Tagesdosis 24.10.2018 – Die Untertanen-Macher

Die Qualitätsmedien promoten brutale Erziehungsmethoden mit Nazi-Tradition.

Ein Kommentar von Birgit Assel.

Erstaunliches passiert seit kurzem: In den Qualitätsmedien wird ein Dokumentarfilm hochgelobt, der sich „Elternschule“ nennt. Zwei Filmemacher — Jörg Adolph und Ralf Bücheler — haben in einer Gelsenkirchener Kinderklinik gefilmt und es mit ihrem Film bis in die Kinos geschafft!

Im Fokus stehen Eltern, die mit ihren Nerven am Ende sind: Ihre Kinder schreien stundenlang, verweigern das Essen, haben einen Wutanfall nach dem anderen, schlafen nicht, sind aggressiv, hauen und beißen — der blanke Horror! Die Eltern sind am Ende mit ihrer Kraft — sie fühlen sich als Opfer ihrer Kinder, die ihnen das Leben zur Hölle machen …

Der Kinderpsychologe Dietmar Langer hat die Lösung! Er bezeichnet den Säugling als das egoistischste Wesen auf dem Planeten und wenn dem nicht Einhalt geboten wird, stehen die Eltern bald mit dem Rücken zur Wand!

Wow — Johanna Haarer lässt grüßen! Johanna Haarer war eine Lungenfachärztin und hatte profunde Kenntnisse vom Wesen junger Menschen. Sie entwickelte ihre eigene Erziehungstheorie und war eine große Verehrerin von Adolf Hitler. Dieser war begeistert von Frau Haarer und machte so sehr Werbung für sie, dass es nicht lange dauerte und ihr wunderbarer Erziehungsratgeber „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ stand bei allen Eltern, die etwas auf die Erziehung ihrer Kinder gaben, im Bücherschrank!

Bei Haarer ist zu lesen, dass Kinder — also auch Säuglinge, die laut Dietmar Langer einfach nur egoistisch sind — nichts anderes im Sinn haben, als ihre Eltern zu quälen, sie in einen Ausnahmezustand zu bringen und dabei auch noch strategisch vorgehen (1).

Um die Worte Dietmar Langers zu benutzen: Sie wollen ihre Eltern „weichkochen“, sie wollen, dass sie sich ihrem Willen unterwerfen und es die Aufgabe der Eltern sei, dies rechtzeitig und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterbinden (2).

Eltern, die es versäumt haben, rechtzeitig zu handeln, deren Kinder schon zu kleinen Terroristen geworden sind, gehören für ihn in ein Trainingslager (3). Dieses Training kann folgendermaßen beschrieben werden: Die kleinen Terroristen werden absichtlich in Stress versetzt und wenn sie dann anfangen zu schreien oder sich zu wehren, ist die Strategie der Trainer: hart bleiben, nicht sprechen, stattdessen einfach ignorieren!

Schließlich propagierte schon die fantastische Johanna Haarer die absolute Härte gegen Kindertrotz (4)! Und wenn die kleinen Terroristen nur richtig trainiert werden, dann werden sie später einmal flink wie die Windhunde, hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder.

Essen: Bei Essensverweigerung wird es erst im Guten versucht. Funktioniert das nicht — es funktioniert natürlich nicht, schließlich ist die Strategie der kleinen Terrorzwerge, im Hungerstreik zu bleiben, um ihren Willen durchzusetzen — setzt die Zwangsernährung ein: Der kleine Terrorist wird festgehalten von einer starken und kräftigen Krankenschwester, deren Körper sich komplett über den kleinen Terroristen wirft und mit Gewalt wird ihm so über einen Löffel die Nahrung in den Mund gepresst. Der kleine Terrorist hat keine Chance gegen so eine körperlich Übermacht und muss seine Strategie aufgeben — er isst!

Schlafen: Der kleine Terrorist kommt in die sogenannte „Mäuseburg“, dort soll er das Schlafen lernen. Die Strategie des kleinen Terroristen ist, dass er seine Eltern mit Schlafentzug foltert (Schlafentzug ist eine beliebte Folter bei Strafgefangenen), um einzufordern, dass ihm rund um die Uhr die volle Aufmerksamkeit gegeben wird. Diese Strategie wird gebrochen, indem dem kleinen Terroristen nachts keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt wird, sein Brüllen und Schreien wird ignoriert. Nach wenigen Tagen hat der kleine Terrorist seinen Widerstand aufgeben und schläft freiwillig — die von ihm ausgedachte Strategie hat keine Wirkung mehr.

Auch hier übernehmen diese Aufgabe die Trainingsexperten der Kinderklinik, weil es die Eltern in der Regel nicht schaffen, mit solcher Härte die Strategien ihrer kleinen Terroristen zu durchbrechen. Weil diese es — sehr zum Leidwesen der Experten — geschafft haben, dass ihre Eltern am Stockholmsyndrom leiden und Mitgefühl für die kleinen Terroristen entwickelt haben. Dieses Mitgefühl muss unbedingt behandelt werden, weil es dem Umerziehungstraining nur schadet! Die Eltern müssen in der Elternschule lernen, hart zu werden: gegen sich selbst und vor allen Dingen gegenüber ihren kleinen Terroristen.

Nach drei Wochen im Trainingslager ist das Wunder vollbracht: Aus dem kleinen Terrorzwerg ist ein sanftmütiges, braves und glückliches Kind geworden!

Nie wieder wird es sich gegen Autoritäten zu Wehr setzen, auch nicht, wenn aus ihm ein erwachsener Mensch geworden ist! Als großer Mensch wird er brav seine Eltern, seine Vorgesetzten und seine Regierung verehren.

Sollte es dann so richtig darauf ankommen, wird er sein Land mit Glückseligkeit und ganzer Hingabe verteidigen — flink wie ein Windhund, hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder!

Das hat mit Johanna Haarers Pädagogik auch wunderbar geklappt. Am besten wäre es folglich, wenn sich auch die Dietmar-Langer-Pädagogik im ganzen Land und bei allen Eltern durchsetzen würde. Dass das auch wirklich passiert, dafür sorgen die Medien: Das Qualitätsblatt Süddeutsche Zeitung titelt: „Für jeden, der selbst Kinder hat, ist der Film ein Muss“ oder „… ein Einblick in eine verunsicherte Gesellschaft, die sich mit Autorität schwer tut und ihren Instinkten kaum noch traut.“

Und auch der WDR tut in einer Filmdoku. (5) sein Bestes, damit wirklich alle Eltern das Geheimnis einer guten Erziehung endlich lernen. Von diesem Sender wurde sogar der Filmemacher Ralf Bücheler interviewt, der noch einmal bestätigte, wie wichtig diese Doku für alle Eltern sei. Er selbst hat viel während der Dreharbeiten für den Umgang mit seinen kleinen Terroristen gelernt (6).

