Tagesdosis 24.1.2018 – „Wer sich uns in den Weg stellt, wird hinweggefegt“

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Mit der „Operation Olivenzweig“ will der türkische Präsident Erdogan in Syrien die Stadt Afrin von den Kämpfern der Kurden-Miliz YPG, den Volksverteidigungseinheiten, befreien, um dann, so wird vermutet, weiter östlich in die Stadt Manbidsch einzumarschieren. Dort will Erdogan dann sein Militär damit beauftragen, alles hinwegzufegen, was sich seinem Militär in den Weg zu stellen getraut.

Moment mal! Manbidsch? Da bildet doch das US-Militär seine Grenzschutztruppe aus, die, Erdogan, als Terrorarmee bezeichnet. WOW, Erdo, was du dir traust, das ist ja …, Selbstmord!?

Operation Ölzweig. Der Ölzweig, das ist der Zweig, den Noah im Schnabel einer Taube sah und begriff, dass nun das neue gelobte Land nicht mehr fern sein kann. Seit da an ist der Ölzweig ein Symbol für den Frieden. Auch in der arabischen und gesamtsemitischen Welt. Ein Affront also. Nun ja, Erdogan, der hat es nicht so mit dem Frieden. Und wer nun, was noch nicht wirklich geschehen ist, in die Versuchung gelangt, die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika, anzugreifen und ihnen Opfer abverlangt, der wird ganz sicher nicht mehr lange die Gelegenheit verspüren, in Hochstimmung zu sein, um dem Imperium den Stinkefinger zu zeigen.

Wer um Himmels willen die Macht dazu hat, es Erdogan auszureden, der solle das bitte tun. Denn aus so einem kleinen Gemetzel könnte sich ein sehr großer Flächenbrand entwickeln.

Heutzutage muss einer wie ich ja vorsichtig sein, wenn er gegen den türkischen Präsidenten Erdogan schreibt. Für die meisten Türken in Deutschland und der Türkei ist Erdogan ein Guter und sein Krieg ein guter Krieg. Ein Krieg, der die Potenz steigert und recht gibt. Egal wie oder wogegen er geführt wird. Er ist rechtens, weil sein Handeln rechtens ist, Basta. Tut mir leid, aber ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr mich jeglicher Nationalismus ankotzt. Er schließt immer die Anderen aus. Die Anderen sind dann Geschmeiß, Kakerlaken, Unmenschen, Gewürm. Menschen sind sie dann nicht mehr.

Krieg ist eine Krankheit, er ist nicht der Weg zum Besseren und schon gar nicht ein Weg zum Frieden. Der Krieg erschafft in einem Höchsttempo auch immer seinen eigenen Terror. Den Terrorismus erschafft er durch sein Morden. Mohammed, der Prophet, soll gesagt haben: „Wenn jemand einen Menschen tötet, ohne daß dieser einen Mord begangen hat oder ohne daß ein Unheil auf Erden geschehen ist, sei es so, als hätte er die ganze Menschheit getötet. Und, wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, sei es so, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten“ (Sure 5, Vers 32). Ich wäre für das Erhalten der ganzen Menschheit. Das gilt übrigens dann auch für die gesamten Nahtod-Streitkräfte, sprich der NATO-Streitkräfte, die sich ja bekanntlich am allerliebsten überall auf diesem Planeten um die Schürfrechte für den Finanzkapitalfaschismus aufs Allerherzlichste kümmern.

Erdogan spielt mit dem Feuer. Er fühlt sich selbst vielleicht als großer Führer der Turkvölker. Denn irgendwie scheint er sich omnipotent zu sehen. Sonst würde er sich nicht bewusst mit der USA anlegen. Spiegel-online schreibt dazu, Zitat Anfang: Präsident Erdogan inszeniert sich in dem Konflikt als entschlossener Kriegsherr. Seine Regierung betrachtet die YPG, die weite Teile Afrins kontrolliert, als den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die USA hingegen schätzen die YPG als Partner im Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Nach Ansicht von Experten dürften Pläne Washingtons, in Syrien eine Grenzschutztruppe unter Führung der YPG zu etablieren, Anlass für die Offensive der Türkei gewesen sein.
Erdogan schürt nun bewusst antiamerikanische Ressentiments. Er bezeichnet die Grenzschutztruppe als „Terrorarmee“ und droht offen damit, US-Soldaten anzugreifen. „Nehmt eure Flaggen runter von den Terrorbasen, sodass wir nicht gezwungen sind, es selbst zu tun und jene zu begraben, die auf der Seite der Terroristen sind“, sagte er. In der Türkei erfährt er dafür breite Zustimmung. Die „Operation Olivenzweig“ sei „Balsam“ für die türkische Seele, schreibt die Autorin Amberin Zaman in dem Portal „Al Monitor“. Sie zeige, dass sich die Türkei gegen ihre Feinde verteidigen könne – selbst gegen den Widerstand von Weltmächten wie den USA. Zitat Ende.

Ja, wir haben richtig gelesen. Erdogan droht den Soldaten der USA. Kleiner Tipp, um selbst weiterzudenken, was Erdogan da eigentlich für sich besiegelt hat, steht alles in dem Buch „ Das Schachbrett des Teufels, die CIA, Allen Dulles und der Aufstieg Amerikas heimlicher Regierung, von David Talbot“, das so jemand wie der türkische Präsident offensichtlich noch nicht gelesen hat.

Viele Türken hier in Deutschland und wohl noch mehr in der Türkei werden schier benommen sein von dem Treiben ihres Präsidenten. Leicht ist die türkische Seele mit derlei überprotzender Stärke zu beeindrucken. Doch kann dieser Schritt Erdogans auch sehr leicht nach hinten losgehen. Putins Rückenstärkung in anderen Angelegenheiten in Bezug auf die Türkei und Erdogans wird sicher nicht so stabil bleiben, wenn Trump gezwungen sein wird, Löcher in den weißen Halbmond zu schießen, damit sich dann das Rot der Fahne auf den Körpern türkischer Soldaten ergießt. Wird Erdogan zurückschießen? Die US-Stellung gänzlich zu Brei schießen? Wird Erdogan die Folgen tragen können? Und die Türkei? Bisher scheint Erdogan sich als ein Prometheus vor den Türken inszenieren zu können.

