich völlig anderer Ansicht. Kinder gehören meiner Meinung nach, und ich habe da persönliche, schlechte Erfahrungen in meinem Umfeld gemacht, bis mindestens zum 3. Geburtstag nicht in eine Kinderkrippe oder zu einer Tagesmutter. Da aber Alleinerziehende aber auch Paare immer häufiger trotz kleiner Kinder arbeiten müssen, um ihre Kinder gut versorgen zu können (Stichwort Aufstocker), werden viele Kinder dann notgedrungen jeden Morgen in Kinderbetreuungsanstalten abgeliefert und bekommen damit oft jede Menge seelische Schäden („die Eltern mögen einen nicht“) verabreicht.

      Wenn sich LehrerInnen zu sehr engagieren:

      Wie Kinder über sich selbst hinaus­wachsen
      Sabine Czerny / 19. April 2018

      Sabine Czerny ist seit über 20 Jahren Lehrerin und unter­richtet in einer Grund­schule im Groß­raum München eine zweite Klasse in allen Fächern. Zusätzlich gibt sie Fach­unter­richt in anderen Klassen, auch in der Mittel­schule.
      Vor gut einem Jahr­zehnt machte Sabine Czerny bundesweit Schlag­zeilen: Weil ihre Schüler­innen und Schüler zu viele gute Noten erzielten, wurde sie straf­versetzt.

      https://deutsches-schulportal.de/stimmen/sabine-czerny-wie-kinder-ueber-sich-selbst-hinauswachsen/

    • Hatte ich noch vergessen: Auch Ganztagesschulen sind Mist. Die sind so eine Art Vorstufe zum Internat, auch so eine Art Kinderablieferungsstation. Ich bin neben einem aufgewachsen und weiß wie die Internatler sauer auf Ihre Eltern wegen der Abschiebung waren. „Made in Germany“ war noch in den 70ern, ganz ohne oder nur ganz wenigen Ganztagesschulen und ohne Bachelor-Mist ein echtes Prädikatsmerkmal, obwohl damals auch schon einiges im Argen lag (z.B. Mengenlehre in der Grundschule).
      In Frankreich sind Ganztagesschulen seit Ewigkeiten Standard. Und? Wem gehören jetzt die französischen Automobilkonzerne trotz all der „Enarchen“ (École nationale d’administration, de.wikipedia.org/wiki/École_nationale_d’administration), der „Force de Frappe“ (https://www.atomwaffena-z.info/glossar/f/f-texte/artikel/3a58fd7e0f/force-de-frappe.html), Nizza, St. Tropez oder Cannes?
      Nichtsdestrotz können Schulen auch wirklich eine Bereicherung für Kinder sein, wenn alle(!), d.h. Lehrer, Eltern, Schüler und Gemeinde, an einem Strang ziehen.
      „Rasen betreten verboten!“ und autofreundliche Städte auch in Zukunft?

  8. In dem Artikel wird also festgestellt, dass das bestehende System nicht in der Lage ist, sich selbst zu erhalten. Das ist doch eine hochgradig positive Nachricht. Die bestehenden Schulen zementieren die bestehenden Verhältnisse. Wenn die bestehenden Schulen also wegbrechen, dann ist Platz für Neues.

    Und Eltern, die sich quer stellen, werden den Prozess des Wandels nur beschleunigen.

    Viele liebe Grüße

    • Wie sehe denn das Neue aus? Eine gut organisierte Allgemeinbildung habe ich immer für eine zivilisatorische Errungenschaft gehalten.

    • Ein Mann sucht nachts unterhalb einer Laterne den Gehweg ab.
      Ein Passant kommt vorbei und fragt ob er ihm helfen kann beim Suchen.
      „Ja gerne, ich suche meinen Hausschlüssel“.
      „Und sie haben den Schlüssel hier verloren?“
      „Nein – dort hinten im Park.“
      „Ja, aber warum suchen sie den Schlüssel hier?“
      „Hier habe ich wenigsten Licht und kann etwas sehen.“

      Ähnlich kommt es mir vor, bei der Suche nach Lösungen – das eigentliche Problem wird nicht erkannt.

