Tagesdosis 23.9.2019 – Schweres Beben im US-Finanzsystem: Die FED muss eingreifen

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

In einem wichtigen Teilbereich des US-Finanzsystems ist es in der vergangenen Woche zu heftigen Turbulenzen gekommen. Zum ersten Mal seit 2008 musste die amerikanische Zentralbank Federal Reserve am sogenannten Repo-Markt eingreifen – und das an vier aufeinanderfolgenden Tagen in einem Umfang von insgesamt 278,2 Milliarden Dollar.

Der Repo-Markt ist ein Teil des US-Anleihenmarktes, auf dem sich US-Banken und Hedgefonds mit frischem Geld versorgen. Repo steht für Repurchase Operation, zu deutsch: Rückkaufgeschäft. Finanzinstitute, die für Transaktionen Geld brauchen, leihen es sich nicht einfach, sondern verkaufen über Nacht Wertpapiere, insbesondere US-Staatsanleihen, um diese am folgenden Tag wieder zurückzukaufen. 

Der US-Repo-Markt bewegt sich in einer Größenordnung von etwa 2,2 Billionen Dollar und hat seit den letzten Turbulenzen im Rahmen der Weltfinanzkrise weitgehend reibungslos funktioniert. Wer US-Staatsanleihen hielt und frisches Geld brauchte, konnte es sich durch einen befristeten Verkauf über Nacht besorgen. Umgekehrt konnten die Institute, die über genügend Geld (im Fachjargon „Liquidität“ genannt) verfügten, durch einen befristeten Aufkauf von Staatsanleihen Zinsen kassieren. 

In der vergangenen Woche ist dieser Handel abrupt und selbst für viele Insider überraschend ins Stocken geraten, weil die Nachfrage nach Staatsanleihen zu gering war.

Da das zu erheblichen Folgen im Anleihenhandel und bei der Kreditvergabe, vor allem im Interbankenhandel, geführt hätte, griff die FED ein und versorgte das System ab Dienstag mit „Liquidität“. Das heißt: Sie trat selbst als Käufer auf und sorgte so für eine Senkung der vorübergehend in die Höhe geschossenen Zinsen sowie einen weitgehend reibungslosen Ablauf der Transaktionen.

Weil die Probleme nach dem ersten Eingriff am Dienstag weiter bestanden, sah sich die FED gezwungen, den Handel auch an den drei folgenden Tagen mit jeweils 75 Milliarden Dollar zu stützen. 

Auffällig war die Reaktion der Mainstream-Medien: Während über die ersten beiden Eingriffe der FED noch recht ausführlich berichtet wurde, wurden der dritte und vierte nur noch am Rande erwähnt.

Außer den Medien versuchten auch die Großbanken, die Ereignisse herunterzuspielen. Sie verwiesen darauf, dass es sich um ein technisch bedingtes, kurzfristiges Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage handle, ausgelöst unter anderem durch eine Geldknappheit der Unternehmen wegen der am Montag fälligen vierteljährlichen Steuervorauszahlung und wegen kurz zuvor getätigter umfangreicher Staatsanleihenkäufe. 

Diese Version der Ereignisse aber zerplatzte spätestens am Freitag Nachmittag, als die FED ankündigte, sie werde bis zum 10. Oktober mit mindestens $ 75 Milliarden pro Tag in den Repo-Markt eingreifen und außerdem den notleidenden Banken (die namentlich nicht genannt werden) drei 14-tägige Repo-Operationen von jeweils mindestens 30 Milliarden US-Dollar anbieten.

Die Ausweitung der Eingriffe auf fast drei Wochen zeigt mehr als deutlich, dass es sich hier nicht um einen Bagatelleinsatz handelt, sondern dass die FED wegen einer drohenden Katastrophe zu einem Großeinsatz ausrücken muss.  

Zu den genauen Ursachen der Entwicklung lassen sich zur Zeit nur Vermutungen anstellen. 

Die mangelnde Nachfrage nach Staatsanleihen deutet jedenfalls auf einen Markt hin, auf dem die Alarmzeichen schon seit einiger Zeit blinken. Seit Jahresbeginn ist der Gesamtwert der globalen negativ verzinsten Staatsanleihen von $ 8,3 Billionen auf $ 17 Billionen gestiegen – eine Fieberkurve, die das weltweite Finanzsystem in seiner gesamten Geschichte noch nicht erlebt hat. 

Außerdem zeigt sich immer deutlicher, dass Investoren nach einer Fortsetzung der Politik des billigen Geldes lechzen und dass die in den letzten drei Jahren versuchte Rückkehr der Federal Reserve von ihrer ultralockeren zu einer normalen Geldpolitik gescheitert ist. 