Für die Geheimregierung der USA wird der Fall dann klar liegen und Erdogans Uhr die längste Zeit getickt haben. Krieg ist eine Sackgasse. Krieg ist das Ende der Vernunft. Krieg ist ein Ersatzverhalten, eine Projektion der eigenen Unfähigkeit, Probleme mit den Mitteln der Menschlichkeit zu lösen. Das Erste dass in Kriegen stirbt, so sagt man, das sei die Wahrheit. Aber das stimmt nicht. Aus zweierlei Gründen: Erstens stirbt die Wahrheit schon vorher und zweitens stirbt im Krieg nur eines. Die Menschlichkeit im Menschen. Aber auch die stirbt oder welkt schon vor dem Krieg. Und diese ist unser Wert, die Menschlichkeit. Es ist derer Einzige Wert überhaupt, den wir besitzen.

Und da sind wir beim Grund des Krieges angelangt. Der Krieg tötet das Leben ganz bewusst. Der Krieg hat zum Zweck, das Leben von Menschen auf intelligente und grausame Art und Weise zu töten. Kriegsgeräte werden einzig zu diesem Zweck erschaffen. Erschaffen werden sie vom Maschinenbau. Erdacht werden sie von Wissenschaftlern. Von Physikern, Chemikern und Biologen. Gebaut dann von Ingenieuren. Das alles braucht Zeit. Und das heißt, dass die Erbauer und Erschaffer damit täglich konfrontiert sind. Denn sie leben davon. Haben Kinder und Partner. Kaufen Häuser und Autos.

Sie leben wie wir auch. Aber sie denken nicht wie wir. Krieg ist ein Geschäft. Es ist das Geschäft mit dem Auslöschen des Lebendigen. Alle Leser hier wissen ja, wie die Logik darauf endet: Denn keine Maus würde und wird je eine Mausefalle bauen. Oder ein Bär eine Bärenfalle. Ist das Evolution? Oder ist das De-Evolution?
In den USA gibt es ein Spiel, das heißt „chicken driving“. Zwei Jugendliche steigen in unterschiedliche Autos und fahren in einem rasanten Tempo direkt aufeinander zu. Wer nun als Erster ausweicht, gilt dann als Feigling und Verlierer. Nun, das könnte Erdogan doch mit Assad und Trump machen. Drei gewählte oder auch nicht gewählte Vollidioten, genannt Präsidenten, steigen in drei unterschiedliche Autos, oder besser Panzer-Cabriolets, aufeinander zu und wer nun zuerst schießt oder auf einen anderen Panzer auffährt, der ist der Verlierer und darf nicht mehr Krieg spielen. Am besten aber wäre es, wenn diese Drei dann gleichzeitig mit Urangranaten in ihren Rohren los feuerten und alle drei Präsidenten sich quasi präventiv vor der Menschheit in Luft auflösen würden.

Alle Drei müssten mit einem Ganzkörper-Kondom überzogen chicken driving spielen. Und in großen blutroten tropfenden Lettern, steht auf der einen Site zu lesen: Ich will den Krieg. Und auf der anderen Seite: Ich will die Menschheit auslöschen.
Ich weiß ja nicht, welche Bilder ihr jetzt im Kopf habt. Ich jedenfalls sehe, aus der Luft kommend, einen fülligen Nordkoreaner in einem viel zu kleinen Jet, auf die drei zufliegend, auch in einem Riesenkondom verhüllt und schreiend: Nein! Ich will euer Kriegsgott sein. Und dann, mit einem ohrenbetäubenden Grummeln tut sich, zwanzig Meter vor diesen Vieren die Erde auf und eine mürrisch aussehende ältere Dame in einem Hosenanzug, die Hände zu einer Raute geformt…

Jetzt dürft ihr dieses Kopfkino zu Ende denken.

Quellen

http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-grosse-unterstuetzung-fuer-recep-tayyip-erdogans-offensive-a-1189326.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-offensive-der-tuerkei-was-hat-recep-tayyip-erdogan- vor-a-1189148.html

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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35 Kommentare zu: “Tagesdosis 24.1.2018 – „Wer sich uns in den Weg stellt, wird hinweggefegt“

  1. Drei weiterführende links zum Thema, die auch darlegen, daß die USA nicht mehr omnipotent sind:

    Analyse: Wieso Russland die Türkei bei ihrer Offensive in Afrin gewähren lässt
    23.01.2018 • 11:10 Uhr

    Die Türkei hat eine Offensive gegen die syrische Kurden-Miliz YPG gestartet. Einen vorherigen Vermittlungsversuch Russlands lehnte der verantwortliche YPG-Kommandeur mit Verweis auf die „Unterstützung durch die USA“ ab. Eine fatale und naive Fehleinschätzung.

    von Elijah Magnier

    (…)
    Türkei wartete auf grünes Licht aus Teheran und Moskau

    Die Türkei forderte, Russland und der Iran, in direktem Kontakt mit Damaskus, mögen ihren Truppen erlauben, bei der Beendigung der US-Pläne in Syrien zu helfen und die Kurden weiter zu schwächen. Damaskus forderte Russland und den Iran dazu auf, den Kurden die Möglichkeit zu geben, sich von Washington zu distanzieren, indem diese eine Präsenz der syrischen Armee in den Städten Manbidsch und Afrin anstelle der türkischen Invasion akzeptierten.

    Die Türkei wartete trotz der Ansammlung türkischer Streitkräfte an den Grenzen und der Ankündigung des Beginns der Militäroperation noch auf grünes Licht vonseiten Russlands und des Iran. Russische Beamte trafen sich mit anderen Kurden, um die ernsthafte türkische Absicht und einen möglichen Ausweg aus der kritischen Situation zu erörtern, indem sie den Vorschlag von Damaskus weiterleiteten. Dieser wurde jedoch von Afrin abgelehnt, dessen leitender Offizier jedoch seinen Glauben an die Unterstützung der USA aufrechterhielt und offenbar nicht willens oder in der Lage war, aus dem zu lernen, was den irakischen Kurden in Erbil passiert war.
    (…)
    Einziger Verbündeter der USA in Syrien wird weiter geschwächt

    Wie bereits im vergangenen Jahr berichtet und nun bestätigt, sind die Kurden Syriens und Iraks, die sich auf Amerika und dessen unbeständige Versprechungen verlassen haben, dank der unerfahrenen Führung der USA und dem Mangel an stabilem Verständnis (und damit Glaubwürdigkeit) in der Weltpolitik zu den größten Verlierern im Nahen Osten geworden. Die eigentliche US-Führung scheint sich stark auf die militärische Macht als Mittel zur Aufrechterhaltung ihres Einflusses zu verlassen: Sie besitzt offenbar nicht die im Nahen Osten besonders wichtige Fähigkeit, Bündnisse zu knüpfen und Freundschaften zu festigen.