  9. Vielen Dank für den tollen Kommentar von Bernhard Loyen. 2,4 Mrd. Euro werden in dieses Projekt investiert. Was hätte man dafür dringend benötigte Lehrkräfte aus Fleisch und Blut und Empathie einstellen können. Mit Katrin Suder, welche dem neu gegründeten Digitalrat vorsteht, hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Sie hatte zuvor schon 4 Jahre als Staatssekretärin im Angriffsministerium neoliberale Politik gemacht, schließlich war sie davor Unternehmensberaterin. Die Bundesregierung müsste sich dringend auf KenFM informieren. Dort würde sie erkennen, was die eigentlichen Fachleute wie Manfred Spitzer, Michael Hüther, Margret Rasfeld und Rüdiger Lenz von der Digitalisierung in Schulen halten. Herr lass Hirn regnen!!!

  10. Einen umfangreichen Anschauungsunterricht zu Bildungsmisere, und die umfaßt das gesamte Spektrum der Ausbildung von der Grundschule bis zum Universitätsabschluß, bis hin zur Vergabe von Doktorgraden, Professuren und Posten beim Bundesverfassungsgericht, kann man täglich bei Hadmut Danisch lesen.
    http://www.danisch.de/blog/
    Dazu gibt es Einblicke wie es so in anderen Staaten zugeht, zum Teil nicht besser als bei uns und wie mit Bestechungsgeldern Dissertationen sozusagen verabreicht werden und dies selbst in der scheinbar unverfänglichen Schweiz.
    Das alles zusammen genommen ist der Bildungsnotstand, letztlich eine Katastrophe biblischen Ausmaßes und es ist unmöglich anzunehmen daß diese Situation geändert werden könnte, denn die Opfer der bundesdeutschen Bildungsflucht sind schlichtweg überfordert künftig etwas daran zu ändern, denn sie stellen schon das Kernproblem dar.
    SPD, Grüne, Linke und allen voran die Physikerin befeuern dieses Problem, welches auf den Rücken der Schlafschafe ausgetragen wird. Sie reden dumm daher und werfen mit Sprechblasen und Schlagwörtern um sich, bar jeglichen Wissens.
    Aber dafür haben wir jetzt eine Digitalbeauftragte und bekommen eine Expertenrunde.

    • “ bis zum Universitätsabschluß, “
      Universitätsabschluss, bei uns heute nicht viel mehr als Gymnasium Abitur 1960.
      Ich machte 1960 Abitur, vor etwa zehn Jahre machte unser jüngstes Kind Uni Abschluss, das geht in Gruppen, meine Frau und ich waren empört was heute eine Uni Abschluss noch ist.
      Übrigens, unsere jüngste Töchter ist IT Beraterin mit viel Erfolg.