In der ZDF-Sendung „Volle Kanne“ kam der Wunderpsychologe und Wunderpädagoge Dietmar Langer selbst zu Wort (7). Und auch die ARD darf hier nicht fehlen: Wie gehen wir richtig mit unseren Kindern um — und mit uns selbst? Wenn Familien in chronischen Stress geraten, können sie Hilfe suchen in der Kinderklinik Gelsenkirchen. „Elternschule“ zeigt, wie ganzheitliches Verhaltenstraining mit Psychotherapie und Erziehungscoaching funktionieren kann (8).

Und bitte, jetzt nicht zum Verschwörungstheoretiker werden und denken: Oh je, wie schrecklich, hier werden Eltern und Kinder absichtlich „abgerichtet“ mit dem Ziel, wieder ohne Gefühl Kriege führen zu können. Eltern, denen das Mitgefühl für ihre eigenen Kinder abtrainiert wurde, schicken ihre Kinder auch ohne Bedenken in den Krieg. Und Kinder, die sich nicht mehr wehren dürfen, weil sie in großer Not sind, da ihre Eltern aufgrund eigener Bindungsstörung mit ihnen keine gesunde Beziehung leben können, müssen alles Lebendige in sich aufgeben und unterdrücken. Sie werden zu gehorsamen Untertanen, die dann, wenn nötig auch blind in den Krieg ziehen, wenn es ihnen befohlen wird.

Und bitte kein Aufschrei — bitte, bitte nicht! Nicht auf die vollkommen irrsinnige Idee kommen, dass in dieser Klinik institutionelle körperliche und psychische Gewalt angewendet wird. Niemals würde es dafür Werbung in unseren Qualitätsmedien geben und auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht. Schließlich wissen alle, dass Kinder per Gesetz ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung haben und dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Also kann es überhaupt nicht sein, dass in einer deutschen Kinderklinik nicht sorgfältig darauf geachtet wird, dass dort keine Gewalt zum Einsatz kommt und selbstverständlich wird die Würde des Menschen geachtet.

Doch ein Säugling ist halt noch kein Mensch, dass muss doch endlich mal verstanden werden! Das sind so richtige Egoisten, da hat Dietmar Langer schon recht. Aus diesen Plagegeistern müssen erst noch Menschen gemacht werden. Mit Gefühlsduselei, wie zum Beispiel einer liebevollen Bindung, kommt man da nicht weit.

Dann werden nämlich aus egoistischen Säuglingen furchtbar trotzige, wütende und Eltern folternde kleine Terroristen. Wer ihnen das durchgehen lässt und nicht energisch diese alles zerstörende Kleinkindenergie unterbindet, dem fliegen bald die Bauklötze an den Kopf und noch schlimmer: Dessen Kinder werden zu einer echten Gefahr für unseren so wohlmeinenden Sozialstaat! Im schlimmsten Fall organisieren die sich später noch. Anfänge sind schon sichtbar, zum Beispiel bei der Demokratischen Stimme der Jugend. Die fordern doch tatsächlich ein freies Schulsystem — also das geht ja nun mal gar nicht (9).

Wer etwas anderes behauptet, wird zurecht Verschwörungstheoretiker genannt und glaubt, die Erde sei eine Scheibe.

Trailer: „Elternschule“


 


Persönliche Anmerkung:

Als Mutter und Omi habe ich viel Mitgefühl mit den Eltern, die in dieser Klinik Hilfe suchen! Ich weiß, wie es ist, Kinder zu haben, die nicht schlafen wollen, die schreien und sich nicht beruhigen lassen — ich kenne die Verzweiflung! Mein Sohn und meine Tochter hatten Neurodermitis — das war schlimm, für meine Kinder und für mich! Bei meinem Sohn wurde mir empfohlen, ihn mit 6 Monaten allein in eine Klinik an der Nordsee zu geben, damit ich mich mal erholen kann — das war für mich ein völlig verrückter Vorschlag einer wohlmeinenden Ärztin!

Zum Glück war ich nicht allein, meine Mutter hat mich damals sehr unterstützt — sie war für meinen Sohn da, wenn ich nicht mehr konnte! Ich weiß, viele Eltern haben so eine Unterstützung nicht — sondern fühlen sich alleingelassen, wissen nicht, warum ihr Kind so reagiert, wie es reagiert!

Heute weiß ich, warum meine Kinder eine Neurodermitis entwickeln mussten. Auch wenn es eine genetische Disposition gab, Traumata waren die Auslöser — und meine Kinder wissen das auch. Wenn Kinder so reagieren, wie es in dem Film gezeigt wird, dann liegt es nicht an den Kindern, sondern an einer Bindungstraumatisierung, die die Eltern und deren Eltern erlitten haben. Um das zu verstehen, empfehle ich den Vortrag von Prof. Franz Ruppert „Trauma, Angst und Liebe“ (10).

Als Eltern tragen wir keine Schuld daran, dass wir ein Bindungstrauma erlitten haben, doch es liegt in unserer Verantwortung, es nicht an unsere Kinder weiterzugeben. Und diese Verantwortung können wir zu jeder Zeit übernehmen, auch dann noch, wenn unsere Kinder schon erwachsen sind! Wobei es natürlich sehr viel hilfreicher und wichtiger ist, die Verantwortung so früh wie möglich zu übernehmen. Das erspart viel Leid und viel Kummer — für beide Seiten. Mein größter Wunsch ist, dass die Eltern, die ihre Kinder zur Behandlung nach Gelsenkirchen brachten, erkennen können, was sie da mit sich machen ließen und was ihren Kindern angetan wurde.

Mein Wunsch an Dietmar Langer ist, dass er seine eigenen „Täteranteile“ (vergleiche hierzu die Traumatheorie nach Prof. Franz Ruppert) erkennt, sich erinnert, was ihm als Kind passiert ist, und aufhört, Kinder und Eltern weiter in Traumatisierungen hineinzutreiben. Wenn ihm das gelingt, gehört ihm meine größte Achtung, weil ich weiß, wie schwer das ist!