    Was jetzt geschieht, ist ein sehr schwerer Schlag für die Vereinigten Staaten durch ihren türkischen Verbündeten, immerhin ein Mitglied der NATO. Die Türkei benutzt die Operation in Afrin, um Amerikas kurdischen Verbündeten unter die Gürtellinie zu schlagen, ein weiteres Vorgehen, das Russland gegen die unerfahrenen USA unterstützt, die sich unklugerweise entschieden haben, im syrischen Innenhof Moskaus zu spielen. Amerika hat in Syrien keine Verbündeten außer die Kurden des Nordostens in Hasaka und Deir el-Zor. Aber diese Verbündeten sind dabei, eine zusätzliche Spaltung zu erleiden.
    https://deutsch.rt.com/meinung/64015-wieso-russland-turkei-afrin-offensive/

    US-Geheimnisse, -Lügen und -Verwirrungen im Norden von Syrien
    von Thierry Meyssan

    Die Ankündigungen und Dementis der Trump-Administration über die militärischen Entwicklungen im Norden von Syrien zeigen ein dunkles Geheimnis. Paradoxerweise kommt die Türkei den Vereinigten Staaten zu Hilfe, um den „Fehler“ ihrer Offizieren zu korrigieren.
    Voltaire Netzwerk | Damaskus (Syrien) | 23. Januar 2018

    (…)
    Im Gegensatz zu den Aussagen der Einen und Anderen, war der Beschluss der USA nicht, einen souveränen und unabhängigen Staat im Norden von Syrien zu schaffen, – das ist das französische Projekt -, sondern einen nicht-anerkannten Staat, wie das somalische Puntland oder das Irakisch-Kurdistan. Diese letztere Struktur ist absolut unabhängig und trotz der irakischen Verfassung reagiert sie nicht auf die Befehle des Irak, zu dem sie aber im Prinzip gehört. Sie verfügt übrigens über ihre eigenen Botschaften im Ausland.
    (…)
    Das Projekt der Border Security Force sagt viel über die Aufrichtigkeit der YPG Milizionäre, die den sanften Anarchismus von Murray Boochkin vertreten, aber die ohne Skrupel eine gemeinsame Einheit mit den Mördern von Daesch unter US-Kommando bilden können.

    Entgegen dem Anschein war der türkische Angriff auf Afrine, und wahrscheinlich bald auf Mambidsch, am 18. und 19. Januar vom russischen Generalstab genehmigt worden, der von dem extra nach Moskau gekommenen Hakan Fidan informiert wurde, der Nummer 2 des Regimes und Chef des Geheimdienstes, Direktor des MIT (Milli İstihbarat Teşkilatı). Der Angriff wurde übrigens durch den sofortigen Abzug der russischen Truppen aus dem Kampfgebiet erleichtert.
    http://www.voltairenet.org/article199444.html

    Türkisch-iranische militärische Koordination
    Voltaire Netzwerk | 17. Oktober 2017

    Während vor acht Monaten die Türkei noch den persischen Nationalismus heftig kritisierte, rückte sie dem Iran näher, auf Grund teilweise des Saudi-Katar-Streites und des Projektes der Schaffung eines neuen Staates im Irak.
    http://www.voltairenet.org/article198404.html

    Um darauf hinzuweisen, daß die USA nicht mehr allein im Sandkasten spielen dürfen:

    Dienstag, 23. Januar 2018, 16:00 Uhr
    ~5 Minuten Lesezeit
    Die neue Anti-Terror-Strategie
    China und Russland sind jetzt offiziell die neuen Feinde der USA. Der Verteidigungsminister droht ihnen mit dem „längsten und schlimmsten Tag“.
    von Christoph Pfluger

    Seit 2001 ist der Krieg gegen den Terror das Mantra des militärisch-industriellen Komplexes. Er würde Jahrzehnte dauern, sagte der damalige US-Vizepräsident Dick Cheney. Jetzt scheint sich die Doktrin zu ändern. Am vergangenen Freitag stellte der US-Verteidigungsminister James Mattis in einem Vortrag an der John Hopkins University in Maryland die neue nationale Sicherheitsstrategie der USA vor (1). „Der Wettbewerb zwischen Großmächten — nicht der Terrorismus — steht im Zentrum der nationalen Sicherheit“, sagte er und machte klar, dass es sich dabei um einen historischen Wandel der amerikanischen Strategie handelt.

    (…)
    Die Autoren der Verteidigungsstrategie beschuldigen China, «die USA zu verdrängen und die Hegemonie in der indo-pazifischen Region und globale Vorherrschaft anzustreben». Russland, so der Vorwurf, versuche «Veto-Macht über gouvernementale, ökonomische und diplomatischenEntscheidungen der Staaten an seiner Peripherie zu erreichen, um damit die NATO zu zerbrechen und die sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Strukturen in Europa und im Mittleren Osten zu seinem Vorteil zu verändern.»

    Mattis warnte Russland und China in deutlichen Worten: «Wenn ihr uns herausfordert, wird es euer längster und schlimmster Tag.» Die Drohung ist ein Verstoss gegen Artikel 2 der UNO-Charta, welcher die Androhung und Anwendung von Gewalt im Verkehr der Mitgliedstaaten untereinander verbietet.

    Moskau und Peking verurteilten beide die neue US-Verteidigungsstrategie. Sie seien eine Rückkehr zur «Mentalität des Kalten Krieges» sagte ein chinesischer Sprecher und der russische Aussenminister Sergei Lawrow sagte an einer Pressekonferenz in den Vereinten Nationen: «Es ist bedauerlich, dass die USA versuchen, ihre Führungsrolle durch Konfrontation unter Beweis zu stellen, anstatt in einem normalen Dialog und auf der Basis des Völkerrechts.» Ein Regierungssprecher in Moskau bezeichnete das Papier als «imperialistisch».
    https://www.rubikon.news/artikel/die-neue-anti-terror-strategie

    Verkürzt dargestellt, die Fürsten wollen ihr Stück vom Kuchen und zwar nicht mehr als mit Gewalt hineinpasst, egal wieviele dabei über die Klinge zu springen haben.

