Tagesdosis 24.4.2018 – Der SPD-Traum

Ein Kommentar von Dirk Pohlmann.

Wenn man sich an Träume erinnern will, muss man Papier und Stift neben das Bett legen und sofort nach dem Aufwachen aufschreiben, an was man sich erinnert.

Nun denn, ich tat es, denn heute morgen, als die ersten Strahlen der goldenen Morgensonne begannen, mein Antlitz wachzuküssen, jedoch bevor die arge Wirklichkeit endgültig jenes zarte, feine Weben der Gedanken hinwegfegte, das uns allnächtlich mit der erquickenden Welt der Ideen verbindet, da deuchte mir, ich hörte eine Rede des neuen SPD Außenministers Heiko Maas, so süß, so ergötzlich, dass ich vor Freude im Schlaf nicht anders konnte, als mein Kopfkissen mit heißen Tränen zu benetzen. Die Rede ging so:

„Meine lieben Parteifreunde, liebe Bundesbürger, Männer wie Frauen. Die Sozialdemokratie steht vor der größten Krise ihrer Geschichte. Nicht nur in Deutschland, auch in Schweden und England. Die Wähler laufen uns in Scharen davon. Wir sind zwar zunehmend arm, aber schon lange nicht mehr sexy. Der Schulz-Zug entgleiste, kaum dass er die Montagehalle verlassen hatte.

Wie konnte es dazu kommen? Ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden. „Alle große politische Aktion besteht im Aussprechen dessen, was ist, und beginnt damit. Alle politische Kleingeisterei besteht im Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist.“ Das sind die Worte unseres Gründers Ferdinand Lassalle (1825 -1864).

Die Wahrheit ist: Das Taktieren der letzten Jahrzehnte, das Verharren im Kleinklein unserer Mutlosigkeit hat uns das Rückgrat gebrochen.

Es gilt, die großen Themen der Sozialdemokratie wieder in den Blick zu nehmen.

Wie schaffen wir eine Gesellschaft, in der die gesellschaftlichen Abstände sich verringern, jeder seine Arbeitskraft einbringen kann, so bezahlt, dass nur Meckerer etwas zu meckern haben, in der alle Menschen auf eine gute medizinische Versorgung, eine gesicherte Rente, auf Hilfe in Notsituationen vertrauen können, in der man nicht aus der Klassen und Schichtzugehörigkeit ableiten kann, welchen Bildungsabschluss Kinder erreichen werden? Wie schaffen wir Frieden in der Gesellschaft? Wie nutzen wir die Kraft des Kapitalismus, um ihn, auf eine neue Ebene gehoben, zu überwinden, ohne die Geistesfreiheit zu gefährden, wie schaffen wir es, den Idealismus der Jugend guten Gewissens zur Verbesserung einer gerechteren Gesellschaft zu nutzen, die keine Ausbeutung mehr kennt? Das ist das eine Thema.

Das andere lautet: Wie schaffen wir Frieden in der Welt? Es geht nur durch Verrechtlichung der Politik, die Abkehr vom Recht des Stärkeren, das kein Recht ist, sondern Willkür. „Der Säbel ist zwar der Säbel, aber nie das Recht.“ Auch dieser Satz stammt von Ferdinand Lasalle.

Wir haben das großartige Beispiel von Olof Palme, Egon Bahr und Willy Brandt, die in den 70er Jahren die Sozialdemokratie zu einer geistigen Supermacht der Friedenspolitik machten. Damals haben wir die Themen vorgegeben, das rechte Spektrum musste sich rechtfertigen. Unsere Ideen regierten den Diskurs. Es war ein genialer Anfang. Palme, Bahr, Brandt. In vielen Ländern der Welt, in Asien, Afrika, Südamerika stehen diese Namen für ein Versprechen, dass wir der Welt gegeben, aber nicht eingelöst haben.