Katharina Saalfrank ist das gelungen! Sie hat erkannt, in welchen „Täterstrukturen“ sie in der Sendung „Die Super-Nanny“ unterwegs war! Heute übernimmt sie dafür die Verantwortung und setzt sich mit Engagement für eine bindungsorientierte Begleitung von Eltern und Kindern ein! Katharina Saalfrank hat meine Hochachtung — weil ich diese Herausforderung aus eigener Erfahrung kenne!

Wenn wir unser Zusammenleben auf diesem Planeten verändern wollen, müssen wir aufhören, uns gegenseitig zu traumatisieren. Doch damit das gelingt, müssen wir offen und ehrlich miteinander sein, unser Opfersein erkennen und für unser daraus resultierendes Tätersein die Verantwortung übernehmen. Leicht ist das nicht — wahrscheinlich ist das die größte Herausforderung, vor der wir stehen, doch es geht! Und immer mehr Menschen haben auch die Bereitschaft dazu!

Eltern, die in Gelsenkirchen waren und sich bewusst darüber werden, welche Gewalt ihnen und auch ihren Kindern widerfahren ist, können sich gerne an mich wenden.


Quellen

  1. https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2018-07/ns-geschichte-mutter-kind-beziehung-kindererziehung-nazizeit-adolf-hitler
  2. https://m.focus.de/familie/erziehung/familie-kinofilm-elternschule-tausende-eltern-sind-entsetzt-ein-kinderarzt-schlaegt-alarm_id_9771653.html?fbclid=IwAR1uuAaNDBbl2w8i2XW–73lYw_YXjKH8rY97yZVraZoov_riztNN7VrG1Q
  3. https://www.kaenguru-online.de/themen/medien/elternschule-nichts-fuer-schwache-nerven.html?fbclid=IwAR1EqnA6-dW3AtkgwfDVJehDt1Bf4fAEU8PV3ZyoSESn2z_Me7Qa9qJb3sE
  4. https://www.unerzogen-magazin.de/download/?b=false&artID=439
  5. https://www1.wdr.de/fernsehen/west-art/doku-elternschule-100.html
  6. https://www1.wdr.de/fernsehen/west-art/ralf-buecheler-102.html
  7. https://www.zdf.de/verbraucher/volle-kanne/dokumentarfilm-elternschule-100.html
  8. https://www.ardmediathek.de/tv/kinokino/Der-Dokumentarfilm-Elternschule/BR-Fernsehen/Video?bcastId=14913678&documentId=56808536
  9. https://www.youtube.com/watch?v=c9dxEgGQhDk
  10. https://www.youtube.com/watch?v=WU344Ld3dOU

+++

Dieser Beitrag erschien am 20.10.2018 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

+++

Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

+++

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

Alle weiteren Beiträge aus der Rubrik „Tagesdosis“ findest Du auf unserer Homepage: hier und auf unserer KenFM App.

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

42 Kommentare zu: “Tagesdosis 24.10.2018 – Die Untertanen-Macher

  1. Ein verdammt guter Artikel. Nichts als die pure Wahrheit und allein dadurch gehört IMHO dem Herrn Dr. Langer sämtliche behandelnde Lizenz entzogen – so jemand gehört vor Gericht gestellt und die entsprechende Klinik geschlossen. Das einzige Manko, das ich an diesem Artikel bemängeln muss, ist leider die Synchronisation den Podcasts. Für mich klingt es leider wie eine sehr schlecht imitierte Computerstimme. Ansonsten einer der besten Artikel, die ich hier bisher lesen durfte.

  2. Vielen Dank für die Behandlung des Bindungstraumas und den guten Artikel.
    Nur, das Bindungstrauma ist keine schlechte Angewohnheit, keine Ideologie, die die Leute sich irgendwann einmal zugelegt haben. Die Ursachen dafür, dass es gesellschaftlich-unmittelbare Verpflichtung der Eltern im bürgerlichen Ensemble ist, einem Kind dessen Eigenart zu verwehren und zu sanktionieren und es zusammen mit den staatlich institutionalisierten Zurichtungsanstalten (Kita und Schulen) in die Zwangsform der bürgerlichen Form zu pressen, sind durch Einsicht und Agieren auf rein individueller Ebene – so wohltuend und wichtig das für die Beteiligten ist – nicht abschaffbar.
    Ziel und Zweck des mittlerweile lebenslangen Lernens ist und bleibt die Selbstbeherrschung und Selbstunterwerfung der Leute unter vorgeblich alternativlose Verhältnisse wie abstrakte Flusszeit, abstrakte Arbeit, abstrakten Reichtum und abstrakte Gleichheit unter Hintanstellung und Leugnung substantieller Inhalte und Bindung der Leute unter einander. Ein jedes soll und muss in öffentlichen Vollzügen ausschließlich konkurrent agieren. Die im Falle der Abweichung jederzeit und sofort durch den Staat angewendete Gewalt, das Individuum wieder auf den einzig zulässigen Weg zurückzubringen, wird durch Erziehung (Elternhaus und staatliche Strukturen) im und vom Individuum internalisiert und an sich selbst vollzogen.
    Und so bleiben auch die einsichtsvollen Eltern im Gefüge befangen und mühen sich ab an der Quadratur des Kreises, dem Kinde seine individuellen Eigenarten zu belassen, selbst aber im täglichen Konkurrenzkampf alle Pflichten doch erfüllen zu müssen; denn im Bürgerlichen Ensemble ist ein jedes gezwungen, sich tagtäglich selbst zu traumatisieren – beginnend damit, auf Geheiß des Weckerklingelns den Erholungsschlaf abzubrechen.
    Ein Ende dieses tiefdunklen Kapitels Bürgerlichen Vergesellschaftung einschließlich kapitalistischer Produktionsweise kann es erst geben, wenn die sozialen Beziehungen der Menschen unter einander auf deren jeweiliger Vielfalt und Eigenart basieren und nicht mehr auf dem konkurrenten Austrag abstrakter Interessen von abstrakt gleichen und vergleichbaren Subjekten, die sich Zwecken außerhalb ihrer selbst unterwerfen müssen.

    • Hallo, Petra.