  2. Schaut euch mal „Fire and Fury: Geopolitik 2018 – Christoph Hörstel im NuoViso Talk“ auf YouTube an.

    Auch wenn ich Christoph Hörstel und seine „Partei Die Mitte“ nicht so mag, geopolitische Zusammenhänge stellt er gut dar.
    Zumindest finde ich es schlüssig.

  3. Ich glaub Erdogan blufft nur. Der will ein bisschen Muskeln zeigen, bislang konnten die Türken sich nicht richtig profilieren im Syrien Krieg. Der Druck wird wachsen und der wird bald zurück gepfiffen werden. Ansonsten gibt es bald ein paar deftige Twitterangriffe…

  4. Ignoriert mal bitte den Erdogan und schaut Euch die geographische Lage der Türkei an.

    Ich will versuchen einige Fragen zur geopolitischen Lage rund um die Türkei zu beantworten versuchen.

    INHALT

    1. Welches Ziel verfolgen die USA?
    2. Welches Ziel verfolgt Russland?
    3. Welches Ziel verfolgt die Türkei?
    4. Welches Konsequenzen entstehen für Europa?

    1. Welches Ziel verfolgen die USA?

    Die USA, zusammen mit der EU und Israel wollen einen Kurdischen Staat von Nordirak bis zum Mittelmeer, inklusive eines Stücks der Türkei bauen, um die Erdöl, Erdgas, Mineralien und vor allem das Wasser der Region unter Kontrolle zu bringen.

    Als der Krieg, angefangen von Tunesien, über Libyen, Ägypten, Jemen, Irak und Syrien losging war das Hauptziel die Gewährleistung der Energiesicherheit, Unabhängigkeit von Russland, durch den Bau von Erdgas- und Erdölpipelines von Arabien, Über Jordanien, Syrien, Türkei bis nach Europa. Syrien hat den „Fehler“ gemacht, das entsprechende Angebot abzulehnen und stattdessen einen Pipeline-Vertrag mit Iran und Irak zu unterschreiben. Durch die Iranisch-Irakische Pipeline wären aber die Ölscheichs und der Petrodollar der USA untergegangen. Deshalb war der Überfall auf Syrien quasi „alternativlos“.

    Wir wir nun alle wissen, haben Syrien, Irak, Iran und Russland den Angreifern alle Pläne verhagelt, bis auf die recht umfangreiche Region, die die Kurden mit der Unterstützung der USA und der EU-Länder unter Kontrolle gebracht haben. Obgleich dieses Gebilde nicht zusammenhängend ist, da die Türkei einen Keil darein geschlagen hat und auch noch nicht bis zum Mittelmeer reicht, wollen die USA ihm einen quasi-staatlichen Status verpassen, etwa vergleichbar mit Kosovo. Mit der Bildung Kurdistans werden die Araber vom Landweg nach Norden abgeschnitten. Wer Kurdistan beherrscht, beherrscht die ganze Region. Das Gebirge von Kurdistan ist ein geopolitisches Drehkreuz.

    2. Welches Ziel verfolgt Russland?

    Russland hat mit der Republik Türkei einen sehr wichtigen internationalen Vertrag, nämlich das Meerengen Abkommen von Montreux aus dem Jahre 1936.

    Vertrag von Montreux
    https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Montreux

    Zusammen mit dem Vertrag von Lousanne, sind es zwei Verträge die die Existenz der Republik Türkei, als dem Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches legitimieren.

    Vertrag von Lausanne
    https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Lausanne

    Der Vertrag über die Meerengen reguliert die freie Fahrt der Schwarzmeer-Anrainer durch die Dardanellen, das Marmarameer und den Bosporus, sowie die Limitierung des Zugangs für Nicht-Anrainer des Schwarzen Meeres. Die Türkei ist Verpflichtet den Vertrag einzuhalten, was den Frieden in der Region sichert. Würde die Türkei diesen Vertrag brechen und z.B. Russland die Passage verbieten, dann wäre automatisch der Kriegszustand ausgerufen.

    Für Russland ist es von existentieller Bedeutung, dass die Republik Türkei bestehen bleibt und weiterhin für die Einhaltung dieses Vertrage sorgt. Es ist egal, wer in Ankara regiert, solange der Vertrag von Montreux und alle anderen bilateralen Verträge mit der Türkei nicht beschädigt werden.

    3. Welches Ziel verfolgt die Türkei?

    Obgleich die Präsident der Türkei autoritär auftritt, großkotzig droht und sogar in den Krieg zieht, geht es dem Staatsapparat der Türkei um das nackte Überleben der Republik.

    Die Menschen wählen die Diktatur, weil sie den Zusammenbruch des Landes fürchten, wenn es nicht fest zusammengehalten wird. Egal was Ihr Euch gerne vorstellen wollt, um Eure und allgegenwärtig geschürte Abneigung gegen Erdogan aufrechterhalten zu können. Es geht nicht so sehr um die Person von Erdogan, sondern allgemein um einen starken Mann, der das Auseinanderbrechen des Landes verhindern kann.

    Die Türkei steht mehr denn je am Abgrund, denn im Rahmen des Projekts für den Großen Mittleren Osten (Project for a Greater Middle East = PfGME) soll auch die Türkei wie Syrien zerteilt werden. Nur ein gewählter Diktator kann dies und einen Bürgerkrieg verhindern.

    So Paradox es auch klingen mag, bis zum Putsch gegen Mohammad Mursi durch General Sisi in Ägypten, war Erdogan nach eigenen Worten ein Co-Vorsitzender des PfGME. Nach der Absetzung von Mursi war ihm klar, dass er als letzter regierende Muslimbruder ebenso weggeputscht werden soll!

    Bedenkt bitte, dass der gescheiterte Putschversuch von NATO-Kräften organisiert und versorgt wurde und „zufällig“ u.a. das deutsche Militär kurz vor dem Putsch seine Ressourcen, u.a. die Patriotsysteme abgezogen hat. Zudem waren die deutschen Spezalisten für die Luftraumlogistik während des Putsches verantwortlich und es muss auch die Frage gestellt werden, wessen Tankflugzeug die Kamfjets der Putschisten betankt hat!