Wir verspielen dieses große Erbe nun auch noch durch unsere Teilnahme an immer absurderen und verlogeneren Militäroperationen der westlichen Mächte USA, Großbritannien und Frankreich. Wir sind aufgerufen, unsere Feigheit vor dem Freund abzulegen, den Verbündeten die Gefolgschaft auf dem Weg in verbrecherische Kriege aufzukündigen und dafür zu sorgen, dass Europa keinen noch schlechteren Namen in der Welt bekommt, als es wirklich verdient hat.

„Alle Kunst praktischer Erfolge besteht darin, alle Kraft zu jeder Zeit auf einen Punkt – auf den wichtigsten – zu konzentrieren.“ Wieder Ferdinand Lassalle. Dieser Punkt ist das Themenfeld Gerechtigkeit und Frieden.

Frieden ist nicht die Abwesenheit von Krieg. Frieden ist Frieden. Aber nur die Vorstufe des Friedens, die Abwesenheit von Krieg, kann echten Frieden ermöglichen. Zwischen den Menschen, mit der Natur. Frieden ist Gerechtigkeit und Recht, das der Gerechtigkeit dient. Der Freundschaft zwischen den Völkern. Das ist eine ur-sozialdemokratische, und ich möchte sagen, auch eine ur-deutsche Aufgabe. Eben weil wir vor der Geschichte versagt haben. Wir stehen deswegen jetzt dafür, müssen dafür stehen, hellwach zu sein, Ungerechtigkeit, Grausamkeit und Feindschaft im Ansatz zu erkennen und in Gutes zu verwandeln. Es ist unsere Pflicht. Es ist die einzig mögliche menschliche Antwort auf unsere Geschichte.

Deswegen möchten wir ganz besonders Frieden mit Russland, so wie wir Frieden mit den Juden und Israel wollen. Das heißt nicht, dass wir nicht Kritik üben, wenn wir es für nötig halten. Aber es heißt, dass wir mit Freundschaft, Klugheit und Respekt den Nationen gegenüber treten, die die Nachfahren der Menschen beherbergen, die in unserem Namen vernichtet werden sollten. Man kann uns nicht vorwerfen, Israel gegenüber versagt zu haben. Aber wir haben Russland gegenüber versagt. Die Russen sind uns mit Freundschaft entgegengekommen. Sie haben uns ermöglicht, wiedervereint zu leben. Sie haben uns die Hand entgegengestreckt. Wir werden diesen Großmut beantworten. Wir haben es in den letzten Jahrzehnten nicht getan. Wir werden es in Zukunft tun. Dafür stehen wir, die Sozialdemokraten.

Deutschland ist zu groß um zu schweigen und zu klein um zu herrschen. Wir wollen auch nicht mehr herrschen. Aber wir wollen eine Supermacht des Friedens, der Vernunft und der Verständigung werden. Die Welt wird unsere ökologisch klugen, enkelkompatiblen Erfindungen und Geräte bewundern. Wer immer Konflikte mit seinen Nachbarn hat, wird von uns Hilfe und Unterstützung erwarten dürfen, auf dem Weg zu einer diplomatischen, friedlichen Einigung. Wir wollen politische und vor allem militärische Neutralität. Wir werden wieder ausschließlich als Wissenschaftsnation, als Berufsausbilder für die Jugend der Welt Verantwortung übernehmen. Nicht mehr mit Soldaten, es sein denn, sie werden in naher Zukunft als Hüter eines Waffenstillstands von allen Konfliktparteien gerufen. Wir werden unser Militär schrittweise abschaffen, wie Costa Rica, ein Land in dem die Sozialdemokratie viele Freunde hat. Nicht weil wir zu naiv und zu gut für diese Welt wären, sondern weil wir es sehr ernst meinen mit unseren Zielen.

Die NATO ist kein Instrument des Friedens, spätestens nicht mehr seit dem Ende des Kalten Krieges. Sie wurde zum Zentrum des alten Denkens und eines neuen Triumphalismus, wie Gorbatschow es nannte. Die NATO hat versagt. Wir werden auf Gorbatschows Rat hören. Wir schulden ihm etwas, den Russen etwas, uns selbst etwas. Wahrhaftigkeit und Mut.