      Deine Analyse ist mit Sicherheit sehr gut. Aber liegt es nicht an Eltern, ihren Kindern Dinge (wie z. B. gesellschaftliche, politische oder andere Zusammenhänge) außerhalb der Schule zu vermitteln? Gut, ich kann verstehen, wenn manche Eltern dies aufgrund von Problemen, deren Ursache der Neo-Liberalismus ist – ist denke, du weißt, was ich meine – nicht können. Dennoch ist so etwas doch essentiell, oder nicht? So fand ich z. B. die Aussage von Dieter Dehm (Die Linke) in „Positionen – Politik verstehen“ 14 (Sorry, falls ich mich in der Ausgabe vertun sollte) sehr gut, als er sagte: „Kinder benötigen keinen Wecker, der sie um 6 Uhr weckt, damit sie um 7.45Uhr in der Schule sind.“ Es gab in diesem Format mindestens eine extrem gute Sendung, die (leider) nur knapp das Thema Bildung angerissen hat. Von daher wird solchen Leuten wie „Dr.“ Langer immer eine Plattform geboten, solange sich nicht grundsätzlich an diesem Bildungs- bzw. Erziehungsverständnis grundsätzlich etwas ändert.

      Just my 2 Cents.

  3. „Das Prinzip Summerhill“ war der Hit und auch mit Abstrichen ein „Erziehungsstil“ in den Ausgehenden 60’ern und später. Man mag es vielleicht nicht immer auf den Punkt getroffen haben, aber es war letztendlich ein Weg mit (!) den Kindern und nicht gegen sie.
    Wenn man heute eine gänzlich andere Methode wählt, so m.M.n. deshalb, weil die Ökonomie (der Kapitalismus) andere Verhaltensmuster fordert. Keine selbstbewussten/aufmuepfigen Kinder, sondern angepasste junge Menschen, die man ähnlich wie frueher (oder auch heute noch?) wilde Pferde gebrochen hat, denen dann die „Seele“ fehlt, und die nur noch gehorchen.

  4. Bevor wir hier alle aneinander vorbei schreiben. Was bedeutet denn antiautoritär? Irgend jemand hat geschrieben „ohne Regeln“. Das isses ja nicht. Nur ohne Autorität. Auf Augenhöhe mit den Kindern. Die sind nicht blöd, die sind nur kleine Menschen. Und ganz oft viel weiser, als ihre Eltern. Jedenfalls vor der ErZIEHung.

  5. Es ist leider wirklich so, dass die in dem Film gezeigten Methoden ziemlich DEM entsprechen, was in dem immerhin bis in die späten 80er Jahre aufgelegten Buch der Naziideologin Johanna Haarer (Die (deutsche) Mutter und ihr erstes Kind) propagiert wurde.
    Dort ging und geht es letztlich allein darum, den Willen des Kindes zu brechen und zwar bereits in der präverbalen Phase. Das kann und darf nicht (mehr) der Weg sein.
    Auch ich bin so aufgewachsen und habe heute noch damit zu arbeiten.
    Ein Kind KANN von seiner Mutter niemals ohne weiterreichende Folgen getrennt werden, dass liegt in der Natur der Sache – wie auch immer der Wille des Kindes (früher oder später) zum Ausdruck kommen wird, es entspricht immer dem natürlich gegebenen Drang seine vor allem auch emotionalen Bedürfnisse (wie Geborgeneheit und Liebe) gestillt zu bekommen.
    Es liegt also nahe, dass die aus diesen radikal manipulativen Erziehungsmethoden heraus resultierenden Defizite später als Erwachsene konsequenter Weise der nächsten Generation wiederum übergestülpt werden müssen.
    Die Traumaarbeit ist in meinen Augen, und auch aus meiner Erfahrung heraus, ein sehr probater Ansatz, um diesen Teufelskreis für immer zu durchbrechen.

    • …“diese radikal manipulativen Erziehungsmethoden“ werden aber von der Politik, (das sind die Angestellten der Machteliten) gefordert und gefördert. Kein autokratisch geführtes Land, (wir haben hier keine Demokratie, sondern eine Oligarchie), will oder wünscht den mündigen Bürger.
      Johanna Haarers Erziehungsmethoden werden so oder modifiziert wieder kommen. Warum?
      Weil wir Lämmer dazu schweigen.

  6. Als Erziehungswissenschaftlerin muss ich den Film natürlich gesehen haben um mitreden zu können. Da waren der Trailer und die Kommentare zu wenig. Hab ihn mir also im Kino angetan. Das Schlimmste ist, das dieser „Methode“ oder was auch immer das sein soll, ein völlig veraltetes Menschenbild zugrunde liegt. Das Kind als evolutionär strategische Überlebenskämpfermaschine, dem seine Eltern völlig egal sind. An Forschungen im Mutterleib weiß man je mittlerweile, dass das Gegenteil der Fall ist. Hier auf KenFm war das im Gespräch mit Günther Moll zu hören. “ Der Mensch ist in seiner Potentialität gut“. Und auch aus der Biologie gibt es dazu „passende“ Neuigkeiten. Glücklicherweise verliert Darwin in der Wissenschaft immer mehr seine unangefochtene Stellung in der Evolutionstheorie. Das Überleben des Stärkeren wird abgelöst durch das Prinzip der Kooperation (vereinfacht ausgedrückt). Zumindest wurde dieses Prinzip viel zu wenig beachtet. Und Lamarck hat das VOR Darwin schon erkannt und wurde natürlich als Häretiker niedergeschwiegen. Heute gilt er mittlerweile eher als Visionär.
    Jedenfalls, wenn die Kinder einem gewalttätigem Umfeld ausgesetzt werden (und das ist in dem Film definitiv zu sehen), werden sie sich dem anpassen. Ich bin mir sicher, die schlimmsten Szenen wurden nicht gezeigt. Schreiende Kinder beim „Schlaftraining“ gab es nicht zu sehen. Ich kann mir vorstellen, wie verzweifelt diese Kinder wohl waren, allein im Dunkeln im Gitterbettgefängnis (auch Säuglinge).
    Das Erstaunlichste auch für mich: die Zuschauer waren stets belustigt. Immer wieder gabs Grund zum Schmunzeln und Gelächter. Auch die coolen Sprüche des Oberdoktors waren für die meisten offensichtlich äußerst erheiternd.
    Und: jedes Kind ist bekanntlich anders. Keine „Methode“ kann für alle Kinder mit den gezeigten Problemen gelten.