    Da die amtierende Regierung diesen Putschversuch überlebt hat, was einmalig in der Geschichte der Türkei ist und ein zweiter Putschversuch bisher verhindert werden konnte, erwarten die Türken einen weit größeren Zerreissversuch, z.B. in Form von ethnischer Teilung in Kurden, Türken und Araber oder religiöser Teilung in Aleviten, Sunniten etc.

    Angesichts der inoffiziellen Erklärung der USA, eine kurdische „Grenztruppe“ von etwa 30.000 Soldaten aufbauen zu wollen und der bereits massiven Aufrüstung dieser Armee, inklusive Flugabwehrraketen, Panzereinheiten etc. und dem Aufbau staatlicher Strukturen mit Unterstützung auch der Europäer, muss die Republik Türkei fürchten, dass im nächsten Schritt auch der größere Teil Kurdistans im Staatsgebiet der Türkei, diesem neuen Gebilde angeschlossen werden soll.

    Was den türkischen Teil Kurdistans geopolitisch besonders Interessant macht, sind die Wasserressourcen. Das was der Himalaya für China ist, ist Kurdistan für die Türkei und die Nachbarländer. Wasser ist in dieser Region viel wichtiger als Erdöl. Die Türkei produziert einen Großteil des Stroms für seine Industrie und einen wesentlichen Teil der Nahrungsproduktion mit den riesigen Staudämmen in diesem Gebirge.

    4. Welches Konsequenzen entstehen für Europa?

    Die Europäer sind nicht auf den Petrodollar angewiesen. Den Europäern kann egal sein, ob der Kraftstoff durch russiche, iranisch-irakisch-syrische, türkische, algerische oder sonst welche Piplines läuft. All diese Lieferanten wären sogar bereit, alles gegen Euros und ganz ohne den Dollar zu verkaufen. Der Krieg im Mittleren Osten ist also nicht im Interesse der EU.

    Die USA sind aber wohl dringend auf die Schwächung Russlands, Irans und Chinas und die totale Abhängigkeit der EU und der Goflaraber angewiesen, um selbst als imperiales Zentrum weiterhin bestehen zu können. Faktisch ist die gesamte imperiale Strategie seit der Erklärung des Krieges gegen den Terror in 2001, durch die Erfolglosigkeit in Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen etc. gescheitert. Das Imperium pfeifft aus dem letzten Loch.

    Die Europäer müssen sich Gedanken darüber machen, welchen Sinn es macht, nach Syrien auch die Bevölkerung der Türkei in einen Bürgerkrieg und zur Flucht nach Europa zu zwingen. Sind die Europäer bereit etwa 20 Millionen Flüchtlinge aus der Türkei und dazu den Bürgerkrieg nach Europa zu importieren?

    Russland und Iran werden die Türkei niemals untergehen lassen und genauso wie sie Syrien vor der Auflösung bewahrt haben, werden sie auch die Türkei unterstützen. Die Bevölkerung der Türkei, inklusive der Kurden nicht bereit, für ein Kurdistan im Südosten die Republik zu zerstören. Es leben nämlich mehr Kurden in anderen Teilen der Türkei als in der Region Kurdistan. Zudem ist die Bevölkerung über ethnische und konfessionelle Grenzen hinweg miteineinder vermischt, verschwägert und befreundet. Jahrhunderte alte Verbindungen aus der osmanischen und republikanischen Zeit binden die Menschen an den gemeinsamen Staat.

    Die Deutschen und Europäer sollten also nicht nach Hollywoodmanier ständig Starbösewichte verfolgen, sondern kühl auf der Basis der Staatlichkeit, Geopolitik und eigenen Interessen kalkuliren.

    • Vielen Dank für diese ausführliche Info!!!

      Da war meine Intuition auf dem richtigen Weg mit „was wenn Erdogan recht hätte“… Jetzt wird mir vieles klarer.

    • Ich denke, das trifft den Nagel nahezu auf den Kopf und stellt die richtige Herangehensweise an eine Analyse dar. Nur wer, so schlimm wie ein Krieg auch ist, dessen Hintergründe begreift, kommt zu richtigen Konsequenzen und kann dann eventuell sogar einen Krieg verhindern.

      Zu ergänzen wäre noch, dass sich die USA natürlich keinen offenen Krieg mit der Türkei leisten können, weil:
      a) die Türkei die zweit-stärkste NATO-Macht ist und nicht ohne Grund russische S-400-Systeme gekauft hat, was einen bösen Ausgang für Angreifer der NATO zur Folge haben könnte
      b) ein Krieg innerhalb der NATO die NATO zerreißen könnte
      c) das unabhängig vom Ausgang die Türkei noch enger an Russland binden würde (schon beim gescheiterten Putsch hatte ja Russland seinen Beitrag zum Scheitern geleistet)

      Im vorliegenden Fall haben sich die Kurdenführer die Lage offensichtlich nicht richtig klargemacht, sonst hätten sie begriffen, dass sie nur Stein im Spiel der USA sind, der gegebenenfalls wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wird.
      Sie hätten dann besser das Angebot von Syrien und Russland angenommen, dass diese die Grenz- und Gebietskontrolle übernehmen. Auf diese Weise hätten sie zwar keinen eigenen Staat bekommen, wohl aber eine Teilautonomie. Nun sind sie von allem weiter weg, als je zu vor. Denn weder Syrien noch Russland hat Grund, jemanden der den Zielen der USA dient, übermäßig Hilfe angedeihen zu lassen.

      Das zeigt aber auch, das die Kurdenführer sehr nationalistisch gesinnt sind, wie immer ihre Reden von Räten und Demokratie auch sein mögen. Denn sie ignorieren die sehr berechtigten Interessen anderer großer Völker und suchen nicht einen vernünftigen Konsens, mit dem möglichst vielen gedient ist. Und sie begreifen nicht, dass die Interessenlage der USA (Beherrschung fremder Regionen) grundsätzlich anderer Natur ist, als die der anderen Konfliktpartei Syrien, Russland usw. (Bewahrung der eignen Region gegen die Übergriffe der USA und deren Verbündeter). Sie haben sich daher in dem Konflikt, den die USA nicht gewinnen können, den falschen Verbündeten gesucht. Das passiert Nationalisten regelmäßig.

    • Ergänzung:

      Übrigens leben in Deutschland 1,4 Mio. Bürger türkischer Herkunft, die in dieser Frage sehr polarisiert sind und von denen viele Richtungen sehr nationalistisch denken (und zwar in sehr gegensätzlichen Richtungen). Sollte sich der Konflikt Türkei – Kurden zuspitzen, birgt das die Gefahr eines Bürgerkriegs innerhalb Deutschlands in sich.