Wir werden uns bemühen, die Mitte zwischen Ost und West zu sein, zwischen der Pazifikregion, zwischen China, Russland und USA. Ein Garant des Friedens in Eurasien und der Welt.

Leider haben nicht nur wir, sondern auch unsere Medien auf dem Weg zu diesem Ziel versagt. „Hauptfeind der Entwicklung des deutschen Geistes ist die Presse“ sagte Lassalle. Die Medien haben versagt, weil sie ihre Aufgabe nicht erfüllt haben. Die Medien sollen keine bestimmte Meinung vertreten, sie sollen den Meinungskampf abbilden und ermöglichen. Sie sollen uns voran bringen, uns helfen, die Welt zu verstehen, bessere Problemlösungen zu finden, bessere Ideen zu entwickeln.Wir werden dafür sorgen, dass die Medien wieder ihre Aufgabe verrichten. Dass sie den Wettstreit der Ideen abbilden und befeuern. Dass sie uns kritisieren und kontrollieren, uns dabei unterstützen, unsere Aufgaben zu erledigen. Wer ein kluges, offenes Wort ausspricht, wird in Zukunft geachtet, nicht gemobbt. Dafür wollen wir stehen. Das versprechen wir auch unseren Kritikern. Großmut und Ritterlichkeit. Altertümliche Begriffe, deren Realität wir bitter vermissen und deren Realisierung uns begeistern wird.

Um zu beweisen, dass all dies keine schönen Worte sind, werden wir für neue Wege eintreten. Für die Einführung einer direkten Demokratie. Für ein Parlament, in dem die Linke, die echten Grünen, die wahren Konservativen und alle Menschen guten Willens mit uns an der Verwirklichung unserer Ideale mitwirken können.

Um zu beweisen, dass wir es ernst meinen, werden wir auf die Führungspositionen verzichten – aber nicht auf die Führung bei Ideen und Visionen. Wir können diese Vorherrschaft nicht erzwingen, sie kann uns nur durch freiwillige Einsicht verliehen werden. Dafür wollen wir stehen, als Sozialdemokraten.

Wir schlagen deshalb eine Interims-Regierung unter der Bundeskanzlerin Sarah Wagenknecht vor, um den Bruch der Sozialdemokratie zu heilen. Wir schlagen vor, wieder zu einer gemeinsamen Partei zu verschmelzen, uns „wiederzuvereinigen“.

Wir würden gerne den Außenminister stellen, der Wahrheit die Ehre, ich wäre es gerne –  aber das muss nicht sein. Wir wollen eine Regierung mit Ministern aus allen Parteien, die an der Aufgabe, unsere Bevölkerung zum wahren Souverän zu machen, mitwirken wollen.

Als gemeinsames aussenpolitsches Ziel, als Gradmesser unserer Absichten, fordern wir die Abschaffung der Nuklearwaffen. Es ist ein ebenso schwierig zu erreichendes wie unverzichtbares Ziel, wenn die Menschheit überleben will. Es wird uns eine Ehre sein, dieses dicke Brett mit Hartnäckigkeit, Kreativität und Geistesgegenwart zu durchbohren. Es ist ein würdiges Ziel für Menschen.

Nicht weil es leicht ist, sondern weil es schwer ist, wie John F. Kennedy einmal in anderem Zusammenhang sagte. Es ist eine Menschheitsaufgabe. So wie die Abschaffung der Sklaverei eine scheinbar unmögliche Menschheitsaufgabe war. Dieses Ziel soll der Beweis sein, dass wir die Zukunft mit Mut gestalten wollen. Es ist ein gutes Ziel für das Land der Dichter und Denker.