  7. „Die Qualitätsmedien promoten brutale Erziehungsmethoden mit Nazi-Tradition.“
    Was ist ist an Gemeinschaftssinn, Disziplin, Gruppendenken und Gemeinschaftswohl so Nazi?
    Und vergessen wir nicht unsere Arroganz und Ignoranz anderer Zeiten und Sitten, die sich mit unseren verkommenen, spalterischen und Gemeinschaftsfeindbildern und Unsitten logischerweise nicht vertragen! Andere Völker machen es vor, wie es geht oder besser geht. Aber hier stinkt alles sofort nach Rechts und Nazi und Populismus, was z.B. Schuluniformen nicht doof findet oder eine grundlegende Disziplin fordert, welche das Leben sowieso jedem irgendwann abnötigt! Hier ist es schlicht nicht gewollt und längst zu spät für eine kindgerechte Entfaltung (wir nennen es Erziehung – wohin denn bitte – man denkt an ein Stück Vieh, was zum Schlachter gezogen werden muss oder so) der Talente eines Kindes, denn sie (die Kinder) könnten ja mal zu denken anfangen und passen dann nicht mehr zur Konsumschablone.
    Was müssen wir Kinder hassen – erst seit der Angliederung war z.B.Kinderlärm laut Hinweisschildern unerwünscht – um ihnen ihr Leben so sauer wie möglich zu machen mit Handy, TV, Castingshows, Industriefraß, Modeirrsinn, Häßlichkeitsidealen, Idolen – die nichts weiter als Werbeträger sind und was weiß ich noch alles, was die Erde zerstört. Liebe Eltern! Vergesst die Pharma (Meister im Erfinden tödlicher Krankheiten und Seuchen – die Leute sterben dann nicht der Seuche, sondern an den Pharmaka), die Politik, die Ratgeber (einzig und allein da um trendgerecht Gewinne zu generieren) und schaut in Länder, wo Großfamilien – die mit mehreren Generationen unter gemeinsamen Dächern es besser machen. So wie die libanesischen oder was weiß ich von irgendwo her Clans es uns hier in Dummland vormachen! Zusammenhalt ist alles! Das wurde uns bewußt aus dem Gehirn gewaschen! Weil sonst bist du Nazi…guckst du! Was reg ich mich auf?

    • Ob die Großfamilien unter einem Dach der Weisheit letzter Schluss sind, wage ich mal zu bezweifeln, auch wenn ich dem Rest Ihrer Aussagen eher zustimme.
      Wir kommen auch aus diesen Großfamilien, so viele Generationen ist das nicht her und ein großer Teil der Probleme, die Sie nennen, würde ich durchaus als Folgeprobleme dieser Großfamilien einstufen.

      Also ich würde jedenfalls alle von Ihnen beschriebenen Probleme nicht gegen Großfamilie tauschen wollen, als Frau schon garnicht. Familie kann man sich nämlich nicht aussuchen.

  8. Ich kann mir leider nicht helfen, aber ich hatte bei dem ganzen Beitrag das ungute Gefühl, die Autorin projiziert etwas in diesen Film hinein, um es dort „bequem“ bekämpfen zu können.
    Ich habe den Film nicht gesehen und habe es auch nicht unbedingt vor, aber entsprechend diesem Trailer kann ich erstmal nichts von dem nachvollziehen, was über den Film behauptet wird, ob das alles da so vorkommt oder aus dem Zusammenhang gerissen ist.
    Und was ist z.B. falsch oder kritikwürdig an der Aussage, dass kleine Säuglinge Egoisten sind. Natürlich sind sie das, was sollten sie sonst sein. Kritikwürdig wird eine solche Feststellung doch erst, wenn man da eine Wertung dran hängt – gut/schlecht, darf/darf nicht.
    Kann natürlich sein, der Film ist genau, wie die Autorin es beschreibt, so denke ich doch, dass manchmal drastisch erscheinende Maßnahmen durchaus die insgesamt effektivste und schmerzärmste Lösung sein können, wenn die Karre so richtig verfahren ist. Das ist immer eine Frage des Einzelfalls. Und ich glaube nicht, dass das unbedingt zu kritiklosen Untertanen macht.
    Da finde ich die landläufigen gesellschaftlichen Manipulationstechniken, deren Schlüssen sich so viele, auch antiautoritär erzogene Menschen, bedingungslos unterwerfen, weitaus gefährlicher.
    Ansonsten teile ich den weiter unten geäußerten Standpunkt, dass die Eltern zur Therapie gehen sollten, wenn die Kinder komisch sind, und zwar möglichst früh, aber das ist wohl sowohl von der allgemein üblichen Einstellung zu Therapiebedarf, als auch von den Therapiemöglichkeiten her ein frommer Wunsch.
    Und auch der Vortrag von Prof. Franz Ruppert „Trauma, Angst und Liebe“, bzw. das Buch sind durchaus empfehlenswert (ich habe das Buch gelesen).
    Und wie Kinder oft gar nicht anders können, als Gefühle, vor allem Ängste und Abneigungen, aber auch der Ziele, Wünsche oder Überheblichkeit ihrer Eltern auszuleben, bemerke ich schon lange. Dabei habe ich nicht mal viel mit Kindern zu tun.

    • Frowe Hulda
      Kleine Säuglinge sind Altruisten. Sie verschenken ganz viel Liebe, die in uns erzeugt wird, wenn wir es in den Arm nehmen, ohne eine Rechnung zu schreiben.
      Sie schreiben, „Das ist immer eine Frage des Einzelfalls“. Heißt das: Liebesentzug denen, die sie am dringendsten brauchen?
      Vielleicht ziehen sie ja diese, aus meiner Sicht, Fehlschlüsse, weil sie „wenig mit Kindern zu tun haben“.

    • Heißt es nicht, blauersalamander. Von Liebesentzug war nicht die Rede, wenn man überhaupt etwas entziehen könnte, was vorher womöglich nie da war.
      Und nicht jede drastische Maßnahme ist automatisch ein Liebesentzug, kann auch ein Liebesbeweis sein oder wenigstens die Anerkennung, dass da wer ist (so mager das ist, ist es besser als egal und Ignoranz) – wie gesagt ich wäre da vorsichtig mit pauschal.

      Damit, dass Säuglinge Liebe verschenken, gehe ich nicht so mit, sie erzeugen sie, ja, aber außer bei den allerengsten Bezugspersonen, ist ihnen das erstmal ziemlich egal (schlimm genug, dass sie sich später ziemlich schnell so verhalten lernen (müssen), dass sie angenommen werden).
      Altruismus hat für mich jedenfalls bisher bedeutet, dass man sich um die anderen aktiv oder bewusst bemüht. Aber wie auch immer, schließt das für mich den Egoisten nicht aus, denn ihre Bedürfnisse sind das Allerwichtigste in ihrem Dasein und fremde Bedürfnisse kommen nicht mal vor.