      Greift die NATO die Türkei an (was sich ganz „Kluge“ ja sogar wünschen), dann findet dieser Bürgerkrieg mit Sicherheit statt.

      Die derzeit tiefgespaltene Friedensbewegung sehe ich nicht fähig, hier vermittelnd einzugreifen und die ganze Sachlage klarzumachen.

    • Der obige Text befindet in einer verbesserten und etwas erweiterten Form hier:
      https://dieblauehand.info/geopolitische-lage-der-tuerkei-die-interessen-europas-die-prekaere-lage-der-usa/

    • Wirklich eine sehr gute Analyse, vielen Dank!

      „Das Imperium pfeifft aus dem letzten Loch.“

      -> Das ist ganz ohne Zweifel so. Und genau das macht mir Angst, dass die USA immer verzweifelter blind um sich schlagen, um sich dem Untergang entgegenzustemmen.

    • Ich möchte das Imperium genauer definieren.

      Die USA sind nicht das Imperium, sondern nur die Hauptbasis, der Hauptvassal, das Hauptopfer des Imperiums.

      Die USA pfeifen auch aus dem letzten Loch, aber vor allem, weil sie die Kriege und die Ausschweifungen des Imperiums finanzieren müssen.

      Der Untergang des Imperiums wäre die Befreiung der USA, aber nur falls eine kluge Bevölkerung unter einer klugen Regierung sich kontrolliert des Imperialen Geflechts entledigen könnte. Wir wir wissen ist in den USA beides nicht zu finden. Ob der Herr Trump die kommende Katastrophe sieht, ist leider noch nicht erkennbar. Er ist dennoch die letzte Hoffnungsträger für die USA.

      Was ist das Imperium, wenn es nicht die USA sind?

      Das Imperium war und ist immer ein Korporatistisch/Faschistisches Geflecht.
      Die heutigen Korporatisten sind die Großkonzerne, die Superreichen und die Großbanken.
      Die Faschisten sind die SWAT-Teams, die zuerst schießen und
      die GESTAPO sind die Geheimdienste CIA, NSA, MI6, Homeland Security,
      die Internierungslager stellt die private Gefängnisindustrie bereit.

      Der Petrodollar ist noch der Grundpfeiler der Imperialen Struktur. Das Imperium ist ein Korporatistisch/Faschistisches System, dessen Überleben nun von der Aufrechterhaltung der Petrodollar finanzierten Erdöl-Erdgas-Industrie durch Fracking in den USA, Afrika und vor allem anderen Arabien abhängt.

      Fracking benötigt viel Wasser, insbesondere in Wüstengebieten ist das Fracking ohne künstliche Wasserversorgung undenkbar. Das Wasser wird mit Methoden der Klimakontrolle nach Arabien transportiert.

      Somit ist die Klimakontrolle sowohl die Achillesferse, das Rückgrat als auch die Hauptwaffe und Hauptwerkzeug der imperialen Herrschaft.

      Dies zu Begreifen ist die Pflicht jedes Menschen!

  5. Erdogans Unternehmenn „Olivenzeig“ wird der türkischen Armee Verluste zufügen. Denn eine gut ausgebildete und gut ausgerüstete „Guerilla-Armee“ kann man mit Panzern und Luftangriffe nicht vernichten. Ausserdem kennen sich die YPG-Leute im bergigen Gelände um Afrin sehr gut aus. Wenn der Krieg dort eskaliert, werden sich die Amis zurückziehen und womöglich auch ihre Basen verlassen. Die werden wegen den Kurden keinen Krieg gegen die Türkei beginnen. D.h. eine verwundete türkische Armee, eine dezimierte YPG und die Amis weg wäre für die Regierung Assad ein Segen.

  6. Erstmal gebe ich zu, dass ich nicht für mich in Anspruch nehmen kann, diese wahnsinnigen Vorgänge eindeutig zu deuten. Jedenfalls denke ich aber auch, dass da kein von langer Hand geplanter gemeinsamer Plan der USA und der Türkei besteht.

    Und nun gibt es aus Sicht der USA nur zwei wirklich valide Handlungsalternativen, finde ich:

    a) Erdogan machen lassen, zur Zurückhaltung mahnen – und dann in ein paar Wochen einen Waffenstillstand zu „vermitteln“, nachdem Erdogan seine Pufferzone herbeigebombt hat. Das wäre dann wohl eher ein Fall für Tillerson, weniger für Trump.

    b) Ein Atomschlag gegen die Türkei.

    Alles andere (z.B. konventionelle Kriegsmaßnahmen oder ein Rauswurf der Türkei aus der NATO oder eine Eliminierung Erdogans) erscheinen mir nicht realistisch.

    So oder so ist das alles krank. Und richtig gut raus aus der Nummer kommen die USA so oder so nicht. Bei Variante a) verlören sie natürlich enorm an Prestige – und wohl auf alle Zeiten die Unterstützung von irgendwelchen Freiheitskämpfern im gesamten Nahen Osten (oder anderswo), die sie nach Belieben instrumentalisieren können. Von dem her befürchte ich tatsächlich, dass die USA „taktische Atomwaffen“ einsetzen.

    • Michael Lüders tendiert eher zu Alternative a) – oder sieht es ähnlich wie Fred weiter unten:

      „Die Kurden im Norden Syriens haben das Problem, dass sie lange Zeit als, um es mal deutlich auszusprechen, nützliche Idioten gedient haben im Kampf gegen den Islamischen Staat und nun von ihren amerikanischen Verbündeten geopfert werden, weil natürlich aus amerikanischer Sicht der NATO-Partner Türkei ungleich gewichtiger ist als eine Kurden-Miliz im Norden Syriens.“

      (Im Deutschlandfunk-Gespräch mit Dirk Müller vom 23.01.)

      Wie gesagt – wahnsinnig ist das natürlich alles, wie jeder Krieg.

  7. Ich würde mal sagen, entgegen der Autorenmeinung, es handelt sich um einen fein mit den USA abgestimmten Kriegszug mit entsprechenden Show-Wirkungen im beiderseitigen Interesse. Oder glaubt irgendwer es ginge den USA um irgendwelche Kurden oder gar den Frieden in Syrien?