Ein letztes Mal möchte ich Ferdinand Lassalle zitieren: „Ohne Leidenschaft wird in der Geschichte kein Stein vom anderen gerückt! Ohne Leidenschaft ist keine einzige jener gewaltigen Befreiungen ausgeführt worden, deren Aufeinanderfolge die Weltgeschichte bildet.“

So träumte ich. Hin-und hergerissen zwischen der Angst vor zu großen Gefühlen und der Sehnsucht nach großen Gefühlen, fassungslos über mich selbst, angesichts meines fast fanatischen Willens, Sozialdemokrat zu werden, bedroht von der Kitschpolizei, angezogen von der Vorstellung eines lebenswerten Lebens, in der das Ziel nicht im Weg steht, der Weg auch nicht das Ziel ist, aber es ein echtes Ziel gibt, angesichts dessen die Mittel auf keinen Fall den Zweck entheiligen dürfen. Ich träumte von einem sinnvollen Leben, in dem es sich lohnt, jeden Morgen aufzuwachen. Um Nina Hagen zu zitieren: „Es war so schön.“

Dann wachte ich auf. Die Realität, nach einem alten irischen Sprichwort der Zustand, der durch einen Mangel an Alkohol entsteht, setzte erbarmungslos ein.

Andrea Nahles war die neue Vorsitzende der SPD. Der echte Heiko Maas war Außenminister.

Meine Vision hatte ein letztes Nahtoderlebnis, bevor ich wieder Mitglied der marktradikalen Leistungsgesellschaft mit Hartz4 Drohung wurde und ich mich, dem Ratschlag des großen SPD Vorsitzenden Helmut Schmidt folgend, auf den Weg zum Arzt machte, um mich einschläfern zu lassen. Dabei ging mir ein Märchen aus uralten Zeiten nicht aus dem Sinn, ich glaube, es waren Bruchstücke eines Gedichtes von Heinrich Heine:

In Deutschland um den Schlaf gebracht
verzehr ich mich nach Traum und Nacht
Ich möchte meine Augen schließen
dass wieder heiße Tränen fliessen.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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29 Kommentare zu: “Tagesdosis 24.4.2018 – Der SPD-Traum

  1. Seit Jeremy Corbyn Labour-Vorsitzende ist, sieht es gar nicht so schlecht aus für die Sozialdemokratie in England.
    Er stellt die richtigen Fragen.
    „Er befürwortet einen NATO-Austritt des Vereinigten Königsreiches, eine pazifistische Außenpolitik, eine Verstaatlichung öffentlicher Versorgungsunternehmen sowie die Abschaffung von Studiengebühren.“ wikipedia

  2. Sehr schön gedacht und geschrieben…nur sollten wir uns nicht der Illusion hingeben – Außnahme vielleicht Russland – dass wir als Freunde in Freundschaften mit den USA, Israel, Frankreich oder anderen – wie uns immer vorgehalten wird, durch uns in Weltkriegen Geschädigten – verbunden sein könnten oder jemals als Freund oder zumindest als Partner betrachtet zu werden. Wir sind nützlich und dummgestellt. Man mag nicht uns, sondern das Geld und Produkte, die aus der Wirtschaftskraft, Ingenieurskunst und Innovation der Deutschstämmigen fließen. Ein Blick hinter die Fassaden von ewig grinsenden und winkenden Politdarstellern fördert Ablehnung, Verachtung und Hass gegen alles was den Anschein erweckt deutsch zu sein zu Tage. Sollten wir mal nicht mehr zahlen wollen oder können, werden wir Freunde erleben! Die Deutschphobien der entsprechenden Nationen kann ich mir nur mit Futterneid und Jungsproblemen erklären…

  3. Spontane Gedanken, nach lesen und hören dieser Tagesdosis.

    Was muss man/frau rauchen, um solche Träume zu haben? 😉

    Mein Hirn sagt:

    Solange

    irgendwelche Parteibuchstaben in solchen Visionen auftauchen,

    irgendwelche Gesellschaftsgruppenbezeichnungen (Arbeiter, sonstwas, . . .) genannt werden, deren Erstarken und Wirken stellvertretend dafür stehen soll, dass unsere Welt sozialer, gerechter, nachhaltiger, verantwortungsbewußter und gemeinwohlorientierter wird,

    oder von „rechts“ und „links“ gesprochen wird (weiß ja kaum noch einer für was das überhaupt nochstehen soll)

    oder heilsversprechende Wirtschaftssysteme als verantwortlich oder erstrebenswert benannt werden,

    nützt auch kein Aufschreiben mehr, dass man/frau sich länger oder ernsthafter mit solchen Visionen beschäftigt. Sie werden nur noch müde belächelt und begründen vielleicht eine neue postneoromantische Kunst- oder Denkrichtung. Mehr aber auch nicht!

    Warum: Wir sehen, hören und erfahren heute zuviel von dieser Welt!

    Wir sind immer noch vollends damit beschäftigt den globalen Masstab überhaupt fassen zu können, den wir uns im Zuge der digitalen Entwicklungen mittlerweile erschlossen haben und der selbst schon ab Smartphonegröße jederzeit und (fast) überall zugänglich ist.

    Das was wir heute an Zusammenhänge sehen können -bis in den globalen Maßstab hinein – (und wir werden immer besser darin), an Problemen und an Zerstörungen ausmachen können, aber auch das, was wir an Vielfalt der verschiedenen Menschen, Völker, Kulturen, etc. auf unserem Globus im Detail wahrnehmen können,
    kann durch keine Brille irgendeiner Teilmenge (Partei, Richtung, Gesinnung, Wirtschaftssystem,etc. ) der menschlichen Gesamtheit mehr erfasst werden. Und ich glaube dass viele auch schon lange dieses Gefühl haben ohne es vielleicht zu wissen??

    Ich denke, für mich ist das hier ein ganz wesentlicher Punkt, der mich schon recht lange beschäftigt und auch meine Abneigung begründet mich irgendeiner Gruppe, Bewegung, etc. zugehörig fühlen zu wollen.

    Es wird kein rechts, links, arbeiter, mittelschicht, System oder sonstwas geben, mit dem wir da weiter kommen! Da muss etwas anderes her, was eben keine Teilmenge mehr vom Ganzen ist.

    Aber geht das,
    dass wir mit greifbaren und verhandelbaren Werten, Vorstellungen und Zielen argumentieren können, die alle Menschen und den gesamten Erdball gleichermaßen mit einschließen können, die nicht nur für Teilmengen gilt und Andersartiges ausgrenzt:

    „Friedlich“, „Gemeinwohlorientiert“, „Natur verträglich und erhaltend“, „Nachhaltig“ (auch wenn das Wort schon so abgelutscht ist . .), „Gerecht“, „Sozial“ (leider sehr negativ besetzt wegen SPD und so´n Sch…)

    Das sind so Wörter, die mir da bisher einfallen auf der Suche nach Narrativen, die vielleicht heute wieder greifen, uns berühren und motivieren können, endlich mal den Arsch wieder hoch zu bekommen und die bisherigen zivilsatorischen, sozialen und kulturellen Errungenschaften und auch die Natur als unsere Lebensgrundlage zu verteidigen, und /oder .
    eine neue Geschichte anzufangen und diese gemeinsam weiterzuspinnen und zu entwickeln.

    Es wird nicht einfach, aber es lohnt sich!

    Habe auf Rubikon in der Überschrift einer Buchbesprechung von Mohssen Massarrat den Satz gelesen:

    „Verpflichten wir Wirtschaft und Politik, der Menschheit zu dienen!“

    (Der Satz ließe sich sicher noch erweitern)

    Ich finde es ein äußerst greifbares Ziel mit gleichzeitig visonärem Charakter, was ich auch auf der Strasse brüllen kann, welches als roter Faden oder Richtschnur taugt, nach der wir unser Handeln neu ausrichten.
    Es gilt – aus meiner Sicht – mehr solcher Formulierungen zu finden und daraus Argumente „FÜR eine Sache“ zu entwickeln,

    so dass sich da keiner mehr was aufschreiben, schweißgebadet fantasieren oder was rauchen muss, oder . . 🙂