Vor allem aber beweist die Tatsache, dass die Verantwortlichen der FED von den Ereignissen der vergangenen Woche überrascht wurden, dass der Repo-Markt inzwischen nicht mehr von ihnen kontrolliert wird, sondern eine Eigendynamik entwickelt hat, auf die sie nur noch mit Notmaßnahmen reagieren können.

Wie lange diese Notmaßnahmen noch verhindern werden, dass der Repo-Markt vollkommen aus den Fugen gerät, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Sollte der bis zum 10. Oktober projektierte Noteinsatz der FED misslingen, kann man davon ausgehen, dass wir in der vergangenen Woche genau das Beben erlebt haben, das die nächste große Welle im globalen Finanztsunami auslösen wird.

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Bildhinweis: Andriy Blokhin / Shutterstock

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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6 Kommentare zu: “Tagesdosis 23.9.2019 – Schweres Beben im US-Finanzsystem: Die FED muss eingreifen

  1. Das ist ein bischen so als wuerde man einen Tisch bestellen und der Restaurantbesitzer
    schliesst zum angegebenen Zeitpunkt die Tueren ab .
    Dann kommt schnell der Buergermeister mit belegten Broten vorbei um den Image-Verlust
    des Ortes zu begrenzen.

    Jetzt muesste man wissen warum sich die Konterbanken dem Kunden verschliessen?

    Ich gehe einfach mal davon aus ,dass die FED durch die Zinserhoehungen unerwartet viel Liquiditaet
    aus dem Markt abgeschoepft hatte.
    (Denn nur mit hoeheren Zinsen laesst sich der globalistische Rivale China noch in seiner Entwicklung bremsen)
    Dann hat man sich Seitens der FED kurzer Hand entschlossen das nationale hungrige System mit Infusionen zu fuettern.
    Ist schon merkwuerdig!
    Vielleicht auch ein deutliches Zeichen ,dass sich auf Dauer die Funktion der Weltleitwaehrung nicht mit
    der Funktion als nationalen Waehrung vertraegt.
    Stichwort:Triffin Paradoxon oder Triffin Dilemma

    • ZINSSENKUNG: FED IGNORIERT WEITERHIN DIE ZUNEHMENDE LIQUIDITÄTSKRISE
      https://www.konjunktion.info/2019/09/zinssenkung-fed-ignoriert-weiterhin-die-zunehmende-liquiditaetskrise/

    • Soll Ernst Wolf nun wirklich den Butterfly Effekt anhand von Trump und dem Repo-Mart aufblasen?
      Welche Energien moechten sich da verwirklichen?
      Liebe oder Angst?
      Wer liebt hat keine Angst und wer Angst hat liebt nicht.
      https://youtu.be/RIinWvteCJE

  2. Repos sind Zinsgeneratoren und können sehr wohl auch als Spekulationsinstrument missbraucht werden.
    Liquidität besteht in grundsätzlicher Zahlungsfähigkeit.
    Staatsanleihen sind verbürgtes, verbrieftes Geld und als Buchungsgeld gelistet.
    Wie, bitteschön, passt dann das Argument von Liquiditätsproblem, angeblich fehlender Liquidität zusammen, wo doch Buchungsgelder auch bei einem 'Externkauf' schlicht rüber kopiert werden können?
    Das Problem liegt doch realiter in der Tatsache, dass die Buchungsumsätze auf diesem Weg aus der Balance geraten sind, weil sich Teilnehmer sukzessive aus diesem Kreislauf zurückgezogenhaben bzw. weniger in Käufe auf diesem Weg investiert haben und deswegen eine Schieflage der Zinsforderungen entstehen konnte, DIE dann natürlich eine echte Gefahr zuerst für kleinere, schwächere Banken und letztlich dann auch für eine Reihe größerer Banken hätte werden können oder eben sogar wurde.
    Dass jetzt 1,5 Billionen von der Fed nachgeschossen werden ist kein Vertrauensbeweis in die Lage, sry.

  3. Dem Zentralbankenmonopol reicht das Geld nicht?
    Was tun? Lernen vom Erfolgsmodell!

    Also die Deutschen würden jetzt ihre Kinder freitags auf die Straße schicken, um bei der Regierung nach Steuererhöhungen zu betteln. Wegen CO2, das zieht bei uns ganz gut. Greta ist doch drüben, vielleicht kann die das Anschieben.

    Und sofort wird das Volk erhört werden, da bin ich sicher. Geht doch nichts über Demokratur.

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