    • Natürlich gut möglich, dass Herr Erdogan nicht alle Einzelheiten kennt und in diesem Zuge mit verschwinden soll.

      Und wie sähe denn eigentlich der Bündnisfall aus, wenn es zum Krieg USA-Türkei käme?

    • **“Und wie sähe denn eigentlich der Bündnisfall aus, wenn es zum Krieg USA-Türkei käme?“**

      Dann wäre die Türkei – im Grunde eh kein Natomitglied mehr – mit einem Federstrich offiziell kein Natomitglied und die Koalition der willigen Kriegsverbrecher müsste den USA „beistehen“.

  8. Nun ja, etwas naiv, was die Vorstellungen von Krieg und Kriegsgründen betrifft. Dabei wird völlig ignoriert, dass die Türkei die zweitgrößte Armee der NATO unterhält. Die USA in Syrien mit den Kurden nur einen verlässlichen Verbündeten hat, welchen sie ohne Rücksichtnahme auf Verluste verheizt. Dazu wird dem Weltmachtanspruch der USA noch Zucker gegeben, in dem die Illusion gepflegt, dass sie sich für kurdische Interessen stark machen würde und diese sogar gegen die Türkei durchsetzen könnte.
    Die Führung der YPG hat sich für den falschen Verbündeten entschieden und aus den Vorgängen im Zusammenhang mit dem Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Irak nicht gelernt. Es ist ein Verbündeter, welcher in erster Linie für die Destabilisierung im nahen Osten verantwortlich ist und die verschiedensten Völker direkt und indirekt mit Krieg überzogen hat. Wenn die USA sich allerdings entscheiden müssen, zwischen Unterstützung kurdischer Interessen in Syrien, so gern sie diese auch für ihre eigenen Interessen missbrauchen und den Verlust eines NATO-Partners, an den Grenzen Russlands, dann wird zu erkennen sein, wie die im Beitrag genährten Illusionen zerplatzen werden. Letztlich hat die Politik der USA in der Region nicht nur zur Destabilisierung ausgemachter Gegner geführt, sondern auch innerhalb der NATO selbst. Gelegentlich geht der Schuss eben nach hinten los und desto weiter die Entwicklungen voranschreiten, desto offensichtlicher werden die Schwächen und Niederlagen der USA.
    Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln!

    P.s. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass die NATO unter Ägide der USA schon einmal erfolglos versucht haben den türkischen Präsidenten wegzuputschen. Was vom Präsidenten der Türkei dazu genutzt wurde, seine eigene Machtposition auszubauen und zu festigen! So sind unter Umständen die Ziele das eine, ganz anderes kann das Ergebnis sein!

  9. Die USA wollen ihre Terrorristennarmee dauerhaft vor Ort installieren, um jederzeit Unfrieden, Aufstände, Kriege vom Zaun brechen zu können. Machterhalt, Machtausweitung, Kontrolle sind die Stichwörter.

    Assad, Putin und Erdogan ist das klar und ein Balken im Auge. Man muß also davon ausgehen, das alles was geschieht Teil eines Planes, einer Verschwörung ist.

    Normalerweise wäre es keine große Sache für das Dreigestirn, die USA auch militärisch aus Syrien herauszubomben.

    Wären da nicht ein paar Feinheiten. Die Türkei ist auf dem Papier (noch) NATO-Mitglied. Die Türkei deklariert die Kurden zu Terroristen, während Assad ihnen eher wohlgesonnen ist. Putin hätte am liebsten seine Ruhe, hasst den ganzen Quatsch der da inszeniert wird und würde wohl nur im äußersten Notfall eingreifen – wenn überhaupt.

  10. Der Putschversuch hat doch stattgefunden. Das ist nicht nur ein geplanter, sondern ein unter Bewaffnung versuchter Regierungswechsel. Wurde halt niedergeschlagen. Vollzug nicht vollendet. Das Risiko geht jeder Putschist ein.

    Was sich aus all dem entwickelt, wird sich zeigen – für uns jedenfalls. Die Frage ob es eine Entwicklung ist, oder die Abspulung eines Fahrplanes, werden wir wohl nie gänzlich wahrheitlich erfahren.

    Möglicherweise ist es ein Plan, die USA aus Syrien rauszuKriegen. Das wäre jedenfalls in Assads, Erdogans und Putins Sinne.

    • „Möglicherweise ist es ein Plan, die USA aus Syrien rauszuKriegen. Das wäre jedenfalls in Assads, Erdogans und Putins Sinne.“

      Ja DAS ist ne gute Begründung. Qui bono hab ich vergessen zu fragen.
      Würde auch erklären, warum unsere Medien so gegen Erdogan schießen. So ne Schlappe für die USA – das wär ja en Ding!

    • Es gab vor Afrin schon etliche Ereignisse, die diese Möglichkeit festigen. Einmal war es ein Angriff von 250 Kurden (oder wer auch immer), sehr gut ausgerüstet mit amerikanischer Militärtechnik, jetzt gerade der Angriff mit auf „Bastelfake“ getrimmten Drohnen auf russische Militärbasen in Syrien und und und.

      Wenn man da alles zusammenträgt was sich allein in den letzten drei Monaten ereignet hat, hat man ordentlich zu tun.

      Ja, das wäre eine international beachtete Riesenschlappe für die USA, welche sie als Hanswurst dastehen ließe.
      Aber unter Präsident Trump sehe ich die Möglichkeit das solch eine Schlappe hingenommen würde.
      Unter Clinton würde es in solch einem Fall eher Atombomben regnen.

    • Ich glaub Atomkrieg trauen sich die Amis nicht mehr. Der Raketenschild funktioniert doch nicht (die Rakete auf Riad’s Flughafen neulich). Hab einige Artikel dazu gelesen, die USA weiß schon lange, dass der Schild nicht funzt.

      Jo, dem Trump in die Schuhe schieben, das wäre ein Klassiker. 🙂 Wieder mal ein psychopathischer Bösewicht, den man vorführen kann und der militärisch-industrielle Komplex um Hillary und Konsorten wär fein raus.

  11. **“Denn keine Maus würde und wird je eine Mausefalle bauen. Oder ein Bär eine Bärenfalle.“**

    Natürlich nicht, denn unter Mäusen und Bären gilt: Piep piep piep, wir haben uns alle lieb.