    • Frowe Hulda
      Wollte damit sagen, dass Begriffe wie „Egoisten“ bei Säuglingen keinen Sinn machen.
      Ein Säugling kann nur reagieren. Was wir rein geben, (an Liebe, Zärtlichkeit und Geborgenheit), kommt auch wieder raus. Wenn wir ehrlich zu uns selber sind, verstehen wir, dass Kindesverhalten immer Elternverhalten spiegelt, (solange es von den Segnungen der öffentlichen oder privaten Verwahranstalten verschont bleibt). Die Verantwortung für unser Kind kann uns kein Arzt oder Lehrbuch abnehmen.

  9. Das erschreckt mich doch jetzt sehr, wie schnell hier in dem Artikel und auch im Kommentar die Nazikeule geschwungen wird. Das ist doch gerade die Form von Meinungsausgrenzung und Feindbildmache, die es zu bekämpfen gilt, wenn wir hier eine Diskussion haben wollen, die sich im Stil von der Mainstreampropaganda unterscheidet.
    Ich habe Informationen von einer Freundin, die mit ihrem Kind, das sehr an Neurodermitis leidet, in der besagten Klinik war. Sie haben sich dort sehr gut aufgehoben und liebevoll behandelt gefühlt. Diese Klinik arbeitet mit Familien, die ganz große Probleme haben und bei denen die Eltern nicht mehr weiterwissen. Da eine vergleichbare, pädagogische Intension wie bei Johanna Haarer zu sehen erscheint mir da doch völlig aufgesetzt. Trotzdem kann man natürlich über die psychologischen und pädagogischen Ansätze dort diskutieren, aber wer sie so verteufelt sollte erstmal gut funktionierende Alternativen aufzeigen können.

    • Nazi scheint in gewissen Kreisen neuerdings zwanghafte Reaktionen zu verursachen oder wenigstens standardmäßig befürchtet zu werden.
      Mich erschreckt das auch.
      Mir kommt das immer wieder so vor, als starre das Kaninchen hypnotisiert auf die harmlose Schlange, das Stück Seil o.ä. und bemerkt darüber nicht die Straßenwalze, die da naht.

  10. Ich hoffe für Sie, dass Sie sich wirklich im Klaren sind über die Gründe , so für Ihren Vater da zu sein.
    Da kommt ja wohl viel mehr als bedingungslose Liebe oder Pflichtgefühl infrage. Es könnte z.B. auch der unbewusst von den Eltern übernommene Wunsch sein, zu beweisen, dass antiautoritäre Erziehung, die bessere Erziehung ist. Auch glaube ich, dass autoritär erzogenen Kinder sich ebenfalls in ähnlicher Weise um ihre Eltern kümmern, ohne das immer oder nur aus Pflichtgefühl zu tun.

  11. Neben den traumatischen unaufgearbeiteten Erfahrungen ist unser neoliberales Wirtschaftssystem (Stress durch Niedriglohn, steigende Mieten, Auto abzahlen etc.) Grundlage für das Konkurrenz- statt Solidaritätsdenken unseren Kindern gegenüber.
    Als Säugling schreien lassen und so schnell wie möglich in den Kinderhort, Hauptsache weg damit und Geld verdienen.
    Und dann kommen solche Schwachsinns- Filme im TV, die solch ein empathieloses Verhalten fördern.
    Fragt euch doch mal, wem solches Verhalten nutzt?
    Der Unter- und Mittelschicht sicher nicht. Es geht nur darum, aus den Untertanen den optimalen Mehrwert rauszupressen. Die Familien werden schon lange von der Politik (dem Kapital) bekämpft.
    Also: Nicht alle 4 Jahre seine Stimme abgeben, sondern täglich seine Stimme erheben. Anders lässt sich der Verrat an unseren Kindern wohl nicht mehr aufhalten.

  12. Ich denke am Ende unseres Lebens ist es gut ,wenn wir moeglichst viel Liebe in diese Welt gebracht haben.
    Schmerz und Krise sind immer auch eine Wahrnehmungskriese unseres inneren Ego-Affens.
    Wenn uns bewusst wird das wir der Affe sind aber nicht der Affe wir ,ist dies die Metamorphose aus der
    Huelle der gefraessigen Raupe hin zur Freiheit des Schmetterlings.
    Es gibt Kinder die schon mit dieser Haeutung geboren werden (Indigos) und andere die ihr ganzes Leben in
    diesem engen Kokon gefangen bleiben.

    Ich habe zwei erwachsene Kinder mit sogenannten Add und Addhs.
    Ich bin mit viel Liebe Freund meiner Kinder geblieben.

    Etwas von dem die modernen „Soldatenmacher“ perfide abraten.

    Meine Schwierigmutter hat uns immer prophetzeit ,das mein Sohn durch unsere liebevolle ,geduldige und
    annehmende Erziehung eines Tages mit einem Messer auf uns losgehen wuerde.
    Weit gefehlt.Heute sind unser Kinder wie Schmetterlinge um uns herum und wir teilen
    wie gute Freunde unsere Sorgen.
    Meine Schwierigmutter ist jetzt alt und ihr Sohn moecht von ihr nichts mehr wissen.

    Manchmal sucht eine Entwicklung auch ihren Kulminationspunkt.Dann gilt es auch diese Wahrnehmungskrise
    moeglichst Ego-Schmerzfrei mit viel Liebe anzunehmen,auch und grade wenn es Traenen regnet.
    Traenen sind Balsam fuer die Seele.

    Sei Du selbst die Veraenderung die du dir wuenschst weiss Mahatma Gandhi.