  4. Spontane Gedanken, nach lesen und hören dieser Tagesdosis.

    Was muss man/frau rauchen, um solche Träume zu haben? 😉

    Mein Hirn sagt:

    Solange

    irgendwelche Parteibuchstaben in solchen Visionen auftauchen,

    irgendwelche Gesellschaftsgruppenbezeichnungen (Arbeiter, sonstwas, . . .) genannt werden, deren Erstarken und Wirken stellvertretend dafür stehen soll, dass unsere Welt sozialer, gerechter, nachhaltiger, verantwortungsbewußter und gemeinwohlorientierter wird,

    oder von „rechts“ und „links“ gesprochen wird (weiß ja kaum noch einer für was das überhaupt nochstehen soll)

    oder heilsversprechende Wirtschaftssysteme als verantwortlich oder erstrebenswert benannt werden,

    nützt auch kein Aufschreiben mehr, dass man/frau sich länger oder ernsthafter mit solchen Visionen beschäftigt. Sie werden nur noch müde belächelt und begründen vielleicht eine neue postneoromantische Kunst- oder Denkrichtung. Mehr aber auch nicht!

    Warum: Wir sehen, hören und erfahren heute zuviel von dieser Welt!

    Wir sind immer noch vollends damit beschäftigt den globalen Masstab überhaupt fassen zu können, den wir uns im Zuge der digitalen Entwicklungen mittlerweile erschlossen haben und der selbst schon ab Smartphonegröße jederzeit und (fast) überall zugänglich ist.

    Das was wir heute an Zusammenhänge sehen können -bis in den globalen Maßstab hinein – (und wir werden immer besser darin), an Problemen und an Zerstörungen ausmachen können, aber auch das, was wir an Vielfalt der verschiedenen Menschen, Völker, Kulturen, etc. auf unserem Globus im Detail wahrnehmen können,
    kann durch keine Brille irgendeiner Teilmenge (Partei, Richtung, Gesinnung, Wirtschaftssystem,etc. ) der menschlichen Gesamtheit mehr erfasst werden. Und ich glaube dass viele auch schon lange dieses Gefühl haben ohne es vielleicht zu wissen??

    Ich denke, für mich ist das hier ein ganz wesentlicher Punkt, der mich schon recht lange beschäftigt und auch meine Abneigung begründet mich irgendeiner Gruppe, Bewegung, etc. zugehörig fühlen zu wollen.

    Es wird kein rechts, links, arbeiter, mittelschicht, System oder sonstwas geben, mit dem wir da weiter kommen! Da muss etwas anderes her, was eben keine Teilmenge mehr vom Ganzen ist.

    Aber geht das,
    dass wir mit greifbaren und verhandelbaren Werten, Vorstellungen und Zielen argumentieren können, die alle Menschen und den gesamten Erdball gleichermaßen mit einschließen können, die nicht nur für Teilmengen gilt und Andersartiges ausgrenzt:

    „Friedlich“, „Gemeinwohlorientiert“, „Natur verträglich und erhaltend“, „Nachhaltig“ (auch wenn das Wort schon so abgelutscht ist . .), „Gerecht“, „Sozial“ (leider sehr negativ besetzt wegen SPD und so´n Sch…)

    Das sind so Wörter, die mir da bisher einfallen auf der Suche nach Narrativen, die vielleicht heute wieder greifen, uns berühren und motivieren können, endlich mal den Arsch wieder hoch zu bekommen und die bisherigen zivilsatorischen, sozialen und kulturellen Errungenschaften und auch die Natur als unsere Lebensgrundlage zu verteidigen, und /oder .
    eine neue Geschichte anzufangen und diese gemeinsam weiterzuspinnen und zu entwickeln.

    Es wird nicht einfach, aber es lohnt sich!