    Alle Tiere habe IHRE „Fallen“, die so alt sind wie sie existieren und auch weiterentwickelt werden. Nur weil wir sie nicht sehen, kennen oder verstehen, daraus zu schließen es gäbe sie nicht, widerspricht allem was wir wissen.

    Menschlichkeit

    Was bitteschön ist denn Krieg anderes als Menschlichkeit? Noch gibt es keine Intelligenten Drohnen die sich selbst bauen und völlig eigenständig agieren. Es ist die Menschlichkeit die das bewerkstelligt.

    Die positiven Seiten der Menschlichkeit sind offensichtlich seit tausenden von Jahren zu schwach, das ganze Elend, den Wahnsinn, die Satanisten auszumerzen.

    Ich empfehle nicht nur die Realität zu akzeptieren, sondern sich ihr zuzuwenden – einholen wird sie JEDEN allemal IMMER.

    • „Die positiven Seiten der Menschlichkeit sind offensichtlich seit tausenden von Jahren zu schwach, das ganze Elend, den Wahnsinn, die Satanisten auszumerzen.“

      Die positive Seite ist die göttliche Seite in uns. Sie macht uns empathisch und liebevoll und gemeinschaftsfähig.

      Die negative Seite ist die satanische Seite in uns. Hier spricht uns Satan druch unser EGO an, das uns von den anderen trennt, indem es sich selbst an oberste Stelle setzt und alles andere seinen Bedürfnissen unterordnet.

      Wer Satan bekämpfen will, der kann das nur erfolgreich tun, indem er sein eigenes EGO bekämpft.

    • Die Satanisten wollen keineswegs ihren Chef bekämpfen und von daher auch nicht ihr Ego. Alle anderen haben „ihr (satanisches) Ego im Griff“

    • Koenig Ordnung,

      wenn die Welt so düster ist, wie Sie es beschreiben, was ich hier gar nicht bewerten will – was meinen Sie dann mit folgendem Statement?

      „Ich empfehle nicht nur die Realität zu akzeptieren, sondern sich ihr zuzuwenden.“

    • Sehr sehr viele Menschen – gefühlt die meisten – negieren die Realität. Sie verdrängen sie (geistig), lehnen sie ab, schieben sie beiseite oder vor sich her.

      Sie müssen/sollten also zunächst einmal die Realität akzeptieren. Erst dann kann man sich ihr zuwenden. Das meint aktiv mit ihr umgehen. Gemäß der vorhandenen Realität aktiv werden. Nur so lässt sich Realität ver-ändern.

      Im übrigen beschreibe ich die Realität und nicht eine düstere Welt. Wer diese Realität in sein Gefühls und Bewertungsspektrum wie einbaut, obliegt nicht wirklich mir.

  12. Also ich weiß nicht, was ich von der ganzen Sache halten soll.
    Zuerst mal vorneweg – ich bin weder Nationalist, noch Türkin und auch kein Erdogan-Fan, ABER irgendwas stimmt doch hier nicht. Da sind so viele offene Fragen. Vielleicht kann mir jemand aus dem Forum darauf antworten, oder Herr Lenz selbst.

    Unsere Konzernmedien lügen ständig, darüber müssen wir nicht diskutieren. Wieso kommen wir also auf die Idee, dass sie im Fall Erdogan die Wahrheit sagen?
    Was, wenn Erdogan Recht hätte, dass auch in seinem Land ein RegimeChange geplant war, wie in der Ukraine und den Staaten des Nahen Ostens? Wäre dann sein Verhalten nach dem Putschversuch nicht völlig schlüssig und verständlich?

    Und die Ami’s – die sind doch die Züchter des IS. Und jetzt plötzlich eine Truppe DAGEGEN? Bzw hatte man ja auch die Kopfabschneider in Syrien als moderate Rebellen bezeichnet. Was für ein Durcheinander…

    Wieso lässt Assad sich diesen Einmarsch von Truppen und Angriff aus der Türkei gefallen?
    Wieso zieht Putin seine Truppen ab?
    Und ganz zum Schluss – hätten wir dann einen Krieg innerhalb der NATO? Was würde aus diesem Bündnis?

    • (Ist versehentlich oben gelandet)

      Der Putschversuch hat doch stattgefunden. Das ist nicht nur ein geplanter, sondern ein unter Bewaffnung versuchter Regierungswechsel. Wurde halt niedergeschlagen. Vollzug nicht vollendet. Das Risiko geht jeder Putschist ein.

      Was sich aus all dem entwickelt, wird sich zeigen – für uns jedenfalls. Die Frage ob es eine Entwicklung ist, oder die Abspulung eines Fahrplanes, werden wir wohl nie gänzlich wahrheitlich erfahren.

      Möglicherweise ist es ein Plan, die USA aus Syrien rauszuKriegen. Das wäre jedenfalls in Assads, Erdogans und Putins Sinne.

    • abgesehen der anderen Antworten möchte ich auch die Möglichkeit näher diskutiert sehen, dass der innere Kampf in den USA sich auch und sehr direkt im Nahen Osten widerspiegelt (es geht nun mal bekanntlich um die Macht und ein gewichtiger Schlüssel hängt am Ölhahn). In Nuancen schien diese Möglichkeit hier im Forum schon durch: „Trump als Bösewicht hinzustellen und der Clinton Clan wäre der lachende Dritte“. Das hatte ja in der Vergangenheit immer wieder funktioniert. Ob es aber dieses Mal funktioniert, wage ich zu bezweifeln – dank des Internets – denn die Täter erfahren sich heute per sofort als enttarnt und ich glaube, sie wissen inzwischen nicht mehr, wie sie dem noch Herr werden können. Aufklärung ist die mächtigste Waffe, mächtiger als Krieg (um mal bei dieser unsäglichen Metapher zu bleiben)

    • **“Ob es aber dieses Mal funktioniert, wage ich zu bezweifeln – dank des Internets – denn die Täter erfahren sich heute per sofort als enttarnt und ich glaube, sie wissen inzwischen nicht mehr, wie sie dem noch Herr werden können.“**

      Ja, so denkt der „normalmoralische“ Mensch – schwerer Denkfehler.

      Den Tätern über die wir sprechen ist es nicht egal das sie erkannt werden, sie wollen es.

      Sie lachen darüber, sie fühlen sich geehrt, es stärkt sie.

      Das Motto heißt: Wir sind die Täter, ihr seht es, ihr wißt es, und ihr könnt nichts dagegen tun – also überlegt euch was ihr tut.

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