    „Alles ist Energie, und dazu ist nicht mehr zu sagen. Wenn du dich einschwingst in die Frequenz der Wirklichkeit, die du anstrebst, dann kannst du nicht verhindern, dass sich diese manifestiert. Es kann nicht anders sein. Das ist nicht Philosophie. Das ist Physik.“
    -Albert Einstein-

  13. Erziehung ist eine Gratwanderung und manchmal stürzen Kinder und/oder Eltern ins Tal der Strenge oder ins Tal der Grenzenlosigkeit ab. Was nun? Die Kritik an dem Film finde ich nach 40 Jahren Unterrichtstätigkeit, überwiegend in Privatschulen, übertrieben. Ich bin allerdings auch nicht mit allem, was im Film vorgetragen wird, einverstanden. Zum Beispiel bin ich nicht der Meinung, dass Kinder als Egoisten auf die Welt kommen. Sie können aber sehr wohl dazu erzogen werden.
    Wenn man erlebt, wie ein Achtklässler mehr als zwei Stunden lang wie ein zweijähriges Kind tobt, muss man fragen, was in der Erziehung falsch gelaufen ist. Das Jugendliche tobte zunächst 45 Minuten bei der Lehrkraft, die ihm ein Spielzeug nach einem Regelverstoß abnahm. Er tobte, weil er nicht bis 15.00 auf das Spielzeug warten wollte. Die Rückgabefrist wurde darauf hin verlängert. Als es nach dem Mittagessen klingelte, tobte er eine weiter ¾ Stunde beim Klassenleiter und anschließend eine weiter ¾ Stunde beim pädagogischen Direktor. Er wurde dann für 3 Tage suspendiert. Bereits am nächsten Tag verlangte der Vater „sein (=Vater)“ Spielzeug zurück. Die Lehrkraft wurde bezichtigt, für die Suspendierung verantwortlich zu sein.
    Sie können als Normalsterblicher das Elend in Privatschulen nicht vorstellen. Gestörte Kinder werden dort abgegeben, weil die Eltern verzweifeln. Dort werden die Kinder und Jugendliche sich selbst überlassen. Grenzenlosigkeit in jeder Hinsicht wird toleriert, wenn nicht gar verlangt. Als Lehrkraft ist man geraten, will man weiter beschäftigt sein, nichts zu sagen. Auch nur ein „Stopp“ wenn zwei Kinder im Klassenzimmer herumrasen, wird geahndet, notfalls mit einer fristlosen Kündigung.
    Ich wünschte mir, die Eltern einiger meiner Schüler hätten rechtzeitig eine Elternschule besucht. Vielleicht wären ihre Kinder dann in der Lage versetzt worden einen Beruf zu ergreifen. Ein Vater, ein Klinikdirektor, drohte mich beim Ministerium anzuschwärzen, falls ich die Note seines Sohnes nicht aufbessere. Als ich fragte, ob die Versetzung gefährdet sei oder ob das Fach so wichtig für den späteren Werdegang sei, fiel der Vater in sich zusammen: „Ich kann mir keinen Beruf vorstellen, den mein Kind ausüben könnte“. Tragisch. Sehr tragisch. Etwas ist gründlich schief gegangen.
    Ein guter Freund arbeitete ein Jahr in ein Waldorfinternat. Er beschrieb die Stelle als ein Kamikazestelle und lies sich als Programmierer umschulen.
    Ich empfehle, die Kinder am Anfang und am Ende des Filmes genau zu betrachten. Sie sahen in meinen Augen am Ende wesentlich glücklicher und zufriedener aus.

    • Als ich fünf Jahre alt war, sagte mir meine Mutter immer, dass glücklich sein der Schlüssel zum Leben sei. In der Schule fragten sie mich dann, was ich mal werden möchte, wenn ich groß bin. Ich schrieb hin: „Glücklich.“ Sie sagten mir, dass ich die Aufgabe nicht verstanden habe, und ich sagte ihnen: „Ihr habt das Leben nicht verstanden.“

      John Lennon

    • Wenn ich als Filmemacher meine Meinung verkaufen will, ist es doch ein leichtes Bilder in meinem Sinne zu manipulieren, indem ich das Material verwende, was gerade opportun ist.
      Meine dritte Tochter war auch ein „Schreikind“. Da meine Frau genug für die Familie verdiente, habe ich mich als Hausmann um sie gekümmert. Nicht zu wissen warum ein Kind schreit, war eine meiner schlimmsten Erfahrungen. Ich konnte nur eins machen, sie auf den Arm nehmen und ihr so deutlich machen, dass ich sie lieb habe. Heute ist sie 21 Jahre, studiert Sonderpädagogik, ist selbstbewusst, freundlich, hilfsbereit. Als Untertan völlig unbrauchbar.

  14. Ich bin selbst Vater und fassungslos, was dort praktiziert wird. Was kommt als nächstes, Kraft durch Freude um den gesunden Volkskörper zu stärken? Ich habe mein Kind nicht antiautoritär erzogen, sondern mit Liebe, Verständnis und einem Gefühl für gut und böse und einem gesunden Empathieempfinden. „Kindererziehung“ kostet halt viel Zeit, Geduld und Verständnis. Grundsätzlich auf „Regeln“ zu verzichten halte ich für falsch, man muss diese halt auch dem Kind vorleben, dann klappt es auch ohne jeglichen „Zwang und Sanktionen“ in der Erziehung.

  15. Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, warum unsere Kinder so sind, wie sie angeblich sind. Vielleicht spielen auch Nahrungszusätze, Pestizide, Reizüberflutung, hormonverseuchtes Trinkwasser, Impfungen und vieles mehr eine auslösende Rolle? Die Antwort unserer Gesellschaft ist wie in allen Fragen Gewalt. Nur nicht die Ursachen erforschen, wenn das Ergebnis dem alles beherrschenden Markt in die Quere kommen könnte. Bei uns herrscht schließlich „marktkonforme Demokratie“, Wirtschaft vor Zufriedenheit, Profit vor Gesundheit. Eine kinderlose Frau und eine Wurfmaschine (Verzeihung) lenken jetzt unsere Geschicke im Sinne ihrer atlantischen Freunde. Da fabuliert die Eine, wie man Putin „weh tun“ könne. Und die Andere – viele haben es schon vergessen – wollte sich laut eigener Aussage für Glyphosat einsetzen. Hat sie geschafft. Wenn wir nicht endlich beginnen, all das im Zusammenhang zu sehen, sind wir verloren… Unsere Kinder, die als terroristisches Ungemach betrachtet werden, sind Opfer. Opfer unserer eigenen Interesselosigkeit, unserer Feigheit und unserer Dummheit. Sie sind schutzlose kleine Wesen in einer gewaltbereiten, empathielosen Gesellschaft.