    Habe auf Rubikon in der Überschrift einer Buchbesprechung von Mohssen Massarrat (https://www.rubikon.news/artikel/die-finanzdiktatur) den Satz gelesen:

    „Verpflichten wir Wirtschaft und Politik, der Menschheit zu dienen!“

    (Der Satz ließe sich sicher noch erweitern)

    Ich finde es ein äußerst greifbares Ziel mit gleichzeitig visonärem Charakter, was ich auch auf der Strasse brüllen kann, welches als roter Faden oder Richtschnur taugt, nach der wir unser Handeln neu ausrichten.
    Es gilt – aus meiner Sicht – mehr solcher Formulierungen zu finden und daraus Argumente „FÜR eine Sache“ zu entwickeln,

    so dass sich da keiner mehr was aufschreiben, schweißgebadet fantasieren oder was rauchen muss, oder . . 🙂

  5. Die neue Weltordnung, oder besser neo-liberale Diktatur, ist von der SPD doch längst akzeptiert. Da muckt doch keiner mehr auf. Der militärisch- industrielle Komplex hat den Parteien die Entscheidungsmacht doch längst abgenommen. Das weiß auch Maas und Merkel. Die träumen nicht mehr. Sie verdummen das Volk und machen für sich das beste draus.
    Demnächst in Paraguay oder Neuseeland.

  6. Im Wachzustand habe ich neulich änliche Gedanken wie folgt ausgedrückt:

    Kündigung SPD-Mitgliedschaft

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    hiermit kündige ich mit sofortiger Wirkung meine Mitgliedschaft in der SPD. Meine Mitgliedsnummer lautet ….
    Die SPD unterstützt in der Regierung die friedensgefährdende Politik der NATO, GB und der USA, insbesondere gegen Russland.
    Ich möchte von meinen Kindern nicht später die gleichen dummen Fragen gestellt kriegen, die unsere Eltern unseren Großeltern gestellt haben – sofern meine Kinder die genannte Politik überhaupt überleben.
    Eine soziale Kraft ist die SPD so wie so nicht mehr.
    Bitte schicken Sie mir alsbald möglich eine Bestätigung der Kündigung zu.

    Mit freundlichen Grüßen
    (Mitglied seit 25 Jahren)

  7. Sich einschläfern zu lassen ist in Deutschland nicht erlaubt. Wenn ich mein eigener Hund wäre, könnte ich mich einschläfern lassen. Aber so.. bin ich nicht mal Eigentümer meines eigenen Körpers. Ich kann nicht frei darüber bestimmen, was damit geschieht. Wenn ich z.B. die GEZ nicht zahlen würde, müsste ich damit rechnen, weil ich Kriegspropaganda ablehne, in den Knast zu kommen.
    Bin ich der Besitz eines Anderen? Bin ich ein Sklave?

  8. Seien wir realistisch, träumen wir das Unmögliche! (nach Che Guevara)
    Träume, Visionen, Utopien … haben immer eine aufklärerische, ideologie-kritische Funktion. Sie sind eine subversive Kraft. Sie helfen uns dabei, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Und bewahren uns davor, im Morast des Status quo zu versinken.

    Danke für den Artikel!

  9. Wer war das, der vor dem 1. Weltkrieg die Kriegskredite genehmigte. Wer lies die Novemberrevolution zerschlagen? Welche Partei zeichnet sich in jedem Konfliktfall wieder dadurch aus, den Eliten in den Arsch zu kriechen?

    Nun gut, aber nur für den Fall, daß die Sozialdemokraten es dieses Mal Ernst meinen mit dem Frieden: Herzlich Willkommen! Probieren wir es noch mal.

  10. Ach Herr Pohlmann, Träume sind Schäume und Optimismus ist nur Mangel an Informationen. Damit sich ihr Traum verwirklicht, müssten 95% der politischen Akteure die Bühne verlassen, alle Denkfabriken und Think Tanks aufgelöst werden, die Redaktionen von allen Entscheidungsträgern befreit werden, die Macht des Kapitals gebrochen werden und der Bürger endlich mündig werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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