  11. Ich bin Lehrerin und mit dem letzten Schuljahr aus dem Schuldienst – Brandenburg – ausgestiegen – aus reiner Verzweiflung! Kurz vorm Burnout in Anbetracht des inflexiblen und unkreativen Schulapparates. Die Schüler tragen ihren Anteil an der Verzweiflung, sind aber nicht schuld. Es fängt schon in der 1. Klasse an, in der lernbegierige Kinder demotiviert werden mit Anlauttabellen, bei denen schon seit 2001 bekannt ist, dass sie nicht funktionieren, sondern unsere Kinder zu Analphabeten ausbilden. Und Arbeitsgeften zum Ankreuzen, die den Lehrern die Arbeit erleichtern sollen, aber ein Schuss in den Ifen sind. Oder dem überwiegenden Frontalunterricht, von dem bekannt ist, dass nur 4% der Kinder damit erreicht werden können im Gegensatz zu kooperativen Lernformen mit 94% Lernerfolg. Macht aber viel Arbeit und verlangt ein Umdenken der Lehrer, die dazu weder Zeit noch Kraft haben. Die Inklusion ist dabei auch nicht hilfreich, wenn von 24 Schülern einer Klasse 7 Förderbedarf Emotional-sozial und 5 Förderbedarf Lernen vorweisen. Die normal begabten und klugen Kinder fallen durchs Raster, weil so viel Zeit für die „Gestörten bzw. Eingeschränkten“ draufgeht – verzeihen Sie die Ausdrucksweise.
    Ich bin auch von anderer Seite Leidtragende: Mein hochbegabter Sohn passt in keine Schule. Ich habe ihn am 1. Schultag sofort wieder mit nach Hause genommen, da er die 5. Klassenlehrerin in 1 1/4 Schuljahren vorgesetzt bekam und außerdem die fest versprochene Teilung der Klasse nicht durchgeführt wurde. Er soll sich also jetzt weiter mit 28 Mitschülern im Unterricht herumquälen, von denen 3/4 kaum oder schlecht Deutsch sprechen, weder lesen noch rechnen, geschweige denn selbständig denken können und in der 6. Klasse noch nie ein Buch gelesen haben. Ich streike als Mutter und unterrichte mein Kind selbst. Im Schulgesetz Art. 1 – 4 werden die Aufgaben der Schule so definiert, dass jedes Kind das Recht auf eine Förderung entsprechend seinem Potential hat. Soll der Schulrat, den ich heute aufsuche, mir bitte einen Vorschlag machen, welcher mir garantiert, dass mein Kind zu seinem Recht kommt.
    Aber wenn alle immer so weitermachen wie bisher, wird sich nie was ändern. Die Eltern proben den Aufstand, ziehen ihn aber nicht durch und die Lehrer machen weiter wie bisher und warten auf die Rente.
    In Berlin fehlen in den nächsten 3 Jahren 18000 Lehrer, aber es gibt nicht mal genug Studienplätze um den Bedarf decken zu können. Ist ja toll, wenn Millionen Gelder für den Bau neuer Schulen bereitgestellt werden, blöd nur, wenn diese dann nur mit Leere gefüllt werden können.

    • Hallo Goldstaub18

      `Ich streike als Mutter und unterrichte mein Kind selbst.`
      schön! … was Dir als Lehrerin natürlich leichter fällt, als vielen anderen.

      Der richitge Weg in (die Selbst-)Verantwortung,
      denn wenn es für die #EIGENEnase wahrnehmbar ist,
      das eine (Schul-) #Pflicht wider dem EIGENEN #Gewissen steht,
      hat diese `Pflicht` nur Gültigkeit, wenn man es selbst (noch) will
      oder?

      Ich würde das Wort `streiken` noch durch ein freundliches `Nein Danke` ersetzen 🙂

      Alles Gute!

    • Hallo Goldstaub,
      mit welcher Regelung umgehen Sie die Gebäudeanwesenheitspflicht? Oder zahlen Sie die hohen Bußgelder und nehmen gegebenenfalls in Kauf, dass Ihnen das Sorgerecht entzogen wird?

    • Ja – die Lehrer werden durch den nicht zubewältigenden Arbeitsstress eine echte Gefahr für unsere Kinder. Die Schule muss das richten, was andere gerne auslagern und verdrängen, ähnlich wie bei allen anderen grundversorgenen Berufen. Überall geht die Luft aus. Arbeit und Lebensgenuss fallen auseinander.

    • “ Die normal begabten und klugen Kinder fallen durchs Raster, weil so viel Zeit für die „Gestörten bzw. Eingeschränkten“ draufgeht “
      Das ist, nach meinem Ansicht, was Sarrazin beschreibt, aber in die ganze Welt im Westen das Problem ist.

    • @Pieter Kamp

      Ich würde eine andere These aufstellen:
      „Scheuklappenträger“, „Vereinfacher“ und die „Hauweg-Privilegierten“ kommen am weitesten in der gesellschaftlichen Hierachie. Beispiele gibt es viele. Oder lebe ich im falschen Film?

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