    • Hier schließe ich mich auch an und ergänze:
      Kinder sind in unserer Gesellschaft zum großen Teil ein Rechtsgegenstand und ich weiß wirklich nicht zu sagen, ob es schlimmer ist, wenn die Eltern oder Vater Staat die Rechte hält.
      Und ein großer Teil der Kinder ist, dank bestimmter Paragraphen und Religionen, eher ungewollt oder notgedrungen gewollt und ein anderer, nicht unwesentlicher Teil, dient in irgendeiner Form der Rechtfertigung und Selbstbestätigung der Eltern, wobei die Gesellschaft entsprechende Klischees fleißig pflegt.

      Und wer hat die Unabhängigkeit es einfach als große Bereicherung zu sehen, ein unabhängiges Kind zu haben?

    • @Frowe Hulda
      „Und wer hat die Unabhängigkeit es einfach als große Bereicherung zu sehen, ein unabhängiges Kind zu haben?“ Dieser Satz hat Weltniveau 😉

    • Neudenker
      Jo, da stimme ich auch voll zu! Es wird in unserer Gesellschaft NIE nach den Ursachen gefragt, egal um was es geht. Die Erwachsenen drehen ja mittlerweile genauso durch – Bsp Gewalt gegen Notärzte.

      Ich weiß nicht, es wird als Verschwörungstheorie gehandelt, aber es gibt die Vermutung, dass unsere Zirbeldrüse verkalkt durch die ganzen Umweltgifte, Aspartam, Fluorid und solche Sachen. Die Zirbeldrüse ist aber für die Empathie zuständig. Bei Paracetamol ist es sogar eine erforschte Nebenwirkung, das mit dem Rückgang der Empathie.

      Frowe Hulda
      Ja! Toller Satz – mit dem unabhängigen Kind!!!

  16. Ich kenne weder die Sendung noch die Klinik von der hier gesprochen wird. Aber ich habe vor vielen Jahren mal eine Sendung auf RTL gesehen „Die Supermamas“ (Ich rede nicht von der Supernanny!) In dieser Sendung gingen 2 Psychologinnen aus Berlin in schwierige Familien, die mit ihren Kindern nicht klar kamen. Diese Sendung war sehr gut. Leider kann ich auf Youtube nicht eine einzige Folge davon finden. Eine Psychologin lebte zuerst 1 Woche in der Familie und tat nichts als das Chaos zu beobachten. Dann sprach sie mit den Eltern und erstellte einen Plan, wer was an seinem Verhalten zu ändern hat und der wurde dann mit ihrer Unterstützung umgesetzt. Das Interessante an der Sendung war, dass die Therapie zu 100% mit den Eltern gemacht wurde und nicht mit den Kindern. Die Eltern mußten lernen wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten müssen. Es wurde kein Umerziehungsprogramm an den Kindern durchgeführt. Ich habe viel aus dieser Sendung gelernt. Ein immer wiederkehrendes Problem war zum Beispiel ein Kind, das nicht schlafen will. In jedem Fall war es so, dass die Eltern hier inkonsequent waren. Wenn das Kind dann spielte oder im Wohnzimmer saß statt zu schlafen, ließen die Eltern dies zu was natürlich ein schwerer Erziehungsfehler ist. Den Eltern wurde erklärt, wie sie zuerst ihr Kind mit dem Erzählen einer Geschichte ins Bett bringen und dann wenn es nach 15 Minuten in die Küche kommt „Mami ich kann nicht schlafen“ dann wurde das Kind ohne es auszuschimpfen wieder ins Bett gebracht und das immer wieder so lange bis es dann endlich schlief. Ohne Gewalt aber konsequent. Ich kann diese Sendung wirklich empfehlen, weiss aber nicht ob sie irgendwo im Internet zu finden ist.

  17. …Und später beschweren sich dann solche Eltern, wenn sie in ein Pflegeheim abgeschoben werden!

    Wir hatten dieses Thema zufälligerweise gerade letztes Wochenende auf der goldenen Hochzeit meiner Tante. Diese Menschen, die vor vielen Jahren meinen Eltern zugesetzt haben, dass meine Erziehung viel zu antiautoritär wäre, sitzen heute und kriegen den Mund nich mehr zu. Während sie allein in ihren Pflegeheimen sitzen und auf ihre missratenen Blagen schimpfen, bin ich in die Wohnung neben meinem Dad gezogen und kümmere mich um ihn. Und das mach ich nicht aus Pflichtgefühl (das Gefühl kenn ich nicht, bin ja antiautoritär erzogen), sondern aus Liebe. 🙂
    Ein Klassiker in Sachen Saat und Ernte!

    Da gibt es übrigens ein tolles Buch zum Thema traumatisierte Kinder und die Folgen:
    „Wenn wir wüssten“ von Götz Wittneben. Sollte jeder, der Kinder plant, gelesen haben.

    • Ich hoffe für Sie, dass Sie sich wirklich im Klaren sind über die Gründe , so für Ihren Vater da zu sein.
      Da kommt ja wohl viel mehr als bedingungslose Liebe oder Pflichtgefühl infrage. Es könnte z.B. auch der unbewusst von den Eltern übernommene Wunsch sein, zu beweisen, dass antiautoritäre Erziehung, die bessere Erziehung ist. Auch glaube ich, dass autoritär erzogenen Kinder sich ebenfalls in ähnlicher Weise um ihre Eltern kümmern, ohne das immer oder nur aus Pflichtgefühl zu tun.

    • Frowe Hulda

      Bedingungslose Liebe? Ich weiß nich… Bin doch net Jesus. 😉 Ich seh das wirklich eher als „wie es in den Wald reinruft…“
      Ob ich meinen Vater genauso lieb hätte, wenn ich nicht seine Liebe mein Leben lang erfahren hätte… Kann ich mir nicht vorstellen. Wenn Druck und Zwang auf ein Kind ausgeübt wird, wird doch damit keine Liebe des Kindes erzeugt. Höchstens eine Pseudoliebe. Wird von Arno Gruen sehr schön beschrieben in seinem Buch „Wider den Gehorsam“. Er sagt, dass dieses Gehorsamsding die Menschen im innersten zerstört und der Urgrund für viel Übel in unserer Welt ist. In meinem Kopf macht das Sinn…

      Mag sein, dass da irgend ein unterbewusster Wunsch noch eine Rolle spielt. Aber wenn, dann ist dieser Wunsch wirklich unterbewusst.

      Aber was auch immer dahintersteckt. Am Ende zählt doch das Ergebnis! Und ich fand die Korrelation auffällig, dass gerade die strengsten Eltern heut allein da stehen.

Hinterlasse eine Antwort